Zitat von HDD: Nur: Bei dem Wort "Miss.brauch" - welche Assoziationen kommen dir da? Omas als Täterinnen?
Wieso sollte ich von vornherein eine Möglichkeit, die es ja geben kann, ausschließen? Nur weil mein Horizont eingeengt oder begrenzt ist? Etwas für mich unvorstellbares kann ja trotzdem passieren. Im Grunde kann alles passieren, was eben möglich ist.
Wenn Du Dir den „alle Männer“ Schuh anzuziehen willst, dann darfst Du das ja, weil es nur Deiner Entscheidung dazu bedarf. Jedes Individuum darf sich auch einer Gruppe zugehörig fühlen und sehen und natürlich diese Gruppe unterstützen oder meinetwegen auch bis zur Vehemenz verteidigen. Die Frage die sich jedes Individuum dabei stellen kann wäre, wen man gegebenenfalls dann mit unterstützen oder verteidigen würde, wenn es innerhalb der Gruppe auch Individuen gibt, die so gänzlich andere Vorstellungen im Umgang mit Menschen haben, als man selbst und ob man das wirklich will, selbst wenn es die eigene Individualität hinten anstellt oder vielleicht sogar untergräbt.
Und meine Kernfrage ist, bin ich so wie jemand mich mit Anderen, die natürlich so sein können wie sie eben sind, über einen Kamm scheren will, oder fühle ich mich eben nicht direkt angesprochen oder gar angegriffen, weil ich weiß dass es sich um stereotype Aussagen handelt, die bei mir nicht zutreffend sind. Und selbst wenn etwas auf mich zutrifft, was jemand anderes behauptet, würde es ja nicht unwahr weil es pauschalisiert geäußert wurde. Allerdings entscheide ich alleine, ob ich direkt als getroffener Hund belle, oder ob ich zunächst mal mein eigenes Verhalten dahingehend reflektiere. Was aber trotzdem nicht zwingend in einer Änderung meines Verhaltens müden muss, wenn ich mein Verhalten nicht ändern will.
Kurzum, man darf auch als Teil einer Gruppe immer noch seine eigenen Vorstellungen haben und weil ich das darf, habe ich die auch. Wenn jemand Anderes sich genötigt sieht, etwas wie Du es nennest, politisch korrektes, entgegen seiner eigenen Ansicht oder Haltung nicht mehr auszusprechen, nur weil es als politisch korrekt bezeichnet würde, wäre dies auch eine Form von Unterdrückung, die schlechtesten Falls nicht mal die eigene Einstellung darstellt, sondern lediglich die einer Gruppe, der man sich verpflichtet fühlt, weil man eben lediglich Teil der Gruppe ist, auf Grund bestimmter Merkmale.
Natürlich ist es einfacher, wenn ich mich lediglich gemäß eines Narrativ das in einer Gruppe vorherrscht äußern würde um innerhalb der Gruppe nicht „anzuecken“, oder sogar einem „Feindbild“ zu entsprechen. Vermutlich wird das sogar häufiger der Fall sein, weil eben eine Gruppe ja auch Sicherheit geben kann und die gibt einem eben ein gutes Gefühl. Und es ist auch nicht verboten sich dementsprechend auch entgegen der eigenen Einstellung unterzuordnen. Die Frage ist halt, will man das? Und wenn man das will, dann macht man es, weil man es eben kann.
Zitat von HDD: Die sind Meister*Innen darin (Im Gegensatz zu den meisten Männern, die eine eher direkte Sprache bevorzugen). Sie gebrauchen das Wort "Mann" kein einziges Mal - und trotzdem weiß jede(r), wer mit "Täter" gemeint ist
Hierzu möchte ich mal anmerken, dass die „meisten“ Männer eben auch nicht „alle“ Männer sind und die Definition was eine „direkte“ Sprache betrifft, durchaus weit gefächert ist. Tatsächlich ist es wohl eher eine Frage des Intellekts und wie umfangreich man in einer Sprache bewandert ist, um einen Sachverhalt verstehen zu können. Und natürlich ist es bisweilen auch gewollt, etwas möglichst für Laien unverständlich auszudrücken. Dazu muss man ja nur mal ein paar Gesetze lesen. Da steht natürlich nicht „Du töten jemand, Du gehen in Knast“ was ja eigentlich reichen würde, damit es jeder auch versteht, das ein Tötungsdelikt entsprechend geahndet wird. Und doch töten Menschen andere Menschen, was aber auch nur bedeutet, dass sich nicht alle Menschen an Gesetze halten, obwohl sie sie durchaus verstanden haben.
Es ist aber zum Glück auch nicht verboten, sprachliche Möglichkeiten so umfangreich zu nutzen, wie sie eben gegeben sind. Das bedeutet auch nicht, wenn jemand etwas gerne „blumig“ ausdrücken möchte, nicht automatisch unfähig wäre, etwas auch direkter auszudrücken. Es ist aber eine Frage der eigenen Sprachgewandtheit ob man nur das eine oder das andere, oder eben beides verstehen kann. Und bei letzterem käme auch da wieder zum tragen, was man wie verstehen will. In dem Zusammenhang wäre es eigentlich einfacher zu fragen, wie jemand etwas oder wen jemand meint, mit seiner Aussage, als sich gleich persönlich angesprochen zu fühlen, obwohl das vielleicht gar nicht der Fall ist. Wäre es aber der Fall, dann darf man natürlich etwas dagegenhalten, wenn man will und wenn es nicht so ist, kann man es trotzdem, wenn man will. Nur hängt das natürlich dann davon ab, welchen Zweck man verfolgt, wenn man sich äußert, obwohl man explizit gar nicht persönlich angesprochen war.