Stimmungsschwankungen bei Depressionen wie verhindern

Pandoras

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Da bin ich absolut Deiner Meinung.... ich habe auch das Gefühl dass ich gerade durch meine Erkrankung viele einfache Dinge sehr viel intensiver wahrnehme und eine ganz andere Denkweise habe wie halbwegs gesunde Menschen. Und gerade das finde ich das Interessante an dieser Krankheit.
Ich finde es faszinierend, das Ganze mal zu erörtern. Es ist ja auch eben gerade das Schöne, dass wir Betroffenen uns an den Kleinigkeiten so erfreuen können, die andere Menschen garnicht so wahrnehmen oder für die es selbstverständlich geworden ist.

Ja schau mal, was Dir Dein Therapeut empfiehlt!

Genau, Musik ist Geschmackssache. Wie gesagt, ich bin dem Metal absolut nicht abgeneigt und habe so einige Lieblingsbands gefunden. Aber ich denke eben auch, dass grade dort auch Toleranz wichtig ist. Und jeder Mensch ist da anders. Und ich finde eben diese Vielfalt in der Musik so toll Dass für jeden etwas dabei ist.
Stimmt natürlich, es gibt natürlich nix über gute handgemachte Musik

15.07.2012 20:17 • #16


Fjölnir

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Ja, intensivere Wahrnehmung auf jeden Fall. Schade das es sich nicht nur auf die schönen Dinge beschränkt
Da gibt es eine Sache, die schon Jahre her ist, welche ich dennoch niemals vergessen werde. Zur Zeit meines letzten Klinikaufenthaltes habe ich vor dem Büro meiner Ärztin auf sie gewartet und dabei etwas aus dem Fenster geschaut. Ich muss dazu sagen das es Herbst war. Vor dem Fenster stand ein Baum. Da habe ich gesehen wie sich ein Blatt vom Baum gelöst hat und langsam zu Boden gezunken ist. Für mich hatte das sowas entgültiges. Sowas deprimierendes. Es hat mich komplett aus der Bahn geworfen und ich bin sofort zurück auf die Station gegangen. Im Nachhinein belächele ich diese Szene natürlich ein wenig. Doch kann ich mich noch sehr gut erinnern wie ich mich damals gefühlt habe. Und das wegen einem Blatt im Herbst
Doch natürlich gibt es da auch das andere Extrem. Ich habe letztes Jahr im Frühling die erste Hummel auf der Terrasse gesehen und war dann so euphorisch das ich meine Freundin "rausgeworfen" und Frühlingsputz gehalten habe
Schwierig wird es bei mir wenn es um neutrale Stimmungen geht. Wenn ich mit meiner Freundin zum Beispiel im Auto fahre und es wird sich seit einiger Zeit nicht unterhalten. Ich denke dann immer ich müsste was sagen, ansonsten könnte sie denken es wäre wieder irgend was mit mir. Oder noch schlimmer wenn ich Besuch habe. Ich fühle mich gezwungen meinen Besuch dann ununterbrochen zu beschäftigen oder zu unterhalten bis er wieder geht. Ansonsten wäre ich kein guter Gastgeber. (Und wenn der Besuch über ein ganzes Wochenende bleibt, kann das recht anstrengend sein )

16.07.2012 06:56 • #17


Pandoras

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Ohja, leider hast Du da recht dass auch die eher bedrückenden Dinge schonmal intensiver wahrgenommen werden. Das kenn ich auch, aber ich versuche stets, die schönen und positiven Eindrücke festzuhalten und auf mich wirken zu lassen.
Aber sehr interessante Geschichte die Du da beschreibst.

Hast Du denn damals in der Klinik darüber mit einem Arzt oder Therapeuten gesprochen? Wie Du in der Situation empfunden hast und wie Du Dich gefühlt hast?


Zitat:
Schwierig wird es bei mir wenn es um neutrale Stimmungen geht. Wenn ich mit meiner Freundin zum Beispiel im Auto fahre und es wird sich seit einiger Zeit nicht unterhalten. Ich denke dann immer ich müsste was sagen, ansonsten könnte sie denken es wäre wieder irgend was mit mir. Oder noch schlimmer wenn ich Besuch habe. Ich fühle mich gezwungen meinen Besuch dann ununterbrochen zu beschäftigen oder zu unterhalten bis er wieder geht.


Das kommt mir sehr bekannt vor. Sowas hab ich auch öfters, wenn ich mit jemandem im Auto sitze und das Gefühl bekomme, jetzt muss ich mal etwas sagen sonst denkt derjenige, irgendwas ist mit mir nicht in Ordnung. Aber da entwickelt sich ein enormer innerer Druck. Weil diese Stille mich verunsichert. Genauso wenn ich mit Leuten zusammensitze. Man versucht krampfhaft sich zu unterhalten und weiß nicht so recht worüber oder man wird sehr unsicher.

16.07.2012 08:43 • #18


Fjölnir

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Ich habe versucht ,dieses Erlebnis mit dem Blatt bei meiner Ärztin anzubringen. Allerdings war nur von Interesse wie es mit der Medikation weitergeht. Es war eben eine Akutklinik und keine therapeutische Einrichtung.

Ich finde es bei mir sehr sonderbar, das ich anderen, "nicht kranken" Menschen nicht einfach auch wie mich sehen kann. Ich weiss nicht ob das nun richtig ausgedrückt ist. Wenn ich im Auto sitze und es wird sich nicht unterhalten, finde ich es eigentlich meist nicht schlimm. Es ist gar manchmal sehr schön einfach aus dem Fenster zu schauen und seinen Gedanken nachzuhängen. Doch bei anderen fällt es mir schwer es ebenso zu sehen. Ich meine, die könnten ja auch anfangen zu reden Ähnlich ist es bei Besuchen. Wenn ich irgendwo anders zu Besuch bin denke ich auch ich muss mich mit meinen Gastgebern beschäftigen, da sie sonst denken könnten das es mir nicht bei denen gefällt. Egal ob mir schon oft Gegenteiliges gesagt wurde.
Ich denke es kommt von der generellen Verunsicherung und mangelndem Selbstbewusstsein. Wenn ich von mir und meinem Handeln überzeugt bin, habe ich es nicht nötig es irgend jemandem recht zu machen. Dann gehe ich einfach davon aus das er sich meldet wenn ihm irgend etwas nicht passt. Hach ja, es ist doch immer wieder schön zu sehen, wie gross die Unterschiede zwischen Theorie und Praxis sind In Gedanken ist alles so einfach. Doch die Umsetzung...eigentlich schon ein Phänomen. Wenn ich weiss wie ich eine Suppe koche, dann mache ich es doch auch einfach und tue mich nicht so schwer damit. Doch wehe es geht um das eigene Wohlergehen. Dann weiss man zwar wie es klappen müsste, doch es scheitert an der Praxis

16.07.2012 09:03 • #19


Pandoras

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Das geht mir aber in vielen Dingen genauso.... indem ich mir so einige Dinge im Kopf vorstelle, wie ich es gerne hätte. Aber sobald es an die Umsetzung geht, wird es verdammt schwer. Im Kopf kann man sich alles so einfach zurechtlegen Dann denk ich auch manchmal, das kann doch alles nicht so schwer sein - eigentlich.

Achso, ich dachte erst, Du warst in einer normalen Klinik mit therapeutischem Ansatz. Gut, ok. In so einer Akutklinik ist klar, da geht es mehr um die Medikation etc.

16.07.2012 10:09 • #20


Fjölnir

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Ja. Das ist schon ein Elend mit der Theorie und der Praxis. Irgend wann werden wir es schon schaffen, die Theorie ebenso umzusetzen wie wir uns das vorstellen. Davon bin ich überzeugt!!! Und wenn wir es dann können, werden wir drüber lachen weil wir uns so lange Zeit so doof angestellt haben

16.07.2012 19:10 • #21


Pandoras

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Jep! Aber das erfordert noch viel, viel Übung! Und Ausdauer Aber man kann es schaffen, denk ich. Indem wir eben immer weitermachen und wenn wir wieder "hinfallen", wieder aufstehen.
Vorallem mit professioneller Hilfe

18.07.2012 02:29 • #22


Fjölnir

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Hinfallen kann jeder ;-) Das Aufstehen ist die Kunst.
Ich merke das mir der Austausch hier gut tut und auch meine eigenen Erfahrungswerte, die dann für mich selbst zum Vorschein kommen ein kleines, beruhigendes Gefühl geben. Für sich selbst wendet man ja selten alle gesammelten Erfahrung an. Doch in der Hilfe anderer muss dann wohl doch ein wenig in der Trickkiste gekramt werden um die Methoden, die einem selbst geholfen haben, wieder zum Vorschein zu wühlen. Gerade was die Anfangszeit angeht. Das ist bei mir schon so lange her, und daher habe ich mich auch lange Zeit nicht mehr richtig mit Krisenintervention oder ähnlichem beschäftigt. Doch seit dem ich hier bei euch bin, habe ich den Staublappen rausgeholt und mache mal klar Schiff in der Rümpelkammer Psychologie

18.07.2012 08:43 • #23


Jan3103

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Depressionen mit Stimmungsschwankungen und Kummer

Hallo,
Mein Name ist Jan ich bin m/17 und hoffe hier ein paar Antworten zu finden
Ich dachte mir es reicht jetzt mit dem "Runterschlucken" und ignorieren und ich sollte mal Hilfe suchen.

Angefangen bei Kummer:
Ich bin oft sehr traurig oder melancholisch mit Gedanken wie: "Was bin ich bloß für ein Versager. " oder "An mir ist rein garnichts besonders noch bin ich wichtig für die Gesellschaft". Nein, ich bin nicht einsam und habe einen Freundeskreis und bin im Jugesellenverein von meinem Dorf aktiv. Jedoch bei meinen Freunden fühlt es sich nicht so richtig an: Ich fphle mich als ob ich nicht dazugehören würde und es stimmt, dass sie mich teils aktiv auslassen (z.B. nicht in die WA-Gruppe schreiben, aber trotzdem was unternehmen ohne mich, was ich durch Snapchat zusammensetzen konnte). Im Verein bin ich zwar ich sag mal beliebt, fühle mich da aber ähnlich wie bei meinen Freunden (meistens wenn ich Alk. trinke werde ich stark melancholisch und verlasse daher Feste früher um die Stimmung nicht zu zerstören). Körperlich bin auch nicht sehr fit und bin "pummelig", bemühe mich aber dies zu ändern. Trotzdem nagt so etwas stark an mir. Zudem bin ich bei Frauen nicht sehr erfolgreich und hatte noch nie eine enge und intime Beziehung, versuche jedoch auch nicht mehr eine aufzubauen, da es eh nicht klappt. Meine Eltern helfen bei alldem auch nicht, da ich auch nichts erzähle. Ich "schlucke" generell alles schlechte was passiert "runter" und lasse nichts nach außen. Problem ist halt wenn es nach Außen kommt, bin ich komplett aus dem Häuschen und schlage z.b. zu stark zu in einer Streiterei, die harmlos war oder heule zu stark. Dieses "Runterschlucken" ist auch glaube ich ein sehr großes Problem.


Stimmungsschwankungen:
Habe oft solche, wo ich von eigentlich guter Laune auf sehr schlechte komme und diese dann auch beibehalte.

"Psycho-Momente"
Diese sind wirklich das, was ich damit ausdrücken möchte. Ich schlage mich selbst auf den Kopf mit der Faust oder mit Gegenständen bis es höllisch wehtut, weil etwas nicht klappt. Diese "nicht-klappt-Sachen" reichen von Schule bis hin zu einem Fehler in einer App auf dem Smartphone, der nervig ist. Bei diesen Momenten bin ich praktisch unkontrollierbar und so passiert es, dass häufig etwas kaputt geht was nicht kaputt gehen sollte. Ich bin praktisch wie weggetreten für einen kurzen Augenblick. Nach solchen Momenten bereue ich meine "Taten" dann meist für ein paar Tage oder auch nur stunden. Ein weiterer "Psychomoment" ist erst seit kurzem da: Als etwas mal wieder nicht geklappt hat (Diesmal in einem Spiel) war ich für ein paar Minuten wie auf Standby geschaltet und habe schief auf meinem Stuhl gesessen und auf irgendeinen Punkt gestarrt bis ich mich wieder "beruhigt" habe.

So das waren meine Hauptprobleme, hoffe, dass jemand antwortet und mir helfen kann. Falls ich noch mehr Details bezüglich des "Runterschluckens" oder der Freunde etc. geben soll, sagt bescheid.

04.02.2019 20:27 • #24


rik4

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Hallo Jan3103,

willkommen im Forum. Es ist schonmal gut, dass du über dich selbst nachdenkst und auch erkannt hast, wo deine Probleme liegen. Dass du hier gelandet bist und über dich geschrieben hast, ist der erste Schritt, nicht mehr alles runterzuschlucken. Es mag Menschen geben, die mit der Strategie, alles mit sich selbst auszumachen, gut zurecht kommen. In deinem Fall ist das anscheinend nicht so, was aber überhaupt nicht schlimm ist. So geht es es sehr vielen. Ich verstehe deine Schilderungen so, dass du entweder sehr melancholisch wirst oder aber sehr impulsiv reagierst, entweder gegen andere oder dich selbst. Die Melancholie ist die nach innen gekehrte, die Impulsivität die nach außen gekehrte Reaktion auf dein seelisches Ungleichgewicht.
Kannst du dir vorstellen, bestimmte Dinge mit deinen Eltern zu besprechen?
Oder gibt es jemandem in deinem Umfeld, bei dem du dir vorstellen könntest, ihm etwas anzuvertrauen?
Gehst du noch zur Schule oder was machst du sonst so?

Grüße.

05.02.2019 05:22 • x 1 #25


Jan3103

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Zitat von rik4:
Hallo Jan3103,

willkommen im Forum. Es ist schonmal gut, dass du über dich selbst nachdenkst und auch erkannt hast, wo deine Probleme liegen. Dass du hier gelandet bist und über dich geschrieben hast, ist der erste Schritt, nicht mehr alles runterzuschlucken. Es mag Menschen geben, die mit der Strategie, alles mit sich selbst auszumachen, gut zurecht kommen. In deinem Fall ist das anscheinend nicht so, was aber überhaupt nicht schlimm ist. So geht es es sehr vielen. Ich verstehe deine Schilderungen so, dass du entweder sehr melancholisch wirst oder aber sehr impulsiv reagierst, entweder gegen andere oder dich selbst. Die Melancholie ist die nach innen gekehrte, die Impulsivität die nach außen gekehrte Reaktion auf dein seelisches Ungleichgewicht.
Kannst du dir vorstellen, bestimmte Dinge mit deinen Eltern zu besprechen?
Oder gibt es jemandem in deinem Umfeld, bei dem du dir vorstellen könntest, ihm etwas anzuvertrauen?
Gehst du noch zur Schule oder was machst du sonst so?

Grüße.

Hallo rik4,
Danke für deine Antwort, hat mich sehr gefreut
Ja, ich gehe noch zur Schule und schreibe im Mai Abitur. Wie breits geschrieben, traue ich meinen Freunden nicht so sehr, zumindest nicht genug, um ihnen so etwas Ernstes anzuvertrauen. Meine Eltern würden es nur als "eine Phase" abstempeln, wenn ich mit ihnen reden würde. Deswegen bin ich auch hier, um mal mit jemamden darüber zu reden und es nicht naiv zu verneinen und zu ignorieren.

Grüße,
Jan

05.02.2019 12:31 • #26




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