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Depression als Thema im Unterricht - Wie damit umgehen?

nekoKJ

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Hallo zusammen,

Wie oben schon ansatzweise steht, behandeln wir im Psychologieunterricht demnächst das Thema Depressionen. Noch vor zwei Jahren habe ich mich darauf gefreut, weil es mich interessiert hat, aber jetzt habe ich nur noch Angst davor.

Angst, dass mir etwas herausrutschen könnte.
Angst, dass ich in Tränen ausbreche oder aus dem Raum renne.

Ich dachte, meine damals beste Freundin könnte mich unterstützen, doch diese ist nach England gezogen. Ich bin alleine in dem Kurs. Ich habe nicht die Kraft oder Motivation, es noch jemandem zu erzählen. Erst recht niemandem aus dem Kurs. Da kann ich keinem vertrauen.

Ich weiß jetzt schon, dass blöde Kommentare zum Thema kommen werden. So nach dem Motto: ,Das ist doch alles nur fake oder auch ,Die sollen sich mal nicht so haben.

Hat jemand eine Idee, wie man damit umgehen kann?

28.01.2019 23:39 • #1


Juju

Juju

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Hallo und herzlich willkommen hier im Forum.

Da ist guter Rat teuer.
Ich habe mir ja zur Gewohnheit gemacht, Augen zu und durch.
Wer weiß, ob es wirklich schlimm werden wird?

Liebe Grüße

29.01.2019 08:16 • x 1 #2


Matt_iu

Matt_iu

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Hallo nekoKJ,

es kommt sehr stark darauf an, wie das Thema ausgearbeitet und wie gründlich recherchiert wird, um das Risiko der Verunglimpfung zu minimieren. Nicht selten wird so ein Thema von den Pädagogen ähnlich trocken und fad vermittelt, wie Inhalte aus dem Biologie- und Physikunterricht. Vielleicht kannst du auf den Pädagogen oder die Pädagogin zugehen und ihm oder ihr von dem Interesse an der Wichtigkeit des Themas mitteilen, oder in einem anonymen Brief auf etwaige Befürchtungen zu sprechen kommen.

Es kann auch helfen, sich selber im Vorhinein auf das Thema oder auf die Art von Verunglimpfung / Kritik vorzubereiten, die du befürchtest, um sie konkret zu kontern.

Emotionen zu zeigen, wie du sie beschrieben hast, zeigen, dass du ein sehr empathischer Mensch bist und sicherlich nicht schwach, dafür sollst du dich nicht verurteilen oder schämen, wenn es bei dem Vortrag dazu kommt. Ein passendes Mittel für mich in solchen Situationen ist mit einem kurzen Lächeln immer die Selbstironie, welche auch wirkt, wenn der Kontext trüb und düster ist. Eine scheinbare Schwäche (z.B. metaphorisch) als etwas Starkes darstellen, oder ironisch den Zusammenhang ändern, weshalb du Tränen hattest.
Wenn du merkst, dass es in dir hochkommt, könntest du auch kurz vorher aus dem Raum gehen, durchatmen, es abebben lassen und wieder in die Klasse zurückkehren.

Gruß und bis bald.

29.01.2019 10:59 • x 1 #3


Ex-Mitglied

Hallo Neko,

einiges versteh ich nicht.


Zitat von nekoKJ:
Wie oben schon ansatzweise steht, behandeln wir im Psychologieunterricht demnächst das Thema Depressionen. Noch vor zwei Jahren habe ich mich darauf gefreut, weil es mich interessiert hat, aber jetzt habe ich nur noch Angst davor.

Angst, dass mir etwas herausrutschen könnte.
Angst, dass ich in Tränen ausbreche oder aus dem Raum renne.


Studium?

Und warum die Angst? Bist Du selber betroffen von Depressionen?


Zitat von nekoKJ:
Ich weiß jetzt schon, dass blöde Kommentare zum Thema kommen werden. So nach dem Motto: ,Das ist doch alles nur fake oder auch ,Die sollen sich mal nicht so haben.


Auch das versteh' ich nicht. Wenn jemand so einen Kurs besucht, gestehe ich demjenigen eine gewisse Reife zu, Reife an Verständnis und Willen zu Lernen.

Und ich denke auch, daß so ein Kurs / Fach nicht überall und wahllos angeboten wird; also schon für eine spezielle Zielgruppe.



LG

29.01.2019 11:08 • x 1 #4


Matt_iu

Matt_iu

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@nekoKJ

PS:
Du hattest nicht geschrieben, ob du den Inhalt vermitteln sollst, oder die Lehrkraft. Für dieses Thema eignen sich Gruppenarbeiten mit Aufgabenteilung am ehesten, weil dadurch jeder im Kurs durch selbstständiges Erarbeiten der Inhalte zum Nachdenken über das Thema angeregt wird, als es lediglich vorgetragen zu bekommen. Das nimmt der Verunglimpfung und der Banalisierung des Themas den Nährboden, weil jeder Teilnehmer in seiner Gruppe mit Faktenrecherche beschäftigt wäre, um am Ende in z.B. einem Vortrag ein Gesamtbild mit anderen Gruppen zu bilden.

@Versunkenheyt

Einen Kurs zu besuchen, aus welchen Gründen auch immer, garantiert nicht, mit seinen Inhalten einverstanden zu sein. Nicht selten rutscht einem ein dummer Spruch über die Lippen, der eine andere Person tief verletzt, auch wenn beide keine Gemeinsamkeiten haben. Das habe ich auf der Uni, in der Schule und auf jeder Veranstaltung erlebt. Umso unverschämter, je jünger die Teilnehmer. Selbst auf Beerdigungen werden, zwar hinter vorgehaltener Hand, aber nicht selten, derbe Witze erzählt.

Gruß

29.01.2019 11:10 • x 2 #5


Ex-Mitglied

@Matt_iu

Ich gebe Dir Recht, allerdings denke ich schon, daß diese Kurse für eine spezielle Zielgruppe ausgerichtet sind. Das war meine Aussage. Was dann inhaltlich vermittelt wird und wie, das ist wieder etwas ganz anderes.

Und Neko's Post läßt für mich einige Fragen offen. Ist sie einfach "nur" emphatisch (was überhaupt nichts Schlimmes ist, im Gegenteil), dann ist sie da, in dem, was sie tut, aber vielleicht auch falsch? - Oder ist sie selbst Betroffene?


LG

29.01.2019 11:23 • x 1 #6


Juju

Juju

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Also ich sehe es auch so, dass sie selbst betroffen ist, also Depressionen hat.

Ich denke, dass sie Angst davor hat, dass sie sich eventuell persönlich angefriffen fühlt, oder erleben muss, dass depressive abgelehnt werden.

29.01.2019 13:53 • x 2 #7


Alexandra2

Alexandra2

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Hallo Nekokj,
U.a. mit folgender Methode haben Du und auch die Schüler Abstand zum Thema, ich denke alle haben Angst vor dem Gesichtsverlust.
Es gibt eine 4 Seiten- Methode: 4 Wandzeitungen, auf jeder ist eine andere Frage, zu der jeder Schüler etwas schreibt. Das kannst Du für den Einstieg nehmen.
Mögliche Fragen wären, 1. Das weiß ich über Depressionen, 2. Das vermute ich, 3. Das will ich wissen, 4. Es geht mir am Schluß gut, wenn.
Kurze Zusammenfassung, Arbeitsblatt mit wichtigen Infos, dann Gesprächsrunde-
Du könntest Dir für den emotionalen Teil 1-2 Betroffene einladen, die darüber berichten möchten- und hilfreiches Verhalten der Außenstehenden zum Abschluß. Dann hättest Du den Inhalt auf der emotionalen Ebene vermittelt, ohne zu dicht dran zu sein und Deine Distanz einzubüßen.
Wenn Du keine Betroffenen findest, ginge auch ein Film.
Liebe Grüße

29.01.2019 14:35 • x 1 #8


Alexandra2

Alexandra2

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P.S. Wandzeitungen in jeder Ecke eine an die Wand kleben

29.01.2019 14:36 • x 1 #9


nekoKJ


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Danke für eure schnellen und ausführlichen Antworten.

Zu den offenen Fragen:
Ich bin selbst betroffen und Schülerin. Psychologie ist bei uns ein Wahlpflichtfach. In unserem Kurs sind ein paar Personen, die auch bei anderen Themen schon Sprüche gerissen haben. Daher meine Sorge.
Tut mir leid, dass ich das vorher noch nicht deutlich genug geschrieben habe.

Die Idee mit dem Kontern ist mir bisher noch nicht gekommen, aber ich finde sie sehr gut. Mal schauen, was sich da machen lässt und ob ich mich traue, etwas zu sagen. Ich bin leider sehr introvertiert.

Die 4-Seiten-Methode finde ich interessant. Vielleicht kann ich die mit einem Brief verknüpfen. Wenn ich denn die Kraft dazu finde.

Und wenn alles nichts hilft, ignorieren und unterdrücken funktioniert zumindest nach außen hin.

Zum Schluss nochmal Dankeschön an alle.

29.01.2019 23:17 • x 1 #10


Ex-Mitglied

Zitat von nekoKJ:
Ich bin selbst betroffen und Schülerin. Psychologie ist bei uns ein Wahlpflichtfach. In unserem Kurs sind ein paar Personen, die auch bei anderen Themen schon Sprüche gerissen haben. Daher meine Sorge.
Tut mir leid, dass ich das vorher noch nicht deutlich genug geschrieben habe.



Hallo neko,

danke für Deine Antworten. Dir muß nichts leid tun. Wir können ja fragen, wenn wir etwas nicht verstehn. Also mach Dir keine Gedanken.

Gibt es denn keine Konsequenzen für Schüler, die "aus der Reihe tanzen"? Daß man solche z.B. vom Kurs ausschließt.
Depressionen ist ein sensibles Thema.

Deine Sorge kann ich jetzt verstehen und sie ist auch berechtigt.

Ist es Dir möglich, vor Kursbeginn in einer ruhigen Zeit mit dem/der Kursleiter/in zu sprechen und Dich ihm/ihr zu öffnen. Genau so, wie Du es hier getan hast. Vielleicht kann das Ängste nehmen und auch der/die Kursleiter/in weiß Bescheid und kann so vielleicht mit mehr Rücksicht unterrichten. Und evtl. könnt Ihr Euch vorher über eine Art "Deal" einig werden. Wenn es z.B. bei Dir gar nicht mehr geht, wenn Du merkst, Deine Gefühle übermannen Dich im Unterricht, daß Du den Raum verlassen kannst (wäre jetzt ein Beispiel). So hast Du eine Absicherung, und, was in meinen Augen wichtig ist, der/die Kursleiter/in weiß Bescheid und das sollte Dir mehr Rückenhalt geben. Er/sie sollte auf jeden Fall Verständnis aufbringen, wovon ich ausgehe, gerade in so einem Fall.

LG

30.01.2019 06:54 • x 2 #11


Alexandra2

Alexandra2

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Hallo neko,
Du könntest ganz am Anfang der Stunde die Klasse fragen, wie mit Diffamierungen umgegangen werden soll. Was die Klasse dann tun will.
Eigentlich ist das der Job der Lehrerin.
Liebe Grüße

30.01.2019 08:36 • #12


Ex-Mitglied

Zitat von Alexandra2:
Du könntest ganz am Anfang der Stunde die Klasse fragen, wie mit Diffamierungen umgegangen werden soll. Was die Klasse dann tun will.


Wieso soll sie die Klasse fragen? Dann rennt sie womöglich direkt in offene Messer.



Zitat von Alexandra2:
Eigentlich ist das der Job der Lehrerin.


Definitiv.

30.01.2019 08:46 • x 1 #13


Alexandra2

Alexandra2

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Hallo Versunkenheyt,
Neko ist in einer schwierigen Situation: selbst Schülerin als Unterrichtende ist sie allen Augen ausgesetzt und soll in dieser Doppelrolle alles richtig machen? Das überfordert sie.
Die Kränkungen durch Kommentare betreffen die ganze Klasse. Die anderen Schüler lernen so, sich des Problems bewusst zu werden, sich zu solidarisieren, daß man Kränkungen nicht hinnehmen muss und sie kontraproduktiv sind. Damit verlieren die Verursacher ihre Macht. Und die Schüler öffnen sich ggf weil sie Mut gefasst haben.
Ein psychologisches Unterrichtsthema erfordert, daß die Mitschüler von Anfang an ins Boot geholt werden, damit sie anhand ihrer Gefühlslage lernen. Nichts ist schrecklicher für den Referenten, als Schüler zu berieseln, die sich nicht für das Thema interessieren und gelangweilt rumhängen. Das führt eher zu Kommentaren. Und es wird auch dem Inhalt nicht gerecht.
Wir wissen nicht, wie die Lehrerin unterstützt. Wenn sie das Sanktionieren etc übernähme, wäre es für Neko etwas leichter.

30.01.2019 09:38 • #14


Ex-Mitglied

Zitat von Alexandra2:
Neko ist in einer schwierigen Situation: selbst Schülerin als Unterrichtende ist sie allen Augen ausgesetzt und soll in dieser Doppelrolle alles richtig machen? Das überfordert sie.


Gut, das ändert die Situation geringfügig.

Vielleicht hab ich es überlesen, daß sie selbst auch Unterrichtende ist. Ich bin davon ausgegangen, daß sie "nur" Schülerin ist.

Im Großteil jedoch bleibe ich bei meinem vorangegangen Post. neko sollte sich dann an die Schulleitung, Lehrer etc wenden.

Ich versteh nicht, warum sie unterrichten soll, wenn sie (hier offensichtlich) damit überfordert ist.

Es sind einige Dinge unklar, oder habe ich etwas übersehen?


LG

30.01.2019 09:46 • #15




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