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Burnout und BEM-Gespräch

Hallo,
ich bin seit 04.04. diesen Jahres im Burnout. An diesem Tag bin ich auf der Arbeit zusammengebrochen und seitdem nicht mehr dort gewesen. Ich halte mässigen Kontakt mit der Firma. Nun habe ich vor einer Woche meine Einwilligung zum Betrieblichen Wiedereingliederungsmanagement (BEM) gegeben. Als ich den Brief abgeschickt hatte, beschlich so eine unbändige Angst, wie ich sie sonst nur aus schlimmen Situationen kenne.
Dabei hatte ich die letzten 4 Monate großes Glück. Meine Hausärztin erkannte sofort, was Sache war und schickte mich zum Psychiater und Therapeuten. Eine Reha-Maßnahme habe ich dann nach 6 Wochen angestoßen und es liegt bereits die Genehmigung vor. Der Termin dauert aber noch 2 Monate. Solange werde ich noch Arbeitsunfähigkeit sein. Das ist jetzt alles Neuland für mich. Ich habe ständig Angst, etwas falsch zu machen. So auch beim BEM. Vor dem Burnout war ich eine starke Person, die immer alles gemeistert hat. Daran würde ich auch heute gerne wieder glauben. Aber so fühle ich mich nicht.
Ich würde mich gerne zum BEM mit euch austauschen? Wer hat Erfahrungen? Mir persönlich fällt es schwer in das Gespräch zu gehen, weil ich anders als in früheren Krankheiten, keinen Gips, keine Krücke oder ähnliches vorzuweisen habe. Also Krankheiten, mit denen jeder schon mal zu tun hatte. Das Burnout fühlt sich für mich schlimm an. Weil man es von außen nicht sieht, aber ich spüre es. Seele in Gips oder Kopfverstaucht. Wir reden auf der Arbeit offen über Krankheiten. Ich bin seit 20 Jahren dort im gleichen Bereich. Aber das Burnout zuzugeben, fällt mir schwer.
Die Fa. war in den letzten Monaten sehr nett zu mir. U.a. habe ich eine Gehaltserhöhung bekommen, sowie Blumen und Genesungsgeschenk von den direkten Kollegen. Ich bekomme aber Herzrasen, sobald irgendwas mit der Firma ist.
Wie kann ich also ruhigen Gewissens in das BEM gehen? Ist es okay dem Arbeitgeber zu sagen, dass ich zwar eingewilligt habe, aber gerne noch bis nach der Reha warten möchte (um stabiler zu sein)? Oder ist das feige/falsch?
Viele Grüße Nalawe

31.07.2019 08:33 • #1


Friederle
Hallo Nalawe,
schön das du bereits in professioneller Behandlung bist. An deiner Stelle würde ich deine Ängste und Befürchtungen mit deinem Psychiater besprechen. Du bräuchtest sowieso eine Krankmeldung und dazu deinen Arzt. Ich denke, dass Ärzte da immer ein offenes Ohr haben wenn jemand wie du noch in einer akuten Phase bist. Ich würde mir versuchen die Zeit zu nehmen die du brauchst um wieder komplett auf die Beine zu kommen. Eine psychische Erkrankung ist halt keine Erkältung oder Beinbruch wo die vollständige Genesung absehbar ist.

31.07.2019 11:10 • x 1 #2


Eis
Hallo Nalawe

Ich selbst hatte kein BEM, aber ich habe mich darauf vorbereitet, weil ich erwartet hatte zu einem BEM eingeladen zu werden. Ich hatte wie Du ein BO, hab mich um eine Reha gekümmert. Bei mir war die Wartezeit zur Reha auch lang, da hat die Krankenkasse das forciert und ich hatte dann den Termin bereits 4 Monate früher. Der Krankenkasse war auch klar, dass ich solange Arbeitsunfähigkeit bin, bis die Reha kommt. Also falls du nicht so lange warten willst frag mal bei deiner Krankenkasse nach, ob sie da was machen können. Aber das nur so am Rande.

Habt ihr einen Betriebsrat in der Firma? Dann könntest du dich mit dem mal austauschen bzgl. BEM, der ist bei dem Gespräch soweit ich weiß dabei. Ob automatisch, oder ob du es sagen musst das weiß ich jetzt nicht, da wir leider keinen Betriebsrat in der Firma haben. Aber in der Einladung zum BEM stehen die teilnehmenden Personen normalerweise mit drauf. Wenn du eine Schwerbehinderung hast oder Gleichgestellt bist kannst du auch jemandem vom Integrationsamt und den Schwerbehindertenvertreter aus eurer Firma (wenn es einen gibt) mitnehmen.

So wie Du die Reaktion aus deiner Firma schilderst klingt das gut, da glaube ich brauchst du dir keine Sorgen machen. Das war bei mir ähnlich und ich habe erst nach 9 Monaten Arbeitsunfähigkeit mit Wiedereingliederung angefangen. Es geht ja auch darum, was gemacht werden kann, damit du wieder arbeiten kannst. Besprich das Thema auch mit deinem Psychotherapeuten, was du sagen kannst oder besser nicht sagst.

Eine gewisse psychische Stabilität solltest du allerdings schon haben bei dem Gespräch, denn du musst in gewisser Weise ja auch um deine notwendigen Veränderungen kämpfen. Wie das juristisch mit einer Verschiebung ist weiß ich nicht, da ist aber @Albarracin fit.

LG Eis

31.07.2019 16:48 • x 1 #3




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