Wiederkehrende Depression - Auslöser und der Verlauf

Hallo ihr Lieben,

vorgestellt habe ich mich schon, dort steht grob überschlagen meine Geschichte...was mir momentan Sorgen macht ist, dass ich nun schon 5 Jahre unter anderem mit meiner Depression in Therapie bin. Vor 5 Jahren wurde die Diagnose Depression gestellt, hatte aber schon immer die Veranlagung dazu. Es gab auch Phasen in denen es mir recht gut ging.
Aber ich fühle mich immer etwas belastet, antriebslos, negative Gedanken, Traurigkeit usw.

Es fällt mir doch schwer die Alltäglichen Dinge zu bewältigen...ganz schlimm ist es seit 2008. Mir ist zu der Zeit der Darm bei einer OP im Unterleib verletzt worden. Danach wurde ich jetzt 9 mal operiert, bin seitdem Berufsunfähig (arbeitslos). Nun kämpfe ich mit Ärzten, die sich nicht verantwortlich fühlen und mit den Ämtern bezüglich einer Umschulung. Dazu dann eben diese Situation mit der Depression...ich könnte manchmal alles hinschmeißen...

Am 19 April mache ich jetzt (mal wieder) eine Psychosomatische Reha, auf anraten meines Therapeuten hin. Auch dass hängt mir langsam zum Hals raus. Trotzdem fahre ich, denn es gibt ja auch immer mal gute Phasen...dass ich zumindestens in den letzten Jahren so erfahren und auch in der Therapie gelernt. Es ist nur so fürchterlich wenn man immer wieder in so ein Loch fällt...dann ist alles um mich herum trostlos und ich komme mir wie abgeschirmt vor...starre zu hause vor mich hin. Ich empfinde mich, für meine Familie, als Belastung und möchte am liebsten ganz alleine sein, denn mein Mann und mein Sohn (19 J) sind sehr lebensfrohe Menschen...ich möchte niemanden mit runterziehen, dass lässt sich leider nicht vermeiden...

Kennt Ihr diese Gefühle und diesen täglichen Kampf auch ? Würde mich über Eure Erfahrungesberichte freuen...wie Ihr das Alltägliche Leben so empfindet und wie Ihr andere seht, die keine Depression haben...

LG tina

(Nachtrag:
Die Depression wurde schon vor knapp 7 Jahren festgestellt und nicht vor 5 Jahren...habe mich irgendwie verschrieben)
nachträgl. von Serafina eingefügt

06.04.2011 06:33 • #1


Hallo Tina,

sag mal, da hast ja einiges hinter Dir mit den vielen Operationen. Bin grad mittendrin in einer Depression (kommt bei mir immer phasenweise) und ich kann Dich gut verstehen. Kenne auch diese schrecklichen Gefühle, dagegen ist man irgendwie machtlos. In den Phasen möche ich auch immer am liebsten ganz alleine sein....was ich zum größten Teil bin....trotzdem muss man zum Arzt oder Freunde rufen an etc. selbst das ist mir dann alles zuviel. Das alltägliche Leben empfinde ich als große Last, da ich meine Umgebung mit meinen negativen, ängstlichen Gefühlen total anders wahrnehme wie sonst und nichts auf die Reihe krieg...alles so sinnlos, mein Selbstbewußtsein ist dahin....einfach alles! Und wenn ich dann die Leute sehe, die keine Depression haben...die lachen, super gelaunt sind, die Spaß haben etc. bekomme ich erst recht die Krise....man kommt sich so nutzlos vor....bring keine Leistung mehr und jedes kleine Problemchen wird bei mir zum riesengroßen Berg.

Zum Glück gibt's aber auch wieder die guten Phasen....da darf man einfach die Hoffnung nicht aufgeben und braucht natürlich auch viel Geduld. Nimmst Du denn ein Medikament?

Lg
sunbeam

06.04.2011 23:18 • #2


Hallo Sunbeam,

erstmal danke für Deinen Beitrag...seit wann bist Du wieder in ener Depression? Es tut ganz gut von jemandem zu hören, der mich versteht...seit ca. einem Jahr nehme ich kein Med. mehr. Habe vorher aber immer mal wieder Citalopram 20mg-40mg (je nachdem) genommen. Obwohl es jetzt wieder angebracht wäre, möchte ich keine Tbl. nehmen, jedenfalls nicht so schnell. Ich habe seit ein paar Tagen ziemliche Schlafstörungen und heute muss ich noch einen Eignungstest für eine Umschulung machen. Da baut sich echt Druck auf...fühle mich nicht wirklich in der Lage dazu, weil ich auch Konzentrationsprobleme habe. Nimmst Du ein Medikament ?

Tja, auf Freunde habe ich auch nicht so richtig Lust...Sonntag sind wir bei meiner Nichte zum Geburtstag eingeladen, möchte am liebsten absagen (obwohl ich sie sehr gern hab)...aber dann kommen wieder die Fragen von der Fam., was hast Du denn? Nun stell Dich nicht so an ! Du musst doch mal raus, grübel nicht soviel bla..bla...bla....!!!
Möchte meinen Mann auch nicht wieder enttäuschen, da wir dauernd irgendwas, wegen mir absagen...haben auch kaum noch Kontakte. Er macht mir zwar keine Vorwürfe und sagt dann auch nichts, aber ich denke mal dass er sich dazu auch seine Gedanken macht und alles ziemlich öde findet. Partner sind auch nur Menschen...

Also ich versuche noch etwas zu ruhen, bin sonst nachher total hinüber ;-)
liebe Grüße tina

07.04.2011 03:18 • #3


Hallo Tina,

also, bin jetzt 41J. und meine erste Depression hatte ich mit 25 Jahren. Seit ca. 4 Jahren nehme ich Cipralex 20mg zuvor Citalopram 40mg. Was mich allerdings nicht davor schützt, dass ich in kein Loch mehr falle....denke die Medikamente helfen bei mir, dass ich schneller aus der Depression wieder rauskomme....und nicht ganz so tief falle, wobei ich mich manchmal frage....wenn's mir besser geht: Greift jetzt das Medikament oder wäre die Depression im gleichen Zeitraum von alleine wieder verschwunden?? Aber ohne die medikamentöse Prophylaxe könnte ich vermutlich nicht sein, da wäre meine Angst zu groß, das es mich noch öfters erwischt. Obwohl ich eigentlich gegen diese Medikamente bin und am liebsten gar nichts nehmen würde...einfach um mal wieder zu spüren wie ich mich ohne Antidepressiva's fühle.
Die jetzige Phase habe ich seit Anfang März....habe dann noch 3 Woche mit Depr. gearbeitet bis es halt nicht mehr ging und jetzt seit 3 Wochen krankgeschrieben....nächste Woche ist es die 4. Woche seit dem ich nicht mehr beim Arbeiten war.
Hoffe Dein Eignungstest ist gut verlaufen.

Lg sunbeam

07.04.2011 12:27 • #4


Hallo Sunbeam,

was Du beschreibst, mit Citalopram, kenne ich auch...ich hatte trotzdem depressive Phasen. Ich denke aber dass es hilft um nicht so ganz tief in ein Loch zu rutschen. Und ich möchte sie auch deswegen nicht mehr nehmen, weil ich genau wie Du denke...muss ich WIRKLICH diese Tabletten nehmen ? Oder, in einer guten Phase, bin ich jetzt wegen dieser Tabletten so gut drauf ? Dann die Angst vor dem Absetzen, dass ich ganz schwer depressiv werde. Die Gedanken kreisten schon häufig um Citalopram...aber es ist ja nur ein leichtes Med. und es abzusetzen war dann auch wirklich nicht so schlimm. Aber wie schon geschrieben, spiele ich dann und wann mit dem Gedanken es wieder zu nehmen.

Escitalopram kenne ich noch nicht. Ist das stärker ? Und wie sind die Nebenwirkungen ? Seit Anfang März ist es wieder so bei Dir, ist ja dann doch schon wieder eine ganze Zeit...es ist wirklich traurig wenn man dann nicht mal mehr zur Arbeit kann. Aber dagegen anzugehen ist sehr schwer, ich war da auch immer total machtlos. Wie macht Dein Arbeitgeber das mit. Hat er Verständnis für Dich ? Oder hast Du es nicht erzählt ? Ich wusste immer nicht so recht ob, und in wie weit, ich mich da öffnen soll...zuletzt habe ich es dann aber gesagt und es kam mir (nicht von allen) verständnis entgegen.

Ich werde jetzt im Juni 38 Jahre...Ach ja, den Eignungstest habe ich bestanden. Ist aber noch nicht alles abgesegnet. Ich mache erstma die Kur und dann wird entschieden wie es weiter geht...

LG Tina

07.04.2011 13:33 • #5


Hallo Tina,

cipralex ist der Nachfolger von citalopram. Der Unterschied besteht wohl in der chem. Struktur. Es soll wohl die Hälfte der Nebenwirkungen von citalopram haben und man sagt cipralex 2/3 stärker wirkt als citalopram. Also, ich komme sehr gut damit zurecht...allerdings habe ich den Wechsel in meiner letzten Depressions-Phase vollzogen. Finde das ist es echt immer schwierig zu sagen, ob die Nebenwirkungen vom Medikament kommen oder Symtome der Depression sind...da diese oft identisch sind. Außerdem reagiert jeder anders auf die Antidepressiva's. Interessant wäre es, wenn man die Umstellung nicht in der Depressions-Phase machen würde, dann könnte man viell. eher spüren wie man auf das Medikament reagiert. Aber das ist ja auch Quatsch....wieso soll man da ein anderes Medikament nehmen, denn es geht einem ja gut damit!!

Meinem Arbeitgeber habe ich nichts erzählt, mir ist total wichtig, dass die das nicht erfahren....die verstehen das nicht und bei jeder Kleinigkeit würde es heißen, dass ich nicht belastbar wäre....etc. obwohl das überhaupt nicht stimmt!! Wenn die Depressions-Phase vorüber ist, bin ich genauso belastbar und vollkommen einsatzbereit wie vor der Depression. Ich habe gesagt, dass ich ein Magen-Darm-Virus habe und jetzt halt körperlich noch sehr geschwächt wäre oder so ähnlich....jetzt kursiert das Gerücht, ob ich wohl einen Novo-Virus hätte...hahaha habe ich nie erwähnt...sag nur: die Gerüchteküche brodelt!!

Boah lieg immer noch im Bett und habe um 13 Uhr einen Termin zur Massage....jetzt muss es schnell gehen..."SCHNELL" genau das was bei mir im Moment gar nicht geht.....

Grüßle
sunbeam

08.04.2011 11:20 • #6


Hallo Sunbeam,

hoffe Dir hat Deine Massage gut getan...Escitalopram werde ich mir mal merken und bei Bedarf mit meiner Ärztin besprechen. Dann ist es wohl besser deinem AG nichts zu erzählen. Hat man ja auch im Gefühl, ob man es erzählt oder es besser lässt...irgendwie ist es echt traurig, dass man über psychische Erkrankungen nicht offen sprechen kann. Ich glaube wenn man es könnte und nicht gleich als Bekloppte behandelt werden würde, dann würde es einem evtl. nicht ganz so schlecht gehen. Aber leider muss man mit einer Depression still vor sich hinleiden und dadurch wird die Situation noch unerträglicher (geht mir jedenfalls so).

Bis bald Tina

08.04.2011 13:20 • #7


Hi Tina,

ja genauso denke ich auch, wenn man offen darüber reden könnte wie bei einem gebrochen Bein o.ä. wäre alles viel leichter und so muss man sich zusammenreißen setzt sich eine Maske auf und das ganze kostet unendlich viel Kraft ....und wie Du sagst, die Situation wird dadurch echt unerträglich.
So, nach dem anstrengenden Tag, hoffe ich, dass ich wenigstens ein paar Stunden schlafen kann.

Grüße
sunbeam

09.04.2011 00:01 • #8


Hallo liebe Sunbeam,

ich hoffe Du hattest Glück mit dem erholsamen Schlaf...nun sitz ich wieder wach im Wohnzimmer...wahrscheinlich bin ich dann morgen wieder total hinüber. Mein Haushalt lässt zur Zeit auch zu wünschen übrig...hab einfach kein Elan dass alles in Ordnung zu bringen. Zum Glück ist mein Mann da nicht so pingelig und sagt dass es ihn nicht stört. Er hilft dann auch mit wenn er frei hat...aber eigentlich komme ich mir ziemlich blöd dabei vor, schließlich hocke ich den ganzen Tag zu hause rum...

Ps.wollte mal schreiben dass es auch mal passieren kann, dass ich mal nicht im Forum bin...denn manchmal habe ich nicht mal dazu Lust. Also, dann bitte nicht persönlich nehmen, wenn ich nicht gleich zurück schreibe ;-))
Ich wünsche eine gute Nacht und bis bald Tina

10.04.2011 01:07 • #9


Hi Tina,

ja klar, kein Problem....mir geht's auch oft so, dass mir das Schreiben dann schon zuviel ist...dann lese ich eben die anderen Threads. Hoffe konntest auch noch ein bißchen schlafen und viell. wird der Tag heute ganz gut bei Dir.

Grüßle
sunbeam

10.04.2011 12:13 • #10


mintaka
Hi Tina, Hi Sunbeam,

bin auch gerade auf dem absteigenden Ast, trotz Medis. Bei mir kommt die Depri immer wieder, sie rezidviert. Ohne Chemie geht bei mir gar nichts, was ich aber nicht als schlimm empfinde. Wenn mein Transmitterhaushalt wieder im Lot ist, gehts mir auch entsprechend gut. Nehme abends Amitriptylin (ab heute 125 mg, statt 75 mg), morgens 30 mg Fluoxetin. Mein Körper ist einfach nicht mehr in der Lage, selbst für die Balance von Serotonin, Noradrenalin und Dopamin zu sorgen.

Ich werde die Medis wohl lebenslang nehmen müssen. Da ich die dunkle Tiefe der Löcher nur zu gut kenne, tue ich alles, um da nicht wieder reinzufallen. Ausdauersport ist die Halbe Miete im Kampf gegen die Depression. Ich jogge, so oft ich kann, minimum aber 3 x Woche je 45 Minuten. Geholfen hat mir auch einen begleitende Psychotherapie wegen Probleme, die ich im Job hatte (ständig Konflikte mit dem Chef). Und ganz wichtig: meine Frau an meiner Seite, die die Depression versteht und mich nach Kräften unterstützt.

Bis ich die für mich richtige Kombination von Antidepressiva`s herausgefunden habe, haben meine Ärztin und ich viele Wochen und Monate experimentiert. Ich kann ihr da voll vertrauen, denn sie ist eine sehr erfahrene Psychiaterin/Neurologin. Momentan gehts halt darum, an den Stellschrauben (Dosierung) zu drehen. Ich denke, dass meine Erhaltungsdosis bei 100 mg Ami und 30-40 mg Fluox liegt.

Never surrender!

LG

mintaka

13.04.2011 15:49 • #11


Hi mintaka,

ja, darüber habe ich schon oft nachgedacht wie das sich mit den Medikamenten wohl verhält. Wieso falle ich trotz Medikamente auch immer wieder in das schwarze Loch?? Oder wie Tina schon erwähnte, ist man in einer guten Phase nur wegen der Tabletten so gut drauf??
Denke, Depressionen sind noch nicht richtig erforscht.....leider....es sind wohl sehr viele Faktoren die da eine Rolle spielen. Das menschliche Gehirn ist einfach sehr komplex. Das Medikament Amitriptylin kenne ich nicht, Fluoxetin hatte ich auch mal genommen, aber nicht vertragen.
Hast Du das Gefühl, dass die Medikamente die Depressionsphasen mildern, so dass Du nicht ganz so tief ins Loch fällst?

Auf jeden Fall werde ich auch wieder mit Ausdauersport anfangen...bin quasi schon dabei, nur wenn's mir wieder gut geht kommt bei mir oft der innere Schweinhund und dann ist das gar nicht mehr so einfach....aber ich werde alles dafür tun um wieder regelmäßig Sport zu treiben, denn ich denke auch das Ausdauersport ein guter Kampf gegen die Depression ist. Schön das Du einen Menschen hast der die Depression versteht und unterstützt, da hat man doch einen gewissen Halt.

Lg
sunbeam

13.04.2011 23:48 • #12


Hallo Mintaka,

die Medis, die Du nimmst, kenne ich auch nicht...ich finde es schon mal schön dass Deine Frau so viel Verständnis hat. Mein Mann hat da auch eine Affengeduld mit mir. Wobei er aber auch sagt dass er sich nicht in mich reinversetzen kann und deshalb manches auch nicht versteht.
Jemand der keine Depression hat, kann dass wohl auch nicht.

Tut mir leid dass Du das Gefühl hast nicht ohne die Tabletten zurecht zu kommen. Aber ich denke dass ich meine Tbl. auch immer mal wieder nehmen muss.
So geht es jedenfalls schon seit Jahren. Am 19. April fahre ich zur Psych. Reha und hoffe da noch einiges für mich machen zu können (auch in beruflicher hinsicht).
Leider wird mir jetzt auch wieder bewusster, dass ich einfach psychisch krank bin. Zieht mich die letzten Tage auch mehr und mehr runter...habe beschlossen heute Vormittag im Bett zu bleiben!

@Sunebeam: Ich denke auch dass in dem Thema zu wenig erforscht wird und die Menschen doch häufig versuchsweise mit Medis vollgepumpt werden. Ich habe auch mal Spritzen bekommen, genannt Fluspi. Hilft ungemein gut und ich habe Tagelang ein Grinsen im Gesicht gehabt...mein Therapeut war dann total entsetzt und meinte dass ich es lassen soll, da dieses Med. sehr starke Schäden verursachen kann, wie z.B Lähmungserscheinung und Steifheit. Ich war dann sehr geschockt, weil mein Hausarzt davon nichts erwähnt hat...ich habe es dann auch unterlassen, denn nach jeder Spritze fühlte es sich nach mehr an. Habe auch den Arzt gewechsel.

LG tina

14.04.2011 06:48 • #13


mintaka
Hi Sunbeam,

dank Dir für Deine Antwort. Also, ich habe nicht nur das Gefühl, dass die Episode abgemildert wird. Wenn die Medis in der richtigen Kombination und Dosierung greifen, dann habe ich keine Depri-Probleme, bin voller Antrieb, Lebenslust (trotz der alltäglichen Probleme, die alle haben), belastbar (Job) etc.

War bis Anfng des Jahres sehr gut eingestellt mit Ami + Citalopram (dazu unten Mehr). Habe nach Absprache mit meiner Ärztin Cita gegen Fluox getauscht, weil Fluox der durch Ami ausgelösten Gewichtszunahme entgegen wirken kann. Da Fluox die längste Halbwertszeit von allen SSRI hat, haben wir Ami von 100 mg auf 75 mg reduziert, um das Risiko eines Serotoninsyndroms zu minimieren. Groß was das Risiko aber nicht. Nach ca. zwei Monaten habe ich einen Stimmungsabfall bemerkt. Dieser kam schleichend über mehrere Wochen. Konsequenz: Ami wieder rauf, jetzt auf 125 mg. Wenn es gegriffen hat, und da habe ich keinen Zweifel, wird es wohl wieder runter auf die Erhaltungsdosis von 100 mg gehen. Zusaätzlich eben besagte 30 mg Fluox am Morgen.

Amitriptylin ist ein Antidepressiva aus der Gruppe der TZA (Trizyklische Antidepressiva). Generell ist zu sagen, dass TZA eine gute Wirkung bei schwerer Depri haben. Das Amitriptylin ist schon sehr, sehr lange auf dem Markt und entsprechend erforscht. Man weiß heute einfach alles über die Wirkungsweise dieses Medikaments einschließlich Nebenwirkungen. Es ist leicht sedierend (deshalb nehme ich es am Abend, um gut zu schlafen), hat aber mehr Nebenwirkungen, als z.B. SSRI. Unangenehme UAW (Unerwünschte Arzneimittelwirkungen = Nebenwirkungen) treten fast immer gleich zu Beginn der Einnahme auf und legen sich mit der Zeit. Ich selbst verspüre keine Nebenwirkungen mehr, abgesehen von dem Japp auf Süßes und der Gewichtszunahem, die ich aber durch Sport zumindest stoppen konnte.

Fluox gibt es auch schon länger am Markt. Wer Fluox nicht verträgt, könnte ein anders SSRI ausprobieren. Wie gesagt, brauche ich die Kombination aus TZA + SSRI und dann geht es mir ganz gut.

So wichtig die Medis sind, ja, der Ausdauersport ist als zusätzliche "Waffe" wichtig. Den Schweinehund zu besiegen, ist mit der richtigen Taktik nicht schwierig. Einfach langsam machen bei der Geschwindigkeit (bin jetzt beim Joggen) und dann aufhören, wenn es am meisten Spaß macht. Dann freust Du Dich schon auf den nächsten Lauf. Nicht zu vergessen: wer einen verständnisvollen Partner hat, der sich mit der Erkrankung seines Partners auseinandersetzt und über ein gewisses Wissen verfügt, hat einen weiteren, nicht zu verachtenden Support.

LG

mintaka

14.04.2011 09:57 • #14


mintaka
Hallo Tina,

vielen Dank für Deine Antwort. Es muss Dir nicht leid tun, dass ich das Gefühl habe, ohne Chemie gings nicht. Ich bin sogar der Überzeugung, dass es so ist und das an sich belastet mich in keinster weise. Ist halt ein Teil von mir. Das Problem mit der Depri ist die hohe Wahrscheinlichkeit, dass man nach einer, oder gar zwei Episoden Rückfälle erleidet. Um dem entgegenzuwirken, könnte man nach einer gewissen Remmissionszeit einen sogenannten mood-stabilizer nehmen. Bei Vielen ist das eine gute Rückfallprophylaxe.

Laß Dich nicht davon herunterziehen, dass Du, wie viele Millionen andere auch, unter Depri leidest. Mit den für Dich richtigen Medis in der richtigen Dosierung, mit weiteren Maßnahmen wie der bevorstehenden Reha und mit einem starken Partner an Deiner Seite kannst Du nur gewinnen.

mintaka

14.04.2011 10:06 • #15




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