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Burnout Erfahrungsberichte

Sophia1904

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Wie war es bei euch mit dem Burnout. Wie fing es bei euch an und was habt ihr alles verändert um wieder gesund zu werden. Bzw.wird man wieder richtig gesund?

30.11.2020 21:30 • x 2 #1


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Anchiwa4964

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Liebe @Sophia1904 ,
ich hatte zwei Burnout-Phasen. Ich war sicherlich schon länger sehr angeschlagen, aber habe es entweder nicht richtig registriert oder mich mich zusammengerissen. Der Beruf war stressig, kein Tag war gleich und mit den Gedanken musste ich jeden Moment bei der Sache und bei den Kindern sein. Mittags merkte ich, wie erschöpft ich war, wobei ich meine, die chronisch-körperliche Erkrankung war der Auslöser für den Burnout.
Aus heiterem Himmel stand ich morgens vor der Klasse und merkte, ich KANN nicht mehr. Nur dieses Gefühl, nicht mehr zu können. Wie ein Endpunkt, obwohl gar nichts Schlimmes vorgefallen war. Es war wohl die Summe aller kleinen nebenbei erledigten und registrierten Dinge, die den Dampfkessel haben hochgehen lassen. Den Kindern sagte ich, dass ich gleich wiederkäme und bin schnellstens aus dem Zimmer raus, gab der Kollegin Bescheid, dass sie die verunsicherten Schüler ein bisschen beaufsichtigen solle und im Lehrerzimmer bin ich dann weinend zusammengebrochen. Der Chef hat mich damals nach Hause gefahren. Krank geschrieben wurde ich sofort. Nachdem ich wusste, dass ich erst einmal nichts mehr leisten musste, haben mich eine Reihe von Infektionen noch matter gemacht.
Ich merkte aber nach einiger Zeit, dass ich mich erholen konnte und wollte unbedingt wieder in die Arbeit zurück. Das ging ein weiteres Jahr gut, bis mich der nächste Burnout ereilte und an Arbeit nicht mehr zu denken war. Nun bin ich seit 2 Jahren im Ruhestand wegen Dienstunfähigkeit, hätte aber sowieso mein Rentenalter bald erreicht.
Wie geht es dir momentan?
Viele Grüße von Mayke

01.12.2020 13:54 • x 1 #2



Hallo Sophia1904,

Burnout Erfahrungsberichte

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Sophia1904

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Danke für deine lieben Kommentar. Bei mir ging es wirklich komisch los. Ich habe einen 12 jährigen Sohn und hatte gerade versucht mein Abitur nachzuholen. Ausbildung habe ich mit Kind gemacht. Was sehr anstrengend war. Irgendwann merkte ich im Unterricht einen dicken Lymphknoten auf einer Seite. Und ich war unglaublich erschöpft. Hatte zusätzlich Extrem Schlafstörung. Bin zu unglaublich vielen Ärzten. Alles war bestens laut Blutwerte und andere Untersuchungen. Vor paar Jahren wurde schon Bluthochdruck festgestellt und ein Morbus Basedow. Keins davon habe ich jetzt mehr. Alles vermutlich psychosomatisch gewesen laut Ärztin in der Tagesklinik.

Meine Hausärztin hat dann nach sehr vielen Untersuchungen und Gesprächen raus gefunden dass ich Ein Burnout habe. Sie Hat mich sofort krank geschrieben
Insgesamt war ich 1.5 Jahre zuhause. Habe dann Eine berufliche Reha gemacht und bin dann Schwanger geworden. Meine Tochter ist jetzt 6 Monate.
Merke jetzt aber immer wieder wie schnell ich erschöpft Und überfordert bin
Habe Angst wieder in eine Zweite Phase zu rutschen. Es ist schwer daraus zu kommen falls man überhaupt jemals wieder gesund wird.
Hast du Medikamente bekommen.

01.12.2020 14:24 • #3


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LeLion

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Wenn mich jemand noch vor einem halben Jahr gefragt hätte, wie ich in einen Burnout und seine weiteren Folgen gerutscht bin hätte ich wohl mit dem Standard geantwortet :" Die viele Arbeit und der dadurch bedingte Stress, dann noch die weitere Arbeit zuhause (hab mir damals nen Haus gekauft und saniert/renoviert) sowie die weiteren Spannungen im sozialen Umfeld durch die Mehrbelastung der Umstände haben mich einfach ausgebrannt".

Auch wenn das alles natürlich verstärker waren, die diese Situation begünstigt haben, so is mir doch heute (endlich) bewusst ich selbst war und bin das Problem warum es dazu kam und nicht "die anderen".
Der Stress ist nicht das schlimme, es gibt genug Leute die arbeiten bis zur Erschöpfung aber diese haben keinen Burnout, also kann es nicht per se der Stress alleine sein.

Es ist der Umgang mit allem im Leben, als Perfektionist, Engagierter und Leistungsbereiter Mensch (Liste kann entsprechend erweitert werden) war mir alles nie genug, obwohl es das eigentlich war, aber nicht für mich.
Es fehlte mir an nichts, auch hat kein Dritter diesen Druck aufgebaut, eigentlich wäre alles mehr als in Ordnung gewesen, wenn ich mir nicht selbst diesen Druck gemacht hätte.

Und was hab ich dann gemacht als das Kind schon in den Brunnen gefallen war?
Nachdem ich erstmal einige viele Wochen nur letargisch im Bett lag, einen Arzt nach dem anderen abgeklappert habe und organisch anscheinend alles gut war und ich zumindest aus dem ganz tiefen Loch wieder raus war musste ich wieder meine rationale Seite um Rat fragen.
Zwar ging es mir immer noch richtig bescheiden somatoforme Störungen soweit das Auge reicht, sicher auch ne Depression dabei und Angststörung, doch es hilft ja nichts entweder alles verlieren oder kämpfen und da war die Antwort natürlich klar, kämpfen!
Kann ja nur besser werden dachte ich mir.
Also entsprechend therapeutische Hilfe gesucht (was ja schon kampf genug ist da mal jemanden zu finden der noch Kontingent hat), derweil viel viel gelesen rund um das Thema Burnout und mit Sport (nennen wir es mal Krankengymnastik) zuhause angefangen. Wichtig war auch soziale Kontakte wieder zu reaktivieren, die natürlich in den letzten Jahren stark gelitten hatten.
Nach und nach wurde es immer etwas besser, wir reden hier von ganz kleinen Schritten die sich zeitlich über Monate hingezogen haben.

Auch heute bin ich noch nicht da wo ich vor dem Burnout war, genau da möchte ich auch gar nicht wieder hin, denn das hat mich ja kaputt gemacht.
Ich hab verstanden das ich vieles ändern muss(te), weg von dem innerlichen Zwang der mir immer sagte du musst noch dies und das machen ansonsten bist du nichts Wert hinzu nen s c h e i s s muss ich, ich muss Dinge tun die mir Spaß machen und damit Kraft geben.

Diese neu gewonne Sicht auf die Dinge ist schön auch wenn Sie noch etwas befremdlich ist, aber endlich konnte ich dadurch das Hamsterrad verlassen und endlich wieder die kleinen Dinge im Leben genießen die solange gar nicht mehr da waren.

02.12.2020 11:22 • x 2 #4


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Psychosomatisch

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Das zu lesen ist mega schön. Du bist auf dem Weg. Sehr gut.

02.12.2020 11:34 • #5


Sophia1904

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Danke für deinen Beitrag @lelion.
Ich suche gerade vergebens einen Therapieplatz.

Aus dem Hamsterrad aussteigen ist schwer. Die Gesellschaft zwingt ein soviel auf. Du musst perfekte Mutter, Hausfrau und auch perfekt im Job sein. Wenn man nicht arbeitet auf Grund von Gesundheitlichen Problemen dann wird man verurteilt.

Mein Selbstwertgefühl ist ziemlich am Boden falls ich überhaupt je eins hatte. Ich brauch ständig Anerkennung von anderen. Ich kann es mir nicht selbst geben. Zum Beispiel was ich gerade alles meister zuhause mit zwei Kindern.

Mein Partner erwartet auch garnicht dass ich soviel mache. Aber ich erwarte es von mir selbst.
Hier sieht es oft aus wie Bombe und wenn mein Freund heim kommt. Dann räumt er auf und man merkt manchmal dass er genervt ist.

Oder dann hab ich dass gefühl zumindest spinne ich mir das im kopf zusammen. Dass alle anderen denken. Hä was hat die bloß die ist doch zuhause in Elternzeit und hat den ganzen Tag Zeit.
Meine Freundin meinte dass wird keiner denken aber ich habe den Gedanken im Kopf.

Ich habe auch zu meinem Freund gesagt ich müsste egoistischer werden und da meinte er. In einer Beziehung muss man aber auch Rücksicht auf den anderen nehmen.
Er ist ein so Hilfsbereiter Mensch und steckt für andere extrem zurück. Ob dass so gesund ist auf Dauer. Keine Ahnung.

Ich will aktuell mit meditieren anfangen aber eigentlich ist sowas überhaupt nichts für mich. Hat damit jemand Erfahrung.

02.12.2020 12:07 • #6


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LeLion

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Das Problem hatte und naja eigentlich habe ich es ja immer noch, so schnell verlernt sich das Jahre lange "falsch denken" nicht.

Immer diesen Zwang nach dem Motto was sollen denn die Nachbarn denken, ich muss noch dies und muss noch das sonst erhalte ich keine Anerkennung.
Alles *beep*!
Einfach ganz normal den Pflichten nach gehen und wenn was liegen bleibt dann ist es so, aber es wird niemals so sein das irgendjemand sagen würde: "puh das sieht hier aus wie bei dem Messis".
Auch dazu kann ich ein Buch empfehlen "Warum Burnout NICHT vom Job kommt"
Es beleuchtet sehr schön das Gesellschaftliche Rollenbild Mann Frau und welche Ansprüche die Gesellschaft daran hat, in welcher Abhängigkeit wir zueinander stehen und warum besonders wir Burnout geplagten große Probleme aufgrund unsere Charaktereigenschaften damit haben.

Natürlich muss man in einer Beziehung Rücksicht aufeinander nehmen, umso mehr wenn man noch Kinder hat.
Aber das ist doch mit unser Problem, wenn mal Rücksicht gefragt ist in Form von etwas bleibt heute mal liegen, dann können wir das nicht, wir machen es auch noch obwohl wir weder Zeit noch die Energie dafür haben.
Und da haben wir wieder eins unserer Probleme.

Meditation mach ich mittlerweile auch seit längerem oft nur kurze Einheiten 10 Minuten manchmal auch 20 Min.
Am Anfang dachte ich mir auch nur was ein Quatsch aber nach so circa einem Monat musste ich feststellen wie entspannt das sein kann.
Für mich ist nur wichtig es muss dabei wirklich ruhig sein und nichts und niemand darf mich dabei stören.
Diese kurzen Einheiten sind dann richtig angenehm, eine Oase der Entspannung.

02.12.2020 12:49 • x 1 #7


Sophia1904

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Nutzt du eine App zur Meditation? Wenn ja welche. Dass Buch kenne ich, hab dass vor langer Zeit mal gelesen.
Es ist aber so in unseren Köpfen die ganzen Sprüche.
Zum Bespiel fällt mir einer ein. Erst die Arbeit dann das Vergnügen....usw.
Man greift sich doch an Kopf.
Mir wachsen selbst die ganzen Pflichten oft über den Kopf.
Das bisschen Haushalt macht sich leider nicht allein...wie das in einem schönen Lied vorkommt.
Sich dem ganzen Gesellschaftlichen sch. zu widersetzen ist hart. Vorallem bin ich ja immer die kranke. Die anderen sind normal.

02.12.2020 13:38 • #8


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LeLion

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Ja, ich nutze 7Mind allerdings in der kostenpflichtigen Version da ich das Angebot sonst etwas spärlich finde.

Fas kenn ich auch so, ich bin auch in einem Haushalt groß geworden wo es hieß erst die Arbeit dann das Vergnügen und das habe ich dann auch so gelebt.
Aber das ist nicht das eigentliche Problem, gut und gerne zu arbeiten, Arbeit soll ja auch Spaß machen.
Das Problem ist wenn man nie und zwar nie nie nie den "Ausschalter" findet.
Egal ob als Arbeitnehmer oder Hausfrau/Mutter man muss nach z.B. den berühmten 8 Stunden auch mal sagen heute ist Feierabend. Das es natürlich immer Phasen gibt die auch mal mehr Arbeitszeit mit sich bringen ist klar.
Auch lässt man damit nicht einfach alles stehen und liegen.
Man brauch einen Ausgleich um Kraft zu tanken und das Nervensystem zu beruhigen damit die Balance erhalten bleibt und diese Balance haben wir verloren.

Das wir jetzt natürlich krank sind das ist so ja, aber wie stellst du dir vor gesund zu werden wenn du nicht aktiv mitarbeitest?

02.12.2020 14:00 • x 1 #9


Sophia1904

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Die App benutze ich auch. Bin erst am Anfang und überlege ob es sinnvoll ist sie zu kaufen.
Aber bei dir klingt es so als ob du gute Erfahrungen machst. Ich habe heute die Kassenärztliche Vereinigung angerufen und eine nette Frau. Ich warte auf ein Erstgespräch um eine Einschätzung zu bekommen, die ich bei allen Therapeuten mit anfüge. Somit ist ein Platz auf Verhaltstherapie besser. Hat sich gut angefühlt, als es heute nicht so frustrierend klang.

03.12.2020 16:02 • #10


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LeLion

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Bei der kannst du für 75Euro das Paket Achtsamkeit kaufen, dadurch hast du dann auch Zugriff auf den kompletten Inhalt für ein Jahr.
Das gute, dieser Kurs wird von vielen Krankenkassen übernommen, natürlich musst du erst einmal in Vorkasse treten.
Am besten mal prüfen ob auch deine Kasse das übernehmen würde, dann kannste erstmal fleißig mit dem Meditieren loslegen.

Wichtig ist ja beim PTV12 Schreiben, das die das Feld mit der Dringlichkeit ankreuzen, dann könnten deine Chancen steigen.
Ich drück dir die Daumen, das suchen macht ja alles andere als Spaß.

04.12.2020 10:33 • #11


Robbe

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Hallo Sophia1904,
wie geht es dir heute, hoffe etwas besser als vor 3 Wochen?
Liebe Grüße, Robbe

18.12.2020 15:45 • #12


Sophia1904

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Herzlichen Dank für die Nachfrage @robbe.
Ich habe aktuell meine Medikamente abgesetzt und ohne geht es mir besser. Hab vor einer Woche erfahren dass wir unser drittes Kind bekommen. Es kommt einiges auf uns zu. Gerade dann braucht man Hilfe und jemand der Burnout hatte kann es nach wie vor nicht gut.

18.12.2020 16:24 • #13


Robbe

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Liebe Sophia1904,
dann darf ich euch gratulieren zu eurem Nachwuchs !
Versuch trotz allem auf dich auf zu passen, ich weiss das ist nicht so leicht aber es ist wichtig.
Eigentlich sollte man die Medikamente trotz Besserung erst einmal weiter nehmen um einen Rückfall zu vermeiden, aber das hast du sicherlich mit deinem Arzt abgesprochen.
Sei ganz herzlich gegrüßt, Robbe

18.12.2020 18:30 • x 1 #14



Hallo Sophia1904,

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laluna74

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Zitat von LeLion:
Man brauch einen Ausgleich um Kraft zu tanken und das Nervensystem zu beruhigen damit die Balance erhalten bleibt und diese Balance haben wir verloren.


Zitat von LeLion:
Meditation mach ich mittlerweile auch seit längerem oft nur kurze Einheiten 10 Minuten manchmal auch 20 Min.


Beides möchte ich unterschreiben. Ich meditiere seit mehr als sechs Jahren täglich mindestens 20 Minuten. Es hilft mir sehr wieder in die Kraft zu kommen. Dauerhafte Überlastung lässt sich so zumindest schneller wieder ausgleichen.

Resilienz wird dadurch definitv gefördert.

18.12.2020 18:39 • x 1 #15

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