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Überlastung durch raumnehmende Personen

mrsrobot

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Nach einer gestrigen Begegnung mit meinen Elten und einer daraus resultierenden Panikattacke würde ich gerne wissen, ob es anderen auch so geht. Meine Eltern habe ich seit einem 1/2 Jahr wieder gesehen. Es ist immer wieder so, dass sie viel, viel, viel erzählen, ab und an frage ich mal dazwischen und mittlerweile nach 2 Stunden bin ich drüber.
Gestern war ich mit meinem Mann von 10 bis 13 Uhr da und ich habe schon bei ihnen gemerkt, ups, der Magen rebelliert was, es ist schwül, upss, Angst.

Dann bin ich zu meiner Oma, vierte Etage, ging schon schlecht, hochgehen in die 4, Etage, ich so, ne, wieder runter. Ich habe mich dann hoch gezwungen, saß bei meiner Oma, sie redete und redete, es summte im Ohr und mein inneres sagte, ich kann nicht mehr zuhören, raus.

Das habe ich dann auch gemacht. Ich habe mich verabschiedet und bin einfach dann runter und mit meinem Mann nach Hause. Es ging einfach nicht mehr. Wir sind durch die Stadt, statt der Autobahn nach Hause gefahren, die hätte ich wahrscheinlich nur mit Panik überstanden und ich dachte, ne, weg, weg, weg.

Ich bin natürlich nicht umgekippt. Zuhause war ich am heulen und ziemlich durch. Einschlafen konnte ich leider nicht, dafür bin ich heute ziemlich kaputt. Mein Magen war heute morgen noch am meckern.

Bei meinen Eltern und auch anderen Personen kann ich unwahrscheinlich schlecht einschätzen, wann es genug ist. Wenn jemand redet, redet, redet, bedrängt er mich schon ohne Ende und ich fühle als ob meine Luft zum Atmen wegbleibt. Dazu habe ich auch noch viereinhalb Tassen Kaffee getrunken, was natürlich nicht förderlich ist.

In der Rückschau hatte ich schon gemerkt, das bestimmte Themen wieder viel Raum einnehmen, bin da aber nicht so eingestiegen drauf. Dazu muss ich vielleicht sagen, meine Eltern und ich haben kein gutes Verhältnis. Man würde das nicht erkennen. wenn wir so zusammen sind, es fällt mir schwer, da den Abstand zu halten, wenn es "nett" ist. Es war auch so eine nette Atmosphäre, aber irgendwie habe ich das wieder nicht überstanden.

Ich kann mir auch vorstellen, dass durch Therapie und Co ich auch jetzt viel eher merke, was ich früher verdrängt habe und deswegen so auf die beiden reagiere. Wer kennt so etwas?

02.07.2020 16:27 • x 1 #1


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Kate

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Hi Du,

ich kenne das auch. Ich kann mit meiner Mutter nicht zu zweit im Auto sitzen. Mich erdrückt die Anwesenheit auf so kleinem Raum. Wenn wir irgendwo anders zusammen sind, Café etc. gehts nur wenn eine dritte Person dabei ist, wo ich sozusagen, raus sein kann. Ich kann es auch nicht ertragen wenn sie mit mir reden will, über was auch immer. Wenn sie mich dabei auch noch anschaut, dann habe ich panische Angst, sie sieht was ich denke oder fühle. Ich kann die Nähe einfach nicht ertragen. Danach habe ich allerdings keine Panik, sondern bin wie in einer anderen Welt, vollkommen abgestumpft und weit weg.

Schon merkwürdig alles, darüber habe ich mir nie wirklich Gedanken gemacht.

LG Kate

02.07.2020 16:35 • x 2 #2


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Mayke1

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Liebe mrsrobot,
ja, ich kenne solche raumnehmenden Personen ebenfalls gut. Ich nenne sie immer Energieräuber.
Da reicht schon ein Telefongespräch mit einer Bekannten, die nur von sich erzählt und ich es nicht schaffe, das Gespräch auf meine Seite zu bringen. Früher waren auch einige Schulkolleginnen so vereinnahmend, wenn es um meinen persönlichen Raum ging. Derzeit geht es mir mit meinem Bruder so.
Vielleicht sind die angeblich netten Stunden für uns Betroffene gar nicht so nett? Was anderen Freude macht, kann für uns ziemlich überfordernd sein.
Nachmittage bei meinen Eltern waren für mich früher auch sehr schlimm. Ich reagierte mit großem Fluchtdrang. Aber weil "man" das nicht macht, schließlich sind es ja die Eltern, hielt ich irgendwie durch. Saß aber ständig Richtung Tür gewandt, blickte fast minütlich zur Uhr, wann es denn schicklich wäre, zu gehen. Bei mir lag das Problem mit meinen Eltern bei mir, weil ich mit Alter und Krankheit nicht gut umgehen kann.
Wenn ich weiß, dass ich mit energieraubenden Leuten zusammenkomme, lege ich mir zurecht, wann ich eintreffe und sage, dass ich pünktlich gehen muss, ohne Angabe des Grundes. Diese Zeitspanne kann ich dann besser überstehen.

Dein Thema ist total interessant!
Lieber Gruß von Mayke

02.07.2020 16:47 • x 1 #3


mrsrobot

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Zitat von Kate:
Hi Du,

ich kenne das auch. Ich kann mit meiner Mutter nicht zu zweit im Auto sitzen. Mich erdrückt die Anwesenheit auf so kleinem Raum. Wenn wir irgendwo anders zusammen sind, Café etc. gehts nur wenn eine dritte Person dabei ist, wo ich sozusagen, raus sein kann. Ich kann es auch nicht ertragen wenn sie mit mir reden will, über was auch immer. Wenn sie mich dabei auch noch anschaut, dann habe ich panische Angst, sie sieht was ich denke oder fühle. Ich kann die Nähe einfach nicht ertragen. Danach habe ich allerdings keine Panik, sondern bin wie in einer anderen Welt, vollkommen abgestumpft und weit weg.

Schon merkwürdig alles, darüber habe ich mir nie wirklich Gedanken gemacht.

LG Kate


Das abgestumpft sein kenne ich auch. Zuletzt hatte ich das als "Schockstarre" eingeordnet, nur ist passiert mir das während solcher Treffen. Wir hatten vor 2 Jahren ein Treffen bei mir zuhause, da ist sie im Gespräch sehr verletzend geworden, ich habe gar nichts gesagt. Es war wie im Film, ich habe nichts gespürt, wirklich erstaunlich, ich bin einfach drüber hinweggegangen. Es kam erst später, das ich gedacht habe, was hat sie denn da jetzt gesagt, dafür hätte ich sie rausschmeißen sollen.

02.07.2020 17:02 • x 1 #4


mrsrobot

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Ich habe mir sonst auch eine Uhr die letzten Male gestellt. Mein Mann und ich haben die Termine immer enger gestellt und sind dann zum Schluß bei 2 Stunden gelandet. Jetzt waren es mehr und ich war megaüberfordert. Das geht mir auch bei anderen so, wenn dann noch eine räumliche Enge kommt, flippe ich irgendwann aus.

Ja, aber auch ich bin halt so, Mutter ruft an, ach, haben uns solange nicht gesehen, kommste vorbei. Ja, habe mich auch gefreut, aber es war echt zu viel. Dabei habe ich während des Lockouts noch so über die beiden geschimpft, aber ich will auch irgendwie dann eine gute Beziehung haben. Den kompletten Abbruch, obwohl das bei dem, was da abgegangen ist die letzten Jahre, auch ok wäre, habe ich so nicht machen wollen. Ich habe es einfach immer mehr reduziert.

Es ist schwierig, während eines Gesprächs, wo man einerseits ein gutes Gefühl hat, aber andererseits eine Stimme im Kopf hat, die "warnt" auf das richtige zu hören und zu reagieren. Ich habe die leise Stimme gehört, die sagte, oh, jetzt redet sie aber wieder viel über ihr Pflegekind, lenk sie ab oder vielleicht doch nicht. Gemacht habe ich es nicht.

@ Mayke: Wie bist Du denn mit Deinen Eltern dann umgegangen? Hast Du für Dich eine Lösung gefunden mit den Themen?

Es ist erstaunlich, ich habe gestern noch überlegt, ob mich das Thema auch gestört hat oder "nur" das viele Gerede. Mich hat aber auch, wenn ich Deinen Text lese, das Thema gestört. Es ging wieder um das Thema ihrer "Ersatzfamilie", wo sie auf die Kinder aufgepasst hat. Das ist für mich immer so, als ob da eine Familie im Raum steht, die meinen Platz streitig macht. Ich frage mich wo ist denn mein Platz da. Sie haben ja irgendwie alle Plätze innerhalb der Familie mit anderen Personen besetzt. Ich laufe nur noch so mit.

02.07.2020 17:11 • x 2 #5


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Mayke1

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Liebe @mrsrobot ,
zu meinen Eltern zu fahren, habe ich immer weniger geschafft. Immer, wenn ein Besuch wieder anstand, reagierte mein Körper ungewöhnlich. Ich spürte z.B. meine Fußsohlen nicht mehr, dachte, ich schwebe über dem Boden und fiel deshalb andauernd hin. Der Magen rebellierte und die knappe Fähigkeit zu kommunizieren, brach ganz weg. Am besten ging es noch, wenn so wie Kate es beschreibt, weitere Personen dabei waren. Dann konnte ich auch mal den Raum verlassen, was mir ein paar Verschnaufminuten brachte. Die damalige Therapeutin riet mir zu diesen kurzen Auszeiten, auch wenn ich alleine bei den Eltern sein musste. In dieser Zeit hinschauen, was WIRKLICH los ist.
In den letzten Lebensjahren meiner Eltern bin ich oft nur eine Viertelstunde geblieben oder habe versucht, zu telefonieren. Aber auch da mit zeitlicher Abgrenzung, z.B. ich bin noch in der Schule und gleich beginnt die nächste Stunde, ich muss also Schluss machen. Es ist ganz meiner Angststörung geschuldet, dass ich irgendwann gar nicht mehr zu den Eltern fahren konnte. Die Scham darüber ist immer noch fürchterlich hoch bei mir.

02.07.2020 17:24 • x 2 #6


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Kate

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Zitat von mrsrobot:
Ja, aber auch ich bin halt so, Mutter ruft an, ach, haben uns solange nicht gesehen, kommste vorbei.


Das ist jedesmal so, sobald ich sie dann sehe, dämmert mir schlagartig mein Fehler. Dabei hab ich sie wirklich lieb. In mir wehrt sich halt alles dagegen. Und dann ihre Fragen, stimmts Du hast mich lieb? Hattest Du eine schöne Kindheit? Was stimmt nur mit Dir nicht? Ich immer, ja, ja, nichts stimmt mit mir nicht. Es ist anstrengend.

02.07.2020 17:26 • x 2 #7


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Frederick1

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hallo ihr Lieben,

mir hat bis jetzt am meisten geholfen, das ich mich nach vielen langen Jahren, mit meinen Eltern versöhnen durfte.

Auch wenn ich brutalst geschlagen worden bin, immer wieder in dunkle Keller eingeschlossen wurde.

Lange habe ich mich zurückgezogen, weil unsere Beziehung, unsere Begegnungen waren immer so was von aufgeladen, das vernünftige gute Gespräche gar nicht möglich waren Lange Zeit habe ich zeitlich und räumlich Abstand genommen.

Für mich selbst, meine liebe Frau, meine Kinder. Ich musste erst mal einen Raum für mich selbst finden, spüren und sortieren, was mit mit selbst los ist.............

Was ist los, warum reagiere ich selbst, die anderen so, welche Bedürfnisse haben ich selbst, was kann ich ändern?

Denn jeder erwartet vom anderen Verständnis, Liebe, Annahme...Aber keiner hört richtig zu. Doch wenn ich mir selbst zu höre, es lerne, bin ich wieder fähig, andere Menschen zu hören.

Lange habe ich versucht, meine Eltern zu verstehen, warum haben sie mir das angetan...............................

Und ich erspürte, das die Spuren in ihre eigene Kindheit, Vergangenheit zurück gingen, das so wie sie mich behandelt haben, wie sie selbst behandelt wurden.

Es hilft, wenn wir uns da einfühlen können, warum leben, reden Menschen so, so wie sie es tun. Und wie fühlt sich dieser Mensch dabei? Welche Bedürfnisse hat er jetzt....

Es geht darum, wenn ich versuche anzunehmen, zu verstehen, kommt man sich vielleicht wieder näher, und das werden alle spüren. Mitgefühl, eine Beziehung unserer Herzen...........


liebe leise Grüße,

Frederick

02.07.2020 17:49 • x 2 #8


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Kate

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Zitat von Frederick1:
Und ich erspürte, das die Spuren in ihre eigene Kindheit, Vergangenheit zurück gingen, das so wie sie mich behandelt haben, wie sie selbst behandelt wurden.


Sowas empfinde ich absolut nicht als Entschuldigung. Keinesfalls. Ich tue meinen eigenen Kindern auch nichts an. Warum nicht? Weil der menschliche Verstand weiß was falsch ist.

Ich bin mir auch nicht sicher, wie das mit dem Verzeihen ist. Verzeihe ich, nicht weil sie es verdienen (alle), sondern weil ich Seelenfrieden will? Verzeihen bedeutet NOCH für mich, das Getane zu relativieren, das wäre in meinen Augen doppelt schändlich. Nach dem Motto halb so schlimm. Vielleicht sehe ich das aber auch irgendwann mal anders.

02.07.2020 17:55 • x 3 #9


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Kate

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Zitat von Frederick1:
Es hilft, wenn wir uns da einfühlen können, warum leben, reden Menschen so, so wie sie es tun. Und wie fühlt sich dieser Mensch dabei? Welche Bedürfnisse hat er jetzt....


Sorry lieber Frederick, das mag auf vieles zutreffen, aber nicht auf alles. Eine Expedition zu den verflixten Gründen, ist mir, wenn ich mich heute betrachte, vollkommen gleichgültig. Immer die Entschuldigungen, wie schlimm doch die Kindheit von Tätern war. Wir lieber Frederick - DU und ICH - machen es doch auch besser!

02.07.2020 17:57 • x 4 #10


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Frederick1

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liebe Kate,

DU viele lange Jahre konnte ich das auch nicht. Meine beiden Eltern leben jetzt nicht mehr, doch ich durfte mich vor

ihrem Tod noch miteinander versöhnen.

DU mir wurde klar, selbst bin ich als Mensch auch nicht vollkommen. Deshalb möchte ich mit mir selbst barmherzig umgehen, so gut ich es kann. Weil ich selbst schon viele Fehler in meinem Leben gemacht habe, aber froh war, das sich Menschen über mich wieder erbarmt haben...

Was ein anderer Mensch tut, tut er für sich, nicht immer gegen mich.

Natürlich ist es etwas anderes, wenn du S. missbraucht wurdest.

Nur, Versöhnung tut mir selbst gut. Die Last meines schweren Rucksackes wird irgendwie leichter, wenn ich los lassen kann. Wenn man sich immer wieder provoziert und Streit sucht, anderen mit Worten bewusst weh tut, über andere schlecht redet, den anderen immer wieder demütigt, keinen Raum mehr lässt zum reden, leben........


liebe Grüße,

Frederick


liebe Grüße an dich,

Frederick

02.07.2020 18:03 • x 1 #11


mrsrobot

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Zitat von Mayke1:
Liebe @mrsrobot ,
zu meinen Eltern zu fahren, habe ich immer weniger geschafft. Immer, wenn ein Besuch wieder anstand, reagierte mein Körper ungewöhnlich. Ich spürte z.B. meine Fußsohlen nicht mehr, dachte, ich schwebe über dem Boden und fiel deshalb andauernd hin. Der Magen rebellierte und die knappe Fähigkeit zu kommunizieren, brach ganz weg. Am besten ging es noch, wenn so wie Kate es beschreibt, weitere Personen dabei waren. Dann konnte ich auch mal den Raum verlassen, was mir ein paar Verschnaufminuten brachte. Die damalige Therapeutin riet mir zu diesen kurzen Auszeiten, auch wenn ich alleine bei den Eltern sein musste. In dieser Zeit hinschauen, was WIRKLICH los ist.
In den letzten Lebensjahren meiner Eltern bin ich oft nur eine Viertelstunde geblieben oder habe versucht, zu telefonieren. Aber auch da mit zeitlicher Abgrenzung, z.B. ich bin noch in der Schule und gleich beginnt die nächste Stunde, ich muss also Schluss machen. Es ist ganz meiner Angststörung geschuldet, dass ich irgendwann gar nicht mehr zu den Eltern fahren konnte. Die Scham darüber ist immer noch fürchterlich hoch bei mir.


Die Angst resultiert ja aus Gründen, die Dich auch schützen. Ich kann nachvollziehen, dass Du eine Scham hast, das kann ich wirklich. Das hin- und herpurzeln zwischen Schuld und Selbstschutz ist für mich auch schwer auszuhalten. Ich würde mir hier für mich eine klarere Haltung wünschen. Das ist der Punkt, an dem ich noch zu arbeiten habe. Was hier der richtige Weg für mich ist. Manchmal ist es aber auch gut, wenn man seine Eltern nicht mehr sieht. Das Problem sehe ich immer, die inneren Konflikte bleiben ja weiter bestehen.

Wir hatten die letzten Jahre alle möglichen Arten probiert uns zu treffen, mal meine Eltern bei mir, dann alleine in der Stadt,...Im Endeffekt hat es nicht funktioniert. Anfangs war es etwas entzerrter, dann wurde meine Mutter wieder so aggro im Gespräch, das was ich auch anfangs geschrieben hatte, das ich davon abgesehen habe, mich mit Ihnen weiter zu treffen.

Sie sind, wer sie sind und sehen einfach nicht, was sie mit ihren Themen anrichten. Sie wollen aber auch nicht sehen, was sie anrichten. Das hat mich immer davon abgehalten, mehr als nötig zu erzählen. Ich habe irgendwann mal gesagt, ich habe jetzt Panikattacken und kann kein Auto fahren, ergo komme ich euch nicht mehr besuchen. Meine Mutter fragte dann, ja aber wie soll das weitergehen,... Es fehlte einfach mal ein nettes Wort dabei für mich, wenn ich jetzt mal darüber nachdenke. Ich soll einfach wieder repariert werden und nach ihren Ansprüchen für sie weiter weiter funktionieren.

Die Verletzungen die letzten Jahre sind immer mehr geworden oder ich habe sie immer mehr gespürt, daraufhin habe ich mich auch zurückgezogen. Es geht und ging nicht mehr für mich, sich mit denen in einen Raum zu setzen. Waren wir bei Ihnen, mußte ich schnell raus zum frische Luft schnappen. Oder ich habe mich geistig ausgeklingt und an andere Sachen gedacht.

03.07.2020 09:11 • x 4 #12


mrsrobot

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Meine Schwester hat eine kleine Tochter, die viel bei der Oma ist (meiner Meinung nach zu viel, aber das ist ein kleine Randnotiz). Im letzten Jahr gab es eine Situation, da ist mir fast das Gesicht entglitten. Wir hatten uns zu dritt bzw. mit Kind zu viert zum frühstücken getroffen haben, meine Schwester, Mutter und ich. Schwester geht in ein Geschäft, Kind wird quengelig, meine Mutter passt drauf auf und sagt, ja ach, letztens haben wir der Enkeltochter auch mal einen Klapps auf den Hintern gegeben. Das kann ja nicht schaden. Ich meinte nur, ich sage da jetzt mal nichts zu .

Wir sind mit Schlägen groß geworden, mit allen Konsequenzen, die daraus resultieren und da steht eine Frau, die als Tagesmutter Kinder betreut und sagt mir, Schläge schaden nicht. DAS kann ich nicht entschuldigen und geradebiegen. Ich kann Sachen nachvollziehen, die sie vielleicht damals falsch gemacht haben und das es früher einfacher war, Kinder mal eine zu titschen. Aber doch nicht mehr heute und das beim Enkelkind. Ich war sprachlos. Von meinem Standpunkt aus kann ich das nicht entschuldigen und da waren noch mehr Punkte in den letzten Jahren (z.B. meine Mutter hat mir mit 30 noch eine ins Gesicht getitscht), dich ich entschuldigen kann. Da gibt es auch nichts dran zu rütteln. Aber wie geht man für sich damit um? Wenn es nur die Vergangenheit wäre, aber es geht ja in der Gegenwart immer wieder neu weiter.

Vielleicht besteht auch darin der Prozess, Abstand für sich zu finden und klar daraus zu werden, das man es annimmt, wie es ist. Man kann es selbst nur besser machen, das mache ich auch und das weiß ich auch. Ich merke auch jetzt wenn ich hier schreibe, es ist ein langer Prozess. Selbst bin ich mir nicht immer klar darüber, was das richtige ist.

03.07.2020 09:21 • x 4 #13


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Frederick1

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liebe mrsrobot,

ja ich bin auch brutalst mit Schlägen groß geworden und einigem brutalen mehr. Leider war das das in dieser Zeit fast normal. Dann wollten meine Eltern auch meine Kinder klopfen. Natürlich waren meine liebe Frau und ich ganz klar dagegen.

Wir wollen das unsere Kinder gewaltfrei erzogen werden. Das heißt aber nicht, das wir immer zuckersüß und lieb sein müssen. Nein da geht es auch um Klarheit, Klarheit über bestimmte Situationen, und Bitten. NEIN, meine Kinder werden nicht geklopft, und wenn ihr das nicht akzeptiert, dann habt ihr meine Kinder gesehen. Nicht vorwurfsvoll und anklagend, aber ganz deutlich. Und es wurde akzeptiert....Mein "Notschrei" war die Basis, für einen guten Umgang mit meinen Kindern.

Offen und klar etwas zu sagen, ist für mich sehr hilfreich. Aber das ich in den Konsequenzen fest zu mir stehen kann.

Selbst war ich lange Jahre als Postmann in Beziehung zu Postkunden. Als Briefträger, Paketbote, in der Postfiliale usw..

Da habe ich hart lernen müssen, was andere Menschen tun, tun sie nicht alles gegen mich selbst...........

Menschen tun in der Regel nicht mit der bewussten Absicht, andere zu irritiern, zu ärgern, zu stressen.

Auch wenn sie andere Menschen anbrüllen, verletzen tun sie es für sich, um Entlastung zu zu bekomen.........für sich..

Das heißt jetzt nicht, das wir jedes unmögliche Verhalten billig entschuldigen müssen.

Es ist aber nicht gut, Menschen anzubrüllen, ihnen den Vogel zu zeigen. Mich entlastet es aber, wenn ich nicht alles auf mich selbst beziehen muss.

Wichtig finde ich aber, das wir der Wahrheit ins Auge schauen, klar und offen unsere Meinung sagen, dabei aber auch konsequent sind, wenn man uns nicht anhören möchte.


liebe leise Grüße an dich,

Frederick

03.07.2020 15:56 • x 1 #14


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Kate

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Zitat von Frederick1:
Menschen tun in der Regel nicht mit der bewussten Absicht, andere zu irritiern, zu ärgern, zu stressen.

Auch wenn sie andere Menschen anbrüllen, verletzen tun sie es für sich, um Entlastung zu zu bekomen.........für sich..


Mit Sicherheit nicht alle, aber zu viele.
Zitat:
Das heißt jetzt nicht, das wir jedes unmögliche Verhalten billig entschuldigen müssen.


So kommen für mich Deine Antworten leider aber immer wieder rüber. Aber Meinungen sind halt unterschiedlich.

Aber ich finde es gut, dass Du für Dich einen guten Weg finden konntest und damit auch zufrieden bist.

LG Kate

03.07.2020 18:26 • x 1 #15


mrsrobot

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Also es bei mir tatsächlich immer wieder das Thema, sobald meine Mutter anfängt, von dieser anderen Familie zu erzählen oder was andere toll machen oder Sachen, die ich gemacht habe, als ihre "Erfolge" verkauft, das ich mittlerweile auch schon am Telefon ein Engegefühl in der Brust bekomme. Es liegt übertragen für mich wirklich daran, dass sie meinen Platz in der Familie weggibt.
Mein Therapeut meinte, es gibt so viel unausgesprochene Forderungen und Angelegenheiten in der Familie. Er hat den Kopf geschüttelt. Meinte, es ist als ob Erwartungen verletzt wurden, wo nicht klar ist, was die Erwartungen sind.
Ich habe jetzt mal versucht mir Raum zu schaffen in Telefongesprächen mit meiner Mutter oder gestern z.B. auch im "Whatsapp-Video-Chat". Das heißt, es war mir ein Bedürfnis, dazwischen zu sprechen, aber das muß ich dann auch teilweise schon heftig machen, sie redet sonst immer, immer weiter. Das alleine ist schon anstrengend oder mal das zu sagen, was ich denke. Dann kommt nichts mehr. Für eine Kommunikation sehr schwierig, wenn das Gegenüber nicht mehr antwortet.

Da kann ich auch das Bedürfnis verstehen, sich hier mit dem Gegenüber auf eine Art auszusöhnen innerlich und zu sagen, sie sind so und das ist so. Für mich wächst momentan mehr das Gefühl, das ich sehr, sehr viel richtig mache, was umgekehrt nicht so ist. Mit allen daraus folgenden Konsequenzen.

22.07.2020 11:15 • #16

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