Endlich alte Freunde wieder getroffen - ein großer Fortschritt!

SunnySpider

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Hi,

es gibt in meinem alten Freundeskreis ein Altherren-Treffen, das jedes Jahr kurz vor Weihnachten stattfindet. Ich kenne die Jungs seit 1969, die kennen sich teilweise noch länger. Früher wohnten die Jungs in zwei WGs, heute leben wir alle verstreut. Aber einmal im Jahr trifft sich noch der harte Kern und diese Treffen machen immer viel Spaß.
Doch der zweite Burnout und die begleitende Depression hatten mich derart aus der Bahn geworfen, das ich 5 Jahre nicht an den Trffen teilnehmen konnte und das habe ich sehr bedauert. Doch ich hatte zuviel Angst vor der Fahrt zum Treffen. Ich hätte 90 km fahren müssen, teilweise hatte ich nicht einmal ein Auto, und der Gedanke, dort dann auch zu schlafen und mich nicht in eine stille Ecke verkriechen zu können, war einfach zuviel.
Dieses Jahr war ich endlich wieder fit genug, um zum Treffen zu fahren. Nicht nur, daß ich wieder mit dem Auto fahren konnte und so sicher war, daß ich jederzeit verschwinden konnte, ich hatte auch keine Angst mehr davor, mich für ein paar Stunden mit der Truppe zusammen zu setzen. Mein Sofa hatte mich endlich wieder aus seiner Umklammerung entlassen.
Ich habe mich unglaublich gefreut, wieder mit den Jungs über alte Zeiten zu erzählen, vom heutigen Leben, über den einen zu trauen, der vor kurzem verstorben ist und mir zwischendurch den Bauch vollzuschlagen. Und das schönste dabei war zu erleben, wie sehr sich die Jungs gefreut haben, daß ich wieder dabei war.

Es ist ein langer Weg zurück ins Leben, manchmal gibt es auch richtig große Schritte dabei.

Herzliche Grüße

25.12.2015 13:53 • #1


achtsamkeit

achtsamkeit

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Hallo,
das ist wirklich toll was du erreicht hast. Klopf dir dafür mal richtig auf die Schulter. Zudem freue ich mich, dass hier mal von einer positiven Ebntwicklung bericg´htet wird. Das wird anderen Mut machen!

Dir alles Gute für das Neue Jahr.

Lg Achtsamkeit

26.12.2015 09:09 • #2


SunnySpider

SunnySpider


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Hi

und Danke für die Rückmeldung. Was ich oben beschrieben habe ist sozusagen nur ein Symptom der Besserung. Der Kern davon, was mich zur Zeit fast jeden Tag begeistert, ist der Rückgang der Depression. 2012 hing ich noch in einer schweren Depression, hing tage- oder besser wochenlang nur in meinem Sessel und selbst der Gang zur Toilette erschien mir wie ein unüberwindlicher Berg. Heute habe ich weitgehend wieder ein Leben, koche wieder voller Freude, spiele mit meinen Robotern und der Katze, kann wieder zu Veranstaltungen gehen und starre nicht nur Löcher in die Wände, wie ich es ca. drei Jahre lang getan habe.
Die Depression ist auf leicht abgeklungen mit gelegentlichen Ausflügen zu mittelschwer. Dabei kann ich nicht einmal sagen, was die allmähliche Besserung bewirkt hat. Ich bin zu keiner Therapie gegangen und die zwei Aufenthalte in psychosomatischer bzw. Tagesklinik haben nicht wirklich entscheidende neue Erkenntnisse gebracht. Allerdings habe ich einen unkaputtbaren Lebenswillen und ich habe mit Mitte Zwanzig schon einmal die Hölle erlebt, die Unmengen von Alk. und (weichen) Dro. anrichten. Ich bin damals größtenteils aus eigener Kraft aus dieser Hölle entkommen und ähnlich scheint es auch heute zu sein. Da ist eine Stimme in mir, die mir immer sagt: das kann es noch nicht gewesen sein. Heute lebe ich seit 34 Jahren ohne Mittel, die mein Denken oder Fühlen verändern, und die Depression selbst in ihrer schweren Phase war "nur" eine Wiederholung der Zeit vor 40 Jahren.

Herzliche Grüße

27.12.2015 15:02 • #3


Kämpfer

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Hallo SunnySppider,
ich finde es großartig was Du geschafft hast und ich wünsche Dir ganz viel Kraft und Erfolg für die weiteren Schritte,
es grüßt Dich Kämpfer

27.12.2015 16:08 • #4


SunnySpider

SunnySpider


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Montag war wieder ein Tag der Erfolgserlebnisse. Wir, also die Dame meines Herzens und ich, waren zu einer Veranstaltung einer sehr kleinen Kleinkunstbühne. Der Platz an einem Kaffeehaustischchen direkt vor der Bühne war toll, aber auch riskant. Wie schnell wird man da in die Vorführung eingebunden. Und prompt erwischte es mich auch beim Auftritt des Inhabers, Moderators und Zauberkünstlers. Ich saß da auf der Bühne und mein Anteil war nicht gerade intellektuell herausfordernd, sondern diente eher zur Belustigung des Publikums. Ich kam mir ziemlich nervös vor, aber meine Liebste meinte anschließend, ich hätte meinen Teil völlig souverän beigetragen, ohne daß man mir auch nur eine Spur von Nervosität oder Unsicherheit angesehen hätte.

Zurückblickend ist es kaum faßbar, was sich in meinem Leben alles geändert hat. Die ersten Jahre nach der aktiven Sucht war mein Selbstwertgefühl immer noch so geschädigt, daß ich die oben beschriebene Situation nicht ausgehalten hätte. Ich war ständig bemüht, alles zu vermeiden, bei dem ich irgendwie im Mittelpunkt gestanden hätte. Die Angst davor, etwas Dummes zu tun und dann ausgelacht zu werden, beherrschte mein gesamtes Leben. Ich bin sicher, daß diese über Jahrzehnte anhaltende Angst erheblich dazu beigetragen hat, daß ich nach 2005 zwei Burnout erlebt habe. Die Angst war zwar inzwischen fast völlig veschwunden, doch die Macke, daß ich nur durch besondere Leistung bei der Arbeit etwas wert sei, die hatte sich verselbständigt. In der schweren Depression, die den beiden Zusammenbrüchen folgte, hätte ich ohnehin nicht zu so einer Veranstaltung gehen können.

Und heute? Heute kann ich in solchen Situationen, die mich früher zu Tode geängstigt hätten, mit einem fröhlichen Lächeln mitspielen. Manchmal kann ich es selbst noch nicht glauben. Morgen abend sind wir wieder zur Silvesterveranstaltung dort und ich freue mich sehr darauf. Trotz der Risikos, wieder zu einem Teil der Show zu werden.

Herzliche Grüße

30.12.2015 18:24 • #5


Liese

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Ist das eine schöne Vorher-Nachher-Beschreibung! Macht mir sehr viel Mut - zu hören, dass es auch wieder besser werden kann. Danke, dass du das für uns aufgeschrieben hast!

03.01.2016 14:03 • #6


SunnySpider

SunnySpider


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2016 fängt so an, wie 2015 endete - mit einem neuen Erfolgserlebnis. Es hat zwar nichts mit der Depression oder dem Burnout zu tun, trotzdem will ich hier davon erzählen. Ich habe seit rund 15 Jahren Rheumatoide Arthritis, die fieseste Form von Rheuma. RA ist eine Autoimmunerkrankung und kann nicht geheilt werden. Günstigstenfalls kann man den Fortschritt der Krankheit verlangsamen. Dazu gehört neben Kortison auch ein spezielles Medikament. Das war zuerst Methotrexat (Metex), ein Zeug das wegen seienr Nebenwirkungen berüchtigt ist. So etwa vor fünf Jahren wurden die Nebenwirkungen schlimmer als das Rheuma und ich bekam etwas anderes. Zuerst war ich begeistert, denn das neue Medikament schien keine Nebenwirkungen zu haben. Nach ca. vier Jahren bemerkte ich, daß ich in den Füßen immer weniger Temperaturempfinden hatte und daß die Zehen sich anfühlten, als seien sie fest in Watte gepackt. Also zum Neurologen und der stellte Polyneuropathie fest, einen Nervenschaden. So hatten mich die Nebenwirkungen des neuen Rheumamittels doch erwischt. Auf die Frage, ob das mit einem anderen Rheumamittel wieder besser erden könnte, zuckte der Neurologe nur mit den Schultern: eher nicht. Also wieder ein neues Rheumamittel, mal sehen, was das für nebenwirkungen hat. Eine N. weiß ich jetzt schon: meine Krankenkasse ist in Krokodilstränen ausgebrochen, weil das neue Mittel schweineteuer ist.

Das ist ja bisher nicht Positives, doch dazu komme ich jetzt. Es zeichnet sich ab, daß das temperaturempfinden in den Füßen langsam wiederkehrt. Zumindest an der Ferse und der Außenkante der Füße spüre ich wieder die Kälte die durch die Schuhe dringt. Es ist natürlich blöd, daß gerade jetzt, wo draußen etliche Zentimeter Schnee gefallen sind, die Füße wieder Temperaturen melden. Bisher hatte ich den unschlagbaren Vorteil, daß ich so etwas wie "kalte Füße" überhaupt nicht kannte und ihr glaubt nicht, wie meine Freundin mich darum beneidete. Aber vielleicht kehrt auch das normale Berührungsempfinden in den Füßen wieder zurück und so will ich über den ersten Erfolg der kalten Füße überhaupt nicht meckern.

07.01.2016 12:29 • #7




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