Arbeit hilft mir, meine Depression zu bekämpfen

David Spritz

David Spritz

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Da es mir in der Depression sehr geholfen hat, an dieser Stelle von Leuten zu lesen, die es geschafft haben, möchte ich nun auch mal meinen Senf dazugeben:

Ich bin Ende April diesen Jahres an einer schweren Depression erkrankt und hatte jede Hoffnung auf Besserung und auch jede Freude am Leben vollständig verloren. Außer Angst konnte ich überhaupt nichts mehr empfinden, auch nicht für meine Frau oder meine Kinder. Ich kam mir völlig entmenschlicht vor. Außerdem haben mich furchtbare, zumeist irrationale Ängste geplagt. Ich hatte zwar nicht die Kraft, einen Selbstmordversuch zu begehen, aber hätte man mir einen Schalter in die Handgedrückt, mit dem ich mein Leben hätte beenden können, ich hätte den Knopf gedrückt, einfach damit die Qual ein Ende hat.

Nachdem ich 6 Wochen stationär in der Psychiatrie, anschließend 8 Wochen krank zu Hause und schließlich noch mal 12 Wochen in der Tagesklinik war, habe ich letzte Woche wieder angefangen zu arbeiten, zunächst nur 4 Stunden täglich (Hamburger Modell). Es läuft noch nicht wieder so gut wie vorher, besonders was Konzentration und Ausdauer angeht, aber die Tendenz ist steigend.

Ich merke, wie es mir kontinuierlich immer besser geht und sehe mit großer Zufriedenheit, wie die Liste meiner depressiven Symptome immer kürzer wird. Ich fühle mich zu ca. 70 % genesen und habe wieder Hoffnung und Lebensmut geschöpft. Die Ängste plagen mich zwar ab und zu noch, aber sie sind auf ein erträgliches Maß zurückgegangen und ich fühle mich jetzt wieder lebens- und gesellschaftsfähig. Ich empfinde auch wieder Freude und Liebe und habe meine Mitte wiedergefunden.

Und wenn ich es aus dem Loch geschafft habe, dann schafft Ihr das auch!!!

05.11.2008 22:27 • #1


Seesternchen

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Es ist schön zu lesen, dass du es geschafft hast!

Danke, dass du den anderen Usern hier Mut machst!

05.11.2008 22:36 • #2



Hallo David Spritz,

Arbeit hilft mir, meine Depression zu bekämpfen

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Alannis

Hallo David!

Den Worten von Seesternchen kann ich mich nur anschließen!

Ich wünsche Dir von Herzen, dass der Aufwärtstrend für Deine Zukunft anhält
und dass das Wissen darum, dass Du es schaffen kannst, Dir auch bei eventuell
auftretenden Schwankungen die Kraft gibt weiterzumachen!

Alle lieben Wünsche für Deine und die Zukunft Deiner Familie,
die ja auch sicher froh sind, dass es Dir besser geht!

Liebe Grüße, A.

05.11.2008 22:48 • #3


David Spritz

David Spritz

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Kurzes Update: Es geht mit mir weiter bergauf, aber mit der Zeit geht es immer langsamer bergauf. Meine Therapeutin sagt aber, das sei normal, und ich muss der Sache einfach mehr Zeit geben.

Auf jeden Fall gelingt es mir immer öfter, Schwierigkeiten wieder als Herausforderung statt als Belastung zu sehen, und die Arbeit macht auch immer öfter Spaß. Das nur so am Rande für alle, die gerade mit drin sind im Loch - es geht auch wieder bergauf, verliert nicht den Mut!

Das Einzige, was mich gestört hat, war, dass vermutlich durch die Antidepressiva, die ich immer noch nehme, nicht nur die negativen Gefühle abgeschwächt werden, sondern auch die positiven. Freude und Liebe kann ich zwar wieder ab und zu wieder empfinden, aber längst nicht so intensiv wie früher.

Ich habe meiner Ärztin geschildert, dass ich diese Gefühle sehr vermisse, aber auch dass meine Therapeutin davon abgeraten hat, schon jetzt mit der Einnahme der Antidepressiva aufzuhören.

Als Kompromiss hat sie die Dosierung von 45 mg Mirtazapin auf 30 mg täglich gesenkt, und bis Ende Mai muss ich bei der Dosierung bleiben, bis das Medikament dann komplett abgesetzt wird.

Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube ich spüre schon was. Die Angst ist wieder etwas stärker geworden, aber auch die schönen Momente erlebe ich wieder intensiver. Ich fühle mich auch insgesamt präsenter und aufmerksamer, mir entgeht nicht mehr so viel von dem was um mich herum passiert.

Kann aber auch Einbildung sein, ich weiß es nicht. Auf jeden Fall fühlt es sich gut an, nicht mehr ganz so abhängig von diesen teuflischen kleinen Pillen zu sein.

17.03.2009 09:34 • #4


Catwoman

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Ich freue mich wirklich für Dich, dass es bei Dir wieder bergauf geht. Klar, man sollte bloß nichts überstürzen und sich selbst die Zeit geben die man braucht. Das hört sich wirklich ganz gut an was Du so schreibst. Trotzdem ich viel länger krankgeschrieben war und in Therapie war udn auch vel länger in der Tagesklink war, bin ich noch längst nicht so weit wie Du.

Aber mit dem Absetzen der Antidepressiva sollte man wirklich vorsichtig sein, sonst kann das echt nach hinten losgehen, hab gerade gestern noch was darüber im I-Net gelesen das man sie langsam und nur in Absprache mit dem Arzt/Ärztin absetzten sollte.

Ich glaube nicht das es Einbildung ist, das Du zwar stärkere Angst aber auch eine viel intensivere Wahrnehmung schöner Dinge spürst - es hört sich echt und glücklich an!

Alles Gute weiterhin und LG,
Andrea

02.05.2009 16:18 • #5


David Spritz

David Spritz

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Der nächste Schritt auf der Leiter ist erklommen. Weil die Senkung meiner Dosis von 45 auf 30 mg mich so ins Straucheln gebracht hatte, hat meine Ärztin Ende Mai gesagt, ich solle die Tabletten noch bis Ende November weiter nehmen. Ich hege aber schon seit Wochen den Wunsch, endlich ganz aufzuhören. Und nun ist es so weit: Anfang letzter Woche habe ich mit Einverständnis der Ärztin meine letzte Tablette geschluckt. (Für den Notfall habe ich aber noch einen Vorrat von 30 Stück zu Hause, könnte also jederzeit wieder anfangen.) Seitdem hat sich Vieles verändert.

Ich fühle mich wieder mehr überfordert und gehetzt, schlafe schlechter, schwitze viel (was aber auch am Wetter liegen könnte! ;-) und bin schreckhaft und unruhig. Die ersten Tage hatte ich außerdem mehrmals sehr heftige Kopfschmerzen, aber das ist jetzt zum Glück vorbei. Alle Gefühle sind schlagartig viel intensiver, die guten wie die schlechten. Besonders so eine undefinierte Wut im Bauch, die ich unter Tabletteneinfluss nicht so wahrgenommen hatte, trage ich mit mir herum. Ich habe außerdem ziemliche Stimmungsschwankungen, die ich so schon lange nicht mehr hatte. Mal bin ich euphorisch und könnte die ganze Welt umarmen, mal ängstlich, hektisch und unsicher, dann wieder niedergeschlagen und antriebslos, aber ab und zu auch völlig entspannt und zufrieden.

Insgesamt fühle ich mich befreit und erlöst und wieder komplett und werde auf jeden Fall noch eine Weile durchhalten, bevor ich wieder mit den Tabletten anfange. Vielleicht beruhigt sich ja alles von alleine nach ein paar Wochen ohne. Drückt mir die Daumen! ;-)

28.08.2009 08:37 • #6


Iki

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Hallo David! Du bist sehr mutig. Ich drücke dir die Daumen.
Ich habe das Antidepressiva auch schon lange abgesetzt ,aber sehr ,sehr langsam.
Liebe Grüße Iki

31.08.2009 18:46 • #7


David Spritz

David Spritz

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Ok, mein letztes Update in diesem Thread, falls jemand neugierig auf das Ende ist: Ich habe mich wieder gefangen und komme jetzt seit 4 Monaten wunderbar ohne Psychopharmaka aus. Das Leben erscheint mir wieder lebenswert, und mein neuer Chef hat mir einen verantwortungsvolleren Aufgabenbereich zugeteilt als ich ihn jemals hatte, ohne dass ich mich darum bemüht hätte, einfach weil er mit meiner Leistung im letzten Jahr zufrieden ist. Und obwohl meine Ehe seit der Depression beschissen läuft, ist das für mich kein Weltuntergang mehr, sondern einfach nur eine (zwar traurige) weitere Lebenserfahrung, die ich schon irgendwie meistern werde.

So können sich die Dinge ändern, wenn man sich Zeit lässt und hart an sich arbeitet - und die richtigen Tipps kriegt! Wenn ich bedenke, wie es mir noch vor 18 Monaten ging...

In dem Zusammenhang also noch mal danke ans Forum, also die Betreiber und auch die Teilnehmer. Ihr wart eine große Unterstützung für mich!

31.12.2009 20:36 • #8


Missi

Hallo David,
danke für deine Rückmeldung und schön, dass es dir wieder besser geht. Es ist wichtig für die vielen anderen User zu lesen, dass man diese Krankheit überwinden kann.
Ich wünsche dir weiterhin alles Gute!

02.01.2010 11:02 • #9


Plastikmädchen

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Ich freue mich mit dir. Das du alles wieder so positiv sehen kannst und das du es auch wirklich siehst. Natürlich gibt es immer Höhen und Tiefen aber das ist noch lang nicht so schlimm, als wenn man ganz unten steckt nicht wahr.

Ich wünsche dir weiterhin alles Gute.

P.s.: Echt cool mit deiner Arbeit, vllt. wirst ja noch die rechte Hand vom Chef hihi.

04.01.2010 13:20 • #10



Hallo David Spritz,

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Super

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Schön david
Ich freu mich für dich, hab ähnliches erlebt und gott sei dank den tiefpunkt überwunden. Ich nehme noch antidepressiva, die tun mir aber gut, möchte sie nicht missen. Eine höhere dosierung hat mich auch mal gefühlsstumpf gemacht, war nicht so gut, jetzt ist die dosierung reduziert worden und passt gut zu mir.
Ich arbeite aber an mir, zusammen mit mit meinem lieben therapeuten und es geht bergauf.
Na ja ansonsten gibt mir meine arbeit kraft und macht mich glücklich.Ich danke gott dafür und das ich bis hierhin gekommen bin, jetzt kann es nur besser werden, so gott will.
Vielen dank dafür, das du uns hier mut machst. Irgendwann kommen eir hoffentlich alle dahin
Sei lieb gedrückt und alles gute
Super

27.09.2022 13:53 • #11

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