Hallo David,
mir geht es derzeit gar nicht mehr so schlecht, weil ich Licht am Ende des Tunnels sehe. Zum einen, weil ich endlich den Therapieplatz hab und der Draht zur Therapeutin gleich von Beginn an gut war und zum anderen, weil ich in den letzten beiden Wochen begonnen habe, mich von einigen wesentlichen Dingen abzuschotten, die mich vorher runter gezogen haben. Ich lass beispielsweise den Job "vor der Tür", wenn ich heim komme. Das war vorher anders.
Zitat von David Spritz:Mir hilft es dann an dieser Stelle, mir klar zu machen, dass diese vielen Gedanken im Grunde nur eine Flucht vor den Gefühlen sind, die man sich in seiner Vorstellung noch viel, viel schlimmer ausmalt als das Gedankenkreisen jemals sein könnte. Es ist die kindliche Angst, an zu starken Gefühlen möglicherweise sterben zu müssen. Man flieht aus dem Hier und Jetzt in die Vergangenheit oder die Zukunft, in der Hoffnung, sich dort sicher fühlen zu können, aber dort verrennt man sich dann.
Das trifft es ziemlich genau. Ich konnte das nie so in Worte fassen - ich find das grad echt klasse, was ich da lese. Es hilft mir, mich zu erkennen. Vielen Dank!
Zitat von David Spritz:Dann versuche ich, in meinen Körper hinein zu spüren, was da gerade für Gefühle am Start sind und wo vielleicht Blockaden, Verspannungen etc. sind. Manchmal kommen richtig schlimme Dinge hoch, die mich zum Weinen bringen oder mich maßlos wütend machen, aber manchmal fühlt es sich auch schön an. Seit ich das tue, haben die Grübeleien ein Ende.
Manchmal schaffe ich das auch, dieses Gedankenknäuel zu entwirren und mich zu fragen: Was genau ist es, das mich wütend/traurig/unsicher macht? Am Ende ist es eigentlich nur Unsicherheit, die Wut oder Traurigkeit bedingt. Das weiß ich. Manchmal dringe ich aber auch gar nicht durch das Gewirr durch. Dann würde ich am liebsten abhauen, raus aus meinem Körper und ganz weit weg laufen. Dann nämlich machen mich die Gedanken schier wahnsinnig. Es ist so ein komisches Gefühl, so ein "ich halt das nicht mehr aus". Das tut weh auf irgendeine Art und Weise. So ähnlich, wie wenn der Zahnarzt beim Bohren auf den Nerv trifft (sorry an alle, die das jetzt lesen und Gänsehaut kriegen).
Manchmal hab ich auch richtig böse Gedanken anderen Menschen gegenüber. Ich fühle mich hinterher dann immer sehr schlecht, weil ich so böse Dinge gedacht habe. Ich mag mich so nicht. Aber sicher liegt auch das wieder in der Unsicherheit begründet. Ich habe irgendwie Angst vorm Verletztwerden. Wenn man sich öffnet und vertraut, steigt die Möglichkeit, verletzt zu werden. Und wenn ich unsicher bin, dann denke ich immer: Der/die meint es eh nicht ernst. Der/die lacht sicher über meine Blödheit, dass ich ihm/ihr vertraue. Und dann werde ich wütend und böse ... und hinterher merke ich, wie dumm das war. Das macht mich sehr traurig. Ich bin dann so unzufrieden, weil ich mich verhalten habe wie ein kleines Kind.