Falsche Therapeutin - soll ich wechseln?

Lucania

Lucania

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Hallo ihr,

ich hatte heute mal wieder voll einen Hänger (fast nur Sofa, viel gedöst) und hab heute mal wieder im Forum gelesen.

Ich nehme jetzt seit einem Jahr Antidepris, war am Anfang 2,5 Monate krankgeschrieben, mache eine Therapie (bis jetzt ca. 10 Sitzungen) und in ein paar Monaten (3-4)
bekomme ich einen Platz in der Tagesklink. Das ganze Jahr war total durchwachsen. Ich hatte einen Monat, wo alles super war, dann wieder Rückfälle.
Die letzten 1,5 Wochen war ich dann mal wieder krankgeschrieben, weil ich wieder jeden Tag auf der Arbeit geheult hatte.
Aber nach dieser kleinen Auszeit geht es mir ganz gut.

Nun aber zu meinem Problem. Meine Therapeutin, anfangs fand ich sie klasse und ich fands klasse, dass ich mich öffnen konnte und ehrlich war und so.
Aber nun, wo ich schon einige Sitzungen hinter mir hab, frage ich mich: und wie geht es jetzt weiter?

Nachdem ich alles in ein paar Sitzungen erzählt hatte (Kindheit-bis heute) dachte ich, so jetzt nehmen wir uns ein Thema daraus vor und gehen das gründlicher an.
Aber dem war nicht so. Ich hab schon zwei mal gesagt: und nun? Und sie sagte immer, sie wolle nicht die Richtung vorgeben. Dann haben wir halt dann immer etwas geschwiegen,
bis ich mir was aus den Fingern gezogen hab (nicht gelogen, sondern gesucht, was ich noch erzählen könnte, was aber gar nicht so wichtig ist).

Und ich fühle mich nach der Therapie auch immer mies. Teils richtig depri (so 10-30 min) und teils einfach nur gefrustet, weils nichts bringt.

Nun meine Frage: muss man schon 20 Sitzungen abwarten, bis es sich gut anfühlt und was bewirkt?
Sollte es nicht so sein, dass ich mich nach der Sitzung gut fühle?
Was haben eure Therapeuten so gesagt, gefragt etc.?

Meine fragt immer nur: wie geht es ihnen im Moment? Und wenn ich zu viel erzähle, kommt sie schon mal mit dem SChreiben nicht nach und fragt nach.
Ist das wirklich Therapie???

Vielen Dank vorab

29.04.2012 19:16 • #1


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Ragnar

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Hallo Lucania,

Ich bin mir nicht ganz sicher aber villeicht hast du eine falsche Vorstellung von Therapie ? Nicht das ich es besser wüsste, denn ich habe meine hingeschmissen. Aber wie währe es wenn du ein Thema wählst das dir wichtig ist und du "aufarbeiten" willst ? Bei mir war es so eine Tiefenpsycho... was ich für mich schon aufgearbeitet hatte und der Psychologe es nochmal wollte. Darum der Abbruch.

Also wenn deine Therapeutin nicht von sich aus etwas vorgibt dann mach du es, sie wird dann schon reagieren, wechseln kannst du ja imer noch.

LG Ragnar

29.04.2012 19:38 • #2


Sonnenblume20

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Hallo Lucania,

welche Art von Therapie machst Du denn?
Verhaltenstherapie, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie oder Analyse?

Zumindest gibt es Unterschiede in der Art und Weise, wie die Therapeutin mit den Patienten arbeitet.

Ich kenne es aber auch so, dass ich das Thema in der Stunde vorgebe.
Das heißt, wenn ich reingehe, begrüßen wir uns, ich setze mich und dann schaut sie mich erwartungsvoll an und ich muss eben anfangen zu erzählen.
Sie stellt dann manchmal Fragen dazu oder spiegelt mich, aber sie würde auch nie das Thema für die Stunde vorgeben.

Zitat von Lucania:
so jetzt nehmen wir uns ein Thema daraus vor und gehen das gründlicher an.

Ja, natürlich kannst Du das tun, aber Du musst den Anfang machen.

Zitat von Lucania:
Und ich fühle mich nach der Therapie auch immer mies. Teils richtig depr. (so 10-30 min) und teils einfach nur gefrustet, weils nichts bringt.

Nun meine Frage: muss man schon 20 Sitzungen abwarten, bis es sich gut anfühlt und was bewirkt?
Sollte es nicht so sein, dass ich mich nach der Sitzung gut fühle?

Therapie, so sagen es die Therapeuten auch immer, ist kein Spaziergang und auch kein Wellnessurlaub.
Es ist harte Arbeit und meistens wird die Seele ja auch mit unangenehmen konfrontiert. Da kommt es schon häufig vor, dass man sich danach nicht gut fühlt. Das geht mir auch oft so.
Es werden Themen angeprochen, die man vielleicht schon so lange in einer Schublade verschlossen hatte.

Was Du aber tun kannst, ist, Deine Zweifel und Gedanken bei ihr anzusprechen.
Das hilft immer sehr und die Therapeuten erwarten dies auch von einem.
Vielleicht kannst Du, indem Du es ansprichst, ja auch einiges für Dich klären.

Ich habe bereits eine 2 1/2-jährige Analyse hinter mir (die ich allerdings abgebrochen habe, weil ich mit dieser Therapieform und letztendlich auch mit dem Therapeuten nicht zurecht kam) und mache gerade eine tiefenpsychologisch fundierte Therapie. So ca. 30 Stunden habe ich auch schon absolviert.
Ich weiß, dass sich schon was in meinem Inneren getan hat, aber mir geht es auch noch nicht blendend und das ist auch ein Stück weit normal, weil es immer noch Themen gibt, an denen ich noch anhafte und die mir noch Schwierigkeiten machen.

Wie gesagt, am besten sprichst du es bei Deiner Therapeutin mal an.

29.04.2012 21:56 • #3


Lucania

Lucania

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Ich hatte anfangs gesagt, dass ich eine Tiefenpsy. Therapie haben möchte, ob das eine ist, was wir machen, wohl eher nicht.

Mit Themen vorgeben ist kein Problem, mein grenzenloser Hass auf meinen Vater, das ist sowieso meist das Thema, wenn der Kontakt mal wieder unvermeidbar war.
Ich finds halt nur seltsam, dass ich im Gespräch mit einem Kumpel mehr Aha-Erlebnisse habe (über mich selbst erfahre) als bei einem Profi.

Und mit harter Arbeit - ich weiß sehr wohl wie das ist wenn man unangenehmes anspricht, sich dabei mies fühlt, vielleicht weint und dann später fühlt man sich erleichert.
Nur dass ich das nicht bei meiner Therapeutin erlebe. Da bin ich immer nur gefrustet, dass mein Reden und Reden irgendwie nix gebracht hat.

Ich hab mal gegoogelt... "Wenn die akuten Symptome Ihrer Depression abgeklungen sind, kann es außerdem hilfreich sein, in einer tiefenpsychologischen Behandlung den Ursachen der
Depression genauer auf den Grund zu gehen. Dabei bearbeiten Sie und Ihr Therapeut in erster Linie Erlebnisse aus Ihrer Kindheit und Jugend und besprechen Störungen in aktuellen sozialen Beziehungen."

30.04.2012 19:18 • #4


Clarice

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Zitat von Sonnenblume20:
Ich kenne es aber auch so, dass ich das Thema in der Stunde vorgebe.
Das heißt, wenn ich reingehe, begrüßen wir uns, ich setze mich und dann schaut sie mich erwartungsvoll an und ich muss eben anfangen zu erzählen.


Hahaha, mein Therapeut auch. Guckt mich erwartungsvoll an, gibt ein erwartungsfrohes "jaaaa" von sich, was so viel heißt wie: ja, was gibts denn heute? und dann fange ich an zu erzählen.

Ich habe 4 Therapeuten (und verschiedene Formen) durch und jede/r hat anders gearbeitet. Gemein hatten drei von ihnen dieses Abwartende. Und ich habe mich auch oft gefragt, was hat das jetzt gebracht? Die Verhaltenstherapie habe ich für mich als recht nutzlos empfunden. Der Heilpraktiker bei dem ich eine zeitlang war, aber aus Kostengründen (musste ich selbst zahlen) aufhören musste, der hat immer gefragt, was ich denn von der jeweiligen Sitzung erwarte, damit ich danach rausgehe und sagen kann: das war gut. Und er hat immer Vorschläge gegeben: wie fühlt sich das für sie an? Passt das? nein, dann ist auch gut.

Das was ich jetzt (wieder) mache ist tiefenpsychologisch. Aber mein Therapeut (der mich schon ewig kennt) sagt mir auch selten etwas direkt auf den Kopf zu, wie etwas ist, wie ich etwas zu machen habe. Wie Sonnenblume sagt: er fragt, er spiegelt mich.

Und ich denke, dass ist doch auch das, was die meisten bezwecken (oder ist es der Sinn der Therapie überhaupt?), dass man selbst dahinter kommt?

Ich habe in der Tagesklinik und der Reha wie ich meine tolle Therapeutinnen gehabt. Die eben - vermutlich weil die meist doch recht kurze und begrenzte stationäre Zeit ein anderes Vorgehen erfordert - häufig deutliche Worte gefunden haben und schneller auf den Punkt gekommen sind. Das fand ich damals auch immer toll. Yeah, klare Worte. Aber manche Sachen, da war die - wie soll ich sagen - Einmischung bzw. Meinungsbildung nicht gut: z.B. die Aussage, dass meine Ängste, dass mein Freund mich nicht liebt, unbegründet sind (also überspitzt gesagt).

Ich glaube inzwischen, dass die Therapie sich setzen muss. Ich hatte in 2010 bis mitte 2011 gar keine Therapie, weil ich das GEfühl hatte, übertherapiert zu sein.

Von daher, Lucania, glaube ich in der Tat, dass es dauert, bis sich etwas tut. Wie Sonnenblume halte ich es aber auch für gut, die Therapeutin einfach mal anzusprechen.

Oh, und mein bester Freund hat mir auch schon gelegentlich einige sehr erhellende "Analysen" gegeben. Manchmal schwätzt er aber auch nur Mist.

LIebe Grüße
Clarice

30.04.2012 21:00 • #5


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Ragnar

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Hallo Lucania,

Mein Geist wird keinen Frieden erfahren,
wenn er bohrende Gedanken des Hasses nährt.
Ich werde keine Freude finden und kein Glück,
nicht schlafen können und mich unausgeglichen fühlen.
Shantideva, Dalai Lama

Ich habe so viele Jahre damit verschwendet meinen Vater von ganzem Herzen zu Hassen und zu verachten aber es ging mir deshalb auch nicht besser.

Es scheint nicht leicht zu sein den richtigen Therapeuten/in und die richtige Therapie zu finden. Es verwundert mich nicht das du bei einem guten Freund mehr Aha-Erlebnisse hast als bei eine Psychologen, der Kumpel kennt dich eventuell schon Jahre und weiß wie du tickst, ihm fällt es leichter hinter einer Maske den wahren Menschen zu sehen.

LG R.

30.04.2012 21:42 • #6


Lucania

Lucania

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Was meint ihr mit Spiegeln?
Ist es das: einmal kam ich mir richtig verarscht vor, ich erzählte und meine Therapeutin legte den Kopf schief und sagte: jetzt fühle ich mich total müde...
Ich innerlich: hä??? Soll das heißen, dass ich sie langweile???
Irgendwann erzählte ich wohl was besseres weil sie meinte dann: jetzt bin ich wieder hell wach.

Die letzten Stunden waren immer so, dass ich gucken muss, die Stunde voll zu kriegen und nicht - etwas erarbeiten - oder etwas analysieren.

01.05.2012 04:28 • #7


Clarice

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Ich kenne Spiegeln vor allem aus einem Kommunikationsseminar. Man gibt das in eigenen Worten wieder, was der andere gesagt hat. Das soll a) dem anderen zeigen: ich höre dir zu und versuche zu verstehen und b) kann es bei z. B. schwierigen GEsprächen auch helfen, sich selbst Zeit für eine Antwort zu verschaffen. Spiegeln kann aber sicher auch Verhalten sein - ich weiß ja nicht, welche Situation das war, aber vielleicht wollte Sie dir klar machen, dass irgendwas in deinem Verhalten oder Gesagten, dich selbst bremst (müde macht? )? ! Und Ragnar hat natürlich recht, dass ein Mensch, der dich gut kennt, vieles schneller durchschaut. Das ist u. a. der Grund, warum ich zu meinem jetzigen Therapeuten zurück bin. Ich bin es leid, immer alles von neuem zu erzählen. Meine Güte, der jetzt hat alles von mir im Kopf. Und er notiert noch nicht mal während der Stunden. Hm, ich will dir jetzt nichts falsches raten, aber wenn du dich so schlecht fühlst bei der Thera, vielleicht ist es doch die Falsche?

01.05.2012 09:46 • #8


Lucania

Lucania

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ja fällt mir jetzt wieder ein, das mit dem "jetzt bin ich müde" .. damit meinte sie, wenn ich nicht völlig offen rede.
Aber warum sagt die das nicht einfach? Warum muss die mich mit so einem Müll verwirren?

Ich hatte halt gedacht Therapie ist so, dass man z. B. über A und B was erzählt und dann fragt die Thera nach: was stört sie an A? Oder wie lange kennen sie B?
Halt ein Thema vertiefen. Aber da kommt absolut nix an Fragen oder Bemerkungen.

Mit meinem Kumpel (den ich übrigens erst seit 2008 kenne) hatte ich letztens ein Aha-Erlebnis, als ich ihm von meinen ersten Erfahrungen mit Jungs erzählte und dass da vieles gelaufen ist, was ich nicht wollte. Er meinte, das wäre normal, weil man will ja nicht nachstehen, wenn die Freunde schon Erfahrung hatten.... Ich: Nein! So war das nicht bei mir... und dann bin ich von selber drauf gekommen, wodran es lag! Es waren Verlustängste. Also von einer Thera hätte ich da erwartet: Warum haben sie das mit sich machen lassen? Aber als ich ihr die ganzen Geschichten von früher erzählte kam da nix bei ihr rum.

01.05.2012 11:31 • #9


GastAccount

Du hoffst darauf, dass die Therapeutin dich heile macht und du nur da sitzen brauchst und alles wird gut. Das ist aber nicht ihre Aufgabe. Sie macht das m.e. Sehr gut, indem sie die kleine Stuppser gibt, du aber die Schlussfolgerungen selber ziehen musst. Das nämlich ist deine Lernaufgabe - selber deine Probleme zu erkennen! Glaub mir, ich habe auch fast 50 Stunden gebraucht, bis mir das klar war, und bis ich es erstmals umsetzen konnte. Die Therapeutin nimmt am Anfang die Beobachterposition für dich ein, aber eigentlich musst du das selber können und das kann man nur üben und dauert sehr lange. Man erlernt sozusagen eine Selbstständigkeit.

01.05.2012 11:54 • #10


Sonnenblume20

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Spiegeln würde ich jetzt für mich so erklären, dass der andere sagt, was er bei mir wahrnimmt, wenn ich was erzähle. Es kann auch sein, dass er z.b. eine Traurigkeit wahrnimmt, obwohl ich mit lächelndem Gesicht etwas erzähle.
Und dazu kommt noch, dass der andere mir sagt, was das, was ich sage oder wie ich bin bei ihm auslöst.

Zitat von Clarice:
Spiegeln kann aber sicher auch Verhalten sein - ich weiß ja nicht, welche Situation das war, aber vielleicht wollte Sie dir klar machen, dass irgendwas in deinem Verhalten oder Gesagten, dich selbst bremst (müde macht?)?!

So ähnlich könnte es sein.
Es gab bei mir auch schon Situationen, wo meine Therapeutin zu mir sagte, sie fühle jetzt eine große Leere. Das bezog sich auf eine Begebenheit, die ich erzählte und sie fragte mich nach meinen Gefühlen und ich sagte ihr wohl resigniert: Ich fühle nichts, das ist nichts.
und das hat sich eben auf sie übertragen und sie sagte es mir dann.

Kann es sein, dass Du das als Angriff auf Deine Person beziehst, dass sie sagt, sie fühlt sich jetzt müde?
Das ist es bestimmt nicht.

Zitat von Lucania:
ja fällt mir jetzt wieder ein, das mit dem "jetzt bin ich müde" .. damit meinte sie, wenn ich nicht völlig offen rede.
Aber warum sagt die das nicht einfach? Warum muss die mich mit so einem Müll verwirren?

Empfindest Du das wirklich als Müll? Das finde ich schon ein bisschen hart ausgedrückt.
Auch hier ist wieder Eigenverantwortung angesagt. Das heißt, wenn Du verwirrt oder unsicher von Reaktionen von ihr bist, dann frag nach. Erzähl ihr, dass Du jetzt verwirrt bist und lass es Dir evt. nochmal erklären.

Therapie funktioniert leider nicht so, dass man das sitzt, die Therapeutin macht etwas oder sagt etwas und dann geht es einem gut.
Es ist ein wirklich langer Prozess.

01.05.2012 12:43 • #11


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Eloise

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Ich finde es ziemlich schwierig per Ferndiagnose zu beurteilen, ob nun die Therapeutin wirklich schlecht ist oder nicht zu dir passt oder ob sie vielleicht genau die Richtige für dich ist, die dich dazu bringen will Dinge selbst zuerkennen.

Mh, du hattest also schon bevor du mit deinem Kumpel über die Situation geredet hast mit deiner Therapeutin geredet? Und dann bist du im Gespräch mit dem Kumpel auf den Gedanken mit den Verlustängsten gekommen? Und das obwohl dir dein Kumpel ja etwas gesagt hat, was nicht auf dich zutrifft? Du hast bei der Therapeutin die Sachen wieder nach oben geholt und in der Unterhaltung mit deinem Freund bist du auf die Lösung gekommen. Das heißt aber nicht, dass du das Aha-Erlebnis wegen deines Freundes hattest, sondern vermutlich eher, weil es die ganz Zeit in dir gearbeitet hat. Insofern hat dich die Therapeutin mit ihren "Nichtstun" genau an den Punkt gebracht, der für dich wichtig war.

Es wäre wirklich toll, wenn dich jemand während der Therapie an die Hand nehmen würde und dir sagt was du zu tun und zu lassen hast. Das wäre leichter, ist aber nicht Sinn der Sache.

Und was ich noch zum Thema "Spiegeln" sagen wollte: Da habe ich jetzt Tag zwei Meisterinnen um mich - meine Hunde. Die reagieren nämlich ziemlich stark auf meine Gemütsverfassungen und sind ein guter Indikator dafür, wo ich noch an mir arbeiten kann bzw. muss.

LG

Eloise

01.05.2012 12:55 • #12


Lucania

Lucania

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Hm, ich wollte keine Ferndiagnose, wohl eher Beispiele, wie es richtig laufen sollte, dann hab ich was handfestes, was ich ansprechen kann.
Im Moment schiebe ich den nächsten Termin bei ihr immer weiter vor, weil ich keine Ahnung hab, was ich beim nächsten Mal erzählen soll, weil sie
ja immer nur aktuelle Dinge wissen will, ich aber die Ursachen bekämpfen will und nicht nur die aktuellen Symptome.

01.05.2012 13:02 • #13


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Eloise

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Das dürfte schwierig werden, da wir alle Individuen sind. Sowohl Patienten als auch Therapeutin. Also ist auch jedes Zusammenspiel unterschiedlich.

Auch für mich gibt es einen gewissen Typ von Therapeuten, mit dem ich nicht klar komme bzw. der nicht mit mir, weil der tatsächlich nur das sieht, was ich ihn sehen lassen kann. Ich reiße mich schon so lange zusammen, dass es mir schwer fällt es nicht zu tun. Also brauche ich jemanden der das sieht oder jemanden, bei dem ich das zumindest ansprechen kann, dass es so ist.

Vielleicht redet du wirklich einmal mit einer Therapeutin und lässt dir ein wenig erklären wie sie arbeitet und was sie mit ihrem Verhalten bewirken will?

Mit meinem ersten Therapeuten konnte ich auch wenig anfangen. Der hat mich auch immer zuerst einmal danach gefragt, wie es mir geht, aber irgendwie sind wir nie darüber hinaus gekommen. Ich muss auch sagen, dass ich damals noch sehr skeptisch war und selbst irgendwie keine Ahnung hatte was eigentlich los ist. Die Therapeutin aus der Tagesklinik und die, die ich jetzt ambulant aufsuche sind da anders. Zwar beginnt die ambulante Therapeutin auch meistens mit der Frage wie es mir geht und es fällt mir nach wie vor schwer, wirklich in die Tiefe zu gehen, aber wir kommen auch über Kleinigkeiten auf interessante Themen, die ich vielleicht so garnicht im Auge hatte. Manchmal muss ich auch später eine Email schreiben, weil sie während der Stunde was sagt, mit dem ich nichts anfangen konnte, was ich nicht angesprochen habe, was mich im Nachhinein aber verfolgt.

Wenn deine Therapeutin die aktuelle Situation nicht weiß, dann kann sie doch garnicht sagen, was aus deiner Vergangenheit dich noch bis in die Gegenwart verfolgt. All deine heutigen Verhaltensweisen, alles was du heute erlebst, wie du es heute empfindest sind vom dem "Früher" geprägt. Die Gegenwart und die Probleme die du jetzt hast, sind doch eigentlich ein guter Weg, um zum Ursprung zurückzukehren.

01.05.2012 13:38 • #14


Giraffe72

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Liebe Lucania,

diese Therapieform, die Du Dir ausgesucht hast, ist wohl eine der anstrengendsten, weil sie wie ein weißes Blatt ist, daß Du vollkommen selbst ausmalen mußt. So empfinde ich das.

Das "spiegeln", also z.B. der Kommentar sie fühle sich ermüdet, bedeutet in etwa, daß sie fühlt, das was Du gerade erzählt hast, macht müde - fertig. Sie spiegelt also (hoffentlich - in der Annahme, sie selbst ist psychisch relativ gesund) eine gesunde Reaktion auf die Erlebnisse, die Du erzählst, auch wenn Du Dich nicht so fühlst wegen verschiedener Abwehrmechanismen. Leichter ist es zu verstehen mit Agression. Wenn mir manchmal jemand was erzählt und ich fühle mich super-agressiv, so sehe ich das auch als "Spiegelung" - eigentlich wäre es "gesund" von meinem Gegenüber, auf diese Erlebnisse hin selbst aggressiv zu werden, und da mein gegenüber diese Aggression unterdrückt und stattdessen jammert, werde ich ganz .

Die eigentlich anstrengende Aufgabe in so einer Therapie ist es - meiner Meinung nach - genau das anzusprechen, was Dir aktuell im Kopf rumgeht. Wenn Du also denkst - langweile ich sie, verarscht sie mich - ihr genau das so zu sagen.
Wenn sie irgendwelche kryptischen oder nichtssagenden Sachen von sich gibt, genau das zu fragen - was wollen Sie sagen? langweile ich Sie? Interessiert es Sie überhaupt? Ich komme nicht voran!!! Wo soll ich ansetzen?
Schließlich kriegt sie Geld dafür (ok, niederer Gedanke meinerseits), und Du kannst sie in dieser Therapiezeit auch voll "ausnutzen"!

Liebe Grüße und viel Kraft für die nächste Therapiesitzung (TSCHAKKA - Laß es krachen!) wünscht Dir
Steffi - die Giraffe

02.05.2012 23:08 • #15


Malwine

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ich kann die Gedanken von Luciana gut nachvollziehen. So ging es mir bei meiner Therapie auch.
An vieles habe ich zwischen den Sitzungstagen gedacht - aber wenn ich dann bei der Therapeutin saß, kam ich mir vor wie bei einer Bekannten oder so, und ich konnte verschiedenes nicht sagen.
Man sitzt zusammen, die Therapeutin sieht einen erwartungsvoll an - und ich als Klientin(?) Patientin(?) weiß plötzlich nicht mehr, was ich sagen wollte. Es passte einfach nicht in diese Situation. Sie (die Sit.) erinnerte mich sehr an Schul- und Chef-Situationen, wo man seine Aufgaben, sein Wissen oder die geschriebenen Briefe vorlegen muss. Es war keine Dialog-Situation, und keine wo ich mich als Hilfesuchende bei einer 'hilfsbereiten' Person fühlte.

Jetzt, wo ich diesen Thread gelesen habe, wurde mir gerade bewusst, wie ich mich gefühlt habe.

Ich wünschte mir mehr ein genaueres nachfragen, z.B. was denken Sie heute in Bezug auf ...., sind Ihnen noch andere Überlegungen gekommen? Gab es noch andere Erlebnisse, die Sie gerne mit mir besprechen wollen/möchten ?
Oder: was genau stört Sie/regt Sie in diesem Zusammenhang auf ? usw.
Dadurch käme ein Gespräch viel besser in Gang, finde ich.
Nur dieses erwartungsvolle: naahh - ist kein guter Einstieg.

Und dann vermisse ich noch die Frage: wie kann man heute damit umgehen - darauf reagieren ?
Wie kann ich "umlernen", dass mich manches nicht mehr so bedrückt, so belastet ?

Schließlich geht man in eine Therapie weil man alleine nicht mehr weiter gekommen ist,, und sich mit den Gedanken im Kreise dreht.

Vielleicht gibt es solche Therapeut-inn-en ja, vielleicht hören sie auch von allzu vielen Leuten immer den selben Verzäll, vielleicht lernen sie es nur so, und verhalten sich so standard-gemäß.

Natürlich sind die Therapeut-inn-en nicht alles schuld, aber etwas mehr dialog-artiger fände ich auf jeden Fall besser.

Gruß

04.05.2012 22:08 • #16


Lucania

Lucania

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Danke für die Antworten. Ich hatte gestern wieder Therapie. Danach fühlte ich mich depressiv und heute morgen auch total mies.

Sie fragte mich, warum ich die Sitzungen in den letzten Wochen immer wieder verschoben hab. Ich sagte, weil ich 2 x ein Tief hatte und dass ich mich nach der Therapie immer mies fühlte.
Und zwar nicht so ein mies im Sinne von: puh, hab ganz schön was aufgewühlt aber es war gut, das rauszulassen... sondern: frustriert, was hat das jetzt gebracht?
Ich sagte dass ich Therapie so verstehe, dass der Patient natürlich die meiste Arbeit (sprechen) macht, aber der Therapeut Anschubser macht - in die richtige Richtung oder
bei wichtig erscheinenden Dingen nachfragt und man da tiefer ins Detail geht.

Sie sagte mal wieder, dass ich ihr damit zu viel Verantwortung aufdrücke.
Ich wußte wieder nicht was ich sagen soll, dass sie mich versteht oder dass wir einen gemeinsamen Nenner finden.
Ich suchte nach Lösungen: Sollen wir es so machen, dass ich immer aktuelles erzähle und selbst versuche, die Vergangenheit da einzubauen?
Sie wieder: Jetzt wollen sie wieder die Entscheidung in meine Hände legen.

Und dann war ich richtig frustriert und hilfslos und fing (das erste Mal in der Therapie) an zu weinen. Es folgten 10 min abwechselnd Stille, weinen, erzählen von mir aus.
Sie fragte was ich erreichen will - ich: Zufriedenheit, denn Glück - daran denke ich ja noch nicht mal....
Und halt dass ich die Ursachen bekämpfen will und drüber sprechen will und nicht nur die Symtome.

Tja die Tränen hörten auf und ich erzählte dann mal das aktuelle bzw. wodrüber ich mir die letzten Wochen Gedanken gemacht habe.
Unter anderem dass ich mal eine Definiton von Mißbrauch von Kindern gelesen hab und ich danach auch mit 14 Jahren mißbraucht wurde.
Erst später fiel mir auf, dass sie gar nicht gefragt hat, warum ich weine oder was ich fühle und auch nicht nach Einzelheiten von dem sogenannten Mißbrauch.

Tja, ich bin also nicht weiter. Ich hab (alleine ohne mit ihr zusammen) entschieden, dass ich ab jetzt versuche, null Erwartung an die Therapie habe und einfach immer was aktuelles erzähle.
Und ich mache mir immer einen Spickzettel, damit ich was zu erzählen hab.

Und dann bin ich ja mal gespannt, wie es in der Tagesklinik sein wird (hab noch Wartezeit), dann kann ich ja schon mal zwei Therapeuten vergleichen.

08.05.2012 07:04 • #17

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