Stimmungsschwankungen bei Depressionen wie verhindern

Fjölnir

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Hallo zusammen
Ich leide unter Depressionen und habe schon seit langer Zeit starke Stimmungsschwankungen.
Mit der Depression komme ich soweit klar. Mal habe ich sie im Griff, mal hat sie mich im Griff. Im Grossen betrachtet war es schon viel schlimmer und ich lerne damit zu leben.
Was mich allerdings ganz arg belastet sind die Schwankungen in der Stimmung. Ich sitze zum Beispiel hier, alles ist gut und die letzten Tage waren richtig schön, und plötzlich brodelt alles in mir und in mir steigt eine Wut auf. Ich merke schon die Anzeichen in Form von Nervosität und die Konzentration ist dann auch weg. Es kommt aus heiterem Himmel. Das dann wieder in den Griff zu bekommen schaffe ich nur dürftig und es ist sehr schwer und anstrengend. Meist habe ich damit dann den ganzen Tag verdorben. Meine Partnerin versucht, sowohl was die Depression als auch was die Schwankungen angeht, zu helfen so gut sie kann. Doch hat sie noch nie was damit zu tun gehabt. Auch in ihrem Umfeld nicht. Daher ist es natürlich sehr schwer für sie und auch nur bis zu einem bestimmten Grad "nachvollziehbar".
Ich bin mir sehr wohl bewusst das es für alles einen Auslöser gibt. Doch das kommt so plötzlich das ich absolut keinen Grund sehe weshalb die Laune auf einmal so arg in den Keller rutscht. Und sich dann jedesmal aufs Neue selbst fragen zu müssen: "Was ist denn jetzt schon wieder nicht mit dir in Ordnung?" ist eigentlich fast noch schlimmer als die Schwankung an sich.
Ich hoffe ich konnte einigermassen rüberbringen was ich meine. Vielleicht kennt ja jemand solch eine Problematik und hat für sich Techniken gefunden die helfen, diese Stimmungsschwankungen in den Griff zu bekommen. Ich würde mich über einen Austausch der Erfahrungen freuen.
Liebe Grüsse, Fjölnir

13.07.2012 08:50 • #1


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Pandoras

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Hallo fjölnir,

ja, ungefähr kenne ich das auch. Manchmal kommt so eine Schwankung von jetzt auf gleich. Gerade, wenn man mal vorher vielleicht ein oder ein paar schöne Tage erlebt hat.
Also mir hilft in dem Falle, mich mit für mich schöner Musik abzulenken. Eigentlich ist das sogar das Einzigste, was mir im Moment dann hilft.
Weil ich dann z.B. auch nicht in der Lage und Verfassung bin, mich jemandem anzuvertrauen. Meist habe ich plötzliche Schwankungen, wenn ich mich mit jemandem unterhalte und aufeinmal bin ich genervt und abweisend. Keine Ahnung, warum. Gibt keinen wirklichen Grund dafür.

PS: Übrigens finde ich es ganz toll, wie Du Dich hier aktiv einbringst!! Wollte ich mal noch loswerden

13.07.2012 13:37 • #2


Fjölnir

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Hallo Pandoras
Oh, da erkenne ich mich wieder. Von jetzt auf gleich bin ich dann sehr genervt und reizbar. Leider hilft es in solchen Situationen nicht, wenn ich Musik höre. Meist hilft es wenn ich mich dann alleine mit irgend welchen Arbeiten beschäftige. Am Besten draussen. Doch kaum kommt jemand und...Booom, alles wieder beim Alten. Genervt, gereizt, alles in mir ist am kochen. Viele Gedanken habe ich mir schon zu diesem Thema gemacht. Manchmal denke ich das ich es vielleicht selbst so will. Unterbewusst vielleicht. Aber das ist ja eigentlich absurd. Ich fresse viel in mich hinein da es aus der Sicht anderer irreale Belange sind die mich aufwühlen. Irreal in der Realität: Ja! Irreal in meinem Empfinden: Nein!!
Wir haben schon arg damit zu kämpfen, das ich stets die Schübe der Depression bekomme. Wenn allerdings einige Tage, oder gar eine ganze Woche super gelaufen ist, und plötzlich klopfen die Schwankungen an die Tür, steht sie natürlich da wie vom Donner gerührt und ich hasse mich selbst dafür das ich ihr eine solche Last aufbürde.

P.S.: Hab Dank für deine netten Worte. Da hier wohl die meisten auf der Suche nach Hilfe sind sollte auch niemand mit den eigenen Erfahrungen geizen

13.07.2012 14:17 • #3


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Cleofee

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Hallo Fjölnir,

das mit den Stimmungsschwankungen kenne ich auch bei mir. Habe das aber auch schon so lange ich zurückdenken kann. Es kommt urplötzlich und ohne erkennbaren Grund. Ich musste erst mal eine Depression bekommen, bis den Therapeuten auffiel, dass ich auch eine Borderline-Persönlichkeitsstörung habe. Mittlerweile wurde ich so zugeschmissen mit Methoden, um die Stimmungsschwankungen zu stoppen. Aber keine hilft wirklich. Wenn ich in die Wut kippe hilft manchmal ein strammer Spaziergang oder laut Heavy Metal Musik hören. Klappt aber nicht immer und wenn die Verzweiflung kommt, weiß ich gar nicht was ich tun kann, um die zu stoppen. Diese Stimmungsschwankungen sind einfach nur grässlich und ich suche auch noch nach der ultimativen Methode. Vielleich sollte man versuchen die auch einfach nur zu akzeptieren.

L.G.

Cleofee

13.07.2012 16:06 • #4


Fjölnir

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Hallo Cleofee,

es ist wirklich zum Verzweifeln. Da gebe ich dir voll und ganz recht!
Bei mir ist ebenfalls Depression und Borderline diagnostiziert. Doch Methoden gegen die Schwankungen habe ich leider nicht mit auf den Weg bekommen. Ich muss allerdings auch dazu sagen das ich bis jetzt auch nur in Akutkliniken war.
Metal ist auch unsere Musik. Doch grad wenn ich diese schwankende Stimmung habe, is es besser wenn ich keine Musik höre. Ich habe bei mir gemerkt, das ich dann nur noch aufgewühlter werde. Was ich dann brauche ist Ruhe. Einfach niemanden um mich herum und einfach auf eine Sache konzentrieren wie zum Beispiel heimwerken oder sowas in der Art. Leider ist das Problem, das ich mich in diesen Phasen sehr schlecht konzentrieren kann. Und wenn dann etwas nicht so will wie es soll werde ich noch nervöser und somit wird auch die Stimmung schlimmer.
Ich habe schon soooooo oft versucht, drauf zu achten was der Auslöser ist. Doch ich weiss es einfach nicht. Nur eines ist mir aufgefallen: Wenn ich merke das ich nervös und gereizt werde, spielen meine Gedanken ganz verrückt und ich führe Zwigespräche mit mir die wirklich bizarr sind. Beispiel: Ich merke das die Stimmung wieder kippt. Dann kommen mir alle möglichen Leute in den Kopf die diverse Situationen kritisieren. Sie haben es noch nicht gemacht und werden es vermutlich auch nie machen. Dennoch spielt sich eine solche Eventualität in meinem Kopf ab und das macht es noch schlimmer. Dann kommt meine Freundin und schimpft darüber das ich nach dem duschen das Badfenster nicht aufgemacht habe. Ich versuche mich dann zu rechtfertigen. Aber diese Sache ist gar nicht passiert. Ich durchdenke sie einfach nur und das macht mich dann noch wütender.
Ich weiss nun nicht ob ich das so erklärt das gleich die Männer mit den Westen hier stehen Ich hoffe ihr wisst was ich meine.

13.07.2012 16:29 • #5


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Pandoras

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Zitat:
P.S.: Hab Dank für deine netten Worte. Da hier wohl die meisten auf der Suche nach Hilfe sind sollte auch niemand mit den eigenen Erfahrungen geizen


Kein Problem! Ja, ich verstehe auf jeden Fall was Du beschreibst. Haja, mit Metal darf ich mich allerdings auch nicht ablenken. Das steigert meine Aggressivität dann auch.... zumindest bei Slayer oder Neaera. Vielleicht eher die ruhigere Schiene. Am besten hilft mir momentan was anzuhören, was mich positiver stimmt, was gute Laune macht. Mit frohen Melodien usw. Metal zieht mich dann auch runter als aufbauend zu wirken. Und ich mag die Musik sehr! Aber im Moment geht mir Trance und Hardstyle eher unter die Haut - vorallem auf positivem Wege - und mir geht es dann etwas besser. Indem ich mir beim Hören der Musik z.B. schöne Erinnerungen aus der Vergangenheit vorstelle oder spazieren gehe und die Natur dabei auf mich wirken lasse.

Das ist für mich so ein hauptsächliches Entgegenwirken dieser miesen Stimmungsschwankungen. Zumindest für mich eine teils gut funktionierende Methode.

13.07.2012 18:40 • #6


Fjölnir

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Was die Musik angeht ist es bei mir ein schmaler Grad. Überwiegend höre ich Metal. Am liebsten Pagan-Metal. Ich mag die Kombination auf hartem Metal und den alten Instrumenten. Und mit dem heidnischen Hintergrund der Musik kann ich mich sehr gut identivizieren. Bisweilen höre ich auch Electro. Doch das wird mir nach einer gewissen Zeit zu stressig. Ich habe auch eine lange Weile Gothic gehört. Doch die Sachen die mir gefallen haben gehen mir zu arg an die Psyche. Klassik macht mich manchmal depressiv. Es kommt wirklich auf die momentane Situation an. Nur kann ich das nicht immer abschätzen. Wenn ich Pech habe schiesse ich mir mit der Musik ein Eigentor. Zugegeben, es war schon schlimmer in Sachen musikalische Toleranz. Manchmal hat es mich so aus der Bahn geworfen das ich in Gedanken schon die Autobahnbrücken in der Nähe abgegangen bin. Das ist jetzt für mich kein Thema mehr. Dennoch muss ich noch aufpassen.
Ich habe heute beschlossen, das ich mir einen Stimmungskalender anlegen werde. Wenn ich diese Tage mit Stimmungsschwankungen habe, wird es in den Kalender eingetragen. Ich möchte einfach sehen ob da ein Schema hinter steckt. Vollmondphase oder so. Vielleicht ist da ja etwas versteckt womit man arbeiten kann. Bleibt abzuwarten.

13.07.2012 19:19 • #7


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Cleofee

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Das mit den Zwiegesprächen kommt mir auch ziemlich bekannt vor. Ich führe manchmal endlose Diskussionen mit mir selbst. Es ist als hätte ich mehrere Personen in mir. Das ich gedanklich mit anderen diskutiere kommt auch vor.
Einen Auslöser für die Stimmungsschwankungen habe ich noch nie gefunden. Ich glaube, es gibt auch keinen bei unserer Erkrankung. Das passiert irgendwie alles völlig willkürlich.
Und was die Männer mit den weißen Westen betrifft: die müssten mich dann auch mitnehmen. Ich glaube, die weißen Westen wurden auch schon längst ausgemustert. Heutzutage wird man mit Gurten festgeschnallt. Ist aber genauso gruselig.

14.07.2012 21:14 • #8


little-tiger

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hallo ihr lieben

Zitat von Cleofee:
Das mit den Zwiegesprächen kommt mir auch ziemlich bekannt vor. Ich führe manchmal endlose Diskussionen mit mir selbst. Es ist als hätte ich mehrere Personen in mir. Das ich gedanklich mit anderen diskutiere kommt auch vor.


hüstel... ich rede oft sogar laut mit mir und den anderen imäginären Personen.Wenn das jemand mitbekommt sage ich meistens das ich versuche was auswendig zu lernen.

Zitat von Cleofee:
Einen Auslöser für die Stimmungsschwankungen habe ich noch nie gefunden


Auf dieser Suche sind wir alle hier mehr oder weniger.

Zitat von Cleofee:
Und was die Männer mit den weißen Westen betrifft: die müssten mich dann auch mitnehmen.


Da hatte ich bisher Glück das mich alle bisher zwar komisch angeguckt haben aber NICHT zum Telefon/ Handy gegriffen haben.

little-tiger

14.07.2012 21:24 • #9


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Cleofee

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Zitat von little-tiger:

Da hatte ich bisher Glück das mich alle bisher zwar komisch angeguckt haben aber NICHT zum Telefon/ Handy gegriffen haben.

little-tiger


Zum Glück lebe ich hier in der WG mit Menschen zusammen, die alle einen ziemlichen Knall haben. Da falle ich gar nicht auf.

Die Ausrede mit dem auswendig lernen finde ich gut. Das werde ich mir merken.

14.07.2012 21:30 • #10


little-tiger

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hallo Cleofee

ich rede fast den ganzen Tag mit mir selbst, mal mehr , mal weniger.Also auch wenn ich z.B beim Einkaufen bin oder am arbeiten.Es gibt sogar Tage wo einige Mitmenschen drauf reagieren und es sich ein spontanes Gespräch ergibt.

Zitat von Cleofee:
Die Ausrede mit dem auswendig lernen finde ich gut. Das werde ich mir merken.


Supi das ich dir einen kleinen Tip geben konnte. bisher hat es immer funktioniert.

little-tiger

14.07.2012 21:48 • #11


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Pandoras

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Hallo @ all,

An Fjölnir: Ja, verstehe was Du damit meinst. Da muss ich auch ganz gehörig aufpassen. Aber Pagan-Metal ist ja eigentlich noch ok find ich. Ich darf bei meinen Stimmungstiefs keinen Black Metal hören. Dann habe ich so wie Du das beschrieben hast, manchmal auch sogar Suizidgedanken - also erstmal Finger weg davon - weil mich das so dermaßen hochpusht. Besonders kommen dann die negativen Emotionen zum Tragen. Grade weil diese Musik ja eben negative Stimmungen bis zu Hassgedanken bewusst erzeugt.
Also, Gott sei Dank, hab ich das hinter mir. Dass ich mich damit bei Frust so extrem hochpushen musste um mit diesem angestauten Frust irgendwie klarzukommen.

Aber seitdem ich mich dem Hardstyle zugewandt habe, gehts mir komischerweise richtig gut und ich kann wieder lachen etc. Ich brauche nur an die Künstler zu denken, dann bin ich schon gut drauf. Da geh ich so dermaßen positiv drin auf und ich empfinde wieder Spaß und Freude, dass ich am liebsten den ganzen Tag durch die Bude tanzen könnte Aber Musik ist sowieso meine Nr. 1 in meinem Leben, egal eigentlich welche Richtung. Das ist das, was mich 24 Stunden am Tag am meisten beschäftigt - egal ob in Gedanken oder sonst was.

Oh ich hoffe, ich texte Dich damit nicht so zu. Wenn dann sag mir bitte bescheid!

Aber das mit dem Stimmungskalender finde ich eine sehr gute Idee. Mach das mal. Dadurch kann man eine Menge feststellen - z.B. wie oft die Schwankungen eintreten. Das kann Dir vielleicht eine große Hilfe sein. Ich hatte mir sowas auch mal überlegt zu machen. Im Moment hatte mir mein Therapeut empfohlen, eher bei Dingen oder Ereignissen am Tag ein Tagebuch zu führen, was mir im Laufe des Tages alles gelungen ist (also eher für persönliche Erfolge).

14.07.2012 23:50 • #12


Fjölnir

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Hallo zusammen.
natürlich macht es Mut, wenn man so liest das niemand eine Ideallösung hat Doch finde ich es irgendwie sehr beruhigend, das ich nicht der einzige bin der damit zu kämpfen hat und auch eben solche Symthome zeigt. Ich kam mir echt schon irre und paranoid vor!!!
Ich hatte noch nie die Ehre fixiert zu werden. Doch auf manche Privilegien muss man dann eben doch verzichten. Dafür darf ich für meine Freundin kochen. Kann auch nicht jeder Mann von sich behaupten.
Laute Zwigespräche führe ich eigentlich nicht. Doch dafür rede ich mit unseren Katzen wie mit einem normalen Gesprächspartner
Was mich arg beschäftigt ist die Sache, das ich nicht richtig aus mir raus gehen kann. In Zeiten dieser Stimmungsschwankungen (gibt es dafür nicht irgeneine Abkürzung?) habe ich das Gefühl das mein Körper kurz vor dem Bersten steht. All diese Emotionen finden keinen Weg nach draussen. Es ist ja schön wenn ich mich mit irgendwelchen Dingen ablenken kann. Doch ist es nur für den Moment. Diese ganze Wut baut sich allerdings nur in Zeitlupe wieder ab und danach kommt dann die Grübelei was mit mir nicht stimmt. Dazu die Angst, das ich meine Partnerin daran verlieren könnte da es ja auch für sie eine grosse Belastung darstellt. Und soll es mien Leben lang so weitergehen. Ich persönlich kann mir besseres vorstellen. Vielleicht sollte ich doch wieder mit Medikamenten anfangen. Schlimmer werden kann es da durch ja hoffentlich nicht.
Noch einen Monat. Dann ist mein Therapeut wieder da und ich werde Diese Option mit ihm besprechen. Bis dahin heisst es einfach Zähne zusammen beissen.

Halle Pandoras,
nein, ich finde es gut mich über Musik zu unterhalten. Sie ist auch für mich einer der wichtigsten Bestandteile des Lebens. Lass deinem Redefluss nur freien Lauf
Es gibt die ein oder andere Band die mich stets auf gute Bahnen führt. So gibt es z.B. eine Irish Folk Band bei der ich zu 99% gute Laune bekomme. Werde am 07.08. auf ein Konzert von denen fahren und hoffentlich Kraft für eine lange Zeit tanken können. Und wer weiss; vielleicht ist mein Gitarrenunterricht bald schon derart fortgeschritten das die nächstes Jahr bereits bei mir als Vorband spielen können

Und noch einmal an alle,
ich fühle mich hier sehr wohl. War zuvor in einem anderen Depri-Forum, welches sich allerdings als wenig hilfreich für mich entpuppt hat. So bin ich sehr froh das ich den Weg hierher gefunden habe. Einfach mal so in eigener Sache

15.07.2012 10:44 • #13


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Pandoras

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Das mit dem aus mir rausgehen ist bei mir auch so ne Sache. Bekomm ich auch nicht hin. Die ganzen Gefühle und Emotionen stauen sich aber bald dann richtig an und das kann dauerhaft ganz schön belastend werden.
Das ist auch einer meiner größten Wünsche, mehr aus mir herausgehen zu können. Schwierig, schwierig

Aber genau sprech mal mit Deinem Therapeuten, ob vielleicht Medikamente doch gut sein könnten.
Ist doch schon echt ätzend, wenn es Dir ständig von hier auf gleich immer wieder schlechter geht und Du weißt nicht warum. Ganz schön anstrengend ist das auf Dauer.

Nagut dann bin ich ja beruhigt, dass ich Dich nicht zutexte mit der Musik. Gerade, weil manche "Metaller" eher allergisch reagieren, wenn man von Techno bum bum anfängt
Aber lass Dir erstmal Zeit, bevor Du mal die großen Bühnen stürmen willst Lerne erstmal Gitarre. Am besten immer eins nach dem anderen. Sonst wird es Dir unter Umständen womöglich zuviel und das wäre doch schade. Ich kenne das auch - ich würde auch am liebsten gleich von Null auf Hundert loslegen, was die Musik angeht. Aber dann merke ich doch die Einschränkung, dass ich noch garnicht dazu in der Lage bin.

Und schön, dass Du Dich hier wohlfühlst!!!

15.07.2012 18:32 • #14


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Ohja, schwierig ist das auf jeden Fall. Egal ob Freude oder Ärger, alles bleibt in einem und nagt. Es ist ja so das beides weh tut. Sowohl Ärger als auch Freude. Ich überlege gerade ob das vielleicht auch der Grund ist warum depressive Menschen einen anderen Blick für die Dinge haben und sich an viel kleineren Sachen erfreuen können asl die meisten normalen. Evtl ist es einfach die Sache mit dem Schmerz. Je grösser die Freude, desto grösser der innere Druck, desto grösser der Schmerz....doch vielleicht ist es einfach auch nur so weil es eben so ist Ich sollte manchmal wirklich mehr auf meine Freundin hören und aufhoren, allen Sachen auf den Grund gehen zu wollen.
Ich hoffe ja das mein Therapeut ein passendes Medikament auf pflanzlicher Basis kennt. Ich habe mir eigentlich gesagt das ich keine chemischen Sachen mehr nehme. Doch wenn es nicht anders gehen sollte muss ich wohl in den sauren Apfel beissen.
Um Himmels Willen. Techno??? Wie kannst du nur???????? Ach, jedem das seine. Es kann ja nicht jeder den gleichen Geschmack haben. Und davon mal abgesehen: Ab und an höre ich ja auch Electro. Ok, es ist natürlich kein Techno, doch teilweise kommen die neueren Sachen nahe an Techno ran.
Doch natürlich geht nichts über den guten alten Metal

15.07.2012 20:03 • #15


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Pandoras

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Da bin ich absolut Deiner Meinung.... ich habe auch das Gefühl dass ich gerade durch meine Erkrankung viele einfache Dinge sehr viel intensiver wahrnehme und eine ganz andere Denkweise habe wie halbwegs gesunde Menschen. Und gerade das finde ich das Interessante an dieser Krankheit.
Ich finde es faszinierend, das Ganze mal zu erörtern. Es ist ja auch eben gerade das Schöne, dass wir Betroffenen uns an den Kleinigkeiten so erfreuen können, die andere Menschen garnicht so wahrnehmen oder für die es selbstverständlich geworden ist.

Ja schau mal, was Dir Dein Therapeut empfiehlt!

Genau, Musik ist Geschmackssache. Wie gesagt, ich bin dem Metal absolut nicht abgeneigt und habe so einige Lieblingsbands gefunden. Aber ich denke eben auch, dass grade dort auch Toleranz wichtig ist. Und jeder Mensch ist da anders. Und ich finde eben diese Vielfalt in der Musik so toll Dass für jeden etwas dabei ist.
Stimmt natürlich, es gibt natürlich nix über gute handgemachte Musik

15.07.2012 21:17 • #16


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Ja, intensivere Wahrnehmung auf jeden Fall. Schade das es sich nicht nur auf die schönen Dinge beschränkt
Da gibt es eine Sache, die schon Jahre her ist, welche ich dennoch niemals vergessen werde. Zur Zeit meines letzten Klinikaufenthaltes habe ich vor dem Büro meiner Ärztin auf sie gewartet und dabei etwas aus dem Fenster geschaut. Ich muss dazu sagen das es Herbst war. Vor dem Fenster stand ein Baum. Da habe ich gesehen wie sich ein Blatt vom Baum gelöst hat und langsam zu Boden gezunken ist. Für mich hatte das sowas entgültiges. Sowas deprimierendes. Es hat mich komplett aus der Bahn geworfen und ich bin sofort zurück auf die Station gegangen. Im Nachhinein belächele ich diese Szene natürlich ein wenig. Doch kann ich mich noch sehr gut erinnern wie ich mich damals gefühlt habe. Und das wegen einem Blatt im Herbst
Doch natürlich gibt es da auch das andere Extrem. Ich habe letztes Jahr im Frühling die erste Hummel auf der Terrasse gesehen und war dann so euphorisch das ich meine Freundin "rausgeworfen" und Frühlingsputz gehalten habe
Schwierig wird es bei mir wenn es um neutrale Stimmungen geht. Wenn ich mit meiner Freundin zum Beispiel im Auto fahre und es wird sich seit einiger Zeit nicht unterhalten. Ich denke dann immer ich müsste was sagen, ansonsten könnte sie denken es wäre wieder irgend was mit mir. Oder noch schlimmer wenn ich Besuch habe. Ich fühle mich gezwungen meinen Besuch dann ununterbrochen zu beschäftigen oder zu unterhalten bis er wieder geht. Ansonsten wäre ich kein guter Gastgeber. (Und wenn der Besuch über ein ganzes Wochenende bleibt, kann das recht anstrengend sein )

16.07.2012 07:56 • #17


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Ohja, leider hast Du da recht dass auch die eher bedrückenden Dinge schonmal intensiver wahrgenommen werden. Das kenn ich auch, aber ich versuche stets, die schönen und positiven Eindrücke festzuhalten und auf mich wirken zu lassen.
Aber sehr interessante Geschichte die Du da beschreibst.

Hast Du denn damals in der Klinik darüber mit einem Arzt oder Therapeuten gesprochen? Wie Du in der Situation empfunden hast und wie Du Dich gefühlt hast?


Zitat:
Schwierig wird es bei mir wenn es um neutrale Stimmungen geht. Wenn ich mit meiner Freundin zum Beispiel im Auto fahre und es wird sich seit einiger Zeit nicht unterhalten. Ich denke dann immer ich müsste was sagen, ansonsten könnte sie denken es wäre wieder irgend was mit mir. Oder noch schlimmer wenn ich Besuch habe. Ich fühle mich gezwungen meinen Besuch dann ununterbrochen zu beschäftigen oder zu unterhalten bis er wieder geht.


Das kommt mir sehr bekannt vor. Sowas hab ich auch öfters, wenn ich mit jemandem im Auto sitze und das Gefühl bekomme, jetzt muss ich mal etwas sagen sonst denkt derjenige, irgendwas ist mit mir nicht in Ordnung. Aber da entwickelt sich ein enormer innerer Druck. Weil diese Stille mich verunsichert. Genauso wenn ich mit Leuten zusammensitze. Man versucht krampfhaft sich zu unterhalten und weiß nicht so recht worüber oder man wird sehr unsicher.

16.07.2012 09:43 • #18


Fjölnir

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Ich habe versucht ,dieses Erlebnis mit dem Blatt bei meiner Ärztin anzubringen. Allerdings war nur von Interesse wie es mit der Medikation weitergeht. Es war eben eine Akutklinik und keine therapeutische Einrichtung.

Ich finde es bei mir sehr sonderbar, das ich anderen, "nicht kranken" Menschen nicht einfach auch wie mich sehen kann. Ich weiss nicht ob das nun richtig ausgedrückt ist. Wenn ich im Auto sitze und es wird sich nicht unterhalten, finde ich es eigentlich meist nicht schlimm. Es ist gar manchmal sehr schön einfach aus dem Fenster zu schauen und seinen Gedanken nachzuhängen. Doch bei anderen fällt es mir schwer es ebenso zu sehen. Ich meine, die könnten ja auch anfangen zu reden Ähnlich ist es bei Besuchen. Wenn ich irgendwo anders zu Besuch bin denke ich auch ich muss mich mit meinen Gastgebern beschäftigen, da sie sonst denken könnten das es mir nicht bei denen gefällt. Egal ob mir schon oft Gegenteiliges gesagt wurde.
Ich denke es kommt von der generellen Verunsicherung und mangelndem Selbstbewusstsein. Wenn ich von mir und meinem Handeln überzeugt bin, habe ich es nicht nötig es irgend jemandem recht zu machen. Dann gehe ich einfach davon aus das er sich meldet wenn ihm irgend etwas nicht passt. Hach ja, es ist doch immer wieder schön zu sehen, wie gross die Unterschiede zwischen Theorie und Praxis sind In Gedanken ist alles so einfach. Doch die Umsetzung...eigentlich schon ein Phänomen. Wenn ich weiss wie ich eine Suppe koche, dann mache ich es doch auch einfach und tue mich nicht so schwer damit. Doch wehe es geht um das eigene Wohlergehen. Dann weiss man zwar wie es klappen müsste, doch es scheitert an der Praxis

16.07.2012 10:03 • #19


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Pandoras

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Das geht mir aber in vielen Dingen genauso.... indem ich mir so einige Dinge im Kopf vorstelle, wie ich es gerne hätte. Aber sobald es an die Umsetzung geht, wird es verdammt schwer. Im Kopf kann man sich alles so einfach zurechtlegen Dann denk ich auch manchmal, das kann doch alles nicht so schwer sein - eigentlich.

Achso, ich dachte erst, Du warst in einer normalen Klinik mit therapeutischem Ansatz. Gut, ok. In so einer Akutklinik ist klar, da geht es mehr um die Medikation etc.

16.07.2012 11:09 • #20


Fjölnir

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Ja. Das ist schon ein Elend mit der Theorie und der Praxis. Irgend wann werden wir es schon schaffen, die Theorie ebenso umzusetzen wie wir uns das vorstellen. Davon bin ich überzeugt!!! Und wenn wir es dann können, werden wir drüber lachen weil wir uns so lange Zeit so doof angestellt haben

16.07.2012 20:10 • #21


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Pandoras

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Jep! Aber das erfordert noch viel, viel Übung! Und Ausdauer Aber man kann es schaffen, denk ich. Indem wir eben immer weitermachen und wenn wir wieder "hinfallen", wieder aufstehen.
Vorallem mit professioneller Hilfe

18.07.2012 03:29 • #22


Fjölnir

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Hinfallen kann jeder ;-) Das Aufstehen ist die Kunst.
Ich merke das mir der Austausch hier gut tut und auch meine eigenen Erfahrungswerte, die dann für mich selbst zum Vorschein kommen ein kleines, beruhigendes Gefühl geben. Für sich selbst wendet man ja selten alle gesammelten Erfahrung an. Doch in der Hilfe anderer muss dann wohl doch ein wenig in der Trickkiste gekramt werden um die Methoden, die einem selbst geholfen haben, wieder zum Vorschein zu wühlen. Gerade was die Anfangszeit angeht. Das ist bei mir schon so lange her, und daher habe ich mich auch lange Zeit nicht mehr richtig mit Krisenintervention oder ähnlichem beschäftigt. Doch seit dem ich hier bei euch bin, habe ich den Staublappen rausgeholt und mache mal klar Schiff in der Rümpelkammer Psychologie

18.07.2012 09:43 • #23


Jan3103

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04.02.2019 21:27 • #24


rik4

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Hallo Jan3103,

willkommen im Forum. Es ist schonmal gut, dass du über dich selbst nachdenkst und auch erkannt hast, wo deine Probleme liegen. Dass du hier gelandet bist und über dich geschrieben hast, ist der erste Schritt, nicht mehr alles runterzuschlucken. Es mag Menschen geben, die mit der Strategie, alles mit sich selbst auszumachen, gut zurecht kommen. In deinem Fall ist das anscheinend nicht so, was aber überhaupt nicht schlimm ist. So geht es es sehr vielen. Ich verstehe deine Schilderungen so, dass du entweder sehr melancholisch wirst oder aber sehr impulsiv reagierst, entweder gegen andere oder dich selbst. Die Melancholie ist die nach innen gekehrte, die Impulsivität die nach außen gekehrte Reaktion auf dein seelisches Ungleichgewicht.
Kannst du dir vorstellen, bestimmte Dinge mit deinen Eltern zu besprechen?
Oder gibt es jemandem in deinem Umfeld, bei dem du dir vorstellen könntest, ihm etwas anzuvertrauen?
Gehst du noch zur Schule oder was machst du sonst so?

Grüße.

05.02.2019 06:22 • x 1 #25


Jan3103

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Zitat von rik4:
Hallo Jan3103,

willkommen im Forum. Es ist schonmal gut, dass du über dich selbst nachdenkst und auch erkannt hast, wo deine Probleme liegen. Dass du hier gelandet bist und über dich geschrieben hast, ist der erste Schritt, nicht mehr alles runterzuschlucken. Es mag Menschen geben, die mit der Strategie, alles mit sich selbst auszumachen, gut zurecht kommen. In deinem Fall ist das anscheinend nicht so, was aber überhaupt nicht schlimm ist. So geht es es sehr vielen. Ich verstehe deine Schilderungen so, dass du entweder sehr melancholisch wirst oder aber sehr impulsiv reagierst, entweder gegen andere oder dich selbst. Die Melancholie ist die nach innen gekehrte, die Impulsivität die nach außen gekehrte Reaktion auf dein seelisches Ungleichgewicht.
Kannst du dir vorstellen, bestimmte Dinge mit deinen Eltern zu besprechen?
Oder gibt es jemandem in deinem Umfeld, bei dem du dir vorstellen könntest, ihm etwas anzuvertrauen?
Gehst du noch zur Schule oder was machst du sonst so?

Grüße.

Hallo rik4,
Danke für deine Antwort, hat mich sehr gefreut
Ja, ich gehe noch zur Schule und schreibe im Mai Abitur. Wie breits geschrieben, traue ich meinen Freunden nicht so sehr, zumindest nicht genug, um ihnen so etwas Ernstes anzuvertrauen. Meine Eltern würden es nur als "eine Phase" abstempeln, wenn ich mit ihnen reden würde. Deswegen bin ich auch hier, um mal mit jemamden darüber zu reden und es nicht naiv zu verneinen und zu ignorieren.

Grüße,
Jan

05.02.2019 13:31 • #26

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