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Depression - von heute auf morgen, ohne Vorgeschichte?

Servus,

ich wollte mich erkundigen, ob jemand ähnliche Erfahrungen gemacht hat wie ich nämlich, von heute auf morgen mit einer Depression konfrontiert zu sein, (anscheinend) ganz ohne Vorgeschichte.

Vor rund einem Monat habe ich aus Neugierde online einige Artikel und Beiträge gelesen, die sich mit Menschen beschäftigen, die eine extrem negative Sicht auf die Zukunft haben. Beispiel: "Der Klimawandel wird so schlimm, dass ich nun darauf verzichte, Kinder zu bekommen, obwohl ich das immer wollte."

Normalerweise bin ich als höchst rationaler Mensch für derartige Panik überhaupt nicht empfänglich, doch irgendetwas, womit ich konfrontiert wurde, hatte einen heftigen Effekt auf mich. Was folgte, war mehr oder weniger eine intensive Depression über Nacht: Vom nächsten Tag an hatte ich einen ganzen Blumenstrauß an psychosomatischen Symptomen, flüchtete mich in den Schlaf, konnte nicht aufhören, darüber nachzudenken, was eigentlich das Problem ist und wie man es lösen könnte.

Ich fühlte mich generell so elend wie nie zuvor im Leben. Möglicherweise aus Angst ("Was, wenn diese Leute recht haben?"), vielleicht aus Schuld ("Was, wenn ich an ihrer Misere mitschuldig bin?"), vielleicht aus einem völlig anderen Grund. Ich bin sehr zügig zum Arzt und hatte auch schon ein erstes Gespräch mit einem Psychiater, der vermutet, es handele sich um eine Depression die Spurensuche wird nächste Woche weitergehen.

Ich kenne bislang nur die saisonale Verstimmung im Winter diese ist bei mir eher durch die Abwesenheit von Emotionen geprägt und gegen diese akute Depression ein lockerer Kindergeburtstag. Was aber bislang alle stutzig macht, sind zwei Dinge. Zum einen: Warum kommt so etwas Heftiges über Nacht? Zum anderen: Nach ein paar dunklen Tagen habe ich immer wieder ein kurzes Zwischenhoch innerhalb von vielleicht zwanzig Minuten fühle ich mich wieder "normal", also glücklich und zufrieden und kann für ein, zwei Tage regenerieren, bevor die nächste Talfahrt ansteht.

Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht? Ich freue mich über jede Rückmeldung!

15.06.2019 14:38 • x 2 #1


Mitzumori84
Hallo an Dich lieber Münchner85,

Vielleicht geht die Depression so schnell wieder wie sie kam?! Vielleicht ist es auch keine Depression sondern einfach ein in sich kehren und eine kleine Lebenskrise in die viele mal "rutschen"? Ich wäre etwas vorsichtig mit dem Begriff Depression bei so einer kurzen Zeitspanne. Bitte korrigiere mich wenn es anders ist.
Es kann auch sein dass schon lange was in Dir schlummert und jetzt zum Vorschein kommt. Dafür kenne ich deine Geschichte zu wenig.
Ich kann leider nicht groß helfen ausser die Hoffnung geben dass es sein kann dass Du dich gerade im Wandel befindest und Dir dessen vielleicht noch nicht bewusst bist.im Gefühl des schrecklichen schlummert häufig das gute das gesehen und erkannt werden will. So ist es häufig bei mir. Ich leide nur seit Jahren schon an Depressionen oder an Melancholie oder Trauer oder fühle oft diese negativ Energie die in der Luft liegt die oft nicht meine eigene ist!
Es kann sein dass Du ein sehr sensibler Mensch bist und auf äußere Einflüsse reagierst was Du davor eventuell unterdrückt hast. Es tut mir leid wenn Du dich gerade so fühlst kannst Du das genauer beschreiben?
Diese Talfahrt kenne ich zu gut. Zwischendrin ist kurz alles gut und dann geht das Kopfkino weiter. Schrecklich.

Ich glaube in Begleitung von einem guten Therapeuten wirst Du dem ganzen sicherlich auf den Grund gehen und erfahrungsgemäß hat fast alles eine Vorgeschichte und kommt nicht aus dem Nichts.

Alles liebe Kopf hoch und sorry dass ich vielleicht keine große Hilfe war.

15.06.2019 17:55 • x 2 #2


Hallo Mitzumori84,

vielen Dank für Deine Antwort!

Die Vermutung, dass es sich um eine Depression handelt, kam vom Psychiater. Für mich stand zunächst der Schock, die Sorge im Vordergrund.

Ich hatte auch die Hoffnung, dass "es" so schnell verschwindet, wie es gekommen ist. Das Problem, was ich jedoch sehe: Ich habe Sorgen, wie sich die Zukunft entwickelt, und die geht per Definition nicht vorbei. Es wäre leichter für mich, wenn es beispielsweise um eine Trennung ginge, wo man sich selbst glaubhaft machen kann, dass die Welt schon wieder besser wird; ein lokales Problem, nicht die Sorgen der gesamten Welt.

Mit Sicherheit wird es eine Vorgeschichte geben, nur ist mir diese momentan nicht im Entferntesten sichtbar, zumal ich unter normalen Umständen nicht sensibel bin. Irgendetwas hat nun aber voll einen Nerv getroffen. Da geht es auch weniger um Melancholie oder Trauer, sondern Angst und Schuld.

Die beste Erklärung, die ich bislang habe, ist, dass sich das Gefühl eingeschlichen hat, unser wunderbares, luxuriöses und eigentlich sorgenfreies Leben sei sehr fragil. Beispiel: Es wird zwar noch eine ganze Weile dauern, aber sollten wir eines Tages kein Rohöl mehr haben oder - aus Klimaschutzgründen - nutzen wollen, würde ein weiter Teil unserer Zivilisation darunter leiden. Obwohl ich weiß, dass Zigtausend kluge Köpfe an diesen Problemen arbeiten und die Menschheit bisher jedes Problem gelöst hat, bleibt die nagende Frage: "Was, wenn es dieses Mal nicht klappt?"

Daher kommt die Angst. Die Schuld kommt daher, dass ich - bislang - natürlich ganz wesentlich von diesem Leben auf Pump profitiert habe; da man z.B. Rohöl aber nicht einfach wiederherstellen kann, kann ich mich auch nicht angemessen revanchieren. Selbst mit einem sparsamen Dasein verschärfe ich dieses Dilemma Tag für Tag ein kleines bisschen.

Irgendwo in diesem Komplex liegt das Problem. Mir hat es bloß den Teppich unter den Füßen weggezogen: Von heute auf morgen war die Lebenslust weg, ich fühle mich nur noch krank und elend, konnte mir nicht vorstellen, dass das jemals wieder besser werden würde - daher auch der schnelle Weg zur Hilfe.

16.06.2019 07:08 • x 1 #3


Mitzumori84
Hallo, da hast Du natürlich total recht unser Leben wird immer zerbrechlicher und es sind soviel Dinge fragwürdig die in unserer Gesellschaft passieren.
Ich drück die Daumen dass Du trotzdem bald wieder aus dem lebensmüden Loch rausfindest und die Umstände so gut wie es geht hinnehmen kannst. das ist bestimmt schwierig in dem Zustand wo Du dich jetzt befindest aber es wird bestimmt klappen. Die Umstände ändern sich meistens bzw man ist im ständigen Wandel. Stell Dir mal gedanklich vor: morgen kann es ganz anders sein, ich bin im Wandel!

Alles liebe

16.06.2019 07:47 • x 1 #4


Lilly-18
Lieber Münchner85,

ich kenne diese Art von Gedanken auch sehr gut, ich bin einmal in eine tiefe Depression gefallen weil auf der Fahrt in den Urlaub ein Viehtransporter mit Schweinen an uns vorbei gefahren ist und ich die Tiere gesehen habe, die da zwischen den Schlitzen rausgeschaut haben. Der Urlaub war schrecklich für mich, ich konnte an nichts anderes mehr denken als an das Schicksal dieser Tiere.
Was mir manchmal hilft ist, nachts in den Sternenhimmel zu schaun, wenn alles um mich rum dunkel ist. Vielleicht an einem See oder einem Park, wo wenig Licht ist. Und dann stell ich mir vor, was wohl da oben so alles los ist. Wie klein ich eigentlich bin, im Universum ist mein Problem doch verschwindend gering. Wie unwichtig bin ich doch eigentlich! Warum nehme ich mich selbst so wichtig? Meine Zeit hier ist so begrenzt.
Also mir hilft es, einfach mal die Perspektive zu wechseln. Das löst natürlich nicht das Problem an sich, aber die Sichtweise darauf wird vielleicht eine andere.
Ist nur ein Vorschlag.

Ich wünsche dir alles Gute und dass deine Depression so schnell wieder verschwindet wie sie gekommen ist.

16.06.2019 09:42 • x 1 #5


Alexandra2
Lieber Münchener,
Deine Geschichte liest sich wie eine Vollbremsung im Leben. Da schließt sich die Sinnfrage an: ist es richtig, diese Berufstätigkeit auszuüben, und diese vielen Arbeitsstunden? Was würde ich stattdessen tun? Was kann ich wieder gut machen? Hinterlasse ich nur Müll?
Sind meine Entscheidungen richtig?
Mir ging es so beim GAU Tschernobyl. Meine Existenz, die der Menschheit stand auf dem Spiel. Verstrahlung als unsichtbarer Feind hat mir große Angst eingejagt. Die damalige Berichterstattung widersprach sich gegenseitig. Meine Angst wurde immer größer. Und es war real und unlösbar. Das Bewußtsein, durcheinander gewirbelt zu werden, war sinnlos und verdeutlichte mir nur Ohnmacht gegenüber Politikern und deren oftmals menschenfeindlichen Entscheidungen.
Mir dem Klimawandel ist es ähnlich und nun riskiert der Leugner einen Krieg, wieder aus wirtschaftlichen Motiven. Das macht ohnmächtig und wütend. Da wird leichtfertig über Menschen, über Völker hinweg gemäht. Wir können nichts dagegen tun. Diese Anhäufung von Problemen kann eine Seele nicht einfach wegstecken. Wenn dann noch private Probleme dazu kommen, kann das die Seele mal zu Fuß gehen lassen.
Und wenn es sowieso Zeit für Veränderung ist, ist der Umbruch heftiger als sonst.
Liebe Grüße Alexandra

16.06.2019 13:37 • x 2 #6


Vielen Dank für Eure Antworten!

Man kann in der Tat sagen, dass ich eine Vollbremsung erlitten habe.

Mein Problem ist gar nicht so sehr, dass so etwas mal vorkommt. Ich bin nur maßlos irritiert darüber, dass es mir jetzt passiert: Ich bin nicht der Typ, der in Panik verfällt, und erstaunlicherweise bin ich ansonsten - soweit man das sagen darf - frei von privaten Problemen. Mich traf diese mögliche Depression in einer Phase, in der eigentlich alles ganz wunderbar lief.

Momentan rätsele ich noch, wie ich damit umgehen soll. Zunächst dachte ich auch, dass sich das von alleine wieder einrenken wird. Realistischerweise muss man ja auch gestehen, dass es nun viele, viele Menschen gibt, die viel gravierendere Sorgen haben als ich mit meiner abstrakten Angst vor der Welt in fünfzig Jahren. Und alle paar Tage genieße ich ein kurzes Zwischenhoch (allerdings kein manisches).

Zugleich waren - und sind - die Symptome, psychisch wie körperlich, so extrem, dass ich das Gefühl habe, einmal die Woche Gesprächstermin beim Psychiater reiche bei weitem nicht aus. Ich habe seit Tagen nicht vernünftig gegessen - kein Appetit, eher Ablehnung - und schlafe völlig ohne Probleme jeden Tag zwölf Stunden. Das ist schließlich auch nicht normal.

Hat jemand Erfahrungen oder Tipps, wie man mehr machen kann? Muss ich noch irgendwelche organischen Ursachen ausschließen lassen? Hilft es, sich für zwei Wochen stationär behandeln zu lassen oder schießt das über das Ziel hinaus? Habt Ihr Erfahrung, ob abschalten oder reden mehr bringt?

17.06.2019 12:52 • #7


Rowi
Lieber Münchner,
ich Zäume mal eben das Pferd von hinten auf.

Reden oder Abschalten? Das liegt an dir womit du dich momentan oder in dem Moment ein besseres Gefühl hast, versuch da ruhig auf dein Bauchgefühl zu hören.

Zwei Wochen Stationär gibt es nicht. Entwedersolange bis sie dich medikamentös eingestellt haben, denn dasmachen sie unheimlich gerne. Oder wie in meinem Fall 5 Wochen bis die Grundfragen soweit geklärt sind und die nächsten Schritte zumindest fü den Moment klar sind. Gerade wenn du eine Behandlung ohne Medikamente anstrebst, solltest du Stationären Weg nur gehen, wenn es nicht andersmachbar ist.

Es gibt einige gute Literatur zum Thema Angst und auch Depression. Einfach mal andie Bücher trauen die dir sinnvoll erscheinen. Falls dudanoch Tipps brauchst helf ich dir gerne weiter.

Von dem was ich so aus deinen Artikeln lesen konnte ist die Symptomatik ja plötzlich nach einer Konfrontation mit einem gewissen Thema aufgetreten. Das klingt für mich auch eher nach Lebenskrise oder seelischem Trauma (wobei dasTrauma bitte nicht überbewertet werden sollte, ein Trauma ist z.B. schon wenn ich an einem Unfall vorbei fahre, je nach momentaner seelischer Verfassung und Resillienz komm ich damit klar oder nicht), bzw. seelischem Ungleichgewicht oder einer Anpassungsstörung (man kann nicht adäquat auf einen Situationswechsel reagieren), sowas kommt des öfteren vor und ist auch an sich nicht diagnosewürdig, wenn es sich wieder fängt und wieder besser wird, wie zum Beispiel normaler Liebeskummer. Dein Psychiater bzw.Psychologe wird da denke ich mit der Zeit schon die Richtige Diagnose stellen.

Sich körperlich mal abchecken zu lassen, ist gerade wenn es plötzlich auftritt nie falsch.

Obwohl es viele viele Menschen gibt denen es vielleicht sclechter geht als dir, geht es dir momentan jedoch so schlecht das du Hilfe suchst. Das würdeich dann nicht bagatellisieren sondern schon ernst nehmen und mal genau hinschauen, was hat sich gerade verändert was ich für mich gerade nicht so tragen kann? Wie will ich damit umgehen? Brauche ich eine Veränderung?

LG
Rowi

17.06.2019 15:07 • x 3 #8


Liebe Rowi,

vielen Dank für Deine Antwort!

Ich glaube, für mich ist es in erster Linie wichtig zu wissen, dass es die stationäre Option gibt.

Es scheint jedoch eher so zu sein, dass ich nach vielen Tagen Stresshormonen schlicht körperlich am Ende gewesen bin. Hat man diese körperliche Reaktion akzeptiert, ist es auch einfacher, ihr zu begegnen.

Wir werden nun zunächst versuchen, ohne Einweisung und Medikamente durchzukommen, diese Optionen sind deswegen ja nicht permanent vom Tisch. Ich bin nur noch so überwältigt von dieser negativen Erfahrung, dass ich alles stehen und liegen lassen wollte, um dem Problem zu begegnen.

Es kann daher gut sein, dass eine Angststörung Auslöser der Depression ist. Falls Du dazu gute Literaturempfehlungen hast, würde ich in der Tat gerne darauf zurückkommen!

18.06.2019 17:49 • x 2 #9


Krass, was du schilderst! Ich lese zum ersten Mal, dass einen über Nacht erwischt. Bei mir hat sich das Dilemma immer ganz langsam eingeschlichen.

Dein Problem ist ein sehr politisches. Ich weiß selbst gut genug, dass einem rationale Ratschläge bei Depression oder Angst nicht wirklich helfen, aber vielleicht kann dir folgende Sichtweise ein wenig helfen: Man sollte sich von den Grünen keine Schuld einreden lassen, nur weil man in einem System wie dieser globalisierten Welt mit all der Industrie aufgewachsen ist. Ja, massenweise Kinder schwänzen die Schule um, wie es eine Galeonsfigur namens Greta vorgibt, 'einfach nur verdammt wütend' auf die 'Erwachsenen' zu sein. Man muss es ihnen nicht übel nehmen, die Absicht dahinter ist vielleicht löblich. Aber einfach nur wütend zu sein - das gilt für grüne Politiker genauso - löst das Problem nicht. Man muss auch Lösungen anbieten! Wie sehen die aus? Wir sollen alle kein Fleisch aus Massentierhaltung kaufen? Okay. Dann wird Fleisch eben sehr teuer und nur die Bonzen können es sich noch leisten. Wir sollen alle Vegetarier oder gar Veganer werden? Okay, aber auch der pflanzliche Anbau in der Bedarfsmasse geht mit hohem Pestizid- und Düngereinsatz einher. Die Böden werden ausgelaugt. Wir müssen Atomstrom und Kohlekraft abschaffen? Und gleichzeitig Benziner und Diesel abschaffen? Dann will ich sehen, was passiert, wenn alle ein Elektroauto haben und es nach Feierabend laden. Das braucht ordentlich Kilowatt. Ganz zu schweigen von der Wassermenge, die für den Abbau für Lithium gebraucht wird. Wir sollen gar keine eigenen Autos mehr fahren? Okay, dann will ich die Fülle der öffentlichen Verkehrsmittel sehen. In meiner Bahn krieg ich jetzt schon keinen Sitzplatz mehr, nächste Woche, wenn die Schule wieder losgeht, wird's noch voller. Sollen die Hälfte oder mehr von uns sterben, damit es der Natur besser geht? Ich persönlich will schon aufgrund meiner psychischen Probleme keine Kinder und leiste damit nebenbei ein Beitrag zur Umwelt, wie du es oben geschrieben hast. Aber ich bin nur einer. Denk das mal zu Ende: Wem soll es noch gestattet werden, Kinder zu kriegen und wem nicht? Soll unsere Gesellschaft einfach ungepflegt vergreisen?
Ich kann mir schon denken, dass ich mir mit diesem Beitrag in dieser Gesellschaft kaum Freunde machen werde, aber ich meine es verdammt ernst und stehe dazu. Motzen und sich für einen besseren Menschen halten ist vergleichsweise einfach im Gegensatz dazu, wirklich Lösungen anzubieten. Deine Angst, wie es mit der Menschheit weitergeht ist nachvollziehbar, aber lass dir ja nicht einreden, dass du an der ganzen Misere schuld bist.

18.06.2019 20:19 • x 1 #10


Hallo Michael,

bei mir ist es so, dass ich eigentlich nur eine einzige Angst habe. Und die bezieht sich darauf, dass ich mir eingeredet habe, dass unsere herkömmliche Energie endlich ist und ich ein wenig das Vertrauen verloren habe, dass die Menschheit das wuppen wird. Gar nicht mal, dass es katastrophal endet, aber dass Dinge, die wir heute so selbstverständlich finden, nicht mehr möglich sind. Und ich den Eindruck habe, das Problem mitverschuldet zu haben.

Das hat eine Denkspirale ausgelöst - und nach drei Tagen konstantem Adrenalin war ich schlicht vollkommen am Ende. Das kam in der Tat über Nacht, aber die Ursache schlummert sicherlich schon länger.

Mir ist dabei bewusst, dass man beim normalen Medienkonsum ein völlig, völlig verzerrtes Bild präsentiert bekommt. Aus diesem Grunde lassen mich auch andere Horrorgeschichten völlig, völlig kalt.

Was mir bei dieser Erkenntnis geholfen hat, sind Listen wie die, bei der noch einmal in Erinnerung gerufen wird, was vor fünfzig Jahren Konsens war und mit der gleichen Vehemenz verteidigt wurde wie heutige Untergangsszenarien. Dabei handelt es sich um Aussagen, die 1970 zum "Earth Day" und vom - eigentlich - wissenschaftlich höchst kompetenten Club of Rome getroffen wurden. Man findet sie als "18 spectacularly wrong predictions made around the time of first Earth Day in 1970, expect more this year".

Wenn man das liest und schaut, wie viel die Welt seitdem stattdessen in jeglicher, messbarer Hinsicht besser geworden ist, kann man vielleicht auch wieder ruhig schlafen.

Für mich geht es nun darum, herauszufinden, warum ich auf exakt ein einziges Thema so allergisch reagiere.

20.06.2019 06:19 • x 1 #11


Aha, interessant. Diese Liste kannte ich gar nicht. Sie zeigt gut genug, dass das alles Panikmache vom feinsten ist. Aber diese Katastrophenpropheten finden immer Anhänger, das war schon vor tausenden von Jahren so.

Man muss sich allerdings auch mal folgendes vor Augen halten: Woher kommt denn überhaupt dieser Glaube, dass unsere Welt ewig existieren und habitabel sein muss? Es kann ein ganz anderes Szenario eintreten, selbst wenn wir so umweltfreundlich leben, wie es sich die ganzen Schlaumeier wünschen würden: Ein Riesen Komet rast auf die Erde zu und löscht alles Leben aus - wie schonmal in der Kreidezeit. Tja, dann wären alle menschlichen Bemühungen um sonst gewesen. Das gilt auch für alle religiösen Strömungen: Auch wenn jeder einzelne Mensch so fromm wie nur möglich lebt, sind wir vor solchen Naturkatastrophen nicht geschützt. Das Universum dreht sich nicht um uns eingebildete Menschen. Wir sind, so unglaublich das klingen mag, nur eine Laune der Natur.

Auch diese protestierenden Kinder werden mal erwachsen und dann will ich sehen, ob sie noch die selben Ansichten haben! Ich selbst habe erst angefangen, realistisch zu denken, als ich langsam auf die 30 zuging. Es gibt so einen Spruch (sinngemäß):
Wer als Jugendlicher nicht links ist, hat kein Herz. Wer als erwachsener noch links ist, hat kein Hirn.

Nochmal: Lass dir keine Schuld einreden! Diese Welt wird es nicht ewig geben. Wer atmet, verstärkt den Treibhauseffekt! Und ja, unsere Energieressourcen sind vermutlich irgendwann aufgebraucht. Aber wer sagt, dass das böse ist? Wer hat dem Löwen erlaubt, Antilopen zu fressen? Wer hat uns erlaubt, fossile Energien zu nutzen? Beides niemand. Aber es hat auch keiner verboten. Das ist Natur.

20.06.2019 09:48 • #12


Lieber münchner85,

ich bin neu in diesem Forum und
deine Schilderungen entspr. fast genau dem, wie es mir passiert ist. Auch quasi über Nacht hatte sich bei mir eine tiefe Hoffnungslosigkeit und Angst vor der Zukunft eingestellt. Meine Gedanken kreisten nur um das Alter (damals 66) und Krankheiten, obwohl es mir sonst körperlich und auch im privaten Umfeld gut ging. Die Depression hatte sich sicher nicht durch Gedanken an die ungewisse Zukunft bzw. das Älterwerden eingestellt, sondern löste jetzt diese düsteren Gedanken aus. Ich habe seinerzeit auch einen Therapeuten aufgesucht, den ich aber nach 2 Sitzungen (ich was allerdings nicht, ob es das bewirkt hat) nicht mehr benötigt habe. Nach etwa 6 Wochen ging es mir wieder gut und das Gedankenkarussel kam zum Stillstand.
Das ist jetzt 4 Jahre her und seit 1 Woche habe ich wieder die Symptome wie damals. Ständiges Denken an das Alter, an Krankheiten und Zukunftsängste. Ich weiß wieder nicht, was der eigentliche Auslöser ist. Meine erste Depression hatte ich schon mit 32 Jahren, für die es auch keine bestimmte Erklärung gab. Nach div. Gesprächen mit Fachärzten bin ich zu der Erkenntnis gelangt, dass die Ursache möglicherweise in der Kindheit bzw. Jugend begründet ist. So wie mich meine Eltern erzogen haben, konnte ich weder Selbstbewusstsein noch Selbstwertgefühl entwickeln. Ich glaube, das hängt mir mein ganzes Leben nach und löst so etwas in mir aus.
Ich weiß, dass ich auch dieses Mal aus dem Tief wieder herauskommen werde.
Einerseits ist es bedauerlich, dass es anderen Menschen genau so geht. Doch man kann auch Mut schöpfen, wenn man sich über seine Probleme austauschen kann. Es bleibt keine andere Wahl, als den Kampf gegen die Depression anzunehmen. Wenn es auch immer kleine Schritte sind, die man vorankommt und dann auch wieder zurückfällt, man darf die Hoffnung nie aufgeben.
Ich hoffe, lieber münchner, dir geht es inzwischen wieder besser, was ich auch für alle anderen hoffe, die das hier lesen sollten.
Alles Gute

11.08.2019 15:04 • #13


LIEBER Münchner85,

Es hört sich für mich nach einer Angststörung an. Die kann in die Depression übergehen. Zukunftsangst.

11.08.2019 15:43 • x 1 #14


Eine Zukunftsangst in dieser Hinsicht ist nicht ganz unberechtigt. Auf dieses Land (und auch viele andere) wird noch einiges zukommen. Vielleicht hilft es, sich mal anzuschauen, wie Menschen früher auf Krisen wie Kriege und Wirtschaftseinbruch reagiert haben. Es wird vielen Menschen schlechter gehen. Erfahrungsgemäß fangen die Leute spätestens dann wieder an, mehr zusammenzuhalten. Obwohl mir das selbst auch schwerfällt, man sollte versuchen, soziale Kontakte nicht ganz einschlafen zu lassen.

11.08.2019 15:53 • #15




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