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Sozialöe Phobie

Uriel

Uriel

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Hallo, ich bin neu hier und interessiere mich besonders für die Soziale Phobie.

Schon als Kind und Jugendlicher durfte mich niemand anfassen. Händeschütteln z.B. gab es überhaupt nicht. Sogar meine Eltern durften mich nicht anfassen. Ich hatte immer Fluchtreflexe, Schweißausbrüche und zittern.

Seit 20 Jahre lebe ich praktisch von der realen Welt isoliert. Ich gehe nur nachts mit dem Hund raus, da ich da keinen Menschen treffe. Ich lasse mir alles liefern: Die Boten stellen die Sachen vor der Tür ab und ich hole sie mir dann in die Wohnung.

Seit 3 Jahren werde ich allerdings von einem Pflegedienst (Pflegegrad 3) betreut. Da muss ich mich anfassen lassen, z.B. zum Waschen. Es ist eine Tortur für mich. Es gibt zwei Pfleger, die mich lustigerweise anfassen dürfen. Ich habe keine Probleme bei den beiden. Ich habe gemerkt, dass ich bei Männern kaum bis keine Probleme habe, sofern sie einige Male bei mir waren und ich sie ein wenig kennenlernen durfte, aber Frauen dürfen nicht näher als 1 m kommen, dann mache ich einen Rückzug.

Ich sage den Jungs, dass ich da gewisse Probleme habe und dann wird vorsichtig geübt, bis es funktioniert.

Mich würde mal interessieren, ob es noch mehr Menschen mit einer derart extremen sozialen Phobie gibt und ob es normal ist, dass man bei bestimmten Menschen weniger Probleme hat und bei anderen nur noch Abstand hilfreich ist.

29.03.2022 06:12 • x 5 #1


Anchiwa4964

Hallo @Uriel ,
herzlich willkommen im Forum! Du hast sehr offen von dir berichtet. Ist es dir schwergefallen?
Ich stelle mir vor, dass du im Forum mit deiner Thematik gut aufgehoben bist, denn hier hast du zwar reale Kontakte, aber kein direktes Gegenüber und Miteinander. Finde ich hilfreich.
Viele Grüße von Anchiwa

29.03.2022 08:39 • x 2 #2



Hallo Uriel,

Sozialöe Phobie

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Uriel

Uriel

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Du hast Recht, es ist mir nicht leicht gefallen. Aber durch den Pflegedienst muss ich mich daran gewöhnen. Irgendwann werde ich mal bettlägrig sein und dann müssen mich die Pflegekräfte anfassen und drehen oder waschen oder anderes treiben.

Heute z.B. war ich nach 10 Jahren das erste Mal auf mich alleine gestellt. Ich musste zum Ultraschall, da ich einen Kapselriss im Daumen habe. Der Pflegedienst, der mich sons bringt und abholt hat gerade Personalmangel.

Ich musste selbständig mich waschen, anziehen, die Uhrzeit beachten, pünktlich loslaufen. Da ich keine öffentlichen Verkehrsmittel benutze (zu viele Menschen), bin ich eine dreiviertel Stunde gelaufen. Mit Navi, sonst hätte ich mich verlaufen, wie immer. Bei der Therapie gibt es keinen Körperkontakt. Man nimmt sich dieses Schall-Ding selber und bedient es auch selber.

Ich bin davon überzeugt, dass ich hier Tipps bekommen kann. Ich freue mich, dass ich das Forum gefunden habe auf der Suche nach Hilfe.

Ich bin bipolar, habe Psychosen und diese dämliche soziale Phobie, die bei mir schon üble Formen angenommen hat. Ich habe den Pflegegrad 3. Daher hätte ich mir auch einen Krankentransport bestellen können, aber es war zu kurzfristig.

29.03.2022 12:37 • #3


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Ralf_Refokus

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@Uriel Hallo Uriel,
also erstmal herzlich willkommen hier und ich finde es super, dass du so offen berichtest, gerade wenn es dir nicht leicht fällt!

Ich bin nicht selbst von Sozialer Phobie betroffen, aber ich kenne durchaus ein paar Leute, denen es auch so geht. Zum Beispiel hatte ich vor ein paar Monaten online Kontakt zu einer Frau, die mir ähnliches berichtet hat.
Bei ihr ist es so, dass sie die physische Nähe anderer Menschen gar nicht ertragen kann - offenbar gibt es bei ihr derzeit auch keine Ausnahmen. Bei ihrer Arbeit muss sie zwar ab und zu auch mal Kontakt zu anderen haben (allerdings niemals berühren), aber da setzt sie eine Maske auf und tut so, als sei alles ok, obwohl sie in dem Moment leidet.
Sie meinte, dass die ganze Isolierung bzgl. Corona die letzten zwei Jahre für sie ein Segen war, weil sie dann praktisch alles online machen konnte. Bei einem Kontakt z.B. per Videochat hat sie kein Problem. So lange niemand körperlich da ist, geht es bei ihr.

Was ich auch toll finde bei dir ist, dass du es nun trotzdem schaffst, ausgewählte Menschen an dich ran zu lassen. Das war / ist sicherlich auch nicht leicht, kann ich mir vorstellen. Und auch die Situation jetzt, als du auf dich alleine gestellt warst und es gemeistert hast, finde ich stark.

Zu deiner Frage, ob es normal ist, dass man mit manchen weniger Probleme hat: wie gesagt habe ich keine Soziale Phobie. Aber auch bei mir ist es definitiv so, dass ich bei einigen Menschen die Nähe angenehm finde, während ich die Nähe bei anderen nicht möchte bzw. mich in manchen Fällen auch mal abgestossen fühle und die auch nicht nah an mich heranlasse.
Insofern kann ich das sehr gut nachvollziehen, was du beschreibst, dass das bei dir mit manchen Menschen nach einem kennenlernen geht und bei anderen nicht. Ich würde sagen, dass das völlig normal ist, dass es da Unterschiede gibt.

viele Grüße,
Ralf

29.03.2022 14:14 • x 1 #4


Uriel

Uriel

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Vielen Dank, das hilft mir weiter.
Gerade diese Anfasserei, durch Corona ist das Händeschütteln erst mal vorbei, ist sehr schwierig für mich. Es dauert auch eine ganze Weile bis es funktioniert. Zum Glück schickt mir der Pflegedienst, wenn möglich, immer dieselben Pfleger.

Ich mache seit vielen Jahren alles online. Lebensmittel von Rewe, und was ich sonst so brauche von Amazon.

Die Paketboten kennen mich jetzt und stellen die Pakete automatisch vor meine Tür, kurzes Klingeln und ich weiß, dass da was angekommen ist.

29.03.2022 14:58 • x 1 #5


Uriel

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Irgendwie meint es das Leben gut mit mir.
Ich hatte heute einen Terminn zur Ultraschall-Therapie. Normalerweise kommt jemand vom Pflegedienst, wäscht mich und zieht mich sauber an. Dann werde ich zum Termin gebracht und anschließend wieder abgeholt.

Durch einen hohen Krankenstand konnte mir heute keiner helfen. Ich war auf mich selbst gestellt. Ich musste mich selbständig waschen und anziehen und auf die Uhrzeit achten. Da ich alles laufe, musste ich eine dreiviertel Stunde für den Weg rechnen.
Mit dem Navi habe ich die Praxis gut gefunden. Ess ging alles bestens in Ordnung. Keine Probleme.

Bei der Ultraschall Therapie gibt es keinen Kontakt zur Arzthelferin. Ich nehme mir selber den Schallkopf und sie stellt nur noch den Timer ein. Wobei ich sie fragte, ob ich auch den Timer selber einstellen kann und darf. Da sie eine Frau ist, habe ich schon Panik, wenn sie in die Kabine kommt. Sie hat mir das gezeigt und nun kann ich selber in die Kabine und meine Ultraschall Behandlung durchführen. Zum Glück fand sie das nicht so schlimm, nachdem ich ihr von meiner sozialen Phobie erzählt habe. Anscheinend sind bei dem Orthopäden noch mehr Patienten mit diesem Problem.

Mit meinem Pflegegrad hätte ich eigentlich Anspruch auf einen Krankentransport, nur war das jetzt zu kurzfristig. Kann ich auch verstehen. Die Krankentransporte sollten ungefähr 1 Woche vorher bestellt werden.
Ich habe alles überlebt, obwohl ich jetzt nach 10 Jahren alles sebständig erledigen musste. 10 Jahre lang war ich 100% auf fremde Menschen angewiesen. Und nun versuche ich auszubrechen. Aber es ist enorm anstrengend. Heute nacht werde ich mit meinem Goldie einen schönen Spaziergang machen. Gegen 3 Uhr, da werden die Bäckereien beliefert und mein Kleiner bekommt immer irgendetwas ab. Zerbrochene Teile bekommt er. Die können sowieso nicht verkauft werden.

Eigentlich sollte ich versuchen das auszubauen. Vielleicht kann ich dann mal ein selbstbestimmtes Leben führen

29.03.2022 16:33 • x 2 #6


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Ralf_Refokus

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Zitat von Uriel:
Zum Glück fand sie das nicht so schlimm, nachdem ich ihr von meiner sozialen Phobie erzählt habe. Anscheinend sind bei dem Orthopäden noch mehr Patienten mit diesem Problem.


Sehr gut! Aus meiner Erfahrung ist es immer gut, offen mit so etwas umzugehen (mit den eigenen Ängsten, Unsicherheiten u.s.w.), das entlastet und oft bekommt man viel mehr Verständnis als man erwartet hatte.
Das hab ich für mich vor ein paar Jahren auch erfahren.

Zitat von Uriel:
Und nun versuche ich auszubrechen. Aber es ist enorm anstrengend.

Das kann ich gut verstehen! Aus den eigenen Grenzen, Ängsten und Gewohnheiten auszubrechen ist sehr anstrengend. Aber es ist der Preis für ein besseres Leben und aus meiner Erfahrung lohnt es sich - vor allem, weil es mit der Zeit dann normal wird so zu handeln und dann immer leichter geht und immer weniger anstrengend ist. Aber erstmal ist es natürlich echt anstrengend, und vielleicht gelingt es auch nicht jedes Mal, sich zu überwinden. Aber das ist auch ok.

Zitat von Uriel:
Heute nacht werde ich mit meinem Goldie einen schönen Spaziergang machen. Gegen 3 Uhr, da werden die Bäckereien beliefert und mein Kleiner bekommt immer irgendetwas ab.

Das klingt sehr schön dafür wünsche ich euch schon mal viel Freude.

Zitat von Uriel:
Eigentlich sollte ich versuchen das auszubauen. Vielleicht kann ich dann mal ein selbstbestimmtes Leben führen

Für mich hört sich das nach einem guten Ziel an, für das es sich lohnt das unbedingt zu versuchen auszubauen. Immer wieder ein kleiner Schritt. Eine kleine Überwindung. Es muss gar nicht viel auf einmal sein. Es kann auch einfach immer wieder sein, sich ein klein wenig aus dem gewohnten heraus zu bewegen und sich auch über kleine Erfolge zu freuen.
Heute hast du mit diesem eigenständigen Orthopäden-Termin aber echt einen großen Schritt gemacht und darfst sehr stolz drauf sein

29.03.2022 16:59 • x 2 #7


Uriel

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@Ralf_Refokus Ich werde erst am Freitag wieder zur Therapie gehen. Mal sehen, ob es noch einmal klappt. Zwei Tage Ruhe zwischendurch

29.03.2022 18:29 • x 2 #8



Hallo Uriel,

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Ralf_Refokus

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@Uriel Ruhe zwischendurch ist auch gut

29.03.2022 21:04 • x 2 #9

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