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Burnout oder Angststörung?

Hallo,

ich versuche zur Zeit herauszufinden, was mit mir los ist. Ich habe demnächst auch Termin bei Psychologin und Neurologe, wollte die Wartezeit aber dazu nutzen, mich selbst schon etwas schlauer zu machen. Bin jetzt die 3. Woche krank geschrieben.

Vielleicht kurz zu meiner Vorgeschichte:

Ich bin 40 und war schon immer ein ängstlicher Mensch. In den 20ern und frühen 30ern hatte ich öfter Panikattacken in sozialen Situation (Konzerte, Restaurant, Flugzeug), hab mich aber trotzdem immer wieder in die Situationen begeben und konnte einigermaßen normal leben. Leider nie so entspannt wie viele andere Menschen, aber trotzdem auch mit Freude. Bin seit 19 Jahren berufstätig im Büro, davon waren 2 Jahre schrecklich (cholerischer kontrollwütiger Chef, konnte zum Glück intern wechseln), die letzten 4 Jahre ging es leider wieder bergab, dazu später mehr.

Mit Mitte 30 brach in meinem Leben einiges zusammen, mein geliebter Papa starb, mein jetzt EX-Mann war 0 für mich da sondern nur noch am flirten mit anderen Frauen, in Online chats aktiv usw. Dann wurde meine Mama noch schwer krank, ich hab mich viel um sie gekümmert und versorge sie heute noch mit Alltagsdingen (Arztbesuche, Einkaufen usw.). Den Hund musste ich auch noch einschläfern lassen. Von meinem Mann habe ich mich dann getrennt, nach der Trennung hat er mich bedroht, bin lange nur mit Pfefferspray aus dem Haus, hab Selbstverteidungskurs gemacht usw. Habe seit 4 Jahren einen lieben Freund, bin beziehungstechnisch sehr glücklich. Nach der Scheidung war ich 5 Wochen in psychosomatischer Reha (Anpassungsstörung) und machte bereits davor eine Therapie wg. der Ängste, die gut anschlug.

In den letzten 12 Monaten gab es leider noch zwei schwere Krankheitsfälle in der Familie mit 1 tödlichen Ausgang (derjenige war in meinem Alter). Und die Lage auf der Arbeit hat sich deutlich verschlechtert, mein jetziger Chef lügt, manipuliert, intrigiert, die Kollegen schieben nur noch Frust, mein Bürokollege kriegt regelmäßig cholerische Ausraster (nicht wegen mir, wegen Chef), keiner hat mehr Lust. Meine Aufgaben wurden vom Chef so aufgebaut, dass ich jetzt viel Verantwortung habe und viel präsentieren muss (was ich nicht gerne mache, hab jedesmal Schlafstörungen davor). Druck von oben gibt er direkt weiter. In unserem Bereich sind schon 2 Kollegen mit Burnout ausgefallen und 1 Kollege ist an Tinnitus erkrankt. Ich selbst habe zur Zeit keine Vertretung, bin ich krank, bleibt es liegen und ich muss es nacharbeiten. Ab November soll ich eine Vertretung bekommen. Ich arbeite 80%, da ich mich ja auch zusammen mit meinem Freund noch um meine Mama kümmere (was ich gern mache, sie ist ein lieber, dankbarer Mensch, leider aber auch sehr ängstlich). Das Arbeitsvolumen, sprich die Menge selbst, ist nicht das Problem. Da komme ich gut klar.

Vor einigen Monaten ging es mit körperlichen Beschwerden los, zunächst nur der Nacken. Physio half nur kurzzeitig. Nachts üble Alpträume (vom EX oder vom Chef), Nachtschweiß, Aufschrecken mit dem Gefühl, mein Kopf explodiert. Dadurch dann Angst, die sich aber schnell legte. Dann kam plötzlich Schwindel, zuerst auf der Arbeit, dann beim Einkaufen oder spazieren gehen. Termin beim HNO, alles ok. Und dann kam plötzlich immer wieder so ein Druck im Kopf und Kribbeln in den Fingern beider Hände. Unruhe. Weinkrämpfe ein Wochenende lang. Schlafstörungen (frühes Erwachen, grübeln, nicht mehr zur Ruhe kommen). Keine Energie mehr für größere Aktionen. Vor über einer Woche wurde es so schlimm, dass ich abends eine massive Panikattacke bekam, als der Druck im Kopf wieder kam. Zu diesem Zeitpunkt war ich wg. Schwindel schon 1 Woche krank geschrieben. Der Hausarzt kam und gab mir eine Beruhigungsspritze, Atemübungen und alles was ich vorher versuchte nutzten nichts, ich kam von dieser Panik nicht runter. Die Spritze half nur 1 Stunde, dann tigerte ich wieder durch die Wohnung, die ganze Nacht. Vor lauter Anspannung musste ich mich übergeben. Am nächsten Tag beim Hausarzt bekam ich angstlösende Medikamente, damit kam ich endlich zur Ruhe. Jetzt kommt die Unruhe nur noch ab und zu deutlich schwächer, ich kann wieder Entspannungsübungen machen. Der Druck im Kopf kommt allerdings immer mal wieder, anscheinend wenn ich zu viel denke oder zu viel mache. Dann leg ich mich hin und atme tief, davon wird es besser.
Das Schreiben dieser Zeilen macht mich auch unruhig und wieder Druck im Kopf.

Bin noch 1 Woche krank geschrieben bis zum Neurologen Termin.

Was mir keine Ruhe lässt: Was war die Henne, was das Ei? Bin ich überlastet und dadurch wieder Panik, oder hab ich mich vor lauter Angst selbst in diese Überlastung gebracht? Ist das in erster Linie eine Angststörung oder bin ich tatsächlich ausgebrannt? Der pflichtbewusste Teil von mir würde am liebsten wieder auf die Arbeit gehen, der andere Teil sagt, nein, auf keinen Fall, am besten dort gar nicht mehr. Davon dann wieder Zukunftsangst. eine üble Spirale, in der ich gerade stecke.

Danke fürs Lesen und ganz liebe Grüße

Ilse77

14.06.2019 10:47 • x 1 #1


ZeroOne
Hi Ilse77!

Schön, dass du ins Forum gefunden hast und von dir berichtest. Da hast du zur Zeit ja auch ein ganz schönes Päckchen - oder besser Paket - zu tragen!

Zitat von Ilse77:
Was mir keine Ruhe lässt: Was war die Henne, was das Ei?


Ich weiß nicht, ob es überhaupt so sinnvoll und zielführend ist, sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Über die Definition von Burn-Out wird schon seit Ewigkeiten diskutiert und ob bzw. wie er in ICD erfasst werden soll. So ist z.B. eine Meinung, dass man nicht von Burn-Out sprechen kann, wenn durch einen Auslöser - z.B. im Berufsleben - eine psychische Erkrankung / Störung (ggf. erneut) ausbricht, für die bereits eine Prädisposition vorhanden war. Es gibt aber auch diverse, andere Auffassungen.

Ich denke, wichtig ist, dass es dir aktuell schlecht geht und dir viele vergangene und auch aktuelle Ereignisse, Erinnerungen und Emotionen das Leben schwer machen. Daher finde ich super, dass du bereits weitere Facharzttermine vereinbart hast. Hier am Ball zu bleiben lohnt sich auf jeden Fall, da häufig nicht mit einer Krankschreibung über 1-2 Wochen und ein wenig Psychopharmaka getan ist, wenn sich eine Gefühlswelt über längere Zeit derart aufbaut.
Du schreibst ja, dass du mit Therapien bereits Erfahrung hast. Bei vielen bringt eine kognitive Verhaltenstherapie oft schon innerhalb kurzer Zeit spürbare Erleichterung. Wenn danach noch Bedarf besteht und man tiefer ans "Eingemachte" will, dann kann man über eine mittelfristige tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie oder langfristige Psychoanalytik nachdenken.

Ich wünsche dir Alles Gute und hoffe, dass du dich im Forum wohl fühlst!

LG
ZeroOne

14.06.2019 11:32 • x 2 #2


Vielen lieben Dank für Dein herzliches Willkommen.

Das schwerste ist im Moment für mich wohl, das Nichtfunktionieren zuzulassen. Nach der Reha hab ich mich so stark gefühlt und dachte, ich komme nicht mehr so weit runter. Ich hatte eigentlich auch gelernt, mich abzugrenzen.
Und Peng, jetzt bin ich wieder da.
Die Therapeutin zahl ich selbst, war jetzt erstmal der schnellste Weg.
Damals die Verhaltenstherapie wegen der Angst ging über die Kasse.

Zufrieden bin ich mit meinem jetzt-nur-noch-Zahlen-Job von den Aufgaben her nicht.
Ich bin auch kein Business-Typ, der Karriere machen will.
Ich soll den Kollegen ständig Druck machen, das liegt mir nicht, ich bin lieber freundlich und hilfsbereich.
Es ist ein Leben gegen meine Werte zur Zeit. Vermutlich spielt das auch eine Rolle.

Ich habe eine zeitlang Assistenz mitgemacht, das fand ich schöner. Dann wurde leider umstrukturiert.
Vielleicht find ich irgendwann den Weg in diese Richtung. Aber jetzt muss ich erstmal akzeptieren lernen, was gesundheitlich Sache ist. Ich will schon wieder zuviel auf einmal. Geduld mit mir selbst ist nicht meine Stärke.mit anderen hab ich eine Engelsgeduld.

Ich hoffe, der Neurologe erkennt meine Situation und schickt mich nicht gleich wieder zurück ins Büro.

LG

14.06.2019 11:52 • #3


PaulaBaumann
Hallo liebe Ilse,

ich wünsche Dir alles, alles Liebe. Der Neurologe kann Dich so nicht ins Büro schicken. Die Ungeduldigkeit kennen im Forum viele ich auch.


Ein schönes Wochenende und liebe Grüße Paula

14.06.2019 17:35 • x 1 #4


Eis
Hallo Ilse
Ich hatte jetzt grade Zeit, mir deine Geschichte durchzulesen. Da ist bei dir ja sowohl privat als auch beruflich ein ganz schönes Päckchen für dich. Daß dich der Neurologe nicht krankschreibt kann ich mir nicht vorstellen, da brauchst du keine Angst haben. Zur Not nochmal zum Hausarzt wegen einer Verlängerung gehen und einen Termin bei einem anderen Arzt vereinbaren. Aber ich gehe nicht davon aus, dass das nötig wird. Mich hat mein Hausarzt etwa 6 Wochen krankgeschrieben bis ich den Termin beim Facharzt hatte.
Das mit dem Job hört sich nicht gut an, vielleicht solltest du mal zu einem späteren Zeitpunkt an einen Wechsel denken. Im Moment solltest du aber keine Entscheidung treffen, solange du krank bist. Ich wollte am Anfang am liebsten alles hinschmeißen, aber eine Juristin, die ich gut kenne, meinte gleich: " du triffst jetzt KEINE Entscheidung solange du krank bist", und das war ein guter Rat, ich hab nämlich an meiner alten Arbeitsstelle wieder angefangen und habe richtig tolle Unterstützung vom AG und meinen Vorgesetzten erfahren.

Alles Gute
Eis

15.06.2019 20:35 • x 2 #5


Danke liebe EIS, ja, ich habe auch entschieden, da noch nichts zu entscheiden. Auch wenn es mir in den Fingern juckt, alles hinzuschmeissen. Aber die Angst vor der Ungewissheit hält mich davon ab. Vielleicht ist ja auch ein interner Wechsel machbar. Liebe Grüße

15.06.2019 20:39 • x 1 #6


Hallo ihr Lieben,

ich muss mich nochmal melden.
Hab heute Nacht kein Auge zu getan. Ist das typisch? Mein Schlaf ist so wichtig, ohne Schlaf bin ich total neben der Spur.
Ich bekomme seit 10 Tagen Opipram 50 mg morgens und abends, hat 8 Tage gut funktioniert, vorletzte Nacht dann nur 4 Stunden Schlaf, letzte Nacht gar nicht. Einschlafen konnte ich nicht, weil der Druck im Kopf dann wieder kommt und ich gar nicht weiß, wie ich mich legen soll. Wobei es gar kein richtiger Schmerz ist. Druck und dann Angst einzuschlafen.weil? Ich sterben könnte? Heute morgen ist auch die Unruhe wieder da.
Kann der weibl. Zyklus das ganze verschlimmern? Den ersten Zusammenbruch hatte ich zur Eisprung-Zeit, jetzt bin ich kurz vor der Regel.
Das nicht Schlafen können macht mich fertig, hab immer so 8 Stunden geschlafen.
Bin jetzt auch nicht müde, nur unruhig und vorhin hatte ich ein richtiges Stimmungstief.herrje.
Denkt ihr, ich kann die Opipram abends etwas erhöhen? Mein Hausarzt hat da nicht so viel Ahnung. Neurologe erst am 24.6.
Oder sollte ich die Schlaflosigkeit versuchen zu akzeptieren in der jetzigen Lage? Bin ich reif für die Psychiatrie?
Tausend Gedanken im Kopf.

Liebe Grüße
Ilse77

16.06.2019 07:09 • x 2 #7


ZeroOne
Hi Ilse77!

Zitat:
Oder sollte ich die Schlaflosigkeit versuchen zu akzeptieren in der jetzigen Lage?


Akzeptanz ist erstmal immer besser, als mit Medikamenten zu arbeiten. An Schlafmittel (auch Off-Labels) gewöhnt man sich psychisch leider sehr schnell, auch wenn sie physisch nicht abhängig machen. Aber Kopf hoch: so lange ist es ja nicht mehr bis zu deinem Termin!

Zitat:
Bin ich reif für die Psychiatrie?


Psychiatrie ist gar nicht schlimm - nur das, was sich die Leute darunter vorstellen und daraus machen.

LG
ZeroOne

16.06.2019 07:26 • x 3 #8


Ich danke Dir ZeroOne. Ich kann gar nicht ausdrücken wie sehr mir eure Antworten in der momentanen Lage helfen. Psychiatrie hab ich an sich nicht negativ gemeint, die Frage ging eher tatsächlich in die Richtung, wann weiß man, das geht jetzt nicht mehr von daheim aus? Vielleicht weiß man es einfach. Meine Cousine war schon dort wg. Depression mit Selbstmordgedanken. So ist es bei mir zum Glück nicht, und ich hoffe, so kommt es auch nicht.

16.06.2019 07:40 • x 1 #9


Eis
Guten Morgen Ilse,

Die Antidepressiva einfach ohne Absprache erhöhen würde ich nicht empfehlen, den Termin kannst du abwarten. Auch ich hab immer wieder mal eine Nacht, wo ich sehr wenig schlafe, das ist halt so. Akzeptiere es und lies in der Zeit oder schreib ein paar positive Gedanken auf. Wir haben in der Reha einen Zettel zur Schlafhygiene bekommen, daran hab ich mich gehalten (damals war ich nachts viel wach, v.a. nach Einstellung auf Bupropion) , es war auf jeden Fall besser. Ich schick ihn dir mal, vielleicht kannst du das eine oder andere umsetzen.
Dass der Kopfdruck nachts so schlimm ist, dass du nicht liegen kannst, das kenne ich nicht, obwohl ich sehr lange und deutlichen Kopfdruck hatte. Sag das bitte dem Neurologen so. Er soll das untersuchen.

LG Eis

16.06.2019 07:58 • x 2 #10


Liebe Eis,

ich werde es ihm sagen. Wobei ich nicht sicher bin, ob der Druck wirklich so stark ist oder ich mich so darauf fixiere, dass er mir viel mächtiger vorkommt. Hinzu kommt Angst, dass ich aufhöre zu atme, wenn ich einschlafe. Ich bin sehr auf dieses Kopfdruck-Thema fixiert momentan.

Liebe Grüße
Ilse77

16.06.2019 08:11 • #11


PS: Wenn ich lese, merke ich den Druck im Kopf z.B. nicht mehr.das gibt mir Hoffnung, dass es nicht organisches ist.LG

16.06.2019 08:37 • #12


Hallo ihr Lieben, es geht auf und ab. Auf einen relativ guten Tag folgt ein Tief. Die Kopfschmerzen kommen tagsüber ein bis zweimal am Tag, meist wenn ich mich übernommen habe. Dann auch wieder Panik, weinen, Gefühlstief. Abends im Bett ist es besser durch ein anderes Kissen. Die morgentliche Dosis Opipramol musste ich etwas reduzieren, mein eh schon tiefer Blutdruck wurde noch tiefer, mir wurde dauernd schwarz vor Augen. Psychologin sagt Burnout, ich denke dazu Probleme mit HWS. Autofahren geht kaum wg. Beklemmungen. Das nimmt mich mit. Hier auf dem Kaff schwierig ohne Auto. Glg ilse77

22.06.2019 05:01 • x 1 #13


Hallo zusammen,

ich wollte mal meine Fortschritte und Stillstände beschreiben und habe auch noch die ein oder andere Frage.

Mein Termin beim Neurologen Ende Juni war eher ernüchternd. Es gab nur ein paar Untersuchungen in Richtung "Folgen Sie meinem Finger mit dem Blick", einen Hinweis auf Nackenverspannungen als Ursache für den Druck im Kopf und dass ich bei ihm nicht richtig bin, sondern zum Psychiater gehen sollte. 5 min. und ich war raus aus der Praxis. Termin für EEG im September. Zum Glück hat mich mein Hausarzt weiter krank geschrieben. Dann hatte ich nochmals Glück und kam über den Psychiater einer Bekannten relativ kurzfristig zu einem Vorgespräch in einer psychosomatischen Tagesklinik in der Nähe, ich wurde aufgenommen, im August geht es los. Mir wäre lieber, nächste Woche schon, andererseits brauche ich derzeit noch viel Ruhe und gerade die Gruppentherapie wäre jetzt vielleicht zu früh.

Da ich derzeit nicht absehen kann, ob ich danach wieder arbeiten kann, brauche ich anschließend einen niedergelassenen Psychiater zwecks weiterer Therapie und Krankschreibung? Wie sind eure Erfahrungen? Ich habe eine Psychologin, die ich selbst zahle, aber diese schreibt ja nicht krank. Momentan geht es mir etwas besser, ich fahre wieder Auto (Mit Autosuggestion habe ich die Ängste gut abstellen können), aber bei der Vorstellung zurück an den alten Arbeitsplatz zu gehen wird mir schlecht. Ich kann derzeit zwar wieder längeren Gesprächen folgen, muss mich danach aber hinlegen, weil es mich doch noch erschöpft. Auf einen Tag, wo ich recht aktiv bin mit Haushalt, spazieren, Unterhaltungen folgt ein Tag Müdigkeit.

Mein Chef hat einige Zeit ziemlich Druck gemacht und wollte genau wissen, wie lange ich ausfalle (und durch die Blume auch, was ich eigentlich habe). In Rücksprache mit Betriebsrat und Sozialberatung weiß er nur, mindestens noch so und so viele Wochen. Was ich habe, weiß er nicht, nur 2 Kollegen denen ich vertrauen kann. An sich hätte ich es ihm auch sagen können, da ich zum einen eh nicht zurück will, zum anderen ja irgendwann der Stempel der Tagesklinik auf der Krankmeldung steht. Aber ich wollte nicht, es ist kein Vertrauen da. Die Sozialberatung sagte mir auch, zurück auf diese Stelle würde sie nicht empfehlen. Intern wechseln sei derzeit aber leider auch schwierig. Das ist meine größte Sorge derzeit, wie wird es beruflich und finanziell weitergehen. Es fällt mir sehr schwer, die Gedanken daran loszulassen für den Moment. Gestern habe ich sogar eine Bewerbung getippt, dabei weiß ich, das ist viel zu früh. Ich würde am liebsten Schritt 4 gehen, dabei bin ich mit Schritt 1 noch nicht fertig.

Beim Orthopäden war ich auch noch, tatsächlich ist meine HWS nicht ganz in Ordnung, was zusätzlich Verspannungen auslöst. In der Tagesklinik gibt es Physiotherapie, hier war auf die Schnelle kein Termin zu bekommen. Der Verdauung spinnt und ich hatte 2 Tage Ausschlag. Der Körper ist durcheinander, aber die innere Unruhe hat merklich nachgelassen. Dank vieler Entspannungsübungen mit Autosuggestion.

Nachdem ich einige Nächte sehr, sehr gut geschlafen hab, ist es derzeit wieder schwieriger, aber ich nehme das so hin und schlafe auch wieder ein und fühle mich morgens auch ganz gut. Die Medikamente nehme ich in Absprache mit dem Arzt seit einigen Wochen nur noch abends, sie haben meinen Blutdruck zu stark gesenkt, mir wurde ständig schwarz vor Augen.

Wie seid ihr mit den Zukunfts- und Existenzängsten umgegangen? Wer in größeren Unternehmen tätig war, ist es euch gelungen, intern anderweitig eingesetzt zu werden? Hat der Arbeitgeber nicht auch die Verantwortung, mir eine andere Tätigkeit zu vermitteln? Wenn der Job/Chef ein Auslöser war für die Erkankung (sicher spielt auch die Vorgeschichte und eigene Veranlagung eine Rolle, aber die Arbeit definitiv auch) Musstet ihr euch selbst um den Wechsel kümmern? Von Seiten der Sozialberatung klang es so, dass ich selbst mich bewerben kann, wenn es mir besser geht. Auch wenn es für diese Gedanken zu früh ist, wäre es doch schön, Erfahrungen von anderen zu hören.

Herzliche Grüße
ilse77

12.07.2019 10:01 • x 1 #14


Eis
Hallo Ilse

Das mit dem Chef war richtig, du brauchst ihm deine Diagnose nicht zu sagen, nur eben wie lange es voraussichtlich dauert. Und da kannst du vage bleiben. Momentan bist du krank geschrieben bis, danach sehen wir weiter. Wenn die Krankmeldung nur noch ein paar Tage sind, kann man auch sagen, wird vermutlich nochmal verlängert. Du weißt es ja tatsächlich nicht wie lange es dauert.

Das mit den Bewerbungen halte dir im Hinterkopf, aber solange du einem Vorstellungsgespräch nicht folgen kannst macht das gar keinen Sinn. Du kannst ja für dich persönlich die Entscheidung treffen, woanders neu anzufangen, aber bitte kündige auf keinen Fall, bevor du GANZ gesund bist. Falls du eine Wiedereingliederung brauchst geht das schlecht bei einem neuen AG, und ich brauchte 3 Monate WE. Gib dir einfach die Zeit um gesund zu werden und wenn es sein muss, dann arbeitest du halt noch ein paar Wochen bei deinem alten AG bis du was neues hast. Mit der entsprechenden Einstellung bekommst du das hin. Aber das hat alles noch Zeit, du musst JETZT noch keine Entscheidung treffen.
Ich bin bei meinem alten AG geblieben, obwohl ich anfangs auf keinen Fall mehr zurück wollte. Die Entscheidung war für mich richtig.

Bzgl. Deiner Kopfschmerzen finde ich die Untersuchung beim Neurologen sehr enttäuschend. Wenigstens ein MRT hätte er mal anordnen können. Sprich doch mal mit Deinem Hausarzt über diese Möglichkeit. Evtl. wäre noch eine Option der Neurochirurg. Da war ich aufgrund Missempfindungen im Bereich Kopf/Arme. Da war eine Neuroforamenstenise im HWS -Bereich festgestellt worden und der Hausarzt hat mich dann dort hingeschickt. Da habe ich problemlos Physiotherapie verordnet bekommen und hab das damit in den Griff bekommen. Hattest du noch gar keine Physiotherapie? Würde ich auf jeden Fall empfehlen, evtl. auch Osteopathie.

Du brauchst nach der Klinik auf jeden Fall einen Psychiater für die weitere Krankschreibung. Kümmere dich am besten gleich darum.

Dass es einen Tag gut ist und am anderen dafür wieder schlecht, das ist normal. Oft büßt man gute Tage, an denen man zuviel macht gleich wieder mit schlechten Tagen ein. Pausenmanagment ist hier wichtig. Und was heißt zuviel? Ein Korb Wäsche bügeln ist schon zuviel, ein kompliziertes Essen kochen ist zuviel, ein größerer Einkauf ist zuviel, ein längeres Gespräch oder Telefonat ist zuviel. Also alles Dinge, die man früher so nebenher gemacht hat sind schon zuviel. Also immer auf den Körper hören und viiiiele Pausen machen. Zum Bad putzen habe ich manchmal 2 Tage gebraucht weil so viele Pausen nötig waren.

Gib auf dich acht und kümmere dich erst mal um DICH. Die Arbeit ist JETZT noch nicht so wichtig, auch wenn ich weiß, dass man lieber schon 2,3 Schritte weiter wäre.

Bzgl. der Gruppentherapie brauchst du dich nicht sorgen. Das war für mich anfangs auch sehr schwer. Aus der ersten Sitzung bin ich nach 5 min raus, danach habe ich es etwas länger ausgehalten. Aber du kannst jederzeit gehen, wenn es dir zuviel wird. Ich habe dadurch übrigens rausgefunden, dass mein Kopfdruck deutlich ansteigt, wenn ich mich über erwas/jemanden geärgert habe und musste dann lernen, meinen Mund aufzumachen und zu sagen wenn mich etwas gestört hat. Also so in der Art, "es stört mich, dass wir vom Thema abschweifen" oder "es stört mich, dass ihr hier in der Gruppe ein Zweiergespräch führt" usw. Dann ist es auch besser geworden für mich. War ne harte Übung, aber die Psychologin hat mich da ins kalte Wasser geworfen, mich nicht unterstützt und mich meinen eigenen Kampf kämpfen lassen, um mir dann aber in der Einzelstunde zu sagen wie stolz sie auf mich ist. Also lass dich einfach auf die Gruppentherapie ein, vielleicht kommt doch was interessantes dabei raus. ( Ich bin/war übrigens nicht der total verschüchterte Typ, der nie was gesagt hat, sondern EIGENTLICH eher direkt und offen, darum hat mich das auch seeehr überrascht.

Alles Gute für die Therapie

LG Eis

12.07.2019 11:04 • x 1 #15





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