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Wann ist man Arbeitsunfähig?

Antheus

Antheus

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Hallo zusammen,

Ich trage meine Depression/ Ermüdung schon seit ca. 4 Jahren mit mir rum - d.h. das ganze ist Alltag. Ich habe mich aber dazu entschlossen, einen Schlussstrich zu ziehen um mich wieder um mein Glück zu kümmern. Nun habe ich ein schlechtes Gewissen, dass ich mich länger krankschreiben lassen will, bzw stellt sich mir auch die Frage, wie der (derzeit noch Hausarzt, da kein Therapieplatz) bewerten kann/will wie krank ich bin?

Ich könnte sicherlich mit sehr viel Überwindung so weitermachen wie die Jahre vorher. Dann würde aber auch alles so bleiben wie vorher. Wie geht ihr damit um? Wie seit ihr das schlechte Gewissen bzgl. Krankmeldung losgeworden und konntet euch wirklich aufs Gesundwerden konzentrieren.

Danke im Voraus für jeden Beitrag.

10.01.2022 10:43 • x 1 #1


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buddl1

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.... wenn man krank ist,
ist man krank!
dein Arzt wird letzlich darüber befinden.

ein schlechtes Gewissen dabei zu haben ist da fehl am Platz
und wird keine gute Grundlage werden,
sich tatsächlich, sich selbst oder der Genesung zu widmen.

doch bei all den Gedanken sollte man aber auch zumindest nicht außer Acht lassen,dass die Arbeit an sich,
ein Großteil unseres sozialem Umfeld darstellt, was dann gänzlich wegbrechen würde.
auch lässt sich über diese nur die finanzielle Unabhängigkeit erlangen...

und nicht Jedem gelingt danach der Wiedereinstieg,
sofern die Stelle nicht schon neu besetzt wurde...

natürlich, solltest du dich nicht weiter in diesem Trott ergeben,
professiolnelle Hilfe sich suchen und annehemen,
ist schon ein Kraftakt für sich.
aber vieleicht kannst du erst mal mit deinem Alltag anfangen,
der besteht doch nicht nur aus der Arbeit,
sich neu dort orientieren, sich seinen Ausgleich schaffen...
buddl1,

10.01.2022 11:43 • #2



Hallo Antheus,

Wann ist man Arbeitsunfähig?

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Jana7

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Manche Hausärzte schrecken davor zurück, Patienten länger krankzuschreiben.
Sie fürchten Probleme mit dem MDK.
Du könntest zum Psychiater geschickt werden.

Fraglich ist, warum Du ein schlechtes Gewissen hast.

10.01.2022 12:11 • x 1 #3


Antheus

Antheus

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Naja, so ein Stück weit hat man ja ein schlechtes Gewissen gegenüber dem AG und den Kollegen. Weil man ja auch weitermachen könnte. Zähne zusammenbeißen und einfach mit all dem trotzdem irgendwie durchstehen. Bin gerade auch auf der Suche nach einem Psychotherapeuten. Ohne wird es nicht mehr gehen.

Die Überlegungen gehen sogar soweit, dass ich meinen Job aufgeben würde, statt ihn weiterzumachen. So sehr belastet mich dieser momentan leider...

12.01.2022 10:43 • #4


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Ziva

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Hallü

Mich hat es auch Überwindung gekostet, bei meinem Hausarzt zu sagen, dass ich nicht mehr kann.
Wenn ich ehrlich bin, dann hab ich das auch gar nicht gesagt, sondern ich saß da wie ein Häufchen Elend und hab nur geheult. Ich habe meinen Druck bei der Arbeit nur angeschnitten und als ich etwas ruhiger wurde, schaute er mich und und sagte von sich aus: Nein, Frau Ziva, da können Sie nicht mehr hin zurück.

Ich wünsche jedem von uns so einen Hausarzt.

Leider ist dieser in meiner Arbeitsunfähigkeit in Rente gegangen und ich musste mir jemand anderen suchen.
Dort war es dann so, dass ich mich jeden Monat erneut vorstellen musste, um nach einer weiteren Verlängerung zu betteln. Ja, es hat sich wie betteln angefühlt. Und ich hatte auch solche Gedankengänge wie jeder sie wohl hat :
Kann ich nicht doch für ein paar Stunden?
Kann ich mir was anderes suchen?
Kann ich, kann ich, kann ich....
Und nein, wenn du tief in dich hineinhörst, dann kannst du eben nicht. Und das ist ok!
Man lernt mit viel Zeit, sich um sich selbst zu kümmern. Das ist nicht nur wichtig, sondern auch richtig.

Ziva*

12.01.2022 11:10 • x 1 #5


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Albarracin

Experte
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Experte

13.01.2022 10:03 • x 1 #6


Antheus

Antheus

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Zitat von Albarracin:
Hallo Antheus, es scheint in der Tat Teil Deines Problems zu sein, angesichts einer Arbeit, die Dich offensichtlich krank macht und eines Arbeitgebers, der auf Deine Gesundheit keine Rücksicht nimmt, trotzdem Skrupel zu haben, Dich arbeitsunfähig zu melden. Um den Preis der Verschlimmerung und weiterer, noch ...



Hallo Albarracin,

vielen Dank für die Antwort. Die trifft schon ziemlich ins Schwarze. Danke auch für die Verlinkung des Threads. Der ist sehr hilfreich.

15.01.2022 14:14 • #7


An_dre

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Hallo, ich steckte vor etwa 4-5 Monaten in genau derselben Situation und erkenne jetzt, dass ich viel früher hätte die Reißleine ziehen müssen.

Die Angst und das schlechte Gewissen den Arbeitgeber gegenüber sind subjektiv nachvollziehbar, jedoch nicht wirklich reell. Bei mir war es unterbewusst, die Angst vor Veränderungen, dem Beschäftigen mit sich selbst und dem ins kalte Wasser springen, was sich unter dem Deckmantel, des schlechten Gewissens verborgen hat.

Ich kann mir vorstellen, dass das bei dir ähnlich sein könnte. Aber subjektiv und mitten im Stress nimmst du Dinge sehr verzehrt wahr. Das sollte ein klares Zeichen sein, jetzt mit den Veränderungen zu beginnen.

17.01.2022 09:15 • #8


Antheus

Antheus

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Hallo, vielen Dank für die Rückmeldung. Es ist tatsächlich an der Zeit und ich bin froh, dass ich es nach gut 4 Jahren erkannt habe.

Die Angst vor Veränderung und dem mit sich selbst beschäftigen ist es bei mir definitiv nicht, weil ich das eigentlich regelmäßig tue.

Magst du trotzdem etwas ausholen und deine Situation beschreiben? vielleicht hast du es schon irgendwo im Forum. Wäre für mich interessant zu wissen und auch motivierend, wie es anderen ergangen ist, die diesen Weg gegangen sind bzw. einen ähnlichen.

17.01.2022 09:31 • #9


An_dre

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Ja, gerne.

Also ich habe vor etwa 3 Jahren einen neuen Job angefangen und dort wollte ich karrieretechnisch richtig durchstarten. Nach einem Jahr kam die Beförderung, ich habe die neue Position mehr oder weniger gut gemeistert, nach etwa 2-3 Monaten hatte ich die nächst-höhere Stufe angestrebt, auf die ich wartete und hinarbeitete. Aber als die Euphorie vorbei war und ich meinen Alltag mit tristen Aufgaben und Beantworten von E-Mails befand, merkte ich zum ersten Mal einen Widerstand, sodass mir nicht mehr alles, wie zuvor einfach von der Hand ging. Dann kam eine Umstrukturierung dazu, Coronabedingt, kam man nicht mehr raus zu Kunden (Was für mich als extrovertierter Typ eine bittere Pille zu schlucken war) und die Karten wurden neu gemischt. Ich habe versucht die Zähne zusammenzubeißen und nach Lösungen zu suchen für die neuen Probleme die anstanden (ein Bereich, den ich weder gut kann, noch mag). Mit dem Ziel: Bald kommt die nächste Beförderung, dann kannst du wieder deine alte Stärke zeigen. Aber da war ich schon sehr angeschlagen und mein subjektives Weltbild völlig verzehrt.

Dann kam anstatt der erwarteten Beförderung, eine stillschweigende Degradierung, die mir komplett den Boden unter der Füßen wegzog und gegen die ich mich wehrte, aber ich kämpfte weiterhin gegen den Widerstand an und arbeitete weiter. Manchmal bekam ich nach 3 Mails Kopfschmerzen und konnte mich eigentlich sofort wieder ins Bett legen, hab dann aber durchgehalten, weil ich meine Ziele vor Augen hatte.

Irgendwann bin ich dann zum Therapeuten gegangen und er hat angefangen mit mir daran zu arbeiten, was denn die Ursache ist und ich merkte, dass ich seit einer langen Zeit gegen mich gearbeitet hatte und dass ich auch der Firma mittlerweile keinen großen Nutzen gab. Dann brach alles zusammen. Ich ließ mich krank schreiben, fiel in eine Depression, bei der ich keine Kraft hatte aus dem Bett aufzustehen. Da ging wirklich nichts mehr. Jetzt habe ich gekündigt und arbeite alles auf, was mich zu meiner gewohnten Stärke zurückbringt und kann es immer noch nicht fassen, wie ich mich so verrennen konnte, aber es geht mir heute so gut wie schon lange nicht mehr und ich möchte andere Menschen dabei unterstützen, die Ähnliches durchgemacht haben.

Möchtest du etwas von deiner Situation erzählen?

Zitat:
Die Angst vor Veränderung und dem mit sich selbst beschäftigen ist es bei mir definitiv nicht, weil ich das eigentlich regelmäßig tue.

Das war viellicht etwas unglücklich formuliert, bei mir war es eher die Angst vor dem Nichts, vor der Schwäche, dem totalen Shutdown, den ich ja letztenendes gehabt hatte, aber der bitternötig war.

Wenn du noch Fragen hast oder ich irgendwie helfen kann, sag Bescheid.

17.01.2022 10:07 • #10



Hallo Antheus,

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Antheus

Antheus

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Ich hab eigentlich gar nicht so einen klassischen Weg, woran ich die Umstände festmachen kann. Habs aber nun tatsächlich geschafft, mich arbeitsunfähig schreiben zu lassen. Ich glaube ich habe zu lange, zu viel Arbeit gemacht, die ich nicht machen wollte, und parallel viel zu große private Ziele gesteckt - bzw stecke ich mir diese immer noch - um nichts mehr machen zu müssen, was mir keinen Spaß macht und einfach meine ganze Energie kostet. Ich hab einfach durch die Arbeit ein Stück weit die Freude am Leben verloren. Klar, so einige Schicksalsschläge waren auch dabei, die die Leichtigkeit und das Vertrauen ins Leben - Alles wird schon gut gehen zerstört haben. Jetzt werde ich gegen April wahrscheinlich eine Therapie beginnen können und mind. bis dahin arbeitsunfähig sein. Ich denke die Zeit werde ich sehr gut nutzen können.

Schade, dass man immer erst so lange durchhält. bis es wirklich schon am absoluten Limit ist.

22.01.2022 18:10 • #11

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