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Ich denke immer noch - und werde das sicherlich bis zu meinem letzten Tag tun - über meine fast 2 Jahre ältere Schwester nach.
Was war das erste Zeichen, dass sie sich mindestens nicht über mich, meine Geburt freute? Als Kind hat man keinen Vergleich. Man hält alles für normal.
Ich glaube, das erste Zeichen - das ich erinnere - war, als sie viele Jahre entrüstet äußerte, unser Vater habe sie damals (Meine Mutter war in der geschlossenen Psychiatrie. Wir waren ca. 6 (Bruder), ich 7 und meinen Schwester 9 Jahre alt)
gebeten, sich um meinen Bruder und mich zu kümmern.
Ich weiß das noch. Ich war sehr überrascht über die - erste - offene Kritik an meinem Vater.
Es hat mich anscheinend so sehr beschäftigt, dass mir nicht klar war, dass sich diese Entrüstung auch auf uns Geschwister bezog.
Dunkel - ich hatte es schon mal erwähnt - entsinne ich mich, dass eine Nachbarsfrau bei uns klingelte, ich die Tür öffnete und sie ratlos fragte, ob sie mir sagen könnte, wann meine kochenden Spaghetti denn fertig seien.
Sie schaute sie sich an und meinte, sie hätten bereits zu lange gekocht. Und ich meine, noch heute das weißliche Kochwasser zu sehen.
Ich wusste natürlich nicht, wo sich meine Mutter befand. Und auch nicht, warum.
Das einzige, was mir zu diesem Zeitraum einfällt, ist, dass mein Bruder eingeschult worden war. Widerstandslos war er ziemlich sicher nur am ersten/zweiten Tag in der Grundschule. Dann wurde er wütend und wollte nicht.
Kann das eine psychische Krise ausgelöst haben? Er war ein Jahr morgens alleine mit meiner Mutter gewesen. War es die Umstellung für meine Mutter, nun morgens alleine zu sein.
Meine Schwester hatte fast 2 Jahre mit meiner Mutter alleine. Ich hingegen hatte so etwas nie. Wie gut, dass man über so etwas als Kind nicht nachdenkt. Und ich denke, es stört mich auch heute nicht.
Diese vielen Dokus, in denen man - oft nebenbei, wie selbstverständlich - Geschwisterliebe beobachtet.
Der jüngere Bruder von James van der Beek erzählt in einem YT Video, dass er sich oft ratsuchend an seinen großen Bruder wandte.
Sowas gab und gibt es bei uns nicht.
Meine Schwester schrieb - unbehelligt, ungestört, zurückgezogen lauter schulische Einsen. Alles andere interessierte sie nicht. Sehr früh dann offensichtlich Jungs...
Krankheiten - insbes. die in der Familie - es sind störende Dinge. Umstände, die sie krank machen. Trotzdem schrieb sie stets Einsen und hat ihr ernährungswissenschaftliches Studium sicherlich auch mit Bestnote bewältigt/beendet.
Eine ernüchternde Analyse...
Nur nicht depressiv werden - nur nicht depressiv werden - alles, nur nicht depressiv werden. Jeder depressive Tag ist ein verlorener...
Ane Brun - Big in Japan