Sich selbst lieben - wie schafft man das?

Howeynous
Guten Abend!

Vielleicht kennen manche von euch mich ja noch, aber werde mich trotzdem noch mal vorstellen: ich heiße Tim, bin inzwischen 22 Jahre jung und habe mich im November 2009 hier angemeldet nach einem gefühlten psychischen Einsturz. Über den gesamten Winter damals war es mehr oder weniger ein starkes Auf und Ab, habe mich hier im Forum genügend darüber ausgelassen. Seit etwa August letzten Jahres bin ich relativ zuversichtlich, die depressive Phase erfolgreich überwunden zu haben.
Seit ein paar Tagen gibt es aber wieder so etwas wie Selbstzweifel und allgemeine Verzweiflung und ich muss versuchen, einen möglichen Rückfall um jeden Preis zu verhindern.

Es geht um folgendes: es ist wahrscheinlich hinreichend bekannt, dass Menschen in meinem Alter sich oft sehr stark über die Wertschätzung anderer definieren und das soziale Umfeld eine sehr große Rolle spielt. Ich war selber eigentlich nie dieser Ansicht, hatte auch früher starke Tendenzen zum Einzelgängertum, ohne dass ich über einen längeren Zeitraum wirklich unglücklich darüber gewesen wäre. Aber gerade in den letzten Tagen gibt es mir versärkt zu bedenken, dass quasi alle starken Bezugspersonen, die ich doch über die Zeit gewonnen habe, sich aus persönlichen Gründen, nicht gegen mich gerichtet, ziemlich abrupt von mir distanziert haben.

Das alles ohne auch nur irgendeinen Ansatz von Streit - alle sind einfach in ihr eigenes Leben versunken, haben einfach keine Zeit mehr, mir zu schreiben, mich zu besuchen oder was auch immer. Sogar mein früher bester Kumpel und meine inzwischen wohl beste Mailfreundin sind seit einigen Wochen, wenn sie sich mal melden, ausschließlich mit sich selbst beschäftigt. Was ich aufgrund der Umstände auch verstehen kann. Die Liste der Beispiele ist zurzeit aber leider sehr lang.

Das werde ich nicht ändern können. Ich weiß aber nicht, wie ich es schaffen könnte, vielleicht noch etwas weniger von der Wertschätzung anderer abhängig zu sein. In einer ähnlichen Situation hier wurde geraten, man solle stattdessen lernen, "sich selbst zu lieben". Was soll das konkret bedeuten? Ist es nicht ein großes Ziel jedes Menschen, anderen Menschen irgendetwas zu bedeuten?

Und eine andere Sache beschäftigt mich leider auch: allen Menschen, die sich aus zeitlichen und persönlichen Gründen von mir distanziert haben, tun das, Weil es ihnen außerordentlich gut geht. Beispielsweise hat mein Kumpel eine neue Freundin, meine Mailfreundin einen neuen Job und in meinem näheren Bekanntenkreis kommen dieses Jahr 7 (!) Babys zur Welt. Für einige freue ich mich wirklich riesig, aber leider schaffe ich das gerade nicht bei allen. Kann ich irgendwas gehen solche leicht aufkommenden Neidgefühle tun? Oder ist das, wenn auch nicht schön, irgendwie normal?

Ich weiß es einfach nicht. Sorry, falls ich bei meinen Gedanken vielleicht etwas zu "selbstmitleidig" überkomme, ich habe mich jetzt beim Schreiben natürlich etwas darin vertieft. Sind nicht die Gedanken, die ich tagtäglich habe^^, aber eben etwas, was mich immer mehr im Hintergrund beschäftigt.

Würde mich über Antworten sehr freuen! Schönen Tag noch!

Tim

27.04.2011 00:57 • #1


Huhu Tim.

Erst einmal herzlichen Glückwunsch dass du dich weitesgehend stabilisieren konntest.
Auch ich definiere mich sehr über die Wertschätzung anderer.
Wie du dem Beitrag von mir neulich auf den du auch geantwortet hast entnehmen kannst,
hab ich selbst gerade ein Problem mit mir und den anderen Meschen da draußen. Weiß daher nicht
so genau ob es klug ist dir Dinge zu raten mit deren Umsetzung ich selbst Probleme habe, doch
versuch es bitte.
"Sich selbst lieben" finde ich, ist ein sehr hoch gestecktes Ziel, ich denk es reicht wenn man sich mag oder okay
findet. Ganz ehrlich wo denkst du liegen deine Vorzüge? Achte auf sie, anstatt auf deine Fehler.
Ich zum Beispiel finde, du kannst prima mit Worten umgehen, was nicht jedem liegt.
Vielleicht hast du einen guten Klamottengeschmack,siehst gut aus, kannst toll kochen, oder, oder, oder.
Stell genau DAS in den Vordergrund und beschäftige dich damit. Ich finde nicht dass du dich in Selbstmitleid suhlst
Stell dich morgens vor den Spiegel und versuche zu lächeln (wenn ich es mal schaffe hab ich ein besseres Selbstwertgefühl und
es geht mir ein klitzeklein wenig besser.)
Lobe dich selbst und belohne dich für Dinge die du gut machst/gemacht hast. Denn wenn du nicht lernst auf dich selbst stolz
zu sein und dir selbst ein gutes Gefühl zu geben, wird es dich nicht bhefriedigen wenn es ein anderer für dich tut.
Beispiel: Bei einer Feierlichkeit hab ich mich mal richtig hübsch gemacht (tu ich bei Feiern gerne mal), doch irgendetwas
war nicht ganz so wie ich es mir vorgestellt hatte, die Haare, die Nägel, was weiß ich, und alle Komplimente (es waren 6 oder 7)
sind fast völlig an mir abgeprallt nur weil ich mit mir nicht zufrieden war. Mist, oder?
Es ist verständlich dass deine Bezugspersonen wenn sie in eine neue Lebensphase eintreten weniger Zeit für dich haben.
Versuch es doch mal so: Rede/schreibe mit ihnen über das was ihnen auf der Seele/am Herzen liegt.
Interessiere dich für das was sie interessiert, hinterfrage wie es ihnen geht. Wenn du mit ihnen über das redest was
sie beschäftigt, dann komme sie vielleicht öfters wieder auf dich zurück, so nach dem Motto: "Hey der Tim, der kann toll
zuhören". In Wahrheit ist es nämlich immer noch so, dass sich fast jeder Mensch an erster Stelle mit sich selbst beschäftigt.
Ganz tolle Bücher, deren lesen mir sehr viel bedeutet hat (und die vermutlich auf deine Situation passen), sind.

Neidgefühle sind bis zu einem gewissen Grad normal, jeder mag eben irgendwie gern dass was er im Moment nicht hat/kriegen kann.
Was hast DU worauf andere neidisch sein könnten? Ich jedenfalls staune immer wieder wieviel Gutes ich habe wofür es sich zu leben lohnt.
Man muss es sich nur bewusst machen. Tolle Übung dazu: Jeden Abend (zum besseren Schlafen) /Morgen (gegen schlechte Gedanken) aufzählen wofür
man dankbar ist. Selbst an den schlechtesten Tagen sind es bei mir mindestes 3 Dinge

Gibt es denn Themen bei deinen Freunden wo du auch deinen Teil dazu beitragen kannst und mitreden könntest/möchtest?
Oder fühlst du dich da generell ausgeschlossen?

Wow, ich find es immer wieder krass, wieviel Lebenserfahrung bzw. gesistige Reife man durch psychische Erkrankungen erlangen kann.
Vielleicht ist das ja ne Chance?!
Ein Bekannter ist 19 und verbringt seine Zeit mit rumhängen wenn er nicht gerade hart arbeitet, und wenn er frei hat gibt er sich die
Kante und geht von einer Party zur nächsten. Er schläft zu wenig, raucht/trinkt zu viel, hat keine echten Freunde, fühlt sich innerlich
leer, lässt nur blöde Sprüche ab, kleidet sich wie ein Möchtegern-Gangsta und isst nur wenn er mal Zeit dafür hat.
Einerseits beneide ich ihn für sein sorgloses Leben und seine lockere Art, andererseits kann ich mir auch vorstellen, wie hart es ist
nüchtern aufzuwachen und wieder mal festzustellen, dass man nichts erreicht hat und sein Leben verschenkt.

Okay, tut jetzt nix Not zur Sache, hab nur mal so drüber nachgedacht.
Kuschle mich jetzt mal zu meiner kleinen Tochter.
Und begrüße meinen Nachtschwärmerfreund der gerade nach Hause gekommen ist!
Warum bist du eigentlich noch aufgewesen?!

Nur das Beste für dich!

KiNjAl

27.04.2011 02:45 • #2


Sarah
Wir wurden in der Gruppentherapie mal gefragt, was unser Ziel sei. Mein Ziel war es da, mich selber so sehr zu mögen, dass ich mich selber als Freund haben möchte. Ich weiß gar nicht, wie ich damals darauf kam und hatte es auch wieder vergessen, bis ich dein Posting las.

Ich denke das gehört zu den schwierigsten Aufgaben auf dem Weg zu sich selbst. Sich selber wertzuschätzen, stolz und zufrieden mit sich zu sein. Die eigenen Schwächen zu erkennen, sie zu akzeotieren und merken, dass sie gar nicht so schlimm sondern nur menschlich sind - und das man auch viele Stärken hat. Niemand ist perfekt, du genauso wenig wie die Leute in deiner Umgebung, von denen du die Bestätigung im Moment noch brauchst.

versuch doch einmal jeden Abend kurz aufzuschreiben, was du an dem Tag getan hast, worauf du stolz und womit du zufrieden bist. Das muss nicht immer etwas großartiges sein. Eine lästige Kleinigkeit wie den Papierkram oder das Spülen, bei dem man die eigene Trägheit überwunden hat. Das man einen Menschen zum lächeln gebracht hat. Ich habe es selber noch nicht probiert, aber ich denke, dass man schon jeden Tag etwas findet, was gut gelaufen ist

Aber du siehst, mit dem Problem bist du in guter Gesellschaft

27.04.2011 20:05 • #3


Birke
Hallo!
Ich möchte mich dem anschließen, was pibuka geschrieben hat. ich hab es selbst schon ausprobiert. Ich hatte im Internet eine Art Selbstcouching für 40 Tage runtergeladen. Und es war harte Arbeit! Letztendlich brauchte ich 3 Monate statt 40 Tagen, weil ich immer wieder "Rückschläge" hatte.
Weil: wer so wie wir gebacken ist, kann mit Selbstlob und dergleichen nicht viel anfangen und findet das befremdlich.
Das Wort "Selbstliebe" ist auch schon ein hoher Maßstab. Ich finde "Wertschätzung" und "Achtsamkeit" einfacher, da fand ich selbst gleich Zugang.
Bei dem Couching sollte man jeden Morgen und jeden Abend 6 Dinge aufschreiben, für die man dankbar ist. Zu Beginn schrieb ich oft Sachen auf, wie: ich bin dankbar, daß heute die Sonne scheint, daß ich gerade noch den Bus erreicht hab, daß meine Haare heute gut liegen usw. Mir fiel einfach nichts ein. Aber bald merkte ich, daß mir z.B. sowas wirklich gut tut, so ganz einfache Sachen. Dadurch hat sich die Grundstimmung, mit der man in den Tag geht, gleich verändert.
Und es gab auch Aufgaben, in denen man 6 positive Eigenschaften von sich aufschreiben sollte. Klingt jetzt vielleicht lächerlich. Aber diese Aufgaben waren hart, gerade wenn man schlecht drauf ist. Negative Dinge fallen einem ja ohne Ende ein.
Ich denke, der Hintergrund der Aufgaben ist, je mehr man sich zwingt, positiven Dingen seine Aufmerksamkeit zu schenken, desto mehr wird das negative Grübeln verdrängt. Einfach weil man gezwungen wird, sich auf das positive zu konzentrieren.
Letztendlich hängt ja sehr viel von unserer Bewertung der Situationen ab, ob wir uns gut oder schlecht fühlen.
Und je mehr Wertschätzung wir uns selbst entgegen bringen (und auch Nachsichtigkeit), desto weniger sind wir von der Wertschätzung anderer abhängig.
L.G. v. Birke

28.04.2011 06:32 • #4


Howeynous
Guten Abend! Und wirklich sehr vielen Dank an euch alle für die ausführlichen und sehr hilfreichen Beiträge!

Dieses "sich selbst lieben" ist natürlich zu hochgesteckt und in dem Sinne auch gar nicht mein eigentliches Ziel, ich habe das nur irgendwo gelesen und einfach mal zitiert. Könnte man genauso gut mit "sein eigener Freund sein" oder Ähnliches übersetzen.
Es ist auch gar nicht mal so, dass ich im Moment in irgendeiner Weise unzufrieden mit mir bin (bis auf so ein paar übliche Sachen natürlich^^). Auch bin ich, denke ich, zumindest in größerem Maße als noch vor einiger Zeit dankbar für das, was ich habe.

Aber natürlich gibt es hin und wieder diese leichte Unzufriedenheit wegen der Gedanken, zumindest im Moment anderen Menschen eventuell nicht genug zu bedeuten. Zumindest nicht genug für das eigene Empfinden versteht sich.
Hatte in den letzten Tagen immer mal wieder so ein kleines Gedankenspiel im Kopf: Angenommen, ich würde jetzt sofort wegziehen aus dieser Stadt. Mich vom Pflegedienst abmelden und außer meinen Eltern niemandem irgendwas sagen, meine Telefonnummer ändern und meinen Computer nicht mehr anfassen. Wie viele Leute, die ich jetzt kenne, würden wohl meine Abwesenheit bemerken und wann? Wie viele würden wirklich versuchen, mich zu kontaktieren?
Ich befürchte, realistisch eingeschätzt, letztere lassen sich locker auf einer Hand abzählen.

Jetzt natürlich die Frage, wo man die Geschichte dann anpacken soll - in seinem Umgang mit anderen, in der Einstellung zu sich selbst oder sogar beides? Macht es Sinn, den Leuten direkt zu sagen, dass ich mehr sein möchte als nur dann ein Freund, solange es ihnen in den persönlichen Kram passt? Ich denke nicht, ich kann ja auch in allen Einzelfällen gut verstehen, warum die Prioritäten im Moment nun mal andere sind.
Gibt es irgendwas, was ich trotz häufig positiver Rückmeldungen bei neuen Kontakten anders anpacken sollte, damit das nicht zu einer Endlosschleife wird?
Ich weiß, diese Fragen wird mir niemand beantworten können, sie sind an mich selbst gerichtet und nicht eindeutig entscheidbar.

@KiNjAl:
Manchmal beteilige ich mich auch ungefragt mal an einer Diskussion unter Freunden, selbst wenn ich nicht alle von ihnen gut kenne. Aber ich tue das, da meine Teilnahme fast nie explizit gewünscht wird, daher kann man schon sagen, dass ich mich vielleicht etwas ausgeschlossen fühle.

Dein Beispiel mit deinem Bekannten ist natürlich schon krass, ähnliche Typen kenne ich aber auch viele. So ein Leben finde ich schon auch irgendwie bedauernswert. Ich habe überhaupt nichts gegen eine gute Party, gerne auch mit ein paar B., aber das ist dann ein abendliches Vergnügen und selbstverständlich kein Lebensinhalt. Aber wahrscheinlich sieht er selber in seiner Situation nicht wirklich eine brauchbare Alternative gerade, das kann gut sein.
Viele von diesen Leuten haben aber auch tatsächlich ein beneidenswertes soziales Umfeld, und damit meine ich nicht ausschließlich Freunde, die nur im besoffenen Zustand miteinander reden, sondern schon wirkliche Freunde.

Wie sehr eine schwierige Phase aber verändern kann, habe ich auch schon bemerkt. Vielleicht können wir ja tatsächlich irgendwann mal davon profitieren, ich denke mal das lässt sich aber zumindest bei mir vielleicht erst in vielen Jahren beurteilen.

*lach* - Ich gebe zu, als ich deinen Beitrag gesehen habe, war auch das allererste was mir auffiel die Uhrzeit^^ dachte, du bist ja wirklich noch schlimmer wie ich, gibt es ja eigentlich kaum.
Also das ist auch ungefähr der Tagesrhythmus, mit dem ich mich inzwischen abgefunden habe. Studententypisch könnte man auch sagen. Spätabends und nachts ist für mich nunmal die beste Zeit, um in Ruhe irgendetwas zu schreiben und schlafen schaffe ich ohnehin nicht ;)

Schönen Tag noch euch allen! Freitag ist doch immerhin mal ein Grund zur Erleichterung! ;)

Tim

28.04.2011 23:32 • #5


Ach, wegen meiner kleinen Tochter bin ich öfters mitten in der Nacht oder früh am Morgen wach.
Erst recht weil sie im Moment zahnt ;-)

Kann dich gut verstehen, zumal wenn ich irgendwo mitrede, ich auch immer allein auf weiter Flur stehe,
es interessiert echt niemanden was ich denke/sage wie es scheint. Echt seltsam...
Vermutlich liegt es daran, dass ich nur bei wichtigen Themen mitrede, also bei persönlichen und mir
dieser Smalltalk so nach dem Motto: "Habt ihr gestern gesehen, die bei Germany's next Topmodel hat das und das gemacht..."
einfach nicht liegt. Ich mag es persönlich und tiefgründig, de Masse aber offensichtlich nicht...
da hab ich wohl Pech :-) Eigentlich zum Heulen, doch mein Galgenhumor hält mich aufrecht :-)
Welche Themen interessieren dich so Mr Nachtschwärmer? ;-)

Gruß. KiNjAl

(Müssen ja nicht immer alle Beiträge ernst oder traurig sein, oder? :-)

PS: Schönes Wochenende für dich!

29.04.2011 22:31 • #6


Howeynous
Was mich so interessiert?
Ja, das ist natürlich immer auch so ein bisschen eine tagesabhängige Sache. Generell betreibe ich auch mal etwas Smalltalk: Fußball, bestimmte Fernsehserien, ich liebe Karten- und Brettspiele aller Art usw. Auch Computer und alles was dazu gehört finde ich generell interessant (dieses Wochenende nicht! Aber das ist eine andere Geschichte^^)

wahrscheinlich beteilige ich mich grundsätzlich zu wenig an Diskussionen. Ja, ich gebe zu, ich bin in sozialen Situationen auch schüchtern und manchmal etwas unbeholfen. Aber wie schon im Eingang erwähnt - ich kenne sogar selber einige, die das noch viel mehr haben als ich und trotzdem es auf irgendeine Weise geschafft haben, ihre eigenen "Grüppchen" zu bilden.
Ähnlich wie bei dir, hat mich früher auch die Oberflächlichkeit in meinem Umfeld gestört. Ich denke aber, damit habe ich mich inzwischen auch abgefunden. Wie Du richtigerweise gesagt hast - natürlich finde ich nicht, dass jedes Gespräch tiefgründig sein muss. Was ich will, ist einfach mal sowas wie überhaupt ein Gespräch!

Bestes Beispiel vielleicht ganz aktuell - ich hatte 2009 eine gute Freundin, die mir auch in der schwierigen Phase viel geholfen hat. Jetzt konnte ich sie seit 4 Wochen nicht mehr erreichen und gerade eben habe ich sie dann zufällig mal wieder online erwischt - und natürlich angesprochen. Reaktion: "Oh tut mir echt leid, aber ich muss schon so bald wieder aufstehen, ich muss jetzt leider echt schlafen. Bis bald mal wieder!". Das stimmt in ihrem Fall zweifellos! Aber "bald" bedeutet dann auch schätzungsweise wieder 4 Wochen. Ist aber nur eines von sehr vielen Beispielen, wie einfach keine Gespräche zustandekommen. Meine Eltern haben übrigens auch versprochen, mich heute aus dem Urlaub mal anzurufen - ich hätte auch ein paar Fragen wegen meines Computers. Aber natürlich haben sie das nicht gemacht...

Ich hoffe, ihr haltet trotz der auftauchenden Schneidewerkzeuge ein einigermaßen entspanntes Wochenende ;-)

02.05.2011 01:00 • #7


Hey du.

Frage bitte nicht wie mein Geburtstag war, oder die letzte Nacht *seufz* Aber im Groben und Ganzen überleben Kind und Eltern das mit dem Zahnen ;-)
Find ich toll, da hast du doch einige Themen über de es sich gut quatschen lässt, auch mit Gleichaltrigen. Bei mir sieht es da schon anders aus...
Also mich interessiert aktuell: Mandalas, meine Tochter, dieses Forum, Dr. House, wie schaffe ich in möglichst wenig Zeit soviel wie möglich Haushalt,
wie recht das bissel Geld zum Leben, wie finde ich Freunde?....u.ä.Probleme
Da sind dann nicht soooo viele Übereinstimmungen, zumal meine Ansichten was Haushalt und Kindererziehung angeht auch ziemlich anders sind wie es sich die
Masse vorstellt fürcht ich...
Aber hey Brettspiele und Kartenspiele mag ich auch ganz gern. Besonders Uno, Würfelbingo und Siedler von Catan :-) Also gibt es ja vielleicht noch Hoffnung.
Tut mir wirklich leid dass eine Freunde wenig Zeit für dich haben. Bei mir sind di Beteuerung bei Bekannten, Familie, etc. auch immer ganz groß.
So nach dem Motto: "Wir sehen uns nächste Woche" oder "Ich ruf morgen noch mal an", "Ich schreib dir nach Ostern noch mal", etc.
Vermutlich ist dass auch wieder so eine Sache mit der wir uns abfinden müssen. Ich denke mir so, dass ist menschlich, dass man erst einmal auf der
Warteliste steht. Neben meiner zahnenden Tochter ist mir auch nicht sooooo viel wichtig und andere Leute geraten da ein bisschen in den Hintergrund *seufz*
Es gab mal ne Phase wo ich mich mehr für andere interessiert habe, mir gemerkt hab wann wer entbindet, wohin und wann in Urlaub gefahren wird, wer welches Getränk/Essen mag
und all diese Dinge. Wenn ich das Wissen dann für Smalltalk oder ähnliches brauchte hab ich es dann vorgekramt. Da waren die Menschen um mich herum zwar kurzzeitig
beeindruckt aber der Effekt war etwa von der Dauer wie wenn ein Clown eine Torte ins Gesicht bekommt. Es folgt ein kurzer Lacher und das war's.
Von ähnlichem Interesse ist dann wohl auch mein Leben. Ich nehm mich ja oftmals selbst nicht ernst. Die Depression ist im Nachhinein immer so surreal.
Du siehst, es geht Menschen wie Leuten.

Eine schöne Woche für dich.

Es beruhigt mich mit dir zu schreiben, es könnte zu einer netten Gewohnheit werden...

KiNjAl

02.05.2011 07:15 • #8


Howeynous
Hey!
Nein keine Angst, ich frage nichts ;-) aber ich lese aus deinen Zeilen heraus, dass Du offensichtlich Geburtstag hattest und dazu möchte ich dich dann auch nachträglich nochmal ganz herzlich gratulieren!

Natürlich kann ich das verstehen, dass bei einem Kind erstmal alles andere Nebensache ist - das soll auch so sein! Habe es auch schon im Eingang erwähnt - in meinem Bekanntenkreis hier sind dieses Jahr gleich 7 davon im Anflug und ich freue mich auch ohne Frage für diese Familien! Nur leider kann ich irgendwie bei dem Thema dann doch noch nicht so richtig mitreden^^. Hatte ja noch nicht mal eine Freundin. Aber es ist ja auch ein durchweg bekanntes Phänomen, wie es zum Beispiel gerade auch bei einem Assistenten und wie ich finde zumindest guten Kumpel von mir auftritt. Vor ein paar Monaten haben wir noch zusammen ganze Nächte im Internet gezockt! Und jetzt neulich kommt er 2:00 nachts mit strahlenden Augen zu mir und meint ganz aufgeregt: "Mein Sohn hat es endlich geschafft, ein Bäuerchen zu machen!!" Natürlich schön, dass es doch endlich geklappt hat. Aber was soll ich sonst noch dazu sagen?^^

Dein Satz von wegen dem Clown, der eine Torte ins Gesicht bekommt - er hätte von mir kommen können! Auch wenn ich sehr gerne mal, vor allem mit einem bestimmten Assistenten, einfach den ganzen Abend Blödsinn rede^^ und lachen einfach gesund ist - ich vermute, es ist doch der falsche Weg, in neuen Gemeinschaften für länger als ein paar Sekunden Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.
Ich denke auch, die Tatsache alleine, dass die Leute irgendwann mal das Interesse verlieren, ist an sich nicht weltbewegend und trifft jeden von uns ständig. Nur im Normalfall sollten dann halt andere Leute den Platz einnehmen. Und das passiert eben nur bei meinen Bekanntschaften und nicht bei mir selbst, warum auch immer.

Wünsche dir auch noch eine schöne Woche!
Und Mist, ich sollte mich jetzt endlich mal an meinen Seminarvortrag setzen - muss in den kommenden 7 Tagen noch 40 Folien entwerfen und das eigentlich schlimme: ich verstehe den Inhalt kein bisschen^^

finde es aber auch schön, mit dir zu schreiben! Könnte gerne so weitergehen.

Lg, Tim

02.05.2011 16:22 • #9


Juhu :-)

Wieder hab ich einen Tag rumgebracht *uff* - YEAH! Ich hab den Regen ignoriert und Eis in mich reingeschaufelt :-)
Natürlich kann das nicht mit einer Ausarbeitung zum Seminarvortrag mithalten ;-) , aber ich denke es war mal ganz
gut fünfe gerade sein zu lassen :-) Bin heut mal mit mir im Reinen.
Ich würde mich ja gern mal euren Blödeleien anschließen. Weiß gar nicht mehr wann ich das letzte Mal richtig von
Herzen gelacht habe....*seufz*
Und ich würde gern diese typischen Dinge machen die Mädels halt so tun. Shoppen, Kino, mit Freunden in die Disco,
Schminken, so n Kram halt. Aber irgendwie kann ich das nicht, hab die Zeit dafür wohl verpasst...während andere Spaß hatten
hab ich deprimiert in der Bude gehockt und irgendwie den Anschluss verpasst. Selbst meine Familie hält mich für sonderbar.
Bei mir kommen auch keine Menschen die den Platz von anderen einnehmen die mal da waren.
Ich hab da wohl ein kleines Bindungsproblem. Ich trauere jedem den ich verloren habe jahrelang hinterher.
In meinem Herzen ist ein Friedhof wo für jeden Menschen der mir mal was bedeutet hat oder ich ihm ein kleines Grab steht...
da bekommt das Word "Mördergrube" gleich eine ganz neue Bedeutung *gg* Zumal ich durch die Depression vielen Menschen
sehr weh getan habe und sie sich deshalb abgewendet haben. Und wie in einer richtig guten Seifenoper hoffe ich darauf
dass alles gut wird und diese Menschen mir eines Tages verzeihen un zu mir zurück kommen. Hat mit der Realität nix zu tun, aber
naja...
Ich wäre schon froh wenn jemand mal so viel Interesse an mir hätte (mal abgesehen von meinem Partner und meiner Tochter)
dass er mir 5 min zuhört oder mich kurz anschaut. Vermutlich bin ich unsichtbar und weiß nur nix davon ^^
Also behalte dein Lachen und schick mal n bissel was davon durch die Leitung ;-)

Schönen Abend und gutes Nächtle...
und sei schön fleißig für deinen Vortrag :-)
Um was geht es denn?

KiNjAl

PS: Deine Signatur gefällt mir :-) Ist ein toller Liedtext, hab gerade mal gegooglet ;-)
Aber der gefällt mir noch ne Spur besser: http://www.magistrix.de/lyrics/Alanis%2 ... 70899.html
Ich denk zwar du kannst bestimmt Englisch, aber hier trotzdem die Übersetzung: http://www.magistrix.de/lyrics/Alanis%2 ... 75161.html
Okay, merke gerade die Übersetzung ist voll für den A***** :-) Naja, Englisch ist eh ne schönere Sprache als Deutsch wie ich finde

02.05.2011 18:59 • #10


Howeynous
Guten Abend!

Leider ist dieses Wochenende wieder so eine depressive Phase da... ich habe mir gerade diesen ganzen Thread durchgelesen und - er hätte von heute sein können. Ich habe viel zu tun, sehr viel sogar, aber keine Lust mehr, auf gar nichts hier. Ich würde morgen am liebsten den ganzen Tag mit einer (von mir aus auch fiktiven oder bisher unbekannten) Person alleine irgend einen Blödsinn machen - reisen, quatschen, Film anschauen, kuscheln oder was weiß ich, einfach Nähe spüren. Ist aber nicht, denn niemand würde hier einen wertvollen Tag mit jemandem wie mir verschwenden wollen.

Meine Eltern sind nächste Woche im Urlaub (mal wieder) und ich überlege mir, wozu ich diese Zeit nutzen könnte. Und leider überlege ich mir auch die falschen Sachen... Gedanken, die ganz schnell von der Bildfläche wieder verschwinden müssen! :-(

Gruß,
Tim

31.07.2011 02:17 • #11


JeanLucca
Hallo Tim.

Ich habe mir eben Dein Tagebuch durchgelesen. Einiges habe ich sicher auch überflogen aber letztendlich hilft es mir gerade Deinen heutigen Eintrag überhaupt zu verstehen. Als ich in Deinem Tagebuch gelesen habe, hatte ich das Gefühl als wenn ich irgendwie im Thema bin. Also ich meine als ob ich mich an der Unterhaltung beteiligt hätte. Das habe ich ja nicht, aber das Gefühl war da. Ich glaube es liegt daran wie Du schreibst - sehr offen und ehrlich. Das gefällt mir und spricht mich an.

Zitat von Howeynous:
Ich habe viel zu tun, sehr viel sogar,
Darf ich fragen wovon Du sprichst?

Zitat von Howeynous:
Und leider überlege ich mir auch die falschen Sachen...
Gut finde ich das Du es aussprichst und nicht für Dich behältst

Bekommst Du eigentlich Antidepressiva?

Lieben Gruß, JeanLucca

31.07.2011 08:21 • #12


Howeynous
Hallo JeanLucca!

Natürlich darfst du fragen, sehr gerne sogar!
Ich müsste mich vor allem mit Uni-Sachen beschäftigen, schreibe eine Bachelorarbeit und muss für ein anderes Seminar noch 2 Präsentationen und ein paar Zusammenfassungen schreiben. Aber dieses Wochenende reicht es leider irgendwie zu gar nichts, schade denn unter der Woche habe ich eigentlich zumindest die Nächte ziemlich gut durchgearbeitet.

Ich stand eine Weile lang Kontakt zu meinem Hausarzt, möchte aber keine Medikamente solange es nicht unbedingt sein muss. Erstens hat mein Körper schon über die Jahre genug Chemie abbekommen und zweitens habe ich rund um die Uhr Assistenten, wenn ich etwas schlucken müsste könnte ich gleich mit einem großen Schild mit der Aufschrift "Ich bin depressiv" herumfahren. Und außerdem schaffen Antidepressiva auch die, völlig rational vorliegende, Einsamkeit nicht weg...

Nur wenige können wirklich verstehen, was es bedeutet, so wirklich gar niemanden persönlich um sich herum zu haben. Sogar Leute, die ich kenne und sich ebenfalls einsam fühlen, haben in Wahrheit immer noch 1-2 sehr gute Freunde und sogar einen Partner. Was jetzt natürlich nicht heißen soll, dass deren Probleme weniger schwer wiegen müssen, überhaupt nicht... aber es ist halt trotzdem eine andere Situation. Und manchmal würde ich liebend gerne mit ihnen tauschen, selbst bei Beziehungsproblemen - für das Singleleben kann man sich notfalls immer noch entscheiden wenn es nicht anders geht, nur alleine dagegen entscheiden kann man sich nicht.

Schönen Abend noch!
Tim

31.07.2011 17:17 • #13


JeanLucca
Hallo Tim.

Zitat von Howeynous:
Aber dieses Wochenende reicht es leider irgendwie zu gar nichts, schade denn unter der Woche habe ich eigentlich zumindest die Nächte ziemlich gut durchgearbeitet.
Ich denke Du kannst Dir ruhig eine Pause gönnen. Auch wenn Du Dir vorgenommen hast ein bestimmtes Pensum zu erreichen wird sich eine Pause nicht negativ auf das fachliche Ergebnis auswirken. Ich finde Du warst ganz schön fleissig in der Woche - und dann noch Nachts. Das bedeutet ja ein hohes Mass an Motivation. Nimm Dir doch das WE um Deinen Speicher wieder aufzuladen.

Zitat von Howeynous:
Nur wenige können wirklich verstehen, was es bedeutet, so wirklich gar niemanden persönlich um sich herum zu haben.
Wenn ich so an mich denke dann kann ich zumindest ein Teil der Einsamkeit nachfühlen. Denn das ist bei mir seit ein paar Jahren ein grosses Thema.

Ich glaube Dir aber, dass Du extreme Gefühle wie Sehnsucht oder Wut darüber nicht Ernst genommen zu werden in dem Bereich hast. Wenn ich an meine Sehnsucht denke dann war sie manchmal schier sehr schwer zu ertragen. Allerdings habe auch ich Menschen die mir sehr nah stehen und auch einige andere. Die sollen zwar nicht für eine Freundschaft herhalten und sind auch da wenn ich sie brauche, aber meine Einsamkeit - meine Sehnsucht nach einem (bestimmten) Menschen - können auch sie nicht stillen.

Darf ich Dich etwas in Bezug auf Dein "Umzugsthema" fragen? Ich trau mich nicht weil ich Dich noch nicht so_gut_kenne und Dir auf keinen Fall zu nahe treten möchte. Ich habe nämlich eine Frage die mir schon beim Lesen Deines Tagebuchs gekommen ist.

Lieben Gruß, JeanLucca

31.07.2011 20:39 • #14





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