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Wie ich meine krankhafte Spielsucht alleine bekämpfte

wds

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Hallo Leute. Ich bin mir sicher das es einige Menschen gibt hier im Forum, die wie ich an Spielsucht leiden/litten. Denn Depression, Suizid und Spielsucht haben auch einen Zusammenhang in unserer heutigen Gesellschaft. Es werden immer mehr Spielsüchtige in Deutschland. Schuld ist nicht immer ,wie in 0815 Zeitungartikel beschrieben nur der soziale Umfeld, sondern andere Faktoren.
Ich erzähle meine Geschichte, wie ich durch diese Hölle ging und wie ich diese Sucht bekämpft habe.

Ich stamme aus einer wohlhabenden Familie. Kein Alk.l, Rauchen, Spielen oder sonstiges. Mit frischen 18 Jahren, habe ich spaßhalber ein bisschen Kleingeld (ca. 3 bis 4 Euro) in einem Spielautomat investiert. Es war ein lustiger Abend mit Freunden. Jetzt bist du 18 und darfst das. Probier mal. Hieß es. ähnlich wie bei einer ersten Zig. Ich gewann in ein Handumdrehen 400 Euro. Benebelt von Glücksgefühlen, wurde der Ort mit der Zeit zu meiner zweiten Heimat. Frauen oder Kinobesuche mit Freunden waren langweilig, denn nur das Spielen gab mir ein Glücksgefühl. Es ist vergleichbar wie ein Org.

Die Sucht wurde so krank, das mein Gehalt (ich verdeine gut!) in ein oder zwei Tagen weg war. Ich merkte das es falsch war, aber es ist so als sitze der Teufel hinter mir der mich bedroht und sagt: Spiel oder stirb. Als gäbe es kein Morgen spielte ich. Ich lügte bei der Familie, Freunden und Geliebte Menschen. Jeder Cent wanderte in den Automaten. Als ich am Ende war und mich umbringen wollte, habe ich von einem Tag zum anderen aufgehört. Ohne professionelle Hilfe. Wie?

Ich habe mich von Online Portalen sperren lassen. Lokal bin ich nicht mehr hin. Ich habe jeden Tag Geld aufs Sparbuch und habe mir davon coole Sachen gegönnt. Städtereisen, Schuhe und auch meine Raten, Schulden usw. abbezahlt. Mein Konto ist immer grün. Ich bin süchtig nach Erfolg. Erfolg ist für mich finanziell stabil zu sein. sich Freuden zu machen, in ein Restaurant essen auch mehrmals. Alles außer Automaten. Versucht es selber. Ich bin seit diesem Tag nie mehr rückfällig geworden. Denkt drüber nach.

Keiner schenkt euch was. Von nichts kommt nichts. Diese Spielstätten sind Unternehmen die verdienen müssen, sonst wären sie schon längst pleite. Danke fürs lesen. Männlich, 24.

02.02.2019 11:24 • x 4 #1


Frederick1

Frederick1

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lieber wds,

vielen herzlichen Dank für deine klugen Worte. Ja ich war auch schon spiele süchtig. Da ich damals keinen Erfolg hatte, oder das nicht hatte, was scheinbar Erfolg und inneren Frieden bringt, habe ich auch an diesen Automaten gespielt.

Heute bin ich auch so was von glücklich darüber, das ich das nicht mehr muss.

Ich muss auch keine Karriere mehr machen. Der Wunsch Erfolg zu haben ist ja eigentlich was Gutes. Etwas was ich mir vorgenommen habe, dass ich das auch erreiche. Ich bin jemand der etwas kann, das ist ja gerade für mein Selbstvertrauen sehr wichtig.

Kritisch wurde es aber bei mir, wo es nicht nur darum ging eine Sache gut zu machen, sondern es nur noch darum ging, dafür Liebe und Anerkennung zu bekommen, weil ich da auch auch ein Defizit habe. Es geht nicht nur um die Sache, sondern das ich immer selbst gut da stehe. Das ich aber zwanghaft auf Anerkennung aus bin. Genau so zwanghaft wie meine damalige Spielsucht.

Weil einfach die Freiheit fehlt, ich bin gebunden daran, das ein Mensch mich lobt, und das macht mich alles andre als frei. Wer das weiß, kann mich ganz schön bestimmen und ausnutzen.

Kritisch wird es aber, wenn du auf Kosten andere Menschen den Erfolg suchst. Erfolg ja, aber der Erfolg darf nicht und mein ganzes Leben beeinflussen. Ich möchte auch mit Niederlagen im meinem Leben.leben.

Das heißt, wenn der Preis zu hoch ist, verzichte ich auf den Erfolg, sollen sich doch andere darum streiten, denn ich will endlich wieder leben.

Das zeigt sich, wenn ich mich über die Erfolge anderer mit freuen kann, nicht neidisch und verbissen werde.

Karriere, auf Kosen meiner Gesundheit, meiner Familie, auf mein eigenes Leben.

Gefährdet sehe ich da unsere Gesellschaft, an diesem unkontrollierten Machtstreben. Das ich mich plötzlich in Dingen wiederfinde, die ich nie wollte, alles andere als frei, sondern wieder gefangen und gebunden, das möchte ich nie wieder in meinem Leben. Dazu ist mir mein kurzes Leben zu wertvoll, zu kostbar, zu einzigartig.


liebe Grüße,

Frederic

03.02.2019 18:18 • x 3 #2




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