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Überforderung und ausgebrannt - falscher Beruf?

wallaceMia
Hallo ihr Lieben,
Hab mich grade eben erst angemeldet,. sozusagen die Neue
wo fang ich an? am Besten mit der aktuellen Situation.
Seit letzten Donnerstag habe ich ein ziemliches Tief. Fühle mich maßlos überfordert, ausgebrannt, traurig und hab Schwierigkeiten einen klaren Gedanken zu finden. Ich hab Angst vor der Zukunft, fühle mich als Versager und kann nur ganz schwer noch einen Sinn in meinem "Dasein" erkennen. Werde morgen zum Hausarzt gehen und schaun was er meint.
Wie ihr am Betreff erkennen könnt ist das Thema aber eher beruflicher Natur.
Auch dazu Mal eine kleine Schilderung.
Bereits während der Schulzeit hatte ich immer wieder mit Depressionen (Anpassungsstörung laut damaligem Befund), suizidalem Verhalten etc. zu tun. Ab meinem 13.Lj bis ca zum 20. war ich gefühlt "ständig" in irgendeiner Form in Behandlung,. sei es ambulant, Tagesklinik oder auch stationär.
Das wurde anders als ich eine Ausbildung zur Ergotherapeutin machte. endlich hatte ich das Gefühl einen Lebenszweck zu haben und war stabiler. zumindest kein stat. Aufenthalt mehr.
Im Arbeitsleben hatte und habe ich verstärkt Probleme. hatte unzählige Arbeitgeberwechsel weil bei mir immer wieder der Punkt erreicht war an dem ich nicht mehr "konnte".Klar, teilweise fand ich den Tätigkeitsbereich (der je nach Stelle ja variiert) auch einfach nicht passend für mich,. aber heruntergebrochen war ich vermutlich einfach nur überfordert. Lange Zeit konnt ichs nicht richtig verstehen. "Wieso schaffen das Andere so problemlos?" "Was machen Die anders?",. Was mir schnell aufgefallen ist, dass ich IMMER bestmöglich vorbereitet sein möchte,. am Liebsten jede Situation vorausplanen,. auf Alles gewappnet sein. Zum Einen war ich diesbezüglich schon als Kind so,. zum Anderen fand ich die Schule an der ich die Ausbildung absolviert habe (vor Allem im Nachhinein betrachtet) sehr schlecht,. sodass ich das Gefühl habe nacharbeiten zu MÜSSEN weil einfach Wissensdefizite da sind.
In einer Therapie hat sich desweiteren für mich herauskristallisiert, dass ich mich extrem schlecht abgrenzen kann. Ich hatte es bis dato einfach nicht gesehen. Diese Angespanntheit, Angst, Nervosität, Unwohlsein im Kontakt mit vielen Klienten war nicht normal?. Diese Gefühle hatte/habe ich immer. mal mehr mal weniger bewusst. Vielleicht hab ich einfach gehofft dass sich das legen würde. So, nun nach unzähligem Hin und Her hatte ich beschlossen diesen Beruf nicht mehr ausüben zu wollen da ich es einfach nicht kann. Habe ein berufsbegleitendes Studium angefangen (Medizinpädagogik) und eine Stelle an einer Schule angetreten die Ergotherapeuten ausbildet. und nun? Alles wie gehabt. Ich fühle mich überfordert und das maßlos,. bin ständig am Weinen und habe einfach Angst. Fühle mich absolut nicht in der Lage zu unterrichten. Habe Angst vor etwaigen Fragen und davor keine Antworten zu haben. Fühle mich dem Ganzen nicht gewachsen. Zweifle stark an meiner Kompetenz. zudem geht es auch nach wie vor um den Job zu dem ich einfach keine gute Beziehung mehr habe.
Inzwischen bin ich wirklich am überlegen ob es nicht einfach der soziale Sektor ist der mir Probleme bereitet.?
Irgendwie wurde mir die Berufswahl in die Wiege gelegt,. es war fast schon klar dass es für mich in die Richtung gehen musste. Inzwischen frage ich mich aber ob das wirklich eine Entscheidung war oder einfach nur Gewohnheit? Ich war es gewöhnt mich um andere zu kümmern,. Kranke Menschen waren mir vertraut,. Aber möglicherweise ist es genau DAS weshalb ich mich immer wieder im Kreis drehe,. und niemals ankomme.
Sorry für das Durcheinander. bin grade echt bissl neben der Spur. Mein Hirn is völlig Matsch.
Mich würde nun einfach interessieren ob es Menschen gibt denen es änlich geht oder ergangen ist. Menschen die nochmal neu angefangen haben,. oder auch jeden der irgendwas dazu sagen möchte. Danke fürs Lesen.
LG

15.09.2019 16:16 • #1


Hallo Wallace Mia,

willkommen im Forum!
Wie war denn Dein Termin heute beim Hausarzt?
Ich kann Dir wahrscheinlich bei Deinem Problem nicht wirklich weiterhelfen, da ich mehr oder weniger dasselbe Problem habe.
Ich habe über dieses Thema hier im Forum auch einen Thread erstellt mit dem Namen
"Burnout und nicht arbeitsfähig oder der falsche Beruf?"

burnout-und-nicht-arbeitsfaehig-oder-der-falsche-beruf-t25783.html

Wenn Du magst, kannst Du mal reinlesen. Ich bin auch im sozialen Bereich tätig, als Erzieherin in der Kita und fühle mich auch oft ziemlich überfordert. Obwohl ich nur wenige Stunden arbeite.
Ich wünsche mir oft, dass ich am Rechner sitzen und einfach wie ein Sachbearbeiter Dinge eins nach dem anderen abarbeiten kann. Dieses Multitasking finde ich auch extrem anstrengend. Sehr selten habe ich gute Tage wie heute, da hatte ich aus irgendeinem Grund genug Energie, um mich zu behaupten, das Schreien der Kinder abzufedern, eine positive Einstellung gegenüber allen Kollegen, der Leitung, den Eltern und Kindern zu haben, mir und den anderen Fehler zu verzeihen und kommunikationsstark zu sein. Aber das ist wie gesagt wirklich ganz selten leider.

Ich stelle mir die Arbeit als Lehrerin auch extremst anspruchsvoll und fordernd vor. Für mich wär das definitiv nichts. Wie bist Du denn darauf gekommen? Gibt es nicht noch andere Tätigkeiten, die Du mit dem Studium ausüben könntest?



Zitat:
Fühle mich dem Ganzen nicht gewachsen. Zweifle stark an meiner Kompetenz.


Klar, wenn Du diese Arbeit noch nicht lange machst, dann kannst Du vieles noch nicht so gut wie erfahrere Kollegen.
ABER:

Zitat:
zudem geht es auch nach wie vor um den Job zu dem ich einfach keine gute Beziehung mehr habe.
Inzwischen bin ich wirklich am überlegen ob es nicht einfach der soziale Sektor ist der mir Probleme bereitet.?


Das Problem ist eher Deine Motivation. Ich kenne das auch, wenn man weiß, man könnte sich da reinhängen, aber es fehlt dann die nötige Motivation dazu, weil man generell den Job oder sogar den Beruf anzweifelt.

Hast Du einen GdB? Ich weiß, dass man dann vom Integrationsamt eine Berufsbegleitung bekommen kann, die einen bei Schwierigkeiten im Job unterstützt, also Gespräche z. B.
Und vielleicht hilft Dir auch ein coaching, wo Du herausfindest, wo Deine Talente und Fähigkeiten liegen? Dann kann man sich vielleicht in eine Richtung begeben, die einem besser liegt.

Mein Problem war immer, dass ich in der Schule keine klaren Stärken und Schwächen hatte, ich war in allen Fächern ungefähr gleich gut außer in Musik und Kunst war ich besser, aber das war mir zu brotlos, das zu studieren.
Tja und jetzt bin ich immernoch auf der Suche und hab "meins" noch nicht so richtig gefunden.

Liebe Grüße,
Annaleen

16.09.2019 18:02 • x 2 #2


wallaceMia
hallo Annaleen,
Danke fürs Lesen,.war ja doch ein recht langer Text
Hausarzt war ich heute noch nicht.gehe erst morgen (hätte auch erst morgen wieder arbeiten müssen). Wie ich darauf gekommen bin? Nunja,.schulisch gesehen ging es mir ähnlich wie dir. Interessen und Fähigkeiten lagen eher im künstlerischen und sprachlichen Bereich. Zudem hatte ich schon immer ein großes Interesse an Psychologie,.aber vermutlich eher aufgrund der familiären Situation. Schon während der Ausbildung, bzw kurz danach wollte ich noch weitermachen,.studieren,.eigentlich garnicht richtig als Ergotherapeut tätig sein.wie gesagt,.hab mich zeitlebens nie gut vorbereitet, ausgebildet gefühlt. Allerdings war dir Voraussetzung fürs Studium, ein sozialer Beruf plus Berufserfahrung.Die Ausbildung sollte sozusagen das Sprungbrett sein um Weiterzumachen (da ich kein Abi habe).Im Hinterkopf (als ich das Studium angefangen habe) hatte ich allerding garnicht so sehr das Unterrichten (v.A.nicht an ner Ergoschule) sondern eher Tätigkeiten bzgl betriebliches Gesundheitsmanagement oder sowas,.oder bei ner Krankenkasse einsteigen.iwas in der Form. Eher irgendwie in den Bereich Prävention.
Man muss dazu sagen, dass ich ja noch mitten drin im Studium bin,.gerade Mal 4tes Semester von 9.also noch ziemlich viel Zeit.

Zitat:
Das Problem ist eher Deine Motivation. Ich kenne das auch, wenn man weiß, man könnte sich da reinhängen, aber es fehlt dann die nötige Motivation dazu, weil man generell den Job oder sogar den Beruf anzweifelt.


Würde ich garnicht mal behaupten dass es die mangelnde Motivation ist.Im Gegenteil.in meiner Freizeit bin ich ständig am Lesen, Recherchieren, Vorbereiten um nicht "entlarvt" zu werden.
Meistens hab ich das Gefühl dass ich nie Feierabend hab.als wär alles Eins. Keine Grenze zwischen Arbeit und Freizeit.

Deinen Beitrag habe ich gestern gelesen,.schon bevor ich meinen Eigenen geschrieben habe. Hab mich durchaus sehr oft selbst erkannt.


Danke für die Ideen. Über einen Grad der Behinderung hab ich mir, ehrlich gesagt, noch keine großen Gedanken gemacht. Obwohls schon öfters Mal Thema war. Auch Coaching klingt gut,.Wäre ein andrer Ansatz als das "Pathologische".
Nunja,.grad bin ich einfach total verwirrt und weiß grad noch nicht so wirklich was ich mit meinen Gedanken anfangen soll.
Ich danke dir auf alle Fälle sehr fürs kommentieren und Ideen geben. Fühl mich defintiv schon ein bisschen verstandener.
Vielen lieben Dank!

16.09.2019 19:55 • x 1 #3


Vielleicht brauchst Du erstmal mehr Klarheit und musst Deine Gedanken etwas ordnen.
Mit dem Studium stehen Dir später sicher viele verschiedene Wege offen.
Viel Glück für den Termin morgen

16.09.2019 20:24 • x 1 #4


wallaceMia
Hey Annaleen,
Ich hoffe dass du Recht behältst.Danke für die lieben Worte. Wünsch dir nen schönen Abend.

16.09.2019 20:28 • x 1 #5


Di-An
Hi ihr Lieben.
Ich kann euch so gut verstehen. Der Beruf ist doch eigentlich perfekt und andere schaffen das doch auch, warum nur schaff ich das nicht.
Auch in meinem Kopf findet dieser Unsinn dauernd statt.
Bei mir hat sich das ganze jetzt mehr oder weniger gelegt, nachdem endlich eine Entscheidung gefallen ist. Aber das hat 3 lange Jahre gedauert. Und diese Zeit war verdammt schwer. Meine Familie hat immer wieder gefragt, was willst du denn machen? Das wusste ich doch selbst nicht.
Die Zweifel an mir selbst weil ich keine Entscheidung treffen konnte. Jetzt fühlt es sich gut. Jetzt muss ich nur noch anfangen diesen Weg auch zu gehen.

Was will ich mit dem Geschwafel eigentlich sagen?
Wenn du unglücklich bist musst du was ändern. Niemand wird dir sagen welches dein Weg ist, aber wenn du ihn gefunden hast wirst du es wissen
Es ist schwer auf sein Bauchgefühl zu hören. Ist es ein kompletter Umschwung oder reicht es in der Ausbildung den Arbeitsplatz zu wechseln?
Was fühlt sich falsch an.
Und am aller wichtigsten. es geht super vielen Menschen genauso wie dir auch in euren Berufen, aber auch die Anderen haben Angst die einzigen Versager zu sein.

LG Diana

16.09.2019 21:17 • x 2 #6


wallaceMia
Danke Diana,.bin ja definitiv Verfechter von "Änderungen".habe die letzten Jahre wirklich viel ausprobiert.bin aber nie glücklich geworden. Deshalb auch dieses generelle Zweifeln an dem Sektor. Ich hab manchmal das Gefühl ein Schwamm zu sein.Nehme Stimmungen, Schwingungen.was auch immer das is. von anderen Menschen auf.so fühlt so sich's zumindest an.als hätt ich keinen Filter. Glaube dass das auch so viel erschwert.mir fehlt am Ende schlichtweg die Energie für mich.hab ich allerdings erst vor einem Jahr bemerkt als mich meine Therapeutin auf Reha darauf aufmerksam gemacht hat.
Möchtest du erzählen wie deine Veränderung nun aussieht? Bzw was du heute tust? Würd mich total interessieren.
Lg

16.09.2019 21:27 • x 2 #7


Di-An
Ich kann dich gut verstehen. Habe gestern meinen Lebenslauf geschrieben und dabei wieder einmal festgestellt, dass ich schon verdammt viel gemacht habe und einige Arbeitgeber hinter mir habe. Und trotzdem bin ich nicht glücklich.
Deine Beschreibung hört sich so an, als ob du eine super emphatische Person bist. Eine tolle Eigenschaft. Vielleicht ist, wie du sagst Abgrenzung das was du noch lernen kannst.

Ich arbeite zur Zeit in der Apotheke. Eine sehr trubelige und stressige Arbeit, bei der man immer noch konzentriert sein muss. In den letzten Jahren habe ich das Gefühl vor lauter Bürokratie gar nicht mehr das tun zu können was mir an dem Beruf eigentlich Freude macht.
Ich möchte mich um die Menschen kümmern, Ihnen helfen und zuhören. Natürlich empfehle ich dann auch etwas passendes, aber das sollte für mich nicht im Vordergrund stehen. Aber der Druck wächst. Mittlerweile wird unser Weihnachtsgeld nach de Umsätzen die wir erreichen berechnet. Also zusätzlicher Druck.
Es fällt mir immer schwerer etwas positives an meinem Beruf zu sehen.
In den letzten Jahren habe ich deshalb viel überlegt was meine Stärken sind und was mich erfüllen könnte.
In der Reha ist mir dann die Idee gekommen noch einmal eine Ausbildung zu machen und Erzieherin zu werden. Kinder geben mir immer ein gutes Gefühl. Seit die Entscheidung gefallen ist fühle ich mich soviel besser.
Gestern hab ich endlich die Bewerbung geschrieben, da ich jetzt erst mal eine Anstellung im Kindergarten brauche. Und dann geht es hoffentlich nächstes Jahr los mit der Ausbildung.
Nochmal die Schulbank drücken nach über 20 Jahren. Krasse Vorstellung.
LG

17.09.2019 06:40 • x 2 #8


wallaceMia
Vielen Dank für deine Offenheit. Ich bewundere dich total für deinen Mut. Wünsch dir dass dein Berufswunsch in Erfüllung geht und du voller Energie und Tatendrang in deine neue Zukunft starten kannst.
Ich hab häufig das Gefühl,dass ich dem normalen Arbeitsalltag, teilweise dem "normalen" Leben nicht gewachsen bin. Ich fühl mich wie ein Blatt im Wind. Es braucht teilweise nur nen falschen Blick und bin total verunsichert. Dauerhaft labil. Ich kann über Bemerkungen, die nicht mal zwingend kritisch sein müssen, nicht einfach hinwegsehen.mich beschäftigt jedes Wort. Der Ton.Teilweise hab ich noch Situationen aus meiner eigenen Kiga Zeit ganz griffbereit im Kopf. Selbst das verletzt mich noch.Is doch total verrückt? Würd so gern stabiler, stärker sein und nicht Alles so an mich ranlassen.

17.09.2019 07:20 • x 1 #9


wallaceMia
Hallo zurück,.war nun beim Hausarzt. Krankmeldung für die nächsten 2 Wochen und ab Morgen (sofern das Medikament dann in der Apo ist) wieder Antidepressiva.War froh eine Zeit ohne ausgekommen zu sein.Allerdings bin ich jetzt auch nicht übermäßig enttäuscht sondern hoffe eher, dass es mir hilft mich wieder ein bisschen zu festigen.
Heut sind mir schon wieder soooo viele Gedanken durch den Kopf geschossen, Spinnereien (und es ist grad mal halb 11^^).
Ein Dozent sagte Mal zu mir "Ich kann Sie gut verstehen.ihre Aufgabe ist es nun das ganze Bunte in ihrem Kopf in geordnete Bahnen zu lenken".war die Nachbesprechung einer Prüfung. Ich wusste genau was er meint und sage nur ".ja, ich weiß,.allerdings versuch ich das schon die letzten 15 Jahre".
Dementsprechend hoffe ich, dass in dem ganzen Wust heute auch was Sinnvolles dabei ist. Sozusagen ein Gedanke der mich in irgendeiner Form weiterbringt.

17.09.2019 09:39 • x 2 #10


Mandinka
Ich kann deine Probleme absolut nachvollziehen. Rein theoretisch und intellektuell bist du mit dem Inhalt deines Berufes nicht überfordert, aber im Praktischen.
Ich bin um einiges älter als du, habe aber ähnliche Erfahrungen in meinem Leben machen müssen und gelernt, daß ich meine Wesensart in gewisser Weise aktzeptieren muß und es keinen Sinn hat, mich mit einem falschen Arbeitsplatz zu überfordern und kaputt zu spielen. Bei mir kommt zur Depression ein A.D.S und Asperger-Züge hinzu und genau diese beiden Komponenten A.D.S und Asperger führten bei mir im Beruf zu "Versagen" und Verzweiflung meinerseits, da ich lange nicht verstehen konnte, wieso ich überhaupt solche Probleme habe. Jetzt, wo ich weiß, daß ich mental z.B. durch Reizüberflutung und viele Menschen und Kommunikation mit vielen Menschen sehr schnell überfordert bin, bin ich mit mir wesentlich mehr im Reinen und kann mich dadurch auch besser abgrenzen und von vorn herein besser schützen. Ich arbeite heute in einem Einzel- Büro, habe keinen Publikumsverkehr und muß auch relativ wenig mit Kollegen agieren. Es gibt Kollegen, die sich wundern, warum ich mit meinen intellektuellen Fähigkeiten nicht was anderes mache bzw. keine anderen Posten anstrebe. Ich persönlich weiß, warum ich das nicht tue. Ich habe sogar meine Arbeitszeit reduziert - soweit ich es mir leisten kann.
Wäre ich noch einmal richtig jung, würde ich von vornherein andere berufliche Wege einschlagen. Leider wußte ich in meiner Jugend noch nicht, was mit mir los ist und glaubte immer, ich müsse mich nur mehr anstrengen etc., was natürlich zu Enttäuschungen und Rückschlägen ohne Ende und direkt in die Depression und mehrere Burn Outs führte.
Ich würde dazu raten, den Mut zur Veränderung aufzubringen, bis du eine Arbeit bzw. Arbeitsbedingungen findest, die für dich passen.

17.09.2019 10:53 • x 2 #11


wallaceMia
Hallo Mandinka,.danke für den Einblick in deine Geschichte.
Zitat:
Jetzt, wo ich weiß, daß ich mental z.B. durch Reizüberflutung und viele Menschen und Kommunikation mit vielen Menschen sehr schnell überfordert bin, bin ich mit mir wesentlich mehr im Reinen und kann mich dadurch auch besser abgrenzen und von vorn herein besser schützen.

Etwas in die Richtung ist immer meine Wunschvorstellung wenn ich so erschöpft bin wie es gerade der Fall ist.
Auf andere Menschen, gerade im beruflichen Kontext, mache ich hingegen wohl eher den Eindruck eine optimistischen Energiebündels. Gut gelaunt, aktiv.So trete ich auf,.motiviere andere. Das hält und hielt aber einfach nicht lange an.ich fragte mich nach der Arbeit ständig weshalb ich denn so erschöpft bin. Teilweise nach wenigen Stunden.

Umso unverständlicher war es meistens für AG und Kollegen wenn ich plötzlich ausgefallen bin und schlussendlich gekündigt habe.Weil ich mir eben nichts anmerken lassen konnte,.wie auch? wenn kranke Menschen Hilfe von DIR fordern.oder du vor der Klasse stehst.

Das was du beschreibst,.intelektuelle Fähigkeiten etc. ist denke ich auch ein persönlicher Knackpunkt. Ich glaube dass ich mein schwaches Selbstbewusstsein durch gute Leistung ausgleichen möchte.ein Versagen (schlechte Note z.B.) erschüttert sofort meine Grundmauern.Oft habe ich darüber nachgedacht etwas "Anderes" zu tun,.eine Arbeit die nicht so verkopft ist.künstlerischer, kreativer.doch da stellt sich mir mein Ego oft in den Weg."Du kannst doch mehr!"
Dabei habe ich soviele, liebe Menschen um mich die keine Akademiker sind,.bzw wo ich teilweise nicht mal weiß was sie beruflich tun.weil es mir schlichtweg egal ist. Ich lieb sie als Menschen. Ihre Kreativität, ihre Andersartigkeit.Finde sie einfach bewundernswert.und ärgere mich, dass ich mich so sehr über Leistung etc. definiere.

17.09.2019 12:10 • #12


Hi @wallaceMia ,

Zitat von wallaceMia:
Ich hab manchmal das Gefühl ein Schwamm zu sein.Nehme Stimmungen, Schwingungen.was auch immer das is. von anderen Menschen auf.so fühlt so sich's zumindest an.als hätt ich keinen Filter. Glaube dass das auch so viel erschwert.mir fehlt am Ende schlichtweg die Energie für mich.


Das kenne ich so gut, mir geht es genauso. Daher überlege ich auch, weniger mit Menschen zu arbeiten. Man hat ja sowieso in jedem Job den Stress mit Kollegen, Chefs und meist auch Kunden. Dann auch noch Klienten / Schüler /Kinder die einen aussaugen, das ist echt hart für mich. Ich hab gerade wieder gemerkt, dass mich das anhaltende Schreien und Weinen der Kinder in der ersten Kita Zeit, wenn die Kinder zu ihrer Mama wollen, mich durch meine ausgeprägte Empathie so sehr mitnimmt, dass ich alleine davon schon fix und fertig bin. Vor allem, weil ich dagegen trotz meiner liebevollen Art und Ablenkungsmanövern nichts dagegen machen kann und mich ohnmächtig fühle, vor allem wenn ich alleine bin und mehrere Kinder gleichzeitig weinen. Vielleicht triggert das auch irgendwas in mir, keine Ahnung. Das Ding ist ja auch, dass das Schreien die anderen Kinder in der Gruppe auch stresst und die ganze Gruppe irgendwann total am Rad dreht. Und wenn dann eine Kollegin dazu kommt und man bittet um Hilfe, bekommt man nur ein "Nein, das musst Du alleine hinkriegen." Sie hat selbst genug zu tun. Ich will in dem Beruf nicht mehr arbeiten.
Sorry, dass ich mich jetzt hier ausgeheult hab, aber es wird nochmal klarer, wenn man es aufschreibt und vielleicht geht es ja jemandem auch so.

@Mandinka
Hallo. Was Du geschrieben hast, spricht mich auch sehr an.

Zitat von Mandinka:
Rein theoretisch und intellektuell bist du mit dem Inhalt deines Berufes nicht überfordert, aber im Praktischen.


Das ist bei mir auch der Fall.

Zitat:
Jetzt, wo ich weiß, daß ich mental z.B. durch Reizüberflutung und viele Menschen und Kommunikation mit vielen Menschen sehr schnell überfordert bin, bin ich mit mir wesentlich mehr im Reinen und kann mich dadurch auch besser abgrenzen und von vorn herein besser schützen.


Das ist super, dass Du das für Dich erkannt hast! Ich bin gerade dabei, das herauszufinden, wie es bei mir ist. Ich komme mit den ständig wechselnden Arbeitsbedingungen und Inhalten schlecht klar, ständig passieren unvorhergesehene Dinge, Stress Stress Stress immer alles schnell schnell und immer FRÖHLICH sein! Ich finde Dein Kind sooooo toll! Und die Arbeit mit den Kindern macht mir immer soo viel Spaß! Obwohl es in meinem Inneren ganz anders aussieht. Also dieses sich verstellen müssen.
Es gibt kein Richtig und kein Falsch. Je nachdem mit welcher Kollegin man zusammen arbeitet, ist alles total anders, jeder Pups muss abgesprochen werden. Und es gibt keine Zeit, die Dinge auszudiskutieren, wenn man anderer Meinung ist. Total frustrierend. Ich möchte lieber nach vorgegebenen Regeln arbeiten, wo klar ist ob etwas richtig oder falsch ist. Wo man etwas lernt, was man direkt anwenden kann, irgendwas mit Zahlen oder so. Buchhaltung oder Steuerrecht oder sowas. Was andere todeslangweilig finden ist wahrscheinlich mein Ding. Das hätte ich aber nie mit meinem Bild von mir vereinen können.
Und das Multitasking zusätzlich, das ist mir auch zu viel.

Zitat:
Wäre ich noch einmal richtig jung, würde ich von vornherein andere berufliche Wege einschlagen. Leider wußte ich in meiner Jugend noch nicht, was mit mir los ist und glaubte immer, ich müsse mich nur mehr anstrengen etc., was natürlich zu Enttäuschungen und Rückschlägen ohne Ende und direkt in die Depression und mehrere Burn Outs führte.


Liebe Mandinka, das geht mir ganz genauso, so denke ich auch. Ich hätte jetzt auch gerne solche Arbeitsbedingungen wie Du. Ich weiss nur gerade nicht, wie ich da hinkommen kann.


Sorry liebe Wallace Mia, dass ich Deinen Thread jetzt mit meinem Kram vollgeschrieben hab, aber ich bin eben so ins Schreiben gekommen.
Und, wie ist Dir Deine erste Tablette heute bekommen?

Liebe Grüße,
Annaleen

18.09.2019 17:10 • x 2 #13


wallaceMia
Hey! Absolut kein Thema! darum hab ich das Thema ja gestartet,.für Meinungen, Erfahrungen, Austausch. Versteh so gut was du meinst. Ich glaub das ist auch das Problem mit dem Lehrerding gerade,.Meine Einstellung zum Beruf hat sich inzwischen geändert.Klar ist Ergotherapeut ein super interessanter, wichtiger, vielschichtiger Beruf.aber ICH bin damit einfach nicht zurecht gekommen. Ich kam mir vor der Klasse wie eine Heuchlerin vor,.weil ich sie für den Beruf begeistern muss, aus dem Berufsalltag erzähle über den ich immer wieder gestolpert bin.So kann ich das wirklich nicht mehr.
Bin grade im Moment froh einfach mal Nichts (wirklich) zu müssen und mich ein bisschen um mich selbst kümmern zu können.

Tablette die Erste^^.bis auf grenzenlose Müdigkeit (die nix mit der Tablette zu tun haben wird) keine Veränderung.

18.09.2019 17:47 • x 2 #14


Hallo,

Zitat:
Klar ist Ergotherapeut ein super interessanter, wichtiger, vielschichtiger Beruf.


Ich wollte auch eigentlich Ergotherapeutin werden. Aber das Schulgeld hätte ich mir nicht leisten können. Aber wer weiss, vielleicht wäre ich damit auch nicht glücklich geworden.

Zitat:
aber ICH bin damit einfach nicht zurecht gekommen. Ich kam mir vor der Klasse wie eine Heuchlerin vor,.weil ich sie für den Beruf begeistern muss, aus dem Berufsalltag erzähle über den ich immer wieder gestolpert bin.So kann ich das wirklich nicht mehr.

Ich kann das voll verstehen. Ist ja logisch, dass Du Dir da seltsam vorkommst.

Zitat:
Bin grade im Moment froh einfach mal Nichts (wirklich) zu müssen und mich ein bisschen um mich selbst kümmern zu können.


Das ist doch gut. Dann kannst Du Dich ein bisschen ordnen.

Zitat:
Tablette die Erste^^.bis auf grenzenlose Müdigkeit (die nix mit der Tablette zu tun haben wird) keine Veränderung.


Wirkung wird schon noch kommen!

Liebe Grüße

@Di-An :
Ich hoffe, ich hab Dich nicht entmutigt mit meinem Text. Für manche Leute ist der Beruf der Richtige. Für mich wahrscheinlich nicht.
Hast Du ein Praktikum gemacht in einer Kita oder einem anderen Bereich? Ich denke, es ist auf jeden Fall gut, einen Einblick in die Praxis zu bekommen. Und vielleicht wohnst Du auch in einem Bundesland, wo es einen guten Betreuungsschlüssel gibt. Das ist mit das Wichtigste. Bei uns ist er eher schlecht.

Liebe Grüße,
Annaleen

18.09.2019 19:13 • x 1 #15




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