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Arbeitsunfähigkeit, Reha und Urlaub - wie richtig vorgehen?

Liebe Foristen,
möglicherweise könnt Ihr meine Gedankekarusell etwas entschleunigen durch Infos.

Vielen Dank im voraus für mögliche Lösungen,

Ich hatte bereits im Jahr 2011 Burnout/ Depressionen und eben vor allem die absolute Erschöpfung/Schlfstörung was das Hauptsymptom
Damals war ich mit Akut-Klinik Aufenthalt insgesamt 5 Monate arbeitsunfähig.
Die Eingliederung ist nicht besonders gelungen. Es gibt bei uns kaum Rückhalt am Arbeitsplatz.
Eher das Gegenteil war der Fall, "die war ja schliesslich 1/2 Jahr zu Hause - so kann sie jetzt erst recht kräftig arbeiten"

Ich hab mich durch gebissen, nicht unbedingt empfehlenswert. Hatte Zusammenbrüche, war beim Psychiater,
habe längere Krankschreiben vermieden und weiter funktioniert im Hamsterrad.
Habe deutlich Arbeitszeit gekürzt - grosse finanzielle Einbußen,

Ich muss da weg von diesem Arbeitsplatz, es geht nicht mehr. Ich war dieses Jahr 2 Wochen im Frühjahr krank geschrieben- Depressionen

Nun hab ich Urlaub und bin völlig fertig, habe am Montag Termin bei Hausarzt, hoffe auf krankschreibung und bin fest entschlossen, dass mir mein Leben mehr wert ist als mich am Arbeitsplatz verheizen zu lassen.

Plan A war mich an anderen Arbeitsplätzen zu bewerben, dabei habe ich festgestellt, dass ich viel zu erschöpft bin um übergangslos zu wechseln.

Plan B ist eben Krankschreibung+ RehaAntrag, in eine Akutklinik gehe ich nicht mehr- dass hat mir die letzte Kraft damals geraubt.

Psychiatertermin dauert Monate, Therapieplatz eben auch. Medikament bis auf ein Schlafmittel (nur im Notfall) mag ich nicht nehmen, macht mich aus Erfahrung nur noch erschöpfter

Ich habe Urlaub/ eher Pilgerreise über Weihnachten gebucht- die ist mir sehr wichtig und ich möchte diese nicht absagen.

Nur weiss ich nicht wie ich das ganze eben das nächste halbe Jahr anstellen soll.
Krankschreiben, wieder in Arbeit gehen- damit ich eben die nicht so lange Reise antreten kann- ist mir halt eben auch aufgrund meines Zustands wichtig,
wann Reha beantragen- wann antreten?
Weiss jemand gute Rehakliniken? Ich habe rumgelesen und vieles jagt mir Angst ein.

Der Unterschied zu 2011 ist, dass ich relativ "früh" die Handbremse ziehe und letztendlich nicht mehr an den Arbeitsplatz zurück kann- auch wenn ich unkündbar bin und viele " Vorzüge" habe, mich wohl fast überall "verschlechtere"------ Ich kann einfach nicht mehr

Ich hoffe ich habe nicht zu wirr geschrieben, das bin ich im Moment aber. Ich habe wie so oft Angst etwas " Falsch" zu machen.

Auch wenn es Chef/ Kollegen nichts angeht- habe ich auch keine Lust meine Erkrankung am Arbeitsplatz "bekannt" zu machen. Das nimmt niemand wirklich ernst- auch bei anderen nicht, solange ich nach aussen mich zusammenreisse - bin ich ja nur wasweiss ich

15.09.2019 07:39 • #1


Eis
Hallo Shana,

Ich würde dir raten, nicht so viel zu planen. Wenn du nicht mehr kannst dann lass dich krankschreiben und schau erstmal dass du wieder auf die Beine kommst. Ein Schritt nach dem anderen.

Das Einzige, was du sofort machen solltest ist der Termin beim Psychiater wegen der langen Wartezeit. Evtl kannst du sagen, dass es akut ist, vielleicht bekommst du dann einen zeitnahen Termin.

Wenn du dich ein bisschen erholt hast dann stellst du den Reha-Antrag. Ich persönlich kann die Hescuro-Klinik in Bad Kissingen empfehlen. Aber auch hier würde ich mich nicht verrückt machen. Jede Klinik hat Vor- und Nachteile. Ich war auch erst skeptisch, als ich die Bewertungen gelesen habe und dennoch habe ich mich sehr gut aufgehoben gefühlt. Man muss sich ein bisschen auf die Philosophie und Struktur des Hauses einlassen. Natürlich wird nie ALLES passen, aber mit ein bisschen Toleranz, Rücksichtnahme und Mitgefühl den Angestellten gegenüber ist vieles leichter zu ertragen. Wichtig ist, vorurteilsfrei daran zu gehen. Vergiss die Bewertungen. Das ist wie bei Hotels, es gibt Bewertungen, die liegen meilenweit auseinander, und erst wenn du selber dort bist kannst du dir deine eigene Meinung bilden. Bei manchen Menschen ist das Anspruchsdenken sehr hoch.

Bezüglich deiner Pilgerreise würde ich mir jetzt noch keine Gedanken machen. Du weißt nicht, wie es dir bis dahin geht. Bei mir stand auch bei meinem Rückfall ein Urlaub in Italien an. Mir hat der Arzt ein Attest geschrieben, dass die Reise meiner Genesung nicht schadet und er die Reise befürwortet. Dann habe ich bei der Krankenkasse angefragt, das wär ok so. Die Krankengeldzahlung entfällt für diesen Zeitraum. Wichtig ist die Genehmigung durch die Krankenkasse, also nicht erst 2 Tage vorher klären. Bei mir ging es problemlos.

Ich hoffe, ich konnte Dir ein paar Sorgen nehmen. Jetzt konzentriere dich nur auf Dich. Alles andere ist im Moment unwichtig.

LG Eis

15.09.2019 13:09 • x 2 #2



Hallo Shana1967,

Arbeitsunfähigkeit, Reha und Urlaub - wie richtig vorgehen?

x 3#3


Vielen lieben Dank Eis

Ich glaube dieses Nachdenken, Grübeln und Planen ist bereits ein Symptom bei mir
Und da dreh ich mich wie blöd rundherum. Was mach ich bloss, wie ? Und was passiert dann? Füge ich mir dabei Schaden zu? Und - das finde ich persönlich- am schlimmsten: Wie sehen mich die anderen? Mich- die offensichtlich "versagt". Wenn ich Schritt 1 mache- dann kann ich auf gar keinen Fall zurück. usw. usw. usw.

Ja du konntest mir zwar diese Sorgen nicht ganz nehmen, sondern besänftigen. Schritt für Schritt.
Eins nach dem anderen. Genau dieses verheddern ist ja eben auch was kannst bekanntes am Arbeitsplatz.
Und eben immer wieder die Fassade aufrecht erhalten.

Letztendlich fällt es mir wirklich so schwer, mit ( erster Schritt) einer Krankmeldung da zu stehen und ganz offensichtlich nicht mehr zu "können"
Dieses Rechtfertigen vor mir selbst und vor anderen nicht mehr zu können-
Beim ersten Mal Erschöpfungsdepression habe ich Rückenschmerzen auf Anfrage als "Ausrede" gebraucht,
so zu Anfang.

Also Schritt 1, erstmal morgen zu Hausarzt.

LG Shana

15.09.2019 13:32 • #3


Albarracin
Hallo,

Du solltest Dir sehr wohl frühzeitig Gedanken über den gebuchten Urlaub machen. Da lauern sehr viele rechtliche Fallen, die einen AN unterm Strich ganz schön Geld kosten können.

Denn einfach mal so Arbeitsunfähigkeit, ggfs. ins Krankengeld kommen und dann die Arbeitsunfähigkeit für den gebuchten Urlaub unterbrechen um danach wieder Arbeitsunfähigkeit zu sein, das geht nicht so ohne Weiteres (wenn es ins Ausland gehen sollte) und könnte Dir jede Menge Ärger mit AG und Krankenkasse einbrocken.

Wenn überhaupt, ist die gebuchte Reise nur mit ausdrücklicher vorheriger Zustimmung der Krankenkasse während des Bezuges von Krankengeld möglich.

Zur halbwegs seriösen rechtlichen Einschätzung mußt Du aber noch Fragen beantworten:

- Hast Du Die Reise während der Arbeitsfähigkeit gebucht ?
- Hast Du eine Reiserücktrittsversicherung abgeschlossen ?
- Hast Du einen Rechtsschutz im Sozialrecht (private Rechtsschutzversicherung oder Gewerkschaftsmitgliedschaft)?
- wie lange soll die Reise gehen ?

15.09.2019 14:58 • x 3 #4


Vielen Dank, Wolfgang- mit all dem hast du vollkommen recht

Ich gehöre eher zu den Menschen, die sich zuviel Gedanken und Sorgen machen und natürlich würde ich sicher nicht im Krankenstand in Urlaub fliegen, also tüftel ich in meine Gedanken- auch nicht besonders zu Ende denkend- leider.

Ich lass mal den Termin morgen auf mich zukommen, ich bin noch nicht total am Ende- jedoch kurz davor, aber ich müsste eh noch einiges auf Arbeit ordnen,
ich könnte nicht jetzt ab sofort in eine langfristige Arbeitsunfähigkeit gehen.
Ich muss meine Angelegenheiten auf Arbeit zu Ende bringen- ich kann da einfach nicht aus meiner Haut.

Urlaub ist wohl mein kleineres "Problem", auch wenn das genau mein Lichtpunkt war,
aber es hilft ja nicht- ja nichts "falsch" machen , aber endlich was für mich unternehmen.

15.09.2019 15:37 • #5


Rechtsschutz- wobei würde der mir im Moment helfen?

15.09.2019 15:39 • #6


Ich habe jetzt ein wenig Rehakliniken gegoogelt,
angesprochen hat mich Buching und Allgäuer Bergbad ( vorallem kleine Bettenzahl)
Nur die Vorstellung mitten im Winter dort zu sein, lässt mich frieren

Kann man Reha-Massnahmen "hinauszögern"? Ich habe auch die Unterlagen von 2011 ( Akutklinik) herausgesucht- oh je die Erinnerung , es war so anstrengend- schon mal das Zimmer zu teilen für jemanden, der eh schon massive Schlafstörungen hat. Der Entlassungsbericht ist auch dermassen fehlerhaft- nein das war keine Erfahrung, die mir geholfen hat- ich war nach 5 Wochen fertiger als vorher.

16.09.2019 06:55 • #7


Eis
Liebe Shana,

Ich hatte in der Reha ein Einzelzimmer und ich glaube, das ist mittlerweile in (fast?) allen Kliniken so. Ein Doppelzimmer wäre für mich ein absolutes No-Go gewesen. Ich brauche meine Privatsphäre.

Vom Zeitpunkt würde ich sagen, du hast kaum Chancen, für dieses Jahr noch einen Platz zu bekommen. Ich hatte den Antrag damals so im Mai/Juni gestellt und hätte regulär einen Platz über Weihnachten (2017) bekommen. Nur durch Intervention der Krankenkasse ist das auf Ende August vorverlegt worden. (Denen war vermutlich klar, dass ich bis zur Reha arbeitsunfähig bin). Und Allgäu im Winter kann auch sehr schön sein.

LG Eis

16.09.2019 07:13 • x 1 #8


Jetzt bin ich erstmal erleichtert, Arbeitsunfähigkeit ohne Probleme bekommen und kann mich endlich etwas ausruhen von diesen Grübeleien , es ist einfach - für mich- superkräfteraubend diese ganzen Schritte zu gehen,
deswegen bin ich auch bei totaler Erschöpfung im Arbeitsalltag-Hamsterrad geblieben, auch wenn ich nur noch Teilzeit arbeite.

Ich soll den Reha-Antrag ( da Vorgeschichte) über Krankenkasse stellen, versteh ich heute zwar nicht, da ich ja nicht in eine Akutklinik will- ich dachte über Rentenversicherungsträger.

Das check ich jedoch übermorgen ab, 2 Tage einfach Erholung vom inneren Vorbereiten und Arztgang ( das hätte ich früher auch nicht verstanden- dass man dafür soviel Restkraft braucht

LG Shana

16.09.2019 11:01 • #9


Albarracin
Hallo,

eine freie Wahl des Rehatermins hast Du nur, wenn Du arbeitsfähig bist bzw. in der Lohnfortzahlung. Erhältst Du Krankengeld von der Krankenkasse, dann mußt Du auch den nächsterreichbaren Reha-Termin akzeptieren, da Dir sonst die Krankenkasse das Krankengeld streichen kann.

Es gibt im Übrigen auch psychosomatische/psychotherapeutische Reha-Kliniken, die Wartezeiten von 4-6 Wochen haben. Jede Reha-Klinik gibt Dir gerne telefonische Auskunft, wie lange derzeit ihre durchschnittlichen Wartezeiten sind.
Im Übrigen ist Einzelzimmer mit eigener Nasszelle vorgeschriebener Standard für Reha-Kliniken, die Standards sind unterschiedlich im Vergleich zu Krankenhäusern (zB Akut-Klinik).

Und egal, was Dir Deine Krankenkasse erzählt oder geschrieben hat, das hier
Zitat:
Ich soll den Reha-Antrag ( da Vorgeschichte) über Krankenkasse stellen
,
ist falsch, wenn die DRV der Kostenträger ist.
Du bist nicht verpflichtet, einen Reha-Antrag, für die die DRV Kostenträger ist, "über" die Krankenkasse zu stellen. Damit gibst Du der Krankenkasse höchstens die Gelegenheit, ihre Nasen in Dinge zu stecken, die sie nichts angehen. Sofern die Krankenkasse Dich schriftlich aufgefordert hat, einen Reha-Antrag zu stellen (und nur dann), bist Du lediglich verpflichtet, ihnen die rechtzeitige Antragstellung (innerhalb von 10 Wochen gem. § 51 SGB V) nachzuweisen. Dazu reicht eine Empfangsbestätigung der DRV.

Und damit sind wir beim Rechtsschutz im Sozialrecht. Im Land der "Agenda 2010" brauchen chronisch kranke Menschen diesen Rechtsschutz dringend, da sich leider niemand darauf verlassen kann, daß die Sozialversicherungsträger weitgehend rechtskonform aber. So ist es nun mal leider in diesem Land.

Im Übrigen solltest Du mal diese verschiedenen Aussagen von Dir
Zitat:
Ich lass mal den Termin morgen auf mich zukommen, ich bin noch nicht total am Ende- jedoch kurz davor, aber ich müsste eh noch einiges auf Arbeit ordnen,
ich könnte nicht jetzt ab sofort in eine langfristige Arbeitsunfähigkeit gehen

Zitat:
Jetzt bin ich erstmal erleichtert, Arbeitsunfähigkeit ohne Probleme bekommen und kann mich endlich etwas ausruhen von diesen Grübeleien

sortieren. Evtl. weißt Du jawirklich nicht, daß mehrere kleine Arbeitsunfähigkeitszeiten mit derselben bzw. ähnlicher Diagnose in Abständen von weniger als 6 Monaten zusammengezählt werden, wenn es um die Fristen für Lohnfortzahlung und Krankengeld geht.

Im Übrigen ist auch diese Reha-Klinik im süddeutschen Raum
https://www.rehakliniken.de/rehaklinike.bad-buchau
sehr empfehlenswert.

In dem Unterforum "Reha" findest Du rechtliche und sonstige nützliche Hinweise von mir rund um das Thema Reha

16.09.2019 12:56 • x 4 #10


Vielen herzlichen Dank für deine Antworten. Sie helfen mir sehr !

Das mag wirklich ziemlich gegensätzlich klingen: Nicht mehr zu können und gleichzeitig noch Angelegenheiten am Arbeitsplatz zu Ende bringen wollen. In gute Bahnen lenken wollen- abschliessen wollen. Das ist echt schräg- ich weiss das. Ich hatte schon mal die Sorge vor einer Narkose mit längerer OP, ob ich den die Statistik "ordentlich" abgegeben habe.
Aber so bin ich, oder die Leistungsgesellschaft hat mich so getrimmt- ich ärgere mich ja selbst oft über mein zu hohes Verantwortungsbewusstsein- das macht mich eben auch krank. Schadet mir am meisten.
Ich habe noch keine Krankmeldung dieses Jahr, also eben auch weit enfernt von den 6 Wochen - ich kann mir etwas Zeit lassen
Ich glaube mein Doc kennt sich da einfach nicht aus, mit Reha.wo und wie beantragen, und sieht das eben wie mit der Akutklinik das ging ja damals auch relativ rasch.
Ich werde das mit den Rehakliniken selber angehen und danke nochmal für den Hinweis mit der Krankenkasse, da hab ich mich ja auch selbst gefragt was das soll, dieses beantragen über Krankenkasse
Klinik Buchhau macht einen sehr guten Eindruck und ich werde dort anrufen und mich einfach informieren
Ich werde ebenso mich auf die Suche nach einen Therapeuten machen- wobei die meisten hier in der Gegend mich nicht ansprechen. Psychiatertermin- laut Doc- brauche ich nicht machen, wenn ich keine Medikamente nehmen möchte.
Mit dem Rechtsschutz warte ich noch ab, glaube nicht dass ich im Moment ( jetzt schon) mit meinem AG Auseinandersetzungen führen muss. Bei uns gibts immer wieder ganz lange Psych. Erkrankungen - alle kehren nach einer gewissen Zeit an ihren Arbeitsplatz ohne größere Problem zurück.

Übermorgen gehts weiter mit Infos sammeln,
jetzt muss ich mich echt ausruhen,
mich wühlt das ganze so auf
Ausnahmezustand- lieber wäre es mir bei Kräften zu sein und mit Freude meiner Arbeit nachzugehen

16.09.2019 13:36 • #11


Eis
Hallo Shana,

Nur kurz, du kannst eine Rechtschutzversicherung nicht erst abschließen, wenn du sie brauchst, da muss schon ein gewisser Vorlauf da sein, sonst zahlen sie nicht. Denk bitte da dran. Man braucht die Rechtsschutz u.a. für eventuelle Gutachten in einem Streitfall, die sehr teuer sein können. Wenn mal eine Erwerbsunfähigkeit anstehen sollte kann man die Versicherung auch brauchen.

Zum Psychiatertermin noch. Wenn deine Arbeitsunfähigkeit in die Größenordnung von 6 Wochen gehen sollte dann muss ein Facharzt eingeschaltet werden. Normalerweise akzeptiert die Kasse keine längere Arbeitsunfähigkeit, ohne wenigstens eine Diagnose vom Facharzt. Da wundere ich mich jetzt schon über die Aussage des Hausarztes.

Vg Eis

16.09.2019 22:03 • x 3 #12


Danke liebe Eis für die Infos,

also ich wundere mich da auch über einiges- einen Tag später komm ich mir etwas "abgefertigt" mit der Arbeitsunfähigkeit vor.
So stehen gelassen damit. Ich soll mich erstmal ausruhen-
das gelingt mir auch etwas,
nur kann ich nicht die ganze Zeit abgeschnitten von der Welt/ Menschen allein zu hause bleiben,
da fällt mir die Decke auf den Kopf.
Muss mich mal motivieren , raus zu gehen- auch wenn ich Sorge habe dabei gesehen zu werden.
Offiziell hab ich einen argen Infekt- bis jetzt
Zumindest hab ich ja vor noch in der Arbeit ein paar Dinge zu regeln, dass ist mir wichtig. Also ich möchte da schon noch kurz zurück, paar Tage- das schaffe ich.
Mit dem Rechtsschutz gibt es da gute Tipps? Oder darf man das im Forum nicht veröffentlichen?
LG Shana

17.09.2019 06:14 • x 1 #13


sundancere20j
Guten Morgen,

zum Thema Rechtsschutz ist gerade erst wieder ein Artikel in der Wirtschaftswoche erschienen, inkl. Testergebnissen und wie diese zu Stande gekommen sind. Sind auch auf der Seite der Wirtschaftswoche, einfach mal online reinschauen.
Wichtig ist neben Arbeitsrecht auch die Absicherung im Sozialgerichtsbarkeit, inkl. Widerspruchsverfahren. Bei dem ein oder anderen Versicherer verkürzt sich die Wartezeit nach Vertragsabschluss auf einen Monat. Kostet allerdings auch nen EUR mehr, was es mir jedoch wert ist.

Beim Rausgehen, trotz Arbeitsunfähigkeit, musst Du Dir mal überhaupt keine Sorgen machen, wenn Du auch dabei gesehen wirst. Du darfst das Haus verlassen und alles machen, was der Genesung nicht entgegensteht. Wenn Du beispielsweise einen Infekt hast an den Atemwegen, ist gerade viel frische Luft enorm wichtig. Du darfst sogar in ein Café gehen, ins Kino, Shoppen. Schließlich bist Du arbeitsunfähig, nicht bettlägerig.

Das mit dem falschen Verständnis von Verantwortungsbewusstsein kenne ich gut. Selbst am Tag meiner Krankschreibung bin ich nach dem Arztbesuch noch ins Büro gefahren und habe meinen Schreibtisch aufgeräumt. Damit habe ich es dann jedoch dabei belassen und mir sämtliche Versuche der Kontaktaufnahme seitens des Arbeitgebers verbeten. Das ist nun fast ein Jahr her und hat mir dabei geholfen mich auf mich und meine Genesung zu konzentrieren. Das ist mir wirklich nicht leicht gefallen, weil ich über 20 Jahre lang wie ein Duracell-Häschen durch den Beruf gelaufen bin und immer und zu jeder Zeit verfügbar war.
So allmählich bin ich jedoch wieder in der Lage Ideen zu entwickeln, wie ich mir eine Rückkehr an den Arbeitsplatz vorstellen kann und was es dazu braucht.

Ich drücke Dir die Daumen, dass Du Deine schlimme Phase gut überwindest.

Mein Tipp:

Halt Dich von der Arbeit fern, so lange wie Du kannst. Du nutzt weder Deinem Arbeitgeber, noch Dir. Im Gegenteil, Du provozierst sogar noch länger auszufallen, wenn Du es jetzt nicht erst einmal sein lässt. Erstmal den Kopf freibekommen, dann überlegen wie es weitergeht und bis dahin den Vorteil nutzen, dass Du in einem Beschäftigungsverhältnis bist, welches hoffentlich unbefristet und ungekündigt ist.

Für die Terminvereinbarung mit einem Facharzt (Psychiater) gibt es bei vielen Krankenkassen eine entsprechende Hotline, die Dir einen zeitnahen Termin beim Facharzt vermitteln kann, ohne das Du lange warten musst. Nachteil: Hier hat man dann nicht die Wahl, wo man landet, es ist halt wohnortnah.

Reguläre Wartezeit beim Facharzt für Psychiatrie, meist drei Monate je nach Wohnort. Manchmal sogar länger.

Viele Grüße
Sundancer

17.09.2019 11:53 • x 1 #14


Albarracin
Hallo Eis,

das hier
Zitat:
Wenn deine Arbeitsunfähigkeit in die Größenordnung von 6 Wochen gehen sollte dann muss ein Facharzt eingeschaltet werden. Normalerweise akzeptiert die Kasse keine längere Arbeitsunfähigkeit, ohne wenigstens eine Diagnose vom Facharzt.

ist so pauschal nicht richtig. Lediglich im seltenen Einzelfall läßt eine Krankenkasse vom MdK vielleicht überprüfen, ob bei längerer Arbeitsunfähigkeit eine adäquate Behandlung stattfindet.

Ansonsten hat ein Hausarzt bzw. Allgemeinmediziner dasselbe Recht, Patienten auch langfristig Arbeitsunfähigkeit zu schreiben wie ein Facharzt.

17.09.2019 13:38 • x 5 #15