Kontaktschwierigkeiten überwinden

Tussideluxe

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Hallo Forum :)

Meine Kontaktschwierigkeiten ziehen sich wie ein roter Faden durch mein Leben.
Es fängt wohl schon an dem Punkt an, an dem ich denke "ich bin nicht richtig". Ich schaffe es nie den Punkt zu finden, an dem ich mit einem Kontakt zu anderen beginnen kann. Ich denke auch oft man mag mich (eh) nicht. Man lehnt mich ab.
Es ist also nicht einfach Menschen kennen zu lernen. Es ist noch viel schwerer zuzulassen, das sie mich kennen lernen.
Ich will nicht immer die sein, die eine komische Familie hat, die mit der Psychokrankheit. Die die anders ist. Die die ihr Leben lang anders war. Die mit dem Makel. Aber das bin ich nun mal. - Aber wie soll man dafür eine Art Selbstbewusstsein entwickeln? Wo soll darin ein (Selbst)wert zu finden sein??

Was bleibt mir also? Hoffen und fürchten. Hoffen das keiner fragt und fürchten das sie es doch tun. Aber auch fürchten das sie es nicht tun. Ich will ja als ich selbst in Kontakt treten. Aber auch das macht mir soooo viel Angst.

Ich denke dieser Kontakt-haben-wollen-müssen-fürchten-Kreislauf manövriert mich immer wieder in eine Depression. Ich bin in dem Moment mit meiner kompletten Vergangenheit konfrontiert.

Immer wieder beginnt es dann, wenn ich Kontakte beginne zu pflegen. Wenn es zur Konstante wird, das andere da sind. Das ich da bin. Dann werde ich "nervös". Ich bekomme Panik. Einen dicken Kloß im Hals. Ich beginne zu verweigern, zu fehlen. Ich will mich verkriechen und tue das auch. Nur einmal. Kurz. Diese eine Auszeit. Dann wieder dabei sein. So tun als wäre Kontakt Normalität. Ich habe Angst, richtig große Angst. Vor den Menschen, vor ihrer Stärke und meiner Schwäche. Davor nicht gut (genug) zu sein. Vor Be- und Entwertung.

Sicherlich hat ds alles Gründe. Alte Gründe, die heute nicht mehr bestehen. Aber wieso ist es dann nicht möglich das alte abzulegen und ohne diese Last weiter zu gehen? Ich habe das nie ergründen können.
Das war es aber von Anfang an nie. Ich bin nicht normal aufgewachsen. Sollte aber immer normal funktionieren. Das geht einfach nicht.

Liebe Grüße
Tussi*

27.08.2012 13:05 • #1


Martina

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Zitat von Tussideluxe:
Ich bin nicht normal aufgewachsen. Sollte aber immer normal funktionieren

Was ist denn schon normal? Wer bestimmt das?

27.08.2012 14:28 • #2


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Liebe Martina ,

ich denke schon das es eine Art Grenze gibt. Ob man sie nun zwischen normal & nicht normal zieht oder andere Begriffe verwendet. Es gibt diese Grenze. Und es ist schon auch gesellschaftlich festgelegt, was normal ist.
Wenn die Masse anerkennt, das Kinder nicht geschlagen werden dürfen, dann kann man das als normal bezeichnen und Kinder zu schlagen eben als nicht normal. - So meine ich das. Auch für mich.

Normal / nicht normal wird gerne missbraucht um dumme Grenzen zu ziehen innerhalb derer man Menschen einsperren will. - Was schwachsinnig ist. Ich hätte es auch so formulieren können: Die Art in der ich aufwuchs, wich deutlich davon ab, wie man aufwachsen kann, wenn man Eltern hat, die nicht saufen oder regelmäßig völlig durchdrehen oder ihre Kinder verhauen und sich nicht sonderlich dafür interessieren was das mit ihnen macht. Dies führte zu einer anderen Prägung bei mir als bei den Kindern, die ohne diese beinträchtigen Abweichungen aufwuchsen. ... Aber das war mir zu lang. Ich glaube aber Prägung ist der passende Begrff. Die ist bei mir anders gelaufen. Ich habe irgendwie den falschen Entwurf.

Liebe Grüße
Tussi

27.08.2012 15:26 • #3


Martina

1982
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Gut, haben wir das jetzt näher definiert.

Was hast du bisher unternommen, um diese Kontaktschwierigkeiten besser in den Griff zu bekommen?
Was kannst du künftig tun?
Willst du überhaupt etwas dagegen unternehmen oder willst du dich mit dem jetzigen Zustand arrangieren?

Ich frage aus gutem Grund soviel. Bei mir ist es nämlich so, dass ich zwar Kontakte gut herstellen und pflegen könnte - ich will es aber nicht, weil es mir schnell zuviel wird. Außer den Kontakten zu Arbeitskollegen habe ich privat nur sehr wenige Bekanntschaften. Damit geht es mir zur Zeit auch am besten.

27.08.2012 15:46 • #4


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Es gab Zeiten da habe ich Kontakt zur Umwelt verweigert und vermieden. Es war auch möglich das ganz zu vermeiden. Das war eine Art Erholung.

Im Moment versuche ich konstant Kontakte zu erhalten. Ich kann sie herstellen und gut pflegen. Ich finde aber Kontakte / Freundschaften furchtbar anstrengend und überfordernd.
Sie machen mir auch Angst. Alles was dazu gehört ist mit viele Angst und somit viel Stress verbunden. Dagegen etwas zu unternehmen ist nicht so einfach. Ich thematisiere das in der Therapie. Es wird immer mal so Stück für Stück bearbeitet.
Ansonsten versuche ich immer weiter zu machen. Stück für Stück. Beziehungen immer wieder auch zu hinterfragen, an statt sie entweder nur hinzunehmen oder hinzuschmeißen.

Ich hätte gern, das sich diese Baustelle entkrampft. Umgang ist etwas ganz alltägliches, es gehört zum Leben dazu. Für mich ist das aber immer wie vom andersn Stern und so anstrengend. Ich will es aber nicht sein lassen.

27.08.2012 16:24 • #5


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Pandoras

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Hallo, liebe Tussideluxe!

Ja, das ist auch eine meiner größten Baustellen. Aber wichtig ist auf jeden Fall schon, Kontakte zuzulassen und, selbst wenn es sehr wenige sind, zu pflegen. Aber DU entscheidest, wie weit Du es zulassen KANNST! Ich bin auch sehr oft sehr schnell überfordert und es entwickeln sich starke Ängste, demjenigen womöglich nicht "gerecht" zu werden.
Aber DU solltest auf Deine eigenen Bedürfnisse hören. Trotzdem sind soziale Kontakte unabdingbar. Sie sind ja auch eben gerade für die Genesung so wichtig.

Allerdings ist es eben auch wichtig, kleine Schritte zu machen. Mache ich momentan auch so. Und ich übe halt auch an meinen sozialen Kompetenzen - wie z.B. "nein" sagen zu lernen etc.
Ganz ohne Kontakte ist es auch nicht schön.

Aber ich versuche schon auch, die sehr sehr wenigen Leute, die ich kenne mir warmzuhalten. Wenn ich merke, es geht überhaupt nicht und ich kann zu einem gewissen Zeitpunkt garkeine Kontakte in irgendeiner Form zulassen, dann nehm ich mir mittlerweile doch schon mal das Recht heraus, es auch zu sagen. Das ist auch jeden Tag von Neuem schwierig. Aber mit viel Übung wird es von Tag zu Tag besser.

LG

27.08.2012 18:48 • #6


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Hallo Pandoras,

ich empfinde die Welt um mich rum manchmal als feindselig. Jeder will sich immer durchsetzen. Für alle anderen scheint es so einfach dagegen zu halten. Ich gehe immer gleich unter. Mich überfordert diese Art Feindseeligkeit. Aber scheinbar ist es wohl so in der welt da draussen das man immer um den Platz an der Sonne kämpfen muss.
Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich zu empfindlich bin? Mich überfordert das insbesondere.
Ich ziehe mich dann zurück und trauere.

Es fällt mir auch immer schwerer es aufs Neue zu versuchen. Es ermüdet, das immer der gleiche Kreislauf in gang kommt.

Ich glaube aber auch, man darf niemals aufgeben.

Lieben Gruß
Tussi

28.08.2012 15:42 • #7


Martina

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Zitat von Tussideluxe:
Aber scheinbar ist es wohl so in der welt da draussen das man immer um den Platz an der Sonne kämpfen muss.

Ja, vielleicht ist es so. Aber was heißt "Welt da draußen"? Wir sind doch alle ein Teil dieser Welt, sind mitten drin! Und muß es denn unbedingt ein Platz an der Sonne sein? Mir persönlich gnügt da auch der Halbschatten. Ist viel angenehmer und nicht so umkämpft. Ich bin auch keine ausgesprochene Kämpfernatur aber mit meinem Plätzchen ausgesprochen zufrieden. Ist vielleicht eine Sache der Einstellung. Man muß doch nicht immer in der ersten Reihe stehen!

Zitat von Tussideluxe:
Ich ziehe mich dann zurück und trauere
Wenn man sich dann beleidigt oder verletzt zurückzieht, sitzt man eben im Schatten. Da ist es recht kühl und man ist da ziemlich alleine.
Zitat von Tussideluxe:
Es ermüdet, das immer der gleiche Kreislauf in gang kommt

Versuche ihn zu unterbrechen, das spart Kraft.

28.08.2012 20:38 • #8


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Für mich gibt es eine "Welt da draußen".
Die gab es immer. Ich fühle mich getrennt von anderen, von meiner Umwelt, von der Welt.
Es erscheint mir Oft alles fremd. Die Angst vor der Umwelt / den Menschen verstärkt das oft auch noch.

Ich ziehe mich nicht beleidigt zurück. Ich bin meist erst mal überfordert und ratlos. Dann auch traurig. Und fühle mich noch weiter entfernt. Aber ich versuche es immer weiter. - oder ist das Kontraproduktiv...?

Ich möchte auch nicht den Platz an der Sonne. Ich empfinde es so, das stetig darum gekämpft wird. Das beeintrachtigt alle, die das mitbekommen. Auch und oft völlig unnötig. Mir ist es lieber aus der Ferne beobachten zu können. Dort bekommt man sehr viel mehr mit, da ist es ruhiger.

28.08.2012 22:14 • #9


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Pandoras

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Hallo Tussideluxe,

Zitat:
ich empfinde die Welt um mich rum manchmal als feindselig.


Manchmal geht es mir genauso. Besonders dann, wenn ich das Gefühl habe, nicht erwünscht zu sein oder wenn ich mit Kritik nicht umgehen kann. Oder aber auch, wenn jemand an mir was auszusetzen hat. Das bewerte ich meist negativ und feindselig.
Aber ich bin auch der Meinung, es kommt letztendlich darauf an WIE man es persönlich für sich sieht und bewertet.
Es muss nicht immer alles negativ sein, nur weil man es vielleicht in dem Moment so empfindet. Meistens ist es vielleicht sogar andersrum.

Also ich denke, es ist reine Ansichtssache ^^.

30.08.2012 22:36 • #10


sternmeer34

Hallo


Bei mir ist es auch so, das ich mir den Menschen den ich kennenlerne mir genau anschaue,
und ich deswegen auch so wenig Kontakte habe, es Spielt bei mir auch eine sehr grosse Rolle
das Vertrauen.
Wenn ich was Preisgebe von mir, dann muss ich auch ein stück weit vertrauen können.
Wenn ich was schreibe,oder sage, dann möchte ich nicht mehr Missverstanden werden, und ich
bin in meinem Leben schon oft Missverstanden worden.

26.02.2013 18:38 • #11

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