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Vertrauensvolle Kontakte trotz völligem Rückzug

Traube4

Zur Zeit leide ich wieder vermehrt an einer bohrenden Form der Depression. Und meine Einsamkeit macht es gewiss noch schlimmer.
Ich habe die letzten regelmässigeren Kontakte in einer Tagesklinik gehabt, habe aber nichts davon halten können.

Die Einsamkeit ist zum Mittelpunkt meines Lebens geworden.Ich bin am Höhepunkt meiner persönl. Kontaktarmut angelangt.
Zugegebenermassen war ich nie sonderlich aufgeschlossen für Kontakte. Aber diese Einsamkeit jeden Tag. Es macht doch nur noch fertig...

Es sollten aber ein Kontakt/ Kontakte sein, denen ich in dieser Zeit vertrauen kann.
Und ich lege Wert darauf, dass es weniger Menschen sind, die mich bedauern und bemitleiden, sondern im günstigsten Fall ähnliche Erfahrungen machen mussten, so besteht nicht die Gefahr, dass jemand auf mich "herabblickt".



Denn Menschen, die mich bemitleiden, mich gegenüber sich selbst als einen Kranken sehen, kenne ich schon genug.

06.02.2021 10:07 • x 6 #1


Traube4

Liebe Greta, dank auch Dir!

Ich habe eine diagnostizierte Soziale Phobie und Chronische Depression, ausserdem Asperger.

Ich weiss gar nicht, wo ich hingehöre...

Ich halte wenig von Sozialen Netzwerken wie Facebook...

War in mehreren Online- Selbsthilfegruppen, aber alles so sinnlos...
Das Gefühl, aussortiert zu sein

06.02.2021 10:30 • x 4 #2



Hallo Traube4,

Vertrauensvolle Kontakte trotz völligem Rückzug

x 3#3


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Kate

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Zitat von Traube4:
Es sollten aber ein Kontakt/ Kontakte sein, denen ich in dieser Zeit vertrauen kann.


Hi, das mit dem Vertrauen liegt aber mehr an Dir als an den anderen, wenn man einmal ein Wahl getroffen hat, eine Person in sein Leben zu lassen.
Zitat:
Ich habe die letzten regelmässigeren Kontakte in einer Tagesklinik gehabt, habe aber nichts davon halten können.


Vielleicht wäre es ein erster wichtiger Ansatz, daran zu arbeiten oder Dir klar zu machen, woran es lag. Es könnten doch theoretisch 100 Menschen in Dein leben treten und es würde sich dennoch nichts für dich ändern?
Zitat:
Und ich lege Wert darauf, dass es weniger Menschen sind, die mich bedauern und bemitleiden, sondern im günstigsten Fall ähnliche Erfahrungen machen mussten, so besteht nicht die Gefahr, dass jemand auf mich "herabblickt".

Das kommt ganz darauf an wie Du Dich gibst und vor ihnen zeigst.
Es liegt ganz viel selbst an Dir, wie andere auf Dich reagieren.

Mein Lebenslauf ist sehr hart, und trotzdem finde ich nicht, das ich bedauert werde. Verstanden in großem Maße das ja, das ist mir wichtig. Ich könnte mich tagtäglich bedauern lassen, in dem ich tagtäglich rum jammere. Mache ich aber nicht, die wenigsten wollen Freunde die nur jammern und keinen Lösungsansatz haben, keinen Willen, keine Stärke. Wenn all das vorhanden ist, kann man auch mal jammern, wird dann allerdings nicht bedauert, sondern zum weitermachen animiert, nachdem der Freund sich eine Weile zu einem auf den Boden gelegt hat, und sei es nur virtuell. Das Leid wurde sozusagen anerkannt! Aber nicht bedauert!
Verstehst Du wie ich es meine?
Es liegt an Dir, wie Du gesehen wirst!

06.02.2021 10:38 • x 1 #3


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Pilsum

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Zitat von Traube4:
Die Einsamkeit ist zum Mittelpunkt meines Lebens geworden.


Ich hoffe und wünsche Dir, dass es Dir inzwischen gelungen ist, einen anderen Mittelpunkt
für Dich zu finden.

Zitat von Traube4:
Es sollten aber ein Kontakt/ Kontakte sein, denen ich in dieser Zeit vertrauen kann.
Und ich lege Wert darauf, dass es weniger Menschen sind, die mich bedauern und bemitleiden,


Ob man jemandem vertrauen kann, stellt sich meistens erst im Laufe der Zeit heraus.
Du selbst entscheidest jeden Tag mit, ob Dich jemand bemitleidet oder eher nicht.

Zitat von Traube4:
Denn Menschen, die mich bemitleiden, mich gegenüber sich selbst als einen Kranken sehen, kenne ich schon genug.


Und wie siehst Du Dich selbst?
Erkennst Du Dich als vollwertige Person an?

Wenn Du Kontakte haben möchtest, solltest Du möglichst die ersten Schritte machen. Andere können
nicht Deine Gedanken lesen. Nur wenn Du auf andere Menschen zugehst, werden sie Dich
akzeptieren und nett finden.

11.04.2021 12:45 • #4


Resi

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Zitat von Traube4:
Ich halte wenig von Sozialen Netzwerken wie Facebook...

Ich auch nicht.
Das wird einem Pseudo-Nähe vorgegaukelt.

Traube, Beziehungen können erst dann vertrauensvoll sein, wenn sie gewachsen sind.
Und bei so extrem vorsichtigen Menschen wie dir wird das sicherlich schwierig werden.
Du malst und du malst, für meine Begriffe, auch schöne Bilder- die ganz düsteren mag ich zwar nicht so sehr, aber vielleicht ist das ein Ansatz, dich mit anderen zu treffen, die künstlerisch tätig sind?
Gibt es da in deiner Gegend eine Möglichkeit?

Vertrauensvolle Kontakte fangen in erster Linie bei dir an und der Bereitschaft, auch ein Risiko einzugehen.
An dieser Bereitschaft hapert es schon bei ganz vielen:
Die wollen gleich das Goldene Huhn und vorher nicht das Ei bebrüten, was auch ein Wind-Ei sein könnte.
Es braucht Zeit.
Die Bereitschaft, das Andere anders sein zu lassen, in einen wirklichen Austausch zu gehen und nicht nur Menschen um dich zu scharen, die dich bestätigen.

Übrigens gehört auch Mitgefühl und Hilfe zu vertrauensvollen Kontakten, nicht nur zusammen Spaß haben.

Und natürlich darfst du da auch jammern- andere dürfen das auch, man muß nicht stark sein, um Freunde zu gewinnen.

11.04.2021 13:20 • x 3 #5


Ex-Mitglied

Zitat von Traube4:
Und ich lege Wert darauf, dass es weniger Menschen sind, die mich bedauern und bemitleiden, sondern im günstigsten Fall ähnliche Erfahrungen machen mussten, so besteht nicht die Gefahr, dass jemand auf mich "herabblickt".

Lieber Traube, mir fällt etwas freudiges dazu ein. Ich kann dir zwar nicht helfen bei den vertrauensvollen Kontakten, möchte aber Resi zustimmen. Und es gibt einen wunderbaren Fim, der unglaublich froh und anrührend zugleich ist "Ziemlich beste Freunde", ein französischer Film mit einem unheilbar komplett Gelähmten und einem urkomischen "mitleidslosen" und lebensfreudeerweckenden Pfleger.
Lg Joline

08.05.2021 09:11 • x 1 #6


Traube4

Den Film kenne ich..
Sehr wertvoll..
Lieber Gruss an Dich..

08.05.2021 09:16 • x 2 #7


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Fandango

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Hallo Traube,

Deine Erfahrung mit der Tagesklinik bewegt mich dazu ein paar Sätze zu deiner Problematik zu schreiben. Ich war neben unzähligen Klinikaufenthalten auch einmal in einer Tagesklinik während einer mehr schweren depressiven Episode. Das hatte sich so ergeben.
Die Mitpatienten waren eher Ersttäter, also zum ersten mal in einer Klinik. Die haben dort kreuz und quer Freundschaften geschlossen mit Adress- und Telefonlisten. Ich fand das wirklich erstaunlich Naja, jedenfalls war ich in dem Pulk mit meiner zurückhaltenden zurückziehenden Art recht schnell das Schwarze Schaaf, mit dem was nicht stimmt Mit einem Mitpatienten habe ich eine Zeit lang Kontakt gehalten, weil der gemerkt hat, dass ich Therapieerfahrung habe. All diese Freundschaften unter den Mitpatienten haben sich nach wenigen Wochen in Luft aufgelöst.

Wenn ich mein eigenes Leben mit 50 Jahren reflektiere, dann hatte ich genau drei Lebensabschnittsfreunde. Alles Andere waren mitunter abenteuerliche Bekanntschaften und Feinde. Wenn man im Leben eine handvoll wirklicher Freunde hat, dann ist das schon viel. Die wirklichen Freunde habe ich nicht gesucht. Die haben sich ausschließlich über gemeinsame Interessen ergeben. 1. Schulweg und Spielen, 2. Computer und Programmieren, 3. Sport

Wenn ich in einer depressiven Episode bin, dann bin ich sogar froh alleine zu sein, weil ich dann mit Animateuren nichts anfangen kann. Wenn ich lustig bin, kommt das aus meinem Inneren. Ich hatte mal eine Mitpatientin, die froh ist, wenn es kalt ist und regnet während einer depressiven Episode. Sie sagte, das würde dann nicht so auffallen, dass sie den ganzen Tag in der Wohnung leidet und nicht mehr vor die Tür geht.

Wenn es Dir wieder besser geht, womöglich nach einem akuten Klinikaufenthalt und Du dann in der glücklichen Lage bist, neuen Lebensmut in Form von eigenen Interessen (Hobbys) wahr zu nehmen und beizubehalten, dann kann sich aus gemeinsamen Interessen auch eine Freundschaft, ja sogar Beziehung entwickeln.

Solange ich dazu krankheitsbedingt nicht in der Lage bin, weil ich krankheitsbedingt das dunkle Loch im Knast daheim gebucht habe, lerne ich natürlich Niemanden kennen, wie auch. Solch eine depressive Episode dauert unbehandelt 10 Monate. Mit einem Klinikaufenthalt kann man die auf sagen wir 7-9 Wochen abkürzen.

Es ist so, man lernt das ein Stück weit zu akzeptieren. Freunde oder Partnerschaften kann man nicht herbei zaubern. Voraussetzung ist aber sowieso, dass man nicht vegetiert sondern ein Stück weit lebt. Andere sind auch krank und zwar ausnahmslos Alle dort draußen, ist erwiesen.

Good Luck

08.05.2021 11:02 • x 2 #8

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