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Ich bin einfach nur ein minderwertiges Paradoxon

AmyAluka13
Hallo Forengemeinde,

mein letzter Beitrag liegt wahrscheinlich nun schon etwas länger zurück, doch nun habe ich wieder die nötige Zeit und Ruhe gefunden, mich wieder hier zu melden.

Momentan geht es mir irgendwo immer schlechter, wobei auf der anderen Seite der Medaille eine Art "Genesung" statt findet, und ich weiß überhaupt nicht, wie das Ganze überhaupt noch zusammen passen soll. Die positive Seite zu erst: Trotz meiner aktuellen Schieflage habe ich wieder sehr viel Antrieb dazu gewonnen -letztendlich habe ich meine Medikamente (welche mich müde und schlapp machten) alle abgesetzt und ich habe vor ca. einem halben Jahr damit angefangen, mich überwiegend gesund zu ernähren. Dadurch habe ich viele Kilos abgenommen und fühle mich dadurch zumindest körperlich wieder fit. Ich habe keine Probleme mehr, morgens früh auf zu stehen und interessiere mich wieder für Sport. Ich bin sehr penibel in meinem Haushalt, trinke nur noch sehr wenig Alk. und lasse mich, wie es depressiven Menschen ja oft nachgesagt wird, auch "nicht gehen". Ich habe am Tag sogar sehr viele Ideen und Pläne, -zumeist auch kreative Ideen und Vorstellungen. Ich denke sehr viel nach und neige oft dazu, im Stillen zu philosophieren. Auch habe ich viele Interessensgebiete, also demnach mangelt es bei mir eigentlich nie an Beschäftigung.

Das mag sich vielleicht alles gerade "positiv" anhören -doch ferner existiert hinter dieser Facette der Genesung der düstere Teil. Und zwar geht mein Selbstbild immer mehr den Bach hinunter. Dazu bekomme ich am Tag vermehrt Reizüberflutungen und momentan bin ich auch unterernährt, obwohl ich mich eigentlich gesund ernähre. Ich fühle mich schlapp, kann mich nicht mehr konzentrieren und bin ständig nur noch gestresst und müde. Meine eigene "Kreativität", bzw der ständige Drang danach, irgendetwas am Tag zu tun -sei es das Schreiben, das Recherchieren über bestimmte Themen oder gar einfach nur den Haushalt zu führen, legt mich anbei völlig lahm, da ich nicht mehr zur Ruhe komme. Mein Gehirn lässt sich einfach nicht mehr abschalten, was höchst wahrscheinlich auch daran liegt, das ich meine gesamte Existenz sehr verstärkt in Frage stelle. Ich bin an einem Punkt angekommen, wo ich der felsenfesten Überzeugung bin, dass es mit mir einfach keinen Sinn mehr macht. Ich lebe derzeit in einer Notunterkunft (wie vielleicht hier schon ein paar mal in anderen Beiträgen von mir erwähnt) und beziehe ALGII vom Jobcenter. Demnach habe ich einfach mal gänzlich versagt und den Zug verpasst. Viele, welche mich nicht kennen, sind natürlich der Meinung, das ich noch jung wäre und mir noch viele Chancen offen stehen. Doch diese Chancen gibt es nur, wenn Ressourcen vorhanden. Beispielsweise habe ich den Wunsch, einen vernünftigen Beruf aus zu üben der mir 1. Spaß macht und durch den ich 2. finanziell abgesichert bin. . Vielleicht auch ein Beruf, der das eigene Selbstbewusstsein aufbaut. Doch ich denke, den Glauben an mir zurecht verloren zu haben, da ich einfach nichts in mir sehe, was auf eine echte Ressource hinweist. Beispielsweise habe ich online sehr viele IQ-Tests gemacht, um einfach mal zu schauen, ob das stimmt, was mir von einzelnen Personen aus der Vergangenheit immer eingetrichtert wurde, -und damit meine ich nämlich jenes Mysterium (welches man wahrscheinlich anhand den Klischees eines Asperger-Genies beurteilt) ich sei hochintelligent einmal nach zu kommen, und fühlte mich in meinem selbstkritischen Selbstbild bestätigt. Die Testergebnisse waren alle genauso widersprüchlich wie der Rest in meinem Leben: In einem IQ-Test erhielt ich z.B. zwei Testergebnisse mit 111 und 120 Punkten, obwohl meine mathematischen Kenntnisse sehr unterdurchschnittlich sind. An einem anderem Tag (und dort war ich sogar sehr konzentriert) konnte ich wiederholt wieder meinen üblichen IQ von 75 berechnen lassen . dieser wurde nämlich schon einmal anhand eines IQ-Tests diagnostiziert. Dies verunsichert mich eigentlich nur insofern, das 1. alle Testergebnisse und Einschätzungen von Personen so widersprüchlich sind, das ich einfach gar keinen Sinn darin sehe, und 2. denke ich nicht, das ich mit solchen Ergebnissen jemals irgendwo erfolgreich sein kann Ich fühle mich wie eine Minderheit -wie ein Drucker, der ständig nur leere Papiere vor sich hin druckt ohne zu einem Ende zu kommen. Alles was ich mache erachte ich irgendwo als nonsense, weil ich weiß, das sich in diesem Leben mit diesem unterdurchschnittlichen Dasein nichts mehr groß artiges lohnen wird. Immer und überall stehe ich wie ein Schidsrichter neben mir, der einem nur aggressiv die Ohren zu drillt, sobald ich an irgendetwas scheitere oder nur in leere Tore schieße. Eigentlich mache ich mich selbst nur noch nieder, während ich auch für den Rest der Menschheit aus philosophischen und auch komplexeren Gründen aus der Vergangenheit nur noch Distanz und Zynismus übrig habe -zumindest für einen Großteil der Bevölkerung. Praktischerweise habe ich jegliche positive Regungen verloren -und dazu haben sich dann auch die niedrigen Vitamin und Nährwerte in meinen ganzen Labortests dazu gesellt. . Ich fühle mich somit wie ausgesogen, als wäre meine Existenz schon ausgelöscht. -Als wäre das Flugzeug, mit diesem ich jahrelang geflogen bin, agbestürzt und nieder gebrannt. Jegliches Gefühl nehme ich deutlich wahr, weil ich einfach merke, den letzten Lebenssinn beispielsweise durch den Verlust einer wichtigen Vertrauensperson und einem unvorteilhaften Ortswechsel vollkommen verloren zu haben.

Jeden Tag gehe ich mein ganzes Leben noch einmal in einem Schnelldurchlauf durch -angefangen von der Erkenntnis, das meine Geburt nicht liebevoll geplant wurde, bis zu dieser kargen Gegenwart und dem Entschluss auf gut deutsch völlig für die Tonne zu sein. Heute bin ich sogar der Meinung, das in meinem Realschulabschluss irgendetwas gepfuscht wurde. Ich denke, das ich diesen nämlich in Wahrheit nicht bestanden hätte, denn im Unterricht war ich die ganze Zeit so müde und neben der Spur, das ich nicht einmal mehr aufgepasst habe. Ich wurde sogar in meinem eigenem Unterricht auf Grund meiner sozialen Schwierigkeiten von einer Betreuerin begleitet, während meine Lehrer wahrscheinlich nur Mitleid mit mir hatten. . Da denke ich mir immer: Wie kann das alles sein? Meine Realität ist einfach nur noch paradox und irreal geworden. Anscheinend pendele ich immer zwischen Hochintelligenz und vollkommener Verblödung. Ich fühle mich komisch und bin komisch. Ich schäme mich für meine eigene Existenz, da ich einfach versagt habe. -Aber auch nur das ist wiederum logisch für mich, da Versager versagen. In solch einem Zustand würde ich eigentlich wieder daran denken, dem allem vielleicht doch irgendwo ein Ende zu setzen -anstattdessen fühle ich mich nur noch leer und erschöpft, da ich keine Kapazitäten mehr habe, um noch sonderliche komplexe Emotionen wie Wut oder Trauer empfinden zu können. Momentan habe ich den Entschluss gefasst, das meine Depressionen vielleicht auch noch eine Folgeerscheining meiner eigenen Minderheit sein können. . Wenn man in seinem Leben durch seine nicht vorhandenen Ressourcen und daher auch unterdurchschnittlichen Erfolgsquoten immer nur so lange in die leeren Tore schießt, bis gar kein Tor mehr vorhanden ist, wird man irgendwann einfach depressiv. Fast sehe ich meine eigenen Depressionen als das noch natürlichste und logischste in meinem ganzem Leben an. Alles ist nur noch ein großer Verlust.

LG Amy
Ergo: Danke an jeden, der sich noch zutraut, sich diese Texte durch zu lesen.

22.08.2019 15:20 • x 3 #1


Frederick1
liebe Amy/Aluka13,

du ich habe dich noch nicht vergessen, und über dein tolles Forenbild freue ich mich immer wieder. Oh das du abnehmen konntest, dich mehr und besser bewegen kannst, das ist doch ein riesengroßer Fortschritt, herzlichen Glückwunsch für DICH!

DU und ich glaube liebe Amy, unser Leben besteht immer aus zwei Seiten. Einer guten und positiven Seite, und einer Seite die uns nicht so gefällt, wo ich nicht so perfekt bin, wo ich auch einmal versagen darf, Fehler machen.

Trotzdem, irgendwie die Mitte zwischen unseren Seiten zu finden, das ist für mich an jedem Morgen eine neue Herausforderung. Aber schön, dass du dich wieder herausfordern lässt.

Bei mir sind es auch immer wieder die Ruinen meines Lebens, die mir den Blick geben, auf den blauen schönen Himmel.

Wer schon einmal die Hölle der Depression erleben musste, für den wirkt in besseren Zeiten der Himmel oft viel blauer.

Du wir leben jeden Moment unseres Lebens so zwischen Leben und Tod. Wir machen Erfahrungen , die ich als beglückend, erfreuend und lebensbejahend erleben darf. Und wir machen aber auch andere, die schmerzhaft sind, zerstörerisch, destruktiv, und tödlich sein können.

Zu meinem eigenen Leben immer wieder ein JA zu finden, heißt nicht, das ich alles gut heißen muss, was einem geschehen ist. Es heißt aber auch, hinzusehen und anzuerkennen was war, und zu sagen: "JA, das habe ich erlebt, das hat mich geprägt. JA, so und nicht anders war es. Das ist meine Geschichte. JA, das ist mein ganz persönliches Leben.

Und ich meine heute zu sagen, das Entscheidende für mein Leben ist letztendlich nicht das was ich erlebt habe, sondern meine persönliche Reaktion darauf.

Selbst habe ich auf meine schmerzhaften Situationen so reagiert, das ich mich innerlich von meinem Leben zurück gezogen habe. Heute möchte ich es immer wieder versuchen, mich meinem Leben wieder zuzuwenden, und mein Leben so tut ich es kann, erfüllt und gut zu leben.

Das darfst du dich auch immer wieder fragen.Welche Erfahrungen in deinem Leben haben dich stark geprägt, wie hast du darauf reagiert, mit Hinwendung zu deinem Leben oder mit Rückzug?

Möchtest du jemand verzeihen, dir selbst, anderen Menschen?

Wie möchtest du dich deinem Leben immer wieder neu und gut zuwenden?

Als Mensch möchten wir geliebt werden, möglichst umfassend und ganz tief. Wir möchten, das andere uns ganz lieben und annehmen, so wie wir sind.

Schlauerweise können andere mich da nur annehmen und lieben, wo ich es selber auch tue.

Da wo ich mich ablehne, mich doof und hässlich finde, versperre ich mir selbst und anderen Menschen den Zugang zu meinem Herzen. Dadurch mache ich es mir schwer, dass Liebe bei mir ankommt.

Das merkst du gerade an Menschen, die ständig dabei sind, an sich selbst und anderen Menschen herum zu nörgeln., und gleichzeitig extrem hohe Erwartungen an andere Menschen stellen.

Da darfst du dich selbst immer wieder fragen, wo fühlst du dich nicht akzeptiert, ungeliebt.

Hast du dich in diesen Bereichen schon selbst gut annehmen können.

Du bist wie jeder Mensch einzigartig und genial, einmalig. Du bist ein genialer Mix.

Dein Leben, deine Person besteht aus deinen Gaben und Begabungen, mit denen du vom Leben beschenkt wurdest.

Auch mit deinen Macken, selbst habe ich ja auch einige persönlichen Macken.

Lasse dich immer wieder neu herausfordern, zu wachsen und zu reifen, ohne dich mit anderen Menschen zu vergleichen.

Der Sinn deines Lebens ist Liebe, zu dir selbst, und zu anderen Menschen. Das du deine Gaben und Fähigkeiten immer mehr entfalten kannst, zu entdecken, was nur DU gut tun kannst.


in guten und lieben Gedanken für Dich,

Frederick

22.08.2019 16:41 • x 4 #2


Frederick1
hallo,.

mir wurde noch was wichtig. Das immer mehr auf die guten Dinge in deinem Leben schaust, achtsam bist was du hörst, siehst. liest.

Heute stürmt durch die ganzen Medien auch so viel Negatives auf uns ein.

Nein, sehr vieles ist auch gut.

Aber oft merke ich an mir, kommen auch unbewusst so viele negative Dinge in mein Leben, und oft frage ich mich, wo da meine ganzen Gedanken und Lebenseinstellungen her kommen.


liebe Grüße,

Frederick

22.08.2019 17:50 • x 2 #3


AmyAluka13
Hallo Frederick,

ich lese mir deine Antworten sehr gerne durch und bin dankbar, noch solche verständnisvollen und durchdachten Zeilen lesen zu dürfen. Das Leben ist, auch so wie du es beschreibst, ein Dschungel aus guten und schlechten Erfahrungen. Ich denke auch, dass es irgendwo natürlich ist, wenn man bei übermäßig schlechten Erfahrungen im Leben "sensibilisiert" ist. Ich frage mich oft, warum jene Geschehnisse so passiert sind, bzw warum (zumindest mein früheres Umfeld) mich nie so akzeptieren konnte, wie ich bin. -Ich denke das lag ausschließlich daran, das ich schon immer eher "auffällig unauffällig" war. So war ich beispielsweise als Kind noch nicht so selbstkritisch mit mir selbst, wie heute. Desto eher ich in jeglichen öffentlichen Lokationen zur "Schusslinie" wurde, desto mehr habe ich einerseits mich selbst und mein Umfeld hinterfragt. Einerseits konnte ich mich zum Beispiel in der Schule nicht mehr so gut konzentrieren und meine Leistungen wurden immer schlechter -und andererseits habe ich dann irgendwann auch innerlich dicht gemacht. Heute hat das zur Folge, das ich immer mehr gewisse Geschehnisse in Frage stelle -selbst wenn diese mich nicht direkt betreffen. Ich habe jahrelang auf diese Art Skepsis hingesteuert und traue heute einfach niemanden mehr, zumindest nicht mehr in meinem privaten Leben, und das aus reiner Erfahrung. Es ist eine Art "ersparen" von noch mehr seltsamen Erlebnissen -und irgendwo anders bin ich schon so oft in das Moor gefallen, das ich eigentlich nichts mehr zu verlieren habe. Hierbei muss ich an eine von dir geschriebene Zeile denken:
Zitat:
Heute möchte ich es immer wieder versuchen, mich meinem Leben wieder zuzuwenden, und mein Leben so tut ich es kann, erfüllt und gut zu leben.


Wenn ich ehrlich bin, besitze ich in meinem ganzem Leben auch nur eine äußerst positive Erinnerung -diese erscheint mir deshalb so irreal, weil ich diese Erinnerung unter jeglichen destruktiven Erinnerungen als "die Sonne im Nachthimmel" wahrnehme. Und diese Erinnerung liegt schon Jahre zurück. Auch deine Anmerkung zu den Medien kann ich so zustimmen: Die Menschheit ist von schlechten Erlebnissen umgeben und wird zudem auch noch an schlechte Erlebnisse (wie zum Beispiel durch jeweilige Nachrichten) erinnert. Selbst wenn ich bei mir nicht einmal den Fernseher einschalte oder Zeitung lese, weiß ich, wie viel negatives auf dieser Welt zustande kommt -ich denke, das die Menschheit immer unachtsamer und gleichgültiger wird, und wenn auch nur ein Großteil von ihnen. Hier und dort gibt es wahrscheinlich noch Menschen mit Verständnis, Erfahrung und Weisheit. Beispielsweise wie hier in diesem Forum, wo jeder noch ernst genommen wird, während die Außenwelt zumeist nur noch schnelllebig und neurotypisch ist.

Danke für deine Worte.

Liebe Grüße,
Amy

22.08.2019 19:13 • x 1 #4


Frederick1
liebe AmyAluka,

vielen Dank für deine guten Worte. Du als Musiker habe ich mir jetzt mal deine Lieblingsmusik angesehen, von Wich House.

Von der Musik gefällt es mir sehr gut, nur diese Gruseltexte. Du liebe Amy, das soll jetzt keine Kritik sein, mir selbst machen solche Texte etwas Angst. Selbst habe ich ja nur "Hauptschulenglisch". Deshalb muss ich mir die Liedtexte immer übersetzten lassen. Da wurde mir auch einmal bewusst, wie negativ geprägt manche Texte für mich sind, die ich oft nur unbewusst höre.

Es ist wie mit dem Essen. Da ist mir auch nicht immer so bewusst, was ich in mich rein lasse, oder was nicht. Gut als Tierfreund bin ich ja auch Vegetarier, trotzdem, ich merke es auch, wenn ich zu viele süße Sachen esse, was ich liebe, meinem Körper aber nicht immer so gut tut. Und oft merkst du das erst nach Jahren.

Oh, unser Köper ist auch einmalig und einzigartig. Niemand ist gleich, jeder Mensch darf seinen eigenen Körper haben, und mit dem Körper seine eigenen Erfahrungen machen.

Aber liebe Amy, meine Meinung ist, das am Ende unseres Lebens die Liebe zählt, die Liebe mit der DU JA sagst auch zu deinem Körper, zu allem was in dir ist, alles was dich ganz persönlich ausmacht.

Als ich heute Morgen mit meinem Hund unterwegs war musste ich an dich denken. Ob nicht so eine Arbeit mit Tieren gut für dich wäre. In meinem Wohnort komme ich immer wieder an einer Reittherapie für Kinder vorbei. Dann denke ich oft, oh so eine Arbeit wäre auch mal was für mich gewesen.Ich mag Pferdehöfe, Menschen die mit Tieren umgehen, und manche, mit denen ich auch einmal ins Gespräch komme, machen einen recht glücklichen Eindruck. Aber alles im Leben hat ja zwei Seiten, leider ist in diesen Berufen nicht so viel verdient. Doch heute weiß ich, ein glückliches, zufriedenes Leben ist oft besser und erfüllender, als wenn du dir alles leisten kannst was du so siehst.

Aber ich möchte es dir wünschen, das du wieder Vertrauen zu dir selbst findest, mehr gute und positive Erfahrungen zu dir selbst, und dann vielleicht auch wieder zu anderen Menschen. Mit hat einmal ein Mensch gesagt, ich soll nicht zuviel grübeln, mir über alles nicht zu viele Gedanken machen, sondern einfach anfangen zu leben.

Denn liebe Amy, du und ich können nicht die ganze Welt retten, sie verändern, aber wir können bei uns anfangen.

Anfangen, ganz heimlich, still, leise.anfangen dich selbst wert zu schätzen und lieb zu haben. Und irgendwann zieht dein Leben Kreise. Wenn du einen kleinen Stein ins Wasser wirfst, dann zieht der ganz langsam immer größere Kreise. Unsere Welt braucht Menschen so wie dich, ehrlich.

Und wer wünscht sich das nicht, wieder ganz offen und ungeschützt mit einem Menschen reden zu können, sich einem Menschen anvertrauen, Verständnis suchen und auch finden.

Die Psychologie möchte da immer wieder eine Rolle spielen, uns zeigen wie man miteinander umgeht. Da heißt es immer , sei locker, cool, seid ganz offen miteinander, alles easy, Hauptsache du bist gut drauf.

Selbst merke ich, das sich trotzdem immer mehr Menschen verschließen. Keine Hilfe mehr bei sich selbst und anderen Menschen suchen, eher mit Dro., Alk., usw.Mit meiner großen Lust auf Süßes bin ich da auch nicht besser, muss aufpassen, das ich da nicht süchtig werde.

Denn Offenheit kann man nicht lernen, einfordern meine ich. Es gehört zum Recht eines jeden Menschen, nur das zu sagen und zu tun, was der Mensch möchte.

Siehst du die Gefahr, das du gezwungen und manipuliert wirst, etwas von dir preis zu geben, was du gar nicht möchtest, wird fast jeder Mensch sich als Schutzreaktion noch mehr verschließen. Und diese Reaktion kenne ich aus meinem eigenen Leben. Deswegen ist jeder Druck zum offen sein, oft zum Scheitern verurteilt.

Offenheit kann meiner Meinung nach nur da entstehen, wenn ich anfange, mir selbst und meinem Leben wieder offen und ehrlich zu sein. Wenn ich es wage, offen mit meinem Innersten umzugehen. Wenn ich es wage, der Wahrheit meines eigenen Lebens, offen und ehrlich ins Auge zu schauen. Dann entstneht eine offene und ehrliche Beziehung zu mir selbst, in der ich auch einmal Kritik von anderen Menschen ertragen kann, ohne das ich mich gleich wieder zurück ziehen musst.

Das du liebe Amy von innen heraus immer stärker werden darfst, und wenn dich trotzdem mal wieder etwas umhaut, du wieder schneller aufstehen kannst, zu DIR selber stehen kannst, dein Leben und dich kompromisslos annimmst.

Ja wir sind verletzlich. Andere Menschen können uns an unseren ungeschützten persönlichen Stellen treffen. Das tut brutalst weh. Umgekehrt wird dein Mut zur Offenheit auch wieder belohnt, dass du Verständnis finden darfst.

Nur wenn die anderen sehen und spüren können, wie es dir geht, wie dir zumute ist, können sie auch versuchen dich zu verstehen, und dir entsprechen begegnen.

So kann eine Atmosphäre des Vertrauens entstehen, wenn du Offenheit riskierst.

Wenn du spürst, endlich einmal geht es um mich selbst. Sonst musst du immer etwas bieten, Leistung bringen.

Offenheit ist mehr als nur der Austausch von Informationen, Offenheit bezieht auch meine Gefühlsebene mit ein.

Leider kann man Offenheit nicht immer fest halten. Irgendwo ist diese Offenheit immer wieder gefährdet, immer wieder scheint sie plötzlich weg zu gehen, in der Beziehung zu mir selbst, zu anderen Menschen.

Selbst kann ich mich auch immer wieder verletzen, ablehnen.und auch andere Menschen. Immer wieder müssen wir um Offenheit ringen. Aber je tiefer die Beziehung zu mir selbst ist, zu anderen Menschen, um so stärker und so stabiler ist die Beziehung, dann kann uns nicht alles gleich umwerfen.

Selbst liebe ich Cafetrinken mit meiner lieben Frau. Und das machen wir jeden Tag, aber nicht zwanghaft. Aber dieses Ritual hilft uns, das es nicht bei einem allgemeinen Kaffeeklatsch bleibt, sondern wenn es sich ergibt, tiefere Gespräche zu führen. Und nicht nur über andere Menschen, andere Beziehungen reden, sondern auch mal über unsere eigene Beziehung.

Und auch DU darfst immer wieder mit dir selbst in eine ganz tiefe Beziehung kommen. Rede mit dir wertvoll, weil du ja wertvoll bist, gehe achtsam und gut mit dir um, aber stelle dir auch Herausforderungen, die du erreichen kannst, aber nicht mit Zwang oder zu großem Druck.

Denn DU bist und bleibst wertvoll, DU darfst mit dir selbst Frieden schließen, aber dich verteidigen, einen Schutzschild für dich nehmen, wenn andere mit bösen Worten, Unverständnis, mit bösen Dingen auf dich schießen.


in guten Gedanken an dich,

ganz viele liebe Grüße,

Frederick und Hund.

23.08.2019 10:47 • x 2 #5


mutmacher
Liebe Amy,
zuerst mal ganz herzl. Dank für Deinen Beitrag hier, den ich mehrmals gelesen habe- zum einen, weil es mal ein Beitrag ist, der fast fehlerfrei geschrieben wurde (was fast schon zur Seltenheit geworden ist) - zum anderen wollte ich Dir einfach irgendwie helfen, habe dann aber gespürt, dass es schwierig werden könnte und hinter Deinem Beitrag ein Problem steckt, dem ich mich nicht gewachsen fühle. Weil Du den Asperger aber selbst ansprichst, habe ich auch keine Hemmung, diesbzgl. zu antworten. Sicher hast Du Dich mit diesem Thema schon intensiv beschäftigt und weißt mit Sicherheit um die Problematik dieser "Erkrankung".
Natürlich bist Du weder ein Versager, noch überflüssig und all diese negativen Sachen, die Du angeführt hast- selbst wenn Du das empfindest, ist es einfach nicht der Fall- aus Deinen Zeilen spricht sehr viel Kreativität, Kraft und Intelligenz, die Du einsetzen kannst und die gebraucht wird.
Deine Intension bzgl. einer guten Ausbildung und einem Beruf der Dir Freude macht und profitabel ist, ist ja schon mal super ! An diesem Punkt darfst Du arbeiten und voll durchstarten- Du wirst mit Sicherheit Erfolg haben.
Auf der anderen Seite wäre es gut, wenn Du Menschen an Deiner Seite hättest, die um Dein "Krankheitsbild" Bescheid wissen, Dich unterstützen und beraten könnten. Hast Du Kontakt zu einem Psychologen oder wenigstens einem Sozialpsychiatrischem Dienst an Deinem Wohnort ?
Im Moment werde ich leider ganz dringend an einer anderen Stelle gebraucht, muss mich kurzfristig von Dir verabschieden, aber vlt. komme ich nochmal irgendwann auf Dich und Dein Problem zurück, denn ich spüre, dass da noch nicht alles gesagt ist. Der Eile schuldent muss ich mich nur mal eben verabschieden, melde mich dann aber wieder. Sei auf alle Fälle erst mal ganz herzlich umarmt, bis bald

Dein Mutmacher

23.08.2019 12:13 • x 2 #6


Alexandra2
Liebe Amy,
Ich bin froh, von Dir zu hören, da ich mir viele Gedanken machte. Wie es Dir wohl geht? Wie Dein Weg weiter geht?
Du bist schwer krank und hast gar keine Medikamente mehr? Der Sog der Depression ist so übermächtig, daß es kein Wunder ist, völlig entkräftet, niedergeschlagen, antriebslos, grüblerisch etc zu sein. So hoffnungslos fühlte ich mich, neben den genannten Symptomen, daß ich keine Zukunft sah und erst Recht nicht einen Sinn in meinem Dasein. Aber ich habe die Triebfeder "weitermachen", egal was passiert.
Das Weitermachen hast Du auch in Dir! Da muss doch etwas kommen, ja das ist so. Ich habe das Gefühl, unser zersplitterter Kern, in alle Richtungen verstreut, muss wieder zusammen finden, aber anders als zuvor. Da müssen wir unseren Teil zu beitragen, es fällt schwer, aber funktioniert. Was Du tun kannst, ist
1. Vermeide, Dich zu bewerten
2. Beobachte Dich diesbezüglich genau
3.Stoppe Deine destruktiven Gedanken und Handlungen
Schätze Dich selbst in der Krankheit, das finde ich persönlich sehr schwer. Weil da auch die Ungeduld lauert, immer meckert, und Dein Bemühen um Selbstakzeptanz unterwandert. Ja, diese dunklen schwarzen Zeiten auszuhalten ist irre schwer. Das ging bei mir nur mit Psychotherapie, Medikamenten und Trainings, wie Rituale, Bewegung etc und nicht nachdenken. Ich habe es gehasst, mich so zu verhalten, aber die Notwendigkeit ließ nichts anderes zu. Und ich habe mich ganz schnöde daran festgehalten, "weitermachen" quäkte die innere Stimme.
Ich lese aus Deiner Schilderung viele Symptome, die sich behandeln lassen. Welche Behandlung hast Du? Das "Komplettprogramm" ist mE dringend nötig. Lasse Dir helfen. Für mich fühlte es sich an, als ob mir jemand auf dem Hochseil die Balancierstange reicht und aus allen Richtungen kleine Halte- und Korrekturbewegungen eintrafen. Ohne dieses Programm flog ich durch die schwarze schwerelos Nacht, trudeln im All. Ein entsetzlicher Zustand.
Und nun komme ich noch auf mentale Fähigkeiten zu sprechen. Es ging nichts: lesen, sprechen, aufmerksam sein, mich erinnern vom Ultrakurz- bis zum Langzeitgedächtnis UND die sich langweilende Hochbegabung in all der Zeit. Oh Gott, da möchte man einfach nur tot sein. Aber, mein emotionsloser Antreiber quäkte "weitermachen"!. Ich glaube, es geht sehr vielen hier so, daß man sich täglich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen muss. Ätzend und unumgänglich.
Ich lernte, die schwere Phase lässt nach, es kamen Einbrüche und mit ihnen die Angst, wieder auf Null katapultiert zu werden. Nie konnte ich mir vorstellen, aus diesem Tief heraus zu kommen, und jetzt allmählich spüre ich das Leben.
Ich glaube, Du schaffst das auch mit einem auf Dich zugeschnittenen Behandlungsplan.
Das klingt gut sicher unvorstellbar, ja das dachte ich auch: daß sich meine dunkle Welt niemals ändert. Und ich habe die Erfahrung gemacht, it works! Das liegt nicht an mir, sondern am individuellen Plan. Das kannst Du auch.
Viele liebe Grüße Alexandra

23.08.2019 17:47 • x 2 #7


Lyane
Liebe Amy,

wenn ich deine Gedanken so lese, fällt mir auf, dass du sehr viel von früher und Vergangenheit sprichts. Dich also offensichtlich auch sehr viel damit beschäftigst.
Ich bin auf keinen Fall geeignet, dir zu sagen, was zu tun ist, so kann ich nur aussprechen, was mich beim Lesen deiner Gedanken bewegt.

Ich frage mich z. B., warum du dich nicht viel mehr mit der Gegenwart und Zukunft beschäftigst. Die Vergangenheit ist passiert. Wir können sie nicht mehr ändern. Ich würde gern vieles aus meiner Vergangenheit ändern, anders machen - geht aber nicht. Ich muss damit leben.
Unser bisheriges Leben hat uns geprägt, ja. Und manchmal auch sehr verletzt. Aber sie ist vorbei.
Leben tun wir im Jetzt. In diesem Moment, in dem alle Begegnungen von früher keine Rolle mehr spielen. Sondern nur das wirkt, was wir jetzt, in diesem Moment denken und tun.
Ich kenne diese Gedanken an früher auch. Bereue vieles. Aber - ich kann es nicht mehr ändern. Schicht im Schacht.
Und ich frage mich dann - oder zwinge mich auch zu dieser Frage - warum hänge ich so sehr in der Vergangenheit fest? Was ändert es am Jetzt? Hilft es, in diesem Moment eine Entscheidung zu treffen? Hilft es, mich für das Heute und Morgen selbst vorzubereiten? Nein.
Das einzige, was ich heute noch in Bezug auf die Vergangenheit tun kann - so ist es jedenfalls in meinem Fall - ist, sie als zu mir und meinen Leben gehörend in der Ecke meines Selbst abzulegen, in dem ich Erinnerungen verwahre. Erinnerungen, die nicht mehr die Mitte meines Lebens einnehmen und damit mein Heute behindern. Sondern die irgendwo an der rückwärtigen Seite geparkt und auch mal vergessen werden.
Ich käme nicht weiter, würden sie immer und immer noch mittig im Weg stehen.

Nachdem ich also dem Heute den Vorrang über das Gestern gegeben habe, kann ich nach vorn schauen. Und am Morgen arbeiten.

Du möchtest einen Beruf lernen, unabhängig sein und durch den du dich bestätigt fühlst. Grundsätzlich mal - hast du schon Bewerbungen geschrieben? Wenn nicht - warum nicht? Solange niemand neben dir steht und deine Hand festhält - hält dich doch eigentlich niemand davon ab, es zu tun. Ich kenne das Gefühl, nichts anfangen zu können, wie gelähmt zu sein, den ersten Schritt nicht tun zu können. Aber wenn ich es nicht tue - wer dann? Niemand. Ich habe jetzt mit 52 den Führerschein gemacht. Hatte null Vertrauen zu mir selbst, dass ich das schaffen könnte. Und doch habe ich es geschafft. Kann mich noch an den Tag erinnern, an dem ich mich anmeldete. Ich saß im Büro am Arbeiten und auf einmal war da dieser Gedanke - was hält mich eigentlich davon ab, den Führerschein zu machen? Ich überlegt und überlegte. Und fand nichts. Eigentlich hielt mich nichts davon ab. Niemand konnte mir vorschreiben, es nicht zu tun. Niemand konnte mir den Mund verbieten oder die Hand festhalten. Das war der feste Entschluss. Also schaute ich ins Internet. Fand eine Fahrschule in der Nähe. Und nach der Arbeit bin ich dort hin, rein und habe mich angemeldet. Hinterher war ich ganz schön von der Rolle, denn mein Leben lang wollte ich das tun. Und auf einmal hatte ich es getan.

Im Grunde haben wir alles selbst in der Hand. Wir müssen es nur schaffen, herauszufinden, was uns gut tut, dieses zu planen und es dann auch zu tun. Ein Wagnis einzugehen. Denn es kann ja auch mal etwas nicht klappen. Dafür gibt es dann diverse Gründe und man kann aufgeben - oder es nochmal tun. Es nochmal wagen. Vorher analysieren, was vielleicht schief gelaufen sein könnte und dies beim neuen Anlauf vermeiden.

Aber das echte Leben besteht immer aus Wagnissen, Erfolgen und Misserfolgen. Das muss auch so sein, denn an den Misserfolgen wachsen wir und entwickeln uns. Sie sind also im Grunde positiv. Erst die Misserfolge geben uns die Möglichkeit, etwas zu ändern. Sie bereichern uns tatsächlich durch Abwechslung, sie machen uns ideenreich und innovativ.

Ob wir etwas schaffen, erreichen oder vollbringen - hängt aber nicht immer nur von uns ab. Viele Faktoren und Umstände müssen passen, damit Abläufe glatt über die Bühne gehen. Deshalb macht es auch keinen Sinn, Fehler immer nur bei uns selbst zu suchen und anzufangen, an uns selbst zu zweifeln.

Du hältst dich für einen Versager. Für "unwert". Wieso?
Weißt du, was mir als erstes an deinen Gedanken aufgefallen ist? Du kannst gut analysieren. Und noch besser - du kannst selbstehrlich und selbstkritisch sein. Gerade diese beiden Fertigkeiten gehen wohl den meisten Menschen ab.

Hier mal eine Liste von positiven Dingen, Können und guten Eigenschaften, die ich anhand deiner Texte fand:

- Du hast angefangen, dich gesund zu ernähren und hast viele Kilos abgenommen.
- Du trinkst weniger Alk.
- Du kannst dich selbst ehrlich und kritisch betrachten und einschätzen.
- Du hast Wünsche und du arbeitest auch daran.
- Du hast die besten Voraussetzungen, etwas zu verändern, denn du hast Ideen und Vorstellungen.
- Du schreibst gutes Deutsch.

Fazit: Du hast etwas ändern wollen und du hast es geschafft, es zu verändern. Und du hast Fähigkeiten und Erfolge, die viele andere Menschen nicht haben.

Was ist daran ohne Wert.?
Im Gegenteil, das ist eine Leistung, der du auch selbst Anerkennung zollen solltest. Ich jedenfalls tue es.

Dass du dich derzeit so schlapp, müde und unkonzentriert fühlst, liegt mit Sicherheit an der von dir beschriebenen Mangelernährung.
Die solltest du als allererstes angehen. Dich zunächst mal nur darauf konzentrieren.
Kopf und Körper brauchen täglich ein Mindestmaß an Nährstoffen, um funktionieren zu können. Du kannst also deshalb nicht agieren, weil du deinen Körper nicht ausreichend versorgst.
Ich weiß, dass ALG II eigentlich nicht für eine ausgewogene Ernährung ausreicht. Trotzdem solltest du es versuchen. Denn wie willst du aus dem Tal herausklettern, wenn dein Körper nicht die Kraft dafür hat?

Es macht auch keinen Sinn, sich selbst abzuwerten, in Frage zu stellen und dein Leben als sinnlos einzustufen, weil du aufgrund der Mangelernährung nichts wirklich schaffst. Das Problem ist die Mangelernährung, nicht du.
Das Gute daran: Die Mangelernährung kannst du beseitigen. Es handelt sich hier also um ein Grundproblem, dass du tatsächlich aus der Welt schaffen kannst. Erst, wenn dein Körper wieder fit ist und damit dein Kopf auch - und dann nichts geht, ist es sinnvoll, im Kopf das Problem zu suchen. Das Gehirn verbraucht im Vergleich zu den anderen Organen sehr viel Energie. Gib sie ihm. Sonst kann es ja gar nicht arbeiten. Vorwürfe und Selbstzweifel helfen nicht gegen die Mangelernährung.

Ist es sinnvoll, einen Motor zu vernachlässigen und sich dann zu beschweren, der tauge nichts, er sei wertlos?
Arbeitet ein Computer seinen Auftrag ab - ohne jeglichen Input?
Um zu ernten, muss man immer erst mal säen.

An deiner Stelle würde ich die Vergangenheit, die dich meiner Ansicht nach viel zu sehr festhält und lähmt, ruhen lassen und das offenbar wichtigste Problem angehen: Die Gesundheit. Im Hier, im Jetzt, in diesem Augenblick und auch morgen.

Du beklagst mangelnde Ressourcen. Nur - woher sollen sie kommen, wenn du nicht die Voraussetzungen dafür schaffst? In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist - heißt es.
Ich denke, da ist sehr viel dran.

Leistung kannst du nur erbringen, dir Träume erfüllen und dein Leben aktiv selbst gestalten - wenn du die Voraussetzungen dafür schaffst. Wenn die Voraussetzungen nicht vorhanden sind, ist es aber kein "Versagen" deines Selbst, etwas nicht zu schaffen, sondern es scheiterte an den Umständen. Die Voraussetzungen zu schaffen, liegt ja aber auch oft gar nicht in deiner Macht. Andere Menschen, Dinge, Abläufe - vieles muss stimmen, auf das du keinen Einfluss hast. Macht es Sinn, dich selbst für etwas verantwortlich zu machen, dass du nicht beeinflussen kannst?
Niemand hat immer die totale Kontrolle über alles, sondern alles greift, wie die Rädchen in einer Maschine, ineinander, um das große Ganze zu ergeben.

Aber man muss die einzelnen Rädchen - zumindest jene, auf die man selbst Zugriff hat - halt pflegen.

Ich wünsche dir alles Gute, viele positive Gedanken und Erkenntnisse und täglich einen Grund zum Lächeln.

LG
Lyane

08.09.2019 11:10 • x 3 #8


AmyAluka13
Hallo Lyane,

danke für deinen langen Text. Ich habe mir ihn sehr gerne durch gelesen und vieles was du schreibst, stimme ich zu.
Auch hast du ein sehr interessantes Thema angesprochen, über welches ich ab und an auch einmal nachdenke: Dies ist das Thema Führerschein. Diesen möchte ich gerne irgendwann einmal machen, je nach dem, wie sich aber meine finanzielle Lage bessert. Bewerbungen habe ich schon in der Vergangenheit geschrieben, aber leider Absagen bekommen, welche aber nicht viel mit mir zu tun hatten, sondern wegen dem Betrieb an sich. Beispielsweise habe ich mich einmal als Praktikant in einem Labor in einer Schokoladenfabrik angemeldet, bis ich die Rückmeldung bekam, dass es dort keine echten Labore gibt -sondern nur Herstellungsmaschinen für Schokolade. Das war übrigens damals bei der Firma "Ritter Sport". Das aber einzige Praktikum, welches ich absolviert habe, war ein Praktika bei einem Bestatter. Normalerweise nehmen Bestatter keine Praktikanten an, da ich in der Vergangenheit erfahren habe, das Bestattungsinstitute keine Praktikanten ausbilden - man muss sich wenn schon selbst als Bestatter bewerben. Ich hatte damals in meiner Jugendwohngruppe aber eine Betreuerin, die einen sehr offenen Bestatter kannte und diesen fragte, ob ich bei ihn einmal als eine Art "Praktikum" bei seiner Arbeit aushelfen könne. Da mich das Thema Tod - oder etwas positiver ausgedrückt: "Vergänglichkeit" schon immer beschäftigte, kam ich grundlegend selbst auf diese Idee, mir solch einen Einblick zu gewähren. In meinem "Praktikum" (eigentlich durfte ich bei dem Bestatter eigentlich nur ein paar mal mit fahren und ihm aushelfen - es war nicht direkt ein Praktikum an sich.) habe ich beispielsweise Särge eingebettet, und ja, auch einen Verstorbenen zum ersten mal angekleidet. Damals war ich ca. 17 Jahre alt, fand das aber gar nicht einmal so schlimm, wie es sich viele vielleicht vorstellen. Ich habe diesen Bestatter vor ca. rund fünf Monaten von selbst angeschrieben, da ich bis heute noch an dieser Thematik interessiert bin. Leider bekam ich aber bis heute keine Rückmeldung mehr.

Momentan aber schreibe ich keine Bewerbungen mehr, da ich gerade beim Jobcenter noch als arbeitsunfähig gemeldet bin.
Derzeit bin ich beim medizinischen Dienst - auf Grund meiner aktuellen Lage, bzw meiner Depressionen. Mit Verbesserung meiner (auch privaten) Lage, ist eine RPK-Maßnahme geplant. Jedoch habe ich aber etwas "Angst" davor, da ich trotz deiner genannten Ressourcen keinerlei Vertrauen in mir habe, irgendetwas hin zu bekommen. Ich erinnere mich beispielsweise immer daran, wie wenig ich in der Schule verstanden habe - oder wie ich mitten bei einem Eignungstest in einer anderen Arbeitsagentur einfach aufgestanden und nach Hause gegangen bin, weil ich es einfach nur schrecklich und bedenklich fand, wie wenig ich von diesen Aufgabenstellungen am Computer nach voll ziehen konnte. Ich habe mich dafür geschämt, vor allem, weil ich eine Rechenschwäche habe und mathematische Aufgaben einfach gar nicht verstehe. Zuhause habe ich mich dann damals einfach selbst verletzt - als die Bestrafung dafür, an dem Eignungstest gescheitert zu sein. Heute mache ich das natürlich nicht mehr, trotz dessen denke ich ab und zu daran (auch wenn ich den Taugen hinter SVV nicht mehr sehe). Ich denke aber auch, das ich in meinem näheren Umfeld abgestempelt werde. Ich wurde jahrelang maßlos unterschätzt und auf gut deutsch für "dumm" und sogar "geistig behindert" erklärt. -Ja, sogar soll ich eine Art "Lernbehinderung" haben. Und diese Aussagen sind nicht einmal so weit her geholt, wenn ich bedenke, dass es dazu ein bestimmtes ärztliches Gutachten gibt. Der damalige, behandelnde Arzt schimpfte mich damals als "Terroristin" und schilderte meiner damaligen Betreuerin aus der Jugendwohngruppe, das ich wahrscheinlich nicht mehr lange zu leben habe (auf Grund meiner damaligen Depressionen). Auch heute (innerhalb meiner eigenen Familie) werde ich für dumm verkauft. Meine Großeltern sind bis heute der Meinung, ich seie unselbständig und hätte in meinem Leben nie etwas dazu gelernt, bzw würde ich nie etwas aus "mir machen". Vor kurzem hörte ich meine Oma hinter meinem Rücken fluchen: "War vier Jahre lang in der Jugendhilfe und hat immer noch nichts dazu gelernt." -Aus heiterem Himmel heraus. Ich habe beide Kontakte abgebrochen. Heute lebe ich ganz alleine in einer von der Stadt zur Verfügung gestellten Wohnung in einer Notunterkunft (auf Grund meiner Wohnungslosigkeit) und habe keinerlei Kontakte mehr, auch nicht zu meiner Familie - wie schon erwähnt habe ich auch aus eigener Initiative heraus Kontakte abgebrochen, da ich die Aussagen meiner Großeltern mittlerweile im Kontext der eigenen Familie (welche mich eigentlich etwas näher kennen sollten) etwas fragwürdig finde. Ich gehe selbständig einkaufen, mache meine ärztlichen Termine alleine aus, gehe alleine zum Jobcenter, mache meinen Haushalt alleine - bin eigentlich den ganzen Tag alleine. Darin erkenne ich eine Ambivalenz des Vorurteils "ich bin unselbständig." Dabei bin ich wirklich der absolute Außenseiter, und es gibt manchmal wirklich Tage, wo ich mit niemanden rede, da mir dazu die sozialen Kontakte fehlen - wo anders sehe ich darin eine sehr starke Autonomie. Um die Ecke gedacht weißt absolute Einsamkeit auch darauf hin, das eine gewisse Selbständigkeit vorhanden ist - ich möchte keine falschen Freunde und kein Mitleid - ich möchte wenn nur eines: Ehrlichkeit im sozialem Umgang. Da ich diese Ehrlichkeit aber nicht sehe (und mein Umfeld mich falsch deutet) bringe ich hier für das Opfer meiner eigenen Einsamkeit.

Ich bin gerne alleine - aber manchmal werde ich aufmerksam auf einen Menschen in meinem näheren Umfeld. Er arbeitet bei dem zuständigen Dienst der von der Stadt zur Verfügung gestellten Unterkunft, mit dem ich schon mehrere Gespräche führte und bemerkte, das es mir auf einer komischen Art und Weiße nach jedem dieser Gespräche besser ging. Manchmal sehne ich mich nach einem näheren, freundschaftlichen Kontakt - lasse es aber bleiben, da ich ihn nicht nerven möchte. Aber das ist noch einmal ein anderes Thema und werde hier zu wann anders noch einmal ein Beitrag schreiben.

Zum Thema Vergangenheit: Ja, es ist richtig. Die Zukunft - aber vor allem auch die Gegenwart - ist die eigentliche Relevanz. Vieles liegt schon Jahre zurück und ist nicht mehr aktuell - und trotz dessen haben jegliche Erfahrungen sogar in meinem Unterbewussten Spuren hinterlassen. Die Vergangenheit formt den Menschen, bzw jegliches, was er in der Gegenwart auslebt - dieses Ausleben wirkt sich wiederum auf die Zukunft aus. Es ist eine interessante Erkenntnis, welche ich machte.

Ich danke für deinen Beitrag.

LG Amy

11.09.2019 08:46 • x 2 #9


Lyane
Zitat von AmyAluka13:
weil ich es einfach nur schrecklich und bedenklich fand, wie wenig ich von diesen Aufgabenstellungen am Computer nach voll ziehen konnte. Ich habe mich dafür geschämt, vor allem, weil ich eine Rechenschwäche habe und mathematische Aufgaben einfach gar nicht verstehe.

Du brauchst dich für etwas, für das du nichts kannst, nicht schämen. Wie solltest du es denn ändern? Es liegt nicht an dir, deinem Willen oder deiner Kraft - sondern eine Lernschwäche ist eine Gegebenheit, die dein Körper dir nunmal zum Leben vorgibt. Das bedeutet nicht, dass du nicht daran arbeiten kannst oder keine anderen Ressourcen hast. Ist denn die Lernbehinderung einmal ärztlich festgestellt worden, so dass du dich darauf berufen kannst - vor allem auch vor dir selbst? Eine Lernschwäche bedeutet nicht, dass du schwach bist, unfähig oder sonst etwas. Sie bedeutet, dass du in einem anderen Bereich stärker bist, als nunmal beim Rechnen.
Zum Beispiel schreibst du sehr gutes, wortgewandtes Deutsch. Das lese ich gerade in Internet-Foren nur selten. Es gefällt mir, weil mir auch Deutsch eher liegt, als Mathe. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass du schreibst. Irgendetwas. Von Poetik, über Kurzgeschichten oder sogar mal irgendwann ein Buch. Es würde spannend zu lesen sein. Aber auch hier nur wieder von Menschen, denen das gute Deutsch liegt. Die dafür eben im Rechnen schlechter sind. Was wäre diese Welt ohne eine solche Ausgewogenheit? *lächelt*

Zitat von AmyAluka13:
welche aber nicht viel mit mir zu tun hatten, sondern wegen dem Betrieb an sich.

Es scheint mir nicht nur der Betrieb an sich, sondern auch die Tätigkeitsfelder, die dich interessieren, eher ungewöhnlich zu sein. Das ist gut so, denn es spiegelt deine Besonderheit und Einzigartigkeit wieder.
Wäre ich an deiner Stelle, würde ich nicht aufgeben. Ok, das mit der Arbeitsunfähigkeit ist das Eine. Aber du kannst dich insgeheim weiter informieren, lernen, dich vorbereiten. Und auch schon mal Firmen finden, die geeignet wären. Und wenn du dich stark genug dafür fühlst - bewirbst du dich einfach. Letztlich kann das Jobcenter dir ja nicht verbieten, dich in Richtung Unabhängigkeit zu wenden. Absagen gehören im Leben dazu. Sie tun weh, das kenne ich auch, man fühlt sich minderwertig, nicht "gut genug". Aber das passiert nur im eigenen Kopf. Wenn du abwägst, was du bisher alles geschafft hast, gegen das, was nicht so gut lief - was wog (oder wiegt) schwerer? Du hast es geschafft, den Kontakt zu Menschen abzubrechen, die dich im Stich gelassen und dich abgewertet haben. Das ist eine sehr große Leistung. Du schreibst selbst, du empfindest das als Stärke. Und so ist es auch. Sicher, ist der Mensch nicht zum Alleinsein gemacht. Ich erlebe das selbst gerade. Aber, auch Kontakte sollten die richtigen sein. Mir geht es da ähnlich, wie dir, ich habe nie "Freunde" gehabt, weil ich nie Menschen traf, die es sein konnten. Nun fühle ich Einsamkeit, aber ich weiß trotzdem - die falschen Menschen wären nicht die richtigen. Also bleibe ich auch allein. Sofern man damit klarkommt - warum denn auch nicht?

Wichtig finde ich, dass du etwas findest und tust, dass dich stolz auf dich macht. Also ganz ehrlich, dein gutes Deutsch wäre ein Grund dafür.

Zitat von AmyAluka13:
Ich erinnere mich beispielsweise immer daran, wie wenig ich in der Schule verstanden habe - oder wie ich mitten bei einem Eignungstest in einer anderen Arbeitsagentur einfach aufgestanden und nach Hause gegangen bin, weil ich es einfach nur schrecklich und bedenklich fand, wie wenig ich von diesen Aufgabenstellungen am Computer nach voll ziehen konnte.

Ganz ehrlich, Amy, das geht mir genau so. Das liegt meine Ansicht nach daran, dass die Computerprogramme pauschal auf viele verschiedene Menschen - Individuen - ausgelegt sind. Und man kann Individuen nunmal nicht pauschal einschätzen oder gar abprüfen. Das ist Unfug, wird aber gemacht, um scheinbar eine grobe Auswahl zu treffen - die dann eben nicht wirklich stimmt. Leider leben wir in einer pauschalierten Gesellschaft, in der Individuum nicht mehr zählt. In einer Leistungsgesellschaft, die Lernschwächen - oder auch Lernbehinderungen - trotz jahrtzehntelanger angeblicher Förderung noch immer nicht mitnimmt. Hier wäre eigentlich die Familie gefordert, aber die wird leider auch bereits seit Jahrzehnten zerstört, die Zwischenmenschlichkeit genommen.

Nimm diese Tests nicht ernst. Und dir schon gar nicht so zu Herzen. Sie sagen gar nichts über dich aus, denn sie berücksichtigen dein Wesen und deine Einzigartigkeit nicht.

Zitat von AmyAluka13:
aber manchmal werde ich aufmerksam auf einen Menschen in meinem näheren Umfeld. Er arbeitet bei dem zuständigen Dienst der von der Stadt zur Verfügung gestellten Unterkunft, mit dem ich schon mehrere Gespräche führte und bemerkte, das es mir auf einer komischen Art und Weiße nach jedem dieser Gespräche besser ging. Manchmal sehne ich mich nach einem näheren, freundschaftlichen Kontakt - lasse es aber bleiben, da ich ihn nicht nerven möchte.

Kannst du denn feststellen, was an diesem Menschen anders ist, als an anderen, bei denen du dieses Gefühl, dass es dir besser geht, nicht hast? Was macht diesen feinen Unterschied aus?
Festzustellen ist: Du bist ein totaler Außenseiter, denn es gibt Menschen, deren Wesen dir gut tut. Diese zu finden, das ist eine Herausforderung. Aber - warum sie nicht angehen?

Dass du dich nach Freundschaft sehnst, zeigt ebenfalls, dass du kein absoluter Außenseiter bist, sondern dir einfach nur bisher nicht die passenden Menschen begegnet sind.

[quote="AmyAluka13"]Die Vergangenheit formt den Menschen, bzw jegliches, was er in der Gegenwart auslebt - dieses Ausleben wirkt sich wiederum auf die Zukunft aus. Es ist eine interessante Erkenntnis, welche ich machte./quote]
Richtig, die Vergangenheit formt. Aber wir entscheiden uns in dieser Gegenwart, in jedem einzelnen Moment, ob wir in dieser Form verbleiben oder uns eine neue basteln. Wir haben es selbst in der Hand. Naja, zumindest zu einem großen Teil. Und die Zukunft, Amy, die steht noch nicht fest. Null. Die schaffen wir uns mit dem, was wir in diesem Moment denken, entscheiden und tun. *lächelt*

Viele liebe Grüße
Lyane

01.10.2019 15:26 • x 2 #10


Lyane
Zitat von Lyane:
Festzustellen ist: Du bist ein totaler Außenseiter, denn es gibt Menschen, deren Wesen dir gut tut.


Entschuldige, Amy, ich meinte hier natürlich du bist Kein totaler Außenseiter, .
Konnte nicht mehr editieren.

01.10.2019 15:57 • #11