✔ Bereits empfohlene Antwort
Hallo liebe Mitglieder,
ich bin neu in dem Forum und habe mich hier angemeldet, um mich mit anderen betroffenen austauschen zu können.
Ich bin glaube ich jetzt an dem Punkt angekommen wo mir klar wurde, ich kann nicht mehr.
Kurz zu meiner Geschichte und ich versuche sie kurz zu halten. Ich bin 41 Jahre alt und immer eine starke Person gewesen. Habe mich immer wieder aufgerafft, auch wenn andere gesagt haben, wie schaffst du das bloß damit umzugehen. Stress war eigentlich auch nie ein Problem, mit dem ich nicht umgehen konnte. Ich war trotzdem immer eine positive und gutgelaunte Person.
2019 fing es dann so langsam an in mir zu bröckeln. In dem Jahr sind viele nicht so schöne Dinge auf einmal passiert. Trennung vom Partner nach fast 10 Jahren ohne das ich es geahnt habe, das Unternehmen in dem ich gearbeitet habe hat Insolvenz angemeldet und dann wurde ich dazu auch noch krank mit OP und anschließender Reha.
Anfang 2020 habe ich dann in der neu gegründeten alten Firma wieder angefangen und es war schrecklich. Es hat sich dort nichts verändert, der stress wurde noch mehr und alles was besprochen wurde, wurde nicht eingehalten. Zu dieser Zeit ging es mir schon nicht gut. Ich fühlte mich ausgelaugt, hatte starke Schlafprobleme, hatte nicht mehr das Gefühl mich zu erholen, saß teilweise auf dem Sofa und habe angefangen zu weinen und hatte einfach keinen Antrieb mehr. Wollte nicht mehr raus, freunde nicht sehen und hören. Irgendwie habe ich es zu dem Zeitpunkt noch geschafft aus dem Loch rauszukommen und mir zu sagen, ich weiß was ich ändern muss, ich muss meinen Arbeitgeber wechseln.
Habe dann eine Bewerbung abgeschickt, Gespräch gehabt und wurde genommen. Ich hatte ein gutes Gefühl. Habe dort im September 2020 angefangen. Zum Anfang war auch alles gut, ich kam langsam aus meinem Loch wieder raus, konnte wieder schlafen und hatte wieder Lebensfreude. Als ich dann aber so langsam gemerkt habe, wie es dort abgeht und wie meine Bürochefin drauf ist, kippte es in mir erneut. Es ist zu viel zu tun für die Anzahl der Mitarbeiter im Büro, sodass ich ständig teilweise von morgens bis abends im Büro sitze und das auch an den Wochenenden. Mein Problem ist, dass ich auch nicht nein sagen kann. Aber das aller schlimmste ist das Betriebsklima. Wir sitzen zu dritt im Büro und meine Bürochefin hat jeden Tag die schlechteste Laune die man sich nur vorstellen kann. Diese lässt sie auch an einem aus. Ständig wird man angemacht in einer Art und Weise die man sich nicht vorstellen kann, man hat Angst fragen zu stellen und Unterhaltung findet im Büro komplett keine statt. Wenn man einen Fehler macht, lässt sie einen so heftig spüren, dass man am liebsten in Erdboden versinken würde und denkt, wie unfähig bist du eigentlich.
So wie ich es mitbekommen habe, gibt es viele Vorgängerinnen, die alle nicht mehr da sind. Jetzt weiß ich auch warum. Meine Kollegin die kurz nach mir angefangen hat, empfindet dies genauso und wird morgen ihre Kündigung einreichen, da sie einen Partner zuhause hat der sie finanziell auffängt. Das kann ich mir leider nicht erlauben. Und schon sind wir noch mehr unterbesetzt. Der Gedanke stresst mich auch gerade so dermaßen. Die Chefs bekommen auch mit wie sie drauf ist und teilweise mit uns redet, nehmen dies aber so hin. Darum bringt reden dort auch nichts und sie wird sich auch nicht ändern. Und ich glaube das sie eine Person ist, die ein Gespräch um ihre Person nicht gut aufnehmen würde.
Ich weiß, dass ich dort meine Zukunft nicht sehe und lieber heute als morgen dort weg möchte. Mir fehlt dann aber auch wieder die Kraft mich hinzusetzen und nach neuen Jobs Ausschau zu halten.
Das mache ich jetzt schon einige Zeit mit und nun ist der Punkt erreicht, an dem ich nicht mehr weiter weiß und einfach am Ende meiner Kräfte bin. Ich kann abends nicht einschlafen, werde in jeder Nacht mindestens alle 2 Stunden wach, habe Alpträume, Herzrasen, teilweise Atemnot, Schwindel, innerlich bin ich so unruhig und nervös, teilweise spüre ich eine Aggressivität in mir, sitze gerade vor diesen Zeilen und mir kommen die Tränen. Dies passiert mir ständig und auch im Büro, wo ich mich dann ganz schnell auf Toilette verziehe. Ich habe fast 8 Kilo abgenommen, obwohl ich "normal" esse und bei meiner sowieso schon schlanken Figur bestehe ich gefühlt gerade nur noch aus Haut und Knochen. Wenn ich mal frei habe am Wochenende, liege ich einfach nur im Bett, habe alle schotten dicht und möchte nichts hören und sehen.
Das schlimme ist, ich weiß und merke, dass ich das so nicht mehr lange mitmache und zusammenklappen werde. Alle sagen mir, gehe zum Arzt, ich schaffe es aber trotzdem nicht mir zu sagen, gehe wirklich zum Arzt, lass dich da erstmal rausziehen und komme erstmal wieder etwas runter. Da kommt sofort die Peinlichkeit in mir auf zu versagen und auch das schlechte Gewissen des Arbeitgebers gegenüber und die Angst meinen Job zu verlieren, denn das wäre ein finanzielles Desaster.
Sorry, jetzt sind es doch ein paar mehr Zeilen als geplant geworden.
Wie habt ihr den Sprung geschafft, nachdem ihr Euch eingestanden habt das ihr Hilfe braucht und diese dann auch wirklich aufzusuchen? Ich weiß das ich Hilfe brauche und kurz davor bin zusammenzubrechen und trotzdem sträubt sich alles in mir zum Arzt zu gehen. Warum ist das so und wie kann ich diese innerliche Zerrissenheit überwinden? Wie habt ihr das geschafft?
Ich freue mich schon auf einen Erfahrungsaustausch.
Viele liebe Sonntagsgrüße
Jessica