Nuance
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Das wird einem leider oft erst klar, wenn es zu spät ist.
Es kann unglaublich schwierig sein, gewohnte Pfade zu verlassen und ein Risiko einzugehen.
Was hat Dich in diese Branche geführt? Falls Du studiert hast: Warum hast Du dieses Studium gewählt?
Was war Dein Ziel?
Ich bin Ende 50 und hatte Jura studiert.
Ich bin nicht gerne zur Schule gegangen und wusste nicht, was ich studieren sollte. Dass ich studieren wollte, immerhin das war mir klar. Ich hatte einen intellektuellen Anspruch an mich selbst. Zudem wollten meine Schulfreunde auch studieren.
Und diese verschiedenen Schulformen - sie prägen auch. Ich wollte eher Häuptling als Krieger sein - sozusagen.
Reisen, Reiten, Skifahren - das waren Dinge, die ich gerne mochte - immerhin. Doch das kann man nicht studieren.
Die Ehe meiner Eltern war nicht glücklich und ich nahm das jedenfalls so war: Meine Mutter - Hausfrau - befand sich in einer schwachen Position. Mein Vater ließ sich bedienen, half nicht mit Haushalt/Kindern. Sie wurde krank.
Also wollte ich in jedem Fall auf eigenen - gut bezahlten - Füßen stehen.
Ich landete bei Jura - ohne irgendeine Information. Kein Schulfach hat etwas mit Jura zutun. Ich wusste nichts. Nicht einmal, dass man ein 2. Staatsexamen machen "muss" und im Referendariat nur sehr schlecht bezahlt wird. Auch nicht, dass es vielen Rechtsanwälten wirtschaftlich nicht gut geht, man kaum Hoffnung haben kann, Richter/StA zu werden...
Ich studierte wegen sterbender Eltern mit BaföG und hätte das Studienfach nicht ändern können. Ich stellte mir die Frage, ob mir Jura Spaß macht aber auch deshalb nicht, weil mir die Schule ja auch keinen Spaß gemacht hatte. Ich war gar nicht gewohnt, dass mir etwas Spaß macht. Es war normal für mich, mich durchzubeißen - ohne jedes echte Interesse...
Ich glaube, dass das eine Gefahr für die mentale Gesundheit darstellt.
Letztlich bewundere ich Menschen, die starke Interessen/Leidenschaften haben und denen selbstbewusst und irgendwie oft auch unbeirrbar folgen: Musiker, Künstler...
Nach einem Unfall während des Studiums hatte sich das mit der Karriere erledigt. Mein Lebenslauf ist zu auffällig - leer... Geblieben...
Kurzum - ich bin akademisches Prekariat. Nicht lustig. Die psychosozialen Folgen sind extrem hart.
Die Gesellschaft interessiert sich für den Status - nicht jemandes Hirn.
Man möchte mit so jemandem wie mir nicht befreundet sein. Die Stigmatisierung ist in unteren Schichten viel heftiger als unter Akademikern. Jedenfalls fühlt man dort ein echtes, zugewandtes Bedauern. Mehr aber auch nicht. Man ist für niemanden interessant. Und so etwas hinterläßt ja auch psychische Spuren.
Wer ist schon gerne mit einem Trauerklos zusammen?
Und erwähnt man das Wort Depressionen glauben dieselben Menschen, diese Krankheit würde vom Himmel fallen. Dass sie selber Mit-Ursache sein könnten, indem sie keinen Kontakt möchten, wegschauen - darauf kommen sie nicht.
Du scheinst 39 Jahre alt zu sein. Es ist auch noch ein gutes Alter, um andere Wege einzuschlagen.
Und wenn es mittels Alk. ist - er hilft meinst, Gefühle stärker zu spüren: Was macht Dir Spaß? Was macht Dir so viel Spaß, dass Du ein Risiko eingehen möchtest? Und wie schnell verfliegt Dein Interesse? Hast Du langjährige Hobbies/Interessen? Wie viel bedeutet Dir Status/Geld/Erfolg?
Ich habe viel Zeit und schaue mir viele YT Videos an. Meine Güte, so viele Menschen leben ihren Traum: Ein Öko-Hotel auf den Fidschi-Inseln. Ein Pärchen arbeitete als Übersetzer und verkauften alles. Leben jetzt in Brisbane...
Während ich hier in DE versauere - mit einem trostlosen - absolut einsamen - Alltag...
Trotzdem: Ich würde tatsächlich so schnell wie möglich mit Deiner Chefin sprechen!
Du hast erkannt, dass sie womöglich von einem körperlichen Problem ausgeht.
Sie wird sicherlich erkennen, dass das mit psychischen Problemen schwieriger, langwieriger sein kann.
Steh Deinen Mann indem Du sie aufklärst. So ehrlich wie möglich. Und steh dazu, dass es zu viel Arbeit für Dich ist!
Wir sind alle anders. Wir haben alle andere Limits. Du scheinst Deines zu lange ignoriert zu haben.
Ich weiß jetzt schon, dass eine riesige Last von Dir abfallen wird.
Sehr schade finde ich, dass Du alleine bist, Du keine Partnerin hast.
Eine intakte Partnerschaft wäre eine große Stütze.
Auch wenn es bei mir nicht geklappt hat - es könnte bei Dir klappen. Ich würde mich in aller Vorsicht auf die Suche machen.
Vorausgesetzt natürlich, Du sehnst Dich nach Zweisamkeit, Gemeinschaft.
Mich plagen zB heftigste Einsamkeitsgefühle. Nun bin ich absolut auf mich alleine gestellt.
Vlt. hast Du Kontakt zu Geschwistern, Eltern etc...
Wir alle benötigen auch jemanden, dem man sich gefahrlos anvertrauen kann...
Das geht mit Kollegen nicht wirklich.
Also ich fühlte mich auch mit Arbeit sehr einsam. Auf der Fahrt zur Arbeit, im Büro alleine, auf dem Weg zurück und dann: Das Öffnen der Wohnungstüre und: Leere...
Nach mir kräht kein Hahn, kein Mensch...
Der (Sozial-)staat wird meinen Körper eines Tages - emotionslos - entsorgen.
Pass gut auf Dich auf!