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Wie schafft ihr es, euch zu motivieren?

Undine

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Hallo allerseits,

meine Frage richtet sich an diejenigen, die wie ich unter mehr oder weniger starker Antriebslosigkeit leiden: Wie schafft ihr es, euch trotzdem immer wieder aufzuraffen und aktiv zu werden, obwohl alles in euch schreit: Ich will nicht!

Ich bin zurzeit so antriebslos, wie man nur sein kann, und liege von morgens bis abends nur im Bett. Selbst fernsehen oder telefonieren ist mir zu anstrengend. Ich stehe nur auf, um zur Toilette zu gehen, oder um mir etwas zu Essen oder zu Trinken aus der Küche zu holen. Ich bin nicht entspannt dabei, wenn ich so rumliege und kann es auch nicht genießen. Im Gegenteil, es quält mich. Ich empfinde dabei Trost- und Hoffnungslosigkeit und habe das Gefühl, lebendig begraben zu sein. Aber ich komme nicht gegen die Schwere an, die mich ans Bett fesselt.

LG
Undine

11.06.2020 16:10 • x 2 #1


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Kate

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Liebe Undine,
ich weiß, das Gefühl ist schrecklich. Da gibt es einen schönen therapeutischen Begriff - entgegengesetztes Handeln. Es beginnt mit einem winzigen Schritt, zu dem man so gar keine Lust hat, aber den zieht man durch. Man müsste sozusagen ins Handeln kommen. Der Anfang ist das Schwerste, aber ich kann Dir versprechen es wird besser und leichter. Es verändert sich dabei unmerklich was im Kopf. Es funktioniert wirklich, vielleicht magst Du es mal probieren, immer das Gegenteil von dem zu tun, was Du eigentlich willst.

LG Kate

11.06.2020 16:22 • x 2 #2


laluna74

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Liebe Undine,

das was du beschreibst ist mir nicht ganz unbekannt. Ich kann nachvollziehen, wie sich diese Schwere anfühlt, so hat sie auch schon in mir wirken können.

Für mich gibt es nur einen Weg, es trotzdem zu tun, nämlich in die Bewegung zu gehen.

Je länger man im Bett oder auf der Couch verharrt, um so schlimmer wird es. Der Kreislauf geht in den Keller, der Antrieb wird noch schlechter.

Mach dir einen Plan. Nimm dir vor, jeden Tag zur gleichen Zeit aufzustehen. Nicht zu spät! Gehe Schritt für Schritt. Zieh dich an, am besten davor noch in die Dusche.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ein Duschvorgang den Kreislauf etwas auf Trapp bringt.

Mache dann jeden Tag einen Spaziergang, ohne Ausnahme. Er soll dich begleiten wie das tägliche Zähneputzen.

Wenn du mindestens 30 Minuten unterwegs warst, darfst du dich ausruhen und das positive Gefühl, das sich nach und nach immer mehr einstellen wird genießen.

Vielleicht schaffst du es ja am Abend nochmals 30 Minuten vor die Tür?

Um einen positiven Effekt zu verspüren bedarf es der Regelmäßigkeit und dem konsequenten Tun.
Oft folgt die Motivation dann auch für andere schöne Dinge.

Ich wünsche dir ganz viel Kraft bei der Umsetzung.

laluna

11.06.2020 16:26 • x 1 #3


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julienne

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Hallo Undine,
ich liege auch oft im Bett und finde dort keine Entspannung. Um mich zu motivieren, doch aufzustehen, fange ich an, mich zu bewegen. Nicht wirklich Gymnastik, einfach nur Bewegung. Ich spiele mit den Fingern, den Händen, hebe mal ein Bein oder einen Arm, spiele Schneeengel, spanne einzelne Muskeln an oder entspanne und massiere sie. Ich recke und strecke mich. Bei diesem Spiel keimt dann irgendwann der Wunsch, mich außerhalb des Bettes zu bewegen, um etwas zu tun, was mir Freude bringen könnte.
Diese Beschäftigung mit meinem Körper ist vermutlich nur Ablenkung oder Umlenkung der Gedanken. Keine Ahnung.

LG
Julienne

11.06.2020 16:38 • x 2 #4


Undine

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Hallo Kate, hallo Laluna, hallo Julienne,

vielen Dank für eure Antworten!

@kate
Entgegengesetztes Handeln möchte ich auf jeden Fall probieren. Gerade eben habe ich entgegen meiner Motivation Jeans und Sportschuhe angezogen. Außerdem Haare gekämmt und meine Tasche zum Rausgehen hervorgeholt. Zum Rausgehen hat es dann leider nicht ganz gereicht, aber es war schon mal ein Anfang.

@Laluna
Ich habe mir für morgen vorgenommen, nach dem Aufstehen 30 Minuten spazieren zu gehen, egal ob es mir sinnvoll vorkommt oder nicht. Und egal ob ich mich dazu motiviert fühle oder nicht. Ich werde auch nicht von mir erwarten, den Spaziergang mit irgendwas Nützlichem zu verbinden, sondern einfach nur gehen.

@julienne
Schon im Bett in Bewegung kommen klingt gut. Das werde ich auf jeden Fall probieren.

Ich wünsche euch noch einen schönen Abend!

LG
Undine

11.06.2020 17:43 • x 3 #5


laluna74

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Zitat von Undine:
Ich habe mir für morgen vorgenommen, nach dem Aufstehen 30 Minuten spazieren zu gehen, egal ob es mir sinnvoll vorkommt oder nicht. Und egal ob ich mich dazu motiviert fühle oder nicht. Ich werde auch nicht von mir erwarten, den Spaziergang mit irgendwas Nützlichem zu verbinden, sondern einfach nur gehen.


wenn du es so umsetzt, dann kann eigentlich nichts schiefgehen

11.06.2020 18:02 • x 1 #6


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Kate

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Zitat von Undine:
Hallo Kate, hallo Laluna, hallo Julienne,

vielen Dank für eure Antworten!

@kate
Entgegengesetztes Handeln möchte ich auf jeden Fall probieren. Gerade eben habe ich entgegen meiner Motivation Jeans und Sportschuhe angezogen. Außerdem Haare gekämmt und meine Tasche zum Rausgehen hervorgeholt. Zum Rausgehen hat es dann leider nicht ganz gereicht, aber es war schon mal ein Anfang.


Eine Therapeutin sagte vor kurzem, wenn man dann einmal in der Tür steht, und die frische Luft spürt, reicht es manchmal schon, einfach die Augen kurz zu schließen und den Moment genießen. So ganz ohne schlechtes Gewissen, dass man doch nicht rausgegangen ist. Und sich immer selbst belohnen, das merkt sich unser Hirn auch

LG

11.06.2020 18:09 • x 2 #7


Undine

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Hallo ihr lieben,

ich habe es geschafft, heute morgen für 40 Minuten spazieren zu gehen. Es fiel mit zwar sauschwer, mich aufzuraffen, aber letztendlich hat es geklappt. Leider fühlte ich mich dabei irgendwie fremdbestimmt, so als würde ich das alles unter Zwang tun. Und nun sitze ich wieder zu Hause und mir geht es mies. Immer noch total antriebslos und verzweifelt. Habe keine Idee, was ich heute machen könnte (dabei müsste ich so vieles erledigen) und kein Interesse an irgendwas.

Ich hasse mich gerade dafür, dass ich so antriebslos bin - und gleichzeitig kann ich nichts daran ändern. Ich habe Angst, dass ich alles was mir noch was bedeutet verlieren werde, wenn ich es nicht schaffe mich zu motivieren.

Liebe Grüße

Undine

12.06.2020 13:38 • x 1 #8


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julienne

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Hallo Undine,
vielleicht hast du zu sehr auf die "Pflicht" und die Dauer geachtet. Wenn du die Möglichkeit hast, gehe doch mal dort spazieren, wo es eine Sitzmöglichkeit gibt. Dann setzt du dich hin und schaust dich in Ruhe um. Vielleicht magst du an einer belebten Stelle, den Verkehr oder spielende Kinder beobachten oder du bevorzugst eine ruhige Stelle, wo du ganz allein die Natur um dich herum anschauen kannst. Vielleicht entdeckst du eine hübsche Blume, deren Farbe oder Duft dir gefällt. Vielleicht siehst du einen mächtigen, alten Baum, den du bewundern kannst. Vielleicht entdeckst du fleißig e Ameisen, die sich abmühen. Vielleicht fasziniert dich auch einfach eine Wolke in ihrer speziellen Form, die über dich hinwegzieht.
Draußen gibt es allemal mehr zu sehen als von deinem Bett aus.

Ich hoffe, dieser Tag bringt dir noch etwas Schönes.

LG
Julienne

12.06.2020 14:17 • x 2 #9


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Kate

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Zitat von julienne:
Hallo Undine,
vielleicht hast du zu sehr auf die "Pflicht" und die Dauer geachtet. Wenn du die Möglichkeit hast, gehe doch mal dort spazieren, wo es eine Sitzmöglichkeit gibt. Dann setzt du dich hin und schaust dich in Ruhe um. Vielleicht magst du an einer belebten Stelle, den Verkehr oder spielende Kinder beobachten oder du bevorzugst eine ruhige Stelle, wo du ganz allein die Natur um dich herum anschauen kannst. Vielleicht entdeckst du eine hübsche Blume, deren Farbe oder Duft dir gefällt. Vielleicht siehst du einen mächtigen, alten Baum, den du bewundern kannst. Vielleicht entdeckst du fleißig e Ameisen, die sich abmühen. Vielleicht fasziniert dich auch einfach eine Wolke in ihrer speziellen Form, die über dich hinwegzieht.
Draußen gibt es allemal mehr zu sehen als von deinem Bett aus.

Ich hoffe, dieser Tag bringt dir noch etwas Schönes.

LG
Julienne


Das finde ich wirklich schön geschrieben. Ich könnte glatt mit rausgehen.

LG Kate

12.06.2020 14:59 • x 1 #10


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Dani82a

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Was ich gerne mal mache ist, mir zu Haus einen Kaffee in einen Becher abzufüllen und ihn mit auf den Spaziergang zu nehmen. Wenn ich irgendwo eine Bank finde, die zum Verweilen einlädt, dann setze ich mich ganz in Ruhe hin und schlürfe den Kaffee.
Es kommt nicht auf die Dauer des Spaziergangs an.
Am Anfang reicht Bauch eine Runde um den Block.
Jeden Tag schaffe ich es freilich nicht, mich vor die Türe zu begeben.
Was ich in der Therapie gelernt habe: ich schimpfe ganz ganz oft mit mir selbst, wenn ich mich nicht motiviert bekomme. Egal, um was es geht.
Dabei würde ich doch mit einer Freundin nie und nimmer so hart ins Gericht gehen, wenn sie mir erzählt, dass es ihr nicht gut geht und sie deswegen Probleme hat, jeden Tag ein bestimmtes Pensum zu erfüllen.
Wenn ich also mal wieder anfange mich zu schelten, hole ich mir diesen Gedanken hervor und kann oft (nicht immer) milder zu. mir sein.

12.06.2020 20:09 • x 2 #11


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Alexandra2

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Ich musste lernen, dieses Ausgebremstsein zu akzeptieren. Weil ich mich ein Leben lang gezwungen habe zu funktionieren und dieser Stress die Depression verschlechtert. Abwarten, bis der Körper wieder mitmacht und die Seele nicht mehr zu Fuß geht, fällt immer noch sehr schwer. Aber nur so konnte ich mich erholen, mindestens 2 Jahre lang. Es war brutal. Und wenn heute die Antriebslosigkeit zuschlägt, seufze ich und stelle mich aufs Sofa ein.
Und bitte: nicht nachdenken. Wenn ich dann, auch nach einigen Tagen, aktiver werde, weiß ich, nur so geht's. Ich brauche unglaublich viele Pausen und nun darf ich das, wenn andere Symptome schlimmer werden, rufe ich den Arzt an. Es kann sein, daß die Medikamente angepasst werden müssen.
Und bei mittelschwerer Antriebslosigkeit hilft Bewegung., mir Radfahren.

12.06.2020 22:11 • x 3 #12


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Ell

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Ja das ist auch ein Thema mit dem ich zu kämpfen habe, deshalb habe ich gleich mal reingeschaut was ihr dazu geschrieben habt.
Ich finde mich in vielem was geschrieben wurde wieder.
@Dani82a genau genau niemals würde ich eine Freundin so beschimpfen, wie mich zuweilen.
Ich kann es nicht akzeptieren nicht in die Gänge zu kommen, aber es geht nur mit Akzeptanz.
Seit Anfang des Jahres habe ich mir eine Kalender gelegt in den ich abends Stichwortartig eintrage was ich den Tag getan habe, klingt vielleicht komisch, aber mir hilft das mich nicht immer fertig dafür zu machen, dass ich wieder nix hinbekommen habe, auch so banale Sachen wie ein Telefonat, Terminvereinbarung, Post weg alles was mir "Arbeit" abverlangt hat. Dann marker ich mir das mit blau für Herausforderung, Pink für die Dinge, die mir gut getan haben, manchmal gibts gestraft blau und pink gemischt. Es ist ein bisschen hilfreich, aber natürlich manchmal auch mühsam...
@ Undine wie schwer das für dich und alle die das Bett nicht verlassen können kann ich mir nur ansatzweise vorstellen. So heftig war es bei mir nie.

ganz liebe Grüße an alle

17.06.2020 12:24 • x 1 #13


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Sterait

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Hallo zusammen,

also ich bin seit 6 Jahren durchgehend in Behandlung meiner Wiederkehrenden Depression, ich kenne das sehr gut dieses Gefühl am Bett oder Sofa gefesselt zu sein. Darmals vor 6 Jahren habe ich es nicht einmal geschafft den Briefkasten zu leeren es erschien mir alles so sinnlos.Ich habe mich selbst nicht für Liebenswert gehalten, ich sei ein Taugenichts solche gedanken gingen mir durch den Kopf.
Ich bin dann Selbstständig in eine Vollstationären Klinik gegangen dort war ich 17 Wochen gleich im Anschluss bin ich in einer anderen Klinik 16 Wochen Teilstationär gewesen und seit dem bin ich regelmäsig bei einem Verhaltensterapeuten.
Nach ca. 2 Jahren Terapie konnte ich erst die Sachen bewusst anwenden die man mir mit gegeben hat.
Ich erzähle euch das damit euch bewusst ist das man es nicht von jetzt auf gleich ändern kann jeder hat sein eigenes Tempo.

Ich habe damit angefangen mein eigenes Verhalten Logisch zu hinterfragen " Was macht mich so unzufrieden ? " die nächste Frage die ich mir gestellt habe ist " Wie kann ich es ändern ? ". ich muss dazu sagen das ich es nur durch diese lange Therapiezeit geschafft habe meine Probleme Selber zu Analysieren. Bei manchen dingen habe ich Tage gebraucht um für mich eine Lösung zu finden.

Und was mir auch sehr geholfen hat ist das ich über meine Problem, Gedanken und Gefühle gesprochen habe von angesicht zu angesicht ab und zu auch unter Tränen.

Ich habe mit kleinen Dingen im Haushalt wieder angefangen z.B. Wäsche machen, Badezimmer putzen oder für MICH was leckers Kochen. Im anschluss habe ich mir bewusst gesagt " ich habe etwas getan " das hat mir eine gewisse zufriedenheit gegeben. Das habe ich dann jeden Tag gemacht, irgendwann habe ich dann 2 dinge erledigt. Was hier ganz wichtig ist das ihr euch nicht gleich zuviel vor nimmt, macht dinge die für euch machbar erscheinen. Bei mir war es so wenn ich mir zu viel vorgenommen habe und dann etwas nicht geklappt hat war ich wieder frustriert.

Heute nach 6 Jahren nehme ich wieder am Leben teil und habe auch neue Freunde gefunden.
Ich Hoffe ich konnte euch irgendwie Helfen.

17.06.2020 23:16 • x 2 #14

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