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Ich würde gerne ein Buch schreiben aber wie?

Bella72

Bella72

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Hallo,

ich überlege schon lange, ein Buch zu schreiben. Ich habe viel erlebt und möchte anderen Betroffenen gerne helfen. Meine Diagnose lautet Bipolar II. Seit mehr als 20 Jahren leide ich an dieser Krankheit und habe einen schweren Suizidversuch 2016 hinter mir, unter dessen Folgen ich wohl mein Leben lang leiden werde.

Hat jemand von Euch Erfahrung mit Schreiben? Aktuell tendiere ich zu einem Roman. Früher wollte ich eher einen Erfahrungsbericht für Betroffene und Angehörige schreiben. Ein Tipp eines Therapeuten war, einen Blog zu erstellen.

Was meint Ihr? Ich freue mich über Anregungen.

Liebe Grüße von Bella

01.03.2021 23:27 • x 3 #1


ohneFunktion

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Hallo!

Mach das!

Ich glaube im Internet wirst Du bestimmt fündig, was die Vorgehensweise betrifft.

Irgendwann tue ich das auch.

01.03.2021 23:35 • x 2 #2



Hallo Bella72,

Ich würde gerne ein Buch schreiben aber wie?

x 3#3


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Greta

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Liebe @Bella72 ,

ich finde die Idee großartig!

Hast du den Roman schon in deinem Kopf? Dann schreib' einfach drauflos.
Wenn dann das erste Manuskript fertig ist, kannst du dich ans Bearbeiten machen.

Hast du bisher lediglich Ideen zu einzelnen Szenen, dann schreibe erstmal diese alle auf. So hast du ein Grundgerüst, dass du füllen kannst.

Du kannst auch einen Plot erstellen, an dem du dich entlanghangelst ... Zeitrahmen, Personen, Ereignisse... Auch dazu findest du Tipps im Internet.

Hilfreich ist, wenn du anfangs nur für dich schreibst und noch nicht an die späteren Leser denkst.
Sonst wird man schnell zu kritisch und verhaspelt sich mit korrigieren.
Korrigieren, verbessern, ändern kannst du später immer noch.

Ich wünsche dir viel Freude bei deinem Buchprojekt.

Greta

02.03.2021 09:56 • x 2 #3


bake37

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Hallo, Bella,
Vor über drei Jahren war ich auf der Suche nach einer PT. Damit ich nicht bei jeder Kontaktaufnahme das gleiche erzählen musste, sprechen fällt mir schwer, habe ich eine Art Bewerbungsschreiben verfasst. Mit Erfolg. Eine PT sagte mir: Machen Sie doch ein Buch daraus! Doch da habe ich gesehen, wie viele Ratgeber, Lebenshilfen und Glücksbringer auf dem Markt sind. Wer soll das alles lesen und wem hilft das wirklich, wen interessiert meine Psychokarriere, überlegte ich. Was, wenn ich während des Schreibens in die Abwärtsspirale gerate und damit Stillstand eintritt? Kürzlich stieß ich durch einen Zeitungsbericht auf das Thema Schreib dich gesund. Das hat mit durchblicken und loslassen zu tun. Dazu kaufte ich mir das gleichnamige Buch von Silke Heimes, (V+R Verl. 11.99 E) Es muss nicht gleich ein Buch sein, schreiben kann auch mir ganz persönlich hilfreich sein, überlegte ich. Meine PT hat mich motiviert und so habe ich angefangen, ganz für mich allein. Ich bin jetzt bei meinem 15. Lebensjahr angelangt. Danach beginnen allerlei Scheußlichkeiten. Ich weiß nicht, ob ich die schriftlich bewältigen kann.
Ich werde seit den 1950iger Jahren von Depressionen heimgesucht, habe alle Therapien durch und gelte jetzt als chronisch und austherapiert. Mit dem Alter häufen sich die Episoden und schwerer werden sie auch. Ich glaube, es ist was dran an Schreib dich gesund. Hallo, Bella, lies mal nach über Silke Heimes, vielleicht findest du den ein oder anderen interessanten Hinweis.
Ich hab' schon mal vor Jahren ein Buch veröffentlicht, allerdings über ein ganz anderes Thema. Heute wundere ich mich, dass ich es so glatt zustande bringen konnte.
Überleg's Dir gut, wenn Du überzeugt bist, dann fang' an! Nach der Beendigung brauchst Du einen Lektor, der das Ganze in Form bringt und druckreif macht. Denke an korrekte Quellenangaben, Fußnoten, Zitate. Guten Rat findest Du sicher auch im Internet.
Liebe Grüße
bake37

02.03.2021 12:22 • x 5 #4


Bella72

Bella72

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Liebe Greta und liebe bake37,

VIELEN DANK für die tollen Tipps

ich hatte meine Erlebnisse schon komplett fertig geschrieben und dann wurde ein neues Betriebssystem auf meinen PC gespielt und alles war weg .
Aber vielleicht ist es auch gut so. Jetzt kann ich nochmal ganz von vorne anfangen. Ich denke ein Roman würde sich besser lesen als ein Lebensbericht. Dann fange ich wohl einfach mal an und schau wo es hingeht. Die Silke Heimes werde ich mir anschauen, vielen Dank!

@bake37 es tut mir sehr leid, dass Du an chronischen Depressionen leidest. Das ist schrecklich. Ich habe ja eine gute Bekannte, die eventuell auch so ein Schicksal hat und Mutter eines einjährigen Jungen ist. Ganz schlimm. Fühl Dich gedrückt. Wie lebst Du damit? Hast Du Tricks oder Vorgehensweisen, die Dich durch den Tag bringen? Hilft denn wirklich gar nichts? In welchen Abständen kommen die Phasen?
Liebe Grüße von Bella

02.03.2021 12:34 • x 2 #5


bake37

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Hallo, Bella,
Danke für Dein Interesse! Ich hoffe, Deiner Bekannten bleibt mein Schicksal erspart. Ich befinde mich im Endstadium dieser wundervollen Erkrankung, die ja so eindrucksvoll zu behandeln ist. Ich lebe in totaler Isolation, sozialer Rückzug genannt. Seit 5 J. kein Telefon und kein Radio mehr, reagiere nicht aufs Klingeln. Von meinem einst großen Freundes-und Bekanntenkreis ist fast nichts mehr geblieben. Antrieb, Schlaf und Stimmung, die 3 Säulen in der Diagnostik, gleich Null. Der einzige Halt ist meine PT, ein Glücksfall für mich. Seit 3 Jahren, einmal pro Woche, privat. Sie achtet auf meine Tagesstruktur. Mit ihrer Hilfe halte ich mich über Wasser. Ohne sie und ohne meine gutsituierten Lebensumstände würde ich vielleicht obdachlos werden, verwahrlosen und unter einer Brücke landen. Dort leben bekanntlich so einige Depressionen. Das schlimme ist, dass mein Intellekt total auf Zack ist. Ich kann daher meine Situation genau einschätzen, d.h. ich weiß, was mit mir los ist. Medizinisch habe ich alles durch. Wie bei Krebs: da ist nichts mehr zu machen. Einen Durchbruch in Richtung Heilung werde ich nicht mehr erleben, falls er überhaupt möglich ist.
Du wirst viel Stoff zu verarbeiten haben, wenn Du das Thema in einen Roman einbettest. Besser als ein Lebenshilfebuch! Hol Dir frühzeitig Infos und Unterstützung. Würde mich freuen, wenn Du mich auf dem Laufenden halten könntest. Ein Buch zu schreiben ist ein Abenteuer! Im Frühsommer hatte ich zugesagt, ein paar Buchbeiträge zu verfassen und angefangen.. Da brach wieder eine Episode aus und vorbei war's. Die dauert an. Schwer zu ertragen.
Vor 10 Jahren hatte ich eine Episode im Jahr, Dann wurden es drei. jetzt sind es nur zwei, die aber Monate dauern und hundsgemein und gefährlich sind. Wie kommst Du mit Deiner Beeinträchtigung zurecht ?
Ich wünsch Dir alles Gute, pack's an! Viel Erfolg. Wirst Du es mir signieren ?!
Liebe Grüße
bake37

03.03.2021 19:37 • x 5 #6


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Kate

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Hi Bella,
es gibt sowas wie online Schreibkurse. Ich glaube, die sind genau auf sowas ausgerichtet. Dort wird man dann begleitet beim schreiben.
Vielleicht hilft das ja?

LG Kate

03.03.2021 21:23 • x 2 #7


Traube4

Liebe Bella, kann Dir nur raten, mach es!
Ich habe selbst schon mit dem Gedanken geliebäugelt, aber oftmals bin ich immer wieder über meine Angst darüber gestolpert.

Aber versuche es unbedingt, ich wünsche Dir viel Glück..

03.03.2021 23:38 • x 2 #8


Bella72

Bella72

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@bake37 ,

vielen herzlichen Dank für Deine Offenheit

Das ist wirklich ein ganz grausamer Verlauf, den Du da hast. Wann ging es bei Dir los und darf ich fragen, wie alt Du jetzt bist? Wenn ich es richtig verstehe, wurde es im Laufe der Jahre immer schlimmer bei Dir oder? Ich will mir gar nicht vorstellen, welche Qualen Du aushalten musst. Du Arme! Schade, dass Du gar niemand mehr um Umfeld hast . Aber sehr schön, dass Deine Therapeutin Dir so gut helfen kann. Hast Du mal was von der Erkrankung HPU und Porphyrie gehört? Der Freund meiner Bekannten glaubt, das sei der Grund, warum bei ihr keine Medikamente wirken.

Bei meiner Bekannten ging es schon im Kindesalter los. Sie war dann jahrelang wieder stabil und dann aber 5 Jahre fast ununterbrochen in Kliniken. Dann wieder stabil und seit dem 7. Schwangerschaftsmonat seit 1,5 Jahren ganz schwer depressiv. Diese Krankheit ist wirklich die Hölle für alle Betroffenen und das Umfeld. Ich hoffe, dass doch ein Medikament bei ihr anschlägt und sie wenigstens in der Lage sein wird, ihr Kind zu versorgen. Aktuell wollen sie in der Klinik natürlich viele Medikamente ansetzen und das will sie eigentlich nicht und ihr Freund noch weniger- echt eine schwierige Situation.

Ich hatte auch immer Angst, unter der Brücke zu enden wenn ich schwer depressiv war. Ein schreckliches Gefühl. Aber ich habe es immer wieder geschafft, wieder arbeitsfähig zu werden und bin auch sonst finanziell durch meine Familie abgesichert. Gott sei Dank!

Vielen Dank für Dein Interesse. Ich muss nur mal die Muße und Zeit finden, anzufangen. Ich sage Dir auf jeden Fall Bescheid!

Ganz liebe Grüße von Bella

04.03.2021 12:49 • #9


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mutmacher

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Die Hürden sind hoch!
Als es noch keine Computer gab, habe ich mal ein Manuskript mit autobiographischem Inhalt verfasst und an einen Verlag geschickt. Dieses Manuskript wird dann zunächst einem Lektor vorgelegt, der dann entscheidet, ob der Verlag es annimmt zum Druck oder nicht. Mein Schrieb war noch nicht fertig und man gab mir mehr oder weniger eine Zusage (unter bestimmten Voraussetzungen) - auf jeden Fall machte ich die Sache fertig und schickte es wieder hin. Nach längerer Zeit kam mein Manuskript zurück und man erklärte mir, dass sie kein M. annehmen können, sondern nur ein Typoskript. Nun das wäre in heutiger Zeit alles viel einfacher dank Computer. Man erklärte mir ganz genau, wie so ein Typoskript auszusehen hat: 1 1/2 zeilig mit soundsovielen Anschlägen pro Zeile und soundsovielen Zeilen pro Seite. Ich vergaß die ganze Sache und legte den Schrieb in die hinterste Schublade meines Schreibtisches. Eines Tages sprach mich mein Vater darauf an und bot sich als Rentner an, dieses Typoskript (damals noch mit der Schreibmaschine !) zu verfassen. Dazu muss ich sagen, dass mein Vater selbst Bücher geschrieben hat (in meinen Augen staubtrocken und wirklich nur interessant für jemanden, der kirchenhistorisch bewandert und interessiert ist). Ich selbst kümmerte mich nicht mehr um das ganze Projekt, bis mir mein Vater eines Tages mein Typoskript vorlegte. Ich blätterte darin und stellte fest, dass mein Vater z.B. alle direkte Rede herausgenommen und es nach seinem Stil umgeschrieben hatte.
SO, wie das jetzt war, kam das nicht aus meiner Hand, es war in keinster Weise authentisch und ich war nicht bereit, meinen Namen darunter zu setzen. Mein Vater schickte es dann doch an den Verlag um es nach einigen Wochen wieder in den Händen zu haben mit dem Hinweis, dass dieses Typoskript in keiner Weise mit dem Original übereinstimme und man einen Druck bzw Veröffentlichung ablehne.
Mein Vater schickte die ganze Sache an einen anderen Verlag, die etwas halbherzig zurückschrieben, es müssten Namensänderungen und andere Korrekturen vorgenommen werden, Personen dürften sich in einer Veröffentlichung nicht wiedererkennen usw. Mein Vater ist inzwischen verstorben und die ganze Schreiberei liegt wieder in der hintersten Schublade meines Schreibtisches. Ich werde es halten wie Anna Wimschneider (Herbstmilch), deren Schwiegersohn das Manuskript nach ihrem Tod zwischen ihren Kleidern fand und es schließlich veröffentlichte u. verfilmte.
- Das alles kann bei Dir anders laufen. Jetzt in Computerzeiten juckt es mich auch manchmal in den Fingern, aber es nimmt einem sehr sehr viel Zeit, Ausdauer und Kraft. Vielleicht hast Du ja mehr Glück- das wünsche ich Dir von Herzen.

04.03.2021 14:22 • #10


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mutmacher

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Hab` noch was vergessen: Du kannst natürlich im Selbstverlag ein Buch rausbringen - aber das ist richtig teuer. Und Anbieter wie Werden Sie Autor usw, wollen auch nur Dein Bestes (Dein Geld).

04.03.2021 14:48 • #11


Bella72

Bella72

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@mutmacher ,

auch wenn Du Deinem Profilnamen mit dem Beitrag nicht gerecht wirst, vielen Dank für die Offenheit und die Erfahrungen. Das ist wirklich blöd gelaufen bei Dir damals.
Aber vielleicht greifst Du es doch nochmal an! Mich würde Deine Geschichte auf jeden Fall interessieren. Auch in der aktuellen Form, wenn Du magst .

Wann ich starte weiß ich auch noch nicht. Ich habe habe ja schon so viel zu tun aber es lässt mich einfach nicht los.

Liebe Grüße

04.03.2021 16:04 • #12


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Greta

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Liebe @bella72,

lass dich nicht entmutigen. Fang einfach an zu schreiben.
Ans Veröffentlichen solltest du im Moment noch gar nicht denken.
Das blockiert dich nur.

Vielleicht wirst du ja auch feststellen, dass es erstmal gut für DICH ist, wenn du deine Geschichte schreibst.
Und falls du dein Buch dann irgendwann tatsächlich mit anderen teilen willst, dann wird sich sicher ein Weg finden.

Liebe Grüße
Greta

04.03.2021 17:13 • x 2 #13


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Kate

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Zitat von Greta:
Vielleicht wirst du ja auch feststellen, dass es erstmal gut für DICH ist, wenn du deine Geschichte schreibst.

Das denke ich auch. Man hat sich einmal alles so richtig von der Seele geschrieben. Meist denkt man danach auch viel klarer.

LG Kate

04.03.2021 17:25 • x 1 #14


bake37

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Hallo, Mutmacher,
Interessant, was Du von Eurem Manuskript berichtet hast.
Wer veröffentlichen möchte, der sollte sich unbedingt vorher mit dem Autorenrecht beschäftigen.
Es schützt geistiges Eigentum. So erspart man sich Frust und Ärger. Ich habe beides zu spüren bekommen. Gerade habe ich meine Biographie bis zum 15. Lebensjahr fertig, Ein Depri - Kind zwischen 1937-1950
Wollte mal offenlegen, wie es angefangen hat. Gab es schon frühe Anzeichen und welche? Das ganze nur für mich.
Viele Grüße und ein schönes Wochenende
bake37

05.03.2021 14:07 • #15



Hallo Bella72,

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bake37

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Hallo, Bella,
Gerade habe ich ein paar Bemerkungen zum Thema an Mutmacher gesendet.
Was diese Stoffwechselstörung betrifft,: sie wird von der Medizin als harmlos eingestuft. Einen Zusammenhang konnte man bisher nicht finden. Man greift zu, wenn sich irgendwo eine Lücke auftut, die man für Depressionen verantwortlich machen kann. Nachdem kürzlich in Leipzig (Zentrum der deutschen Depri-Forschung) eine Studie erschien, wonach Nahrungsergänzungs-
mittel (Mineralien) wirkungslos sind, suchen die Hersteller jetzt nach neuen Märkten .
Die Neurobiologen haben für die Wirkungslosigkeit der Antidepressiva eine logische Erklärung. Die Rezeptoren haben keine Sensibilität mehr gegenüber den Transmittern. Sie können nicht mehr auf die sogen. Glückshormone reagieren. Da kannst du soviel Wiederaufnahmehemmer futtern, wie du willst, es tut sich nichts mehr. Wen es trifft, der hat eben Pech gehabt.
Vielleicht ist auch die Genetik daran beteiligt. Ich habe keinerlei Familie, allerdings ist eine Nichte von mir, in Amerika lebende Nonne(42) seit Jahren in Therapie, ein Neffe von mir ist gesprungen. Mehr familiäres weiß ich nicht.
Fühlst Du Dich als genesen? Echte Heilungen gelten ja wie ein Sechser im Lotto. Wie hast Du das gemacht? Fürchtest Du einen Rückschlag irgendwann?
Übrigens kannst Du mich anklicken unter Profil
Ich wünsch' Dir ein schönes Wochenende!
Gruß von bake37

05.03.2021 14:46 • #16

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