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Erwerbsminderungsrente Ablehnung bei Depressionen

Hallo!
bin seit 2 Jahren Arbeitsunfähigkeit wg. schwerer Depression. 4 stationäre Aufenthalte in Psychiatrie, einmal in psychosomatischer Klinik. Bei den 3 Arbeitsversuchen an meiner Stelle bin ich jedesmal psychisch wieder dekompensiert.

Die Gutachterin der Rentenversicherung hat mich nun als mittelgradig depressiv eingeschätzt und zwar in meinen Beruf als berufsunfähig, jedoch ansonsten am Arbeitsmarkt arbeitsfähig. Wie kann man den Widerspruch begründen? Hab ich nur mit einer schweren Depression eine Chance?

24.01.2019 18:23 • #1


Luna1985
Hallo ing,

ja, mit einer mittelschweren Depression ist man eingschränkt erwerbsfähig. Auch wenn man sich wohl oft nicht so fühlt. Wie sieht es denn mit anderen Jobs aus? In einem geringen Ausmaß, also erstmal nur ein paar Stunden pro Woche?

Ich war auch eine Weile erwerbsunfähig, habe dann vor über einem Jahr wieder angefangen zu arbeiten, aber nicht mehr in meinem alten Job sondern in einem für das Hirn weniger anspruchsvollen und mit wenigen Wochenstunden. Die ersten Monate waren hart, aber die Arbeit hat mich auch aus dem Alleinsein rausgeholt und jetzt ist es so, dass sie mir sogar Kraft gibt.

LG Luna

24.01.2019 21:13 • x 1 #2


Hallo ing,
herzlich willkommen
Ich bin in ähnlicher Situation. Ich stellte im July letzten Jahres einen Antrag auf EU-Rente. Dieses auf Empfehlung
vom Jobcenter. Ich habe aus meinen Bekanntenkreis jemanden, der Anwalt für Sozialrecht ist. Er sagte ich solle
unbedingt vorher eine Reha machen. Es gibt die Redewendung `` Reha vor Rente ``
Auch meinte er, falls der Antrag abgelehnt wird, so hätte man ohne Rehaabsolvierung noch weniger Chancen
einen Widerspruch zu begründen. Bislang habe ich einen ärztlichen Entlassungsbericht der Reha erhalten.
Ich wurde auch mittelgradig depressiv eingestuft.
Empfehle dir, wenn du einen Widerspruch einlegen möchtest, diesen von einem Anwalt schreiben zu lassen.
Kosten hierfür entstehen sicherlich, aber bei kleinem Einkommen gibt es Wege, die dieses finanzielle Problem
mildern können.
Auch eine Vollerwerbsminderungsrente lässt max. drei Stunden tägliche Arbeit gelten. Teilerwerb bis zu sechs Stunden.
Es gilt auch zu klären, worauf sich die Einstufung der Schwere dieser Krankheit beruft.
Als Beispiel aus meiner Erfahrung: Vorgespräch für eine EKT-Behandlung - zu diesem Zeitpunkt kam ich kaum noch
aus dem Bett. Alles schien zu viel. Meine letzte Kraft mobilisiert um dort in Begleitung dieses Gespräch zu führen.
Diese Oberärztin bezweifelte eine Schwerdepressivität mit den Worten. ich kenne nur Schwerdepressive, die
bettlegerich sind. Wie hätte ich dort hinkommen sollen, in einem Bett mit Rollen?
Es war hierüber keine Diskussion mit ihr möglich.
Wie auch immer, denke auch darüber nach, das dein Ziel Gesundheit sein sollte. Luna berichtet auch über
positive Erlebnisse, bezgl. neue Arbeitsaufgaben.

liebe Grüße

25.01.2019 01:51 • x 1 #3


Alexandra2
Liebe Ing,
So wie Zwischenwelt es schrieb, war es bei mir: erst Reha, dann dort als arbeitsunfähig eingestuft. Ich konnte und kann mich überhaupt nicht konzentrieren.
In der Reha wollten die Ärzte leichtfertig die Medikation runter dosieren. Das habe ich natürlich abgelehnt. Achte gut auf Dich in der Reha.
Für die Antragstellung einer Anerkennung einer Behinderung habe ich einen typischen Tag beschrieben. Vom Aufwachen bis ins Bett gehen: wie geht es mir, Weinen, keine Kraft haben. Pause machen etc. Ich kann mir vorstellen daß so ein Bericht auch im Widerspruch günstig ist. Und vielleicht magst Du gleich einen Antrag auf Anerkennung einer Behinderung stellen. Das könnte Deine Rente evtl erleichtern.
Wenn gar nichts hilft, wende Dich an den VdK/ SoVD.
Liebe Grüße

25.01.2019 08:23 • x 1 #4


Guten Morgen,
Mir fällt noch ein.

Die Fachärzte arbeiten mit Leitfäden, die weltweit einheitlich sind. In diesen sind Fragen über festgelegte
Symptome zu finden. Bei Depressionen sind Haupt,- und Zusatzsymptome aufgeführt. Leitlinie S3 DGPPN
ab Seite 12 nachzulesen:
https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitl.018-02.pdf

Eine Liste deiner eigenen Beschwerden aufschreiben, die häufig dich belasten. Danach kannst du selbst
schon etwa zuordnen, wie schwer deine Depression zu bewerten ist.
alles Gute und viel Glück
liebe Grüße

25.01.2019 10:45 • x 2 #5


Hallo Luna,

Zitat:
ja, mit einer mittelschweren Depression ist man eingeschränkt erwerbsfähig.

Wird das prinzipiell so von der Rentenversicherung gesehen, gibts Ausnahmen? Bitte meldet Euch!

Zitat:
Ich war auch eine Weile erwerbsunfähig, habe dann vor über einem Jahr wieder angefangen zu arbeiten, aber nicht mehr in meinem alten Job sondern in einem für das Hirn weniger anspruchsvollen und mit wenigen Wochenstunden. Die ersten Monate waren hart, aber die Arbeit hat mich auch aus dem Alleinsein rausgeholt und jetzt ist es so, dass sie mir sogar Kraft gibt.


Das glaub ich Dir und das freut mich auch.
Ich würde nur zu gern meine Depr. ausheilen - ohne den Stress zu haben, irgendeine Tätigkeit zur Finanzierung machen zu müssen-,
weil ich mir meine jetzige Qualifikation soooo hart erarbeitet habe und eigentlich auch gern wieder darin arbeiten möchte. Und glaube dass ich wieder fit werden kann.

LG Ingrid

26.01.2019 16:15 • x 1 #6


Luna1985
Das kann ich gut verstehen. Vielleicht kannst du dich bei der Caritas oder so beraten lassen. Die haben da sicher mehr Ahnung bzw Erfahrung.

03.02.2019 21:24 • x 1 #7


Albarracin
Hallo

Zitat:
Zitat:
ja, mit einer mittelschweren Depression ist man eingeschränkt erwerbsfähig.

Wird das prinzipiell so von der Rentenversicherung gesehen, gibts Ausnahmen? Bitte meldet Euch!


das stimmt so generell nicht.
Bei einer mittelschweren Depression ist man idR noch voll arbeitsfähig, manchmal teilerwerbsgemindert und nur recht selten voll erwerbsgemindert. das ist abhängig von Faktoren wie zB Ermüdung, Konzentrationsschwäche, Arbeitstempo, Arbeitsgüte.
Eine grobe Definition in bezug auf "berufliche Anpassungsschwierigkeiten2 und deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit findest Du hier ab Seite 147:
https://rp-giessen.hessen.de/sites/rp-g.I_15_2.pdf
Das sind zwar Kriterien für den GdB, aber auch relevant für die Rentenversicherung.

Du wirst Dich gegen den Bescheid wehren müssen. Spätestens ab der Klage beim Sozialgericht hast du die Möglichkeit, die Erstellung eines unabhängigen, persönlichen Gutachtens durch das Gericht zu beantragen gem. § 109 SGG:
https://www.gesetze-im-internet.de/sgg/__109.html

03.02.2019 21:36 • x 1 #8




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