Verhältnis zu meiner Mutter verbessern - Töchter & Mütter

Ich habe mich entscheiden,meinen Tagesablauf umzuschmeißen, damit ich meine Gedanken hier loswerden kann, ansonsten werde ich irre. Ich muss heute arbeiten und mich konzentrieren, deshalb müssen meine Gedanken aus meinen Kopf.

Ich bin eine 40jährige Frau und hab Probleme mit meiner Mutter. Dazu sollte ich vielleicht etwas weiter ausholen.
Meine Mutter hat mich allein erzogen, ich war schon früh selbständig, jedoch immer ein liebes Kind. Meine Mutter war die Starke, ich nie. Sie hat Temperament, Durchsetzungsvermögen. Meine Kindheit war gut, da gibt es nichts, abgesehen von den üblichen Familienstreitigkeiten, wo ich mich aber als junge Erwachsene von distanziert habe. Aber wie gesagt, ich kann über meine Mutter nichts schlechtes sagen. Sie liebt mich abgöttisch, vielleicht zuviel, aber meine Kindheit war ok. Ich bin das Gegenteil von ihr. Ich bin ruhig, naiv, lieb. Zu nett zu jedermann. Meine Mom hat mich so erzogen, das Respekt gegenüber jedermann in meinem Vordergrund steht. Dazu kommt noch, dass ich selbst viele Wertvorstellungen habe, die ich auch vehement verteidige und auch lebe, trotz negativer Konsequenzen. Wie auch immer, jetzt bin ich 40. Selbst Mutter einer 20jährigen Tochter. Das nur jetzt nebenbei.

Meine Mutter hat immer viel für mich getan. Ich bin jung Mutter geworden und war mit dem falschen Mann verheiratet. Ich war immer der Typ, der mehr Harmoniesüchtig als alles andere war, Streitereien versuchte ich aus dem Weg zu gehen, da meine Mutter keine einfache person ist vom Charakter her, hab ich oft geschluckt. Sie ist doch meine Mom. Aber das Leben erzog mich, meine eigenen Erfahrungen brachten mich dazu erwachsen werden zu müssen, nicht mehr nur lieb und nett zu sein, sondern auch mich durchzusetzen. Da war ich 30. Das erste Mal, dass ich etwas selbst richtig in die Hand nahm und die Trennung von meinem Ex-Mann vollzog. Jedoch brachte diese Trennung einen Rosenkrieg vom Feinsten hervor, unter dem dann meine Tochter leidete. Und ich musste um sie kämpfen, damit mein Kind nicht unter die Räder kam. In dieser Zeit hatte ich einen neuen Lebensgefährten, der mir sehr half dabei.
Meine Mutter emfpand ich immer als stark, überdimensional, manchmal hatte ich das Gefühl, es ihr nie recht zu machen. Meine Entscheidung, wie ich das Kind erziehe, mit welchem Mann ich zusammen bin, wie ich überhaupt lebe. Zugegeben, das alles hätte ich vielleicht besser machen können, aber ich bin nunmal ich und wie ich gelebt habe, war nunmal so. Ich habe nach der Trennung eine Therapie gemacht damals. Ich hatte noch keine Depressionen, aber ich war psychisch fix und fertig. Das Stalking und die Gewalt meines Ex-Mann brachten mich an den Rand des Wahnsinn. Dazu noch meine Tochter,am Anfang der Pubertät und durch den Streit kam sie völlig durcheinander. Jugendamt und Gerichte halfen mir nicht, im Gegenteil, durch die Woche zu Woche Regelung wurde alles nur schlimmer. Mein Ex ist Trinker und das Wohl meiner Tochter völlig egal, nur mir Schmerzen zuzufügen, das war ihm wichtig.
Jedenfalls hatte ich volle 5 Jahre zu tun, mich selbst nicht zu verlieren, Therapie zu machen, meinen Ex auf Abstand zu halten, meine Tochter aus dem Trinken und Dro. rauszuholen und nebenbei noch arbeiten und eine neue Beziehung führen. Dabei blieb meine Mutter auf der Strecke, denn ich konnte mich nicht mit ihr unterhalten. Weil immer wenn ich Rat suchte und es kam: mach es so und so und bei deinem Kind so und so, sträubte sich etwas in mir, denn ich war anders.

Ich bin ein Bauchmensch. Habe Jahre gebraucht, um das zu akzeptieren. Ich weiß vom Kopf her, dass man dies und jenes vielleicht tun sollte, nur ich entscheide mich meistens anders. Denn ich muss mit den Entscheidungen leben, ich muss mich im Spiegel ansehen können und ich weigere mich vehement, mich auf die Stufen anderer zu stellen, gerade wenn diese Stufe "unter der Gürtellinie" lautet. Das ist nicht mein Ding. Ich hab es anders versucht. Meine Mutter kommt damit nicht klar. Meiner Tochter konnte ich immer meine Entscheidungen erklären, auch wenn sie jetzt wo sie älter ist, vieles auch anders gemacht hätte vielleicht, aber sie weiß, dass ich im Endeffekt nur an sie gedacht habe, denn es ist und bleibt ihr Vater. Das ist eine Realität, die ich nie leugnen konnte oder wollte.

19.06.2010 08:46 • #1


Jedenfalls löste ich mich von meiner Mutter so nach und nach und ich sagte auch mal nein, ich hab ihr widersprochen und ihr auch ins Gesicht gesagt, was ich von ihrem Leben manchmal halte, was ich für falsch halte und ich hab ihr auch gesagt, dass ich einfach mit Alk. nicht umgehen kann, geschweige denn mit jemanden debattieren, der getrunken hat. Ich war meiner Mutter niemals böse, dass sie trinkt. Ich kann es teilweise verstehen, obwohl ich niemals getrunken habe, jedenfalls nicht so. Die Jahre mit meinem Ex und sein Alk. haben mich aggressiv gemacht. Meine Mutter bekam das denn ab. Ich war nicht mehr naiv, ich war nicht mehr nur nett. Das Wort nein hielt Einzug in meinem Leben.

Meine Mutter erzähle mir in dieser Zeit, sie wäre krank. Was sie genau hat, weiß ich bis heute nicht. Immer wenn ich frage, kommen diffuse Antworten. Dazu kommt, dass meine Mutter ihr eigenes Leben nicht mehr auf die Reihe kriegte.
Meine Tochter war damals ungefähr 4 Jahre alt, als meine mutter wegzog um woanders zu arbeiten. Sie fehlte mir, keine Frage, ich war ja auch erst 23. Sie fühlte sich dort wohl und ich hab sie mal besucht. Alles prima.
Irgendwann sagte ich den Satz: du fehlst mir, wäre schön, wenn du wieder in meiner Stadt wohne würdest, ist so ungewohnt, nicht einfach zu dir fahren zu können.
Diesen Satz empfand ich als normal. Ich war jung, das zweite Mal von meiner Mutter getrennt (mit 18 bin ich in den Westen abgehauen, da haben wir uns 5 Monate nicht gesehen) und klar fehlte sie mir. Aber niemals, niemals wollte ich, dass sie ihr Leben aufgibt und zurückkehrt, nur um für mich da zu sein. So hatte ich das niemals gewollt, geschweige denn gesagt.

Was auch immer sich meine Mutter gedacht hat, weiß ich nicht. 1,5 Jahre später kam sie wieder zurück. Und dann 10 Jahre später fingen die Vorwürfe an, ich wäre undankbar und würde mich nicht um sie kümmern, denn sie ist ja wegen mir zurückgekommen und hat seitdem niemals mehr richtig den Fuß in die Arbeitswelt geschafft und dementsprechend ist sie deprimiert und gefrustet. Irgendwann hat sie sich wohl selbst aufgegeben.
Das hält sie mir jetzt vor. Und wenn ich ihr sage, dass sie als Mutter das Recht auf ein eigenes Leben hat und wegen mir nicht zurückkommen musste geschweige denn sollte, hört sie mir gar nicht zu. Ich bin egoistisch. Ja klar bin ich das. Ich hab doch auch ein Recht auf ein eigenes Leben.
Klar habe auch ich einige Jahre so halbwegs mein Leben zurückgestellt und meiner Tochter zu helfen, aber sie war ein Teenager, keine 23 Jahre so wie ich. Und ich war doch damals lieb, bei mir war doch alles ok, jedenfalls soweit meine Mutter wußte.

Was die Krankheiten betrifft, ich weiß es wie gesagt bis heute nicht. Sie nimmt Medikamente, hat Schilddrüse. Und bei einer Operation vor Jahrzehnten wurde ein Faden vergessen, was sich jetzt rausgestellt hat und dieser Faden hat sich um den Darm gewickelt. Es hieß mal vor 8 Jahren, dass sie einen künstlichen Darmausgang bekommt, hat sie bis heute nicht. Dann hat sie Raucherbein, das erzählte sie mir vor 4 Jahren, dass sie ein Bein verliert. Ist bis jetzt auch nicht eingetreten. Ich will die Krankheiten meiner Mutter nicht verharmlosen, aber ich weiß einfach nichts genaues. Wenn ich nach Ärzten fragte oder was sie für Medikamente bekommt, geht sie nicht näher drauf ein. Irgendwann mal sagte sie, sie hätte eine Art Testament gemacht, wo drin steht wegen ärztlichen Entscheidungen etc. Damit hätte ich nichts zu tun, diese Entscheidung will sie mir nicht aufbürden.

Vor ca. 5 Jahren hatten wir dann noch einen großen Knall. Ich wollte eine riesen Geburtstagsfeier für meinen Lebensgefährten organisieren. Da ich mich mit Getränken und Alk. nicht auskenne, fragte ich meine Mutter ob sie mir hilft, wir hatten partyraum mit allem drum und dran. Ja sie hilft mir. Ich habe wirklich gefragt. Ich wollte sie weder benutzen noch ausbeuten, aber sie ist doch die einzige die ich kenne aus der Gastronomie. Jedenfalls kam meine Mutter nicht, jedenfalls nicht zum Zeitpunkt, was wir ausgemacht hatten. Meine Tochter sprang ein. ich war restlos überfordert, traurig, wütend und sauer. So richtig sauer. Ca. gegen 23.00 Uhr tauchte meine Mutter auf. Angetrunken und Hey hier bin ich. So wie sie war. Wo sie auftaucht, muss es sich um sie drehen. Hab ich kein Problem damit, aber an diesem Tag war ich einfach nur sauer. und hab ihr das auch gesagt. Und sie einfach nicht beachtet.
Und das hat sie mir niemals verziehen. Ich habe nicht so mit ihr umzugehen. sie ist meine Mutter. Und ich habe ihr mit meinen 34 Jahren gesagt, dass ich auch ein Recht habe, mal auf sie sauer zu sein.

19.06.2010 08:47 • #2



Hallo Kassiopeia,

Verhältnis zu meiner Mutter verbessern - Töchter & Mütter

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Dieses Riss konnten wir niemals mehr kitten. Ich selbst denke darüber so, es ist passiert. Mein Gott, ist ja nun auch 5 Jahre her und echt kein Grund, dass immer wieder aufzuwärmen. Aber sie war gekränkt, ich hab sie zurückgestoßen. Und ich bin der Meinung, so benimmt man sich einfach nicht. Nunja, das war dann mehr oder weniger das Ende und wir hatten kaum noch Kontakt. Denn ich kenne meine Mutter, immer wenn ich mich gemeldet habe, wollte sie eine Entschuldigung und immer wieder darauf rumreiten, wie sehr ich mich doch verändert habe.

Verändert? Natürlich verändert man sich. Ich bin erwachsen geworden, und irgendwann hab ich mich auch entschuldigt, weil ich mir dann dachte, vielleicht bin ich einfach hart zu meiner Mutter, immerhin ist sie meine Mutter. Aber tief im Inneren muss ich zugeben, bin ich der Meinung, dass ich recht hatte bzw. ein Recht hatte sauer zu sein, zu dem Zeitpunkt.
Danach hatten wie keinen Kontakt richtig mehr. Durch die Trennung von meinem Ex und die schweren Jahre mit meiner Tochter hat auch sie den Kontakt zum Enkelkind verloren, weil nunja es war eine schwere Zeit, ich kann es nicht anders beschreiben. Und so kommen die Vorwürfe hoch, ich würde ihr mein Enkelkind vorenthalten. Sie würde sich niemals melden. Aber auch sie will nicht auf das Thema rumtrampeln, warum die Dinge so sind, wie sie waren und warum sie sich nicht gemeldet hat.

Und dann vor 3 Jahren, als in meinem Leben endlich wieder Ruhe und Friede einkehrte, meine Tochter vernünftig wurde und ich wieder heiraten wollte, passierte etwas, was mich richtig aus der Bahn warf. Mein Lebensgefährte starb und ich sackte ein. Später war mir bewußt, es sind Depressionen, sollte aber noch 1,5 Jahre dauern. Ich schottete mich nach und nach von allem und jedem ab. Nur mein Kind stand mir bei. Meine Freunde waren weg, die Familie meines Lebensgefährten, die Bekannten. Egal mit wem ich es zu tun hatte, alle waren weg. und ich schottete mich dann auch noch ab. Was da noch schlimmes passierte, will ich jetzt hier nicht schreiben, jedenfalls ging es mir so schlecht, dass ich eine Entscheidung treffen musste. Leben oder sterben. Ich entschied mich für Leben, umziehen in eine neue Stadt, Vergangenheit hinter mir lassen, alles weggegeben und alles aufgegeben. Meine Tochter sagte: tue es Mama, du bist noch jung. und ich bin ja nicht aus der Welt. Klar ist es schwer und ich versuchte auch meiner Mutter beizubringen, dass ich weggehe. Aber sie verstand es nicht. Sie verstand nur, dass ich immer noch keine Zeit habe, mich um sie zu kümmern und dass ich jetzt auch noch die Stadt verlasse. Ich hatte keinen Kopf für meine Mutter. Ich war selbst am Ende. Aber mein Lebensgefährte war doch weg, hätte doch jetzt endlich Zeit für sie. Zumal mein Lebensgefährte mich ja verändert hat. Und ich sollte doch wieder zur ihr in den Bezirk ziehen um wieder Boden unter die Füße zu bekommen, weg vom Westen.
Aber das ist ein Witz. Weder der Westen noch mein Lebensgefährte haben etwas damit zu tun, dass ich mich verändert habe. Es war das Leben. Meine Trennung, die Schwierigkeiten mit meiner Tochter, die mich kämpferisch machten, stark machen musste, hart werden ließ auf eine Weise.

Jetzt im Nachhinein, wo es mir besser geht, glaube ich, dass meine Mutter Depressionen hat, aber unbehandelt. Ich weiß selbst wie schwer es ist, sich zu ändern oder etwas zu ändern. Aber da kann ich mit einem Buch reden, das weiß es es wenigstens nicht besser. Und jetzt nach 1 Jahr, wo ich nicht mehr in der Stadt lebe, kommen die Anrufe, sie braucht mich, ich muss kommen, warum kümmer ich mich nicht, was ist passiert in den letzten 10 jahren, sie hat doch nur mich, sie ist krank und hat nicht mehr viel Zeit usw.
Und jetzt kann ich wirklich nicht. Jetzt habe ich Arbeit und kann einfach nicht zur ihr. Weder zeitlich noch finanziell. Es ist hart, ich weiß es. Meine Tochter leidet auch. Sie hat ihre Lehre und auch sie schafft es nicht, hier her zu kommen. Es tut mir in der Seele weh, aber was soll ich tun? Job hinschmeißen, alles hier wieder zurücklassen und zu meiner Mutter gehen?
Dreist wenn ich nur bei ihr übernachte, weiß ich, wie wir uns wieder an die Gurgel gehen, weil sie mich nicht versteht und ich es nicht mehr hören kann, woran ich schuld sein soll in ihrem Leben.

19.06.2010 08:47 • #3


Das Schlimmste ist auch noch, dass ich härter geworden bin. Ehrlich war ich schon immer, aber nun bin ich auch noch direkt und hart. Ich hab Verständnis, aber ich weiß einfach nicht, wie ich mit ihr umgehen soll. Ich möchte doch nur, dass meine Mutter versteht, warum es so gekommen ist.
Ich hab sie allein gelassen, richtig, aber eine Chance hat sie mir nie gegeben. Nur immer Vorwürfe. Ich hab immer alles nur falsch gemacht in ihren Augen und das nervt mich ungemein. Ich bin nicht perfekt. Ich habe jahre gebraucht um das zu kapieren und endlich mal auch einzusehen. Was ich an einer Stelle richtig gemacht habe bei meinem Kind, hab ich bei meiner Mutter versagt. Ich hab beides nicht auf die Reihe gekriegt zusammen. Ich hab mich für mein Kind entschieden und ich glaube, das trägt sie mir nach.


Ich möchte nicht wieder zurück in meine Depression, aber ich merke, dass mich das Verhältnis, das Nichtverständnis ihrerseits unheimlich belastet. Jede Woche Telefongespräche zu führen über das Warum und komm doch und warum nicht und ich bin doch deine Mutter, ich halte das nicht aus. Ich weiß nicht was ich tun soll, wie ich mich verhalten soll und jeden Tag kämpfe ich um meine Stabilität, die ich mir hart erarbeitet habe.

Mein Therapeut ist gut, aber wir gehen andere Baustellen von mir durch. Jetzt meine Mutter da einzuschieben, wäre nicht so richtig und ich denke, er wäre auch der falsche Ansprechpartner.
Also versuche ich es hier. Gebt mir bitte Feedback. Fragt mich, sagt mir was, Kritik ist willkommen. Ich möchte rausfinden, was ich falsch gemacht habe, wo ich hätte anders agieren können oder irgendwas, damit ich mich zumindest entschuldigen kann oder irgendwas in der Art.

Es ist lang geworden, ich weiß, aber ich hoffe, ich konnte halbwegs meine letzten 10 Jahre aufschlüsseln, damit ihr ungefähr wisst, warum es so gekommen ist.


Vielen Dank im Voraus, der sich durch diese schwere Kost gearbeitet hat.

19.06.2010 08:48 • #4


Liebe Kassiopeia,

ich weiß nicht, ob dir meine Antwort hier weiter helfen kann.
Wenn Mütter in kindliche Rollen fallen, also von den eigenen Kindern "betüddelt" werden wollen, dann empfinde ich dies als Zeichen dafür, dass sie einfach nur egoistisch sind. Und wenn ihre Kinder sich nicht klar abgrenzen können und sich derartig in den Bann ziehen lassen, dann ist niemandem geholfen. Vor allem nicht, wenn die Kinder (also du) selber krank sind.
Jeder muss seine eigenes Leben leben und gestalten. Eine gegenseitige Unterstützung kann dabei hilfreich sein, aber wenn dabei Forderungen gestellt werden, halte ich dies für nicht normal.
Deine Mutter hat die Pflicht für sich selber zu sorgen. Es hört sich manipulativ und berechnend an, was sie macht, den Druck, den sie auf dich ausübt. Ich könnte mir vorstellen, dass dich ihre Nähe weiter herunter ziehen würde. Du hast mit deiner eigenen Situation im Augenblick mehr als genug zu tun. Mute dir deine Mutter nicht auch noch zu. Damit bist du überfordert. Sorge für dich, das muss an erster Stelle stehen!

Wäre es eine Möglichkeit deiner Mutter einen Brief zu schreiben? Erklär ihr deine Beweggründe. Gib ihr die Chance an deinen Gedanken teilzuhaben.
Vielleicht wäre es ein Weg sich wieder anzunähern. Schlage ihr vor dir ebenfalls einen Brief zu schreiben. Ohne die gegenseitigen Stellungnahmen und Unterbrechungen, die ein Gespräch oder Telefonat mit sich bringen, können eure Gedanken fließen, ihr braucht euch nicht zu verteidigen...

Erzähl ihr von deiner Therapie, berichte ihr davon, dass du diesen Neuanfang in der anderen Stadt gebraucht hast. Mach ihr klar, dass eine Mutter im Sinne ihres Kindes handeln muss.
Und das alles ohne Vorwürfe, sondern aus der erklärenden Sicht einer erwachsenen Frau, die für dich sorgen muss.

Ich hoffe, dass ich keinen "Mist" geschrieben habe...

20.06.2010 23:28 • #5


Zitat:
Mein Therapeut ist gut, aber wir gehen andere Baustellen von mir durch. Jetzt meine Mutter da einzuschieben, wäre nicht so richtig und ich denke, er wäre auch der falsche Ansprechpartner.


Doch, es wäre genau richtig, total richtig. Einfach mittendrin das zu erwähnen, was du hier geschrieben hast.

Es ist egal, in welchem Thema du in einer Therapie steckst, wenn etwas arg belastet, sollte es RAUS. Besser jetzt, als später.

Meine Mutter ist selbständig geworden, sie wird nächste Woche 82, mein Vater ist seit sieben Jahren tot. Beide wollten auch, dass sich alle Kinder kümmern. Wir fünf tun das auch, jedoch zu UNSEREN Bedingungen. Sie hat sich darüber ein eigenes Leben aufgebaut, hat viele Bekannte und Freunde um sich, unternimmt jeden Tag etwas. Und sie freut sich total, wenn eines ihrer Kinder sie abholt, auch mal zur Übernachtung. Seither ist der Druck fort. Ich weiß, dass es in ihr schon stellenweise anders aussieht, dass sie eine Erwartungshaltung inne hat. Damit muss sie - trotz hohen Alters - mit umgehen, wir haben ihr erklärt, wie. Deshalb hat sie sich wohl auch ihr Netzwerk an Frauen aufgebaut. Es ist keine Frage, wenn sie irgendwann gar nicht mehr kann, dass wir sie nicht hängen lassen. Meine Mutter ist, bis auf ein paar Altersbeschwerden, fitt und kann sehr gut für sich sorgen. Das sagen wir ihr auch zwischendurch mal.

Angelika

21.06.2010 08:55 • #6


Danke ihr beiden für eure Antworten. Im Grunde habt ihr ja Recht, aber mal ganz ehrlich, sie ist doch immer noch meine Mutter, da ist es doch meine Pflicht mich um sie zu kümmern oder nicht?

Das mit Briefe schreiben hab ich versucht, mindestens 5 hab ich ihr schon geschrieben, gerade auch was mein Grund zum Umzug anbelangt, aber irgendwie hab ich das Gefühl, sie versteht einfach nicht, was ich ihr sagen möchte. Selbst als ich ihr ziemlich knallhart am Telefon mal gesagt hab, dass ich mich umbringen wollte, war zwar kurz Luftholen zu hören, aber dann kam nur: Aber Kind, ich brauch dich doch und rede doch mit mir und sag mir doch was los ist und du redest ja nie....
Immer in diesem weinerlichen vorwurfsvollen Ton, der mich aggressiv macht und dann werde ich nur noch kalt. Und das erschreckt mich.
Das sie sich Freundeskreis aufbaut? Glaube kaum, meine Mutter hat kaum Geld und wenn sie Freunde oder Bekannte hat, dann alle aus ihrem Umfeld, die mehr schädlich als nützlich sind. Entspanntes Essen gehen oder schön weggehen hatten wir seit Jahren nicht, denn irgendwas war immer da zum rummeckern oder anders machen oder hier und da und dort und das nervt mich einfach. Ich kann mit ihr in solchen Situationen nicht umgehen.
Ich hab mich so verändert, dass ich einfach keine Ruhe mehr für meine Mutter habe und das zeigt mir doch, wie herzlos und kalt ich wohl wirklich bin.

Wenn ich an das Verhältnis mit meiner Tochter denke, immerhin bin ich auch Mutter und versuche es dann von der Seite zu sehen, dann frage ich mich immer, ob ich auch so werde. Das verneint meine Tochter, dennich bin anders, ich hab immer akzeptiert, dass sie erwachsen geworden ist. Wir reden viel, ich sage meine Meinung, aber die Entscheidung muss immer noch sie allein treffen, damit dann umgehen und auch leben. Aber wenn was ist, wäre ich immer da. Bei meiner Mutter hatte ich nie das Gefühl, dass sie meine eigenen Entscheidungen zumindest akzeptiert, wenn auch nicht gutheißt.

Wenn ich mich abgrenze, so wie ich es die letzten Jahre ja schon getan habe, weil ich merkte, dass ich es nicht schaffe, dann fühle ich mich aber auch schlecht, weil ich ein schlechtes Gewissen habe und eine schlechte Tochter bin. Ich würde ja gerne für sie da sein, ich würde ihr auch gerne helfen, aber diese Art und Weise von meiner Mutter macht mich verrückt, aggressiv, werde schlecht gelaunt, fühle mich einfach nur schlecht. Denn egal was ich tue, im Endeffekt ist sowieso alles falsch.
Und jetzt weiß ich nicht. Stirbt sie oder nicht? Immer wenn ich anrufe, gerade gestern wieder, kommt das: du musst kommen, möchte dich noch einmal sehen.
hab gefragt: jetzt sag doch mal was los ist.
Es geht mir nicht gut, die letzten Monate waren schlimm, jetzt geht es wieder, aber ich weiß nicht wie lange noch. Ich will dich doch nur mal sehen, komm doch mal her.
Ich dann noch mal: was ist los? Welche Krankheit? Mama sagt doch mal Fakten.
und sie: wir müssen reden, können wir nicht einfach nur mal reden? Was ist die letzten Jahre passiert, was ist aus dir geworden? ich hab doch nur dich, ich hab hier Probleme
Ich kriege keine Antwort!
Das macht mich irre.

Wenn mir jemand ins Gesicht knallt z.b.: ich hab Krebs (Beispiel) 2. Chemo hinter mir, Medikamente schlagen nicht an, Ärzte sagen 6 - 12 Monate.
Dann kann ich damit was anfangen.
Aber das diffuse von meiner Mutter macht mich wahnsinnig.
Ich will nicht, dass sie krank ist, ich will natürlich nicht, dass sie stirbt, ich möchte aber wissen, was zum Teufel da los ist bei ihr.
Ich hab keine Nummern von Ärzten oder Freunden oder sowas. Meine Familie (2 Opas) wissen auch nichts genaues. Sie sagt nur, sie ist krank, alles ist schei. und ihr Kind kümmert sich nicht.


Wahrscheinlich habe ich nur Angst, jetzt wirklich mal 2 Tage hinzufahren und zu gucken was los ist. Das knallt mich garantiert wieder zurück und das will ich einfach nicht. Ich fühle mich jetzt gut so wie es ist. Und doch macht mich das Traurig, dass ich da eher an mich, als an meine Mutter denke.
Im Moment wird mir die Entscheidung zu fahren ja noch davon abgenommen, dass ich kein Geld und auch keine Zeit habe, aber in ein oder zwei Monaten sieht das dann anders aus. Bis dahin muss ich zusehen, dass ich Kraft sammel um die Tage bei ihr zu überstehen.

21.06.2010 10:26 • #7


Liebe Kassiopeia (welch schwieriger Name für mich;-)),
ich habe das Gefühl, dass deine Mutter Macht ausüben will. Sie will die Kontrolle haben.
Aus dem Bauch heraus wolte ich gleich rufen: Dann grenz dich von ihr ab. Lass sie alleine, meide jeden Kontakt, denn sie zieht dich runter.
Auf der anderen Seite bin auch ich eine Tochter und bin so gepolt worden, dass ich auf meine Mutter Rücksicht nehmen muss.
Ein schlimmer, blöder Konflikt.

Nach allem was du durchgemacht hast, solltest du aber mehr auf deine eigenen Bedürfnisse, als auf die deiner Mutter schauen.
Sie ist groß und für sich selbst verantwortlich. Sie muss ihr eigenen Kontakte haben, ihre eigenen Welt pflegen. Lass dich nicht missbrauchen etwas zu tun, WAS DIR SELBER NICHT GUT TUT!
Gegenseitige Rücksichtnahme, helfen... ist alles schön und gut. Aber nur so weit, wie man selber nicht darunter leiden muss. Leg dir eine gesunde Portion Egoismus zu!

21.06.2010 11:19 • #8


Monty, du schreibst mir genau das, was ich anderen in der gleichen Situation raten würde.
Und im Grunde tue ich das ja auch. Ich grenze mich ab. Ich kann nein sagen, ich entscheide, mit welchen Leuten ich Umgang haben möchte oder mir ihre Probleme auch antun kann und will. Soweit bin ich schon gekommen und merke selbst, wie gut mir das tut, dass ich diese Entscheidungen treffe.
Aber in Bezug auf meine Mutter fühle ich mich immer wie ein kleines Kind. Immer. Jedes Mal wenn sie sich meldet hab ich das Gefühl, auf einen Sprung sein zu müssen. Das Gefühl, ich MUSS jetzt sofort genau das tun was sie möchte, ohne zu fragen, ohne Rücksicht auf Verluste. Ich hab einfach zu funktionieren. Und da grummelt es dann immer in mir drin, weil ich merke, wie irgendwas in mir immer rebelliert. *seufz*
Warum kann ich das nicht bei meiner Mutter, mich einfach abgrenzen?
Das würde dann totalen Kontaktabbruch bedeuten.

Das mit der Macht könnte hinkommen, früher hab ich es mehr als: Sie kam, sah und siegte
wahrgenommen. Nach dem Motto: ich bin hier, alles hört auf mein Kommando und sie war der Mittelpunkt sämtlichen Geschehens.

Keine Ahnung was passiert ist. Ich würde es als: Sie hat irgendwann die Kurve nicht gekriegt und "suhlt" sich jetzt in ihrem Leid, wie schei. das Leben, die Menschen und gerade auch das Kind ist.
Und da ich selber diese Gefühle, dieses Depressionstief etc. kenne, tut es mir ja auch umso mehr weh, sie so zu sehen. Nur wenn ich sage, dass sie Probleme hat und das sie Hilfe braucht und selber auch etwas dafür tun muss z.B. mal mit der Vergangenheit abzuschließen, die Verbitterung und das Selbstmitleid mal ablegen, dann ist der schönste Krach wieder am ausbrechen, ich soll nicht immer so rechthaberisch sein und ich habe ja keine Ahnung.
Und schon fühle ich mich wieder wie ein kleines Kind, was Mutter widersprochen hat und halte meine Klappe.

Als ich mich vorhin wieder bisschen bei meiner Tochter ausgeheult habe, meinte sie zu mir: Mama du bist der letzte Mensch, der anderen nicht helfen würde, nicht alles geben würde, aber die Tour von Oma zieh dir einfach nicht rein.Weißt du noch, was du zu mir gesagt hast: Ob Blut oder Freundschaft - lass dich niemals manipulieren, höre auf deinen Instinkt und sage nein. Du bist nicht verpflichtet, dich kaputt zu machen, nur weil es Papa oder ein anderer ist.
Und genauso sehe ich das bei Oma.

Morgen hab ich wieder Therapie, vielleicht werde ich das doch mal ansprechen. Mal gucken, was ein Mann dazu sagt.
Ich hoffe nur, dass ich in zwanzig Jahren nicht auch so mein Kind belaste.

21.06.2010 12:02 • #9


Hallo Kassiopeia!
Ich weiß jetzt nicht, wie alt deine Mutter ist, aber ich gehe mal davon aus, daß sie 60 und älter ist. Ich vermute mal, daß der Alk. inzwischen seine Spuren bei ihr hinterlassen hat und daß sie inzwischen einfach Angst hat, wie es mit ihr in den nächsten Jahren weitergeht.
Vermutlich hat sie das Gefühl, daß es ihr besser gehen würde, wenn Du in der Nähe bist, Du schreibst, daß sie relatib wenig Geld zur Verfügung hat, da sie trinkt, wird vermutlich ein Großteil davon für Alk. ausgegeben. Sie leidet an Existenzängsten, die sie wiederrum mit Alk. bekämpft, die Frage ist, wie groß die Rolle ist, die der Alk. in ihrem Leben spielt, ob sie noch ihren HH versorgen kann und sich selber?

Wenn überhaupt, solltest Du ihr sowas, wie Hilfe zu Selbsthilfe besorgen. Dazu müßtest Du aber wissen, wie schlecht oder gut es ihr geht, ob sowas überhaupt notwendig ist. Wenn sie das nächstemal wieder von ihren Krankheiten spricht, könntest Du ihr anbieten, mit dem Arzt zu sprechen, evt. ist notwendig, daß man Sozialstation und/oder Nachbarschaftshilfe einschalten muß. Wenn das alles mal organisiert ist und Du telefonisch als Ansprechpartner für Arzt und Hilfsdienste zu Verfügung stehst, dann hast Du ihr schon geholfen und fühlst dich nicht mehr so schlecht?

Auf keinen Fall würde ich als Tochter Geld in die Hände geben, wenn sie was braucht, dann besorge es ihr, oder schick dir Leute (Sozialstation, Nachbarschaftshilfe), wenn Du ihr Geld gibst, wird sie das für Alk. ausgeben und dafür ist dein Geld zu schade.

Ich kann deine Probleme sehr gut nachvollziehen, ich kann aber auch verstehen, daß Du nicht zu ihr ziehen willst, aber vielleicht bringt ihr die HIlfe was, wenn Du dich um die Organisation von Hilfsdiensten kümmerst, die Frage ist nur, ob es das ist, was sie will und ob sie fremde Hilfe an nimmt, aber das ist halt das, was Du ihr anbieten kannst!
Dir würde es aber vermutlich besser gehen, wenn Du weißt, daß sich jemand um sie kümmert und dir Bescheid gibt, falls es ihr schlechter geht.

21.06.2010 14:21 • #10


Und wie sieht es aus, wenn die Mutter tatsächlich nach Monaten oder sogar Jahren einfach nur ihre Tochter wiedersehen möchte?
Ich weiß, meine Meinng weicht vollkommen von den anderen hier ab!
Vielleicht sehe ich es auch vollkommen falsch, aber ich kann ja nur eine Sichtweise lesen, vielleicht sieht die Mutter es einfach nur anders?
Auch ich bin Mutter und ich würde kaputtgehen, sollte eins meiner Kinder sich so mir gegenüber äußern.
Natürlich würde auch ich nach Gründen fragen, ober solche Gespräche führt man eigentlich nicht am Telefon.

Sollte man so sehr unter der Beziehung zur eigenen Mutter leiden, wäre doch vielleicht ein kompletter Kontaktabbruch die beste Lösung, aber auch das ist ja nicht die gewünschte Lösung. Also was dann letztendlich?

Nichts für ungut!
Ist nur meine Meinung.
Viele Grüße,
Sanni

21.06.2010 20:18 • #11


dragon
Hallo Kassiopeia,
ich habe dir ja schon an anderer Stelle geschrieben, dass ich auch ähnliche Probleme mit meinen Eltern hatte.
Alles Reden und ERklären und um Verständnis bitten, hatte nichts gebracht.
Ich habe dann den Kontakt komplett abgebrochen. In dieser Zeit fühlte ich mich zunächst furchtbar schlecht. So als würde ich gleich von einer strafenden Macht verschlungen und ich hatte ein furchtbar schlechtes Gewissen.
Aber irgendwann ging es immer besser und ich konnte auch sehen, wie unfrei ich vorher war.
Nach Jahren habe ich den Kontakt wieder hergestellt. Nur diesmal bestimmte ich die Regeln für unseren Kontakt.
In deiner Situation kann ich Dir nur raten, den Kontakt zu deiner Mutter komplett aufzugeben.
Hörer sofort auflegen, Briefe ungeöffnet zurück schicken!!!
Das klingt alles sehr hart, glaub mir aber es ist der einzige Weg.
Ihr müßt die Rollen tauschen. Du mußt in dieser Beziehung dominant werden.
Wenn sie den Kontaktabbruch irgendwann akzeptiert hat und nicht mehr mit dir rechnet, kannst du zu deinen Bedingungen den Kontakt wieder herstellen.
Mein jetzt ebenfalls 20 jähriger Sohn hat übrigens voll mitgezogen und hat jetzt zu meiner Mutter einen lockeren Kontakt, läßt sich aber von ihr nichts vorschreiben.
Von mir auch nicht mehr, aber genau so soll es sein. Ich habe ihn bewußt zur Selbständigkeit erzogen.
Ich denke nicht, dass du gefühllos bist und du wirst deine Mutter nach diesem Krieg ganz anders sehen können. Nämlich als individuellen Mensch und nicht mehr nur als fordernde Mutter.
LG
Dragon

21.06.2010 20:20 • #12


Hallo Kassiopeia,

ich kann sehr gut nachvollziehen, wie es ist, eine Alk. Mutter zu haben.

Meine Mutter hat 10 Jahre lang getrunken. Als es anfing, war ich 10 Jahre und als sie endlich in eine Entzugsklinik ging, war ich ca. 21 Jahre.

Mit meiner Mutter konnte man auch NIE irgendein sachliches Gespräch führen. Fast immer stand sie ja unter Alk..
Sie hatte immer ihre feste Meinung und es war nicht daran zu rütteln. Um den Frieden einigermaßen zu erhalten, habe ich ihr halt auch immer recht gegeben. Aber ich habe mich nie gut dabei gefühlt.Wenn man es nicht tat, dann kam sie mit der Mitleidsschiene und warf uns immer vor, keiner würde sie lieben, dabei hätte sie doch immer alles für uns getan.
Was wiederrum bei mir auslöste, dass ich ein ewig schlechtes Gewissen und auch Schuldgefühle hatte.

Als die Mengen an Alk. immer mehr wurden und es ihr immer schlechter ging, sprach ich mal mit ihrem Arzt.
Wir waren alle mit den Nerven total am Ende, denn sie wollte keine Hilfe annehmen. Sie wollte weiter Alk. trinken und sich auch in ihrem Leid suhlen. Der Arzt sagte uns, wir müssten unsere Mujtter fallen lassen.
Wír sollten aufhören, uns um sie zu kümmern. Nur so gäbe es überhaupt eine Chance, dass sie ihren Zustand einsieht und sie könnte sich dann entscheiden, entweder sich helfen zu lassen, einen Entzug und Therapie zu machen und uns als Familie weiterhin als Unterstützung zu haben, oder weiter zu trinken und die Familie zu verlieren.

Ich bin übrigens auch schon früh von zuhause ausgezogen, weil ich den Zustand nicht mehr aushalten konnte, ich wollte mir das nicht mehr jeden Tag mit ansehen. Gott sei Dank, ging sie dann in eine Klinik und ist seitdem trocken und seitdem kann man auch wieder normal mit ihr reden.

Wie sich Deine Mutter verhält und was sie da mit Dir macht, würde ich emotionale Erpressung nennen.
Sie will Dich durch ihr Jammern und Klagen an sich binden, sie will Dein Mitleid und vor allem will sie Schuldgefühle erwecken.

Es ist sicherlich selbstverständlich, dass sich Kinder um kranke Eltern kümmern, wenn das Verhältnis untereinander herzlich und vor allem normal ist.
Aber kein Kind hat die Pflicht, sich aufzuopfern und vor allem nicht, sich gänzlich von der Mutter vereinahmen zu lassen.
Keine Mutter hat das Recht, das eigene Kind gänzlich zu vereinahmen, auch nicht mit dem Argument, sie hätte doch so viel für das Kind getan. Ich bin jetzt mal ganz frech: Das Kind kommt ja nicht freiwillig auf die Welt, die Eltern wünschen sich ein Kind und es wird geboren. und die Eltern sind dafür verantwortlich, sich um das Kind zu kümmern, alles dafür zu tun, dass sich das Kind sowohl körperlich und auch seelisch entwickeln kann. Es ist sozusagen eine Pflicht der Eltern.
Natürlich kann das Kind dankbar sein und in der Regel ist es das ja auch, aber Dankbarkeit ist keine Pflicht des Kindes.

Ich kann Dich sehr gut verstehen, wenn Du den Wunsch hast, Dich abzugrenzen. Und du tust es ja nicht, weil Du von Natur aus hartherzig bist, sondern weil Du Dich eben NICHT manipulieren lassen möchtest.
Und Du hast ja wahrscheinlich schon einiges ausprobiert, dass Euer Verhältnis sich bessert. Aber wenn Deine Mutter da nicht mitspielt, dann hast Du keine Chance!

Ich finde Josies Vorschlag auch gut, dass Du vielleicht für Hilfe und Unterstützung von außen sorgst.
Ich weiß gar nicht, ob Deine Mutter bereit wäre, ihre Alk. anzugehen, aber Du könntest ihr ja Deine Unterstützung anbieten, wenn sie bereit ist, professionelle Hilfe anzunehmen und auch etwas dafür zu tun!
Du kannst ihr ja auch erklären, dass Du ihr nur helfen kannst, wenn sie auch erzählt, an welchen Krankheiten sie leidet und wie es wirklich um ihren Zustand aussieht.

21.06.2010 21:10 • #13


so jetzt komme ich endlich dazu, euch zu antworten. Vielen Dank für eure Beiträge, haben mir mitunter sehr geholfen, jedoch war es schmerzhaft, dazu später mehr.

@Sanni
Es ist ja nicht so, dass meine Mutter mich all die Jahre nicht gesehen oder gesprochen hat. So ist es nicht gewesen. Die längste Zeit war mal ein Jahr, weil wir uns mal gestritten hatten und sie einfach nicht akzeptieren konnte, dass ich eine andere Meinung habe. Aber dann hatte ich mich gemeldet, um ihr zu sagen, dass es meinem Kind besser geht, wir die schwierigen Jahre fast hinter uns haben.
Als meine Mutter jedoch nur mehr oder weniger Verachtung für meine Entscheidung übrig hatte, dass meine Tochter eine eigene Wohnung schon mit 17 kriegen sollte, war ich sauer. Denn das Warum hat sie gar nicht mehr interessiert. Ich drehte mich um und ging. Dann rief ich 3 Monate später wieder an, um ihr zu sagen, dass es hervorragend klappt, alles gut ist und wieder nur: achja schön, wirst noch sehen was du davon hast bei deiner lockeren Erziehung.
Als mein Lebensgefährte damals ins Krankenhaus kam, hab ich sie auch informiert. Als er starb, hab ich ihr das auch gesagt. Dann kam wieder die Mutter zum Vorschein, wollte alles organisieren, mir helfen usw. als ich sagte: Du brauchst mir nicht helfen, denn ich hab nix zu sagen bei Beerdigung und sie mich nicht betüdeln braucht war sie sauer. Sie konnte nicht mir umgehen, das hab ich gespürt, war ihr aber auch nicht böse. Denn es ist nicht einfach mit Trauernden umzugehen. Ich hab ihr erzählt, was ich danach für Schwierigkeiten hatte, ich hab ihr gesagt, es geht mir schlecht. Und sie meinte nur: das wird wieder und er war eh nicht der Richtige.
Meine Mutter erwartet Respekt, Sensibilität, Feinfühligkeit. Aber irgendwie hatte ich manchmal das Gefühl, es wäre nur einseitig.
Als meine Tochter ihren Abschluß trotz Todesfall und ihrer Vergangenheit mit sehr gut schaffte und danach eine Lehre anfing und ich es ihr ganz stolz erzählte, sagte sie nur: aber so einen Beruf? Das ist doch nichts.
Ich war nur Stolz, dass sie überhaupt eine Lehre kriegte in der heutigen Zeit und dementsprechend ziemlich gekränkt und traurig, dass sie als Oma die Fortschritte nicht ein bisschen zu würdigen weiß. Wo sie doch die Vergangenheit kannte.

Als ich die Entscheidung traf neu anzufangen, hab ich auch angerufen und bin hingefahren und hab lange mit ihr gesprochen, warum ich weg muss, was meine Beweggründe sind. Ich hab ihr nicht gesagt, dass ich versucht habe mich umzubringen, ich wollte ihr nicht noch mehr weh tun. Wir gingen wieder in Streit auseinander, weil wegziehen ist papperlapp und ich sollte gefälligst von dem Westen weg und wieder zu ihr ziehen, da wo ich aufgewachsen bin, das würde mir helfen. Später dann, als ich hier war, hab ich einen langen Brief geschrieben, in dem ich noch mal alles erklärt habe und auch die Selbstmorde erwähnt habe. Ich hab dann noch mal 3 Briefe geschrieben, ich hab sie Anfang des Jahres angerufen, um ihr zu sagen, ich bin auf dem Weg der Besserung. Das ich mich hier wohlfühle. In all den Briefen und Telefonaten hab ich immer gefragt, wie es ihr geht und was los ist. Hab nie eine Antwort erhalten. Immer nur Vorwürfe, immer nur: komm her, mir geht es schlecht, ich bin krank, will dich sehen, will mit dir reden, was ist denn die letzten 10 Jahre passiert.

Jetzt wo ich ihr erzählt hatte vor ca. 4 Wochen dass es mir richtig gut wieder geht und ich sogar mehrere Jobangebote habe und mich fleißig bewerbe, da kam die Anrufe täglich udn die SMS. Ich soll kommen usw.
Ich hab angerufen, hab ihr erklärt, warum es nicht geht. Ich hab gefragt, was ist los, was kann ich tun? Niemals eine genaue Antwort.

Gestern habe ich nochmal angerufen und ich hab gefragt nach Arzt, nach Hilfe für sie, ob ich was organisieren soll, an wen ich mich wenden kann, sie muss nicht allein da durch, denn es gibt Hilfe, weiß ich ja selber durch die Depression.
Sie sagte zu mir: ist nicht nötig mit Arzt zu reden, sie hätte alles geregelt, ich hätte damit nichts zu tun. und Hilfe braucht sie nicht, sie kümmert sich selber drum, muss sie ja, denn Tochter interessiert es ja nicht.
Als sie wieder fragte, was denn passiert ist die letzten 10 Jahre ist mir der Kragen geplatzt und ich hab sie angeschrien und die letzten 10 Jahre in Stichpunkte runtergerasselt:

Du fragst was passiert ist? ein Ex-Mann der mich verprügelte, vergewaltigte und terrorsierte. Eine Tochter, die abrutschte, weil sie mit dem Terror der Trennung nicht klarkam, Jahrelanges Kämpfen um mein Kind, Lebensgefährte mit Herzinfarkt, danach Koma, dann 4 Monate Klinik, danach Tod, dann Terror mit der Familie noch, danach Trauer, 2 Selbstmordversuche und bin selber eingesackt. Das Mama, das ist passiert und das alles hat mich verändert.

So in der Art, ich krieg das jetzt nicht mehr zusammen. Ich hab dann danach einen Weinkrampf gehabt. Gestern ging es mir ziemlich schlecht danach.

22.06.2010 19:41 • #14


@Sonnenblume
Wegen ihrem Alk. will sie nichts unternehmen. Hätte alles keinen Sinn, Therapeuten sind eh Idioten (hatte wohl schon 2, aber wegen anderen Sachen glaub ich, sie redet nicht darüber).
Ich hab ihr mal gesagt, das war als meine Tochter geboren wurde: Du kennst meine Meinung zu Alk., also akzeptiere bitte, dass ich nicht mit dir rede oder diskutiere, wenn du getrunken hast.
Das hab ich all die Jahre mehr oder weniger auch durchgezogen. Deswegen ist sie ja mit den Jahren immer brassiger geworden, wenn ich einfach auflege oder einfach aus der Wohnung gehe, wenn ich merke, es hat einfach keinen Sinn.
Früher gab es Unterschiede, wenn sie nüchtern war, war sie eine tolle Frau, ich konnte mich mit ihr unterhalten, wir konnten reden, meine Sorgen teilen oder sie mir ihre sagen. Ich dachte, wir hätten ein gutes Verhältnis, wie es sich zwischen Erwachsenen gehört. Ich hab ihr auch meine Meinung gesagt. Aber irgendwie hatte ich immer das Gefühl, ich bin mehr Kind als eine erwachsene Person. Mit den Jahren wurde es immer auffälliger. Konnte sie für mich organsisieren, Besorgungen machen oder meinen Tagesablauf planen (brauchte Hilfe mit meiner Tochter mal eine Zeitlang) war alles easy, solange ich nicht widersprochen habe oder es anders wollte.


Ich hab das Thema heute auch bei meinem Therapeuten gehabt.
Und er sagt mir auf den Kopf zu: Sie sind gegenüber ihrer Mutter niemals erwachsen geworden.
Stimmt, ich fühle mich immer wie ein kleines Kind und wenn ich mit ihr aber als Erwachsene Person rede, kriegt sie einen Anfall und kommt mir wieder mit Respekt und so habe ich nicht mit ihr zu reden.
Die Zeit war zu kurz, aber im Endeffekt kommt es auf das Gleiche raus, was hier mir viele raten. Ich muss Stellung beziehen und wenn die Konsequenz Kontaktabbruch heißt, dann muss es wohl so sein.
Meine Mutter ist eh überzeugt davon, dass in unserer Familie zwischen Müttern und Töchtern ein schlechtes Karma hängt. Sie hat sich mit ihrer Mutter auch nicht verstanden und meine Oma mit meiner Uroma auch nicht. Und ich hau jetzt in die gleiche Kerbe.

Ich hab die Entscheidung getroffen, in den nächsten ein oder zwei Monaten, wenn es zeitlich geht und finanziell, dann fahre ich zu ihr und rede nochmal von angesicht zu angesicht mit ihr und werde nochmal fragen, was los ist, was sie will, was für Krankheiten, was für Hilfe oder wie auch immer. Und dann werde ich ja sehen, wie sich das Gespräch entwickelt. Zur Not kann ich immer noch woanders übernachten, meine Tochter ist ja auch in der Stadt.
Jedenfalls werde ich nicht meine Mutter pflegen, ich werde nicht zurückziehen. Das weiß ich schon mit Sicherheit. Ich kann organsieren und Dinge besorge, machen und tun, aber nicht vor Ort. Das auf keinen Fall. Das hab ich in der Therapie absolut verneint, als die Frage aufkam.

Manchmal stecken meine Antworten schon in mir, brauche jedoch einen Anstoß um dann wirklich zu agieren.


Sanni, ich bin auch Mutter und ich hab viel und oft mit meiner Tochter darüber gesprochen und wie weh es mir tun würde, wenn sie den Kontakt einfach so abbricht. Aber es ist ja nicht "einfach so". Es hat sich über Jahre anscheinend aufgebauscht und egal was ich tue, es ist niemals gut genug für meine Mutter.
Manchmal wünschte ich mir, dass ich in die Zukunft gucken könnte, ob alles gut geht, wenn ich wirklich wieder zurückziehe und mich um sie kümmer. Aber tief im Herzen weiß ich, dass es mir dabei nicht gut gehen würde. Denn ein Zurück gibt es nicht mehr für mich. Niemals.
So unsicher ich mir in vielen Dingen bin. So sicher bin ich mir dabei. Und wenn meine Mutter das nicht akzeptiert, dann ist es nicht zu ändern.

@Dragon
ich hoffe, dass ich eines Tages auch so schreiben kann. Ich steh jetzt an der Schwelle, wer weiß wie es mir geht, wenn ich die Entscheidung wirklich treffe. Noch ist ja nichts verloren.

Aber zumindest weiß ich jetzt, was ich tun werde und ich wohl noch viel Stoff für die Therapie habe. Danke schön euch allen.

22.06.2010 19:42 • #15