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Tagesablauf bei Erschöpfung

Lavendula

Lavendula

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Hallo mal wieder
Ich wollte mal hören, wie ihr euren Tag so gestaltet, weil ich sehr unzufrieden bin damit, wie es bei mir läuft.

Wenn ich aufstehe, bin ich meist todmüde. Schleppe mich ins Bad, da sitze ich erstmal eine halbe Stunde um zu mir zu kommen.
Anschließend fertig machen, Kaninchen versorgen, frühstücken, bisschen Kaninchensachen aufräumen, denn nachts tobt da der bär und ausruhen. Heute zB saß ich im Sessel bis eben. Es ist jetzt 12. Ich raffe mich mit schweren Muskeln auf, um einkaufen zu gehen und im Anschluß zu kochen.
Eigentlich müßte ich endlichmal wieder wässrig wischen, auf jeden Fall noch staubsaugen.
Schon der Gedanke, das in dem Zustand zu tun, überfordert mich komplett. Dann ist noch ein online Vortrag heute Abend, dem ich meinem Vater zuliebe zuhöre (es geht um Demenz, das betrifft uns wohl vermutlich leider).

Bei mir ist der Burnout wohl sehr ausgeprägt. Ich habe das auch in groben Zügen mit der Therapeutin besprochen, wir schauen noch, warum ich mich so erschöpft habe und auch warum es mir so schwer fällt, Pausen zu machen, denn egal wie erschöpft, ich treibe mich immer voran. Sicher teilweise gut, aber Pausen fallen dabei nicht an. bloß dieses "dröge" herumsitzen im Sessel zwischendurch,w as ich aber nicht erholsam finde.

Ich mag einfach nur sitzen. Der Körper ist so steif, so zäh und schwer.

Depressiv fühle ich mich nicht wirklich, das hatte ich die letzten Tage, hat sich aber wieder gebessert. Aber der Zustand ist natürlich auch nicht zum jubeln.

Wie ist das so für euch, oder wie war es für euch? Ich bin so unzufrieden mit diesem Ablauf und bekomme es doch nicht anders hin, so müde und groggy wie ich bin.

20.04.2021 12:02 • #1


Lazyblanca

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Überlege dir ob du wirklich saugen und wischen musst oder ob das morgen reicht und versuche dich nur aufs einkaufen zu konzentrieren. Vielleicht kannst du auch was schnelles kochen oder einfach mal was zum in den Ofen schieben. Das spart Energie. Ich gehe Schritt für Schritt vor. Eine gewisse Tagesstruktur ist gut wobei ich das auch noch nicht implementiert habe. Akzeptiere deinen Zustand. Ich konnte anfangs auch nicht viel und hatte ein schlechtes Gewissen nichts zu tun.

20.04.2021 15:47 • x 3 #2


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Bella72

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Hallöchen,

also wenn man depressiv ist, ist schon eine größere Aufgabe wie kochen oder einkaufen ein Erfolg. Vielleicht nimmst Du Dir zu viel vor und schaffst dann gar nichts.
Vielleicht kannst Du Dir pro Tag eine Sache vornehmen und auch froh sein, wenn Du die geschafft hast. Wenn dann noch eine andere Sache geht, gut und wenn nicht auch gut.
Wie lange bist Du schon krank? Nimmst Du Medikamente?
Eine Tagesstruktur ist tatsächlich hilfreich. In der Klinik wird sie einem ja aufgezwungen aber zuhause ist es schwerer. Eine Tagklinik wäre da vielleicht auch eine Idee. Da musst Du zu einer gewissen Uhrzeit sein, wirst aktiv gehalten aber nicht überfordert und bekommst therapeutische Unterstützung.
Liebe Grüße von Bella

20.04.2021 16:29 • x 1 #3


Lavendula

Lavendula

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Hi also mit Struktur habe ich keine Probleme und in einer Tagesklinik war ich bereits 2x. Medikamente nehme ich keine.
Ich habe auch nicht direkt Depressionen,das war die letzten zwei Tage eine Verstimmung, aber natürlich gibt's keinn Burnout ohne Depressionen wahrscheinlich.

Ich habe auch alles geschafft, was ich schaffen wollte und tue das meistens.

Mir geht es eher darum wie @Lazyblanca sagt, herauszufinden, wie ich mit den Anforderungen am besten umgeh3, was ist wichtig, wie komme ich klar Damit, erschöpft zu sein, nicht alles zu schaffen, zu entscheiden, was wichtig ist... Schwer zu erklären...

Danke für Eure Antworten

20.04.2021 22:11 • #4


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Elliot

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Mir hilft Meditation dabei, konkret Atemmediation. Dabei einfach die Gedanken kommen und gehen lassen. Hinterher ist meistens wieder etwas mehr Ordnung im Hirn.

21.04.2021 08:58 • x 2 #5


Lavendula

Lavendula

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Zitat von Elliot:
Mir hilft Meditation dabei, konkret Atemmediation. Dabei einfach die Gedanken kommen und gehen lassen. Hinterher ist meistens wieder etwas mehr ...


Danke, da hilft mir auch qigong zb das stimmt,

21.04.2021 15:15 • #6


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Catalie

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Hallo @Lavendula,

Ich kann dich so gut verstehen, mir geht es ähnlich wie Dir. Ich fühle mich meist nicht "depressiv" sondern müde, erschöpft, lust-und antriebslos. ich möchte auch am liebsten den ganzen Tag nur irgedwo rumsitzen oder liegen, es fällt mir alles schwer, aufstehen scheint unmöglich. Immer der Gedanke, nur noch zwanzig Minuten die Augen zu machen, danach geht es bestimmt besser und oh Wunder, es geht NICHT besser, eher schlimmer, aufstehen fällt noch schwerer, matschig und Bäh im Kopf, nur müde, nur erschöpft aber schlafen, ausruhen bringt nichts. Corona macht es möglich, weil viele Termine wegfallen, die Tagesstrukur fällt in sich zusammen.

21.04.2021 22:24 • x 1 #7


Lavendula

Lavendula

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@Catalie also eine Struktur habe ich und ich sitze ja nicht herum oder so, aber alles ist so so schwer.
Aber aus meiner Erfahrung kann ich sagen, nicht schlafen und nicht ausruhen bringt auch nichts Das ist ja das Problem.
Was bringt etaws?
Mir ist aufgefallen, dass ich so ziemlich alles mit Druck mache. Ich mache mir Druck auszuruhen, mache mir Druck meinen Haushalt zu schaffen. Mache mir Druck rauszugehen, spazieren, weil es ja gut sein soll, mache mir Druck, Übungen zu machen, weil es ja gut sein soll... ich mache mir mit ALLEM Druck. Ok nun erkannt und jetzt...wie mache ich mir keinen Druck, weil ich bin das scheinbar gewohnt.

24.04.2021 14:06 • x 3 #8


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Elliot

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@Lavendula sehr gute Frage, auf die ich auch keine pauschale Antwort habe. Eventuell kann eine Verhaltenstherapie helfen. Die gute Nachricht: Unser Gehirn ist neuroplastisch, d.h. es kann sich ändern. Nichts ist in Stein gemeißelt. Die schlechte Nachricht: Dazu braucht es Zeit und viele, viele kleine Schritte und Wiederholungen. Also bleib dran, lass dich von deinem Druck nicht auffressen!

26.04.2021 12:28 • x 1 #9


April21

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@Lavendula
Hallo Lavendula,
Das mit dem Druck kenne ich. Nichts machen ist doof, weil es die Depression nach vorne treibt, zuviel machen ist auch doof. Also mache ich quasi genau was ich machen soll und erwarte dann aber auch, daß es besser wird. Leider ein Trugschluss.
Aber aus. Mir selber raus klappt das noch nicht so gut mit den Aktivitäten. Also Druck, Druck, Druck... Ein ewiger Eiertanz

26.04.2021 12:43 • x 1 #10


Tars

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Hallo, ich bin neu hier.
Also ich schaue Regelmäßig hier ins Forum aber war nicht Registriert. Vielleicht ring ich mich irgendwann mal dazu durch meine Geschichte zu erzählen und meine Probleme.
Aber nun zu dem Thema.
Die Erschöpfung kenn ich leider nur zu gut, sie war seit Anfang an mein größtes Problem. Ich habe schon zu Beginn meiner Behandlung Duloxetin bekommen, um meinen Antrieb zu steigern. Dies hat nach einer Zeit auf der Höchstdosis auf einigermaßen Funktioniert. Aber nach ca. 1 ½ Jahren wurde die Wirkung immer weniger, bis gar nicht mehr.
Dies war eine schlimme Zeit, zumal ich zu der Zeit wieder Arbeiten war und ich ständig krank war.
Dann wurde ich auf Elontril 300mg umgestellt (die 3 Monate Umstellung gehört zu den schlimmsten was ich je gemacht habe).
Dadurch bin ich wieder Arbeitsfähig bzw überhaupt fähig irgendwas zu tun. Wenn aus irgendeinen Grund das Elontril nicht wirkt (z.B. durch Kortison) geht nichts mehr.
Was ich damit sagen möchte, wäre das eine Idee für dich, ein Medikament zu nehmen was den Antrieb extrem steigert.
Ein großer Nachteil den ich gerade zu spüren bekomme, ist das Elontril kaum gegen Depressionen hilft.
Aber ich kann meist meinen Alltag bestreiten und auch arbeiten, was sonst nicht gehen würde.

27.04.2021 09:50 • x 2 #11


April21

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@Tars hallo Tars,
aktuell nehme ich citalopram. Damit bin ich eigentlich lange Jahre gut und sicher gefahren. Im 'normalen' Leben bin ich eher sehr aktiv und mein Antrieb ist eher zu hoch. Es gilt da nun ein Mittelmaß zu finden. Und genau beginnt der Eiertanz.
Ich bin Guten Mutes aus der Tagesklinik raus und dann war es doch wieder alles zu schnell zuviel. Keine Ahnung wo die Mitte liegt

27.04.2021 10:12 • x 1 #12


Tars

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So ging es mir nach der REHA vor 2 Jahren. Endlich wieder Energie und Hoffnung.
Ich hatte sogar schon meinen Arzt gefragt ob wir die Dosis wieder runtersetzen wollen. Aber der Dr. hat mehr Erfahrung und hat gemeint es wäre viel zu früh.
Ein Jahr später war die Medikamenten Umstellung, 3 Monate der blanke Horror. Aber auch die einzige Chance zumindest etwas Leben und Arbeitsfähigkeit wieder zu bekommen (zum Dank dafür sollte mir gekündigt werden).
Es ist ein blödes Gefühl zu wissen, dass alles von einer Tablette abhängt.
Bei mir war die Antriebslosigkeit immer höher als die Depressionen, bei dir scheint das im "Normalfall" andersherum sein.
Ich leide in den letzten Wochen auch an stärkeren Depressionen, aber da muss ich irgendwie durch. Den ich kann nur eines von beiden haben Antrieb oder stärkeres Antidepressiva.
Und ohne den Antrieb kann man das kaum Leben nennen.
Ich wünsche dir das du bald aus dem Loch rauskommst.
Ohne meine Frau und den Hunden würde ich das wohl nicht schaffen.

27.04.2021 14:01 • x 2 #13


April21

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@Tars vielen Dank Tars. Ja, ich habe hier auch gute Unterstützung...
Auch dir wünsche ich immer viel Sonne und gute Energie...

27.04.2021 14:09 • x 1 #14


Lavendula

Lavendula

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Lieben Dank für Eure Antworten.

Antrieb fehlt mir in der Regel nicht. Ich bin bloß zu erschöpft,um die Dinge zu tun, die ich gerne würde.

Ich wünsche euch auch alles gute

29.04.2021 09:53 • #15


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Galicia

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Hallo Lavendula,

noch ganz neu hier, aber hier musste ich mal auf Antworten klicken. Vor Jahren wegen Burnout freiwillig in eine Klinik gegangen lernte ich dort nämlich als erstes, dass Burnout immer eine Depression ist. Burnout gibt es nicht als Diagnose oder Krankheit, dahinter steckt eine Depression. Mir hat der Begriff "Erschöpfungsdepression" damals geholfen, das langsam zu akzeptieren.

Dort kam dann - neben vielen anderen Dingen - auch letztlich heraus, dass ich schon seit frühester Jugend an wiederkehrenden depressiven Episoden litt und weiterhin leide. Depression heißt nämlich nicht automatisch, dass man traurig ist. Gerade dieses Gefühl von Erschöpfung, Ausgelaugtsein, bleierner Müdigkeit gehören leider auch dazu. Und dieses "ich will es verstehen, ich will nur den richtigen Weg/Knopf finden, damit umzugehen" ist ja auch nur ein weiterer Aspekt von der tiefverwurzelten Sehnsucht danach, die Dinge "richtig" zu machen. Ich zumindest denke eh gerne, was hab ich denn nur wieder falsch gemacht, dass es mir jetzt nicht gut geht?

Ein Geheimrezept (und erst recht kein schnelles) hab ich auch nicht, es geht irgendwie immer wieder nur ums annehmen. Mich selbst, die momentane Situation, meine Grenzen.

Alles Liebe
Galicia

29.04.2021 10:28 • x 3 #16


Lavendula

Lavendula

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@Galicia erstmal willkommen und vielen lieben Dank für deine Antwort. Das ist sehr interessant für mich zu hören, denn so hatte ich es nicht gesehen.

Und ja! Was mache ich falsch, genau was ich mich eigentlich vin morgens bis abends frage.
Mache ich leichten Sport und habe hinterher Schmerzen (fast immer), was Habe ich falsch gemacht.
Bin ich erschöpft, was habe ich falsch gemacht. Bin ich verspannt morgens beim Aufstehen,was...., Schlafe ich schlecht.... , Bin ich niedergeschlagen...., Schreibe Ich jemandem und bekomme keine Antwort... Es ist tatsächlich immer diese Frage!
Das war jetzt wirklich ein Aha Moment, ich danke dir ,dass du mir geantwortet hast
Hast Du gelernt, damit umzugehen?

01.05.2021 21:18 • #17


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Galicia

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Liebe @Lavendula,

danke für dein Willkommen . Ich hatte mir ein Offline-Wochenende geschenkt/verordnet, daher komme ich heute erst zum antworten.

"Was habe ich falsch gemacht?" ... die Standardfrage schlechthin. Auch gern genommen in der (letztlich ja allem zugrundeliegenden) Form von "Was ist falsch mit mir/an mir?" Dank intensiver Therapie und schweißtreibender Reflektion weiß ich längst, dass die Wurzeln in der Kindheit liegen, wo mir ja genau das konstant signalisiert wurde (direkt oder indirekt, ausgesprochen oder nicht): "Mit dir stimmt doch was nicht! Du bist falsch, so wie du bist! Was du anpackst/denkst/fühlst stimmt nicht!"

Zu deiner abschließenden Frage: habe ich gelernt, damit umzugehen? Ja ... meistens ... Aber es ist eben nicht endgültig ausgerottet, so schön das auch wäre. Ich hatte schon öfter gedacht, jetzt hab ich es so tief verstanden, jetzt ist es durch, jetzt kommt es nicht mehr und ab jetzt lebe ich immer so, wie ich es mir so sehr wünsche: leicht, positiv denkend. Nur um irgendwann festzustellen: da isses ja wieder, da sind sie ja wieder, die uralten Strickmuster, die uralte bekannte Stimme in Kopf und Bauch. Und obwohl ich es ja wirklich weiß, also im Kopf verstanden habe, dass das alte Platten mit Sprung sind, packen sie mich. Je nach aktueller Verfassung eben mehr oder weniger (zur Zeit übrigens mal wieder mehr, darum habe ich mich hier angemeldet). Die internalisierte Stimme ist nachts natürlich besonders laut, mangels Ablenkung: "Ich wusste es, du kriegst es nicht auf die Reihe. Andere schaffen es doch auch. Was ist nur mit dir los? Stell dich doch nicht so an!(... übrigens DER Klassiker schlechthin ...) Jetzt reiß dich doch mal zusammen, anderen geht es doch viel schlechter und die jammern auch nicht!" Die Liste ließe sich problemlos verlängern.

Wenn es ganz dick kommt, kommt auch mal eine Panikattacke aus heiterem Himmel. Die Anzeichen dafür kenne ich und habe sie tatsächlich sofort im Griff durch simples "Stopp! Einatmen, ausatmen, was ist genau hier und jetzt?" Dann vergeht der Anfall innerhalb einer Minute. Das ist auch selten, aber dieses uralte Schema von "nicht (gut) genug" scheint unausrottbar. Ich saß auch mal wie ien Häufchen Elend beim Therapeuten und hab gesagt "werde ich das denn nie los?" und er meinte "vielleicht nicht, aber Sie werden damit leben lernen und tun das ja auch immer besser"

Darum schrieb ich: es geht ums Annehmen. Das 12-Schritte-Programm (was mir vor vielen Jahren als Angehörige eines Alk. mal immens geholfen hat und heute noch nachwirkt) bringt es auf die simple Formel: hinnehmen, was ich nicht ändern kann, ändern, was ich ändern kann, und das eine vom anderen unterscheiden (verkürzt wiedergegeben). Und wenn ich es nicht ändern kann, dass die alte Schallplatte mit Sprung in mir steckt, dann muss ich das hinnehmen. Dann kann ich nur ändern, wie ich damit umgehe. Und ich habe gelernt, dass ich sie nicht bekämpfen kann, denn gekämpft habe ich mein Leben lang und daraus resultiert die tiefe Müdigkeit und Erschöpfung. Die kommt immer dann, wenn ich wieder kämpfe. Kämpfe gegen Unabänderliches.

Es ging mir viele Jahre gut, eine depressive Episode war relativ leicht und relativ kurz da ich die Anzeichen ja kenne und früh genug gegengesteuert hatte. Gegensteuern heißt für mich: bewusst bei mir sein, was brauche ich jetzt, wie fühle ich mich, wann ist es zuviel, wann genau richtig, was tut mir gut und was nicht. Auch zulassen, dass da die alten Muster zu Besuch kommen und sagen "Hallo, wir kennen uns, danke, dass ihr vorbeischaut und mir zeigt, dass was in Schieflage ist. Aber ich habe die Botschaft verstanden und kümmere mich wieder darum, ihr dürft also wieder gehen".

Im Moment klappt das leider nicht, da durch die Pandemie plus einige zusätzliche Ereignisse (Autounfall, Krankheit, etc.) langsam meine Kräfte nachgelassen haben und ich die Schieflage nicht mehr durch meine üblichen Gegenmaßnahmen gerade biegen konnte. Aber auch das versuche ich jetzt erstmal anzunehmen wie es ist.

Ich merke gerade, ich schweife ab, ich hoffe, das ging nicht zu weit weg von deinem Thema.

Aber es hat auch viel mit Tagesablauf bei Erschöpfung zu tun. Ich habe gelernt: wenn ich erschöpft bin, hilft weiterpeitschen eben nur ganz kurzzeitig. Bin ich erschöpft, muss ich mir Auszeiten nehmen. Muss vielleicht mal eine Zeitlang auch über Tag einen kurzen Mittagsschlaf einbauen wenn möglich. Muss vielleicht einfach mal eine halbe Stunde irgendwo in der Sonne sitzen und gar nichts tun, nur schauen. Schaffe es eben nicht, die Bude zu putzen oder andere Dinge zu erledigen. Und das ist das eben so und ist auch in Ordnung so.

Und ehe ich jetzt weiter schreibe und schreibe, schicke ich es lieber ab und hoffe, bei meinen Gedanken und Erfahrungen ist etwas für dich dabei. Wenn nicht, lass es einfach stehen, dann ist auch das ok.

Liebe Grüße und hab einen schönen Tag - nur für heute
Galicia

03.05.2021 09:44 • x 2 #18


Lavendula

Lavendula

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Liebe @Galicia danke für deine wertvollen Worte.
Mir tat dein langer Beitrag sehr gut und ich hoffe, er hat sich nicht zu viel Energie gekostet.

Ich melde mich nochmal später dazu, bin nur gerade ganz schön durch, der Tag war anstrengend bisher.

Ich wollte nur schon mal danke sagen

03.05.2021 17:15 • x 1 #19


Lavendula

Lavendula

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So nun antworte ich noch.
Also diese Sätze, "Anderen geht es doch viel schlechter!" damit zB bin ich aufgewachsen. Nicht, dass meine Mutter das bösartig gemeint hätte, eher wollte sie mich wohl trösten, aber das Ergebnis war einfach, dass ich mich nicht ernst genommen gefühlt habe und nicht gesehen, mit dem was ich habe. Mir selbst fällt es auch schwer jetzt, mich wichtig zu nehmen, denn es gibt ja Immer jemanden, dem es schlechter geht. ABER, es gibt auch viele, denen es besser geht denke ich.

Bist du aktuell denn in Therapie, so dass du aufgefangen wirst?

Es sind ja leider immer solche "Schicksalsschläge", größere und kleinere, die es dann wieder auf den Plan rufen.
Bei mir fing die jetzige depressive Episode (wobei ich ja jetzt erkenne, dass auch mein aktives rumgerenne zuvor, eine Art der Depression war) mit einem Streit mit meinem Mann an, der sich für mich völlig irrational und cholerisch verhalten hat. Das hat mich wohl irgendwie an früher erinnert und mein Vertrauen in meinen Mann tief erschüttert. Das war also der Auslöser, das war vor 3 oder 4 Wochen. Natürlich haben wir darüber gesprochen und die Beziehung ist deshalb jetzt nicht kaputt, es hat trotzdem etwas mit mir gemacht wie es scheint.
Dazu kommt die aktuelle Impfdiskussion und meine große Angst vor der Impfung, die mir grade noch unüberwindbar scheint, aber die notwendig ist fürchte ich, wenn ich nicht "ausgeschlossen" werden möchte.
Dies hält es aktuell noch aufrecht.
Das nur zur Erklärung. Ein schon recht kleiner Auslöser kann diese Episoden hervorbringen.


Es tut mir jedenfalls sehr leid, dass es dir auch wieder schlecht geht. Ich denke, wir werden wohl mit diesem auf und ab leben müssen, aber wie dein Therapeut sagt, es wird vermutlich und hoffentlich immer leichter und die Episoden sind zumindest bei mir weniger lang bisher, wobei dies meine Erste seit zwei Jahren ist (wenn man die Erschöpfung nciht schon als Dauerdepression werten möchte).

"Und ich habe gelernt, dass ich sie nicht bekämpfen kann, denn gekämpft habe ich mein Leben lang und daraus resultiert die tiefe Müdigkeit und Erschöpfung. Die kommt immer dann, wenn ich wieder kämpfe. Kämpfe gegen Unabänderliches."

Ja diese Vermutung habe ich auch. Ich hatte viele Jahre den Kampf mit dem Essen zB und nun den Kampf mit Schwindel. Ich denke, mein Körper ist müde zu kämpfen.
ICh glaube ich fürchte mich nur davor, mit dem Kämpfen aufzuhören.
Das ist ein Zustand, den kenne ich nicht.



Das 12 Schritte Programm sagt mir auch etwas, denn mein Vater ist trockener Alk. (seit 3 Jahren trocken).

Ich würde dir sehr gern noch etwas hilfreiches sagen, aber ich fürchte dazu stecke ich aktuell noch zu tief drin.

Aber ich freu mich über deine Antwort und ich hoffe sehr, du findest deinen Weg heraus irgendwie. Manchmal denke ich, es ist ein Augenzu und durch, bloß lernt man dabei vermutlich nichts.

Ich habe vor es jetzt erst einmal mit Imaginationen zu versuchen und habe mir dazu auch ein Buch ausgeliehen. Depression durch die Kraft der Imagination bewältigen. Und Resilienz trainieren.
Täglich mache ich entweder sehr leichte Yoga Übungen oder Qigong. Nie sehr lang, aber wenigstens 10-30 Minuten. Aber mir fehlt noch viel mehr Zeit für mich, das merke ich. Ist aber schwierig, so in der Familie eingebunden.

Einen ganz lieben Gruß an dich

03.05.2021 18:03 • #20


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Galicia

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Liebe @Lavendula (übrigens ein schöner Nick ),

zu deinem Post fällt mir viel ein, mehr als ich jetzt gerade aufschreiben kann. Das kommt noch, vielleicht schaffe ich es morgen. Aber ich wollte dich nicht so lange auf Antwort warten lassen.

Ja, mir geht es nicht so gut, aber das ist jetzt ok. Ich habe wirklich gelernt, auch mit schwierigen Phasen umzugehen. Ich mache einen Schritt nach dem anderen, so, wie es eben möglich ist und wie es dran ist. Freitag habe ich einen Termin beim TP, nächste Woche will ich zum Hausarzt und mit ihm mögliche weitere Schritte besprechen (Krankmeldung, anschließende Wiedereingliederung etc.). Aber wie gesagt: eins nach dem anderen und so, wie es geht.

Heute plagen mich vor allem sehr starke Kopfschmerzen - ich liebe Wind, aber mein Kopf liebt ihn nicht.

Dir und allen anderen hier im Forum liebe Grüße und trotz allem einen schönen Tag - nur für heute!
Galicia

Gestern 15:52 • #21


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Galicia

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So, jetzt mal ein paar Worte mehr. Ich hoffe, ich kriege es halbwegs sortiert hin, seit gestern ist mein Kopf irgendwie nur Matsch.

Wie so hast du Angst vor der Impfung? Ich hätte heulen können vor Erleichterung, als ich einen Impftermin bekam, weil ich nun wenigstens weiß, dass in ein paar Wochen nach dem 2. Termin wenigstens diese Belastung durch die Angst vor der Infektion gehen darf. Dazu endlich wieder Treffen mit lieben Menschen in Aussicht, die ich teilweise seit einem Jahr nicht mehr gesehen und in den Arm genommen habe.

Wenn dein Vater Alk. ist, muss ich dir ja zum Thema Angehörige und ihre Co-Abhängikeit nichts erzählen, ebenso wenig offenbar wie zum 12-Schritte Programm. Wie gesagt, dass hat meinen Blick auf die Welt, die Menschen, das Leben und vor allem auf mich selbst nachhaltig verändert. Bei mir bleiben, verstehen, dass ich nichts und niemand ändern kann außer mir selbst, nur den heutigen Tag angehen und nicht alle Probleme auf einmal lösen wollen, ... Und vor allem: gut zu mir selbst sein, mir Fehler verzeihen, mir das Hinfallen und Wiederaufstehen erlauben. "Wir hörten mit dem Kämpfen auf" .... auch ein Satz aus dem 12-Schritte Programm, der sich mir tief eingeprägt hat. Es ist viele, viele Jahre her, dass ich damals sehr regelmäßig zu den Treffen der Selbsthilfegruppe für Angehörige gegangen bin (über 20! wie die Zeit vergeht).

Augen zu und durch ... ja, manchmal muss man es natürlich so handhaben. Nicht immer ist grübeln, durchdenken, auflehnen die richtige Antwort auf Schwierigkeiten. Jemand sagte mal zu mir, als ich verzweifelt fragte "Es muss doch einen anderen Weg geben, ich will das alles nicht?!" mit einem mitfühlenden Lächeln "Tja, es gibt leider nur einen Weg, nämlich mittenrein, mitten durch und dann auf der anderen Seite wieder raus." Na toll, das wollte ich natürlich nicht hören. Aber manchmal ist es so, dass weglaufen nicht hilft, sondern man muss sich dem Ganzen stellen und mutig durchgehen. Ach, ich fürchte wirklich, heute klinge ich verworren .

Abder dieser Weg hindurch ist eben nicht "Augen zu und durch" sondern "durchatmen und mit offenen Augen durch". Es hilft ja nix, so zu tun, als ob da nichts wäre, wenn nunmal da was ist, womit ich mich befassen sollte.

Sich mit anderen zu vergleichen hat auch bei seelischen und sonstigen Nöten wenig Sinn. Es hilft nicht wirklich, zu denken "anderen geht es doch viel schlechter, also muss ich mich zusammenreißen". Wenn es mir schlecht geht, geht es mir schlecht. Wenn ich etwas nicht schaffe, schaffe ich es nicht. Wenn ich mir dann noch sage "alle anderen schaffen sowas doch auch" fühle ich mich ja nur noch schlechter. Klar, es ist schon mal gut, sich bewusst zu machen, wo man dankbar sein darf und sollte. Eine Dankbarkeitsliste kann da helfen, so manche düstere Anschauung ein bisschen grade zu rücken. Seelisches inneres Leid lässt sich aber über solche verstandesmäßigen Überredungskünste nicht wirklich beeindrucken. Ich glaube, das liegt daran, dass es sich dabei ja um Gefühle handelt, und Gefühle wollen gefühlt und nicht verstanden oder intellektuell gradegerückt werden.

Außerdem vergleichen wir doch letztlich immer unser inneres Leid mit dem Äußeren Bild von anderen - das kann ja nicht übereinstimmen. Als ich vor vielen Jahren zusammengebrochen bin hatte niemand, wirklich niemand, auch nur das leiseste bisschen geahnt, dass es mir schon länger so schlecht ging. Ich war wie immer, gerade im Job. Ich war effizient, lachte, erledigte alles wie immer. Keiner konnte sehen, wieviel nicht mehr vorhandene Kraft es mich gekostet hatte, diesen vertrauten Schein aufrechtzuerhalten. Bis irgendwann eben auch die letzten Kraftreserven erschöpft und vollkommen leer waren. Woher also will ich wissen, ob es anderen wirklich so gut geht, wie es den Anschein hat? Ob alle anderen wirklich so gut mit allem klarkommen, wie es aussieht? Rein statistisch dürfte es einige geben, die auch nur die Fassade aufrecht erhalten und dahinter vor Erschöpfung kaum noch klar denken können.

Es ist was und wie es ist. Nur für mich. Nur für heute. Und da ist es eh egal, ob andere was schaffen oder nicht. Niemand lebt mein Leben (oder deins). Niemand hat meine Geschichte (oder deine). Und niemand trägt meine Last (oder deine).

Ich habe vor ein paar Tagen meinen engsten Freunden Briefe geschrieben und gesagt, wie es mir geht, womit ich ringe und warum ich grad für vieles keine Kraft habe. Die Reaktionen haben mich überwältigt und mir wieder gezeigt, darum sind es die engsten Freunde.

Ich wünsche dir Kraft und Mut und die Bereitschaft, zu dir selbst zu stehen und für dich gut zu sorgen. Ich weiß, wie schwer es gerade mit Familie ist, sich selbst nicht aus dem Blick zu verlieren. Aber es wie im Flugzeug, wo es bei der Einweisung in die Notfallmaßnahmen heißt "Sorgen Sie zuerst dafür, dass Sie selbst eine Sauerstoffmaske aufsetzen, und dann erst kümmern Sie sich um die Anderen". Wenn du zusammenbrichst, kannst du für deine Familie ja auch nicht da sein, da ist es doch besser, dich eine Weile etwas weniger um sie zu kümmern bis es dir wieder besser geht.

Liebe Grüße und trothz allem einen schönen Tag. Nur für Heute
Galicia

Vor 15 Minuten • #22

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