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Soziale Phobie - Keine Akzteptanz von Familie

Wolke15

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Hallo,

ich bin 15 Jahre alt und leide höchstwarscheinlich an einer Sozialen Phobie und vielleicht an Depressionen. Das Problem ist, dass meine Eltern bzw. meine Mutter mir sozusagen verboten hat zu einer Therapie zu gehen weil sie selbst der Meinung ist das dies nichts bringt. Sie denkt, dass sie es auch alleine schafft mich von meinen Ängsten zu befreien. Ich muss dieses Problem jetzt irgendjemanden erzählen und hoffe das mir vielleicht jemand Tipps oder Ratschläge geben kann was ich jetzt tun könnte oder einfach nur zuhört.

Ich gehe mal zum Anfang zurück. Ich war schon immer eher der schüchterne Typ der nie viel geredet hat und Aufmerksamkeit von anderen gehasst hat und wenn er doch eine bekommen hat sofort rot geworden ist und zu schwitzen angefangen hat. Jedoch ist dies ca. ab der 5ten Klasse immer schlimmer geworden (in dieser Zeit hat auch das mit den Selbstmordgedanken und der Selbstverletzung angefangen). Momentan (10te Klasse) ist es jetzt so schlimm das ich nichts mehr machen kann. Ich traue mich nicht mehr essen oder spazieren zu gehen, einkaufen in der Stadt und/oder in der Schule ist es der Horror für mich. Auch habe ich deshalb öfters Panikattacken oder Nervenzusammenbrüche. Ich habe meine Berufswahl mehr oder weniger davon abhängig gemacht wo die Berufsschule ist und das ich so wenig Kontakt mit Menschen habe wie möglich.

Vor kurzem war ich dann ein paar Tage im Krankenhaus (wegen etwas anderem) und dort hat mir mein behandelnder- und Hausarzt empfohlen eine Therapeutin, da ich immer Ewigkeiten brauche um einzuschlafen und mir über alles und jeden viel zu viele Gedanken mache, aufzusuchen. Meine Mutter war jedoch nicht so begeistert davon aber zum Glück hat mein Arzt so viel Druck gemacht bis sie "ja" gesagt hat. Bis jetzt war ich 2mal bei einer Probestunde und heute hat meine Mutter gesagt das sie es mir "verbietet" zu einem Therapeuten zu gehen. Ich habe ihr schon so oft gesagt das ich dort hin will und das ich weiß das wir das alleine nicht hin kriegen aber sie hört einfach nicht zu.

Ich bin ratlos und weiß nicht mehr was ich tun soll um sie zu überreden. Wahrscheinlich muss ich erst versuchen mich umzubringen damit sie irgendetwas unternimmt.

24.03.2019 19:36 • #1


CeHaEn

CeHaEn

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Moin Wolke,

ganz kurz gesagt: Ruf deine Therapeutin an, mach einen Termin und geh dann hin (denk vorsichtshalber an deine Versichertenkarte). Erkundige dich am Telefon auch ruhig noch einmal darüber, ob das Einverständnis deiner Mutter überhaupt nötig ist. Grundsätzlich dürftest du in deinem Alter bereits freie Arztwahl haben und sofern du einsichts-/einwilligungsfähig bist (kann man in deinem Alter durchaus erwarten), dann ist die Zustimmung deiner Mutter auch nicht mehr so wichtig.

Und falls ich jetzt Mist geschrieben habe, wird mich hoffentlich jemand mit mehr Ahnung korrigieren.

26.03.2019 00:32 • x 1 #2


Wolke15


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Hi CeHaEn,

erst einmal vielen dank das du geantwortet hast.
zu deinem Lösungsvorschlag: das ist ziemlich schwierig. da ich noch nicht volljährig bin, habe ich keinen Führerschein (weder Auto noch Mofa oder ähnliches) und weiß nicht wie ich zu der Therapeutin kommen soll.
Außerdem hat diese auch gesagt, dass ich noch keine Therapie machen soll da ich dieses Jahr das Arbeiten anfange und sonnst in der Bewerbung oder meiner Krankenversicherung oder so steht das ich in Therapie bin und es mir, Zitat von meiner Mutter, "vieles im Leben verbauen wird" wenn mein Arbeitgeber es wüsste ('aber die soziale Phobie verbaut mir natürlich nichts:/'). Also ist sozusagen jeder sogar auch "meine" Therapeutin dagegen das ich eine Therapie mache.

Ich habe mal eine andere Frage hast du (oder jemand anders der das liest) Erfahrungen über Beratungsstellen für Kinder bzw. Jugendliche? Die Therapeutin hat mir vorgeschlagen dort hin zu gehen aber ich stelle mir das ganz schlimm vor und kann mir aber auch gleichzeitig nichts darunter vorstellen.

06.04.2019 12:01 • #3


CeHaEn

CeHaEn

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Hallo Wolke,

wenn der Weg auch mit ÖPNV oder Fahrrad zu weit/zu zeitaufwändig ist, dann könntest du dir allenfalls noch eine andere Adresse suchen.

Deine Mutter und deine Therapeutin haben insofern Recht, als dass es ein sehr kniffliges Thema in beruflicher Hinsicht ist. Einerseits gibt es rechtliche Fallstricke ("unter welchen Umständen muss ich wieviel preisgeben?"), andererseits spielt die Ansicht deines möglichen Arbeitgebers eine große Rolle und da wirkt sowas häufig abschreckend.
Mir ist allerdings nicht klar, weshalb eine etwaige Therapie für deinen Arbeitgeber ersichtlich sein sollte, solange du selbst nichts davon erzählst.

Es ist auch schwierig, dir eine Herangehensweise vorzuschlagen. Du kannst zunächst deine Ausbildung beginnen und abwarten, ob dir das neue Umfeld sogar gut tut. Ohne Diagnose hast du ja offiziell nichts, was du überhaupt offenbaren könntest.
Du kannst dir aber auch nach deinem Schulabschluss Zeit für dich nehmen, falls nötig eine Therapie machen und hinterher in Saft und Kraft auf Stellensuche gehen. So wie du deine Lehrstellenwahl beschrieben hast, scheinen deine Probleme einen durchaus bedenklichen Einfluss darauf gehabt zu haben.
Ob das jeweils so gut funktioniert wie angedacht, kann man leider nicht vorhersagen und das erschwert die Entscheidung.

Bei einer Beratungsstelle war ich nie. Inwiefern stellst du sie dir "schlimm" vor?

06.04.2019 13:45 • x 1 #4


Wolke15


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Hallo CeHaEn,

Leider hat dies nicht nur Einfluss auf mein berufliches Leben sondern auch überall anders. Z. B. in der Schule, ich bin auch früher Inliner gefahren, habe in einer Tanzgruppen getanzt und bin Einrad gefahren was ich alles nicht mehr mache(/n kann).

Ich versuche auch mehr draußen zu machen zum Beispiel mit Freunden treffen oder einfach nur spazieren zu gehen. An manchen Tagen klappt es und an den anderen bekomme ich regelrecht Panikattacken. (habe auch körperliche "Beschwerden" die es mir nicht wirklich leichter machen unter Menschen zu gehen) Aber meine Mutter ist immer noch der Meinung das ich/wir das selbst hinbekommen werden. (sie hat auch beruhigungstropfen, Anxiovita, bestellt) Sie sagt auch immer das jeder Aufgeregt vor Situationen ist und zurzeit hat sie mich so weit bearbeitet, dass ich ihr wirklich glaube, dass ich nichts habe. Oder dramatisiere ich das alles nur unnötig? Ich weiß einfach nicht mehr was ich denken soll.
Habe morgen auch noch mündliche Abschlussprüfung in Englisch und bekomme alleine nur wenn ich daran denke eine Panikattacke. Keine Ahnung wie ich das morgen schaffen soll.
Tut mir leid, das ich dir das jetzt alles erzähle und das der obige Text ein Wirr-Warr an verschiedenen Sachen ist aber ich muss es irgendwo los werden sonst platze ich.

ich stelle mir eine Beratungsstelle eher so wie in Filmen vor. Also 10 Menschen mit (in meinem Fall) sozialer Phobie sitzen in einem Kreis zusammen und reden über ihre Probleme
oder wie in einem Arztzimmer. Man muss zu einer Rezeption gehen, dann ist ein ganz langer weißer Gang mit etlichen Türen und überall rennen Therapeuten bzw. Menschen rum.

07.04.2019 14:13 • #5


CeHaEn

CeHaEn

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Solche Beratungsstellen haben oftmals tatsächlich auch Gruppenangebote; Betonung dabei auf "auch" und "-angebote" Zunächst wirst du dort vermutlich Einzelgespräche beanspruchen können. Frag einfach das Internet nach entsprechenden Beratungsstellen in deiner Umgebung und mach einen Termin aus oder finde heraus, ob es offene Sprechzeiten gibt.

Es ist gut, dass du trotz deiner Ängste versuchst draußen zu sein und da ist es völlig okay, dass es nicht immer klappt.
Je nach dem, wie groß deine Probleme wirklich sind, wirst du u.U. dennoch Hilfe brauchen - und zwar von jemandem mit Ahnung. Eine Beratung kann da schon ein guter Schritt sein und vielleicht bringt sie dir bereits eine deutliche Verbesserung. Ansonsten steht immer noch eine Therapie im Raum; dahingehend kannst du dich in der Beratungsstelle auch informieren.

Natürlich sind viele Menschen vor Prüfungssituationen oder großen Entscheidungen nervös oder verunsichert. Bis zu einem gewissen Punkt ist das auch gut so. Dieser Punkt wird allerdings überschritten, wenn man deswegen handlungsunfähig ist oder psychosomatische Symptome entwickelt. Das ist bei dir ja der Fall und da halte ich es für wichtig, der Sache auf den Grund zu gehen. Wenn es letztlich eine relative Kleinigkeit gewesen sein sollte - umso besser. Andernfalls ist jedoch einige Arbeit nötig, um das Problem zu lösen oder wenigstens zu beherrschen. Da helfen gut gemeinte Worte von Mutti nicht immer weiter und: Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht.

Und jetzt erstmal toi toi für morgen!

07.04.2019 21:32 • x 1 #6


Wolke15


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Danke habs heute irgendwie überlebt
hatte gestern noch einen kompletten Zusammenbruch bei dem meine Mutter gesagt hat ich soll mich ablenken und nicht daran denken und dann wird das schon. Ich weiß ja das sie recht hat aber so einfach umzusetzen ist das nicht. Und dann hat sie wieder mal gesagt, dass meine Ärzte und die Therapeutin das selbe gesagt hätten und wir das alleine hin kriegen
Ich weiß ja auch nicht ob das normal ist und ob das nicht jeder hat vor allem weil gestern so viel zusammen gekommen ist das ich einfach nicht mehr konnte. Ich weiß auch das es komplett dumm ist was mein Gehirn sich da zusammenspinnt aber bei Vernunft gegen Kopf gewinnt anscheinend der Kopf.

08.04.2019 18:42 • #7


CeHaEn

CeHaEn

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Zitat von Wolke15:
Danke habs heute irgendwie überlebt

Na das war auch nicht anders zu erwarten - glücklicherweise.

Zitat von Wolke15:
Ich weiß ja auch nicht ob das normal ist und ob das nicht jeder hat vor allem weil gestern so viel zusammen gekommen ist das ich einfach nicht mehr konnte.

Siehe meinen vorherigen Beitrag.
Prüfungs- oder Versagensangst; die Angst, anderen Leuten nicht zu gefallen; Angst vor tiefgreifenden Veränderungen. Das dürfte wohl nahezu jeder Mensch erleben. Die Frage dreht sich viel mehr darum, wie groß diese Ängste sind und ob ein Mensch mit ihnen umgehen kann.

Vor 29 Minuten • #8




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