Ich denke, dass zunächst mal darauf zu schauen wäre, was die Stimmung trübt und ob dies mit einem Medikament geändert werden könnte oder ob es andere Möglichkeiten geben könnte. Gerade im höheren Alter kommt es ja vor, dass mehr Medikamente genommen werden weil zum Teil auch chronische körperliche Erkrankungen dies erfordern und alle haben auch irgendwelche Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Deswegen ist es umso wichtiger, darauf zu achten was außer Medikamente möglich wäre, um ein Wohlbefinden zu generieren. Denn Die Glückspille gibt es eh nicht.
Sicher mag es helfen, wenn man im Arbeitsalltag gefordert ist, etwas antriebssteigerndes zu nehmen um in die Gänge zu kommen. Macht einen sowas aber ansonsten unruhig und erfordert dann etwas um wieder runter zu kommen, hat das für mich eher etwas davon, den Teufel mit dem Belzebub austreiben zu wollen. Und wenn man ohnehin nicht mehr einer Leistungsforderung und vollen Funktionserwartung seitens eines Arbeitgebers unterliegt, sich beispielsweise als Rentner sogar eine freie Einteilung leisten kann, wann man was zu erledigen hat, wäre es meines Erachtens besser, wenn man sich dahingehend trainieren würde, auch mal ein Ungemach aushalten zu können, wenn es absehbar auch wieder positive Aspekte im Leben geben kann.
Antidepressiva wurden zu keiner Zeit als Langzeit Medikament konzipiert, ohne dass es nicht mehr gehen würde, wie beispielsweise Insulin. Daher ist es ratsam, alternative Möglichkeiten zumindest in Betracht zu ziehen, wobei Psychotherapie auch nur dazu führen kann, an sich selbst zu arbeiten und weder Vergangenes ungeschehen machen kann, noch dafür sorgen wird, dass andere Menschen sich in ihrem Verhalten einem selbst gegenüber ändern.
Bisweilen ist man nunmal Konfrontiert mit Dingen, die man partout nicht will. Und das Leben kann Spuren von Müssen enthalten. Medikamente alleine helfen diesbezüglich aber leider auch nicht unbedingt und dauerhaft, etwas erträglich zu machen, das schwer zu ertragen ist. Und natürlich sind Ärzte in der Verantwortung Medikamente zielgerichtet einzusetzen und auch darauf zu achten, wann es Zeit wäre, sie wieder auszuschleichen. Aber als Patient ist man auch in der Verantwortung sich diesbezüglich zu informieren und auch mal nachzufragen wie sinnvoll ein Medikament noch sein kann, dass man schon gefühlt ewig einschmeißt, weil man es nunmal so gewohnt ist. Zumindest würde ich das erwarten, von einem Menschen der seine Mündigkeit noch nicht gänzlich abgelegt hat und auch nicht vor hat, dies zu tun.
In der Tat kann man mittlerweile im Internet aber zu jedem Medikament den Beipackzettel lesen bevor man es sich verschreiben lassen würde und schauen ob man mit eventuellen Nebenwirkungen zurecht kommen könnte. Weniger Sinn macht es, Andere zu fragen, welches Medikament Sie für das geeignete halten, weil es ohnehin bei jedem anders wirken kann und weil ja auch nicht jeder Mensch unter den gleichen Bedingungen lebt und sich gleich Verhält oder Ernährt, oder Bewegt, oder Wohnt, oder finanziell gleich aufgestellt wäre.
Daher sind Fragen dazu, wie was bei jemandem wie auch immer wirkt, eigentlich lediglich unter dem Aspekt sinnvoll, wenn es rein um die Information geht, wie etwas bei jemand anderem eben wirkt. Rückschlüsse auf eine Wirkung bei sich selbst sein könnte, können sie aber nicht geben. Natürlich muss das niemanden abhalten, fahrlässig Medikamente zu empfehlen die Statt Mundtrockenheit dann eben Herzrhythmusstörungen erzeugen können, oder die Leber stark belasten können, oder andere Organe in ihrer Funktion irgendwie nachteilig beeinflussen könnten. Ebenso fahrlässig wäre aber halt auch, wenn man sich beispielsweise für Agomelatin entschieden würde und weiß, dass man schon eine angegriffene Leber hat, nur weil es ein Anderer in höchsten Tönen loben würde. Allerdings hätte dies den Vorteil, wenn die Leber hinüber ist, dem Anderen, der es empfohlen hat, die Schuld dafür zuweisen zu können, was ja vielleicht tröstlich sein kann.