Naja, mein beruflicher Werdegang ist eigentlich, wenn ich so darüber nachdenke, meinen Ängsten und meiner Faulheit geschuldet. Vielleicht ist er ein Beispiel dafür, wie es nicht laufen sollte. Ich schreibs trotzdem mal, weil es ein „Lebenslauf“ den ich am liebsten so schreiben würde, wenn dieser für eine Bewerbung nötig wäre. Natürlich bekäme ich damit garantiert keinen Job

Jetzt kommt er also, der Werdegang.
In der Grundschule war ich gut und sollte aufs Gymnasium. Davor hatte ich Angst, weil meine damaligen Freunde nicht mitkommen konnten und ich mich also alleine dem Neuen Unbekannten stellen müsste. Also blieb ich auf der Schule und ging mit meinen Freunden halt auf die Hauptschule.
Auf der Hauptschule hatte ich absolut kein Problem mit den geforderten Aufgaben und wurde Faul. Den Stoff erledigte ich mit Links und für Hausaufgaben musste ich mich nicht anstrengen. Der Abschluss war ein Klacks und es stand nie zur Debatte, diesen nicht zu schaffen.
Zu meinem Ausbildungsberuf kam ich dann folgendermaßen. Mein guter Freund wollte diesen Beruf unbedingt lernen und fragte mich, ob ich mich bei der Firma auch bewerben will, denn es wäre ja toll, wenn wir dann zusammen in die Lehre gehen könnten. Mir kam dieser Gedanke nicht ungelegen, denn es wäre ja schön gewesen, nicht alleine etwas Neues Unbekanntes beginnen zu müssen. (Stichpunkt Angst). Also bewarben wir uns und machten zusammen einen Eignungstest. Ich bestand ihn und bekam das Angebot, die Ausbildung zu machen. Er aber nicht.
Da ich zu faul war, mich auch woanders zu bewerben und eigentlich auch keine Idee von einem Traumberuf hatte, nahm ich das Angebot an. Die Sommerferien waren danach sehr entspannt und die Aussicht danach endlich eigenes Geld zu verdienen, reichte mir. Im ersten Lehrjahr bekam ich 314,- D-Mark. Mein Taschengeld versechsfachte sich somit.
Die Ausbildung begann ich kurz nach meinem 15. Geburtstag und mit 17, weil ich die Gesellenprüfung vorziehen konnte, war ich mit der Ausbildung durch. Mein Berufschullehrer riet mir dazu, auf der Ausbildung aufzubauen und Richtung Techniker oder irgendwann Ingenieur, weiter zu machen. Nach dem Fachabi hätte ich aber fürs Studium in eine andere Stadt gemusst. Davor hatte ich Angst. Und auch etwas davor, das Studium zu finanzieren. Studium und dann nebenbei Geld verdienen, dafür war ich auch eher zu faul. Also hakte ich das ab und arbeitete als Geselle im gelernten Beruf.
Probleme mit einem Vorgesetzten sorgten dann dafür, dass ich mich auf einen artverwandten Job in einer aber gänzlich anderen Branche bewarb, als 18 war. Ich bekam den Job und etwas mehr Geld und das erlaubte mir dann auch, den Führerschein zu machen.
Bei dieser Firma blieb ich und wechselte irgendwann vom technischen Bereich in den Warenwirtschaftlichen. Die Aufgaben, die ich so nach und nach hatte, wurden zwar anspruchsvoller, aber eher bezüglich der Verantwortung und nicht bezüglich mehr Arbeit als solche. Das war gut für meine Faulheit. Nach 32 Jahren in der Firma, wurde sie geschlossen, nachdem sie zuvor von einem Konzern übernommen wurde, der sie letztlich als nicht mehr profitabel erachtet hat. Soviel zu einem Sicher geglaubten Job.
Also widmete ich mich mit 50 Jahren der Aufgabe, einen neuen Job zu finden. Leider konnte ich den nach 2 1/2 Jahren körperlich nicht mehr ausüben, wobei die psychische Belastung auch eine Rolle spielte. Ich war ja schon während ich noch in der Firma, in der ich 32 Jahre war, in die Depression gerutscht und entsprechend in Behandlung, die mir ja auch half.
Jedenfalls kündigte ich dann den Job nach besagten 2 1/2 Jahren und begab mich erstmals in eine Klinik um meine Psyche in Ordnung zu bringen. Dieser Prozess dauerte inklusive Wartezeit auf einen Platz und etwas Nachsorge dann gut 9 Monate bis ich der AfA für den Arbeitsmarkt zu Verfügung stehen konnte und somit auch zur Verfügung stand, mit knapp 54 Jahren auf dem Buckel.
Von seitens der AfA kam wie erwartet nicht wirklich viel, außer halt Vermittlungsvorschläge und natürlich ALG1. Meine Bewerbungen fanden wenig Resonanz, aber ich fand einen Job.
Ein „Freund“ aus Kindertagen, der sich selbstständig gemacht hatte, bot mir an, für Ihn zu arbeiten. Ich war skeptisch, ob ich das was ich für ihn leisten sollte, tatsächlich bewältigen könnte und sprach offen über meine Depression und wo meine Defizite sind.
Mein „Freund“ gab sich verständnisvoll und ich schlug ein Praktikum vor, dass ich der AfA dann mitteilen wollte. Als der Papierkram anstand, sagte er dann, „weißt Du was, das Praktikum können wir uns sparen“. Er stellte mich ein und ich war überaus dankbar, trotz eines wirklich mickrigen Gehalts, was ich ja auch wegen meiner Bedenken bezüglich meiner Leistungsfähigkeit zugestand. Leider entpuppte sich mein „Freund“ als jemand Anderer, wie Der, mit dem ich meine Kindheit verbracht habe.
Er behandelte seine Angestellten wie Dreck und machte auch bei mir keine Ausnahme. Die Fluktuation des Personals war bezeichnend. In meiner Zeit dort haben 12 Personen die Firma verlassen, nur 3 wurden gekündigt, die anderen gingen von sich aus. Vornehmlich diejenigen, die dem Chef eh zu teuer waren, die er aber, als er die Firma kaufte, mit übernehmen musste. Als ich ihm dann helfen sollte, einen weiteren Kollegen, der ihm zu teuer war und in seinen Augen ein „low performer“, loszuwerden, indem ich Dinge „finden“ soll, die das ohne Abfindung ermöglichen, war für mich die Sache dann auch erledigt. Vor allem weil, „wir ja Freunde sind und ich ihm das ja irgendwie schuldig wäre, weil er mich von der Straße geholt hat (o-ton meines „Freundes“), konnte ich nicht anders, als zu kündigen. Leider brachte das einen Nervenzusammenbruch mit sich und ich landete wieder in der Klinik.
Naja, dann kam Corona und seither beschränkt sich mein Werdegang auf Zeiten, in denen ich mich Bewerbe und Zeiten, die ich in Behandlung bin, in Kliniken oder Tageskliniken, wenn es garnicht mehr geht. Mit mittlerweile 60 habe ich auch tatsächlich keine Zuversicht mehr, nochmal nen Job zu finden. Zum Glück bekomme ich derzeit eine halbe EMR. Ich könnte also noch Teilzeit arbeiten, wenn ich es könnte, beziehungsweise, ich dürfte es laut DRV in dem erlaubten Rahmen.
Da ich eine LTA bewilligt bekommen habe, steht nun eine gesundheitliche Reha an, um zu ermitteln, wie eine berufliche Reha aussehen könnte. Die werde ich machen und nächstes Jahr werde ich dann wohl mehr wissen, wie es weitergehen könnte.
Mittlerweile mache ich mir tatsächlich weniger Gedanken, wie es weitergehen könnte. Für einen Traumjob ist es meiner Meinung nach in meinem Alter zu spät. Ein adäquater Job, den ich leisten kann, wäre bestenfalls eine Schadensbegrenzung für das was finanziell künftig zu erwarten ist, an Teuerungen beim Lebensunterhalt.
Wenn es also noch einen „Traumjob“ für mich gibt, wäre der eher so:
Die Kollegen sind okay und die Arbeit ist zu schaffen. Damit wäre für mich Work ein Teil von Life und somit in Balance. Am Monatsende bleibt finanziell etwas übrig, dass ich auch tatsächlich für unnötiges ausgeben könnte, sofern mir danach wäre. Die Freizeit, die mir bleibt, lässt mir dann die Wahl, ob ich mich langweile oder sie für etwas nutze, egal ob das als sinnvoll erachtet werden würde, oder nicht. Was das nun für ein Job ist, ist mir eigentlich egal.
Mir vorzustellen (nochmal) was anderes zu lernen, konnte ich immer und kann das auch jetzt noch. Nur sind es ja tatsächlich die damit verbundenen Überlegungen bezüglich des Finanziellen, in einer finanziell geprägten Welt, wo es daran scheitern kann. Des Weiteren wäre eventuell ja auch jemand nötig, der lehrt. Was dessen Bereitschaft angeht, jemandem was zu lehren, hängt dann aber auch von dessen Ansprüchen an den Lehrling ab, beziehungsweise worin der Erfolg dabei gesehen wird. Kurzum ob es der Mühe wert erscheint.
Es bedarf also Zuversicht in irgendeiner Form.
Momentan bin ich nicht zuversichtlich, ob mein ausschweifender Text tatsächlich das Thema trifft. Aber egal, ich lasse ihn mal hier und mein Werdegang ist damit mal dargestellt.