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Burnout Partner trennt sich

Henni-Glück

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Hallo an alle
Ich schreibe das erste mal hier und bin mir nicht sicher, ob ich richtig bin.
Ich Schilder meine momentane Lage. kann etwas länger werden.
Ich bin momentan sehr verzweifelt und wirklich tot traurig.
Mein Partner hat mich nach 7 Jahren Beziehung, einer Tochter (3 Jahre) und dem Hausbau (Einzug war vor einem Jahr) vor 5 Wochen, für mich Sehr überraschend, verlassen.
Er hat einen sehr verantwortungsvollen Job, durch den er häufig im Ausland unterwegs ist, hat nebenbei den kompletten Hausbau gemanagt und zu Hause warteten noch ich und unsere kleine Tochter.
Nach einem banalen Streit am Osterwochenende meinte er erstmals, er überlegt ob wir uns trennen sollten, aber er möchte uns nicht aufgeben. Wir hatten nie eine große Krise, Vertrauensbrüche oder Ähnliches, aber seit ca 1 1/2 Jahren immer wieder Diskussionen über Kleinigkeiten. Für mich war klar, sobald um uns rum alles ruhiger wird ( Haus fertig, Kind wird älter. ), haben wir auch wieder mehr Zeit für uns. Wir waren sehr glücklich, zu Weihnachten hat er mir noch eine Karte geschrieben ich sei sein zu Hause und er ist froh mich zu haben. Von Freunden und seiner Familie weiß ich, dass er mir letztes Jahr Sommer noch einen Antrag machen wollte. Anstatt weniger Stress gab es immer mehr Kummer um uns herum ( ich erkrankte letztes Jahr im august an panikattacken, weil mir auch alles zu viel wurde, meine Mutter ist schwer krebskrank und nicht mehr heilbar). Und bis kurz vor Ostern wollte er unbedingt noch ein 2. Kind.
Nach unserem Gespräch am Osterwochenende stellte er erstmals alles in Frage und nachdem er sich täglich nur noch in die Arbeit rund ums Haus stürzte und ich das Gefühl hatte, er geht mir aus dem Weg, sprach ich ihn wieder an, woraufhin er sich auf einmal trennte.
Für mich ist alles so sinnlos und nicht nachvollziehbar.
Er sagt, er fühle nichts für mich, nicht fürs Haus er fühlt nicht mal sich selbst, er ist in einem Loch und hofft er kommt wieder raus.
Er erträgt keine Termine, Leute, die etwas von ihm möchten usw
Er sieht ein, dass er Hilfe braucht und ist zum Psychologen gegangen und wir alle 2 Wochen weiter gehen. Allerdings sieht er nach wie vor mich als Problem, Bzw. Dass er keine Gefühle hat. Er hat momentan eine Einzimmerwohnung. Ich höre ausschließlich in Bezug auf unsere Tochter von ihm.
Wie schätzt ihr das ganze ein?
Gibt es eine Chance für unsere Beziehung? Wie würdet ihr als Betroffene gerne behandelt werden? Wie verhalte ich mich am besten?
Ich weiß Zeit und Geld sind der Schlüssel, aber mein Gedanken Karussell zermürbt mich. Ich kann nicht verstehen, dass er unsere Familie und unseren Traum vom Haus einfach weg wirft. Er meinte auch er hat bildlich gesprochen 5 Rucksäcke Ballast und ich war einer von den fünf, den er abwerfen konnte.
Mein Psychologe, der auch seiner ist, sagt, er wisse gerade selber nicht mehr wo vorne und hinten ist und dass es ein gutes Zeichen ist, dass er sich an ihn gewandt und auch einer paartherapie zugestimmt hat.
Danke dass ihr euch Zeit genommen hat diesen Roman zu lesen

21.05.2020 16:58 • #1


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maya60

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Hallo Henni und Willkommen hier im Forum! Es tut mir leid, was du gerade erlebst und erleidest. Leider ergeht es vielen Paaren und Familien so, dass derjenige der Partner, der oder die Burnout erleidet, sich trennt und das mit dem Argument, alles werde zuviel, keine Gefühle mehr da, dann kommt es zu einem Rückzug.
Das sind typische Symptome eines Burmouts oder einer Erschöpfungsdepression, einer schweren Erkrankung, und es ist gut, dass dein Partner direkt psychologische Unterstützung gesucht hat, ohne wird es nämlich schlimmer.

Weil es dabei sooft zum Rückzug oder zur (zeitweisen) Trennung kommt, gibt es hier im Forum ein Sammelthema dazu, worin die Erfahrungen vieler Forenmitglieder damit aufgeschrieben stehen und sich beide Sichtweisen der Partner austauschen, raten und unterstützen.

gehe-ich-richtig-mit-meinem-depressiven-partner-um-t26348.html

Bestimmt findest du hier Austausch und Unterstützung.


Liebe Grüße! maya

22.05.2020 08:26 • x 1 #2


Henni-Glück

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Vielen Dank für deine schnelle Antwort.
Ich hoffe ich bekomme ein paar Rückmeldungen.
Ich bin immer hin und her gerissen zwischen er liebt mich einfach nicht mehr und er ist krank und bin am verzweifeln.
Dazu kommen sämtliche unterschiedliche Meinungen von außen... seine und meine Familie sagen alle, er ist krank und kann gerade nicht klar denken, was auch sein Psychologe sagt ... Freunde sagen wiederum das wird nichts mehr, so ein A... usw

22.05.2020 12:45 • x 2 #3


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maya60

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Hallo Henni, ich habe als selber Depressive, die oft Burnout hatte, meine Sichtweise auch in dem Sammelthema aufgeschrieben wie viele viele andere auch.
Es ist sich in vielem so ähnlich, dass es wirklich hilft, einfach in dem Sammelthema viel zu lesen. Alle deine Fragen kommen dort immer wieder in unterschiedlichster Variante vor.
Du kannst dich auch in die laufende Diskussion einschalten mit einer bestimmten Frage an einen der Diskutierenden, wenn dich niemand dort sofort begrüßt.
Meine Beiträge dort beginnen irgendwo zwischen Seite 18 -25 soweit ich mich erinnere, dann wieder ein bis drei Seiten nichts von mir und dann habe ich wieder detailliert erzählt.

Aber viele andere eben auch.

Liebe Grüße! maya

22.05.2020 13:08 • x 1 #4


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maya60

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Zitat von maya60:
(aus dem Sammelthema zu depressiven PartnerInnen, dort S. 26)

Und ich kann mal versuchen, zu beschreiben, wie ich das erlebe, von der Depression abgekapselt von der Welt zu sein und dass mir alles zuviel ist.
Mal ein Vergleich: Es ist ähnlich wie ein fettes Grippegefühl, wenn die Ohren irgendwie zu sind, die Nase, der Hals, der Kopf wie ein Ballon ist mit Watte, Rauschen und Kopfweh drin und der ganze Körper sich krank anfühlt. Du fühlst dich von innen und außen auswattiert wie im Astronautenanzug. Du fühlst dich total verändert und du bist total verändert.
Wenn du nicht denken kannst außer Panik und Sorgen, wenn du dich schwer und langsam und so erschöpft und krank fühlst, dass du nur im Bett liegen willst.
Dazu kommt noch das Gefühl, innerlich betäubt zu sein, je nach Schwere der Depression richtiggehend leer und wie ein Zombie. Oder in absoluter Sinnlosigkeit, Panik und Verzweifelung, Selbstverachtung und Schuldgefühlen. Und dabei verstehst du Null, was los ist, wenn es zum ersten Mal so kommt. Du kannst es nicht mal beschreiben, weil du nicht mehr weißt, wo oben und unten ist und wo du hier gelandet bist.

Und das geht und geht nicht vorbei.

Du sagst: "Lass mich in Ruhe, mir geht´s sauschlecht."

Du fängst an, in allen Lebensbereichen hinterherzuhinken und kriegst davon nur noch mehr Panik. Du wirst auch gereizt womöglich und du kannst einfach nicht mehr. Du kriegst Gedächtnisprobleme und Denkverlangsamung. Nur das Grübelkarussel der Panik funktioniert noch.

Wenn du morgens aufwachst, wenn du überhaupt schlafen konntest, fühlt sich wegen des depressiven Morgentiefs dein Leben wie ein offener Müllschlucker voller Unrat an, du kriegst mehr und mehr Panik. Oder du wirst immer mehr ein Zombie.

Die meisten schaffen es am Ende nur noch, sich am Beruf festzuklammern solange es geht, bis das auch nicht mehr geht.

Wenn du nicht wahnsinnig bist, gehst du dann zum Arzt. Heute, wo Depression bekannt ist. Wenn du Depression gar nicht auf deinem Schirm hast. gehst du womöglich noch lange nicht zum Arzt, weil du keine Idee hast, was los ist.

Liebe Grüße! Maya

P.S.: Und wenn du zu denen gehörst, die wie ich chronisch depressiv sind, dann machen du und dein Partner eine volle Abschieds-Trauer vom alten Leben irgendwann durch. Dazu gehören Trauer, Schock, Nicht-Wahrhaben-Wollen, Wut, tiefer Abschiedsschmerz und schließlich Akzeptanz oder auch Beendung der Beziehung, dann kommt auch noch dasselbe mit Liebeskummer dazu durch dieselben Phasen.
Und alle diese Gefühle gehören dazu, alles Weinen, aller Verlust, alle Wut, alles Unverständnis, alles muss durchlebt werden.

Was ihr, die PartnerInnen von Depressiven, momentan mitmacht, ist auch schon eine tiefe plötzliche Verlusterfahrung. Schon da gehören alle diese Gefühle auch dazu und die kann man nicht umgehen, da muss man durch, so chaotisch die sein mögen. Da würde ich mir auch schon unterstützend eine psychotherapeutische Begleitung suchen, denn der Psychostress ist sehr hoch und die Verunsicherung und Verzweiflung groß, das wisst ihr ja.
Das tut mir sehr leid für euch und eure Partner, eure Partner gehen da auch durch und noch dazu durch eine Höllenerkrankung.

Liebe Grüße! maya

22.05.2020 14:36 • x 1 #5

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