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Wegen Burnout Ehe-Aus / Trennung?

Bluete

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Hallo Zusammen,

ich bin neu hier. Da ich bereits sehr gute Erfahrungen mit Communities wie dieser hier gemacht habe und ich das Thema Burnout im Zusammenhang mit meinem Ex bei einem Gespräch mit einer Freundin erneut auf den Tisch kam, würde mich eure Meinung interessieren.

Er, Ende 30, seit fast 20 Jahren selbstständig, hat sich seine Firma aus dem Nichts aufgebaut und ist über die Jahre immer weiter gewachsen. Zu Beginn unserer Beziehung hieß es, er freue sich jeden Tag, arbeiten gehen zu dürfen. Er lebte für sein Unternehmen. Er war bzw. ist mit seinem Unternehmen verheiratet. Ich konnte es halbwegs nachvollziehen, wobei ich mir natürlich auch mehr Exklusiv-Zeit mit ihm gewünscht hätte, aber das ist ein anderes Thema.
Je besser es lief, desto mehr Visionen hatte er. Es wurden weitere Grundstücke für die Firma gekauft, Lagerhallen gebaut. Im Hinterkopf klopfte schon wieder nie nächste Vision, der er nachgehen wollte.
Als ich schwanger wurde und damit wieder ein neues 'Projekt' anfing, wurde parallel noch das Haus umgebaut. Das war im Jahr 2016.

Wie ihr lesen könnt, ein Mann voller Tatendrang und einer Energie, die niemals endet. Leute, die ihn nicht kannten und meinen Erzählungen lauschten, hielten dieses Pensum für unmenschlich.

Allerdings wirkte er niemals unglücklich. Er führte trotzdem eine annehmbare Work-Live-Balance, denke ich, also für seine Umstände. Unser Kind brachte zwar keine Entspannung in die Sache, die Nächte wurden härter und der Fokus lag vermehrt beim Baby und unsere Ehe war eher eine selbstverständliche Nebensache, was wir in dem Moment aber nicht als schlimm empfanden.

So lief das Leben weiter, 2018 war für ihn ein grandioses Geschäftsjahr, unser 2. Kind kam zur Welt. Alles lief nach Plan. Unsere Ehe ziemlich ausgehungert. Neben seinen Projekten und Visionen, den Kindern blieb da einiges auf der Strecke, führte zur Unzufriedenheit auf meiner Seite, aber ich bin sehr anpassungsfähig und hielt die Stellung.

2019 war die reinste Katastrophe. Direkt zu Beginn blieben wichtige Aufträge weg und wichtige Mitarbeiter verließen das Unternehmen. Eine Hiobsbotschaft jagte die Andere, der Druck wuchs. Er mitten im familiären Chaos mit zwei sehr kleinen Kindern und dem Druck, die Kurve im Unternehmen zu bekommen. Leider ist er nur schwer in der Lage, Verantwortung abzugeben oder sich um Entlastung zu kümmern. Sein Motto: "Alles kein Problem, ich bekomme das hin!" So sprach er leider nie konkret mit mir über die Situation und bat mich auch nicht um Entlastung. Ich hatte die Situation nicht richtig eingeschätzt, da er mir immer suggerierte, dass sich schon alles füge. Er wollte ein guter Familienvater sein und natürlich seine Firma retten.

Für mich war es tatsächlich auch echt schwer. Ich hatte zwar einen Vater für meine Kinder, aber schon lange keinen Ehemann mehr und fühlte mich sehr einsam. Er war Ende 2018 aus unserem Ehebett ausgezogen, um die Nächte besser schlafen zu können (er schlief dann bei unserem ältesten Kind). Tatsächlich war unser Ehebett der einzige Ort, wo wir mal halbwegs ungestört reden konnten und nun war das auch weg. Er kam abends gestresst von der Arbeit, wir plagten uns unser Leid, er brachte den Ältesten ins Bett und fing dann wieder an zu arbeiten oder schlief mit ein. Das war unser Leben.

Leider lief die Firma von Monat zu Monat schlechter. Er musste die ersten Kündigungen aussprechen. Ich merkte schon, dass sein Sozialleben natürlich total auf der Strecke blieb. Er traf keine Freunde mehr, ging keinen Hobbies mehr nach, war total verändert. Selbst mal eben ausruhen auf der Couch war nicht möglich, TV schauen schon ewig nicht mehr. Auf der Arbeit Stress, zu Hause Stress. Und er immer noch in der Haltung 'Ich bekomme das hin, kein Problem'.

Eines Tages sprach er, nach weiteren Hiobsbotschaften auf der Arbeit, die Trennung aus. Einen Monat zuvor hatte ich ihm gesagt, dass ich es nicht mehr aushalte. Da war so viel Spannung zwischen uns, ohne dass wir uns etwas getan hätten. Streit hatten wir eigentlich nie.
Nun war es ausgesprochen. An dem Tag dachte ich, er würde sich etwas antun, da so viele negative Erlebnisse auf ihn einbrachen. Ich holte seine Eltern mit ins Boot, die beschwichtigten.

Ich war der Meinung, er wollte sich vom Druck befreien, zumindest 1. Baustelle weniger haben. Nicht das Gefühl haben, mir noch gerecht werden zu müssen, freier sein in seinem Handeln. Jedenfalls sprach er mit Niemanden über die Trennung, trug weiterhin seinen Ehering und auch zwischen uns änderte sich nichts, alles lief so weiter, nur dass wir eben inoffiziell nicht mehr zusammen waren. So sprach er auch weiter mit mir über die Probleme in der Firma usw. Auch wenn er mir nie direkte Hoffnung gemacht hat, fühlte es sich so an, als würde er erstmal seine Firma geraderücken wollen und sich dann wieder seiner Familie widmen. Da kamen so Aussagen wie: Im Moment liebe ich dich nicht, im Moment möchte er keine Energie in mich stecken, wir sollen aber erstmal zu Hause wohnen bleiben. Seiner Mutter sagte er, er wolle auf keinen Fall seine Familie verlieren und deswegen spielte ich dieses Spiel mit.

Für mich aber war und ist sein Verhalten absolut nicht nachvollziehbar, da er in seiner Rolle als Familienvater aufging und wir auch Zukunftspläne hatten.

Er sah zunehmend schlechter aus, dunkle Augenringe, gegessen hat er nie viel. Schlafstörungen hatte er auch schon immer, da er sich immer sorgte. Insolvenz ist immer wieder ein Thema, er sagte mal, er würde die Welt bald nur noch von oben betrachten, würde abhauen.

Irgendwann kam raus, dass er sich mit einer anderen Frau trifft, Geschäftspartnerin. Das Spiel spielte ich dann nicht mehr mit und zog mit den Kindern aus nach viel Drama. Mittlerweile führen die Beiden eine Beziehung. Sie versteht ihn so gut, sagt er.

Schlimm genug das Ganze. Womit ich nicht leben kann, sind seine Schuldzuweisungen und ich brauche dafür eine Erklärung. Es passt einfach nicht zu ihm. Er sagt, ich wäre an allem schuld. Ich hätte nicht gesehen, wie schlecht es ihm geht (doch, habe ich, aber wollte meine Hilfe nicht) und ich hätte ihm nicht den Rücken frei gehalten. Ich kann nur dazu sagen, dass es mir das Herz brach, ihn so zu sehen und ich oft genug weinte, weil es ihm so schlecht ging. Dass meine Hilfe immer abgelehnt wurde, machte es noch schlimmer.

Dass er niemals mit mir darüber gesprochen hat, wie ich ihm hätte helfen können, erkennt er nicht an. Ich bin schuld daran, dass die Firma schlecht läuft, weil ich ihn nicht ungestört habe arbeiten lassen, ich hätte ihm Druck gemacht (ich wollte gelegentlich nur wissen, wann er nach Hause kommt, damit das Essen auf dem Tisch steht und wurde sauer, wenn er mir nicht Bescheid sagte, dass es später wird). Ich bin schuld, dass die Ehe aus ist. Für die Familie hätte ich zwar alles getan, aber nicht für ihn als Partner. Ich stehe da wie die Ochs vorm Berg. Und denke, dass ist doch nicht MEIN MANN. Das Gefühl, dass ich die alleinige Schuld trage für seine Situation (ja natürlich ist es nicht nur meine Schuld) hat mich mittlerweile selbst in die Depression gestürzt. Ich möchte mich nicht als Heilige darstellen, sicher habe ich Fehler gemacht. Hätte gerne drüber geredet, um mich zu bessern, nur kam es nie zu Gesprächen oder er schlief dabei ein.

Mittlerweile arbeitet er Tag und Nacht. Ist für die Kinder da. Letztendlich opfert er mehr Zeit für sie, als vorher. Sagte aber auch sowas wie: 'In 2020 denke ich nur noch an mich!' 'Du hast lange genug mein Leben bestimmt (kann ich nicht nachvollziehen, da ich mich seinem Leben angepasst habe und nicht umgekehrt)' Er hat schon einige Urlaube für 2020 geplant, dass hat er vorher nie gemacht.
Ich bin auf Teufel komm raus die Böse, habe aber nie eine Antwort darauf bekommen, was ich konkret falsch gemacht habe. Soll auch nicht das Thema sein.

Viele vermuten bei ihm ein Burnout. Keiner kann seine Handlungen nachvollziehen, dass er seine Familie zurück lässt. Seine Mutter, zu der er ein sehr inniges Verhältnis pflegt, ist kurz davor, den Kontakt abzubrechen, weil sie ihren Sohn nicht mehr wiedererkennt.

Ich will ihn loslassen, die Worte sind ja deutlich gewesen. Aber ich werde das Gefühl nicht los, dass er im Ausnahmezustand ist und irgendwann vielleicht wieder der Alte wird und seine Familie zurück möchte. Er hat gut für uns gesorgt, eine tolle Wohnung gefunden. Er hat geholfen, sie einzurichten und sorgt auch finanziell sehr gut für uns.

Was sagt ihr dazu?

12.03.2020 09:51 • x 2 #1


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MamivonVier

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Puh
Das ist ganz schön Hart was du in den letzten Jahren alles mitmachen musstest!
Ich denke das wichtigste ist das DU dir nicht die Schuld gibst, das du dir NICHT einreden lässt das DU alles kaputt gemacht hast!
Das macht dich nur noch mehr fertig und die Kinder brauchen dich!
Ich weiß das klingt hart, aber ich fühle sehr mit dir denn ich bin in ähnlicher Situation.wenn auch noch nicht getrennt!

Versuch dich ein wenig von ihm zu distanzieren, Anstand zu halten und nicht alles was er sagt an dich ran zu lassen!
Er soll für die Kinder sorgen können, sie besuchen können oder sie abholen aber DU bleibst daheim!
Lass dir von ihm nichts rein reden!

Ich denke ihm geht es sehr schlecht, ja! Aber nachdem er schon Jahrelang deine Hilfe abgelehnt hat und nicht mit dir sprechen wollte wird er es jetzt auch nicht tun!
Wenn er soweit ist und einsieht wie es um ihn steht wird er sich hoffentlich Hilfe holen

Ich glaube du kannst für ihn nicht viel tun!
Kümmere dich darum das es DIR gut geht und bau dir langsam ein Leben mit den Kindern auf

Pass auf dich auf!

Alles Liebe

12.03.2020 11:50 • x 2 #2


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kate4455

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Hallo Bluete,
ich kann mich der Meinung nur anschließen und fühle ganz dolle mit dir mit.

Da scheint es wohl einiges an Missverständnissen in eurer Partnerschaft gegeben zu haben.
Klingt nach einer starken Selbstfindungsphase bei deinem Partner. Kann euch verstehen, da ich und mein Mann uns selbst erst im letzten Jahr getrennt haben, da wir keine gemeinsame Lebensvision mehr hatten und wir doch recht unterschiedliche Vorstellungen von unseren Leben haben.
Aus meiner Sicht ist es das Beste, was du jetzt tun kannst, dich nur um dein Wohlergehen zu kümmern und auf dich und eure Kinder zu schauen. Respektiere, dass er einen anderen Weg in seinem Leben eingeschlagen hat und lass ihn diesen Weg nach Möglichkeit gehen.

Wenn er dir jetzt Schuldzuweisungen macht, dann macht er es wahrscheinlich nur, um sich selbst vor Gewissensbissen und Verletzung zu schützen. Es ist immer einfacher, andere verantwortlich zu machen, als vor der eigenen Haustür zu kehren.
Bringe ihm so viel Verständnis wie möglich entgegen, sei freundlich zu ihm - auch schon wegen eurer beiden Kinder und wenn du merkst, dass dir das Ganze nicht gut tut, zieh freundlich aber bestimmt eine Grenze. Sag ihm klar, was du möchtest und was nicht, was geht und was nicht. Und signalisiere ihm Gesprächsbereitschaft.
Und wenn er noch nicht so weit ist, lebe DEIN LEBEN!

Was willst du denn? Die Karten haben sich neu gemischt. Hast du noch Pläne? Oder Wünsche? Was macht dir Freude?
Tu dir soviel Gutes wie nur möglich.

Man sagt immer, Zeit heilt alle Wunden. Das klingt zwar abgedroschen, habe aber selber jetzt auch schon die tröstende Erfahrung gemacht, dass das tatsächlich stimmt.

Entscheidend ist immer, wie man mit der Erfahrung umgeht. Wird sie zur Belastung? Oder wird sie zu einer echten Chance, sich zu verändern?

Ich wünsche dir GAAAANZ viel MUT!

12.03.2020 15:14 • x 2 #3

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