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Hat er Burnout / Depressionen?

H

Hope90
Mitglied

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Hallo zusammen, ich schreibe das allererste mal in einem Forum nachdem ich glaub ich sämtliche google Beiträge und Foren durchgelesen habe.
Ich bin mittlerweile am Ende und erhoffe mir hier ein wenig Austausch.
Zu meiner Geschichte: ( ich bin leider schlecht im kurz fassen)
Ich bin mit meinem Mann mittlerweile 10 Jahre zusammen, 7 davon verheiratet. Eine 5 jährige gemeinsame Tochter, ein Haus gebaut, beide berufstätig. Unsere Ehe war aus meiner Sicht immer toll.
Mein Mann war dieses Jahr auffällig viel krank, immer wieder Infekte, dazu immer wieder sehr starke Rückenschmerzen, Magenschmerzen, Kopfschmerzen, immer müde egal wie lange er geschlafen hat. Durch die Krankentage musste er im Job sehr viel nachholen, da er Schornsteinfeger in einem 2- Mann Betrieb ist, müssen sie ihre Arbeiten bis Ende des Jahres erledigt haben und somit fing der Stress ab Oktober an. Ein Termin nach dem anderen, länger gearbeitet als er müsste und sogar Samstags los usw. Mir ist rückblickend aufgefallen das er ab dieser Zeit eigentlich fast jedes Wochenende in seiner Freizeit nur noch auf dem Sofa lag weil er entweder Magenschmerzen, Kopfschmerzen oder Rückenschmerzen hatte. Also habe ich mit unserer Tochter öfter etwas alleine unternommen damit er sich ausruhen konnte. Bis eine Woche vor Weihnachten, er lag Sonntags wieder wegen Magenschmerzen auf dem Sofa, ich komme vom Schwimmen nach Hause und frage ihn was los ist und ab da ist er völlig zusammen gebrochen, sagte er kann das alles nicht mehr, er liebt mich nicht mehr, hätte mich die letzten 2 Jahre nicht mehr geliebt, er hat keine Lust mehr auf das Familienleben, ist weinend zusammen gebrochen, für ihn hat alles keinen Sinn mehr,hat seinen Ring abgemacht und ist zu einem Freund gezogen.
Ich war wie in einem Schock-Zustand, aber dachte sofort das etwas nicht stimmen kann, wir haben erst Urlaub gebucht, uns im September einen Hund gekauft und ein paar Tage vor dem Zusammenbruch haben wir noch neuen Boden für unser Wohnzimmer bestellt weil er es renovieren wollte. Es kann auch eigentlich nicht stimmen das er mich nicht geliebt hat, er hat mich so oft von der Arbeit angerufen einfach weil er hören wollte wie mein Tag war, hat mir immer die Kaffeetasse vor der Arbeit mit Zucker bereit gestellt, immer auf seinen Kuss nach der Arbeit bestanden,auf Ausflügen meine Hand genommen, oder mir nach dem Volksfest gesagt ich sei die schönste Frau für ihn.
Jedenfalls waren die Tage danach der Horror, ich habe ihn komplett in Ruhe gelassen wenn er wegen unserer Tochter kurz kam, habe nur gefragt wie es ihm geht, er sagte immer überhaupt nicht gut, hat immer geweint, gesagt er ist einfach fertig und er will Ruhe im Kopf, hat Schlafprobleme und Schweißausbrüche, Herzrasen,Panikattacken wenn er alleine ist. sagt er geht stundenlang draußen spazieren, obwohl er spazieren gehen immer gehasst hat, damit er Ruhe in seinem Kopf kriegt. Einmal sagte er, hätte er unsere Tochter nicht, dann hätte er sich schon umgebracht. Mittlerweile sind 2 Wochen vergangen, es geht ihm immer noch nicht gut und er sagt er weiß das etwas mit ihm nicht stimmt deswegen geht er nach den Feiertagen zum Arzt.
Er kommt ab und zu wegen unserer Tochter aber ich hab das Gefühl das er damit nach kurzer Zeit schon überfordert ist, denn er bleibt nicht länger als eine Stunde und flüchtet dann regelrecht. Man kann kaum mit ihm reden, er legt jedes Wort auf die Goldwaage, er ist ein ganz anderer Mensch als vorher aber ich bin mir auch zu 100% sicher das keine andere Frau im Spiel ist, dafür ist er einfach zu fertig. Ich habe so viel über Burnout gelesen, das ich mir sicher bin das er das hat, seine Mutter und seine Chefin sagen das mittlerweile auch und er auch aber er schiebt es auf unsere Ehe, sagte am Anfang der Trennung ich hätte ihm immer im Weg gestanden, er hätte nicht mehr für das gekämpft was ihm wichtig war und sich selber aufgegeben. Auf die Frage was er damit meint, konnte er nicht antworten. Ich habe das Gefühl er sucht regelrecht nach Gründen das alles zu beenden, aber gleichzeitig war er eifersüchtig wo ich sagte ich bekomme heute Abend Besuch, statt zu fragen wer, sagte er mir nur er will das nicht sehen ich soll die Außenkameras ausstellen, und das es wenigstens seine richtige Entscheidung war dann zu gehen. Ich habe ihm einen Brief geschrieben, habe ihm viele Sachen gesagt, das ich ihm nie im Weg stand sondern immer hinter ihm, habe Vorschläge gemacht was man ändern könnte, habe ihm gesagt wenn ihm das Haus zu viel ist, dann lass es uns verkaufen und nochmal neu anfangen und gucken wo es uns hinbringt, habe sämtliche Vorschläge gemacht aber er lässt sich auf nichts ein, es ist als wenn man gegen eine Wand redet, es kommt nichts durch, er ist einfach gefühlslos momentan. Andererseits guckt er aber immer das er mir und unserem Kind gut geht, will am liebsten unser Geld nicht anrühren und wollte mir sogar sein Weihnachtsgeld schenken, er lässt mir das Auto und einmal sagte er, falls es Burnout ist und er eine Therapie machen muss, wird er wohl arbeitslos aber das kann er nicht machen weil er mir dann keinen Unterhalt zahlen kann?! Manchmal sagt er wirre sätze einfach so ob das mit der Vergangenheit ist oder die Zukunft.
Ich will diese Ehe jedenfalls nicht einfach aufgeben, gibt es Hoffnung das falls es Burnout ist, wir jemals wieder zusammenfinden? Wir verstehen uns auch weiterhin gut, aber er fühlt nichts und sagt immer wieder er will das Leben nicht mehr.

x 2 #1


Fritz
Hi Hope90
Erstmal willkommen!
Dein Bericht ist tatsächlich ein bisschen lang.
Vielleicht gelingt es dir, den Nächsten ein bisschen kürzer zu gestalten.
Aber jetzt zu deinem Leben.
Ich denke, dass bei Euch die Wahrheit fehlt.
Nur mit einer Ehrlichen Geschichte, weiß der Partner, was der Andere möchte!
Dein Mann hat bereits 2 Jahre verheimlicht, was er wirklich denkt und will.
Dann kommt alles auf einmal.
Vermutlich leidet er unter einer psychischen Krankheit!
Er redet nicht, das ist falsch.
Warum redet er nicht?
Will er dich nicht verletzen, oder wie?
Die Ehe aufgeben, das bleibt nur, wenn nichts mehr hilft.
Ein Neuanfang mit absoluter Ehrlichkeit könnte ich mir gut vorstellen.
Ich denke, wenn du deine Probleme mitteilen und mal aufschreiben kannst,
das ist doch schon ein guter Anfang und tut schon mal gut.
Das wars fürs Erste.
Ich wünsche Euch ein gutes und ehrliches Neues Jahr.
Nicht aufgeben!
Nur einen Brief gibt man auf.
Das ist meine persönliche Meinung!
Servus

#2


A


Hallo Hope90,

Hat er Burnout / Depressionen?

x 3#3


H
Danke für deine Antwort.
Ich weiß nicht warum er nicht richtig redet, einige Sachen die ihm nicht gefallen hat er in der Ehe immer angesprochen, aber das waren Kleinigkeiten, zb das er nicht gerne schwimmen geht oder einkaufen, war aber kein Problem ich hab zum Schluss fast alles übernommen weil er nach der Arbeit einfach zu kaputt für vieles war. Ich hab selbst unsere Hecke geschnitten oder Rasen gemäht, die Hausarbeit und das Einkaufen, die Finanzen weil ihm für alles die Kraft gefehlt hat, er ist nur von der Arbeit gekommen und seine einzige Aufgabe war es abends mit unserem Kind ein Buch anzugucken. Von ihm habe ich nichts erwartet und ich bin kein Mensch der unbedingt auf irgendwas besteht oder keine Kompromisse eingeht. Aber jetzt ist er auch ein völlig anderer Mensch, seine Laune schwingt von der einen zur anderen Sekunde in den Keller, meistens immer schlecht drauf, hat kaum Interesse an unserer Tochter. Gestern hat er sie nicht mal begrüßt, sie stand einfach neben ihm und hat ihn angesprochen weil sie sich gefreut hat das er da war aber er hat erst gar nicht reagiert und dann hat er ihr nur pampig gesagt das sein Auto kaputt ist, kein gute Nacht oder irgendwas. Meine Tochter hat drinnen geweint, sie fragte mich warum Papa so böse geworden ist, ja was soll ich darauf sagen...

x 2 #3


Stromboli
Liebe Hope90, herzlich willkommen, gut, dass du hierher gefunden hast. Und nochmal gut, dass du dir den Namen Hope ausgesucht hast.

Was du beschreibst, löst bei mir auch erstmal Ratlosigkeit und viele Fragezeichen aus. Und den Eindruck, dass ich hier bestenfalls Mutmassungen anstellen kann, was dem Verhalten deines Mannes und dieser abrupten Umkehr von so vielem, wie du ihn kanntest, zugrundeliegt.

Aus dem Bauch heraus drängt sich mir die Vermutung auf, dass er in sich eine Art zweite Persönlichkeit getragen hat, vielleicht schon lange, vor der er selbst panische Angst hat, die er aber aus irgendwelchen Gründen nicht zulassen konnte und wollte, die er vielleicht mit allen ihm zur Verfügung stehenden Kräften unterdrückt hat, so dass wirklich niemand das in ihm gesehen oder vermutet hätte. Und dass er mit diesen Kräften nun plötzlich am Ende war und die Verdrängung nicht mehr funktionierte. Solche Persönlichkeitsstrukturen gibt es, in ganz verschiedenen Konstellationen. Das nahe Umfeld kann dann urplötzlich mit etwas konfrontiert sein, mit dem niemand im Traum gerechnet hätte.
Doch wie gesagt, das ist erstmal einfach eine eventuell mögliche Erklärung.

Ob etwas in dieser Richtung vorliegt oder ob es etwas ganz anderes ist: So oder so denke ich, es bedürfte einer professionellen Abklärung. Wäre denn dein Mann evtl. offen dafür, sich einem Psychotherapeuten anzuvertrauen in dieser Situation? Das könnte wieder etwas Ruhe und hoffentlich Klarheit bringen. Denn eine derartige Veränderung kommt nicht aus dem Nichts, auch wenn es so aussieht. Vielleicht hat sie lange zurückliegende Wurzeln, die mit dir und mit eurer Familie nichts zu tun haben, auch wenn ihr sie jetzt voll abbekommt.

Das ist, was mir so spontan dazu einfällt. Dass es für dich, für euch eine grosse Not bedeutet, ist sehr spürbar. Ich wünsche dir von Herzen, dass sich bald ein Weg auftut, wie es weitergehen kann.

x 2 #4


Nuance
Es klingt schon sehr nach größeren Problemen.
Das was er sagt, kommt mir glaubhaft vor.
So wie Du ihn beschreibst, könnte ich mir vorstellen, dass er vlt. wirklich schon längere Zeit einfach nur versucht hat, eine Fassade aufrecht zu erhalten. Und vlt. sogar vor allem Euch zuliebe.
Und vlt. auch in der Hoffnung, dass es nur eine Phase ist und sich irgendwann wieder ändern wird.

Ignoriert man seine Gefühlswelt zu lange, kann das zum totalen Zusammenbruch führen.
Sehr belastend finde ich seine berufliche Situation. Arbeiten nachholen zu müssen. Auch will man Kollegen nicht zur Last fallen.

Super, dass er einen echten Freund zu haben scheint und dort untergekommen ist.
Ob er sich ihm gegenüber (noch) mehr öffnet?

Schwierig - aber notwendig - zu ergründen, was genau zu seiner Überlastung geführt hat.
Du scheinst Mitte 30 zu sein. Er ist es vlt. auch.
So hart das klingt: Ein gutes Alter, um sein Leben - notfalls - völlig neu zu justieren.
Er scheint sich sicher zu sein, sein aktuelles Leben nicht mehr so fortführen zu wollen.

Trotzdem wäre ein Therapie - vlt. ein stationärer Aufenthalt - sehr sinnvoll.
Zur Ruhe kommen, Gespräche, keinerlei Stress und Druck - weder von Dir noch von der Arbeit.

Wir haben alle nur dieses eine Leben.
Lieben heißt eben auch los lassen - Freiheit schenken.

So wie Du schreibst, bin ich mir eigentlich sicher, dass Du das gut verkraften wirst.
Zudem schreibst Du, Du seist auch berufstätig.
Doch wie dem auch sei: Die Gesundheit ist unbezahlbar und mehr wert als Besitz.

Er hat vlt. in letzter Sekunde die Reissleine gezogen.

Du wirst in der Lage sein, Dich gut um Kind und Hund zu kümmern.
Und eure Tochter wird es eines Tages verstehen.
So wie Du schreibst, mache ich mir eigentlich keine Sorgen, dass Du die Tochter aufhetzen wirst.

Inwieweit Du ihm Tipps geben kannst, darfst, ist unklar.
Vlt. muss/will/sollte er seinen Weg ganz ohne jeden Einfluss von Dir finden.

Viel Kraft wünsche ich Dir!

x 1 #5


H
@Stromboli ja das mit der Fassade hat er mir auch gesagt, er hat sich zu lange nur um uns gekümmert, so das er seine eigenen Bedürfnisse nicht mehr wahrgenommen hat. Aber wenn ich ihn Frage was er damit meint, weiß er es selber nicht. Wir hatten alles, Hobbys, Urlaub, wir haben dinge gemeinsam gemacht oder auch mal getrennt, er hatte Freizeit für sich, ich bin kein Mensch der klammert..
Er geht am 5.1 zu seinem Hausarzt, durch die Feiertage wollte er nicht zu der Vertretung, dadurch das es ihm auch immer noch nicht gut geht, sagt er selber das er dorthin muss

x 2 #6


H
@Nuance seine berufliche Situation war bis kurz vor Weihnachten sehr belastend für ihn, vor der Trennung hat er immer wieder gesagt das seine Tage sehr heftig sind, er weiß nicht wie er das schaffen soll

Mit seinem Freund hat er nicht darüber gesprochen hat er mir gesagt, er möchte mit niemandem reden, hat zeitweise den Kontakt zu seiner Mutter und anderen abgebrochen

Ja wir sind beide Mitte 30, ich verstehe nur nicht was er will, er kann es mir einfach nicht sagen wenn ich frage auf was er verzichten musste oder was er mit uns nicht kann. Ich hätte mich auf alles eingelassen, nochmal komplett neu anzufangen aber er kann mir einfach nicht sagen was er sich vorstellt, er meinte mal das er nicht mal weiß ob es ihm besser geht wenn er weg ist

Ich setze ihn auch nicht unter Druck mit irgendwas, er geht am Montag zu einem Arzt weil er sagt mit ihm stimmt was nicht, gesundheitlich geht's ihm auch immer noch sehr schlecht, er kommt einfach nicht zur Ruhe. Ich Versuche so wenig wie möglich zu sagen weil ich gemerkt habe das er jedes Wort auf die Goldwaage legt oder einfach verdreht und dann versucht zu streiten, so war er aber nie..

x 4 #7


Caro66
Hallo Hope90,
Eigentlich fällt mir schon das Lesen schwer,eine sehr bedrückende Situation muss das für dich sein.
Da ist er zum jetzigen Zeitpunkt in einer der völligen Rückzugsphasen, die ich vor vielen Jahren an mir selbst auch so ähnlich wahr nahm.
Man will nur seine Ruhe haben, von nichts und niemanden hören ,Abstand in jeder Beziehung.
Weisst du, wenn man stürzt ,blaue Flecken oder Schrammen am Knie oder so hat, weiss man wovon, was die Ursache ist und dann nimmt man den Schmerz der Blessuren gleich an und drückt seinen Schmerz in irgendeiner Form aus.
In diesem Fall bei euch, wird er mit sich völlig uneins sein und nicht wissen, warum,wieso er so fühlt, reagiert und kraftlos ist.
Man kann es nicht zuordnen- so ging es mir anfangs und erst mit einem Arzt gegenüber und noch nicht einmal da, war es mir wochenlang möglich, meine selbst empfundenen Schmerzen zuzuordnen.Diese eigene Machtlosigkeit entfesselte Reaktionen meinem Freund und Sohn gegenüber, wo wir heute nach Jahren noch sprachlos uns anschauen manchmal.Das Bewusstsein setzte erst später ein.
Als Partnerin oder Partner kann man da leider nur "da" sein,so,wie der Betroffene das selbst mag, leider, kann ich das nur so beschreiben .Und Angehörige, du und dein Mädelchen, ihr solltet unbedingt auf euch aufpassen und versuchen, den Alltag möglichst normal weiter zu leben.So traurig das ist, bei uns war es so.
Vielleicht hat er sich auch geirrt, empfindet innerlich ganz anders ,welchen Weg er gehen wollte und erschrak nun über sich selbst zweifelt und leidet.
Es tut mir so leid, ich möchte dir nur versuchen zu sagen, wie es einem als Neuling mit solch einer Krankheit gehen k a n n.
Man hat sich ja mit Sicherheit vorher nicht damit erst befasst, sondern schliddert in diese Spirale u.U.über schon eine lange Zeit, äußerlich unbemerkt selbst und gar nicht als solches empfunden.
Zumindest ist gut, dass er erstmals einen Termin beim Arzt gemacht hat und diesen hoffentlich auch wahrnimmt.
Alles Weitere muss man abwarten.
Bleib bei dir physisch und körperlich und mit der kleinen Tochter und passt bitte auch auf euch auf.
Gedanklich eine Umarmung sende ich dir ,falls du sie brauchst. knuddeln
Respekt ,dass du so offen hier darüber geschrieben hast.
Sicher tut dir das auch mal gut als Anfang und der rechte Weg wird sich für euch finden.

x 3 #8


Ziva
Liebe Hope,

es tut mir unglaublich leid zu lesen, wie schwer diese Situation für dich gerade ist. Du wirkst so geduldig, so bemüht und so liebevoll – und trotzdem stehst du im Moment mit all der Verantwortung, den Sorgen und der Traurigkeit ziemlich allein da. Dass dich das belastet, ist vollkommen verständlich.

Was du über deinen Mann schreibst, klingt nach einer sehr deutlichen Veränderung. Er zieht sich zurück, wirkt gereizt, kaum ansprechbar, und selbst eure Tochter bekommt diese Distanz zu spüren. Das muss dir das Herz brechen, vor allem wenn sie fragt, warum Papa plötzlich so „böse“ ist. Es ist unglaublich schwer, wenn man selbst keine Antwort darauf hat.
Solche Verhaltensänderungen entstehen oft, wenn jemand innerlich stark unter Druck steht oder mit etwas kämpft, das er selbst nicht einordnen kann. Viele Menschen reagieren dann, indem sie dichtmachen – nicht, weil ihnen ihre Familie egal ist, sondern weil sie keinen Zugang mehr zu ihren eigenen Gefühlen finden. In solchen Phasen fühlt sich selbst ein einfaches Gespräch wie eine Überforderung an.

Vielleicht kannst du ihm in einem ruhigen Moment sagen, wie sehr dich diese Veränderungen verunsichern und dass du dir Sorgen machst – nicht als Vorwurf, sondern als Ausdruck deiner Gefühle. Und gleichzeitig ist es wichtig, dass du deine eigenen Grenzen wahrnimmst. Du kannst ihn nicht „retten“, wenn er selbst nicht mitwirkt. Aber du kannst für dich und eure Tochter sorgen, und du darfst klar benennen, was du brauchst, um nicht selbst unterzugehen. Du machst so viel – körperlich, emotional, organisatorisch – und niemand kann das dauerhaft allein tragen. Und genauso wichtig: dass du dir Unterstützung holst, sei es durch Austausch hier im Forum, durch vertraute Menschen oder durch professionelle Beratung, wenn du das Gefühl hast, dass es dir guttut.

Du musst das nicht alleine stemmen. Und du hast jedes Recht darauf, ernst genommen zu werden – mit deinen Sorgen und deinen Bedürfnissen. Wenn du möchtest, kannst du hier jederzeit weiter erzählen. Manchmal hilft es schon, die Last ein Stück weit zu teilen.

Liebe Grüße zu dir
Ziva*

x 3 #9


A


Hallo Hope90,

x 4#10


mecca
Liebe Hope,

Viele haben Dir schon geantwortet und ich finde auch wirklich gute Antworten zu Deinem Beitrag geschrieben. Ich werde also vermutlich nicht mehr viel zu einem besseren Verständnis beitragen.

Ich möchte nur sagen, wie verständlich Deine Gefühle sind und das ich finde, dass Du es gut machst. Das Du versuchst ihn zu lassen. In meinen Ohren klingt es schon auch nach Burnout bzw. Erschöpfungsdepression. In der Regel gehört da auch eine gewisse Portion Gereiztheit und Aggressivität dazu, gerade wenn man nicht allein wohnt und ständig den Anforderungen einer Beziehung ausgesetzt ist. Den stillen Erwartungen und wo die bloße Anwesenheit der anderen schon Druck und Reizbarkeit erzeugt und zu viel ist. Ich selbst lebe "nur" mit Hund und Partner. Die ständige Anwesenheit meines Partners hat mich so gereizt, ich wollte in eine einsame Berghütte am liebsten. Ganz allein sein, endlich einmal ganz meine Ruhe haben. Ich habe geheult und geschrien, weil ich es nicht mehr aushalten konnte dieses ständige zusammen sein.

Unsere Lösung war jetzt, das ich ein eigenes Zimmer bekommen habe. Wo ich die Tür zu mache und er mich einfach in Ruhe lässt. Seitdem kann ich besser zur Ruhe kommen, langsam Erholung schöpfen.

Oft ist es so, dass Männer einen noch schlechteren Draht zu ihren Gefühlen haben, sich noch weniger spüren oder stark dazu neigen, das wegzudrücken eben weil sie ja da sein wollen, weil sie für Kind und Frau da sein wollen. Weil sie noch den Boden verlegen wollen. Weil sie die glückliche Familie mit Hund auch wollen. Vermutlich ist Dein Partner über seine Grenzen gegangen. Ich kann mir vorstellen, dass er Fantasien dazu hat, was Du von ihm erwartest (die müssen nicht stimmen) und dann setzt er sich selbst unter Druck. Vielleicht hat er auch selbst enorm hohe Ansprüche daran, was er als Vater und Arbeitnehmer leisten muss, welcher Rolle er entsprechen muss. Umso stärker muss ja der Frust sein, wenn er merkt, er schafft es nicht. Bis zum Vollkommenen Zusammenbruch. Das ist für einen Mann eine Niederlage auf ganzer Linie. Aber selbst dann ist es nicht für jeden möglich einen Zugang zu sich selbst zu finden und in eine ehrliche Reflektion zu kommen über die eigenen überzogenen Ansprüche. Was er spürt ist dann, dass Du zu viel bist, dass die Beziehung belastet, dass das ganze Konstrukt ihn belastet Obwohl er es selbst wollte. Er kämpft dann gegen Dich, gegen euch.
So wie auch ich angefangen habe gegen meinen Partner zu kämpfen, der nichts mehr richtig machen konnte und mich nur noch nervte. Ich war oft drauf und dran auszuziehen. Alle möglichen Kleinigkeiten haben mich enorm gestört. Im Grunde die bloße Anwesenheit.

Vielleicht kann er in eine psychosomatische Klinik, wenn es gerade so akut ist. Wenn er sich selbst nicht auf die Schliche kommt, wird er weiter Raubbau an sich betreiben und dieses falsche maskenhafte Leben führen, von dem er denkt das alle anderen das von ihm wollen, obwohl es gar nicht stimmt. Er sehnt sich nur noch nach Ruhe, sodass selbst Suizid schon in seinen Kopf kam. Das ist ein deutliches Indiz das er am absoluten Limit ist. Ab in die Klinik, von dort aus kann man schon eine Folgetherapie aufgleisen, manchmal kennen die Ärzte dort auch Kollegen, wo sie was organisieren können.

Für Dich liebe Hope ist es bitter, weil Du nichts dafür kannst (unterstelle ich jetzt mal). Du kannst ihm nur den Raum geben den er braucht, ihn vielleicht dabei unterstützen in eine Klinik zu kommen evtl. eine Psychotherapie zu beginnen. Ihm Mt machen, sich krank schreiben zu lassen und erstmal eine wirklich lange Pause zu machen. Zeig ihm, dass Du seinen Freiraum akzeptierst. Übe keinen weiteren Druck aus. In so einer Akutsituation wie er gerade ist, denkt man nicht klar. Man will sich nur noch schützen.

Egal was er jetzt sagt, ob er sich trennen will, ausziehen will...Vielleicht schafft ihr es eine Vereinbarung zu treffen, dass ihr erst solche weitreichenden Entscheidungen trefft, wenn es ihm besser geht, er wieder mehr bei sich ist und sich etwas stabilisiert hat. Sonst wird nur unnötig viel Porzellan zerschlagen.

Versuche es nicht zu persönlich zu nehmen. Konzentriere Dich auf Dich, suche Dir Halt und Unterstützung. Selbsthilfegruppe, Krisentelefon, eigene Psychotherapie als Begleitung. Freunde die da sind.

Das ist ein Prozess der jetzt seine zeit braucht und seine eigenen Wege geht, je nachdem wie schnell und ob Dein Partner bereit ist, sich mit sich auseinanderzusetzen.


Ich bin heute froh und dankbar, dass mein Partner mir den Raum geben konnte und sich zurückgenommen hat, sodass ich den Freiraum hatte erstmal durchzuatmen und wieder bei mir anzukommen. Dann konnte ich auch wieder meinen Partner "ertragen" und sehen und alles was mich vorher gereizt hat war wieder okay...und eben einfach nicht so schlimm. weil es ja im Grunde nie darum ging.


Ich wünsche Dir viel Kraft!

#10

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