Ich weiß einfach nicht mehr weiter, trotzdem geblieben

J

justme123
Mitglied

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Hallo zusammen,
ich weiß nicht mehr weiter und würde gerne die Einschätzung anderer hören. Seit Jahren denke ich im Kreis und verstehe nicht, warum ich so handle.
Ich bin 26 und stecke seit Wochen in einer extremen Krise. Ich habe kaum noch Ziele, sehe wenig Sinn in meinem Leben und bereue vieles aus den letzten sechs Jahren. Vor allem möchte ich verstehen, warum ich so lange in einer Situation geblieben bin, die mich unglücklich gemacht hat, und warum ich es bis heute nicht schaffe, etwas zu verändern.
Meine Vorgeschichte:
Bis ich ungefähr 17/18 war, war ich ein lebensfroher Mensch. Ich hatte Freundinnen, war offen und freute mich auf mein Leben. Dann veränderte ich mich schleichend. Mir wurde vieles peinlich, ich zog mich zurück und entwickelte soziale Ängste, die ich früher nicht kannte. Rückblickend frage ich mich, ob damals bereits eine Depression oder soziale Angstproblematik entstanden ist.
Ich hoffte, dass mit einem Umzug in eine andere Stadt alles besser werden würde. Ich wollte einen Neuanfang und endlich anfangen zu leben.
Meine Studienentscheidung verstehe ich bis heute nicht.
2020 wollte ich eigentlich Psychologie studieren, wurde aber beim Aufnahmetest nicht aufgenommen. Ich wollte unbedingt weg aus meinem Heimatort und wusste nicht, was ich stattdessen machen sollte. Also schrieb ich mich für Lehramt ein, obwohl ich das eigentlich nie studieren wollte. Weder die Fächer noch der spätere Beruf interessierten mich. Ich hatte sogar schon vor Studienbeginn Angst davor.
Das Schlimme: Es war vom ersten Tag an so. Ich war unglücklich, hatte Angst vor der Uni, fühlte mich unwohl und fand kaum Anschluss. Ich litt jedes Semester, war ständig gestresst und quälte mich durch das Studium. Ich wollte weder die Inhalte lernen noch später als Lehrerin arbeiten.
Trotzdem machte ich sechs Jahre weiter und schloss das Studium sogar in Mindeststudienzeit ab. Ich redete mir ein, dass ich meinen Weg schon noch finden würde oder eben durchhalten müsse, weil ich schon so weit gekommen war.
Parallel dazu recherchierte ich jahrelang unzählige Studiengänge, Berufe und Ausbildungen. Ich wollte unbedingt etwas finden, das wirklich zu mir passt. Bei jeder Möglichkeit fand ich aber etwas, das dagegen sprach oder mir Angst machte. Ich hatte solche Angst, erneut die falsche Entscheidung zu treffen, dass ich an etwas festhielt, das mich nachweislich unglücklich machte.
Teilweise wollte ich nicht einmal nach Hause fahren, weil ich mich dafür schämte, Lehramt zu studieren, z.B. bei Verwandten-Treffen oder Bekannten im Heimatort. Ich war 2021 und 2023 auch jeweils bei einem Psychologen. Mir ging es also schon lange schlecht, trotzdem funktionierte ich weiter.
Nach dem Bachelor wollte ich unbedingt aufhören. Trotzdem meldete ich mich wieder für den Master an. Jetzt bin ich im Lehramtsmaster und habe das Gefühl, dass ich nicht mehr kann.
Was mich besonders belastet:
Warum habe ich nicht irgendwann die Reißleine gezogen? Warum habe ich nicht gearbeitet, Dinge ausprobiert oder mir Zeit genommen, herauszufinden, was mir Freude macht?
Ich machte mein ganzes Leben davon abhängig, zuerst beruflich orientiert sein zu müssen. Sogar Menschen, die ich kennenlernte, habe ich teilweise weggedrückt, weil ich dachte, ich könne keine Beziehung eingehen, solange ich nicht weiß, was ich beruflich machen möchte. Erst wenn ich meinen Weg gefunden habe, darf ich mein Leben beginnen.
Heute habe ich das Gefühl, sechs Jahre lang nur gegrübelt und funktioniert zu haben, anstatt wirklich zu leben. Obwohl ich weiß, dass ich das Studium nicht weitermachen muss und andere Möglichkeiten habe, ändere ich nichts.
Was ich gerne verstehen würde:
Warum entscheidet man sich für etwas, das man eigentlich gar nicht möchte, und hält jahrelang daran fest? Warum habe ich mich nicht getraut aufzuhören, obwohl ich von Anfang an wusste, dass ich unglücklich bin? Und warum tue ich heute, obwohl ich das alles erkannt habe, wieder dasselbe?
Könnten Angst vor Fehlentscheidungen, Versagen, Veränderung oder soziale Ängste dahinterstecken?
Ich möchte nicht einfach hören, dass ich mit 26 noch jung bin. Mein Problem ist, dass ich seit Jahren versuche, durch Nachdenken die richtige Lösung zu finden, dabei immer erschöpfter werde und trotzdem nicht ins Handeln komme.
Hat jemand etwas Ähnliches erlebt oder erkennt ein psychologisches Muster? Ich wäre sehr dankbar für ehrliche Einschätzungen und kritische Rückmeldungen. Ich möchte endlich verstehen, warum ich so handle und wie ich aus diesem Kreislauf herauskomme.

• #1


1 Antwort ↓

HDD
Zitat von justme123:
Hat jemand etwas Ähnliches erlebt oder erkennt ein psychologisches Muster?

Oh ja. Kenne ich gut.
Zitat von justme123:
Ich möchte endlich verstehen, warum ich so handle

Es gibt 1000 pop-psychologische Erklärungen. Jeder kann sich eine aussuchen. Meiner Meinung nach ist die Erklärung aber gar nicht so wichtig. Was nützt es dir? Es wird es nicht dabei helfen, zu erkennen,
Zitat von justme123:
wie ich aus diesem Kreislauf herauskomme.


Zitat von justme123:
Ich war 2021 und 2023 auch jeweils bei einem Psychologen.

... und die konnten dir offenbar auch nicht wirklich helfen.

Möglicherweise ist der Weg, nicht zu viel zu grübeln, die Dinge nicht zu zerdenken, sondern einfach zu machen. Auch wenn einem dabei Fehler unterlaufen. Die allermeisten Fehler sind nicht "schlimm", sie haben einen Zweck und wer weiß, wofür sie noch einmal gut sein mögen?

Zufälligerweise stieß ich heute wieder auf das hier:



Da siehst du: Dein Weg muss nicht geradlinig und geplant verlaufen. Das tat der von Steve Jobs auch nicht - und er wurde trotzdem eine bemerkenswerte Persönlichkeit.

• #2

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