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Strategien gegen depressive Schübe

Trinidat

Trinidat
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Hallo alle zusammen,
ich habe gerade einen depressiven Schub und krame in meinem Arsenal aus Strategien, die mir helfen könnten, mich ein bisschen besser zu fühlen.
Dabei denke ich gerade, dass es generell hilfreich sein könnte, in diesem Forum ein Sammelthema zu diesem Zweck zu generieren.
Was sind eure Strategien? Was hat sich als hilfreich bewährt, wenn ihr euch mies fühlt?

x 5 #1


40 Antworten ↓
Alexandra2

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Ich sehe es genauso wie jedi.
Wichtig ist, die eigene Situation hier darzustellen. So lässt sich besser verstehen, von welcher Schwere ausgegangen wird. Ich schwanke immer zwischen mittelschwerer und schwerer Depression (deshalb in Rente). Das muss ich hinnehmen. Für mich ist das nur mit Medikamenten und Therapie möglich. Was hilft bei Verschlechterung? Zunächst sind es Zusammenhänge, was ist passiert? Habe ich zuviel gemacht, habe ich eine organische Erkrankung, andere neue Medikamente, die eine Verschlechterung auslösen können? Habe ich gut genug auf mich geachtet?
Das letzte Tief war endlos, gefühlt unerträglich. Alle Aktivitäten habe ich runtergefahren, das Lesen und vor allem Schreiben hier, ich war viel allein. Gemeinschaft hilft mir, verstanden oder zumindest wahrgenommen zu werden. Es gibt Trigger, die man kennen und meiden sollte- so gut es geht.
Also habe ich gewartet im Tief, die Couch war mein bester Freund. Ein Tief zu akzeptieren fällt mir immer wieder schwer.
Immer hilft eine feste Tagestruktur: aufstehen obwohl mir nicht danach ist. Mittagessen, Mittagsschlaf gibt es auch. Und dazwischen die Frage, was möchte ich jetzt? Wenns geht, das Bedürfnis befriedigen. Telefonieren, etwas Belangsloses spielen, Rätsel lösen, Lesen (wenn es geht), rausgehen (Fahrrad fahren hilft mir), sich hier entlasten.
Außerdem sind Notfallkontakte zum Arzt/ zum Therapeuten wichtig. Ich habe lange gebraucht, um Hilfe zu bitten. Das geht inzwischen besser. Also anrufen, bevor ich ganz unten im Tief angekommen bin. Und in die Klinik, wenn es sich nicht bessert.
Notfallmedikamente habe ich auch bekommen, nutze sie sehr selten.
Dieser individuelle Plan ist nach Jahren entstanden. Dieses Suchen danach, was einem hilft kann sehr zäh sein, lohnt sich aber. Also bitte, weitersuchen, ausprobieren- lasst Euch nicht entmutigen. Wer eine Depression hat, braucht einen langen Atem. Und die Verbesserung ist ein Prozess.

25.08.2023 09:20 • x 8 #15


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A


Hallo Trinidat,

Strategien gegen depressive Schübe

x 3#3


maya60

maya60
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Zitat von CCC:
Mir hilft, mich voll fallen zu lassen, es zu akzeptieren. Ich gammel dann rum. Lesen, Filme und Serien gucken, nix tun. Nach ein paar Tagen (ist unterschiedlich lang immer) gehe ich mir selber auf den Keks und muss wieder was tun. Allerdings habe ich keine generellen Depressionen, nur manchmal typisch menschliche depressive Episoden, wenn ich in die psychische Erschöpfung abrutsche.

Hab diesen interessanten Thread gerade erst entdeckt!
Und da ich lange Jahre kleine normale Erschöpfungseinbrüche und aber auch schwer depressive Episoden nicht beeinflussen konnte, weder mittendrin noch im Vorfeld prophylaktisch, dies aber nun viel viel besser erlernt habe und darum auch viel viel seltener erlebe, fällt mir schon das ein oder andere ein.

Deine Herangehensweise, CCC, gilt bei mir für beides. Bei leichten Einbrüchen, wie du sie meinst, schonmal auf jeden Fall, weil meistens eben nur Erholung, Selbstfürsorgen und Stille bei mir hilft.

Bei schweren Einbrüchen aber auch, weil ich eine hochfunktionale Depressive war und bin und es immer darum zu allererst darum geht, den Druck des zu Erledigenden bei mir rauszunehmen und mich mit Stille, Ruhe, Nichtstun und Schönem zu verwöhnen.
Das ist aber natürlich nicht das Einzige. Nur ist bei mir kontraproduktiv, aktiv zu werden, weil ich ja deshalb in der Episode bin, weil ich dringend aus dem Hamsterrad raus muss und weil jede Bewegung durch die Depression schon Hochleistung ist.
Das alles will ich dann fühlen und mir bewusst machen in einem ersten Gammelschritt. Also Loslassen!

Zitat von Jedi:
Was für mich etwas ganz sicheres ist, rauszugehen, am besten allein in die Natur - wegen der Stille.
Natürlich hilft mir insbesondere das Lesen, da ich schnell mich in eine andere Welt oder Person denken kann.
Bin u. war aber schon immer ein ausgesprochener Bücherwurm.


Lesen wirkt bei mir auch Wunder, denn es lenkt mich von allen kranken Gedanken ab und bringt mich in schönere Welten.

Zitat von Dys:
Auch mentale Ermüdung ist nicht gleich Depression.


Nein, ist es nicht.

Zitat von Dys:
Bei einer schweren Episode ist es nicht so, dass sich der Erkrankte mal einfach bissel gehen lässt und rumgammelt, bis es ihn nach Abwechslung dürstet. Bei einer schweren Episode ist der Erkrankte zu nichts in der Lage. Aufstehen, Körperhygiene, Nahrungsaufnahme, jegliche Art der Ablenkung oder Beschäftigung findet nicht statt und da noch was im Internet posten erst recht nicht. Einzig Gedankenkreisen findet da noch statt und ins Kissen heulen, sofern das noch geht und wenns ganz arg kommt, hilft mitunter nur noch medizinische Intervention, bevor die nicht mehr nötig wäre.


Das stimmt absolut. Erst seit ich u.a. richtig medikamentös eingestellt bin, bekomme ich bedeutend weniger depressive Episoden und diese auch kürzer und weniger stark.

Zitat von Trinidat:
Heute ist nichts besser. Ich habe auch das Gefühl, dass mein Tief in der Intensität weit über das hinaus geht, was " Viele mal haben", aber ich stecke auch in anderen Menschen nicht drin.
Ich überlege gerade, ob ich ein Tagebuch hier beginne um mehr darüber zu schreiben, was in mir gerade vorgeht


Nein, das spürt man als Depressive, Trinidat, ob es weit über das, was viele mal haben, hinausgeht. Und doch gibt es eben beides und ist es auch wichtig, das zu unterscheiden.
Mach doch auf jeden Fall ein TB auf, denn das ist sowohl für dich als auch für uns Mitlesende dann alles viel besser mitzuverfolgen und auch im Nachhinein Entwicklungen zu sehen.

Außerdem ist es geschützter Bereich und nur von uns Foris mitzulesen.

Und du entscheidest selber, ob oder wann oder wer bei dir im TB mitschreiben darf, so hast du da also auch noch einen besonderen Schutz in besonders sensiblen Fragen oder Zeiten.
Gute Besserung wünsche ich dir! Liebe Grüße von maya60

25.08.2023 10:43 • x 6 #20


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Alle Antworten:


CCC
Mir hilft, mich voll fallen zu lassen, es zu akzeptieren. Ich gammel dann rum. Lesen, Filme und Serien gucken, nix tun. Nach ein paar Tagen (ist unterschiedlich lang immer) gehe ich mir selber auf den Keks und muss wieder was tun. Allerdings habe ich keine generellen Depressionen, nur manchmal typisch menschliche depressive Episoden, wenn ich in die psychische Erschöpfung abrutsche.

x 3 #2


Jedi
Zitat von Trinidat:
ich habe gerade einen depressiven Schub

Zitat von Trinidat:
Was hat sich als hilfreich bewährt, wenn ihr euch mies fühlt?

Ich habe mir immer aufgeschrieben, was mir aus einer depressiven Episode geholfen hatte.
Da schaue ich nach, was von den auch unterschiedlichen Skills haben mir tatsächlich da herausgeholfen.
Habe auc immer nur solche Dinge aufgeschrieben, wo ich dann später wirklich von sagen konnte,
dass war hilfreich !

Was für mich etwas ganz sicheres ist, rauszugehen, am besten allein in die Natur - wegen der Stille.
Natürlich hilft mir insbesondere das Lesen, da ich schnell mich in eine andere Welt oder Person denken kann.
Bin u. war aber schon immer ein ausgesprochener Bücherwurm.

x 1 #3


TomdeLone
Zitat von CCC:
Mir hilft, mich voll fallen zu lassen, es zu akzeptieren.

Wie geht das?

x 1 #4


CCC
Zitat von TomdeLong:
Wie geht das?

ich tu halt einfach nix. Ich weiß ja aus Erfahrung, dass es mir nach ein paar Gammeltagen wieder gut geht.

x 2 #5


Dys
Zitat von CCC:
Allerdings habe ich keine generellen Depressionen, nur manchmal typisch menschliche depressive Episoden, wenn ich in die psychische Erschöpfung abrutsche.

Es gibt schon ziemlich genaue klinische Definitionen was eine Depression ist und der klinische Terminus Episode mit einem klar definierten Grad der Schwere ist nicht zu vergleichen mit einer kurzfristigen depressiven Verstimmung oder das einen mal was deprimiert und nach ein par Tagen hebt sich die Stimmung. Letzteres sind typisch menschliche Verstimmungen, aber keine Depression. Auch mentale Ermüdung ist nicht gleich Depression.

Bei einer schweren Episode ist es nicht so, dass sich der Erkrankte mal einfach bissel gehen lässt und rumgammelt, bis es ihn nach Abwechslung dürstet. Bei einer schweren Episode ist der Erkrankte zu nichts in der Lage. Aufstehen, Körperhygiene, Nahrungsaufnahme, jegliche Art der Ablenkung oder Beschäftigung findet nicht statt und da noch was im Internet posten erst recht nicht. Einzig Gedankenkreisen findet da noch statt und ins Kissen heulen, sofern das noch geht und wenns ganz arg kommt, hilft mitunter nur noch medizinische Intervention, bevor die nicht mehr nötig wäre.

x 10 #6


Trinidat
Zitat von Dys:
nicht zu vergleichen mit einer kurzfristigen depressiven Verstimmung oder das einen mal was deprimiert und nach ein par Tagen hebt sich die Stimmung. Letzteres sind typisch menschliche Verstimmungen, aber keine Depression.

Das finde ich sehr interessant was du schreibst. Es hilft mir gerade, nicht mehr daraus zu machen als es ist. Ich danke dir!

x 6 #7


TomdeLone
Die Gewissheit, Morgen ist ein anderer Tag...
Ich brauch 'nur' durchhalten, aushalten...!

Die Welt verändert sich nicht, nur meine Sicht darauf...

x 2 #8


bones
Zitat von CCC:
Mir hilft, mich voll fallen zu lassen, es zu akzeptieren. Ich gammel dann rum. Lesen, Filme und Serien gucken, nix tun. Nach ein paar Tagen (ist ...

Nun dass sollte man bei einer Depression nicht machen. Es ist kontraproduktiv! Wer in einer Depression ist, hat gerade bei deinem bspl kein wirklichen nützen, weil in der Regel man nicht zb konzentrieren kann, man nimmt das alles nicht wirklich wahr! Man vegetiert sich vor sich hin. Mit bei paar Tage und dann wird besser hat nix mit einer Depression zu tun! Je nach Schweregrad bedarf es dringend an Behandlung. Wie sie aussieht ist sehr inviduell.

In meinem Fall war es so, dass ich zuerst mal eine medikamentöse Behandlung von nöten war inkl Therapie/ Klinik/Reha und als man all mählich stabiler wurde, habe ich mich oft gezwungen Aktivitäten genommen. Für mich war Sport machen der Ausschlaggebende Pkt wo es deutlich besser wurde.

x 2 #9


CCC
bin jetzt etwas verwirrt. Ich habe doch betont, dass ich keine generellen Depressionen habe. War das nicht deutlich genug, dass ihr es hier noch so weiter ausführen müsst? 🤔 Es fühlt sich an, als wenn ich etwas falsch gemacht habe 🙄

x 3 #10


Bondgirl
Bei mir ist es auch vor allem der Sport, der mir hilft. Allerdings habe ich auch dort Menschen, die mich dann auch dort erwarten (im positiven Sinne) und das hilft mir hinzugehen, selbst wenn ich vorher denke, ich will nicht aus dem Haus.
Außerdem habe ich schon gemerkt, dass es mir deutlich schlechter geht, wenn ich es nicht regelmäßig zum Sport schaffe.

Aber ich denke das ist auch sehr abhängig vom schweregrad. Das hilft eher, wenn man wieder erste Anzeichen bemerkt oder wenn man schon tiefer drin steckt, dann mit Medikamenten oder Therapie auf dem Weg der Besserung ist.

x 2 #11


BlackKnight
Zitat von CCC:
bin jetzt etwas verwirrt. Ich habe doch betont, dass ich keine generellen Depressionen habe. War das nicht deutlich genug, dass ihr es hier noch so ...


Aus meiner Sicht hast du natürlich gar nichts falsch gemacht🙏.... ausserdem finde ich die Abgrenzung der Definitionen theoretisch einfach, nur praktisch sehr schwer ....

x 1 #12


Jedi
Es fühlt sich an, als wenn ich etwas falsch gemacht habe @CCC

Du hast nichts falsch gemacht Nein
Wir schreiben doch alle hier, nur von unseren eigenen Erfahrungen !

x 3 #13


bones
Zitat von CCC:
bin jetzt etwas verwirrt. Ich habe doch betont, dass ich keine generellen Depressionen habe. War das nicht deutlich genug, dass ihr es hier noch so ...



Nun was verstehst du unter typische menschliche depressive Episode?

Was du schriebst, für paar Tage hat nix mit einer depressiven Episode zu tun. Eine Depression kann man sagen wenn es min 2 Wochen anhält. Auch da ist es inviduell zu betrachten. Je nach Symptome. Dass man mal schlecht drauf ist und ähnliche Symptome hat für paar Tage , ist denk ich normal. Das haben viele.

#14


A


Hallo Trinidat,

x 4#15


Alexandra2
Ich sehe es genauso wie jedi.
Wichtig ist, die eigene Situation hier darzustellen. So lässt sich besser verstehen, von welcher Schwere ausgegangen wird. Ich schwanke immer zwischen mittelschwerer und schwerer Depression (deshalb in Rente). Das muss ich hinnehmen. Für mich ist das nur mit Medikamenten und Therapie möglich. Was hilft bei Verschlechterung? Zunächst sind es Zusammenhänge, was ist passiert? Habe ich zuviel gemacht, habe ich eine organische Erkrankung, andere neue Medikamente, die eine Verschlechterung auslösen können? Habe ich gut genug auf mich geachtet?
Das letzte Tief war endlos, gefühlt unerträglich. Alle Aktivitäten habe ich runtergefahren, das Lesen und vor allem Schreiben hier, ich war viel allein. Gemeinschaft hilft mir, verstanden oder zumindest wahrgenommen zu werden. Es gibt Trigger, die man kennen und meiden sollte- so gut es geht.
Also habe ich gewartet im Tief, die Couch war mein bester Freund. Ein Tief zu akzeptieren fällt mir immer wieder schwer.
Immer hilft eine feste Tagestruktur: aufstehen obwohl mir nicht danach ist. Mittagessen, Mittagsschlaf gibt es auch. Und dazwischen die Frage, was möchte ich jetzt? Wenns geht, das Bedürfnis befriedigen. Telefonieren, etwas Belangsloses spielen, Rätsel lösen, Lesen (wenn es geht), rausgehen (Fahrrad fahren hilft mir), sich hier entlasten.
Außerdem sind Notfallkontakte zum Arzt/ zum Therapeuten wichtig. Ich habe lange gebraucht, um Hilfe zu bitten. Das geht inzwischen besser. Also anrufen, bevor ich ganz unten im Tief angekommen bin. Und in die Klinik, wenn es sich nicht bessert.
Notfallmedikamente habe ich auch bekommen, nutze sie sehr selten.
Dieser individuelle Plan ist nach Jahren entstanden. Dieses Suchen danach, was einem hilft kann sehr zäh sein, lohnt sich aber. Also bitte, weitersuchen, ausprobieren- lasst Euch nicht entmutigen. Wer eine Depression hat, braucht einen langen Atem. Und die Verbesserung ist ein Prozess.

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