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Erfahrungen bei mittelgradig-schwerer Depression - Austausch

charmed

charmed
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maya60

maya60
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Hallo Josef, meine Ärzte und Therapeuten haben mir gesagt, was ich dazu auch mir selber angelesen hatte: Ca ein Drittel aller von Depression Betroffenen bekommen die Depression einmalig und danach nicht wieder. Sie können als geheilt gelten und sind auch seltener oder kürzer in Depressionsforen, weil es ihnen dann wieder gut geht.
Ein weiteres Drittel der Betroffenen bekommt Depressionen wiederkehrend, ein Teil von ihnen nur wenige Male oder in großen Abständen, ein Teil von ihnen regelmäßig.
Und dann gibt es noch ein Drittel, bei denen - wie bei mir - die Depressionen chronisch werden.

Jede Depression ist aber bei allen Ähnlichkeiten individuell unterschiedlich, weil eben so viele unterschiedliche körperliche, seelische, berufliche, familiäre, wirtschaftliche, soziale u.a. Faktoren hineinspielen können und sich gegenseitig beeinflussen können.

Gesund bist du erst, wenn du ohne Medikamente deine depressiven Symptome wie Schlafstörungen usw. los bist. Denn Medikamente, die bei schweren immer und bei mittelschweren Depressionen oft nötig sind, sind ja Heilungsmittel, Hilfsmittel, Unterstützungen im Heilungsprozess. Sie zu kurz zu nehmen, bedeutet Rückfallgefahr. Ein zu stressiges Alltagsleben zu leben auch, denn zu Zeiten von von der WHO anerkannten beruflichen Stresserkrankung Burnout, wo Burnout/Depressionen epidemisch werden, sind viele Lebenläufe Depressionen-begünstigend, die aber als "ganz normal heutzutage" gelten. Also Vorsicht!
Es ist ganz wichtig für die Psychotherapie, deinen Alltag daraufhin zu überprüfen.

Soweit ich es von meinen Ärzten weiß, selber gelesen habe und aus der Selbsthilfe kenne, sprechen ca die Hälfte aller Betroffenen, die schwere oder mittelschwere Depressionen haben, gut auf die gängigen Antidepressiva an, Von der anderen Hälfte spricht wiederum die Hälfte auf A.Ds an, aber nicht so durchgreifend und muss länger suchen, um das Richtige zu finden und dann gibt es noch diejenigen, die andere Hälfte, also 25%, die auf keinerlei Medikamente gegen Depressionen ansprechen.

Ich persönlich habe seit meiner Jugendzeit aufgrund meiner extremen Reizoffenheit (A.DHS bei Erwachsenen) erst episodisch, aber sehr schnell chronische Erschöpfungsdepressionen, allerdings wurde das damals noch alles nicht richtig erkannt und war die medikamentöse Behandlung ein Hammer, der einen umwarf, weshalb ich nur Psychotherapien nahm.

Erst als ich fast 50 Jahre alt war, heute bin ich 60 Jahre alt, kam ich mithilfe von Ärzten und Therapeuten und Fachliteratur auf meine richtigen Depressionen, also A.DHS bei Erwachsenen, chronische mittelschwere Erschöpfungsdepression. Dass da noch episodische schwere Depressionen dazukamen aufgrund traumatischer Kindheitserlebnisse, kriegten wir erst danach heraus, als mal endlich alles sortiert werden konnte.

Also, ich habe mein Leben lang mit Depressionen, leicht bis schwer, gelebt und mit 46 Jahren, als ich auch noch in den Wechsel kam und einen äußerst anfordernden Alltag hatte, da begann die Kraft auszugehen. Seitdem nehme ich A.Ds. Und seit dann das A.DHS-Medi dazukam, lernte ich kennen, ohne ständige Erschöpfung rumzulaufen, welch ein neues Erlebnis.

Endlich konnte ich auf der Basis auch meinen Alltag mit und in Selbsthilfe und Psychotherapie auf diese chronischen Erkrankungen umstellen, denn neben den Medis ist das die zweite wichtige Säule des Gutgehens trotz chronischer Erkrankungen und die psychologische regelmäßige Unterstützung ist die dritte Säule.

Da A.DHS angeboren ist und ich nicht zu denen gehöre, bei denen es sich auswuchs, bleibt mir die chronische Krankheit und auch die chronische Erschöpfungsdepression konnte nicht mehr geheilt werden, allerdings ist sie oft nur noch leicht.
Das Trauma ist gut bearbeitet und die schweren Episoden scheinen (toi toi toi) immer seltener zu werden.

Von daher lebe ich relativ zufrieden und mit Lebensqualität innerhalb meiner besonderen Lebensbedingungen.

Ich bin jetzt im Ruhestand und mein ahnungsloses Leben in ständiger Überreizung, Erschöpfung und Ratlosigkeit dazu erforderte viel kreative Selbstregulation und einen Haufen kreativer Lebenskünstlertricksereien im Alltag, bedeutete Anstrengung, Schmezr und zuviel Alarmstimmung.

Aber, dass man mit chronischen Depressionen verloren ist, kann ich ganz und gar nicht sagen. Und dass niemand nach Depressionen wieder geheilt werden wird, auch nicht.

In den Selbsthilfeforen finden sich sicherlich die längeren "Fälle", denn da ist der Austausch ja einfach ein besonderer, den ich nicht an jeder Nachbarstür bekommen kann!

Dir gute Besserung, viel Gesundheit und nur Mut! Ist doch super, wieviel es dir schon besser geht!

Liebe Grüße! maya

28.07.2020 20:49 • x 2 #20


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A


Hallo charmed,

Erfahrungen bei mittelgradig-schwerer Depression - Austausch

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J

Josef1968
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Hallo, erst einmal. Ich bin neu hier und suche Beiträge von Betroffenen in der gleichen Situation.
Meine Geschichte:

Ich bin 52 Jahre und wurde letztes Jahr im Dezember mit einer Bludruckhypertonie in der Notaufnahme eingeliefert. Dies war für mich das erste Mal im Leben, mein Blutdruck war mit Ramipril eigentlich eingestellt. Ich wurde dann wieder aus der Notaufnahme entlassen. Ab diesem Zeitpunkt litt ich unter einem Völlegefühl und Übelkeit und habe meinen Hausarzt und nacheinander alle Fachärzte aufgesucht. Nirgends hat sich eine Diagnose ergeben. In der Zwischenzeit hatte ich auch noch das Hungergefühl verloren und Woche für Woche abgenommen. Ich hatte mich dann 2x in ein Krankenhaus einweisen lassen um die Ursache zu finden. Nach MRT / CT etc. ohne Befund kam die Diagnose der beginnenden depressiven Episode. Nachdem ich den Psychiater am 18.2.20 aufgesucht hatte wurde die Diagnose nochmals bestätigt. In der Zwischenzeit ging es mir auch immer schlechter und ich konnte nicht mehr machen und hatte nur noch negative Zukunftsgedanken.
Vom Typ bin ich eigentlich ein Mensch welcher sich immer durch alles durchgebissen hatte und eigentlich alles erreicht hatte was man sich im Leben wünscht.
Ich war mit der neuen Situation komplett überfordert und habe jeden Tag einfach nur noch überstanden. In dieser zeit habe ich mit niemanden sprechen wollen und hatte Angst das Haus zu verlassen oder gar mit dem Auto zu fahren.
Ich habe dann sofort mit Medikamenten (Opipramol gestartet). Dies hat mir jedoch nicht geholfen. Ab 17.3.20 habe ich dann Escitalopram zum Eindosieren als Tropfen bekommen. Dies hatte ich bis auf 10 Tropfen morgens eindosiert (inkl. der bekannten Nebenwirkungen), abends nehme ich noch 7,5 mmg Mirtazapin zum schlafen. Zwischenzeitlich habe ich auch noch Psychotherapie begonnen.
Seit 13.4.20 fühle ich mich wieder gut und habe meine Lebensfreude zurück und kann mit der Familie schon wieder kleinere Sachen unternehmen. Ich glaube das ich das komplette Internet durchsucht habe um herauszufinden ob diese Pisode einmalig sein kann oder immer wieder kommt. Ich konnte keine Erfahrungsberichte finden. Entweder wollen die Betroffenen nie mehr darüber sprechen nachdem sie es überstanden haben oder es ist eben einfach immer wiederkehrend.
Hat hier jemand langjährige und eventuell einmalige Erlebnisse ? Wenn ja, mit oder ohne Medikamente über lange Zeit ?

18.04.2020 17:24 • x 2 #14


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MelodieSyren
Hallo Charmed

Ich kann dich sehr gut verstehen!
Die meisten Leute wollen das einfach nicht kapieren. Depressionen gibt es ja gar nicht, man simuliert ja nur, man muss sich ja nur mal zusammen reißen, bla. bla bla.-.-

Kenne ich alles nur zu gut!

Aber wir wissen dass das nicht stimmt!

Ich kann dir sagen, ich bin im Moment auch ziemlich depressiv, nehme seit ein paar Jahren schon Anti Depressiva und bin aktuell frisch in einer Psycho Therapie. Hilfe von meiner Umwelt kriege ich null. Ich stehe komplett allein da, mit allem. Und das ist im Moment echt hart. Ich bin total überfordert und muss kleine Schritte machen damit es mir langsam besser geht.

Du bist nicht alleine! Es gibt viele Leute die unter Depressionen leiden, man schweigt sich nur darüber aus, aus Angst abgelehnt zu werden.

Hallo also in diesem Forum <3

x 4 #2


charmed
Hallo! Danke für deine Antwort und für die Begrüßung hier :3

'Depressionen gibt es ja gar nicht, man simuliert ja nur, man muss sich ja nur mal zusammen reißen' - Ooooh wie oft ich DAS schon gehört habe! Ih könnte Strichliste führen. besonders bei meinem Vater. Der psychische Erkrankungen als nicht existent betrachtet. und wenn man an etwas wie Depressionen leidet, dann 'will' man das haben'.

Das ist wirklich so traurig, generell wie die Gesellschaft Menschen mit psychischen Erkrankungen meines Erachtens als 'dysfuktional' abstempelt. Nach dem Motto: Funktioniere, oder eben nicht, aber dann hilft dir keiner und man führt ein erfolgloses Leben. So kriege ich es zumindest von meinem Umfeld gespiegelt ):

Nur suchen wir uns das nicht aus. Es tut mir leid zu hören, dass du Momentan auch Ziemlich depressiv bist. Ich hoffe, dass dir die Therapie hilft :3 Es sind immer kleine Schritte, und wie oft hoffe ich aber insgeheim darauf, mit großen Schritten weiter zu kommen. aber es braucht eben Zeit. Und die hat man leider in dieser. 'Leistungsgesellschaft' meines Erachtens nicht bzw. man bekommt sie nicht, das macht mich oft traurig ):

Ich finde es total wichtig darüber zu reden! Und wenn man in seinem unmittelbaren Umfeld niemanden hat, dann ist es keine Schande sich online darüber auszutauschen :3 Dass man sozusagen irgendwo einen sicheren Ort schafft und hat ^-^

Ich finde es unfassbar stark, dass du für dich selber einstehst und eine Therapie machst, auch wenn du sagst dass du komplett alleine da stehst. Ich wünsche dir alles Gute! :3

charmed

x 1 #3


F
Hey charmed

Die Gesellschafft hat es leider noch nicht kapiert, dass Depressionen eine Krankheit ist, was traurig ist.

Bei dem Unverständnis deines Dads kann ich mitfühlen. Es ist sch., wenn der eigene Vater kein Verständnis aufbringen kann und einem meistens noch erniedrigende Sätze an den Kopf geworfen werden.

Wenn du möchtest können wir gerne mal plaudern.

x 2 #4


M
Hallo Charmed,

Ja, ich muss es auch immer wieder feststellen,dass wenn man ausstende sagt das man an Depressionen erkrankt ist immer als "doof" oder nicht verständnis voll hingestellt wird.

Ich habe so gut wie keine Freunde.Manchmal denke ich das die Menschen es merken!? Und deshalb nix mit mir zu tun haben wollen.

Wenn du magst können wir gerne mal schreiben.
Liebe Grüße

x 2 #5


MelodieSyren
Zitat von charmed:
dann 'will' man das haben'.


Klar xD Bestes Kommentar ever! Absolut - ich WILL Depressionen haben klar! Es ist ja auch so gut immer alles negativ zu sehen, ständig zu heulen, sich selbst dauernd runter zu machen, keinen Sinn im Leben zu sehen, Angst zu haben, usw.
Klaaar, jeder will depressiv sein! Warum gibts das noch nicht überall zu kaufen!? Unfassbar ehrlich.

Und ja ich geb dir vollkommen recht. Es ist eine übelste "Leistungsgesellschaft". Jeder ist sich selbst der nächste. Wer nicht funktioniert wird raus geschmissen und zurück gelassen. Menschen mit Depressionen sind da ja pures Gift.

Ich sag nur immer wieder:
Ich verstehe nicht, wie Leute Depressionen so einfach abstempeln. Depressionen sind der Nummer 1 Grund für Selbstmord. Das sollte man sich mal richtig durch den Kopf gehen lassen. Menschen bringen sich um weil sie so sehr verzweifelt sind. Wenn man nur "simuliert" will man sich deshalb sicher nicht umbringen.

Danke dir für deine lieben Worte =D
Wir kriegen das schon alle irgendwie hin <3

x 3 #6


Mel1971
Hallo Charmed,
ich bin ganz neu hier und habe Deinen Bericht gerade gelesen. Auch ich leide schon lange an Depressionen und suche Menschen die mich verstehen. Woher kommst Du denn und wie alt bist Du?

LG. Melanie

x 2 #7


trunkenmaster
@MelodieSyren hat alles benannt, dem kann ich nur beipflichten.

x 1 #8


Friederle
Hallo Charmed,
du musst zunächst einmal an dich denken und dabei ist es egal ob deine Umwelt die Krankheit akzeptiert oder versteht/verstehen kann. Depressionen als Krankheit sind leider immer noch nicht in der Bevölkerungsmitte angekommen. Ich gehe relativ offen mit meiner Krankheit um und habe da durchaus auch sehr positive Erfahrungen gemacht was Verständnis betrifft von ganz unerwarteter Seite. Ich hatte vor zwei Wochen einen Termin bei einer Behörde und habe mich da in einer tiefen Depression hin geschleppt. Die Dame hat das sofort erkannt, ich habe mich noch eine ganze Weile mit ihr unterhalten und dann sagte sie, dass sie mich in einem Monat wieder einladen würde und wenn es mir dann immer noch so ginge dann sollte ich ihr eine kurze Email schreiben.
Sieh zu das du in Behandlung bist und alles andere wird die Zeit bringen. Depressionen sind durchaus behandelbar und man kann danach auch längere Zeit beschwerdefrei leben auch wenn man das in einer Depression niemals glauben mag und das Leben nur eine Last und Strafe ist.

x 4 #9


E
Hallo Charmed Smile ,

ich bin auch eine diesbezüglich Betroffene. Eigentlich schon seit Längerem, nur mit der Einschränkung, dass es mir auch einige Jahre gut ging und ich dann wieder zurück in das gleiche Loch wie vor ca. 7-8 Jahren gefallen bin. durcheinander

Meine Therapie hatte mich für eine gewisse Zeit stärken können, aber dann bin ich wieder in gleiche Muster verfallen, bzw. es ist so viel passiert, dass ich es im Laufe der Zeit nicht mehr richtig verarbeiten und kompensieren konnte. Eigentlich hatte ich nach meiner ersten Therapie angenommen, ich wäre über dem Berg. Bei mir sind allerdings sowohl beruflich als auch privat so viele Dinge passiert, dass ich es nicht mehr alleine tragen kann.

Momentan ist es so, dass ich auf Grund von Burnout, Überlastung, Mobbinggeschichten auf der Arbeit und einer zweijährigen kaputten Beziehung, die ich hatte, nicht mehr arbeiten kann und beim Therapeuten die Diagnose der mittelgradig schweren Depression bekommen habe. Mich wundert die Diagnose nicht bei dem, was so abgegangen ist in letzter Zeit. Augen rollen boese

Vor kurzem habe ich ein Buch zum Thema Depression und Mobbing gelesen, in dem beschrieben wird, dass Menschen mit Burnout/Depression häufig die Identität, die Substanz im Leben fehle. Irgendwo unterschreibe ich das, was meine eigene Situation angeht. Während ich zwar seit drei Monaten eine neue Partnerschaft habe, die dieses Mal auch funktioniert, kriege ich hingegen sonst nichts mehr hin. was vielleicht auch nicht verwunderlich ist, wenn man bedenkt, dass man mir die Verantwortung für zwei "Firmen-Standorte" aufgebrummt hat und ich quasi von den Mitarbeitern bzw. Kollegen gemobbt worden bin, man ständig meine Arbeit torpediert hat und die Chefs eigentlich auch nichts wirklich dagegen gemacht haben. Nebenher bin ich in einer ziemlich kaputten Beziehung gewesen mit jemandem, der eigentlich nur meine Hilfe ausnutzen wollte. geschockt

Wie gesagt, meine aktuelle Beziehung läuft; aber ich habe irgendwo sonst so gut wie nichts mehr. Früher bin ich regulär zu Hobbys gegangen, habe mich mit Leuten getroffen, konnte auch normal zur Arbeit gehen usw. Irgendwann aber habe ich gemerkt, dass es mit den Kontakten überwiegend nicht so geht. Ich weiß eigentlich selbst nicht genau, woran das liegt, dass bei mir so viele Kontakte im Laufe der Zeit gescheitert sind. Das ist ein Aspekt, den ich in der Therapie neu aufrollen muss. Eben um meinem Leben mehr Sustanz wieder zu geben.

In jedem Fall bin ich auch daran interessiert,mit Betroffenen einen regelmäßigen Austausch zu pflegen. Was bringt es mir, wenn ich mich jetzt mit Leuten treffe/umgebe, die das selbst überhaupt nicht kennen, wenn man so durch ist.
Mein neuer Partner versteht die ganze Situation wenigstens.

Meldet Euch gerne wieder! Glücklich

#10


B
Hallo charmed,

auch ich leide an einer Depression.
Meine Eltern verstehen mich nur bedingt, meine Partnerin versucht es nach Kräften. Meine Phase dauert jetzt schon knapp 6 Monate!

Vielleicht erzählst du mir etwas über deine Symptome, was wiegt am schwersten in der aktuellen Phase? Bei mir die Gefühllosigkeit inkl. nicht weinen zu können! Absolut brutal! Und das ist etwas, was andere mal gar nicht verstehen.

Du sagst, du bist in deiner Aktivität eingeschränkt. Gehst du arbeiten? Ich schaffe das noch nicht!

Ich bin gerne für Austausch bereit!

Gruß
bk

#11


G
Es kann einen niemand in den Kopf schauen. Das ist zwar meistens sehr nützlich hier aber ein Problem. Schmerzen kann man jemanden verdeutlichen. Wenn die Psyche streikt hat man keine Chance. Wer es nicht kennt versteht es nicht. Man kann es niemanden vorwerfen find ich, ich versteh es ja selber kaum. Was mich betrifft - ich funktioniere. Mehr ist nicht drin. Meine PT hat mich gefragt was ich mir wünschen würde wie mein Leben aussehen sollte. Ich habe keine Antwort. Wenn es vorbei ist dann ist es so. Ich wäre nicht böse sondern erleichtert. Solche Gedanken und Gefühle kannst du niemanden begreiflich machen. Ich versuch es erst gar nicht. Meine Welt ist klein geworden. Irgendwann ist es vorbei. Aber warum soll ich Andere mit meinen Problemen belästigen? Vor Allem da ich weiss es gibt keine Lösung bzw keine mit der ich klarkommen würde. Wie sieht das bei dir aus? Was willst du haben ohne die Krankheit? ist das ein Ziel das sich motiviert?

#12


P
Liebe charmed,

ich kann deine Gefühle nachvollziehen. Ich hatte meine erste Depression mit 32 Jahren. Auch mir ging es so, dass auch insbesondere meine Eltern keinerlei Verständnis für meine Krankheit hatten. Die einzige Person war meine Frau, die mir in dieser schweren Zeit sehr geholfen hat. Es ging mir damals von einem auf den anderen Tag extrem schlecht. Ich habe mehrere Ärzte aufgesucht, die mir unterschiedliche Medikamente verordnet haben, die aber m.E. kaum gewirkt haben. Ich habe ca. 1,5 Jahre gebraucht, bis es mir wieder richtig gut ging. 16 Jahre später hatte ich wieder eine Depression über einen Zeitraum von 1 Jahr. Weitere 4 Jahre später hat mich der Tod eines Freundes wiederum depressiv werden lassen, da ich daraufhin extreme Angst vor Krankheit und Tod hatte. Ich habe dann eine Ärztin aufgesucht, die mir Fluoxetin verschrieben hat, was meinen Zustand auch nach und nach verbessert hat. Vor 4 Jahren - also wiederum 14 Jahre später - hat es mich erneut, aus heiterem Himmel, erwischt. Ich habe ständig über mein Alter (inzwischen 66) und über Krankheit und Tod gegrübelt. Allerdings ging diese Phase nach ca. 6 Wochen wieder vorbei, möglicherweise durch Einnahme von Fluoxetin.
Im Moment bin ich wiederum - eigentlich ohne Grund - ziemlich depressiv und mein Gedankenkarussel dreht sich unentwegt. Ich denke nur noch daran, dass ich jetzt 70 bin und nicht mehr viel Zeit habe und dem Vergangenen nachtrauere. Ich weiß einfach nicht, warum mich das immer so trifft. Ich bin nicht krank, treibe Sport und habe eine intakte Familie. Ich hab jetzt wieder mit Fluoxetin angefangen und hoffe, dass mein Zustand sich bald wieder bessert.
Bisher waren die Depressionen nach einer gewissen Zeit auch immer wieder verschwunden. Deshalb denke ich, dass es auch diesmal vorbei geht. Aber wer Depressionen kennt, weiß dass man in dieser Zeit ziemlich hoffnungslos ist. Ich mache mir ständig Mut, auch wenn es schwerfällt, aber ich habe keine andere Wahl als dagegen zu kämpfen.
Ich wünsche euch allen, die ihr von diesen Symptomen betroffen seid, dass diese schwere und manchmal unerträgliche Zeit bald wieder vorbei ist.

Liebe Grüße

x 2 #13


J

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A


Hallo charmed,

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Blume71
Herzlich Willkommen @josef1968,

schön, dass es Dir wieder besser geht. Ob diese Episode wiederkehrt, kann Dir leider keiner richtig beantworten. Aus meiner Erfahrung kann ich Dir nur berichten, dass wir ein Leben lang auf uns aufpassen sollten und versuchen unsere eigenen Grenzen zu wahren.
Sicherlich wirst Du mithilfe der Psychotherapie rausfinden können, wie sich alles entwickelt hat bzw. wie es dazu kam. Stress reduzieren, unsere Gedanken und Ängste hinterfragen usw.

Mein Borunout und vom Psychiater als mittelgradige Depression diagnostiziert, ist ca. 4 Jahre her. Ich nehme pflanzliches Johanniskraut und war in einer Kur. Weiterhin habe ich meine Arbeitszeiten geändert und gehe noch heute unregelmässig zur Gesprächstherapie.
Es geht mir erheblich besser, aber ich will ehrlich sein, aufpassen muss ich immer.

Schön, dass Du den Weg in dieses Forum gefunden hast. Ich bin sicher, Du wirst bei vielen Beiträgen etwas für Dich mitnehmen können und Dich auch verstanden fühlen.

Alles Gute!

x 3 #15

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