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Wie kann ich mit 65 früher in Altersrente gehen?

Momo58
Ich werde im Juni 65. Meine reguläre Altersrente würde mit 66, also zum 1.7.2024 beginnen.

Ich arbeite 75 Prozent in einem Bürojob und bin mit meiner Arbeit im Großen und Ganzen zufrieden. Auch der Kontext ist angenehm, da ich seit Corona mehr Homeoffice machen kann und ich einen netten Chef und nette Kolleginnen habe. An sich war ich immer zuversichtlich, dass ich bis zur normalen Altersrente arbeiten kann.

Diese Zuversicht ist nun ins Wanken geraten. Grund für die jetzige Krise sind folgende Umstände: Im August 2022 starb meine 91-jährige Mutter, im November 2022 hörte ich nach über 40 Jahren mit dem Rauchen auf. Mir war klar, dass das Rauchen auch meine latenten Depressionen in Schach hielt. Auf der anderen Seite haben viele Nichtmehrraucher in den ersten Monaten depressive Verstimmungen.
Zunächst hatte ich das Gefühl, Trauerprozess und Rauchstopp durchlaufen zu können, ohne dass meine Arbeitsfähigkeit gefährdet ist. Inzwischen macht sich bei mir aber immer mehr eine Erschöpfungsdepression breit und ich habe bereits einen Psychiater aufgesucht, der mir Antidepressiva verschrieb (die ich noch nicht genommen habe).

Ich überlege nun, was meine Optionen sind. Folgendes fällt mir ein:
1) Ich gehe drei Monate früher in Rente, also zum 31.3.2024. Die Zeit bis dahin versuche ich durchzuhalten, wenn das nicht geht, muss ich mich (teilweise) krankschreiben lassen. 3 Monate früher in Rente gehen, bedeutet pro Monat eine Minderung um 0,3 Prozent Rente, das könnte ich hinnehmen.
2) Ich lasse mich krankschreiben, falls es gar nicht mehr geht und schaue, was passiert. Möglicherweise geht es mir doch wieder besser, ansonsten könnte ich bis zum 1.7.24 Krankengeld beziehen,
3) Ich beantrage eine Erwerbsunfähigkeitsrente/Minderungsrente. Ob das so kurz vor dem Ziel Sinn macht bzw. möglich ist, weiß ich nicht.
Fallen euch zu diesem Thema konkrete Tipps ein?

30.05.2023 20:29 • x 2 #1


CCC
Hallo @Momo58
Ganz spontan finde ich die Variante 2 ideal.
Du könntest Dich zB beim VdK beraten lassen, die können das ganz genau mit Dir durchsprechen. Falls Du da noch nirgends Mitglied bist - die Mitgliedschaft lohnt sich auch für zukünftige Dinge, die Dich ereilen könnten.
LG!

30.05.2023 20:38 • x 5 #2


A


Hallo Momo58,

Wie kann ich mit 65 früher in Altersrente gehen?

x 3#3


Dys
Nur mal rein hypothetisch. Falls Du krankgeschrieben würdest und nach der Lohnfortzahlung dann Krankengeld beziehen würdest, könnte dies für 78 Wochen gezahlt werden. Danach würdest Du ausgesteuert und hättest Anspruch auf ALG1. Selbst wenn Du Dich dem Arbeitsmarkt dann voll zu Verfügung stellen würdest, sehe ich persönlich nicht die „Gefahr“ das Du nochmal erwerbstätig werden müsstest, bis zur Regelaltersrente. Abgesehen davon, dass Du Dich eventuell bewerben müsstest, wird es wohl keinen Arbeitgeber geben, der Dich unbedingt „haben“ will.

Wie gesagt, rein hypothetisch. Solltest Du ab sofort ohne Unterbrechung krankgeschrieben werden und Krankengeld bis zu dessen Ende beziehen und danach Arbeitslos sein, sehe ich kein Problem deine Rente auch ohne Abschläge zum vorgesehenen Zeitpunkt zu erhalten. Also müsstest Du nicht 3 Monate vorher in Rente gehen.

Wo liegen jetzt die „Fallstricke“? Möglicherweise wird man Dich seitens der Krankenkasse auffordern einen Reha Antrag zu stellen, dem Du, falls dein behandelnder Arzt Dir Rehafähigkeit bescheinigt, nachkommen müsstest und die Reha dann antreten. Was dann dabei nach der Reha rauskommt, ist offen.
Es könnte auch seitens der Rentenversicherung der Rehaantrag in einen EM Rentenantrag umgedeutet werden und wenn dieser bewilligt würde, bekämst Du diese dann. (Aufgrund des relativ kurzen Zeitraums, vermutlich bis zur Regelaltersrente) Aber das würde sich dann zeigen.

Wenn Du also Arbeitsunfähig bist, wäre zunächst ja eine Krankschreibung obligatorisch. Wie lange die dann dauert, liegt an deinem Gesundheitszustand. Wie es sich entwickelt, siehst Du dann ja. Jedenfalls dürfte die finanzielle Unterstützung gewährleistet sein, natürlich mit den üblichen „Abzügen“ zum regulären Gehalt, bei Krankengeld und ggf. ALG1 und einer eventuellen EM Rente.

31.05.2023 10:58 • x 2 #3


Momo58
@CCC und @Dys, danke für eure Antworten.

Meine Überlegungen betreffen sowohl die finanzielle Seite als auch die Frage, was wohl am wenigsten Aufwand ist. EU/EM-Rente wären natürlich mit einem hohen bürokratischen Aufwand verbunden, auch ins Krankengeld zu fallen, kostet oft Nerven (ich bin 2012 an Brustkrebs erkrankt und kenne die Prozeduren bzw. erinnere mich an die Anrufe meiner Kasse, um indirekt Druck auszuüben).

Zunächst mal will ich Infos sammeln und bin ganz stolz, dass es mir heute gelungen ist, einen Online-Zugang zu meinen Daten bei der DRV zu bekommen. Ich dachte immer, ich bräuchte dazu ein Lesegerät für den Personalausweis, erst heute erfuhr ich, dass das Ganze auch mit Smartphone geht. Nun konnte ich mir meinen Versicherungsverlauf herunterladen und habe auch erfahren, was ich bei einer EU-Rente/Altersrente bekommen würde. Außerdem kann man alle Anträge ebenfalls online stellen. So habe ich heute einen eAntrag gestellt, um zu erfahren, wie hoch die freiwilligen Beiträge sein müssten, wenn ich ohne Abzüge 3 Monate früher in Rente gehen will. Ich gehe davon aus, dass ich die nächste Woche erstmal wieder zur Arbeit gehe und dann weiter sehe.

01.06.2023 20:39 • x 2 #4


CCC
Zitat von Momo58:
Meine Überlegungen betreffen sowohl die finanzielle Seite als auch die Frage, was wohl am wenigsten Aufwand ist. EU/EM-Rente wären natürlich mit einem hohen bürokratischen Aufwand verbunden, auch ins Krankengeld zu fallen, kostet oft Nerven

verstehe!

01.06.2023 20:54 • #5


michi2879
EU/EM Rente ist nicht nur ein Bürokratischer Aufwand, sondern auch eine ganz schöne Prozedur. Bei mir hat dieser Weg von Februar 2020 bis zur Antragsstellung im Oktober 2021 auf EM / EU Rente gedauert, dann noch mal ca 7 oder 8 Monate bis diese durch war.

Dazwischen lag alles von Reha über Therapie über LTA Maßnahmen und ALG 1 und diversen Terminen ein steiniger Weg.

Ich würde an Deiner Stelle die 3 Monate mit Abschlag hinnehmen. Es kann aber auch sein das dch die Kasse ziemlich unter Druck setzt. War bei mir so, (Reha und LTA Maßnahme und die Drohung bei Verweigerung das Krankengeld zu streichen).

Am Ende muss man es probieren wie es geht.

Gruß michi

P.S. Amtsärzlicher Gutachter da durfte ich mal sofort antanzen. Bei mir war die Kasse nach 2 Tagen am Drücker ....

01.06.2023 21:22 • x 2 #6


Dys
Die online Funktion mit Ausweis App nutze ich auch zur Kommunikation mit der DRV. Kann ich wirklich empfehlen. Spart Papier und Porto. Meine Anträge stelle ich nur noch so.

02.06.2023 10:52 • x 2 #7


R
@Momo58
Hast du schon einen GdB durch deine frühere Erkrankung?

10.08.2023 06:38 • #8


Momo58
@Rali, nein, einen GdB habe ich nicht.

10.08.2023 09:37 • #9


BlackKnight
Zitat von CCC:
Hallo @Momo58 Ganz spontan finde ich die Variante 2 ideal. Du könntest Dich zB beim VdK beraten lassen, die können das ganz genau mit Dir ...


+1 finde ich gut so

10.08.2023 09:42 • x 1 #10


R
Zitat von Momo58:
@Rali, nein, einen GdB habe ich nicht.

Spreche das mal bei deinen Ärzten an.

10.08.2023 09:46 • x 2 #11


Greta
Zitat von Momo58:

Ich werde im Juni 65. Meine reguläre Altersrente würde mit 66, also zum 1.7.2024 beginnen.

Du musst ja nur noch ein knappes Jahr bis zur regulären Altersrente überbrücken.
Das geht problemlos mit einer Krankschreibung.
Sechs Wochen Lohnfortzahlung und 72 Wochen Krankengeld... das ist mehr Zeit, als du brauchst.
ALG1 brauchst du folglich nicht mehr befürchten.
Allerdings ist das Krankengeld geringer als dein bisheriger Nettolohn!
Aber wenn du diese Einbuße verkraften kannst, würde ich das an deiner Stelle so machen.

Bis die Krankenkasse dich zur Reha auffordert, dauert nach meiner Erfahrung ein paar Monate.
Danach hast du einige Wochen Zeit, um den Reha-Antrag zu stellen (bei mir waren's sechs Wochen). Die solltest du natürlich ausreizen
Bis die DRV die Reha genehmigt, dauert dann auch noch wieder eine ganze Weile.
Gut möglich auch, dass die Reha erstmal abgelehnt wird und du Widerspruch einlegen musst.
Die Rentenversicherung sieht ja auch, dass du nicht mehr lange bis zur regulären Altersrente hast. Und warum sollen die dir noch eine teure Reha finanzieren, wenn die Krankenkasse zahlen würde, bis du in Rente gehst?

Wenn die Reha genehmigt ist, vergehen üblicherweise nochmal sechs bis acht Wochen, bis ein Platz in der Reha-Klinik frei ist.
Dann die Rehazeit über drei bis fünf Wochen (evtl. noch Verlängerung).
Bis du mit der ganzen Sache durch bist, ist das Jahr schon fast rum.
Wenn du aus der Reha arbeitsfähig entlassen wirst, kann dein Arzt dich dennoch weiter krankschreiben, wenn er anderer Meinung ist.
Oder dir geht es nach der Reha sogar wieder so gut, dass du die eventuelle Restzeit bis zur Altersrente noch arbeiten kannst.

Liebe Grüße
Greta

11.08.2023 00:02 • x 1 #12


Momo58
@Greta
tatsächlich bin ich im Moment krankgeschrieben, aber nicht wegen Depressionen, sondern wegen einer bakteriellen Infektion. Im Moment ist meine Lieblingsoption, drei Monate früher in Rente zu gehen. Die Voraussetzungen, um mit Abschlägen früher in Rente zu gehen, erfülle ich. Entweder nehme ich dann 0,9% Abschläge in Kauf oder ich zahle einen zusätzlichen Betrag bei der DRV ein, um die fehlenden 3 Monate auszugleichen. Wenn ich jetzt weiß, dass ich zum 1 April 2024 in Rente gehe, dann wirkt das für mich überschaubarer.
Liebe Grüße
Momo

11.08.2023 18:43 • x 3 #13


Greta
@Momo58

Das klingt doch gut durchdacht
Und ist auch wesentlich stressfreier als der Weg über Dauerkrankschreibung, Reha und all dem.
0,9 %... das sind 9 Euro auf Tausend und 18 Euro auf Zweitausend; das tut vermutlich auch nicht weh.

Alles Liebe
Greta

12.08.2023 09:07 • x 2 #14


Momo58
Ein Update:
Nun habe ich Nägel mit Köpfen gemacht. Bei meinem Arbeitgeber habe ich zum 31.3.2024 gekündigt, damit ich ab dem 1. April 2024 in Rente gehen kann.

Mein Bruder war verwundert, dass ich 3 Monate früher in Rente gehen will. Ich konnte es ihm nicht richtig erklären. Ich fühle mich bereits seit längerem nicht mehr wirklich leistungsfähig, die Depression habe ich einigermaßen im Griff, aber auch die Schlafstörungen schlauchen mich.

Wie so oft habe ich erst mit meiner Entscheidung gehadert. Aber: Die Probleme und Herausforderungen, die ein neuer Lebensabschnitt mit sich bringt, müssten auch drei Monate später bewältigt werden. Wie es finanziell genau aussieht, kann ich erst sagen, wenn die DRV-Rente plus Betriebsrenten eingetroffen sind, aber Grundsicherung werde ich nicht beantragen müssen, das ist schon mal gut.

26.09.2023 12:50 • x 2 #15


CCC
prima, ein großer Schritt ist gemacht

26.09.2023 16:07 • x 1 #16


Ell
Hallo Momo,
ich hab gerade erst gelesen,
dass du nun kurz vor Renteneintritt stehst , das ist bestimmt ein gutes Gefühl oder?
Nun denn ich hoffe es geht dir aktuell ganz gut!?
Liebe Grüße Ell

05.02.2024 12:04 • x 1 #17


Momo58
Liebe @Ell,
danke, dass du nachgefragt hast. Ja, ich bewege mich nun auf meine Rente zu, die Zeit vergeht unglaublich schnell. Ab dem 1. April ist es so weit. Allerdings hat mich mein AG inzwischen gefragt, ob ich befristet einen Tag in der Woche weiterarbeiten kann, um meine Nachfolgerin einzuarbeiten. Das hat mich sehr gefreut und so habe ich noch einen Übergang.
Wie geht es mir sonst? Nun, das ist sehr gemischt, es geht auf und ab, mal bin ich ganz optimistisch, dass ich den Ruhestand sinnvoll gestalten kann, dann wieder befürchte ich, dass ich depressiver werde und es nicht schaffe, eine neue Struktur oder neue Ziele zu finden.
Ich lese ja in deinem Tagebuch mit und kann mich mit vielem identifizieren, was du schreibst. Ja, die Antriebslosigkeit kenne ich auch gut. Wie wird das werden, wenn ich nicht mehr muss, z. B. arbeiten, frage ich mich dann. Ich war ab und zu mal ein halbes Jahr arbeitslos. Am Anfang konnte ich das genießen, aber auf Dauer fehlte mir die Struktur und die Aufgabe. Da finde ich bei dir gut, dass du dir Ehrenämter suchst. Auch für mich ist dies eine Option.
Auch die Sache mit der strukturierten Trauer kenne ich gut. Meine Mutter starb 2022 und in diesem Monat jährt sich ihr Geburtstag. Vielleicht fühle ich mich deshalb so melancholisch in diesem Monat.
Nun, ich hoffe auf den Frühling und die Sonne, es kann nur besser werden.
Liebe Grüße von Jutta

07.02.2024 20:33 • x 1 #18


Momo58
Hallo,

ich sende mal ein Update. Zum 1. April hatte ich die Rente beantragt. Mein AG hatte mich gebeten, befristet noch einen Tag in der Woche weiterzuarbeiten, um die Nachfolgerin bzw. den Nachfolger einzuarbeiten.

Nun, wie so oft im Leben, kam es ganz anders. Denn eine Nachfolgerin gibt es zurzeit nicht. So habe ich mich bereit erklärt, noch 50 Prozent bis Ende Juni weiterzuarbeiten. Das sind 19,5 Stunden, die ich auf 3 Tage verteilt habe. Mo und Fr habe ich frei, das ist schon wie ein bisschen Rente

Im Juli, August und September will ich aber keinen neuen Vertrag, falls es dann immer noch keine Nachfolgerin gibt. In diesen drei Monaten will ich ganz frei über meine Zeit entscheiden, kurzfristig verreisen, etc. Nun, ich bin gespannt, ob es bis dahin eine Nachfolgerin gibt.

Euch einen schönen Sonntag!

Gestern 14:07 • x 2 #19


Ell
Das ist interessant und auch großzügig von dir deinem AG noch etwas Zeit zu schenken, ich hoffe es folgt dann endlich jemand ....Du schreibst Juli-September möchtest du frei verfügen, heißt das dass du im Oktober wieder TZ mäßig einsteigen würdest?

Gestern 14:51 • #20


A


Hallo Momo58,

x 4#21


Momo58
@Ell,
nein, es ging nur darum, dass ich befristet ca. 2 Monate noch einen Tag arbeite, um eine Nachfolgerin einzuarbeiten. Wenn es die ab Oktober oder früher gibt, würde ich das machen, sonst nicht. Eine Vertretung für die Stelle mit nur einem Tag werde ich auf keinen Fall machen, dann müssen sie eine andere Lösung finden.

Heute 09:38 • x 1 #21

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