20

Erinnert ihr euch an eure Kindheit und Jugend?

undefined

22
5
36
Hallo zusammen,

ich mit meinen zarten fast 23 Jahren bin vermutlich jünger als der Durchschnitt hier und vermutlich weder dement noch sonderlich vergesslich. Nun ist mir aufgefallen, dass es offenbar nicht normal ist, sich an kaum etwas aus der Kindheit bis zu seinem . ja, bis wann eigentlich genau?. 16./17. Lebensjahr (schätze ich) zu erinnern.
Natürlich sind da Erinnerungen, immer mal wieder welche, die aufblitzen, wenn ich mich darauf konzentriere. Aber wirklich viel ist da nicht.
Zuerst habe ich das gemerkt, als ich meiner Traumatherapeutin erzählen sollte, was wann in meinem Leben passiert ist.
Auf ihre Fragen "Was war, als Sie soundso alt waren?" kam in den meisten Fällen von mir nur "keine Ahnung, da müsste ich wohl meinen ersten Freund gehabt/die Schule gewechselt/was auch immer haben." Angaben, die ich aus Zeugnissen hatte, die ich mir errechnen konnte, die schlicht geraten waren.

Sie sagte mir nicht, dass das bei den meisten Menschen anders ist. Dass sie Erinnerungen haben, sogar viele davon.

Jetzt habe ich in einem anderen Thread gelesen, dass manche gar schockiert waren, wenn es kaum Erinnerungen an die Kindheit gibt.

Daher meine Frage: Wie viel wisst ihr noch? Fluch oder Segen? (Bei mir wohl Segen, da einiges auf Missbrauch hindeutet, wenn auch nicht zwangsläufig im Verwandten-Umfeld.)

Erzählt doch mal, wenn ihr möchtet.


undefined.

30.01.2019 17:29 • x 4 #1


mrsrobot

mrsrobot

34
4
33
Ich erinnere mich noch gut an meine Kinderzeit, die Erinnerungen sind nicht so prickelnd. Für meine heutige Situation ist es aber gut, da ich weiß, das sich manches nicht geändert hat und ich lieber Abstand zu diesen Dingen halte.

30.01.2019 17:45 • x 2 #2


undefined


22
5
36
Danke für deine Antwort, mrsrobot.

Es freut mich für dich, wenn du etwas Positives daraus ziehen kannst!

30.01.2019 17:49 • x 1 #3


Frederick1

Frederick1

1059
6
1633
hallo,

wichtig finde ich gerade, wie ich meine negativen Erlebnisse verarbeite. Gerade wenn sie mich immer wieder belasten mir weh tun. Aktuell habe ich erfahren, das es in meiner Familie Missbrauch gegeben haben soll. Selbst habe ich da gar nichts in Erinnerung, und das ist auch gut so.

Aber es ist oft gut zu wissen, wie ich oft unbewusst lebe und reagiere, warum und wieso, gerade wenn es nicht gut für mich und andere ist. Da ist es gut zu wissen warum.

Doch wenn ich manches einfach vergessen kann, es nie wieder auftaucht, dann ist es doch gut.

Oft kommen aber Dinge in deinem Leben hoch und da finde ich gut zu wissen, woher.

Denn alles Erlebte habe ich gespeichert in mir, in meinem Innerstem,

und es macht mich heute zu dem Menschen, der ich heute bin.

Aber ich muss nicht so bleiben wie ich bin, ich darf mich verändern,,,


viele liebe Grüße,

Frederick

30.01.2019 18:17 • x 1 #4


Pilsum

Pilsum

792
4
678
Hallo undefined.

An meine Kindheit erinnere ich mich auch nur teilweise. Allerdings bin ich schon dreimal so alt wie Du.
Grundsätzlich finde ich es nicht erforderlich, dass sich jemand zu allem genau erinnert.
Zum einen kommt die Erinnerung häufig dann klarer wieder, wenn man sich länger mit einem Thema beschäftigt.
Zum anderen wissen Forscher, dass unsere Erinnerungen oft unvollständiger sind, als wir es erzählen und selbst glauben.
Wann Du die Schule gewechselt hast und auch wann Du Deinen ersten Freund hattest, daran solltest Du Dich nach
einigem Nachdenken eher schon erinnern können.

Bist Du innerlich sehr nervös? Dann kannst Du eventuell Erinnerungen nicht so schnell abrufen.

Viele Grüße

Bernhard

30.01.2019 19:22 • x 1 #5


mrsrobot

mrsrobot

34
4
33
Während meinem Burnout konnte ich mich auch an vieles auf einmal nicht mehr erinnern, das kam dann erst Stück für Stück wieder. So als ob meine Festplatte bestimmte Prozesse einfach ausgeblendet hat, um die lebensnotwendigen am Laufen zu erhalten.

31.01.2019 12:18 • x 2 #6


Axel61

Axel61

522
3
505
Ich kann mich an kaum etwas erinnern und die den wenigen Schnipseln ist nicht sicher ob das real ist oder Fiktion. Es gibt da ja Experimente, die zeigen, wie einfach es ist, eine Erinnerung einzuimpfen, die gar nicht echt ist.

31.01.2019 12:37 • x 2 #7


hardymei

Moin.

Auch mir war zu Therapiezeiten aufgefallen, daß ich nur sehr sehr wenige plastische Erinnerungen habe an meine frühe Kindheit. Es gibt bis zum Alter von etwa 9 Jahren so gut wie keine konkreten Bilder in mir, die mit erlebten Situationen zu tun haben.
Was ich darüber hin und wieder zu erzählen weiß, sind eigentlich nichts weiter als wiederum Erzählungen anderer, vielleicht noch kombiniert mit Bildern aus Familienalben.

31.01.2019 13:39 • x 1 #8


hardymei

Ach, da war ja noch die Frage nach Fluch oder Segen .

Für mich hat sich diese Frage nie gestellt, da muß ich wohl erstmal drüber sinnieren. Mir selbst war immer der Zeitpunkt wichtiger, an dem ich das Nicht-Erinnern festmache - so etwa mit 9 Jahren. Der Moment in der häuslichen Küche, als mein Vater unter Tränen die Familie verließ, meine Mutter auch weinte, und mein Bruder völlig stoisch und leer vor sich hin blickte. Und ich überhaupt nichts verstand.
Das habe ich immer als eine Art Trauma betrachtet, auch grundlegend für spätere konkrete Depressionen. Und insofern diesen Zeitpunkt zu bearbeiten versucht.

Gedanken an die nicht erinnerte Zeit davor hab ich schon auch gehabt, mal mehr, mal weniger. Mal intensiver, mal nicht so. Aber ob ich das Nicht-Erinnern eher verfluchen oder segnungsreich betrachten soll, das erschließt sich mir bisher nicht. Vermutlich deswegen, weil ich's wie erwähnt noch nie so gesehen habe.

Muß ich einfach mal machen .

Also eigentlich auch danke für das Eröffnen dieses Threads

31.01.2019 14:29 • x 3 #9


Juju

Juju

807
7
776
Also ich kann mich an nichts erinnern.
Vielleicht liegt es daran, dass mein ältester Bruder mit 17 tödlich verunglückte. Ich war damals keine 4 Jahre alt und ein Nachkömmling.
Ich überlege mir gerade, wie meine Mutter mich immer nannte. . .
Sonder-Ausgabe.
Wobei ich das eigentlich immer als positive Aussage empfunden habe.

31.01.2019 18:01 • x 1 #10


Frederick1

Frederick1

1059
6
1633
liebe Juju,

bei mir ist meine Schwester verunglückt, auch tödlich, da war sie 18 Jahre alt, und ich 15. Mich hat das damals brutalst gequält, und es dauerte viele lange Jahre, bis ich es irgendwie verstehen konnte. Da musste ich mich schon in jungen Jahren mit Leben und Tod auseinandersetzen.

Als dann noch meine andere Schwester als Nachzüglerin geboren wurde, da wurde ich mit geistiger Behinderung konfrontiert. Das war fast zuviel für mich, denn auch das musste ich erst einmal verarbeiten, annehmen.

Auf der anderen Seite kann ich heute Menschen gut verstehen, die das auch schon einmal erleben mussten.
Da braucht es ja auch Menschen die zuhören können, Annahme und Verständnis zeigen können.

Meine Schwester mit der geistigen Behinderung nimmt das alles, das ganze Leben viel leichter.

Aber als einen Fluch möchte ich mein Leben jetzt auch nicht sehen.

Fast glaube ich, das alles im Leben so seinen Sinn hat. Wenn alles nur zufällig wäre, dann wäre ja alles sinnlos.

Mir hilft es wenn ich versuche, in meinem ganzen Leben einen Sinn zu erkennen. Mein Leben ist nicht sinnlos oder unwichtig.

Trotzdem möchte ich mich da auch nicht verkrampfen, es muss doch einen Sinn haben. Vieles hat vermutlich einen Sinn, ob ich das jetzt sehe oder begreife, oder auch nicht.


liebe Grüße an dich


Frederic

31.01.2019 18:27 • x 1 #11


Juju

Juju

807
7
776
Zitat von Frederick1:
liebe Juju,

bei mir ist meine Schwester verunglückt, auch tödlich, da war sie 18 Jahre alt, und ich 15. Mich hat das damals brutalst gequält, und es dauerte viele lange Jahre, bis ich es irgendwie verstehen konnte. Da musste ich mich schon in jungen Jahren mit Leben und Tod auseinandersetzen.

Als dann noch meine andere Schwester als Nachzüglerin geboren wurde, da wurde ich mit geistiger Behinderung konfrontiert. Das war fast zuviel für mich, denn auch das musste ich erst einmal verarbeiten, annehmen.

Auf der anderen Seite kann ich heute Menschen gut verstehen, die das auch schon einmal erleben mussten.
Da braucht es ja auch Menschen die zuhören können, Annahme und Verständnis zeigen können.

Meine Schwester mit der geistigen Behinderung nimmt das alles, das ganze Leben viel leichter.

Aber als einen Fluch möchte ich mein Leben jetzt auch nicht sehen.

Fast glaube ich, das alles im Leben so seinen Sinn hat. Wenn alles nur zufällig wäre, dann wäre ja alles sinnlos.

Mir hilft es wenn ich versuche, in meinem ganzen Leben einen Sinn zu erkennen. Mein Leben ist nicht sinnlos oder unwichtig.

Trotzdem möchte ich mich da auch nicht verkrampfen, es muss doch einen Sinn haben. Vieles hat vermutlich einen Sinn, ob ich das jetzt sehe oder begreife, oder auch nicht.


liebe Grüße an dich


Frederic



Ich habe das damals gar nicht richtig mitbekommen, schätze ich.
Aber ich muss ihn ja irgendwie damals vermisst haben. Mir muss ja aufgefallen sein, dass er nicht mehr da ist. Ich kann mich auch nur ganz wage an den Moment erinnern, als wohl die Polizei bei uns geklingelt hat.
Mehr allerdings nicht.
Nicht an Trauer. an nichts. Weiß nicht wie meine Eltern reagiert haben, ob meine Geschwister geweint haben. .
Ich habe keine Erinnerung.

Das ist schon seltsam

31.01.2019 18:33 • x 1 #12


Frederick1

Frederick1

1059
6
1633
lieb Juju,

vielleicht wollten deine Eltern dich vor dieser schrecklichen Wahrheit schützen. Aber es ist doch gut für dich, wenn du nicht soviel mitbekommen hast, du wärst bestimmt total schockiert gewesen, konntest das überhaupt nicht verstehen, annehmen.

Gerade aus solchen Situationen hast du als Mensch keinen Ausweg. Du kannst dich da nicht wehren, nicht weg laufen.

Das Schlimmste passiert, und du kannst gar nichts dagegen tun. Da erlebst du starke psychische Schmerzen, Todesangst.

Du denkst, das kann doch überhaupt nicht wahr sein.

Oder dein Gehirn hat damals dieses schreckliche Trauma in deinem Traumagedächtnis abgelegt. Das hat zur Folge, das du dich heute nur noch bruchstückhaft daran erinnern kannst.

Deshalb leiden gerade Kriegskinder an psychischen Beschwerden. Wir Menschen verdrängen gerne solche brutalen Lebenserfahrungen, verarbeiten sie nicht, doch es kommt leider wieder zurück-

Viele Menschen wurden schon als Kind vernachlässigt, gedemütigt, vielleicht sogar missbraucht, es wurde verdrängt,
doch irgendwann, wenn die Wahrheit an das Licht kommt, dann müssen diese Menschen leiden.


liebe Grüße an dich,

Frederick

31.01.2019 19:02 • #13




Ähnliche Themen

Hits

Antworten

Letzter Beitrag