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Hochsensibel und generalisierte Angststörung

Sifu
Ich bin hochsensibel und habe seit über 40 Jahren u.a. eine generalisierte Angststörung diagnostiziert.

In all den Jahren ist es mir nicht gelungen ein dickeres Fell zu bekommen. Manchmal reicht eine einzige Information aus dem Internet oder einer anderen Quelle und ich kann tagelang anhaltende Ängste oder Panik bekommen/haben. Ohne meine Medikamente wäre ich nicht mehr lebenstauglich. Neben Krankheitsängsten sind da unzählige Weitere wie Strafverfolgung (obwohl ich noch nie mit der Polizei oder Gericht zu tun hatte), Autoritäten, Mobbing (ist schon oft geschehen) Umweltkatastrophen usw. usw. Mit Pillen, Meditation, Sport, kein Alk. oder Coffein kann ich die Beschwerden nur leicht lindern.

Wer kennt das auch ?

17.04.2024 23:02 • x 2 #1


Aboi
Ich finde mich in deinen Zeilen zum größten Teil wieder, Sifu! Auch ich bin hochsensibel und leide unter massiver Angst, die allerdings nicht generalisiert, sondern situationsbezogen ist und sich eher in einer Leistungsangst und der Furcht vor dem Versagen äußert. Therapien scheiterten stets, wenn es um Konfrontation mit dem Auslöser ging. Durch die Hochsensibilität erfährt jeder sorgenvolle Gedanke eine Vervielfachung, so dass ich bisher alle Therapien abgebrochen habe. Im Moment arbeite ich daran, wenigstens ein, zwei Schritte in die Angstsituationen zu machen. Mir helfen Zusagen, dass ich jederzeit die Situation verlassen kann. Wenn es gar nicht geht und ich mich der Situation stellen muss und es auch keinen Ausweg gibt, nehme ich ein Notfallmedikament.
Vor bestimmten Terminen selber bin ich schon tagelang sehr angespannt. Zudem kommt noch die Angst vor unvorhergesehenen Ereignissen.

18.04.2024 08:27 • x 2 #2


A


Hallo Sifu,

Hochsensibel und generalisierte Angststörung

x 3#3


Stromboli
Hallo Sifu
Mir ist das auch vertraut, was du beschreibst.
Immerhin hat das Wissen, dass manches eben mit der Hochsensibilität zu tun hat (die dünne Haut z. B.), einigen Druck von mir genommen, den ich mir mein Leben lang gemacht hatte - so ängstlich ist doch kein normaler Mensch und schon gar nicht ein Mann, nun reiss dich mal zusammen, therapier das weg etc. Ja, etwa so bin ich umgesprungen mit mir, noch weit über die 50 hinaus. Dass dies die Angst noch vervielfachte, muss ich ja nicht ausführen.
Hochsensibel sein bedeutet einfach, dass beängstigende Dinge viel unmittelbarer unter die Haut gehen als mit einem robusteren Nervenkostüm. Wenn du dann, wie du und ich, als Junge erlebt hast, dass da keinerlei Verständnis dafür da war, dann konnte sich das Urvertrauen nicht bilden, das es als Korrektiv bräuchte und das ermöglichen würde, dass wir auch die Ressourcen der Hochsensibilität entwickeln könnten. Denn im Prinzip könnten auch beglückende und schöne Erfahrungen tiefer unter die Haut gehen als mit einer dickeren Haut. Das zu erfahren, bedingte aber, dass wir den unbewussten Selbstschutz gegen unsere Sehnsucht nach Glück ablegen könnten. Den haben wir einstmals entwickelt, um nicht immer wieder verletzt zu werden, was auch Sinn machte damals und dank dem wir vielleicht überlebt haben.
Ich wünschte dir, dass Therapien dir trotz allem kleine Schritte in diese Richtung ermöglichen. Für mich tun sie das, aber es brauchte sehr viel Geduld und Beharrlichkeit. Die Erfahrung, dass Dinge, die Ärzte und Therapeuten ihren Patienten sonst erstmal raten (kein Alk, viel Bewegung, gesund ernähren, genug schlafen usw), an eine Grenze stossen, kenne ich auch. Ein guter Hausarzt, den ich mal hatte, war deswegen auch schon am Ende seines Lateins gewesen ...
Gib nicht auf. Manchmal kommen neue Möglichkeiten ganz unverhofft und trotz -zig Rückschlägen.

18.04.2024 10:14 • x 3 #3


Sifu
Zitat von Aboi:
Ich finde mich in deinen Zeilen zum größten Teil wieder, Sifu! Auch ich bin hochsensibel und leide unter massiver Angst, die allerdings nicht generalisiert, sondern situationsbezogen ist und sich eher in einer Leistungsangst und der Furcht vor dem Versagen äußert. Therapien scheiterten stets, wenn es um ...

Ja, das kenn ich. Steigerst Du Dich auch immer in das Worst Case Szenario rein ?

18.04.2024 12:51 • #4


Sifu
Zitat von Stromboli:
Hallo Sifu Mir ist das auch vertraut, was du beschreibst. Immerhin hat das Wissen, dass manches eben mit der Hochsensibilität zu tun hat (die dünne Haut z. B.), einigen Druck von mir genommen, den ich mir mein Leben lang gemacht hatte - so ängstlich ist doch kein normaler Mensch und schon gar nicht ein Mann, nun ...

Ja, jede Medaille hat zwei Seiten....auch die Hochsensibilität.

18.04.2024 12:53 • x 2 #5


Aboi
Zitat von Sifu:
Steigerst Du Dich auch immer in das Worst Case Szenario rein ?

Hineinsteigern passiert nur, wenn ich in ein Ereignis nicht mitgestalten kann. In Gedanken spiele ich die Angstsituation immer wieder durch, bis ich eine für mich passende Lösung gefunden habe.


Vielleicht hängt es mit der Hochsensibilität zusammen, dass allein beim Betrachten der Situation ungewollt ganz viele innere Bilder aufspringen, die die befürchtete Sache als nicht aushaltbar beschreiben. Daraufhin wächst die Angst stetig an.

18.04.2024 19:07 • x 2 #6


Sifu
Zitat von Aboi:
Hineinsteigern passiert nur, wenn ich in ein Ereignis nicht mitgestalten kann. In Gedanken spiele ich die Angstsituation immer wieder durch, bis ich eine für mich passende Lösung gefunden habe. Vielleicht hängt es mit der Hochsensibilität zusammen, dass allein beim Betrachten der Situation ungewollt ganz viele ...

Ja, gestern dachte ich durch eine Headline im Internet an die Wiedereinführung der Wehrpflicht und das würde meinen Sohn betreffen. Ich sah mich nach dem 3. Weltkrieg an seinen Grab stehen.

18.04.2024 21:38 • #7


Alexandra2
Ich bin hochsensibel und mir hilft der innere Freund weiter, wenn ich mich hochschaukele. Mit einiger Übung, hoffe ich, Nervosität /Angst zu verkleinern...
In manchen Situation hat mich das Hochsensible aber auch geschützt und anscheinend hat mein Sohn eine exzellente Intuition, die ihn vor Schäden bewahrt hat. Es ist eine manchmal nützliche Fähigkeit...

20.04.2024 10:35 • x 1 #8


Pilsum
Zitat von Sifu:
Ich bin hochsensibel und habe seit über 40 Jahren u.a. eine generalisierte Angststörung diagnostiziert. In all den Jahren ist es mir nicht gelungen
ein dickeres Fell zu bekommen.


Ich denke, ich kenne mich damit
ziemlich gut aus.
Leider finde ich es extrem schwierig,
mit einigen Leuten hier im Forum und
so auch mit Dir in ein gutes sachliches
Gespräch zu kommen.

20.04.2024 11:41 • x 1 #9


Sifu
Zitat von Pilsum:
Ich denke, ich kenne mich damit ziemlich gut aus. Leider finde ich es extrem schwierig, mit einigen Leuten hier im Forum und so auch mit Dir in ein gutes sachliches Gespräch zu kommen.

Warum ? Mir mir kannst Du gerne reden.

20.04.2024 12:37 • #10


Pilsum
Zitat von Sifu:
Warum ? Mir mir kannst Du gerne reden.

Ein paar mal hatte ich das schon versucht.
Irgendwie ist es uns jedoch nicht gelungen,
Gemeinsam bei einem Thema zu bleiben.
Oder ist das nur mir aufgefallen?

Das Dicke Fell, von dem Du sprichst,
Muss man sich nicht aneignen.
Das kommt von alleine, wenn Du Dir angewöhnst, ein wenig langsamer und sachlicher zu denken.

Die Wissenschaft weiß heutzutage wie und warum dieses Angstdenken entsteht.
Verändert Du an Deinem Denken ein kleines bisschen, sollte es Dir gelingen,
deutlich weniger Angst zu empfinden.
Etwas schwierig ist oft dabei.
Zwei von drei Betroffenen behaupten,
Sie können nicht anders Denken.
Und dann bin ich mit meinen Möglichkeiten
am Ende. Denn zwingen kann man keinen Menschen. Jeder darf seine Denkweise
frei so wählen, wie er das möchte.

20.04.2024 15:22 • x 1 #11


Sifu
Zitat von Pilsum:
Ein paar mal hatte ich das schon versucht. Irgendwie ist es uns jedoch nicht gelungen, Gemeinsam bei einem Thema zu bleiben. Oder ist das nur mir aufgefallen? Das Dicke Fell, von dem Du sprichst, Muss man sich nicht aneignen. Das kommt von alleine, wenn Du Dir angewöhnst, ein wenig langsamer und ...

Ja mit 60 seine jahrzehtenlangen Gedankenströme zu ändern braucht sehr viel Zeit. Ich versuch es eher damit die Gedanken nur zu beobachten und sich nicht mit Ihnen zu identifizieren.

20.04.2024 15:27 • #12


Pilsum
Zitat von Sifu:
Ja mit 60 seine jahrzehtenlangen Gedankenströme zu ändern braucht sehr viel Zeit. Ich versuch es eher damit die Gedanken nur zu beobachten und sich nicht mit ihnen zu identifizieren.


Hier unterscheiden sich unsere Denkweisenschon sehr stark.
Das Alter spielt fast keine Rolle dabei.
Es kann immer relativ schnell funktionieren.
Bist Du eher ein Theoretiker, also ein Denker oder bist Du eher praktisch veranlagt?

Deine Gedankenströme musst Du im Grunde dafür nicht ändern. Allerdings
hilft es sehr, wenn Du logische Denkfehler
In Deinen Gedankenströmen entdeckst.
Solche Fehler baut jeder Mensch in sein Denken ein.
Warum identifizierst Du Dich nicht mit Deinen Gedanken? Bedeutet das, Du identifiziert Dich auch nicht mit Deinen Gefühlen?

20.04.2024 15:56 • x 1 #13


Sifu
Zitat von Pilsum:
Hier unterscheiden sich unsere Denkweisenschon sehr stark. Das Alter spielt fast keine Rolle dabei. Es kann immer relativ schnell funktionieren. Bist Du eher ein Theoretiker, also ein Denker oder bist Du eher praktisch veranlagt? Deine Gedankenströme musst Du im Grunde dafür nicht ändern. Allerdings hilft es sehr, ...

Eher der Denker.

Das ist eine buddhistische Technik, die besagt, das Gedanken und Gefühle nicht du bist sondern nur das Ego. Hinter dem Ego oder tiefer ist das reine Bewußtsein - individuell und kollektiv und DAS bist du. Separiert man sich vom Ego, wird man frei.
Also schau ich meine Gedanken an wie Wolken am Himmel ohne mich mit ihnen zu identifizieren......und die Gefühle und Gedanken kommen und gehen wieder wie Wolken und das bin ich nicht.

20.04.2024 21:08 • x 1 #14


Pilsum
Zitat von Sifu:
Eher der Denker.


Wenn Du gedankenstark bist, dann sollte es Dir gelingen, Dich schneller von weniger hilfreichen
Überlegungen zu befreien.

Zitat von Sifu:
Das ist eine buddhistische Technik, die besagt, das Gedanken und Gefühle nicht du bist sondern nur das Ego.

Ich habe zwar nichts mit dem Buddismus zu tun, aber ich stimme hier völlig zu, dass ich nicht meine
Gedanken und meine Gefühle bin. Obwohl ich finde, dass meine Gefühle meinem Ich verflixt
nahe kommen.

Zitat von Sifu:
Hinter dem Ego oder tiefer ist das reine Bewußtsein - individuell und kollektiv und DAS bist du. Separiert man sich vom Ego, wird man frei.


Das sehe ich überhaupt nicht so. Das scheint mir mehr nur ein Gedankenkostrukt zu sein.
Wenn ich beschreibe, dass ich nicht meine Gedanken bin, muss mein Ich ja wohl irgendwo anders sein.

Zitat von Sifu:
Also schau ich meine Gedanken an wie Wolken am Himmel ohne mich mit ihnen zu identifizieren

Oh je, jetzt erschrecke ich fast. Ist das nicht ein falscher Schluss aus dem, was Du hier beschreibst?
Meiner Meinung nach, kann das nicht funktionieren.

Zitat von Sifu:
.und die Gefühle und Gedanken kommen und gehen wieder wie Wolken und das bin ich nicht.


Was Du da schreibst, finde ich äußerst interessant.
Ich kann Deinen Aussagen noch in soweit folgen, dass unsere Gefühle meistens erscheinen, ohne dass
wir das direkt beeinflussen können.

Aber jetzt kommt es.
Was Du denkst, also Deine Gedanken, die machst Du! Niemand anderes. Und es kommt noch
mehr dazu. Deine Gefühle kannst Du wenn Du das möchtest auch zu großen Teilen beeinflussen.

Beispiel:
In einer Gesellschaft, wo fast jeder ein Auto hat, ist der, der nur ein Fahrrad hat ein armer Mensch.
Aber in einer Gesellschft, wo alle Menschen zu Fuß gehen müssen, ist der, der ein Fahrrad hat, ein
beneidenswerter Mensch, weil er einen viel weiteren Bewegungsradius hat.
Deine Gefühle machst Du also in Abhängigkeit von Deinem persönlichen Weltbild.

Und wo ist da nun Dein Ich?

Wenn wir für unser Denken eine Religion als Gedanken-Basis nehmen, dann sehe ich da eine ziemlich
große Gefahr, den Blick für die aktuelle Realität ein wenig zu verlieren.
Denn es gibt viele, sehr viele Religionen auf unserer Welt. Folglich kann keine Religion eine
ausschließliche, vollständige und korrekte Erklärung dafür liefern, wie man Leben muss, um
alles richtig zu machen und sein Seelenheil finden zu können.

21.04.2024 13:24 • #15


Sifu
Pilsum, wir können da tatsächlich nicht wirklich kommunizieren. Sorry.

21.04.2024 15:07 • x 1 #16


Pilsum
Das hatte ich mir so gedacht.

21.04.2024 15:29 • x 1 #17


Sifu
Zitat von Pilsum:
Das hatte ich mir so gedacht.

Hier wird noch einmal der Unterscheid zwischen dem ewigen Bewußtsein und dem Ego erklärt....so ca. ab 32.

22.04.2024 14:36 • x 1 #18


Pilsum
Hallo Sifu,

danke für das Videdo mit dem Interwiev.
Was dort gesagt wird, ist für mich grundsätzlich bekannt. Ich habe allerdings bisher nur die ersten 20 Minuten
angesehen.
Was uns unterscheidet ist vermutlich folgendes.

Dein Thema handelt von einer generalisierten Angststörung. Dazu habe ich etwas gesagt.
Der Mediziner erklärt bei etwa Minute 12, dass er das, was wir Menschen Bewusstsein nennen,
fur ihn etwas anderes, er nennt es das Wachbewusstsein, ist.
Das bedeutet. Ich spreche von dem was er Wachbewusstsein nennt. Du sprichst aber von etwas
völlig anderem.

Mir geht es bei meinen Gesprächen darum, Menschen bei ihren Angststörungen Wege aufzuzeichnen.
ihnen das Leben zu erleichtern.
Du scheinst Dich weniger mit den Fragen des irdischen Lebens zu beschäftigen.
Dafür habe ich den Eindruck leidest Du überwiegend freiwillig unter Deinen Ängsten.
Wobei ich eben sage. Das braucht nicht zu sein.

Um es nochmal zu sagen. Deine Meinung akzeptiere ich völlig. Aber hilft sie Dir hier im
täglichen Leben? Oder wünschst Du Dir schon im Jenseits zu sein?

23.04.2024 09:18 • x 1 #19


A


Hallo Sifu,

x 4#20


Sifu
Ich sagte einmal zu mir selbst in einer schweren Krise: Ich komme mit mir selbst nicht mehr zurecht !

Das sind Zwei. Wer sind die Zwei ? Der eine der beobachtet und still ist und der andere - das Ego - das dauernd im Kopf plappert. Letzteres übe ich zu ignorieren und damit auch die Ängste. Man muß es aber lange üben !

23.04.2024 13:58 • x 1 #20

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