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Schleierkraut
Mitglied
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Guten Abend!
Ich bin neu hier im Forum und das ist mein erster Beitrag, daher ist das alles für mich ganz neu und etwas ungewohnt, meine Situation so „aufs Papier“ zu bringen.
Kurz zu mir, ich bin 28 Jahre alt, weiblich und leide schon seit meiner frühen Pubertät immer wieder unter depressiven Episoden.
Im vergangenen Jahr wurde bei mir ADHS des gemischten Typs diagnostiziert. Seither nehme ich täglich 75mg Venlafaxin und 40mg Lisdexamfetamin ein.
Vor nun gut zwei Wochen (vorletzten Sonntag Abend) kam es zu einem für mich sehr traumatisierenden Ereignis.
Ich war mit meinem Bruder und dem Ehemann einer guten Freundin unterwegs zu einer etwa 1,25h entfernten Motorradwerkstatt. Mein Bruder hat vor einigen Wochen seinen Motorradführerschein bestanden und hat sich am Freitag vor dem Unglück ein Motorrad gekauft, das so stark motorisiert war, dass er es selbst noch nicht fahren durfte und es zum Drosseln in eine Werkstatt gebracht werden musste.
Sofort kam mir der Ehemann einer guten Freundin in den Sinn, der schon seit vielen Jahren leidenschaftlich Motorrad fährt und so habe ich ihn um den Gefallen gebeten, uns zu helfen und das Motorrad zu fahren.
Mein Bruder und ich fuhren mit dem Auto voraus und er folge uns, da seine Motorrad-Handyhalterung an dem Motorrad meines Bruders leider nicht zu befestigen war und wir ihm so den Weg gezeigt haben. Anschließend wollten wir dann zu dritt mit dem Auto wieder nach Hause fahren.
Nicht einmal 15 Minuten vor unserem Ziel kam es dann zu einem schweren Unfall auf der Bundesstraße, von dem man leider bis heute nicht genau weiß wie er abgelaufen ist.
Ich habe noch gesehen, wie ein Auto rechts von uns auf den Auffädelungsstreifen auffährt, habe mir in dem Moment aber nichts Böses dabei gedacht. Mit guter Laune fragte ich meinen Bruder noch: „Wo ist er denn jetzt? Möchte er davondüsen und das Motorrad ein bisschen austesten?“ Weil ich unseren Freund in meinem Seitenspiegel nichtmehr sehen konnte. Dann ging alles rasend schnell und doch fühlte es sich an als bleibt die Welt stehen und als würde alles in Zeitlupe passieren. Mein Bruder rief laut: „Er ist runtergefallen!“
Wir fuhren rechts ran und rannten so schnell wir konnten die Strecke von etwa 150/200 Metern zum Unglücksort.
Da lag mein Freund und reagierte weder auf meine Rufe noch auf mein verzweifeltes Schütteln an seiner Schulter, in der Hoffnung dass er wieder zu sich kommt, aufsteht und alles gut wird.
Als kurz darauf die Rettungskräfte eintrafen konnten sie nurnoch seinen Tod feststellen und deckten ihn mit einer weißen Folie ab. Anschließend waren mein Bruder und ich noch für gute zwei Stunden am Unfallort, wir wurden mehrmals von der Polizei befragt und von Seelsorgern betreut.
Mittlerweile hatte ich drei Sitzungen mit einer Traumatherapeutin, die mit der Methode des Somatic Experiencing (SE- Therapie) arbeitet.
Die Sitzungen tun mir gut, auch wenn ich mich momentan noch in der Stabilisierungsphase befinde und wir den Vorfall direkt noch nicht aufgearbeitet haben.
Vorgestern war die Beerdigung und mir war es nicht möglich dabeizusein.
Gemeinsam mit meiner Therapeutin habe ich mir überlegt, mir einen Platz außerhalb des Friedhofs zu suchen an dem ich mich wohlfühlen, um so für mich und auf meine Art und Weise dabei sein zu können.
Ich habe in jeglicher Hinsicht so ein rießengroßes schlechtes Gewissen und weiß nicht, ob ich jemals damit umgehen kann.
Auch wenn ich weiß, dass ich nicht direkt den Unfall versursacht habe ist es schließlich so, dass er an dem Abend nur meinetwegen aufs Motorrad gestiegen ist. Und das wird sich auch nie ändern.
Meine gute Freundin (die Ehefrau des Verstorbenen), teilte mir einige Tage vor der Beerdigung über meine Familie mit, dass es ihr viel bedeuten würde wenn ich dabei sein würde und dass sie mir die Möglichkeit geben möchte mich von meinem Freund zu verabschieden.
Ich bin so unfassbar enttäuscht von mir, dass ich nicht einmal das geschafft habe, obwohl ich doch eigentlich für sie hätte da sein sollen und mich richtig von meinem Freund hätte verabschieden sollen.
Vielen Dank an alle die sich Zeit für mich genommen haben um diesen doch etwas lang geratenen Text zu lesen, ich bin wirklich dankbar dass es euch gibt und bin froh, dass ich mein Erlebtes hier teilen kann.
Einen schönen restlichen Abend und eine gute Nacht 🌙
Schleierkraut
Ich bin neu hier im Forum und das ist mein erster Beitrag, daher ist das alles für mich ganz neu und etwas ungewohnt, meine Situation so „aufs Papier“ zu bringen.
Kurz zu mir, ich bin 28 Jahre alt, weiblich und leide schon seit meiner frühen Pubertät immer wieder unter depressiven Episoden.
Im vergangenen Jahr wurde bei mir ADHS des gemischten Typs diagnostiziert. Seither nehme ich täglich 75mg Venlafaxin und 40mg Lisdexamfetamin ein.
Vor nun gut zwei Wochen (vorletzten Sonntag Abend) kam es zu einem für mich sehr traumatisierenden Ereignis.
Ich war mit meinem Bruder und dem Ehemann einer guten Freundin unterwegs zu einer etwa 1,25h entfernten Motorradwerkstatt. Mein Bruder hat vor einigen Wochen seinen Motorradführerschein bestanden und hat sich am Freitag vor dem Unglück ein Motorrad gekauft, das so stark motorisiert war, dass er es selbst noch nicht fahren durfte und es zum Drosseln in eine Werkstatt gebracht werden musste.
Sofort kam mir der Ehemann einer guten Freundin in den Sinn, der schon seit vielen Jahren leidenschaftlich Motorrad fährt und so habe ich ihn um den Gefallen gebeten, uns zu helfen und das Motorrad zu fahren.
Mein Bruder und ich fuhren mit dem Auto voraus und er folge uns, da seine Motorrad-Handyhalterung an dem Motorrad meines Bruders leider nicht zu befestigen war und wir ihm so den Weg gezeigt haben. Anschließend wollten wir dann zu dritt mit dem Auto wieder nach Hause fahren.
Nicht einmal 15 Minuten vor unserem Ziel kam es dann zu einem schweren Unfall auf der Bundesstraße, von dem man leider bis heute nicht genau weiß wie er abgelaufen ist.
Ich habe noch gesehen, wie ein Auto rechts von uns auf den Auffädelungsstreifen auffährt, habe mir in dem Moment aber nichts Böses dabei gedacht. Mit guter Laune fragte ich meinen Bruder noch: „Wo ist er denn jetzt? Möchte er davondüsen und das Motorrad ein bisschen austesten?“ Weil ich unseren Freund in meinem Seitenspiegel nichtmehr sehen konnte. Dann ging alles rasend schnell und doch fühlte es sich an als bleibt die Welt stehen und als würde alles in Zeitlupe passieren. Mein Bruder rief laut: „Er ist runtergefallen!“
Wir fuhren rechts ran und rannten so schnell wir konnten die Strecke von etwa 150/200 Metern zum Unglücksort.
Da lag mein Freund und reagierte weder auf meine Rufe noch auf mein verzweifeltes Schütteln an seiner Schulter, in der Hoffnung dass er wieder zu sich kommt, aufsteht und alles gut wird.
Als kurz darauf die Rettungskräfte eintrafen konnten sie nurnoch seinen Tod feststellen und deckten ihn mit einer weißen Folie ab. Anschließend waren mein Bruder und ich noch für gute zwei Stunden am Unfallort, wir wurden mehrmals von der Polizei befragt und von Seelsorgern betreut.
Mittlerweile hatte ich drei Sitzungen mit einer Traumatherapeutin, die mit der Methode des Somatic Experiencing (SE- Therapie) arbeitet.
Die Sitzungen tun mir gut, auch wenn ich mich momentan noch in der Stabilisierungsphase befinde und wir den Vorfall direkt noch nicht aufgearbeitet haben.
Vorgestern war die Beerdigung und mir war es nicht möglich dabeizusein.
Gemeinsam mit meiner Therapeutin habe ich mir überlegt, mir einen Platz außerhalb des Friedhofs zu suchen an dem ich mich wohlfühlen, um so für mich und auf meine Art und Weise dabei sein zu können.
Ich habe in jeglicher Hinsicht so ein rießengroßes schlechtes Gewissen und weiß nicht, ob ich jemals damit umgehen kann.
Auch wenn ich weiß, dass ich nicht direkt den Unfall versursacht habe ist es schließlich so, dass er an dem Abend nur meinetwegen aufs Motorrad gestiegen ist. Und das wird sich auch nie ändern.
Meine gute Freundin (die Ehefrau des Verstorbenen), teilte mir einige Tage vor der Beerdigung über meine Familie mit, dass es ihr viel bedeuten würde wenn ich dabei sein würde und dass sie mir die Möglichkeit geben möchte mich von meinem Freund zu verabschieden.
Ich bin so unfassbar enttäuscht von mir, dass ich nicht einmal das geschafft habe, obwohl ich doch eigentlich für sie hätte da sein sollen und mich richtig von meinem Freund hätte verabschieden sollen.
Vielen Dank an alle die sich Zeit für mich genommen haben um diesen doch etwas lang geratenen Text zu lesen, ich bin wirklich dankbar dass es euch gibt und bin froh, dass ich mein Erlebtes hier teilen kann.
Einen schönen restlichen Abend und eine gute Nacht 🌙
Schleierkraut
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