76

Fühle mich vom Therapeuten unverstanden

Pessimist

Pessimist
Mitglied

569
45
621
Hallo zusammen.

Heute hatte ich in der Klinik ein Gespräch mit meinem Therapeuten. Danach hatte ich irgendwie das Gefühl, dass er meine Gefühle und Gedanken ignoriert und heruntergespielt hat. Wie gesagt, es war lediglich mein Eindruck danach.

Ich habe erklärt, dass ich Existenz- und Zukunftsängste habe, da ich schon länger ohne Job und auch schon etwas älter bin (bald 60). Irgendwie hatte er sich so ausgedrückt, dass meine Sorgen und Ängste unbegründet seien. Ich hätte noch so viele Optionen und bekäme zudem noch eine ganze Weile ALG I.

Ebenso habe ich ihm auch gesagt, dass ich schon seit Jahrzehnten ohne Partnerin lebe und bis auf einen guten Freund sonst niemanden habe, auch keine Angehörigen mehr. Er argumentierte auch in der Form, dass das doch wohl gar nicht so schlimm sei, obwohl ich ihm gesagt habe das ich darunter schon sehr lange leide, zumal ich niemanden habe an den ich mich so zu sagen so richtig anlehnen könnte. Trost oder Beistand kenne ich auch nicht.
Er sagte mir, dass das auch scheinbar gar nicht so erstrebenswert sei, da es eh nur wenige, intakte und glückliche Beziehungen und Ehen gäbe.
Ich solle mal grundsätzlich meine Ansichten ändern und nicht so große Erwartungen haben. Es wurde auch gar nicht weiter darauf eingegangen, weshalb das überhaupt so bei mir ist und weshalb ich grundsätzlich Angst vor Abweisungen habe.
Mein "richtiger" Therapeut, also ausserhalb der Klinik geht da völlig anders mit um! Meiner Meinung nach auch mit mehr Fingerspitzengefühl und vor allen Dingen analytisch, was mir immer sehr gut tut.

Sobald ich dann etwas sage wie ich darüber denke und wie sich das für mich anfühlt, argumentiert er in einer Form, dass ich dem dann nichts mehr entgegen zu setzen habe. Er redet mich dann regelrecht in Grund und Boden. Ich denke, er ist halt auch gut vorbereitet, ich dagegen jedoch nicht!

Ich habe fast schon Angst vor dem nächsten Gespräch. ganz komisch ist das! Ich weiß nicht was ich machen soll! Mein "richtiger" Therapeut wäre mir da schon viel lieber! Nur, in einer Klinik kann man sich den nicht aussuchen. leider!

x 4 #1


35 Antworten ↓
aurora333

aurora333
Mitglied

Beiträge:
6451
Themen:
4
Danke erhalten:
3396
Lieber @Pessimist ich habe mit gelesen ,und möchte betonen wie enorm wichtig für die Genesung die Therapeut-Klienten-Beziehung ist. Der Klient sollte sich dort vom Therapeuten abgeholt fühlen, wo er gerade steht. Und das ist überhaupt nur möglich, wenn der Therapeut in so weit fähig ist sich ( und seine Ideen und Ratschläge und Bemerkungen etc.) erst einmal zurückzuhalten. Umso mehr sollte er zum Zuhören was im jetzigen Moment sein Gegenüber bedrückt, beschäftigt können.

Du hast ein paar ernst zu nehmende Situationen und Gefühle in der ersten Stunde angesprochen. Dein Gegenüber schlug sie in den Wind. Bei so einem "Helfer" bei dem man sozusagen um Ernstgenommenwerden kämpfen muss , ist es für "gesund" denkende Menschen bestimmt schwierig bis unmöglich sich zu öffnen , geschweige denn bei sich selbst Probleme zu suchen. Kritische Selbstreflexion ist nur in einem Klima der Akzeptanz möglich. Vorher geht gar nichts in die Richtung.

Humanistisch orientierte Therapeuten sind sogar davon überzeugt, dass wenn dem Klienten Wohlwollen, Verstehen und Empathie entgegen gebracht werden, der Klient von alleine zum für ihn passenden Zeitpunkt seine Schattenseiten
anspricht. Und nur wenn der Prozess wirklich so läuft, ist er nachhaltig. Gute Ratschläge und Tips von aussen können kurzfristig "helfen" , doch nur was aus dem eigenen Inneren kommt, hat eine Chance zu bleiben.


Auch ich bin ein Pessimist /Realist und Fan von Schopenhauer. Sicher kennst Du das Buch von Ivan Yalom "Die Schopenhauerkur" ? Empfehlenswert. Meinerseits würde ich mich freuen wenn Du auch mir mitteilen könntest, wie ich vorgehen müsste um Mitglied der Schopenhauergesellschaft zu werden. Ich wusste gar nicht, dass sowas existiert.
Du besitzt sicher eine Adresse ?

Nun wünsche ich Dir noch die Kraft und Weisheit Dich für die nächsten Schritte in dieser Klinik zu entscheiden. Hast ja hier viel brauchbare Inputs erhalten. Alles Gute und toll, dass es in Deine Leben einen emphatischen Therapeuten gibt !

05.02.2022 13:47 • x 3 #33


Zum Beitrag im Thema ↓

A


Hallo Pessimist,

Fühle mich vom Therapeuten unverstanden

x 3#3


X

xxxxxxx
Gast

Zitat von Pessimist:
@Lischen Es sind Ängste vor negative Konsequenzen und Abweisungen etc.! Und leider waren diese auch nachweislich nicht unbegründet! Ich kann das hier alles unmöglich aufzählen! Aber... im Grunde immer nur Ängste. Das geht schon fast mein ganzes Leben so! Ein wirklich einschneidendes Erfolgserlebnis, das wäre ...

"Nur Ängste". Ich glaube, Ängste sind die stärkste Gegenkraft zur Liebe. Auch zur Selbstliebe. Denn du beraubst dich deines eigenen Lebens, wenn du aus Angst vor negativen Konsequenzen und Abweisungen in der Starre und in der Depression verharrst, so vieler schöner Dinge, die sein könnten, wenn du dich bewusst dafür entschiedest. Sich seinen Ängsten zu stellen, bedeutet einen Schritt in das Unbekannte hinaus. Denn die Welt steht dir offen. Uns allen. Trotz unserer Vergangenheit. Heute beginnt das neue Morgen.

04.02.2022 21:33 • x 6 #24


Zum Beitrag im Thema ↓

Alle Antworten:


Stromboli
Lieber Pessimist
Das tut mir sehr Leid, ich kann mir aber leider gut vorstellen, dass dein Gefühl, nicht ernstgenommen zu werden, real und begründet ist. Ohne zu verallgemeinern, meine eigenen Klinikerfahrungen gehen schon auch in die Richtung, dass man die besten Therapeuten nicht dort findet - und wie du sagst, hat man auch nicht die Auswahl.
Nimm auf jeden Fall dein eigenes Gefühl ernst. Gibt es allenfalls eine Anlaufstelle (Stations- oder Klinikleitung, Bezugspflegeperson ...), wo dein Gefühl ernster genommen wird?
Abgesehen von diesem Therapeuten, fühlst du dich aufgehoben in der Klinik?
Wenn nicht, würde ich mich schon fragen, ob der Aufenthalt Sinn macht.
Vielleicht kannst du auch deinen Thera draussen anrufen?
Liebe Grüsse Stromboli

x 5 #2


Krizzly
Lieber Pessimist,

ich hoffe auch, dass du dich zumindest allgemein in der Klinik wohlfühlst und aus anderen Angeboten etwas für dich ziehen kannst. Hast du dort auch andere Therapeuten erlebt, zum Beispiel in der Gruppentherapie? Als ich in der Klinik war, ging es einer Mitpatientin ganz ähnlich wie dir und sie konnte dann den Therapeuten wechseln. Die Klinik hat zwar betont, dass sie das nur ungern machen, aber es war möglich.

Liebe Grüße
Krizzly

x 4 #3


Pessimist
Ja, wie schon zuvor erwähnt... ich empfinde es zumindest so. Ich weiß von mir selber aber auch, dass ich in vielen Dingen sehr empfindlich bin und auch schnell überreagiere!

Ich werde das mal weiter beobachten und mich anstrengen das richtig einzuordnen! Muss ich mir echt Mühe geben! Ansonsten kann ich erstmal so nicht klagen. Übrigens hatte ich ein ähnliches Erlebnis mit einer Therapeutin heute Mittag. Das hatte aber scheinbar einen anderen Hintergrund. Ihr ging es darum, ob die Ergo auch wirklich etwas für mich ist.

Ansonsten kenne ich keinen anderen Therapeuten. Sind eh nur sehr wenige Leute dort, wegen Corona. Na ja, schauen wir mal, will erstmal nicht die Pferde scheu machen. Ggfs. rufe ich mal meinen "richtigen" Therapeuten an. Mensch, ist der klasse!

Auch in der Reha-Klinik waren alle Thrapeuten:innen echt klasse. Konnte man unglaublich toll mit reden!
Muss mal die Tage mit einem Kumpel reden, er ist/war Sozialarbeiter und kennt sich mit solchen Dingen auch ganz gut aus.

x 3 #4


Uerdinger
Herrjeeeee!


Siehe PN

x 1 #5


Pessimist
Was mich auch ein bisschen irritiert sind die Danksagungen ehemaliger Patienten, die dort so vereinzelt an den Wänden hängen. Folglich muss es auch Leute geben, die im Nachgang doch recht zufrieden waren, weshalb auch immer...

#6


Anneklatsche
Lieber @Pessimist,
naja, jeder Mensch hat halt ein anderes Empfinden, womit du vielleicht "Probleme" hast, kommen andere super mit klar..
Ich würde an deiner Stelle auch mal versuchen, einen anderen Therapeuten in der Klinik zu bekommen..
Wie fühlt es sich denn sonst für dich an in der Klinik?

x 2 #7


Pessimist
@Anneklatsche Dessen bin ich mir schon bewusst, zumal ich auch ziemlich empfindlich bin! So wie es aussieht gibt es dort keinen anderen Therapeuten. Könnte höchstens bei Bedarf mal mit meiner Bezugsperson reden.

Habe auch schon überlegt die TK ggfs. abzubrechen und mit meinem "richtigen" Therapeuten weiterzumachen. Aber wie schon zuvor erwähnt, ich mach erstmal so weiter. Soweit ist ja auch alles in Ordnung!

Ausserdem könnte ich mir denken, dass ich dann Ärger mit meiner Krankenkasse bekommen würde!? Habe gestern Nachmittag schon mit meiner Krankenkasse telefoniert... ich solle versuchen wenigstens ein bisschen von der TK "mitzunehmen".

#8


Pessimist
Ich bin eh ernsthaft am überlegen ob ich nach 3 Monaten in der TK wieder "geheilt" bin, zumal ich das schon seit Jahrzehnten mit mir rumschleppe! Die Reha-Klinik vor einem Jahr hat mir im Grunde auch nichts gebracht, bin ja von dort auch krank entlassen worden.

Und falls ich mich dann auch noch in der TK tatsächlich nicht so richtig wohlfühlen sollte, ich weiß nicht...

x 1 #9


Anneklatsche
Lieber @Pessimist,
sei mir nicht böse, aber du hast deinen Nicknamen sehr gut ausgewählt.. 🙈😇

x 4 #10


Kate
Zitat von Pessimist:
Ich bin eh ernsthaft am überlegen ob ich nach 3 Monaten in der TK wieder "geheilt" bin, zumal ich das schon seit Jahrzehnten mit mir rumschleppe! Die Reha-Klinik vor einem Jahr hat mir im Grunde auch nichts gebracht, bin ja von dort auch krank entlassen worden.

Was tust Du eigentlich selbst dafür dass es Dir mal besser geht? Von außen nimmt man lediglich Anregungen an, umsetzen muss man immer alles alleine.
Niemand wird Dich heilen, das kannst nur Du alleine, mit Hilfe.
Selbsthilfe ist aber das Zauberwort wenn man gesund werden will.

LG Kate

x 1 #11


Silentium
Zitat von Pessimist:
Ich bin eh ernsthaft am überlegen ob ich nach 3 Monaten in der TK wieder "geheilt" bin, zumal ich das schon seit Jahrzehnten mit mir ...

Du wirst nicht nach 3 Monaten TK geheilt sein. Aber es ist ein möglicher Weg zur Heilung was deine Mitarbeit und Motivation erfordert. Du musst es wollen und offen für sein

x 2 #12


Pessimist
@Anneklatsche Ich bin Dir keineswegs böse! Das hast Du nämlich sehr gut erkannt!🙋‍♂

x 3 #13


Pessimist
@Silentium Du hast es auf den Punkt gebracht!

x 1 #14


A


Hallo Pessimist,

x 4#15


Pessimist
@Kate Tja, das ist schon seit vielen vielen Jahren der eigentliche Knackpunkt! Ich komme einfach nicht aus dieser Blase!

x 1 #15

Weiterlesen »




Ähnliche Themen

Hits

Antworten

Letzter Beitrag