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Burnout, wie dem Chef und Kollegen auf der Arbeit sagen?

Patoche
ich bin seit 10 Tagen wegen Burnout krankgeschrieben. Ich bin plötzlich in ein tiefes Loch gefallen, bin antriebslos und unvortstellbar müde, habe keine Kraft das meinen Kollegen oder meinem Chef zu erklären, obwohl wir eigentlich ein gutes verhältnis haben. Ich fürchte sie denken, ich habe ein Problem mit denen oder ich will eine Auszeit um eine andere stelle zu suchen. Ich möchte die Lage richtig stellen aber ich habe gerade die kraft nicht mit den nächsten Kollegen zu reden, ich glaube anderseits, sie haben das Recht zu erfahren dass ich länger ausfalle damit sie sich selber organisieren. das belastet mich sehr. bitte um rat.

10.04.2019 20:16 • x 2 #1


Hallo Patoche,
herzlich willkommen in diesem Forum
Es ist für dich schon erfreulich, dass du ein gutes Verhältnis zu deinen Kollegen hast!
Das ist nicht immer selbstverständlich.
Ich verstehe dich, dass du nicht gleich mit deinem Burnout bei der Firma outen möchtest.
10 Tage sind relativ frisch.
Hast du dir schon professionelle Hilfe geholt? Also käme für dich evtl. Therapie, Kur oder eine Tagesklinik in Frage?
Was meint dein Hausarzt zu deiner Situation?
Hast du gute Freunde/Familie die dir beistehen?
Wenn deine Kollegen nicht wissen sollen, was du genau hast, kannst du theoretisch auch was mit der Bandscheibe haben oder eine schwere Virusinfektion.
Du kannst es dir ja in Ruhe überlegen, inwieweit du etwas von dir preisgibst?
Aus der Ferne lässt sich das schwer sagen. Es kommt auch auf die Position und eben das Vertrauens verhältnis zu Vorgesetzten und Kollegen an.
Mein Erschöpfungssyndrom bei der Arbeit hat mein Abteilungsleiter damals mitgekriegt, meine Heulkrämpfe konnte ich nicht unterdrücken.

Ich wünsche dir einen verständnisvollen Arbeitgeber und falls es zum Outing kommt, nicht dass du einen Stempel aufgedrückt bekommst. So etwas habe ich von Betroffenen mal gehört.
Obwohl ich es persönlich als Stärke empfinde, Schwäche zu zeigen!
Aber wie gesagt, es liegt viel am Arbeitgeber wie dort mit Burnout Erkrankungen umgegangen wird.

Gibt es ein Gesundheitsmanagement in eurer Firma oder einen Betriebsrat?
Hier gibt es ja auch eine Vertrauensperson, an die dich wenden kannst.

Ich wünsche dir viel Kraft und Geduld um alles durchzustehen!

Gute Besserung für dich und alles Liebe

Herzliche Grüße

Dreamcatcher

10.04.2019 22:54 • #2


Wenn dich das sehr belastet, würde ich versuchen ehrlich zu sein zu meinen Kollegen.
Horche noch mal in dich rein, wenn es dir etwas besser geht, kannst du ein Gespräch mit deinen Vorgesetzten bzw Kollegen suchen.
Momentan bist du wichtig!
Sortiere dich erstmal.
Wie sieht es eigentlich mit Medikamenten aus?
Hat dir dein Arzt etwas verschrieben?

LG Dreamcatcher

10.04.2019 22:59 • #3


Patoche
Vieln Dank für die Antwort.
Ich nehme Mirta TAD (Mirtazapin) damit ich endlich wieder durchschlafen. Mein Hausarzt hat mich an einen psychotherapeut überwiesen. Glücklicherweise konnte ich eine therapeutin finden, die mir kurzfristig nehmen konnte. Nach einem ersten kennenlernen Gespräch werde ich nächsten Mittwoch die therapie anfangen. Momentan wissen nur gute Freunde und meine Brüder über meinem Zustand. Meine Eltern wissen noch nichts. Ich habe nur Am Anfang kurz Kontakt zu meinem chef und meinen Kollegen gehabt per Mail oder whatsapp. Offensichtlich vermuten sie schon was ich habe. Ich überlege ob ich die Kollegin in der Personalabteilung anrufe und mit ihr darüber spreche, ich würde erklären ich werde voraussichtlich länger ausfallen muss erst mal Abstand von der Firma nehmen bevor ich wieder in der Lage bin mit den Kollegen und meinem chef darüber zu reden. Was meinst Du?

11.04.2019 07:33 • x 1 #4


Das ist bestimmt gut mit der Personalabteilung Kontakt aufzunehmen. Ich gehe davon aus, dass alles in der Firma diskret und professionell gehandhabt wird.
Leider sind Burnout Fälle heutzutage keine Seltenheit mehr. Ich arbeite in einer Logistik Firma mit 500 Menschen.
Hier hört man immer wieder von neuen Krankheitsfällen
Die Burnout Prävention bei Arbeitgebern sollte mal ausgebaut werden.
Super, dass du so gut vom Hausarzt betreust wirst!
Dann drücke ich dir die Daumen für die Therapie nächste Woche

Du brauchst ja nicht allen von deiner Erkrankung zu erzählen. Gerade bei gewissen Familien Mitgliedern, ist es nicht so vorteilhaft.
Es freut mich, dass du Unterstützung im Freundeskreis hast

LG Dreamcatcher

11.04.2019 09:14 • x 1 #5


Albarracin
Hallo,

Diagnosen gehen einen Arbeitgeber nichts an. Auch wenn das Verhältnis noch so gut ist, würde ich einem AG nie eine Diagnose mitteilen.

11.04.2019 09:19 • x 3 #6


Alexandra2
Hallo Patoche,
ich sehe es wie Wolfgang, sag niemals einem Arbeitgeber eine Diagnose. Du musst davon ausgehen, daß viele nur darauf warten, zu kündigen. Und wenn Du lange im Betrieb und älter bist, steigt das Risiko, weil so Kosten eingespart werden können. Du bist abhängig vom Arbeitsplatz, der Chef ist nicht abhängig von Dir!
Es gibt sogar Fakeanrufe in Kliniken, um den Aufenthalt von Angestellten heraus zu bekommen und dann zu kündigen.
Du hast viel zu verlieren, Dein Chef nicht.
Ich wurde ohne Vorwarnung bzw. Gespräch gekündigt, nach 15 Jahren Betriebsbzugehörigkeit, als die Erwerbsminderungsrente dauerhaft bewilligt wurde. Ein Anruf in der Personalabteilung ergab folgende Äußerung "Das ist ein Selbstläufer". Geht man so mit Menschen um? Gewiss nicht und ich hatte lange an der Art und Weise zu knabbern, etwas das man in einem Burnout überhaupt nicht gebrauchen kann.
Schütze Deinen Arbeitsplatz, zu dem Du nach längerer Auszeit zurück kannst, schütze Dich vor unnötigen Belastungen.
Liebe Grüße
Alexandra

11.04.2019 09:29 • x 4 #7


Blume71
Hallo Patoche,

Willkommen im Forum.

Auf Rat meiner damaligen Therapeutin habe ich damals meinem Chef (Abteilungsleiter) gesagt, dass ich an einer Erschöpfung erkrankt bin und dass ich länger ausfalle.
Im Nachhinein war meine Offenheit sehr gut. Er und alle Kollegen haben sehr verständnisvoll reagiert. Das lag aber sicher daran, dass der Chef vor einigen Jahren selbst schwer erkrankt war und dies ihn geprägt hat.

Auch hatte ich ein Telefonat mit der Personalsachbearbeiterin, dort war es ähnlich gelagert.
Sicherlich haben meine Vorschreiber Recht, dass es keinen etwas angeht, aufgrund welcher Diagnose du krank geschrieben bist. Letztendlich ist jedoch jedes Arbeitsverhältnis anders und ich kann Dir nur so von meinen Erfahrungen berichten.


Ich bin sicher, dass Du die richtige Entscheidung treffen wirst, wenn Du auf Dein inneres Gefühl hörst und vielleicht auch Deinen Therapeuten noch mal um Rat fragst.

Alles Gute!

11.04.2019 09:54 • x 2 #8


Gebe Dir den guten Rat: Halt den Mund! Das geht weder den AG noch Deine Kollegen etwas an- und Du selbst weißt ja auch noch nicht wohin die Reise geht bzw wie lange sie dauert.

11.04.2019 11:33 • x 1 #9


Ich glaube es ist echt schwierig, das Richtige zu sagen oder eben nix zu sagen.
Mit der Offenheit bzgl deines Burnout hänge ich so dazwischen.

Meine Arbeitskollegin mit schwerer Depression hatte sich unwillkürlich auch geoutet. Sie ist 49 Jahre alt und feiert 30 jähriges Jubiläum.
Nach ca. 8 Wochen Krankschreibung und späterer Reha kam sie zurück und arbeitet wieder.
Mich hat es positiv überrascht, dass seitens der Geschäftsleitung verständnisvoll reagiert wurde.
Sie wurde nicht gekündigt.
100% Sicherheit und Garantie gibt
es nicht:-(
Aber positiv geht auch

Ich denke, ich würde auf mein Bauchgefühl hören.
Also Patoche, gehe noch mal in dich und frage auch noch mal deine guten Freunde.
Kennen die deinen Arbeitgeber?

Im Zweifelsfall weniger von sich Preis geben

LG Dreamcatcher

11.04.2019 17:00 • x 2 #10


Hallo
Meine Erfahrung:
Bin offen damit umgegangen. 20 Jahre nun.
Hatte keine Wahl denn war 1 Jahr Arbeitsunfähigkeit und hatte Leitungsaufgaben. Zudem dauerhafte Einschränkungen.
Trotzdem schwierige Frage. Kann auch sein wie Wolfgang sagt.

Und Kollegenverhältnis kann sich ändern, das Arbeitsleben ist lang.

toi toi toi

col

13.04.2019 15:22 • x 2 #11


Jedi
Hallo Patoche !

meine meinung dazu wäre, "offen damit umgehen" !
Zitat von col:
Bin offen damit umgegangen

so habe ich es auch gemacht !

meine begründung für mich war, ich wollte keine halbe wahrheit.
war für mich auch der anfang, zu mir zustehen !
mein TP sagte mir immer unterstützend, "Sie sind nicht ihre Depression".
auch wollte ich der möglichen gefahr entgegnen, dass es villt. auf umwegen, die ich nicht kontrollieren kann, dann doch die volle wahrheit herauskommen könnte.
oft können es ganz dumme zufälle sein u. es kommt etwas ans licht, von dem was man nicht wollte.
villt. kennt es der ein oder andere von euch sogar.
diese situation wollte ich vermeiden, denn spießrutenlauf, da hätte ich nicht gewusst, wie damit umzugehen wäre.

natürlich kann dieses outen ein risiko darstellen u. das sollte man für sich selbst gut abwägen.
aber kommt soetwas auf umwegen heraus oder meine nicht mehr volle leistungsfähigkeit wird offensichtlich, dann kann es erleichternd sein, mit offenen karten gespielt zu haben.
einfluss hat sicherlich auch, in welcher branche man arbeitet, wie ist das verhältnis zum chef, zu den kollegen u. gar die größe des betriebes.

ich kann hier auch keinen allgemeingültigen rat geben !
ich kann nur von meiner eigenen gemachten erfahrung schreiben.
Ja, es wurde am anfang einwenig darüber geredet, aber weil ich offen damit umgegangen war, waren die unqualifizierten äußerungen einiger menschen, recht schnell verstummt.

LG Jedi

13.04.2019 15:54 • x 5 #12


Eis
Nach so kurzer Dauer der Arbeitsunfähigkeit würde ich noch nichts sagen. Ich persönlich habe meinem direkten Vorgesetzten nach einigen Wochen erst von meinem "Burnout" (Depression konnte ich am Anfang nicht mal mir selbst gegenüber eingestehen) erzählt. Ich habe es nie bereut, auch wenn es eine Zeit lang gedauert hat, bis mein Chef meine Probleme nachvollziehen konnte. Nach ca. einem dreiviertel Jahr habe ich es auf einer Weihnachtsfeier, zu der ich eingeladen wurde, auch dem nächsthöheren Vorgesetzten erzählt. Ich bin damit sehr offen umgegangen, wusste aber immer, dass mein direkter Vorgesetzter die Info nicht weitertratscht. Meine Firma hat sich hier vorbildlich verhalten und mich unterstützt, wo es ging. Ich habe dann 3 Monate Wiedereingliederung angefangen , aber nach 3 Monaten Arbeit dann leider nochmal einen Rückfall und war wieder 3 Monate Arbeitsunfähigkeit.
Also ich kann nur von meinen positiven Erfahrungen berichten, ohne meine Offenheit hätte mich die Firma auch nicht so unterstützen können wie es notwendig war, damit ich den Schritt ins Berufslaben schaffe. Aber ich stimme auch meinen Vorrednern zu, überleg es dir genau wie Deine Firma und dein Vorgesetzter tickt, und höre auf dein Bauchgefühl

16.04.2019 23:03 • x 4 #13


Patoche
vielen Dank an alle für die Antworten. Ich habe eine Lösung gefunden und mich meiner Kollegin aus der Personalabteilung anvertraut und sie war sehr verständnisvoll und hilfsbereit. hat mir viel Mut gemacht und Unterstützung von der Firma zugesagt. Ein paar befreundete Kollegen habe ich auch eingeweiht. Ich bereue es nicht. fühle mich besser. Habe mittlerweile von den Kollegen eine schöne Karte mit Genesungswünschen und lieben Worten erhalten.

23.04.2019 17:59 • x 5 #14


Eis
Hallo Patoche
Ich hab mich auch viel besser gefühlt, wenn ich offen mit meiner Depression umgegangen bin. Es ist eine Krankheit wie jede andere auch, nur mit dem Problem, dass man es nicht sieht. Wenn man es nicht erklärt, was für Probleme man hat, dann kann man auch keine Unterstützung bekommen.
Es freut mich für Dich, dass Du eine Lösung gefunden hast.
Alles Gute
Eis

23.04.2019 18:15 • x 3 #15




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