Depressionen im Studium - was dagegen tun?

emuleech

Hallo, In meinem Privatleben gibt es momentan Niemanden mit dem ich über meine Probleme und Gefühle reden kann. Es fällt mir generell schwer über sowas zu reden. Seit einiger Zeit wird mir aber einfach alles zu viel. Daher lasse ich mich jetzt hier aus. Ich hoffe es liest jemand.. könnte lang werden. Also ich heiße André bin 20 Jahre alt und wohne wieder bei meinen Eltern. Geplant hatte ich ein Studium mit meinen Freunden in Enschede. Eine Bekannte aus einer großen Softwarefirma hatte mir davon abgeraten und eine Fachhochschule in NRW empfohlen. Ich dachte, Sie muss wissen was gut ist. So entschied ich mich gegen meine Freunde, welche jetzt allesamt in Enschede wohnen und studieren. Unser Kontakt brach nach und nach zusammen.

Letztes Jahr im September habe ich an dieser FH ein Informatik Studium begonnen. Anfangs war alles recht einfach, in den technischen Fächern war ich meinen Kommilitonen weit vorraus. Mathe war für mich nicht ganz so leicht aber ich dachte es verstanden zu haben, so dass ich mir keine Sorgen um die Prüfungen gemacht habe. Spaß hatte ich bis zu dem Zeitpunkt noch keinen gefunden am Studium. Die ersten Prüfungen kamen schnell. Angst davor hatte ich nicht, ich war gut vorbereitet. Von den 4 Prüfungen habe ich 3 mit den Noten 1 und 2 bestanden. Dann kam der Schock - Mathe 13 von 100 möglichen Punkten.
Ich war von mir selbst enttäuscht. Ich wusste nicht wie das passieren konnte. Während meines Fachabiturs war ich eigentlich sehr ehrgeizig. Meinen Abschluss machte ich als Klassenbester mit einem Notendurchschnitt von 1,7. Probleme hatte ich dort nie.

Später war es mir aber eigentlich egal, da mir das Studium eh keinen Spaß brachte. Ich war schon am Grübeln was ich anstatt des Studiums machen könnte. Innerlich war schon beschlossen, dass ich das Studium abbreche. Als ich meinen Eltern andeutete, dass ich etwas anderes machen möchte, fingen meine Probleme erst an. Sie redeten mir ein, nach einem Studium würden mir alle Türen auf dem Arbeitsmarkt offen stehen. Sie sagten im nächsten Semester wird es besser und der Spaß würde noch kommen. Ich sollte nur wegen einer Prüfung nicht aufgeben. Es lag aber weniger an der vergeigten Prüfung als an der Tatsache, dass ich kein Interesse an dem Studium hatte, das Studium abzubrechen.
Nach den Gesprächen aber wurde ich immer unsicherer. Ich hatte Angst zu versagen. Vor allem, da meine Eltern eine eigene Firma haben und erfolgreich sind.
Jede Minute dachte ich an das Studium. Ich bekam leichte Schlafstörungen.

Als das nächste Semester begonnen hatte merkte ich schnell, dass es nicht besser wird. Ich verlor immer mehr das Interesse an den Fächern, die mir im Fachabitur großen Spaß bereiteten. In Mathe kam ich nach einiger Zeit gar nicht mehr mit. Ich saß im Hörsal, war immer voll bei der Sache um dann doch nichts zu verstehen. Die Vorlesung ergab für mich keinen Sinn mehr. Danach ging ich immer unregelmäßiger hin und irgendwann gar nicht mehr. Montags hatte ich jetzt "frei". Meine Eltern hatten es eh nicht gemerkt, dass ich mal zu Hause war.

Zu den technischen Vorlesungen ging ich noch eine ganze Weile regelmäßig hin. Auch wenn es jeden Tag eine Überwindung war für den Mist aufzustehen. Ich fragte mich immer warum ich den schei. mache. Eigentlich will ich das gar nicht.
Alles war mir gleichgültig. Mittlerweile raubten mir die Gedanken den ganzen Schlaf. Unter der Woche bin ich vor 2 nicht im Bett. Um halb 6 klingelt der Wecker. Wie gewohnt verlasse ich Tag für Tag das Haus und gehe zum Bahnhof. Nicht aber um zur FH zu fahren - nein. In den Zug bin ich seit Juni nicht mehr eingestiegen.
Ich wusste nicht wie ich es meinen Eltern beibringen sollte. Ich weiß es bis heute nicht. Um fragen aus den Weg zu gehen zog ich mich mehr und mehr zurück. Mein Zimmer liegt im Keller unseres Hauses, dort habe ich meine Ruhe. Meine Eltern kommen erst um 7 von der Firma. Abends dreht sich seit Jahren alles um meinen jüngeren Bruder, der hat Zöliakie. Es hängt mir zum Halse raus. Für mich interessiert sich Niemand. Es gibt Tage an denen ich meine Eltern nicht sehe, obwohl ich daheim bin.
Mittlerweile entwickelt sich so etwas wie Hass in mir.
Meine Familie ist mir fremd geworden.

Vor 3 Monaten habe ich mit dem Rauchen angefangen, das beruhig mich. Eigentlich wollte ich das nie. Doch jetzt rauche ich fast eine Schachtel am Tag. Ganz schön dumm.

Im August/September waren Semester-Ferien und ich konnte endlich morgens liegen bleiben. Für die Prüfungen in Programmieren hatte ich mich noch angemeldet, dazu brauchte ich die Vorlesungen nicht. Das konnte ich auch so. Ich hätte halt hingehen müssen. Wieder durchgefallen... Es ist mir egal. Meiner Familie sagte ich natürlich nichts davon.

Am 1. Oktober hat das Studium wieder begonnen. Ich habe mich für keinen Kurs eingetragen. Bisher bin ich zu Hause geblieben. Meinen Eltern kann ich es nicht sagen. Die denken ich habe noch Semesterferien.

Seit kurzem merke ich wie alles um mich herum zusammenfällt. Ich falle immer tiefer in ein Loch. Ich habe jeden Abend starke Kopfschmerzen, weil ich mir so sehr den Kopf über mein Leben zerbreche. Ich habe Angst davor dass alles auffliegt.
schlafen kann ich schon lange nicht mehr. Ich unternehme Tag für Tag nichts, ich habe einfach keine Lust. Selbst meine Hobbies sind schlecht.
Ich gehe kaum noch vor die Tür, meine ehemaligen Freunde sind zu weit weg, ich fühle mich alleine.

Hilfe!
Was ist nur los mit mir?

15.10.2013 22:30 • #1


emuleech

Vielen Dank für dein Verständnis, das hilft mir schon sehr.

Bei der Studienberatung war ich zu Anfang des Jahres schon. Das Gespräch hatte mir zu dem Zeitpunkt sehr geholfen, bzw dadurch wurde erst klar, das dieses Studium nichts für mich ist. Da es schon recht spät war sich für eine Ausbildung zu bewerben riet mir die Frau Praktika zu machen um die Zeit nicht zu verschenken.
Ein paar Tage darauf wollte ich mit meinen Eltern darüber sprechen, hatte es ja oben erwähnt. Ich weiß noch dass sie wie blöde auf mich eingeredet hatten. Ich war verunsichert und habe erstmal weitergemacht mit dem Studium. Das war mein Fehler, danach ist alles aus dem Ruder gelaufen.
Ich weiß das ich das Studium nicht beenden werde, und ich weiß dass ich mir etwas anderes suchen muss. Daher glaube ich nicht dass mir eine weitere Beratung viel weiter hilft. Was mir schwer fällt ist diesen Schritt zu gehen, mir das Versagen
einzugestehen und das Studium einfach abzubrechen.

Eigentlich war mein Verhältnis zu meinen Eltern immer ganz gut. Im letzten halben Jahr habe ich mehrmals versucht mit ihnen über das Studium zu reden. Ein richtiges Gespräch ist dabei nie herausgekommen. Sobald mein Vater irgendetwas von Studium und abbruch hörte schaltet der ab. Ab dem Zeitpunkt redet eigentlich nur er und lässt mich eigentlich gar nicht zu Wort kommen. Meistens habe ich mich dann umgedreht und bin gegangen. Meine Mutter hat glaube ich keine eigene Meinung die stimmt ihm einfach nur zu.
Momentan redet man eigentlich kaum miteinander, wenn dann gibt es jedesmal Streit. Wir sehen uns fast den ganzen Tag nicht. Wir Essen nicht zusammen wie andere Familien. Zusammen Unternommen wird schon lange nichts mehr. Eigentlich wohnen wir nur zufällig im selben Haus.

Beruflich wollte ich eigentlich in der Softwareentwicklung unterkommen. Ich bin mir aber selbst nicht mehr sicher ob ich das noch will, gerade wegen dem Studium.

Zu der Bahnhof-Sache hätte ich noch was schreiben können.
Ich habe da jeden morgen in einem Café gefrühstückt, habe ein wenig mit meinem Notebook im Internet gesurft oder Musik gehört. Wenn ich gut drauf war habe ich auch mal mein Skateboard mitgenommen - Gegenüber ist ein kleiner Skatepark. Früher war ich fast jeden Tag mit Freunden da.
Um 10 sind bei uns alle aus dem Haus, so dass ich heimlich wieder nach Hause kann. Nicht ganz so schlimm wie es sich oben anhört, habe es auch nur ca. zwei Monate so gemacht, halt bis zu den Semesterferien.
Zuhause höre ich meist nur Musik oder spiele selbst Gitarre, das lenkt ab.

Jetzt sollte ich mal so langsam schlafen gehen, vielleicht geht es ja ein wenig besser als sonst. Ich bin auf jedenfall erleichtert, dass ich heute etwas loswerden konnte.

LG André

16.10.2013 00:59 • #2


Nogua

Nogua

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Hallo Andre, Moon hat schon so vieles gesagt. Dem würde ich voll und ganz zustimmen. Was ich noch wirklich wichtig fände wäre, dass du dir ein Herz fasst und deine Eltern aufklärst. Vielleicht ist es ja einfacher erst mal mit der Mutter zu reden und dann mit dem Vater? Jedenfalls sind klare Verhältnisse besser zu handhaben als diese Heimlichkeiten. Und du hast dann Energie frei um dich auf das zu konzentrieren was du wirklich willst. Ich finde es toll, dass du Gitarre spielst. Es ist doch schön, dass dir das was gibt. Du könntest doch auch mal deine alten Freunde besuchen, vielleicht doch den Studienort noch wechseln? Du hast viele Möglichkeiten. ich wünsche dir ganz viel Kraft und Freude auf deinem Weg.

16.10.2013 20:54 • #3


Kämpfer

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Hallo Andre,
Dein Bericht hat mich in gewisser Weise sehr betroffen gemacht. Du berichtest von Deinem Leben,was gar kein Leben ist. Du lebst nicht Dein Leben, Du versuchst das Leben Deiner Eltern zu leben, bewußt oder unbewußt.
Du wolltest etwas anderes machen und hast Dich nicht getraut Deine Wünsche durchzusetzen ---- nun wird es Zeit!
Wenn Deine Eltern nicht zu hören wollen oder können, dann schreibe ihnen einen Brief, lege alles da was Dir wichtig ist und drücke aus, was Du machen möchtest und machen wirst.
Du wirst merken, das Du sobald Du den Brief geschrieben hast, Dich um einiges besser fühlen wirst- Du hast dann eine Entscheidung getroffen und mitgeteilt.
Überlege in aller Ruhe was Du wirklich machen möchtest und informiere Dich dann über die notwendigen Schritte. Es geht nicht von heute auf morgen und auch nicht in den nächsten Tagen, aber es wird voran gehen.
Du kannst nicht den Traum Deiner Eltern leben, es ist nicht Deiner!!!!
Ich wünsche Dir ganz viel Kraft, Mut und Zuversicht,
es grüßt Dich Kämpfer

16.10.2013 22:43 • #4


Knoten

Knoten

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Hallo Andrè,

eines möchte ich dir vorweg schicken, bevor ich mich mit meinen Gedanken zu deinem Leben äußre.

Ich bin kein Arzt, kein Psychologe und auch kein Psychiater. Ich bin nicht dazu in der Lage eine Diagnose zu stellen! Alles was ich dir geben kann, sind meine Gedanken, eigene Erfahrung und Aufmerksamkeit. Ich kenne dich nicht persönlich, dadurch ist es schwer etwas zu konkretisieren. Ich kann dir Wege aufzeigen, die ich gehen würde, doch die Entscheidung etwas zu tun oder zu lassen liegt ganz alleine bei DIR!

ich nehme mal deinen ersten Eintrag und schreibe zwischen den Zeilen...



Zitat von emuleech:
Hallo,

In meinem Privatleben gibt es momentan Niemanden mit dem ich über meine Probleme und Gefühle reden kann. Es fällt mir generell schwer über sowas zu reden.
Seit einiger Zeit wird mir aber einfach alles zu viel. Daher lasse ich mich jetzt hier aus. Ich hoffe es liest jemand.. könnte lang werden.


Es ist ein guter Anfang dich hier zu öffnen. In der Anonymität fällt dies vielen leichter. Ging mir auch so am Anfang, obwohl ich schon einige um mich hatte, mit denen ich hätte sprechen können. Sieh diesen Anfang als den Anfang deine jetzige Situation zu bewältigen!

Zitat von emuleech:
Also ich heiße André bin 20 Jahre alt und wohne wieder bei meinen Eltern. Geplant hatte ich ein Studium mit meinen Freunden in Enschede.
Eine Bekannte aus einer großen Softwarefirma hatte mir davon abgeraten und eine Fachhochschule in NRW empfohlen. Ich dachte, Sie muss wissen was gut ist.
So entschied ich mich gegen meine Freunde, welche jetzt allesamt in Enschede wohnen und studieren. Unser Kontakt brach nach und nach zusammen.


Das Freundschaften auf Distanz zusammenbrechen ist leider oft so. Alle gehen ihren täglichen Aufgaben nach, für die Freunde in der näheren Umgebung findet sich immer Zeit. Man möchte etwas aus dem Alltag heraus und verbringt gerne Zeit mit ihnen. So sehr die gute Bekannte es mit dem Vorschlag/Rat auch gemeint hat, sie hat dich damit aus deinem gewohnten menschlichen Umfeld gerissen ohne dich auf diese, ja beinahe vorbestimmte, Sache hinzuweisen.

Deine Freunde, ich nenne sie absichtlich so, haben den Kontakt sicher nicht absichtlich einschlafen lassen.
Es gibt da ein Sprichwort; "Freundschaften enden oft dadurch, weil man aufhört miteinander zu reden."
Dies ist anscheinend auch bei dir passiert. Versuche deine Freunde zu erreichen! Du wirst überrascht sein, dass sie dich nicht vergessen haben.

Das weiß ich aus eigener Erfahrung. Vor 14 Jahren zog ich aus meinem gewohnten Umkreis 500km gen Süden. Von NRW nach BW. Anfangs hielt der Kontakt noch sehr gut, wir telefonierten oft, sahen uns mindestens 2 mal im Jahr. Das ist immer mehr eingeschlafen, bis wir mehr als 2 Jahre gar nicht miteinander gesprochen haben. Nicht, weil wir uns nicht mehr mochten, sondern weil uns der Alltag so in Anspruch nahm, dass wir - vermeintlich - einfach nicht die Zeit fanden zu telefonieren. Immer kam etwas dazwischen. Ich hätte diese mir so wichtige Freundschaft beinahe ganz verloren, doch mein Patenjunge hat uns wieder zusammen gebracht. Er wollte mich auf seine Hochzeit haben und dadurch ist der Kontakt wieder entstanden. Diesmal sind wir nicht so dumm.
Es gibt noch mehr Beispiele, Menschen die ich auf Facebook wieder gefunden habe, oder sie mich.

Nimm dir ein Herz und kontaktiere deine Freunde, besuche sie mal am Wochenende!


Zitat von emuleech:
Letztes Jahr im September habe ich an dieser FH ein Informatik Studium begonnen.
Anfangs war alles recht einfach, in den technischen Fächern war ich meinen Kommolitonen weit vorraus. Mathe war für mich nicht ganz so leicht aber ich dachte es verstanden zu haben, so dass ich mir keine Sorgen um die Prüfungen gemacht habe.
Spaß hatte ich bis zu dem Zeitpunkt noch keinen gefunden am Studium. Die ersten Prüfungen kamen schnell. Angst davor hatte ich nicht, ich war gut vorbereitet. Von den 4 Prüfungen habe ich 3 mit den Noten 1 und 2 bestanden. Dann kam der Schock - Mathe 13 von 100 möglichen Punkten.
Ich war von mir selbst enttäuscht. Ich wusste nicht wie das passieren konnte.
Während meines Fachabiturs war ich eigentlich sehr ehrgeizig. Meinen Abschluss machte ich als Klassenbester mit einem Notendurchschnitt von 1,7. Probleme hatte ich dort nie.


Durch die Enttäuschung der Mathe Prüfung, scheint dir das Studium etwas aus der Hand geglitten zu sein. Vermutlich fingen deine Gefühle hier an mehr in die negative Einstellung zu deinem Studium zu stehen.

Zitat von emuleech:
Später war es mir aber eigentlich egal, da mir das Studium eh keinen Spaß brachte. Ich war schon am Grübeln was ich anstatt des Studiums machen könnte. Innerlich war schon beschlossen, dass ich das Studium abbreche.
Als ich meinen Eltern andeutete, dass ich etwas anderes machen möchte, fingen meine Probleme erst an. Sie redeten mir ein, nach einem Studium würden mir alle Türen auf dem Arbeitsmarkt offen stehen. Sie sagten im nächsten Semester wird es besser und der Spaß würde noch kommen. Ich sollte nur wegen einer Prüfung nicht aufgeben. Es lag aber weniger an der vergeigten Prüfung als an der Tatsache, dass ich kein Interesse an dem Studium hatte, das Studium abzubrechen.
Nach den Gesprächen aber wurde ich immer unsicherer. Ich hatte Angst zu versagen. Vor allem, da meine Eltern eine eigene Firma haben und erfolgreich sind.
Jede Minute dachte ich an das Studium. Ich bekam leichte Schlafstörungen.


Der Druck hat sich hier wohl erhöht. Trotz deiner guten Noten vor dem Studium hat du angefangen an dir und deinem Wissen zu zweifeln. Für mich ist es nicht dein Wissen was dir Fehlt, sondern deine Freunde. Ich finde Traurigkeit und Hilflosigkeit in deinen Worten.

Auch dieses Gefühl kenne ich nur zu Gut.
`99 bin ich als Quereinsteiger in die Softwareentwicklung gegangen, habe mich Monat für Monat, Jahr für Jahr auf den neusten Stand der Technik und der Sprachen die für mich relevant waren gehalten. Plötzlich musst ich das Team wechseln, mit dem ich über 6 Jahre zusammen gearbeitet habe. Ich bekam Aufgaben, die für einen Anfänger waren und meine Selbstzweifel wurden immer stärker. Ich hatte das Gefühl über Nacht verblödet zu sein. Vom Consultant zum Anfänger...??? Erst komplexe Systeme entworfen und dann...
Heute weiß ich, dass "mein" Team mir fehlte. Klar, wir gingen Mittags noch zusammen Essen, Quatschen mal in der Küche, doch das was uns tatsächlich verband war eben unsere Arbeit. Ich rutschte immer mehr ins Abseits. Das andere Team war irgendwie nicht mein Ding, oder ich wollte nicht, dass ich zu ihnen gehörte.

Zitat von emuleech:
Als das nächste Semester begonnen hatte merkte ich schnell, dass es nicht besser wird. Ich verlor immer mehr das Interesse an den Fächern, die mir im Fachabitur großen Spaß bereiteten. In Mathe kam ich nach einiger Zeit gar nicht mehr mit. Ich saß im Hörsal, war immer voll bei der Sache um dann doch nichts zu verstehen. Die Vorlesung ergab für mich keinen Sinn mehr. Danach ging ich immer unregelmäßiger hin und irgendwann gar nicht mehr. Montags hatte ich jetzt "frei".
Meine Eltern hatten es eh nicht gemerkt, dass ich mal zu Hause war.


Auch bei diesen Worten fällt mir sofort der fehlende Halt deines Freundeskreises ein. Mit ihnen wäre es dir nie in den Kopf gekommen, auch nur eine Stunde zu verpassen. Vielleicht wäre der Gedanke dein Studium in der Uni fortzusetzen, in denen auch deine Freunde immatrikuliert sind, etwas zu nachdenken?
Sicher, du wärest nicht im gleichen Studienjahr, doch immerhin hättest du deine "Familie" wieder in deiner Nähe.

Zitat von emuleech:
Zu den technischen Vorlesungen ging ich noch eine ganze Weile regelmäßig hin. Auch wenn es jeden Tag eine Überwindung war für den Mist aufzustehen. Ich fragte mich immer warum ich den schei. mache. Eigentlich will ich das gar nicht.
Alles war mir gleichgültig. Mittlerweile raubten mir die Gedanken den ganzen Schlaf. Unter der Woche bin ich vor 2 nicht im Bett. Um halb 6 klingelt der Wecker. Wie gewohnt verlasse ich Tag für Tag das Haus und gehe zum Bahnhof. Nicht aber um zur FH zu fahren - nein. In den Zug bin ich seit Juni nicht mehr eingestiegen.
Ich wusste nicht wie ich es meinen Eltern beibringen sollte. Ich weiß es bis heute nicht. Um fragen aus den Weg zu gehen zog ich mich mehr und mehr zurück. Mein Zimmer liegt im Keller unseres Hauses, dort habe ich meine Ruhe. Meine Eltern kommen erst um 7 von der Firma. Abends dreht sich seit Jahren alles um meinen jüngeren Bruder, der hat Zöliakie. Es hängt mir zum Halse raus. Für mich interessiert sich Niemand. Es gibt Tage an denen ich meine Eltern nicht sehe, obwohl ich daheim bin.
Mittlerweile entwickelt sich so etwas wie Hass in mir.
Meine Familie ist mir fremd geworden.


Rückzug ist ganz typisch für deine Situation.

Zitat von emuleech:
Vor 3 Monaten habe ich mit dem Rauchen angefangen, das beruhig mich. Eigentlich wollte ich das nie. Doch jetzt rauche ich fast eine Schachtel am Tag. Ganz schön dumm.


Sehr dumm, in der Tat. Nikotin beruhigt nicht, sondern macht Süchtig. Helfen tun dir die Zig. definitv nicht! Schon gar nicht dich aus deiner Situation zu befreien!
Ich hing 28 Jahre an den Glimmstengeln... Seit 5 Jahren und 5 Monaten bin ich "trocken" und verdammt stolz darauf.

Es wird mit der Zeit immer schwerer sich davon zu lösen, also tu es jetzt, bevor dir jemand einen LKW davon vor die Türe stellen kann.

Zitat von emuleech:
Im August/September waren Semester-Ferien und ich konnte endlich morgens liegen bleiben. Für die Prüfungen in Programmieren hatte ich mich noch angemeldet, dazu brauchte ich die Vorlesungen nicht. Das konnte ich auch so. Ich hätte halt hingehen müssen. Wieder durchgefallen... Es ist mir egal. Meiner Familie sagte ich natürlich nichts davon.

Am 1. Oktober hat das Studium wieder begonnen. Ich habe mich für keinen Kurs eingetragen. Bisher bin ich zu Hause geblieben. Meinen Eltern kann ich es nicht sagen. Die denken ich habe noch Semesterferien.

Seit kurzem merke ich wie alles um mich herum zusammenfällt. Ich falle immer tiefer in ein Loch. Ich habe jeden Abend starke Kopfschmerzen, weil ich mir so sehr den Kopf über mein Leben zerbreche. Ich habe Angst davor dass alles auffliegt.
schlafen kann ich schon lange nicht mehr. Ich unternehme Tag für Tag nichts, ich habe einfach keine Lust. Selbst meine Hobbies sind schei..
Ich gehe kaum noch vor die Tür, meine ehemaligen Freunde sind zu weit weg, ich fühle mich alleine.


Noch einmal! Denke darüber nach die Uni zu wechseln. Versuche mit deinen Freunden darüber zu sprechen. Hole dir Rückhalt von den Menschen, die du zu deiner "Familie" auserkoren hast.

Zitat von emuleech:

Hilfe!
Was ist nur los mit mir?


Meiner Meinung nach offensichtlich... Ich würde es als eine Art Heimweh betrachten.

Nun noch einmal der klare Hinweis!
All meine Kommentare sind lediglich meine Sichtweise, keine Diagnose, keine Psychoanalyse oder sonstiges in der Art!


Liebe Grüße,
Knoten

17.10.2013 09:31 • #5


emuleech

Hallo,

danke für die ganzen Ratschläge. Ich bin froh, dass ich hierhergekommen bin.
Gestern war einer der Tage an denen ich mich richtig schlecht fühle. Ich wollte antworten, konnte es aber aus irgend einem Grund nicht. Ich war zu deprimiert.

Ob ich ein neues Studium beginnen will weiß ich nicht. Zu Anfang meines Studiums ging es mir ja noch ganz gut, aber Spaß hat es mir nicht gemacht. Auch vor den ersten Prüfungen nicht. Ich glaube einfach dass ein normales Studium zusammen mit anderen Studenten nicht das richtige für mich ist. Vielleicht war es auch einfach zu theoretisch.
Gestern bin ich im Internet auf eine Fernakademie gestoßen. Dort habe ich von einem Fernkurs im Bereich Grafik-Design gelesen. Das wäre für mich vielleicht eine interessante alternative. Eine Zeit lang habe ich ganz gerne eigene Grafiken, Signaturen und Logos am PC erstellt. Es ist zwar nur ein Zertifikat, welches man erreichen kann, aber so könnte ich mal ein wenig in eine andere Richtung schauen. Das ganze kann ich die nächsten 4 Wochen kostenlos testen.
Was haltet ihr davon?

Heute nachmittag habe ich mir vorgenommen ein paar Leute meiner alten Clique anzurufen. Mal sehen was sich so ergibt.

Noch einmal ein Dankeschön,

André

17.10.2013 12:32 • #6




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