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Suche nach Austausch mit depressiven Menschen

CErgo333

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Guten Tag an alle Mitglieder des Forums,

ich habe mich hier angemeldet, da ich auf einen Austausch mit anderen hoffe und ggf. auch auf die Unterstützung, die man durch andere erhalten kann, die verstehen wie es einem geht.

Zu mir: Ich bin 38, im sozialen Bereich tätig und seit Juli (wieder) in einem absoluten Tief angelangt. Wieder, da ich öfter solche Phasen hatte- aber mich immer wieder selbst daraus befreien konnte.

Aber seit Juli ist es so, dass mich alles unendlich Kraft kostet: Aufstehen, sich anziehen, duschen, ganz zu schweigen von der Arbeit. Ich habe zu nichts mehr Lust, jeder Anruf kostet mich Kraft und ich schiebe wichtige Dinge solange auf bis es nicht mehr geht, um sie dann mit einem solchen Widerwillen irgendwie hinter mich zu bringen.

Ich bin eher ein ruhiger Mensch, also eh schon nicht ständig außer Haus und unterwegs. Aber bei mir löst jeder Gedanke an einen sozialen Kontakt richtigen Stress aus. Ich will mich nicht unterhalten und finde es unheimlich anstrengend zurzeit Gespräche zu führen. Häufig fragen mich in letzter Zeit Kollegen, ob es mir gut geht, ich würde völlig fertig aussehen. Natürlich sage ich nichts, aber anscheinend merkt man es mir an, dass etwas nicht stimmt.

Nach der Arbeit bin ich zu nichts mehr zu gebrauchen, kann TV schauen - selbst das nervt mich schnell, ist mir zu langweilig.
Sodass ich dann nur am Handy sitze und mich informiere über Depressionen und was ich selbst tun kann.
Oft muss ich mich auch einfach hinlegen.

Ich habe mit meinem Arzt gesprochen, dass mir Citalopram schon mal sehr gut geholfen hat. Daher nehme ich es nun wieder, denn in zwei Monaten habe ich eine wichtige berufliche Prüfung.
Ich kann mich selbst angesichts dieser Herausforderung nicht aufraffen mehr zu tun.

Wenn ich daheim etwas beruflich arbeiten muss, habe ich sehr schnell keine Lust mehr, sehe keinen Sinn darin. Das ist bedingt durch meinen Zustand.

Richtig reden kann ich mit niemandem-diejenigen, die es wissen, sagen oft sehr schnell: Aber du hast es doch gut und ein gutes Leben. Denke positiv usw.
das hilft natürlich überhaupt nicht:-(
Es macht eher Druck.
Meine Familie sagt immer nur, wirken die Medikamente nicht?
Auch das ist natürlich nicht hilfreich.

Ich nehme das Medikament nun drei Wochen und weiß, dass es damals auch mehrere Wochen dauerte bis ich gemerkt habe, dass es mir besser geht.

Es tut gut, das hier einfach mal zu schreiben.

07.09.2020 17:01 • x 1 #1


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Caro60

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Hallo SErgoo333,
willkommen schon mal hier in diesem Forum .
Vielleicht liest Du erst einmal etwas, um so zu sehen, was die Anderen hier so beschäftigt.
Ich brauche Dir sicher nicht zu erklären, dass Dein Körper Dir unter Umständen Signale sendet,
wenn es zu viel wird ,evtl. an Stress bzw. Überlastung...
Bist Du zum Arzt gegangen und hast Dich krank schreiben lassen oder versuchst Du noch täglich
zu arbeiten ? Wichtig ist, die Ursachen klären zu lassen, ein großes Blutbild kann schon finden,
ob evtl. bestimmte Werte schlecht sind (z. Bsp. Vitamin B12, Vitamin D etc.)
Diese Ermüdungserscheinungen können ja viele Ursachen haben und sollten auf alle Fälle abgeklärt werden.
Manchmal braucht der Körper auch ein paar Tage oder mehr frei, um sich zu erholen.
Nimm Dir auf alle Fälle die Zeit ,die Du dafür für Dich brauchst und höre auf die inneren Signale.
Sie zu bewerten, bedarf der medizinischen Klärung, Citalopram war bei mir eine Lösung /Hilfe,
als alles andere schon zu spät war.
Das sollte aber jeder für sich selbst entscheiden.
Für mich war auch wichtig, jemand zum Austausch bzw. etwas zum Nachlesen für mich selbst zu haben ,
da war und ist das Forum sehr gut (aus meiner Sicht).
Hier richtet niemand über Dich und Dein Befinden, man liest, bekommt Antworten, auch Rat auf Fragen,
die Unbeteiligte kaum nachvollziehen können. Manchmal sind auch die Gespräche mit Partner/-in und oder Familie
am Anfang einfach zu viel -mir ging es auch so.
Kein Radio ,kein TV ,einfach Ruhe und mit sich selbst sein bzw. oft auch neben sich selbst sein und daher das Bedürfnis nach Ruhe mit sich selbst, um sich evtl. neu zu finden.
Ich wünsche Dir, dass Du Dir diese Zeit für Dich genehmigst und die Anderen sein lässt.
Deine Gesundheit und Dein Wohlbefinden hast Du nur einmal, das ist nämlich DEIN LEBEN.
In diesem Sinne fühle Dich und frage einfach nach hier.
VG Caro60

07.09.2020 18:35 • x 6 #2


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Betse66

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Hallo CErgo333,
willkommen im Forum. Wenn ich so deine Zeilen lese, fühle ich mich gleich zurückversetzt. Ich bin seit Ende Februar "aus dem Rennen". Über 20 Jahre immer für andere da sein, deren Sorgen, Ängste, Probleme ernst nehmen ... das hinterlässt Spuren.
DU solltest dich jetzt sehr ernst nehmen. Scheinbar ist es nicht dein erster Ausrutscher, da du bereits mit Medikamenten Erfahrung hast. Nimm dir Zeit, wieder zu dir zu finden. Ich kann sehr gut nachvollziehen, wie nervig Kollegen und erst recht Familie sein können. Sie mögen es gut meinen, .... Du willst es nicht wissen. Keiner weiß, wie es in dir aussieht. Du kannst es auch kaum so beschreiben, wie du wirklich fühlst oder?
Pass auf dich auf und lass dir von einem Psychologen helfen. Und setze dir keinen Termin, wann du wieder zu funktionieren hast. Diesen Druck kannst du jetzt überhaupt nicht gebrauchen.
(Oje, wie gern würde ich genau heute das verinnerlichen.)
Ich hoffe, du kannst wenigstens einigermaßen schlafen, um morgen das besser ertragen zu können.
In diesem Sinne liebe Grüße
Betse

07.09.2020 22:10 • x 4 #3


CErgo333

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Zitat von Caro60:
Bist Du zum Arzt gegangen und hast Dich krank schreiben lassen oder versuchst Du noch täglich
zu arbeiten ? Wichtig ist, die Ursachen klären zu lassen, ein großes Blutbild kann schon finden,
ob evtl. bestimmte Werte schlecht sind (z. Bsp. Vitamin B12, Vitamin D etc.)

Vielen Dank zunächst für deine Antwort und dein Verständnis.
Ich hatte desöfteren einen Vitamin D Mangel bzw. Wert an der unteren Grenze, auch durch eine rheumatische Grunderkrankung (laut Rheumatologin). Daher nehme ich momentan auch wieder Vitamin D. Ich hoffe, dass es auch ein wenig bewirkt.
Zitat von Caro60:
Manchmal braucht der Körper auch ein paar Tage oder mehr frei, um sich zu erholen.
Nimm Dir auf alle Fälle die Zeit ,die Du dafür für Dich brauchst und höre auf die inneren Signale.
Sie zu bewerten, bedarf der medizinischen Klärung, Citalopram war bei mir eine Lösung /Hilfe,


Im Moment habe ich nicht wenig frei, damit meine ich Tage ohne Präsenz bei der Arbeit, da man vor dieser Prüfung weniger Präsenz hat zwecks Prüfungsvorbereitung.
Und dennoch reicht mir das, was ich an Präsenz habe, gerade absolut.

Zitat von Betse66:
Pass auf dich auf und lass dir von einem Psychologen helfen. Und setze dir keinen Termin, wann du wieder zu funktionieren hast. Diesen Druck kannst du jetzt überhaupt nicht gebrauchen.


Ich kann mir zurzeit keine Therapie angehen, da dies, sobald es von der Krankenkasse öffentlich würde, negative Konsequenzen auf meine berufliche Laufbahn hätte. Absurd zwar, da es ja eindeutig besser ist, sich Hilfe zu nehmen, aber so ist es leider nun mal.

Im Moment hoffe ich einfach sehr auf das Medikament und die tolle Unterstützung durch meine Partnerin.

08.09.2020 13:28 • #4


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Jedi

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Hallo @CErgo333 !

Zitat von CErgo333:
ich habe mich hier angemeldet, da ich auf einen Austausch mit anderen hoffe und ggf. auch auf die Unterstützung, die man durch andere erhalten kann, die verstehen wie es einem geht.

So wünsche ich Dir hier im Forum einen guten Austausch !
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Zitat von CErgo333:
im sozialen Bereich tätig und seit Juli (wieder) in einem absoluten Tief angelangt.
---------
Wieder, da ich öfter solche Phasen hatte- aber mich immer wieder selbst daraus befreien konnte.

Nun könnte es aber sein, dass Du es möglicherweise diesmal nicht Allein schaffen wirst ?
So würde ich Dir aus meiner persönlichen Erfahrung heraus, Dir Mut machen wollen u.
das Du Dir einen Psychologen od. Psychotherapeuten suchen solltest - hatte Dir auch schon @Betse66 geschrieben.
Das mit dem Antidepressiva findet ich sehr richtig, dass Du es nimmst - denn gerade in einer akuten Phasen,
hilft dies Antidepressiva recht gut.
Doch glaube ich, dass eine medikamentöse Behandlung, nur ein kleiner Teil der Hilfe sein kann, doch eine Therapie,
Dir dazu verhilft, etwas grundlegendes in Deinem Leben zu erkennen u. ggf. auch anders (achtsamer) zu leben !

Es kann Dich dann auch eher davor schützen,
Zitat von CErgo333:
Tief angelangt. Wieder,
- da ich öfter solche Phasen hatte

dass solche Phasen nicht mehr so oft auftreten.

Natürlich bleibt dies Deine alleinige Entscheidung !
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Zitat von CErgo333:
Ich kann mir zurzeit keine Therapie angehen,

Das verstehe ich jetzt nicht ?

Auch wenn Du schreibst:
Zitat von CErgo333:
sobald es von der Krankenkasse öffentlich würde,
Auch nach Beantragung einer Therapie u. ggf. Prüfung durch einen Gutachter,
darf dies nicht durch die Krankenkasse, in irgendeiner Weise öffentlich gemacht werden. - außer Du würdest bei einer Krankenkasse arbeiten ?


negative Konsequenzen auf meine berufliche Laufbahn hätte.
nur zum besseren Verständnis - welche negativen Konsequenzen wären da zu erwarten ?


Da Du , wie Du schreibst, schon öfter in solche Phasen Dich befunden hast, wäre es villt. jetzt doch einmal dran,
den Ursachen auf den Grund zu gehen, um auch für sich Selbst an Klarheit u. psychischer Stabilität zu gewinnen.
Villt. kann das dadurch auch hilfreich sein, Deine berufliche Laufbahn, mit einer inneren psychischen Stabilität
ausgestattet, Deine Aufgaben, die dann auf Dich warten, besser zu schaffen.
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Zitat von CErgo333:
Im Moment hoffe ich einfach sehr auf das Medikament
Sicher wird es Dir in der akuten Phase helfen können,
aber die Grund-Ursache, dabei wird kein Antidepressiva Dir helfen können !

und
die tolle Unterstützung durch meine Partnerin.
Das ist eine wichtige Ressource die Du hast u. lasse Dich auch gerne von deiner Partnerin unterstützen.

08.09.2020 14:23 • x 1 #5


CErgo333

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Zitat von Jedi:
Hallo @CErgo333 !


So wünsche ich Dir hier im Forum einen guten Austausch !
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Nun könnte es aber sein, dass Du es möglicherweise diesmal nicht Allein schaffen wirst ?
So würde ich Dir aus meiner persönlichen Erfahrung heraus, Dir Mut machen wollen u.
das Du Dir einen Psychologen od. Psychotherapeuten suchen solltest - hatte Dir auch schon @Betse66 geschrieben.
Das mit dem Antidepressiva findet ich sehr richtig, dass Du es nimmst - denn gerade in einer akuten Phasen,
hilft dies Antidepressiva recht gut.
Doch glaube ich, dass eine medikamentöse Behandlung, nur ein kleiner Teil der Hilfe sein kann, doch eine Therapie,
Dir dazu verhilft, etwas grundlegendes in Deinem Leben zu erkennen u. ggf. auch anders (achtsamer) zu leben !

Es kann Dich dann auch eher davor schützen,

dass solche Phasen nicht mehr so oft auftreten.

Natürlich bleibt dies Deine alleinige Entscheidung !
---------------------------------------------------------------------------------------------

Das verstehe ich jetzt nicht ?

Auch wenn Du schreibst:


Da Du , wie Du schreibst, schon öfter in solche Phasen Dich befunden hast, wäre es villt. jetzt doch einmal dran,
den Ursachen auf den Grund zu gehen, um auch für sich Selbst an Klarheit u. psychischer Stabilität zu gewinnen.
Villt. kann das dadurch auch hilfreich sein, Deine berufliche Laufbahn, mit einer inneren psychischen Stabilität
ausgestattet, Deine Aufgaben, die dann auf Dich warten, besser zu schaffen.
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Es ist so, dass ich um beruflich weiter zu kommen bzw. eine bessere/sichere Position zu beziehen, zum Amtsarzt muss.
Dort muss man z. B. angeben, ob man in einer Therapie war/ist. Das ist meistens ein Ausschlusskriterium.
Natürlich wäre eine Therapie in Kombination sehr viel sinnvoller und hilfreicher.

Gestern 12:33 • #6


glücklichsein

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hallo, ich bin neu hier in diesem Forum. Ich kann dir sehr gut nachfühlen, dieser Text von dir könnte von mir geschrieben sein. Im Moment geht es mir so schlecht, das ich öfters Selbstmordgedanken habe. Ich denke es ist an der Zeit mir Psychologische Hilfe zu suchen. Habe mich bis jetzt gestreubt dagegen, da es mir sehr Mühe macht meine Probleme jemandem anzuvertrauen. Ich habe sehr viel schlechtes erlebt mit meinen 56 Jahren, und das alles zu erzählen braucht sehr viel Kraft.Habe angst das ich nur weinen werde dort, aber ich merke auch das ich es alleine nicht schaffe aus dieser Depression raus zu kommen. Habt ihr schon Erfahrung mit Psychologen gehabt, hat es euch geholfen? Freue mich über jede Antwort von euch. Wünsche euch allen viel Kraft und Mut.

Gestern 13:57 • x 2 #7


CErgo333

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Zitat von glücklichsein:
Im Moment geht es mir so schlecht, das ich öfters Selbstmordgedanken habe. Ich denke es ist an der Zeit mir Psychologische Hilfe zu suchen.


Mach das auf jeden Fall! Gerade weil du bereits Gedanken in diese Richtung hast, suche dir auf jeden Fall Hilfe. Wenn es ganz schlimm kommt, gibt es auch Hotlines bzw. du kannst eine Ambulanz aufsuchen.
Es ist auf jeden Fall richtig, dass du deine Bedenken hinsichtlich einer Therapie ablegst.

Ich weiß von anderen, dass Therapien, wenn das Verhältnis zwischen Therapeut-Patient stimmt, sehr hilfreich sind. Gerade das Erlebte für sich zu ordnen, auszusprechen, was belastet mit einer neutralen Person, die eine neue Perspektive reinbringt.

Gestern 15:39 • x 1 #8


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Resi

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Hallo glücklichsein,

Zitat von glücklichsein:
Habt ihr schon Erfahrung mit Psychologen gehabt, hat es euch geholfen?

Ja, ich habe schon mehrere Therapien hinter mir.
Mir hat das schon sehr geholfen.

Mir war am Anfang ein bißchen fremd, daß nach 50 Minuten Schluß war, und ich glaube, man sollte sich hinterher nicht allzu viel vornehmen, damit das Gesprochene auch verarbeitet werden kann.


Zitat von glücklichsein:
Habe angst das ich nur weinen werde dort

Das ist völlig in Ordnung
Das kennt fast jede(r) von uns.
Es ist deine Therapiestunde!

Gestern 15:52 • x 3 #9


glücklichsein

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ganz lieben Dank für deine lieben Worte. Ich hoffe sehr das mir eine Therapie hilft, den ich bin einfach nur noch traurig, müde. antriebslos. Lieben Dank

Vor 5 Stunden • x 1 #10


glücklichsein

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ich wünsche dir ganz viel Kraft und Mut. Ich hoffe du schaffst es ohne Therapie. Liebe Grüsse

Vor 4 Stunden • x 2 #11


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Betse66

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Zitat von glücklichsein:
Ich hoffe sehr das mir eine Therapie hilft, den ich bin einfach nur noch traurig, müde. antriebslos.


Wenn du dich so fühlst und dazu noch Gedanken des Aufgebens hast, solltest du schnell handeln, insbesondere wenn du noch keinen Psychologen hast. Melde dich auf der Notfallstation im Krankenhaus. Hier bist du vor dir sicher und kannst die Verantwortung erst einmal abgeben. Ich spreche aus eigener Erfahrung. Bei mir war allerdings SSV der Punkt, den ich nicht mehr für mich kontrollieren konnte. Gerade die ersten Tage in der Klinik brachten mir Sicherheit und Schutz, um zu mir zu kommen. Gib nicht auf.
Liebe Grüße Betse

Vor 35 Minuten • #12

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