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Corona und Ehe

Andi_

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Hallo da draußen,

ich bin Andreas, wohne im schönen Norden der Republik und halbe den Alterszenit gerade überschritten.
2016 ist eine mittelschwere Depression diagnostiziert und habe über Tagesklinik und Reha wieder zu mir gefunden. Meine Partnerin hat mich damals sehr unterstützt, ich glaube ohne sie hätte ich es nicht geschafft, wieder in das Leben zurückzufinden.

Ob ich jetzt in diesem Forum überhaupt richtig bin?

Im Moment weiß ich mir keinen Rat, fühle mich hilflos und ob ich hier Hilfe erwarten kann, weiß ich auch nicht. Was mir evtl. hilft / helfen könnte ist ein Erfahrungsaustausch mit Menschen, denen es ähnlich geht. Ich bin innerlich so aufgewühlt, meine Depressionen gehen wieder los und ob ich alles hier in den richtigen Kontext bringe, weiß ich nicht.

Das C-Thema ist allgegenwärtig in unserer Partnerschaft und umgibt mich/uns mittlerweile jeden Tag.
Vielleicht bin ich auch ein Verschwörungstheoretiker, aber ich habe mich dann doch intensiver in diese Materie eingelesen, weil in mir Zweifel, an manchen Aussagen oder Maßnahmen der Politik hochgekommen sind. Dazu möchte ich sagen, das wir beide ein sehr hohes Gerechtigkeitsempfinden haben. Sei es im Tierschutz, gegenüber Menschen, denen es nicht so gut geht etc.

Meine Frau hatte ebenfalls diese Zweifel, sah und sieht wie sich die Welt verändert, blendet diese Zweifel mittlerweile völlig aus. Sie hat Angst als *beep* beschimpft zu werden, der Polizei friedlich gegenüberzustehen und für Ihre Rechte einzustehen.
Sie nimmt diese Ungerechtigkeiten, auf die ich jetzt nicht näher eingehen möchte, als gegeben hin, weil sie alleine die Welt nicht verändern kann bzw. möchte.

Ich hingegen bin da völlig anders eingestellt und möchte meine Rechte wieder zurück und nicht darum betteln. Und wenn es eine Demo ist, diese wiederzubekommen ist das halt eine Demo.

Nun möchte ich hier keine Diskussion lostreten, über die Sinnhaftigkeit diverser Maßnahmen etc.
Es geht mir vielmehr darum, das wir beide uns wegen der völlig unterschiedlichen Sichtweisen auf die Welt, mittlerweile so weit voneinander entfernt haben, das eine Scheidung nicht ganz ausgeschlossen ist, was mir das Herz bricht.

Wir gehen schon beide in die gleiche Meinungsrichtung. Sie möchte ihren Unmut nicht äußern, ich schon und mit ihr zusammen. Und da liegt für mich der sogenannte Hase im Pfeffer. Wir haben immer alles gemeinsam gemacht und driften jetzt so auseinander.

Wir kennen uns seit Kindertagen, haben alle möglichen Kämpfe gemeinsam gefochten. Sei es mit meinen Krebserkrankungen oder mit ihrer Autoimmunität usw. Wir waren immer ein Team und haben "nebenbei" eine wunderbare Tochter großgezogen, die mittlerweile ihren eigenen Hausstand gegründet hat.

Als sie mir gesagt hat, das wir beim C-Thema kein Team mehr sind, ist für mich eine Welt zusammengebrochen.
Jeder soll und darf seine eigene Meinung haben. Das ist auch gut so.
Was ich aber nicht in mein Hirn bekomme und meine Depressionen wieder aufleben lässt, wie sie sich der Situation ergibt und ihre eigenen Werte-, und Moralvorstellungen verloren gehen.

Gibt es hier Menschen, die gleiche Erfahrungen gemacht haben? wie geht ihr damit um?


Nous on veut continuer à danser encore
Voir nos pensées enlacer nos corps

19.04.2021 21:19 • #1


ohneFunktion

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Guten Abend!

Zitat von Andi_:
Wir haben immer alles gemeinsam gemacht und driften jetzt so auseinander.

Das ist an sich nichts Schlimmes. Möglicherweise für Euch ungewohnt?

Zitat von Andi_:
Was ich aber nicht in mein Hirn bekomme und meine Depressionen wieder aufleben lässt, wie sie sich der Situation ergibt und ihre eigenen Werte-, und Moralvorstellungen verloren gehen.

Ich gehe mal davon aus, dass das Deine Interpretation der Sache ist. Werte und Moralvorstellungen gehen nicht so schnell verloren. Aber vielleicht geht Deine Frau im Moment nur anders damit um.

Corona entzweit im Moment viele Menschen. Leider.
Aber ist es das wert?

Gerade in einer langjährigen Partnerschaft gibt es so viele Dinge, die verbinden. Warum, wegen so einem Thema die ganze Beziehung in Frage stellen?

Vielleicht ist es Euch ja möglich Euren Fokus nicht nur auf Corona zu legen? Dieses Thema nicht derart in den Mittelpunkt zu stellen?

Eine Partnerschaft muss nicht scheitern, "nur" weil man in manchen Bereichen nicht an einem Strang zieht.

Zitat von Andi_:
Gibt es hier Menschen, die gleiche Erfahrungen gemacht haben? wie geht ihr damit um?

Ich habe solche Erfahrungen nicht in der Partnerschaft gemacht, aber in einer sehr langen Freunschaft. Und hier geht es nicht "nur" um die Erwartung sich für etwas einzusetzen, sondern um grundverschiedene Ansichten.
Im Moment ist Kommunikation nicht möglich, aber wir schicken uns immer wieder Bilder am Messanger. Sozusagen als Zeichen, dass wir uns trotzdem mögen und uns nicht "trennen".

Für mich ist ganz klar: In dieser einen Sache passen wir nicht zusammen. Na und?

Und Ihr seid ja grundsätzlich einer Meinung.

Mir scheint, Du nimmst den mangelnden Einsatz Deiner Partnerin persönlich. Dabei hat das nichts mit Dir als Person zu tun.

Könnt Ihr da nicht drüber sprechen?
Man kann sich auch lieben, wenn man nicht alles miteinander macht.

Alles Gute für Euch!

19.04.2021 22:40 • x 1 #2


Träumer59

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Es gibt durchaus Partnerschaften, in denen beide völlig unterschiedliche politische Ansichten haben. Das geht dann gut wenn man versteht, dass Politik nicht das Wichtigste im Leben ist. Das als Beispiel.

Gerade bei so einem sensiblen Thema wie Corona sollte man dem andern seine Meinung lassen.
Könnte es vielleicht sein, dass du deine Frau in irgend einer Form "bekehren" möchtest? Vielleicht hast du sie unbewusst unter Druck gesetzt, und die Reaktion mit "kein team mehr" war die Reaktion darauf.

Es ist ihre Gesundheit, und wie sie damit umgehen möchte ist eher ihre Sache. Und wenn sie nicht gegen Windmühlen kämpfen möchte, dann ist es auch ihre Entscheidung. Vielleicht hilft dir ja die Weisheit der britischen Diplomaten "Lets agree to disagree", bedeutet, man kann sich auch einig sein indem man verschiedene Ansichten hegt.

19.04.2021 23:01 • x 3 #3


Andi_

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Erst einmal vielen Dank für die doch erhellenden Antworten.

Ich könnte mir schon vorstellen, das ich (eher unbewusst) "gedrückt" habe.
Vielleicht wollte ich auch "bekehren". Der Kopf spielt dann teilweise so verrückt, nach dem Motto "Das musst Du doch auch sehen" Eigentlich fand ich Diskussionen mit verschiedensten Ansichten immer sehr bereichernd, lerne ich doch selbst viel dazu. Dabei habe ich noch nie versucht andere Menschen in ihrer Art zu denken zu beeinflussen oder gar meinen Willen aufzudrücken. Eigentlich höre ich vielen Menschen zu, weil sie nach meinem Rat fragen. Das es mich wieder wie 2016 so erwischt, hätte ich kaum für möglich gehalten. Ich dachte, ich bin da durch.

Was die ganze Geschichte für mich zusätzlich noch weiter erschwert, ist meine Hochsensibilität.
Das macht es für mich nicht gerade leichter, mit den einströmenden Reizen meiner Umwelt umzugehen.

Ja, sie geht ganz sicher mit der Situation anders um als ich. Ist das auch mein Weg?

Ich habe heute z.B. dieses Video gesehen.

https://www.youtube-nocookie.com/embed/GN5B27zT29Y

Ich habe hier gesessen, beim ansehen "Rotz und Wasser" geweint, obwohl es sehr schön anzusehen ist.
Da steckt für mich so viel Kraft und Energie drin, lachende Gesichter, Berührungen, einfach Mensch sein usw.
aber ich habe mich danach total eingeigelt. Als sie heim kam und ich mit ihr darüber sprechen wollte, blockte sie das kategorisch ab. Dadurch eskalierte die Stimmung und ich wollte mich nur noch verkriechen um dieser Situation zu entfliehen.
Ich spürte, wie das Gefühl meiner damaligen Depressionsphase extremst hochkam. Bevor ich hier in das Forum geschrieben habe, war ich schon soweit, mich einweisen zu lassen. Das hier war mein letzter Versuch, vielleicht etwas an mir oder der Situation im allgemeinen zu ändern.


Mir macht Corona keine Angst, obwohl ich ein so genannter "Risikopatient" bin. Mir machen die Menschen draußen, die Angst vor dem Leben haben Angst, weil man es ihnen im Viertelstunden Takt sagt.

Ich muss/will meinen/unseren Gefühlen freien Lauf lassen und diese Aussprechen können, ohne abgeblockt zu werden. Das funktionierte hier auch in der Vergangenheit sehr gut. Nur jetzt, seit ein paar Monaten geht es halt nicht mehr. Ich kann da schwerlich mit umgehen, rede ich doch gerne über Gefühle und höre auch sehr gerne zu. Das hat uns glaube ich, auch ausgemacht, immer frei von der Leber, miteinander zu sprechen und zuhören zu können.

Ich bin, schon aus beruflichen Gründen, sehr analytisch veranlagt, was uns in der Vergangenheit immer (naja vielleicht nicht immer ) gut durch das Leben gebracht hat. Wenn ich nach Euren Antworten gehe, kann es schon gut möglich sein, das ich überpact habe und eine kommende, drohende Gefahr, von der ich jetzt schon ein gutes Jahr rede und die Wege sich derzeit klar abzeichnen, für sie zu offensichtlich gemacht habe, das sie in diesen Angstzustand gekommen ist und alles von sich fernhält.

Ich bedanke mich bei Euch, das ihr mir aufzeigt, mein Verhalten aus einer anderen Ebene zu betrachten.
Vielleicht habt ihr einen Tipp für mich, wie ich ihr meine Gefühle zur C-Lage "stressfrei" äußern kann. Diese Gefühle für mich zu behalten, bekomme ich nicht hin. Wenn ich diese in mich hineinfresse, kaure ich nachher wieder in der Ecke und weine oder ich verlasse unser Haus, fahre an den Strand, wo ich in Ruhe für mich bin. Danach wird es allerdings auch nicht besser.

Aber das ist nicht mein Ziel. Ich kenne Sie jetzt fast 40 Jahre und sie ist das Beste, was mir passiert ist.

20.04.2021 01:14 • #4


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111Sternchen222

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Das Blocken ihrerseits, scheint mir eine Art Selbstschutz zu sein. Vielleicht braucht sie das in dieser verwirrenden C-Situation. Du möchtest deinen Gefühlen freien Lauf lassen, vielleicht im Moment lieber bei jemandem anders. Ihr geht nur einfach unterschiedlich mit der Selben Sache um. Jeder sorgt für sich selbst.Das ist völlig ok.
LG Sternchen

20.04.2021 07:25 • x 2 #5


ohneFunktion

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Zitat von Andi_:
Aber das ist nicht mein Ziel. Ich kenne Sie jetzt fast 40 Jahre und sie ist das Beste, was mir passiert ist.

Vielleicht sagt Du Ihr einfach das.

20.04.2021 07:45 • #6


Andi_

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@ohneFunktion
Das haben wir uns bis vor ein paar Wochen, seit über 30 Jahren jeden zweiten Tag gezeigt und ausgesprochen.
Sie sagt es mir doch auch, das sie mich nicht verlieren möchte. Sie aber glaubt, ich steigere mich zu tief hinein. Ich könnte/müsste nicht für Leute kämpfen, die das eh alles nicht interessiert und die Menschen, die für Gerechtigkeit einstehen als N.... verunglimpfen. Sie hat es selbst erlebt, als wir einmal gemeinsam unterwegs waren, das wir als rechtsextreme Spinner usw. beschimpft wurden. Danach hat sie es oder sich aufgegeben.

Ich möchte nicht tatenlos zusehen, wie alles um mich herum den Bach runtergeht, Kinder in die gleiche Depression verfallen, wie ich einst und jetzt wieder bin. Die "Alten" zu denen ich immer aufsehe, so abseits gehalten werden usw. usw. Ich fühle mich, wie lebendig tot zu sein. Wie gesagt, ich möchte hier keine Diskussion in diese Richtung führen. Das wäre das falsche Forum.

Ich möchte nur herausbekommen, wie ich mit ihr, diese unterschiedlichen Auffassungen klären kann, ohne das mich das wieder in ein tiefes Loch stürzt und ich meiner Partnerschaft gerecht werden kann. Einen ersten Ansatz haben wir beide gestern Abend gefunden. Ich werde alleine "losziehen" (was mir sehr schwer fallen wird) und sie zukünftig mit meinen Gedanken nicht so stark belaste. Ich weiß nicht, ob das der richtige Weg ist, aber einen Versuch ist es allemal wert.

20.04.2021 10:18 • x 1 #7


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Elliot

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"Es gibt Wände die sind dicker als dein Kopf".
Ich denke du musst halt aktzeptieren, dass deine Frau gerade nicht in deine Richtung geht. Deshalb muss sie sich nicht gleich aufgegeben haben. Vielleicht sieht sie die Welt auch gerade etwas nüchterner als du und kommt so besser zurecht?

20.04.2021 11:05 • x 1 #8


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Pilsum

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Hallo Andreas,

die Problematik, die Du hier beschreibst, ist eine allgemein bekannte Schwierigkeit.

Zitat von Andi_:
Es geht mir vielmehr darum, das wir beide uns wegen der völlig unterschiedlichen Sichtweisen auf die Welt, mittlerweile so weit voneinander entfernt haben, das eine Scheidung nicht ganz ausgeschlossen ist, was mir das Herz bricht.


Themen, wie Politik, Religion, Moral und auch Corona können Menschen sehr schnell entzweien.
Das Du ernsthaft über Scheidung sprichst, nur weil Deine Frau eine eigene Meinung zu einem, für
sie wichtigen Thema entwickelt, finde ich schon bemerkenswert.


Zitat von Andi_:
Dazu möchte ich sagen, das wir beide ein sehr hohes Gerechtigkeitsempfinden haben.


Zitat von Andi_:
Was ich aber nicht in mein Hirn bekomme und meine Depressionen wieder aufleben lässt, wie sie sich
der Situation ergibt und ihre eigenen Werte-, und Moralvorstellungen verloren gehen.


Was Du hier über Gerechtigkeitsempfinden schreibst, ist doch nur Deine Sichtweise. Was Du gerecht
findest, findet mancher für ungerecht. Es gibt nur selten etwas, was in der Welt nur gerecht ist.
Warum lässt etwas Deine Depression wieder aufleben, nur weil andere Menschen eine eigene Meinung entwickeln?

Zitat von Andi_:
Eigentlich fand ich Diskussionen mit verschiedensten Ansichten immer sehr bereichernd, lerne ich doch selbst viel dazu. Dabei habe ich noch nie versucht andere Menschen in ihrer Art zu denken zu beeinflussen oder gar meinen Willen aufzudrücken.

Da Du angeblich so übermäßig für Gerechtigkeit bist, kann ich mir nur schwer vorstellen, dass Du
selten versuchst, anderen ihre Art, frei über etwas zu denken, erlaubst.

Du hast hier zwei Beiträge in Deinem Thema geschrieben. Wenn Du das mehrere Male liest,
schreibst Du darin Widersprüchliches. Denkst Du so? Oder denkst Du so?
Für mich ist das nicht eindeutig.

Zitat von Andi_:
Ich muss/will meinen/unseren Gefühlen freien Lauf lassen und diese Aussprechen können, ohne abgeblockt zu werden.


Dann spreche sie doch aus. Was hindert Dich daran.
Wenn Du anderen ebenfalls erlaubst ihre gegenteilige Meinung auszusprechen, dann ist es doch in Ordnung.

Zitat von Andi_:
Vielleicht habt ihr einen Tipp für mich, wie ich ihr meine Gefühle zur C-Lage "stressfrei" äußern kann.

Dafür brauchst Du im Grunde nur eine Voraussetzung.
Akzeptiere, dass andere Menschen eine andere Meinung vertreten dürfen, als Du.
Du bist nicht das Gesetz. Und auch nicht der Hüter über Recht und Ordnung.

Bitte sehe es mir nach, wenn ich hier die Keule herausgeholt habe.
Vielleicht kannst Du Deine Ehe damit noch retten.
In meiner Verwandtschaft gibt einen ähnlich gelagerten Fall. Wenn ich mit dem Mann meiner
Nichte über Corona spreche, habe ich den Eindruck. Dieser Mensch ist nicht mehr von dieser Welt.
Sein gesamtes persönliche Umfeld beginnt sich seit Monaten immer mehr von ihm zu distanzieren.
Und seine Frau leidet sehr darunter.

20.04.2021 11:11 • x 4 #9


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Lavendula

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Ich denke es geht hauptsächlich um Toleranz.
Es ist gerade sehr schwer, Andersdenkende zu tolerieren und in meinen Augen ist es vermutlich das, was wir lernen müssen.
Nicht, mit c umzugehen, das wird irgendwann verschwinden, aber ich erinnere mich, bevor es da war, waren es die Flüchtlinge, über die gestritten wurde und nach c wird es etwas anderes sein. Toleranz, Akzeptanz und Respekt ist die Lernaufgabe.

Leider rege ich mich auch noch viel zu sehr über c auf und kann dein Verhalten nachvollziehen, auch wenn ich eher aus der anderen Ecke komme, wobei ich betonen möchte, dass ich vieles nicht nachvollziehen kann und anders gemacht hätte teilweise nicht verhältnismäßig finde und gleichzeitig würde ich nicht demonstrieren, denn die Gefahren und Überlastungen sehe ich trotzdem.

Es ist nicht schwarz und weiß,es gibt viel grau.

Es ist nur eine Überlegung, aber wurde glaube ich schon geschrieben. Hinterfrage vielleicht mal, warum du andere Denkweisen so wenig akzeptieren kannst. Wo ist dein Problem.
Denn das Problem ist nicht deine Frau.
Macht es dir Angst?

Mir macht es Angst zb.
Ich rege mich auf, weil ich will, daß alle an einem Strang ziehen, zusammen halten.
Ich kann diese extrem Spaltung nicht vertragen, desshalb gerate ich in Stress und Aufregung und versuche, andere , von denen ich aber im Umfeld direkt keine habe, zu überzeugen, was allerdings völlig sinnlose scheint.
Das ist meine Motivation dahinter.

Das ist denke ich wichtig. Was ist die Motivation dahinter.

20.04.2021 11:31 • x 2 #10


Andi_

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Vielen Dank für Eure Antworten. Ich musste das jetzt alles drei, vier fünf mal lesen und wirken lassen.
Ich denke hier ist in meiner allgemeinen Aufregung und Hilflosigkeit einiges durcheinander geraten.
Wie schon mal geschrieben, ich möchte niemanden und schon gar nicht meine Frau von einer / meiner Meinung überzeugen.

Zitat:
Es ist ihre Gesundheit, und wie sie damit umgehen möchte ist eher ihre Sache. Und wenn sie nicht gegen Windmühlen kämpfen möchte, dann ist es auch ihre Entscheidung. Vielleicht hilft dir ja die Weisheit der britischen Diplomaten "Lets agree to disagree", bedeutet, man kann sich auch einig sein indem man verschiedene Ansichten hegt.


Ich glaube, das trifft es so ziemlich. Ich bin der Don Quichote und mir ist das völlig egal, wie groß und stark die Windmühlen sind. Um es nochmal auf den Punkt zu bringen. Unsere Meinungen und Ansichten zu diesem Thema laufen in die selbe Richtung. Ich möchte meinen Unmut äußern, sie nicht, weil sie sich zu klein und alleine fühlt und sich in der Situation ergibt.
"Was soll ich machen, ich kann als einzelne Frau nichts ändern" Und da liegt mein Problem, das ich das nicht verstehe.

Zitat:
Das Blocken ihrerseits, scheint mir eine Art Selbstschutz zu sein.


Ja, das wird bestimmt so sein. Diesen Selbstschutz hätte ich auch gerne, müsste aber meine Augen verschließen,was ich aber nicht kann und auch wohl nicht möchte.




Zitat:
Was Du hier über Gerechtigkeitsempfinden schreibst, ist doch nur Deine Sichtweise. Was Du gerecht
findest, findet mancher für ungerecht. Es gibt nur selten etwas, was in der Welt nur gerecht ist.
Warum lässt etwas Deine Depression wieder aufleben, nur weil andere Menschen eine eigene Meinung entwickeln?


Das ist mir schon klar. Für den einen ist ein Messer ein Mordwerkzeug für den anderen ein Werkzeug für den Brotaufstrich.
Trotzdem bleibt es aus zwei unterschiedlichen Sichtweisen ein Messer.
Unterschiedliche Meinungen sind immer toll. Das habe ich schon mal geschrieben. Ich habe mich auf unterschiedlichen Veranstaltungen mit Menschen unterhalten, die nun mal ganz und gar nicht auf meiner Seite (Sichtweise) waren.
Zu einigen habe ich heute noch Kontakt. Es geht doch nicht darum, irgendeine Studie rauszuholen und diese als in Stein gemeißelt anzusehen. Dann kommst Du mit einer anderen Studie um die Ecke. Was ist den jetzt die Wahrheit? Das kann nur in Streit enden. Wie gesagt, darum ging es in diesen Gesprächen nie. Eher darum, was diese Krise mit uns allen macht. Und das ist auch mal gut zu hören, wie andere Menschen empfinden und damit umgehen. Zumindest tat es mir gut.


Warum ich meine Depression aufleben lasse? Gute Frage. Jedenfalls nicht, aus dem Grund, den Du anführst.
Ich glaube kaum, das ich das aufleben lassen wieder möchte. Weiss ich doch wie schlecht es mir damals ging. Ich befinde mich gerade auf dem besten Weg wieder dahin,

Ich möchte meinen Mund aufmachen. Sie nicht. Ich möchte mich später im Spiegel anschauen können, auch wenn ich nichts geändert bekomme. Ihr ist das Wurscht. Sie sagt "Ja das ist alles mies aber ich kann nichts daran ändern und muss damit jetzt und auch in Zukunft, wie auch immer sie aussehen mag, leben" Mir viel es schwer zu verstehen, warum sie ausgerechnet jetzt nicht mit mir Seite an Seite stehen will, wo wir in der Vergangenheit immer gemeinsam gehandelt haben.

Dank Euch habe ich gestern noch ein Gespräch führen können. Das Ergebnis hatte ich ja schon geschrieben.


Zitat:
Dafür brauchst Du im Grunde nur eine Voraussetzung.
Akzeptiere, dass andere Menschen eine andere Meinung vertreten dürfen, als Du.
Du bist nicht das Gesetz. Und auch nicht der Hüter über Recht und Ordnung.


Ich glaube und hoffe, das ich das dargelegt habe, das es nicht an dem ist. Eine / Meinung beruht immer darauf, beide Seiten der Medaille zu betrachten. Erst dann kann ich mir eine Meinung bilden. Vielleicht fällt es mir auch schwer, das hier schriftlich zu beschreiben. Ich bin dann doch eher ein Mann des gesprochenen Wortes. Und meine Tastatur hängt hier ständig.
Und es geht eine Menge Zeit drauf.


Zitat:
Bitte sehe es mir nach, wenn ich hier die Keule herausgeholt habe.
Vielleicht kannst Du Deine Ehe damit noch retten.
In meiner Verwandtschaft gibt einen ähnlich gelagerten Fall. Wenn ich mit dem Mann meiner
Nichte über Corona spreche, habe ich den Eindruck. Dieser Mensch ist nicht mehr von dieser Welt.
Sein gesamtes persönliche Umfeld beginnt sich seit Monaten immer mehr von ihm zu distanzieren.
Und seine Frau leidet sehr darunter.


Die Keule rauszuholen? habe ich kein Problem mit. Manchmal ist es sogar ganz gut, wieder auf den Pfad der Erkenntnis zu finden, wenn man sich im Wald verlaufen hat.


Kurz zum Mann Deiner Nichte.
Nur weil sich sein persönliches Umfeld distanziert und es alle machen, muss es nicht unbedingt richtig sein.

Ich kenne ihn und seine Argumentation nicht, von daher fällt es schwer, dazu etwas zu sagen. Ich komme aus dem medizinischen und ob Du es jetzt glaubst oder nicht, es ist nicht alles so, wie es zu sein scheint. Du kannst mir gerne auch eine PN dazu schreiben, das würde hier den Rahmen sprengen und gehört auch nicht hier hinein.

Aber wenn ich das so lese und für mich richtig einordne, passiert das gleiche, was Du anprangerst. Die Gedanken sind auch für ihn frei. Mir fehlt nur leider das Verständnis, warum sich Menschen so spalten lassen. Um ehrlich zu sein, ging es mir mit meinem besten Freund nicht viel anders. Wir haben beide unterschiedliche Sichtweisen, sprechen aber mittlerweile nicht drüber, weil jeder die Position des anderen kennt. Es hat sich aber etwas zwischen uns verändert. Das spüre ich deutlich.

Zum Abschluss hoffe ich, das jetzt wieder nicht alles durcheinander gelaufen ist. Ich fühle mich von dieser Forensoftware mit Zitat hier und Zitat da, im Moment etwas überfordert.

Aber trotzdem nochmals vielen Dank für die unterschiedlichen Ansichten. Das hat mich auf jeden Fall schon ein kleines Stückchen weiter gebracht, mal von oben draufzuschauen.

20.04.2021 18:18 • x 3 #11


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Pilsum

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Zitat von Andi_:
Kurz zum Mann Deiner Nichte.
Nur weil sich sein persönliches Umfeld distanziert und es alle machen, muss es nicht unbedingt richtig sein.

Ich kenne ihn und seine Argumentation nicht, von daher fällt es schwer, dazu etwas zu sagen. Ich komme aus dem medizinischen und ob Du es jetzt glaubst oder nicht, es ist nicht alles so, wie es zu sein scheint. Du kannst mir gerne auch eine PN dazu schreiben, das würde hier den Rahmen sprengen und gehört auch nicht hier hinein.

Der Mann meiner Nichte lässt beim Thema Corona keinerlei andere Argumente mehr zu.
Er hat auf einer Feier von mir bereits im letzten Jahr alle Gespräche so zerstört, dass sich irgendwann
die ersten Gäste bei mir verabschiedet hatten, weil sie sich das nicht mehr anhören wollten.
Für mich hat er da eine Grenze überschritten. Vermutlich werde ich ihn nicht mehr einladen.
Meiner Nichte ist sein Verhalten inzwischen sehr unangenehm.

Zitat:
Die Gedanken sind auch für ihn frei. Mir fehlt nur leider das Verständnis, warum sich Menschen so spalten lassen. Um ehrlich zu sein, ging es mir mit meinem besten Freund nicht viel anders.

Meinst Du das wirklich ehrlich? Was daran ist so schwer zu verstehen?
Menschen lassen sich nicht spalten. Sie spalten sich selbst ab, weil sie eine andere Meinung schlecht
akzeptieren wollen. In einer Gesellschaft, wo es dem Einzelnen sehr gut geht, verzichtet man teilweise
auf die Gemeinschaft mit anderen. Lieber eine eigene Meinung haben, auch wenn sie falsch ist.

21.04.2021 12:29 • x 1 #12


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Lavendula

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Oh ja, da hatte ich kürzlich auch eine große Diskussion, warum sich die Menschen von der Politik spalten lassen.
Ich sage, jeder hat Verantwortung dafür und entscheidet das und nicht die Politik.

Ich hatte es nicht so verstanden,dass deine Frau der gleichen Meinung ist.
Sorry.

Komisch, die Hälfte des Betrages fehlt...

Ich schrieb, vielleicht findet ihr gemeinsam schöne Dinge, die ihr tun könnt und jeder folgt seinem Weg was covid angeht.

So halte ich es mit einem Freund, der auch anderer Meinung ist.
Wir konzentrieren uns auf das, was uns eint, nicht was uns trennt

21.04.2021 15:11 • x 1 #13


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Ilse77

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Hallo, wenn ich hier so mitlese, und mich versuche in deine Frau einzufühlen, empfinde ich ganz schön Druck. Ich bin ein Mensch, der nicht gerne an vorderster Front unterwegs ist, sondern eher Ruhe und Zurückgezogenheit braucht. Hätte mein Mann jetzt die Erwartung, dass ich mit ihm "für was auch immer" an vorderster Front kämpfe, vielleicht gerade auch noch bei einem Thema, wo ich selbst auch die andere Seite ein Stück weit verstehen kann, wäre das nicht okay für mich. Ich möchte die Last dieser Welt nicht auf meinen Schultern tragen. Ich möchte das beste aus der jetzigen Situation machen. Ich bin kein Held und möchte auch keiner sein. Aus Sicht deiner Frau: Sie darf doch ihre Grenzen wahren, das hat ja nichts mit den Gefühlen für den Partner zu tun. Umgekehrt würde ich auch nicht erwarten, dass mein Mann mit mir auf die Straße geht. Wir sind ja keine siamesischen Zwillinge, sondern weiterhin eigenständige Personen mit eigenen Bedürfnissen. Wir sind ein Liebespaar und keine politischen Kampfgenossen. Tatsächlich wählen wir sogar unterschiedliche Parteien. Lg ilse77

21.04.2021 15:53 • x 6 #14


Träumer59

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Zitat von Andi_:
Ich komme aus dem medizinischen und ob Du es jetzt glaubst oder nicht, es ist nicht alles so, wie es zu sein scheint.

Da liegst du vermutlich sogar richtig. Es ist nicht alles wie es scheint. Es gibt viele Ungereimtheiten, auch die EU betreibt teilweise Propaganda (ganz krass beim Thema Impfstoffbeschaffung), wie fast alle anderen Länder auch. Die Intensivstationen waren zu Anfang der Pandemie 2020 deutlich voller mit Corona-Patienten als jetzt. Im Prinzip haben weder Politik noch Wissenschaft einen echten gemeinsamen Plan. Aber die Bürger haben auch keinen Plan. Manche ignorieren, manche heulen, manche kämpfen gegen was auch immer, und manche machen halt alles mit.

Egal was ist, du wirst das Ganze nicht ändern. Du kannst daran kaputt gehen, deine Ehe ruinieren, oder du kannst versuchen, damit zu leben. Es gibt keinen Widerstand wie im Krieg, da es keinen echten Gegner gibt. Die Situation ist für alle Menschen auf dem Planeten besch.... aber es wird nicht besser, wenn man dagegen rebelliert.
Lass die ganzen Ungereimtheiten liegen, lass die Hetze gewisser Gruppierungen nicht in deinen Kopf und schliess Frieden mit dir selbst, der Situation und deiner Frau. Denn alles andere bringt dich nur aus dem Gleichgewicht. Das wär so mein Rat, den ich dir geben kann.

22.04.2021 00:41 • x 4 #15


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Sifu

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NIEMAND kennt die Zukunft, nicht einmal korrupte Mächtige, wenn es denn welche gibt.

Eine alte chinesische Geschichte erzählt von einem Bauern in einem armen Dorf. Er galt als reich, denn er besaß ein Pferd, mit dem er pflügte und Lasten beförderte.

Eines Tages lief ihm sein Pferd davon. Seine Nachbarn riefen, wie schrecklich das sei, aber der Bauer meinte nur: "Vielleicht."
Ein paar Tage später kehrte das Pferd zurück und brachte zwei Wildpferde mit. Die Nachbarn freuten sich alle über sein günstiges Geschick, aber der Bauer antwortete erneut: "Vielleicht."
Am nächsten Tag versuchte der Sohn des Bauern, eines der Wildpferde zu reiten. Das Pferd warf ihn ab und er brach sich beide Beine. Die Nachbarn bekundeten ihm alle ihr Mitgefühl für dieses Missgeschick, aber vom Bauer hörten sie wieder nur ein: "Vielleicht."
In der nächsten Woche kamen Rekrutierungsoffiziere ins Dorf, um die jungen Männer zur Armee zu holen. Ein Krieg mit dem Nachbarkönigsreich bahnte sich an. Den Sohn des Bauern wollten sie nicht, weil seine Beine gebrochen waren.
Als die Nachbarn ihm sagten, was für ein Glück er hat, antwortete der Bauer: "Vielleicht."

22.04.2021 21:07 • x 2 #16


Ex-Mitglied

Ich fühle für mich zum Thema: jemanden sein lassen.. geht m. E. zumeist und recht einfach. Doch mit jemandem einen gemeinsamen Weg gehen, der für mich in den Abgrund führt und für ihn ins Paradies? Mhm . .

Nein. Nie wieder. Niemals. Nie mehr.

Ich könnte zum Beispiel meinen Partner nicht sein lassen, AfäkalienDWähler zu sein. Da könnten uns noch so viele Leidenschaften verbinden.

Sowas existentielles sehe ich hier eher nicht, also eben in meinen Augen. Aber da scheint ja jeder anders zu sein.

Ich glaub schon, dass verschiedene Corona-Ansichten ( je konträrer, je schwieriger) auch Beziehungen belasten. Aber so unähnlich habe ich das jetzt gar nicht verstanden. Vielmehr ist es der Umgang mit der eigenen Meinung das Problem, oder? Und das .. zeigt doch aber in der Tiefe sehr wohl die gleichen Werte, nicht?

Ich wünsche euch, dass ihr einen guten Umgang miteinander findet.. dahingehend. Woanders scheint das schöner Weise gar nicht benötigt zu sein.

22.04.2021 21:53 • x 1 #17

Pfeil rechts




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