17

Beantragung befristeter Teilzeit

Anima

Anima

1536
31
56
Ich habe leider nichts finden können, zumal bei mir erhaltene Aussagen und nachgelesene Gesetzestexte irgendwie nicht überein stimmen.

Ich habe die Mitteilung bekommen vom BR, dass ich z. B. mit einem Attest jederzeit befristet Teilzeit beantragen kann, quasi so lange ich will.

Lese ich im Teilzeit- und Befristungsgesetz nach, da hat mittlerweile jeder (oder fast jeder) einen Anspruch auf Teilzeit, mind. 1 Jahr, max. 5 Jahre. Danach muss man wieder mind. 1 Jahr arbeiten, bevor man erneut Teilzeit beantragt.

Bei mir fällt gerade viel ins Gewicht:
1. Pflegende Angehörige
2. Burnout gefährdet (oder besser, mitten drin, aber an eine längere Auszeit ist nicht zu denken momentan)

Ich bin gleichgestellt und nicht schwer behindert.

Wo kann ich mich beraten lassen oder kann mir jemand hier weiter helfen?

19.05.2020 22:44 • x 1 #1


Avatar

mrsrobot

207
5
260
So wie ich das bis jetzt verstanden habe, kannst Du auch ohne Attest Teilzeit beantragen, am Besten als Vorschlag mit Stundenanzahl und Verteilung.
Zitat:
Lese ich im Teilzeit- und Befristungsgesetz nach, da hat mittlerweile jeder (oder fast jeder) einen Anspruch auf Teilzeit, mind. 1 Jahr, max. 5 Jahre. Danach muss man wieder mind. 1 Jahr arbeiten, bevor man erneut Teilzeit beantragt.


Meinem gefährlichen Halbwissen nach gibt es noch Randfaktoren, wie Zumutbarkeit der Anzahl der Teilzeitangestellten in Bezug auf die Größe des Unternehmens.

Hmm, ich zäume das Pferd mal von hinten auf, Du kannst alles mögliche beantragen, ob Dein Arbeitgeber dem zustimmt, ist eine andere Frage. Was hat der BR denn dazu gesagt?

20.05.2020 10:03 • x 1 #2


Avatar

Dani82a

773
656
Guten Morgen zusammen,

ich hab damals mit dem AG gesprochen und wir haben gemeinsam einen befristeten Teilzeitvertrag vereinbart.

Hab mir vorher 2 Stundenmodelle zurecht gelegt und denen vorgeschlagen (4 Tage die Woche oder 5).
Die Stundenzahl kannst du auch vorschlagen.

Natürlich immer im Auge behalten, dass 4 Arbeitstage pro Woche deinen Urlaubsanspruch im Ganzen mindern.
Dann hast du nur noch anteilig von deinen zb 30 Tagen im Jahr Urlaub übrig.

Auch das Brutto/Netto muss für dich ausreichen.
Auch dann, wenn du im Krankenstand sein solltest, mit Krankengeld : diese 70% vom Gehalt sollten für deine Lebenshaltungskosten reichen.

LG

20.05.2020 10:27 • x 2 #3


Avatar

mrsrobot

207
5
260
Das mit der Teilzeit und dem Krankengeld ist ein wichtiger Punkt, den habe ich z.B. selbst nie beachtet bei meinen Überlegungen zur Teilzeit. Danke.

20.05.2020 10:57 • x 1 #4


Avatar

Albarracin

1317
24
461
Hallo,

bist Du schwerbehindert oder gleichgestellt, ist das TzBfG nicht die einschlägige Gesetzesgrundlage, sondern § 164 Abs. 5 Satz 3 SGB IX
https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_...__164.html
der bei Vorliegen der Voraussetzungen einen einklagbaren Rechtsanspruch auf Teilzeit begründet - und zwar ohne Befristung oder Rücksichtnahme auf "betriebliche Belange".
Und nach Auffassung der Fachkommentierung gibt es bei dieser Vorschrift auch einen logischen "Umkehrschluss", der bei Verbesserung der behinderungsbedingten Einschränkungen auch einen Rechtsanspruch auf Erhöhung bis hin zur Vollzeit.

20.05.2020 11:57 • x 4 #5


Anima

Anima

1536
31
56
Ich sehe derzeit keine andere Möglichkeit. Natürlich könnte ich irgendwann für länger ausfallen, aber damit ist niemandem geholfen. Im Grunde will ich auch in keine Klinik mehr, ich weiß, was ich brauche: Zeit.

@Albarracin , vielen Dank für Deine kompetente Antwort.

Ich überlege nun, wie ich es angehe. Auf jeden Fall mit dem Vorgesetzten sprechen, der nächste Woche nur kurz Zeit hat (hoffe ich). Der Antrag sollte schriftlich formuliert sein mit Nennung der Stundenanzahl, welche Tage. Habe ich das richtig verstanden, dass ich "unbegrenzt" Teilzeit nehmen kann und wieder Vollzeit, wenn es mir besser geht? Benötige ich dazu kein Attest vom Arzt o. Ä.?

Dass ich weniger verdiene und auch umgerechnet weniger Urlaub habe, weniger in die Rentenkasse fließt, das ist mir bewusst.
Wenn ich aber jetzt nichts unternehme, werde ich das Rentenalter vielleicht niemals erreichen.
Ich bin so sehr erschöpft, dass ich für mich fast nichts brauche außer Lebensmitteln und eben Telefon, Strom, etc.
Mein Körper randaliert, es muss etwas passieren. Außerdem vergesse ich gerade ständig etwas, kann mir kaum noch etwas merken. Irgendwann wird das zwangsläufig zu Fehlern im Beruf führen (Leichtsinnsfehler entdecke ich derzeit noch selbst).

Ob richtig oder falsch - ich werde einen Verschlechterungsantrag bzgl. GdB stellen. Selbst wenn er abgelehnt wird oder nur befristet wird, ich habe es versucht.

20.05.2020 22:33 • x 1 #6


Avatar

Dani82a

773
656
"Habe ich das richtig verstanden, dass ich "unbegrenzt" Teilzeit nehmen kann und wieder Vollzeit, wenn es mir besser geht?"

Mein AG und ich hatten einen Passus in den Betrag eingebaut: Teilzeit unbegrenzt und bei Bedarf Einstieg in Vollzeit nach Absprache.

Ein Attest war nicht notwendig.

21.05.2020 10:20 • x 1 #7


Avatar

Albarracin

1317
24
461
Hallo,

Zitat:


Das kommt darauf an, aufgrund welcher Vorschrift Du vorgehen willst. TzBfG oder SGB IX ?

21.05.2020 11:48 • x 2 #8


Anima

Anima

1536
31
56
Zitat von Albarracin:
Das kommt darauf an, aufgrund welcher Vorschrift Du vorgehen willst. TzBfG oder SGB IX ?


Da es mir wirklich gesundheitlich schlecht geht, ich schon wieder erkältet bin mit Gliederschmerzen, werde ich wohl SGB nehmen. Nach TzBfG brauche ich keinen Grund denke ich.
Ich merke, dass mir selbst das Verstehen von Texten schwer fällt. Danke für die Erklärung.

Ich weiß eben nicht, wie lange ich brauche, um wieder zu mir zu finden.

21.05.2020 12:15 • #9


Avatar

Albarracin

1317
24
461
Hallo,

wenn Du auf der Grundlage des SGB IX Teilzeit beantragen willst, muß es mit einer Deiner vom Versorgungsamt anerkannten Behinderungen zusammenhängen.
Die Notwendigkeit muß von einem behandelnden Arzt bescheinigt bzw. empfohlen werden und sollte nicht dem AG bzw. dem Personalbereich vorgelegt werden, sondern dem betriebsärztlichen Dienst. Der AG kann die Empfehlung von seinem betriebsärztlichen Dienst überprüfen lassen, deswegen sollte die Empfehlung etwas mehr als 2-3 hingerotzte Sätze enthalten.
Bei dieser Empfehlung können quasi in einem Aufwasch auch noch Empfehlungen im Sinne des § 164 Abs. 4 SGB IX zu Arbeitsumfeld etc. mit berücksichtigt werden.

Dieses Verfahren ist zwar am Anfang etwas aufwendiger, dafür entfallen aber bei diesem Vorgehen die Ankündigungs- und Umsetzungsfristen des TzBfG (was viele AG nicht wissen bzw. wahrhaben wollen). Ist der TZ-Wunsch berechtigt, muß ihn der AG so schnell wie möglich umsetzen. Das ist dann auch ggfs. einklagbar
Voraussetzung für die Geltendmachung ist natürlich, daß dem AG die Tatsache der Schwerbehinderung bzw. Gleichstellung bekannt ist.

22.05.2020 08:40 • x 2 #10


Anima

Anima

1536
31
56
@albarricin

die Gleichstellung ist bekannt. In der Bestätigung "GdB 30 %" steht die "rezidivierende Depression". Da ich seit Februar diesen Jahres gegen Selbstverletzungen kämpfe und auch immer wieder krank geschrieben war, wird mein Hausarzt mich unterstützen.
Aufgrund von Corona habe ich bis heute keinen Therapeuten gefunden.Ich lebe auf dem Land. Die Empfehlung meines Hausarztes war schon, nicht nur für einmalig über die Kassenärztliche Vereinigung, sondern länger eine(n) zu suchen. Zumeist bin ich so fertig nach Arbeit und Kümmern um die Eltern, dass ich dafür keine Kraft mehr hatte. Die nächste Zeit schon gar nicht, da ich 2 Kollegen vertreten muss.

Gibt es irgendwo Muster, was in einer solchen Empfehlung stehen sollte?
Betriebsärztlicher Dienst - ist das der Betriebsarzt? Sollte ich zu diesem Kontakt aufnehmen?

Mein BR-Vorsitzender meinte, ich solle einfach schriftlich was einreichen, das ginge in Ordnung. Aber ich halte mich lieber an die Vorschriften, die wirklich erforderlich sind. 3 Monate aushalten, das schaffe ich nicht, die Grenze ist erreicht.
Unsere Schwerbehindertenvertretung ist da etwas überfordert, das habe ich vor 3 Jahren schon gemerkt.

Danke für so viel Unterstützung, bekomme hier mehr Unterstützung als im "realen" Leben.

22.05.2020 12:56 • x 1 #11


Anima

Anima

1536
31
56
Ich war gerade auf der Seite des Betriebsarztes. Der nimmt im Grunde nur Privatpatienten. Ich weiß gar nicht, wie ich mit dem in Verbindung treten soll. Das muss dann ja über meinen Arbeitgeber erfolgen - schon hinsichtlich der Abrechnung.

Okay - ich sehe schon. Keine Teilzeit, ich blicke es einfach nicht, das übersteigt derzeit meinen Horizont.

23.05.2020 11:05 • #12


Avatar

Dani82a

773
656
Liebe Anima,

die Anspannung pocht am Anschlag, momentan.
Das ist nicht verwunderlich.

Ruf doch mal bei dem Betriebsarzt an und erkundige dich, was das kostet (sofern Privat), wie dieses Prozedere überhaupt vonstatten geht. Er wird dir bestimmt Auskunft geben können.

Teilzeit ist auf jeden Fall drin.

Bitte gib nicht auf.

23.05.2020 11:30 • #13


Avatar

Albarracin

1317
24
461
Hallo Anima,

Mach' Dich nicht verrückt. Was der Betriebsarzt auf seiner Webseite schreibt, ist völlig irrelevant. Die Untersuchung bzw. Begutachtung muß Dein AG bezahlen.
Das ist unabhängig davon, ob der AG einen eigenen Betriebsarzt hat oder sich eines freien Anbieters bedient.

Wenn Du das Attest von Deinem behandelnden Arzt hast, ruf' bei dem Arzt an und verlange eine Untersuchung.

23.05.2020 22:14 • x 1 #14


Anima

Anima

1536
31
56
*Selbstmitleidmodus*

24.05.2020 20:49 • #15


Avatar

Albarracin

1317
24
461
Hallo,

so langsam solltest Du mal aus Deinem "Ausreden"-Modus 'rauskommen und für Dich selbst Prioritäten setzen - auch zeitlich.

Du hast jetzt einiges an Handlungsmöglichkeiten an die Hand bekommen. Das fällt aber nicht vom Himmel. Es ist an Dir, jetzt auch mal was konkret umzusetzen.

24.05.2020 20:56 • #16


Anima

Anima

1536
31
56
Sorry, bin gerade nicht ich selbst.

24.05.2020 20:57 • #17

Pfeil rechts